Die volle Zahlendröhnung aus Griechenland II - Privatisierungserlöse

Auch im zweiten Teil (siehe erster Teil: DIE VOLLE ZAHLENDRÖHNUNG AUS GRIECHENLAND I - NEUE SCHULDENSTANDSPROGNOSE) Teil gibt es eine Aktualisierung einer alten Zahl.

Es geht um die 50 Milliarden Euro, die die Griechen bis 2015 an Privatisierungserlösen einfahren wollen. Ich hatte darüber schonmal berichtet. Zuerst über die Schätzung des IWF, dass Griechenland Staatsbesitz im Gesamtwert von 300 Mrd. Euro besitzt (siehe Mal was Positives zu Griechenland …), dann überlegend, ob die Summe denn plausibel sein kann. Nach einem Vergleich mit der Vermögenslage von Deutschland bin ich dann zum Schluss gekommen, dass die 300 Milliarden wohl ziemlich optimistisch sein dürften (WAS IST DER STAATSBESITZ GRIECHENLANDS WERT?; eigentlich ein tolles Posting, das komischerweise niemand geflattert hat ...)

Daher hatte ich auch schon gewisse Zweifel, ob Griechenland schnell und problemlos die angestrebten 50 Milliarden Euro an Privatisierungserlösen einfahren kann.

Die Zweifel teilen andere schon länger, neu sind allerdings skeptische Stimmen aus Griechenland selber ... Der stellvertretende Finanzminister Griechenlands wird jetzt von der FAZ mit der Aussage zitiert, dass "Investoren nicht am Kauf von Unternehmen interessiert seien, sondern eher an Finanzprodukten" und dann "viel weniger als die geplanten 50 Milliarden Euro zusammen kämen".

Viel weniger ...

Grund sind unter anderem die stark gesunken Börsenkurse. Darauf habe ich schon in meinem Artikel (was ist der Staatsbesitz ...) hingewiesen. Für die 10% an der griechischen Telefongesellschaft OTE gab es auch (wie zu erwarten war) nur knapp 400 Millionen Euro. Bei einem gedrittelten Börsenkurs ist halt nicht mehr viel zu erlösen ...

Vielleicht noch erschreckender ist die Bilanz der aktuelle Regierung, die nach immerhin 18 Monaten im Amt noch nicht eine einzige neue Privatisierung geschafft hat. Den OTE-Anteilsverkauf zählt die FAZ nicht, weil der entweder schon länger geplant ist oder die Firma schon als privatisiert gilt.

Wenn wir den OTE-Anteilsverkauf mitzählen, wurden 390 Millionen Euro eingenommen. Es wurden also bisher

0,78%

der angestrebten Privatisierungserlöse eingenommen. Ohne Worte.

Aber vielleicht ist noch erschreckender, dass das einzige, was ich in meinem Artikel als möglicherweise einziges wertvolles Asset neben der Infrastruktur gezählt habe, nämlich Immobilien und Grundstücke, scheinbar auch nicht einfach zu Geld zu machen sind ...
Und wisst ihr warum? Weil es in Griechenland immer noch nicht landesweit über Grundbuchämter verfügt, sprich viele Eigentumsverhältnisse sind noch nicht erfasst und unklar. Unter diesen Umständen investiert dort niemand ...

Griechenland erinnert mich nicht zum ersten Mal an die ehemalige DDR ...

Die 50-Milliarden bis 2015 werden ganz grandios floppen, so wie die Sparbemühungen auch floppen. Es wird wahrscheinlich (komischerweise) viel Lob für die Bemühungen der Griechen geben, die Ergebnisse werden aber unterdurchschnittlich ausfallen.
"Er hat sich stets bemüht" ist ja bekanntermaßen eines der schlechtesten Urteile, das in einem Arbeitszeugnis stehen kann ...

50 Milliarden Euro angestrebt: Griechen zweifeln an ihren Privatisierungserlösen - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

Kommentare :

  1. "Weil es in Griechenland immer noch nicht landesweit über Grundbuchämter verfügt, sprich viele Eigentumsverhältnisse sind noch nicht erfasst und unklar."

    Das muss man sich echt mal vorstellen - wie in einem Entwicklungsland! Dabei weiß man spätestens seit Heinsohn, wie wichtig Meldewesen, Grundbuch- und Katasteramt für den Wohlstand sind. Echt unglaublich!

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  2. Hammer, fand ich auch.

