EU-Studie: Biokraftstoffe bringen CO2-mäßig nichts (ach was)

Oh, surprise. Biokraftstoffe bringen nach einer neuen Studie, die die EU-Kommission in Auftrag gegeben hat, keine CO2-Einsparung.

Ich sage das schon lange und behaupte, dass die ganze Biodiesel und Ethanol-Beimischerei nichts anderes als eine (schlecht) versteckte Subvention an die Agrarbranche in Europa ist. Nachdem erst die Rapsbauern mit Biodiesel gepäppelt wurden, hat man die Auswahl dann über die Beimischung von Ethanol zum Benzin noch verbreitert. Nun wird das auch für Weizen-, Mais- und Gerstenbauern und vor allem die Zuckerrübenbauern interessant. Vor allem im Fall von Gerste ist das sehr sehr schlecht, dadurch wird schließlich das Bier teurer ;-)

Der positive Effekt von Biodiesel und -ethanol auf den CO2-Ausstoß war schon immer umstritten. Zwar fördert die EU generell nur Produkte, die mindestens 30% des CO2-Ausstoßes gegenüber derselben Menge Mineralöl einsparen. Allerdings ist unklar, wie das genau berechnet wird; Studien in diesem Bereich kommen ja zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Ist der Energieaufwand für die Düngung enthalten? Ist der Energieverbrauch für die Veredlung zu Bioethanol drin? Etc. pp.

Auch fehlt mir die Berücksichtigung globaler Effekte. Denn Nahrungsmittel werden angesichts der wachsenden Bevölkerung ja benötigt und man kann ziemlich sicher davon ausgehen, dass ein spürbarer Teil der Abholzung des Regenwalds daraus zurückgeht, dass dort jemand Sojabohnen, Palmen, etc. anbaut, die dann entweder Nahrungsmittel, die früher aus Europa kamen, ersetzen oder aber direkt in Biosprit umgewandelt werden. Nach Berücksichtigung dieses Faktors dürften die wahnsinnige Ersparnis von 30%, die die EU verlangt, mehr als aufgehoben sein. Der Effekt heisst in Fachkreisen "Indirekt Land-Use Change" (ILUC).

Aber naja, es ist ja nicht neu, dass wir das Thema Klimaerwärmung, das so global ist wie kein anderes, nicht aus globaler Sicht angehen. Ansonsten würden wir uns auch nicht in Deutschland mit einer Sonneneinstrahlung wie in Kanada en masse Fotovoltaikanlagen auf die Dächer schrauben ... Zumindest die Griechen könnte man damit beglücken ...

Leider habe ich keinen Zugriff auf die Studie. Aber das Ergebnis soll sein, dass durch die Umwandlung von bisher ungenutzer (sprich in den meisten Fällen bewaldeter) Fläche mehr CO2 freigesetzt wird als nachher eingespart wird. In der neuen EU-Studie wird das für 80% der neuen Flächen angenommen.

Auch wenn das andere früher gesagt haben, wird die Agrarlobby Amok laufen. Mal schauen, wer sich dieses Mal durchsetzt. Sogar vom Ende der Biospritbranche wird schon geredet.

Meiner Meinung nach führt aber schon lange kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass jede Umwandlung von bisheriger Agrarfläche in Biospritflächen ein großer Fehler ist, da reicht schon die alleinige Betrachtung des CO2-Effekts, den Hunger in großen Teilen der Welt braucht man für dieses negative Urteil gar nicht berücksichtigen. Biosprit aus Pflanzen ist nur dann sinnvoll, wenn dafür Flächen genutzt werden, auf denen bisher keine Nutzung möglich war (Steppe, Stichwort Jatropha) oder wenn man Abfälle dafür verwendet (Holzschnipsel, Stroh, Mist, ...). Daran wird auch fleissig geforscht und es gibt einige viel versprechende Ansätze. Im großen industriellen Maßstab ist das aber noch eine sehr junge Technologie, man sollte da nicht zu optimistisch sein.

Der FTD Artikel, über den ich die Nachricht gefunden habe, ist übrigens ziemlich schlecht übersetzt. Die FTD schreibt "Sie [Gewisse Firmen] arbeiten an einer neuen Generation von Biokraftstoffen, die nicht mehr aus Pflanzen hergestellt werden." und ich denk: WTF, ja woraus denn? Ein bisschen googlen ergibt dann auch schnell die Lösung. Im Originaltext steht nämlich "next-generation biofuels from non-crop sources", also "Nicht-Getreide", nicht "Nicht-Pflanze". Autsch.

FTD: Klimaschutz: EU-Studie stellt Biokraftstoffe in Frage | FTD.de
Exclusive: Climate impact threatens biodiesel future in EU | Reuters

Kommentare :

  1. Hallo,

    ich glaube du musst diese Studie des IFPRI gar nicht lesen. Die Ergebnisse dürften nicht allzu stark von der 2010 vom Institute for European Environmental Policy (IEEP)veröffentlichten Studie abweichen.

    Das wirklich sehr lesenwerte Stück heißt "Anticipated Indirect Land Use Change Associated with Expanded Use of Biofuels in the EU – An Analysis of Member State Performance" und steht hier zum Download bereit: http://www.foeeurope.org/agrofuels/ILUC_report_November2010.pdf ;-)

    Es ist ja nicht so, dass die negativen Effekte durch den Energiepflanzenanbau (der EU) nicht schon lange bekannt wären, aber die mächtige Agrarlobby (insbesondere die französische und deutsche) macht da richtig Dampf in Brüssel...

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  2. Ich glaube das mit E10 Einführungsnebelaktion war Absicht (Angst vor Sunk Cost nachdem man feststellte, dass es Blödsinn ist). Das war mal (ganz ganz früher) so eine Idee von Ökos, die aber von denselben Ökos ganz schnell beerdigt wurde, nachdem sie nachrechneten (auch Ökobilanzierung genannt). So ein "nachwachsene Rohstoffe"-Ding, geht (vielleicht/wenn überhaupt) nur unter Modellannahmen, die eher einer Wunschwelt/Utopia eines globalsierungskritischen Ökonfanatikers entsprechen. Leider leben wir nicht in dieser Wunschwelt, sodass die Modellannahmen eher um 180 gedreht der Realität sich annähern.

    Als George Bush Anfang/Mitte der 2000er dieses Bioethanol-Ding bereits in den USA durchgeboxt. Damals war Bioethanol bereits (in der Theorie) beerdigt (Wovon die Amis nix wussten/wissen wollten, weil ja auch kein Amt für Technologierisikobewertung mehr hatten. Das haben tatsächlich abgesägt). Und alle Nebenwirkungen die nun in Europa mit Bioethanol assoziiert, können (wenn man denn will) am Großfeldversuch USA auch empirisch nachweisen/messen (Am besten man startet bei Getreide). Aber nö, wir dummen Europäer müssen ja jeden nachgewiesenen Quatsch nachmachen. Wo sind denn diese ganzen "Vernunfts"-politiker von der CDU/CSU geblieben?

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  3. "Nicht-pflanzliche Kraftstoffe"

    egghat, hast noch nie Matrix angeschaut. Der Treibstoff der Zukunft ist eindeutig nicht aus Pflanzen gemacht....

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  4. Haha, böse. Dann haben wir auch wieder ein paar Lebensmittel übrig ;-)

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