Moody's: Portugal jetzt auch Junk (uuuuund Ansteckung)

OK, die Nachricht ist schon von gestern, aber wenn ich die ganze Downgradegeschichte verbloggt habe, dann doch bitte auch den Schritt in die unterste Kategorie. Nach Ansicht der Ratingagentur Moody's ist Portugal jetzt nach Griechenland das zweite Land in der EU bzw. Eurozone, das nicht mehr als Qualitätsschuldner, sondern als Schrottschuldner gilt. Moody's ist die erste der drei großen westlichen Ratingagenturen, die diesen Schritt vollzieht.

Die Herabstufung um 4 Stufen von Baa1 auf Ba2 kommt nicht ganz überraschend, auch wenn 4 Stufen auf einmal schon viel sind. Der Ausblick bleibt übrigens auf negativ. Die Begründung sind (bis auf eine) die üblichen: Moody's zweifelt am politischen Willen für weitere Sparbemühungen, hält die aktuellen Defizite für zu hoch, kann sich schwerere Probleme im portugiesischen Bankensektor vorstellen, fürchtet niedrigeres Wachstum und rechnet nicht mit einer Rückkehr an den Kapitalmarkt.

Die neue (und spannende) Begründung ist der Verweis auf die Diskussion um die Beteiligung privater Gläubiger bei den griechischen Schulden. Moody's beurteilt die ganze Umschuldungsdiskussion sehr skeptisch (wie auch die Konkurrenz von S&P) und tendiert eher zu einer negativen Beurteilung des freiwilligen Umtauschs, also einem Rating von D (Default) oder SD (selective Default). Moody's befürchtet nun, dass bei jeder neuen Finanzierungsrunde der EU an eines der unterstützten Länder eine solche Diskussion geführt wird und damit auch jedes Mal ein Ratingherabstufung auf Default droht.

Das ist schon interessant: Moody's macht die Ansteckungsgefahr jetzt zum Ratingargument.

FT Alphaville: Moody’s downgrades Portugal on… Greece fears

Dabei gäbe es genügend Gründe, um Portugal auch so herabzustufen ... Portugal hatte  im Schnitt der letzten 10 Jahre ein Leistungsbilanzdefizit von 9% des BIPs. Das ist enorm viel und nicht so viel weniger als in Griechenland. Die Staatsverschuldung in Portugal liegt zwar unter dem Niveau von Griechenland, dafür ist die Verschuldung des privaten Sektors wesentlich höher (übrigens auch deutlich höher als die angeblich so hoch verschuldeten US-Verbraucher). Insgesamt gesehen ist Portugal (als Ganzes) ähnlich abhängig von Auslandskapital wie Griechenland.

Gleichzeitig ist die Wettbewerbsfähigkeit auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie in Griechenland. Nur ein Indikator dazu: Trotz eines dicken Schuldenanstiegs ist die portugiesische Volkswirtschaft im letzten Jahrzehnt nur mit 0,5%(!) pro Jahr gewachsen. Nicht einmal auf Pump kam also die Wirtschaft ins Laufen, woher soll dann erstmal Wachstum kommen, wenn der Staat spart (und der Verbraucher muss ja auch noch sparen ...).

Und dann droht auch immer noch die Gefahr von weiteren Zinserhöhungen, also nicht für den Staat, sondern für die Immobilienbesitzer in Portugal. Denn 90% der Hypothekenzinsen sind (wie in Spanien) variabel verzinst und steigen mit den steigenden Leitzinsen mit. Tödlich für die eh schon zu hoch verschuldeten Verbraucher in Portugal (und in Spanien)!

Der Autor der Analyse erwartet übrigens am Ende der ganzen Geschichte ein Anwerfen der Notenpresse, also eine europäische Version der Geldschwemme Quantitative Easing. Dies wurde in Europa bisher ja nur in einem bescheidenen Umfang von 70 Milliarden Euro durchgeführt. Schau'n mer mal. Sein Fazit: Euroschwäche voraus.

FT Alphaville » Does Portugal’s downgrade matter?

Naja, die Märkte kollabieren heute geradezu. Die Prämien für Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Portugal gehen durch die Decke: über 100 Punkte rauf auf 870 (10.000 Euro für 5 Jahre abzusichern kostet also 870 Euro pro Jahr). Spanien steigt um 21 auf 297 und Italien um 24 auf 220.
Auch anhand der Zinsen kann man den Effekt ablesen: Die Zinsen für zweijährige portugiesische Staatsanleihen explodieren von knapp 13 auf ein neues Rekordhoch von 15,7%. In Irland das gleiche Spiel: von knapp 13 auf 15,4% (ebenfalls Rekordhoch). Selbst in Griechenland sind die zweijährigen schon wieder über 28%. Aber noch kann sich die EU ein wenig entspannen, denn Spanien bleibt mit 3,6% noch im halbwegs soliden Bereich und ist auch noch kein neuer Rekord.

Man kommt um das wenig schmeichelhafte Urteil nicht herum: Die Politik hat bisher den Ansteckungseffekt Griechenlands auf andere Länder nicht einmal ansatzweise verhindern können. Die Ansteckungsgefahr wird oft als Argument gegen einen Haircut genannt. Ich glaube aber, dass die Politiker nicht verstehen, dass die Märkte dieses Risiko sowieso einpreisen. Ob Politiker das wollen oder nicht. Anders gesagt: Ich glaube, die Märkt wären heute ruhiger, wenn Griechenland einen Haircut bekommen hätte. Und nicht, wenn man den immer weiter in die Zukunft schiebt ...

Update (07.07.11):

Wer sich für den gesamten Text von Moody's interessiert:

Text of Moody's downgrade of Portugal to junk | Credit Writedowns

Update 2 (08.07.11):

Die CDS Preise heute:

Griechenland 2.150 (+31),
Portugal 990 (+23),
Irland 865 (+1),
Spanien 306 (+4), 
Italien 224 (+5).

Kommentare :

  1. Eine Sache ist mir aufgefallen: Die Portugiesen haben eine große Tradition der Arbeit hinterherzulaufen (ähnlich wie die Iren - im Gegensatz zu z.B. Spaniern). In vielen Fällen sind sie sicherlich auch im Gastland steuerveranlagt. Dies Löhne, die sicherlich zum großen Teil irgendwie in Portugal landen finden sich nicht im BIP.

    Ich habe da keinen Überblick. Macht das den Braten fett?

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  2. Ob das den Braten fett macht, kann ich nicht sagen (bzw. könnte ich schon, bin aber zu faul nachzuschauen ;-) ), aber der Effekt, den du ansprichst, findet sich in der Leistungsbilanz schon.

    In Griechenland habe ich das mal nachgeschaut und das waren das durchaus ein paar Prozent des BIPs. Hört sich nicht viel an, aber wenn man weiss, dass 10% Minus in der Leistungsbilanz viel sind, kann man sich auch denken, dass 3 oder 4% des BIPs an "Transferzahlungen" von im Ausland arbeitenden Staatsangehörigen durch relevant sind.

    Kurz: Der Effekt ist in der Leistungsbilanz bereits berücksichtigt. Ohne diese Zahlungen wäre das Minus also noch größer.

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  3. ohja. danke. VGR ist schon was her…

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