    Aber in Teil 3 kommt watt zum Steuersystem und ich sach dich, datt wird och nich bessa

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  3. Sorry. Deine Anti-Griechenland Propaganda ist einfach nur abstossend. Ein Besserwisser = Nixwisser aus dem Ruhrpott macht auf Verteidiger der deutschen Pseudo-Tugenden. Das eigentlich feige an dieser Hetzkampagne ist dass der Autor nicht mal den Mumm hat mit seinem Namen zu unterschreiben.

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  4. Meine "Propaganda" bezieht sich auf eine Aussage eines stellvertrenden griechischen Ministers. Ich wüsste nur zu gerne, was daran Propaganda sein soll.

    Der Meister aus Wien glaubt das 50 Milliarden Euro Märchen etwa?

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  5. Der Meister glaubt gar nix. Er weiss nicht wie hoch die Erlöse aus Privatisierungen in Griechenland sein könnten. Der Meister weiss aber warum er das nicht weiss. Weil es keine gute Idee ist über Privatisierungen zu verhandeln wenn einem jemand eine Knarre an den Kopf hält. Der Meister selbst hat folgende Regel #1 für erfolgreiche Verhandlungen: You can't negotiate if you can't credible walk away from the deal.

    Der Meister hofft auch dass seine griechischen Freunde ihn anrufen wenn sie dem Rat ihres vermeintlichen EU Freunds Jean-Claude Juncker folgen: "Ich würde es sehr begrüßen, wenn unsere griechischen Freunde nach dem Vorbild der deutschen Treuhandanstalt eine regierungsunabhängige Privatisierungsagentur gründen würden".

    Der Meister kauft sehr gerne den Hafen von Pireus für 1 Euro und mit den 800 Millionen EU Subventionen verwandelt der Meister den mediterranen Schrottplatz in eine glitzernde Ikone der Globalisierung. 25% der Arbeitsplätze sind garantiert. Der Rest der Belegschaft wird in die Obhut des Staates zum Sirtaki-Tanzen entlassen und mit hyper-moderner Container-Technologie made in Germany ersetzt. Nach erfolgreicher Sanierung übergibt der Meister den Hafen einer Betreibergesellschaft der Hamburger Hafen Gesellschaft für läppische 1 Milliarde Euro. Den VK-Erlös wird der Meister nach Abzug seiner nicht unerheblichen Kosten (Learjet, Yacht, ...) wieder in Griechenland investieren. Der Meister kauft die Akropolis und wird dort als moderner Plato öffentliche Vorlesungen halten warum es keine gute Idee ist mit jemanden über Privatisierungen zu verhandeln, der einem eine Knarre an den Kopf hält.

    Der Meister aus Wien empfiehlt dem Vollidioten aus dem Ruhrpott seine Griechenland Berichterstattung dahingehend umzuändern:

    Beitrag #1: Eine Zusammenfassung der sehr unglücklichen und auch sehr korrupten Umstände die zur derzeitigen Malaise in Griechenland geführt haben ohne teutonische moralisierende Werturteile.

    Beitrag #2: Eine Zusammenfassung der derzeitigen Lage Griechenlands und warum die bisher vorgeschlagenen Lösungen hoffnungslos sind und auch hier wieder ohne teutonische moralisierende Werturteile.

    Beitrag #3: (Sehr gerne auch bis Beitrag #999.) Der Autor konzentriert seine teutonische Wut auf die eigentlich Schuldigen warum es diese Nicht-Krise noch immer gibt.

    PS: Der Meister meint auch: economics isn't a morality play. Der Meister glaubt auch dass es eine gute Sache ist wenn er weiss mit wem er spricht statt sich mit einem dubiosen Eierkopf zu unterhalten. Denn in seinem normalen Alltag beantwortet der Meister nicht Anfragen von Homer Simpson.

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  6. Sei mir nicht böse, aber wenn du hier regelmäßig lesen würdest, wüsstest du, dass ich gegen die Springer-Presse-Berichterstatung über den "faulen Griechen" mehr als einmal geschrieben habe.

    Wo sind in meinem Text "teutonisch moralisierende Werturteile"? Soll ich das Fehlen eines Grundstückkatasters bejubeln?

    Ansonsten kannst du auch gerne schweigen. Die Serie empfehle ich dir für dein Blog. Dann muss ich mich den Vollidioten auch nicht mehr anhören.

    Was mich aber sehr beruhigt ist die Tatsache, dass ich ein ganz gutes Gefühl dafür habe, mit wem man sich mal am Wochenende trifft und mit wem besser nicht.

