Ich mache mir Sorgen um Italien ...

Tja, Worte, die man wohl als einer der Mächtigen der Welt besser nicht so einfach in die Welt posaunt ... Ich als irrelevanter Blogger hingegen darf das ;-)

Ich hatte am Freitag in meinem Zweitblog schon auf die äußerst negative Entwicklung in Italien am Freitag hingeweisen. Die Aktienkurse der italienischen Banken sackten im Schnitt um mehr als 6% nach unten, die Renditen für die Staatsanleihen stiegen, die Kreditausfallversicherungen wurden sowohl für den Staat wie auch die italienischen Banken und Versicherungen deutlich teurer (siehe: War das die Reaktion auf den Berlusconi Rückzug?).

Nun soll es am Wochenende wieder eines dieser ominösen Geheimtreffen gegeben haben, das allerdings so ungeheim waren, dass daraus wieder einige Details bekannt geworden sind.

So berichtet die Welt, dass die EZB eine erneute Verdopplung des EU-Rettungsfonds diskutiert haben soll. Dann wäre der Rettungsfonds satte

1.500.000.000.000 (1,5 Billionen) Euro

schwer.

Welt: Rettungsschirm muss für Italien aufgestockt werden

Die Überschrift in der Welt finde ich einigermaßen ungelungen. Denn aktuell gibt es ja wohl noch keine konkrete und unmittelbare Gefährdung Italiens. Es müsste also wohl eher "müsste aufgestockt werden" als "muss aufgestockt werden". Denn dass die bisherigen Rettungsprogramme für die drittgrößte Volkswirtschaft nicht ausreichen, ist zwar sehr richtig, aber auch wenig überraschend.

Ich halte das (mMn) gezielte Heraussickern dieses Treffens und der Forderungen aber nicht für einen Zufall. Ich schätze, die EZB will der Politik Dampf machen. Die Rettungspolitik ist bisher Stückwerk. Es gibt keinen großen Plan, es gibt kein Ziel. Wochen nach dem kategorischen Nein zu dem Ob oder dem Wie des nächsten Schritts, wird das dann doch umgesetzt und zwar so, wie man es am Anfang auf keinen Fall umsetzen wollte. Die Kritik ist aus meiner Sicht durchaus gerechtfertigt.

Nun will die EZB aber wohl vor allem verhindern, selber tiefer in den Strudel gezogen zu werden. Keine weiteren Rettungsprogramme auf Kosten der EZB wie zum Beispiel Quantitative Easing in einer europäischen Version, sondern eine politische Initiative. Also eine Lösung über Politik, nicht über Geldpolitik.

Und um das zu ermöglichen, bräuchte Europa wirklich große Änderungen bis hinab auf Verfasssungsebene. Gemeinschaftliche Finanzierung in der EU, gemeinsame Wirtschaftspolitik, etc. pp. Nur tut sich auf dieser Baustelle leider nichts. Es wird nur an Details herumgedoktort und selbst das in einem Tempo, der an einen Stau im deutschen Urlaubsverkehr erinnert ...

Update (00:37):

Die FTD dazu: Italien: Euro-Retter, es wird höchste Zeit | FTD.de

Update 2 (14:41):

Die italienischen Bankaktien fallen weiter, wenn auch im Moment nicht mehr so schnell wie am Freitag. Der Spread zwischen deutschen (2,71%) und italienischen Staatsanleihen (5,53%) steigt weiter. Auch die Kreditausfallversicherungen werden teurer. Italien kostet nun über 280 Basispunkte (+30) (btw. Griechenland 2.300bp (+110), Spanien 338bp (+24), Portugal 1.090bp (+77), Irland 970bp (+68)). Gleichzeitig bricht der Euro ein und verliert fast 2 Cent auf den Dollar (knapp über 1,40 aktuell) und ebenfalls gegenüber dem Schweizer Franken, wie er von 1,19 auf 1,17 einbricht.

Außerdem möchte ich auf ein älteres Posting verweisen, dessen Titel schon für sich spricht :

Felix Zulauf: Der nächste ist Italien, nicht Spanien - egghat's not so micro blog

Nicht schlecht, der Zulauf. Der Bankrun in Zeitlupe war wohl die richtige Zustandsbeschreibung ...

Update 3 (15:15):

PIMCO: Anleger, passt auf die Entwicklung in Italien auf ...

CNBC: El-Erian: Keep a Close Eye on Italy

Update 4 (17:17):

CDS für Italien zum ersten Mal über 300 Basispunkte, also ein Plus von mehr als 50 Punkten gegenüber Freitag. Damit sind jetzt Kolumbien, Kroatien, Indonesien, Kasachstan, Mexiko, Panama, Rumänien und die Türkei kreditwürdiger ...

Twitter / @GavanNolan: Italy's 5-year CDS have wi ...

Kommentare :

  1. Italien ist, im Gegensatz zu Griechenland und Portugal, ziemlich solide. Die Volkswirtschaft ist gut durch die Krise gekommen, der Staatshaushalt ist in Ordnung und die Leistungsbilanz ausgeglichen. Das Zinsniveau ist auch tragbar, 4-5% Zinsen bei 2% Inflation finde ich nicht bedenklich. Woher also die Aufregung in der Presse?

    Meines Erachtens wird da eine Sau durchs Dorf getrieben.

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  2. Ausgeglichen ist die Leistungsbilanz auch nicht, allerdings ist das Loch durchaus tragbar. Das große Plus für Italien ist die niedrige Verschuldung des Privatsektors. Der italienische Staat ist relativ stark verschuldet, aber zum überwiegenden Teil im Inland (auch wenn sich das Verhältnis zunehmend verschlechtert). Die NIIP ist auf jeden Fall ähnlich tief im Minus (etwa 20% des BIPs) wie in den USA.