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  7. >Sei mir nicht böse …
    Ich bin dir nicht böse! Ich bin ganz relaxt. Im Gegensatz zu anderen ;-) Ich les soviel Unfug da macht dein Unfug nicht wirklich das Kraut fett. Du bist ja zum Glück nicht der Overlord der EZB. In dem Sinne: locker bleiben und weiter machen.

    PS: Ich glaub die Mehrheit der Teutonen findet dein Blog sicher total ON THE POINT. Du hast praktisch die Blogger Bild erschaffen. Das ist doch was auf was man echt stolz sein kann oder?

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  8. @Stephan Ewald

    Deine Kommentare bei Weissgarnix sind üblicherweise doch ganz vernünftig, warum hier die Beleidigungen und persönlichen Angriffe? Sie sind unangebracht und Deine Vorwürfe unberechtigt, komm mal wieder runter.

    Privatisierung ist zum derzeitigen Zeitpunkt mit Sicherheit eine schlechte Idee. Es ist aber nicht so, dass die griechische Regierung mit einer Pistole am Kopf verhandelt. Sie kann jederzeit die Verhandlungen verlassen, den Zahlungsausfall erklären, bei Bedarf die Drachme einführen und Brüssel einen schönen Tag wünschen. Ich hielte das für vernünftig.

    Zumal, bei einer prognostizierten Schuldenquote von 170% BIP kann Griechenland selbst mit dem Zinssatz für deutsche Anleihen seine Schuldenquote nicht stabilisieren. Die Situation ist unhaltbar.

    Also, warum verlässt Griechenland nicht den Verhandlungstisch? Meine Vermutung ist, die griechische Regierung hofft auf Finanzierung über die EZB. Da könnten Verweise auf nicht zu erfüllende Bedingungen und fehlende Katasterämter hilfreich sein...

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  9. @S. Ewald:

    "Der Meister aus Wien empfiehlt dem Vollidioten aus dem Ruhrpott seine Griechenland Berichterstattung dahingehend umzuändern:
    Beitrag #1: blablabla
    Beitrag #2: blablabla
    Beitrag #3: (Sehr gerne auch bis Beitrag #999.) blablabla"

    Wieso, großer Meister aus Wien, erzählst Du das alles nicht in Deinem eigenen Blog? Ach so - das will niemand lesen, auch keine Vollidioten aus Östereich? Weil niemand Tagträumer braucht, auch keine aus Wien?

    Ganz ehrlich, als ich Deine Beiträge hier las, hielt ich Dich für einen Troll. Deine Antwort wird es bestätigen.

    Vielleicht lernst Du aber erstmal das Grundzeug des Journalismus kennen: Meinung/Kommentar von Fakten zu trennen.

    Ohne Grüße,

    Hardy

    PS: Du hast einen Hinweis auf den 2. WK vergessen.
    PPS: Die Stadt Braunau hat vor wenigen Tagen....aber das weißt Du sicher schon.

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  10. "..... neu sind allerdings skeptische Stimmen aus Griechenland selber ... Der stellvertretende Finanzminister Griechenlands wird jetzt von der FAZ mit der Aussage zitiert, dass 'Investoren nicht am Kauf von Unternehmen interessiert seien, sondern eher an Finanzprodukten' ..... ."

    Abgesehen vom Sprecher (griechischer Politiker) macht mich auch die Begründung stutzig: 'Investoren wollen lieber Finanzprodukte'.
    Warum sagt er nicht: "Angemessene Erlöse in der gegenwärtigen Situation kaum zu erzielen?"

    Für mich ist das keine deskriptive Aussage, sondern eine politische, d. h. eine manipulative. Die Griechen wollen ums Verrecken ihre Staatsbetriebe nicht verkaufen, und schützen den Unwillen der Investoren nur vor.
    Also sollen (was Leute wie der Herr Ewald offenbar nicht kapieren) steuerehrliche Deutsche ... usw. weiterhin die griechischen Steuerhinterzieher finanzieren.

    Tja, die Konstellation ist halt günstig für die Griechen:
    Die Solidarität der internationalen Politikerkaste untereinander sowie mit den Finanzakteuren einerseits, und die Trägheit der Nordeuropäer andererseits, die eben nicht in Berlin Randale machen, wenn man ihnen das letzte Hemd auszieht, spielen diesem Volk leider voll in die Hände!

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  11. > Schlechte Zeiten für gute Geschäfte
    http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/schlechte-zeiten-fuer-gute-geschaefte/4447800.html

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