    Italien ist nicht ganz unkritisch, aber die Stimmung, die gerade gemacht wird und an Panik erinnert, ist eigentlich übertrieben. Da stimme ich zu.

    Mich würde auch nicht wundern, wenn die Marktstimmung am Freitag und das "Geheimtreffen" am Wochenende durchaus abgestimmt und inszeniert waren ...

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  3. >Ausgeglichen ist die Leistungsbilanz auch nicht

    Ja, Du hast recht, mein Fehler, ich habe nur auf den Außenbeitrag geblickt und die Einkommensströme unterschätzt. Bleibt dennoch, wie Du auch schreibst, noch tragbar.

    Das Minus in der NIIP ist nicht dramatisch. Die übrigen problematischen Länder (Spanien, Griechenland, Portugal, Irland) haben alle eine NIIP von 100% BIP.

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  4. Ihr seid aber auch Kollektivisten und denkt, im Nettosaldo wäre Italien ja recht harmlos verschuldet. Die Frage der Umverteilung, ob vermögende Individuen bereit sind sich zur Schlachtbank führen zu lassen um die tiefroten Bruttosalden auszugleichen, die gewichtet Ihr viel zu gering. Ich hab nämlich keinen Bock meinen Tagesgeldkontostand zum Ausgleich der Salden vergesellschaften zu lassen. All die Millionen anderer vermutlich ebenso wenig. Das wird so oder so bitter.

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  5. Im Gegensatz zu Griechenland hätte Italien theoretisch das ökonomische Potential dem Schlamassel zu entkommen. Aber die werden nie und nimmer die dafür notwendige politische Geschlossenheit haben.

    Sebastian

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  6. @matsch:

    Es geht auch nicht darum, Italien irgendwie schön zu reden. ABER die haben nicht 10% Leistungbilanzminus, sondern unter 5 und die haben keine NIIP, die 90 oder 100% im Minus liegt (GR, POR), sondern nur eine, die 20 oder 25% im Minus liegt. Außerdem keine Immobilienblase (Irland, Spanien) und relativ stabile Banken.

    Ein knackiges Sparprogramm und Italien kann das Ruder noch rumreissen. Ähnlich wie vielleicht Spanien (weil dort die Staatsverschuldung noch niedrig ist) oder wie Irland (weil dort die Handelsbilanz so positiv ist). Wie du siehst, fällt mir zu GR und POR nix Positives ein, die sind erledigt. Italien hat mit einem knackigen Sparprogramm, wie es Spanien schon macht, aber durchaus eine Chance für die Wende. In Irland und Spanien hängt alles am Immobilienmarkt. Wenn der sich nicht fängt, ist dort auch Schicht. Ein Privatsektor, der mit über 200% des BIPs verschuldet ist (wie in Irland), kann einfach nicht gutgehen. Wir reden schon lange über den hochverschuldeten US-Verbraucher, aber selbst der hat es nie auf mehr als 100% des BIPs "geschafft". 200% sind total und komplett irre.

    Italien kann es realistisch und aus eigener Kraft schaffen. Irland und Spanien brauchen ein Wunder, sprich eine schnelle Wende am Immobilienmarkt (woher auch immer die kommen mag) und GR und POR sind durch.

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  7. Ich dachte ich gucke nicht richtig als ich die Nachrichten heute morgen (noch leicht verpennt) las. Die Story wird langsam langweilig. Griechenland hatte ja seine Berechtigung (Ursache=Betrug), aber Italien (Träge wie einst Deutschland), Portugal (Suche nach einen Geschäftsmodell), Spanien (Bausektor abgesoffen), Irland (Bankenretteritis). Also Betrug versus Konjunkturschwsäche/Retteritis ist nicht die gleiche Liga (Die "Leistungen" eines Ex-Enron Vorstand kann man ja auch nicht mit denen eines Hartz-4 Empfänger vergleichen).

    Hey es gibt doch noch US Munis (Sehr wahrscheinlich), Student Loan ABS (Ja, bei Stagnation) oder T-Bonds selbst (Ok ich übertreibe...).

    Man sollte sich nicht von jeden Pups bei CDS-Spreads kirre machen lassen. Das ist ein Fast Money Markt. Da wädelt der Schwanz mit dem Hund.

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  8. egghat,

    du sprichst eben von 'Italien kann es schaffen', 'Spanien kann es schaffen', während 'Griechenland fertig hat'. So weit, so richtig. Griechenland steht mit beiden Beinen im kalten Wasser, Italien mit einem im heißen, mit dem anderen im kalten Wasser. Damit beim Kollektiv 'Italien' wohltemperiertes Wasser rauskommt, muss derjenige, der hat, was abgeben. Und zwar drastisch! Das wird keiner freiwillig mit sich machen lassen, nur unter größten Verwerfungen und Absetzbewegungen. Absetzbewegungen, die seit drei Jahren voll im Gange sind.

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  9. @matsch:

    Ich sag ja weder, dass die es auf jeden Fall schaffen, noch sage ich, dass das einfach wird.

    Ich bin ja nicht weissgarnix, der die Vermögenden einfach enteignen würde oder in Griechenland eine Militärregierung installieren würde ...

    Aber es gibt auch dazwischen Möglichkeiten, z.B. eine niedrig verzinste, dafür aber steuerfreie Notanleihe. Oder einen Soli.

    Man muss aber auf der Negativseite sehen, dass Italien schon eine ziemlich hohe Staatsquote hat und der Staat dafür ziemlich schlecht funktioniert ...

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