Buiter fordert 2,5 Billionen Euro Rettungsfonds ...

Willem Buiter (früher Kommentator bei der FT, heute Chefvolkswirt der Citigroup) ist ja Stammgast in diesem Blog hier. Schon in der Bankenkrise machte er einen meiner Meinung nach sehr guten Vorschlag (er wollt nicht die schlechten Assets in Bad Banks packen, sondern die guten in Good Banks, die dann sofort wieder unbelastet weiter arbeiten könnten, siehe:  HANDELSBLATT PRÄSENTIERT: WILLIAM (SIC) BUITER).
Auch in der Eurokrise hat er sich früh für eine Umschuldung Griechenlands ausgesprochen (siehe WILLEM BUITER FÜR RESTRUKTURIERUNG DER GRIECHISCHEN SCHULDEN (April 2010), GRIECHENLAND-SCHULDEN-RESTRUKTURIERUNG: BUITER PRO, DIBELIUS (NICHT WIRKLICH) CONTRA. (Februar 2011)). In einem hat er sich geirrt, nämlich dass die Gefahren in den anderen PIIGS-Ländern von den Märkten zu hoch eingeschätzt würden (siehe  Willem Buiters sehr realistische Einschätzung zu Griechenland - egghat's not so micro blog (19.2.10)). Inzwischen sind nicht nur Irland und Portugal unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft, sondern Spanien und Italien wackeln auch immer heftiger ...


Buiter hat seine Meinung aber inzwischen korrigiert. Schon vor einiger Zeit hat er eine Aufstockung der europäischen Rettungsfonds auf 2 Billionen Euro gefordert. Alles andere würde die Märkte nicht überzeugen und (politische) Krise nach Krise und (spekulative) Attacke nach Attacke auslösen (ich bin mir sicher, dass ich die Zahl verbloggt habe, finde die aber nicht wieder ...).

Jetzt hat Buiter seine Einschätzung sogar noch weiter nach oben gesetzt. Satte

2.500.000.000.000 (2,5 Billionen) Euro

fordert Buiter jetzt.

Da läuft es dem europaskeptischen Betrachter natürlich kalt den Rücken runter. Wer soll das bezahlen? Die Gegenfrage ist aber auch, ob die aktuelle Salami-Taktik weiterhilft, mit der ein Land nach dem anderen in den Schuldenstrudel gezogen wird. Wenn keine Ruhe einkehrt, könnte das schrittweise Vorgehen am Ende teurer werden, weil Schritt für Schritt die Maßnahmen gezogen werden müssen und Kosten verursacht würden. Der 2,5 Billionen Euro Fonds hingegen könnte wirklich Stabilität und Ruhe bringen.

Und etwas Wichtiges am Buiter-Vorschlag darf man nicht vergessen: Er fordert nämlich nicht nur den Mega-Rettungsfonds, sondern will die Gläubiger der jeweiligen Staatsanleihen verpflichten, sich *grundsätzlich* vor dem EU-Rettungsfonds zu beteiligen. Es soll also immer zuerst eine Beteiligung der privaten Gläubiger (im Wesentlichen Banken und Versicherungen) geben. Dafür müssen diese nachrangig haftendes Eigenkapital schaffen, das dann als Sicherheitspuffer für den Fall einer Staatspleite dient. Erst wenn dieser Puffer aufgebraucht ist, springt der EU-Rettungsfonds ein und sichert den Rest der Staatsschulden ab.

Damit hätte man eine gute Kombination aus Markt und Staat. Die Banken müssten (zumindest teilweise) für das Risiko haften. Daher würden sie dieses Risiko nicht zu groß werden lassen, bzw. ausreichend hohe Zinsen für das Risiko verlangen. Unsolide wirtschaftende Staaten würden von den Märkten mit hohen Zinsen bestraft, hätten also früh einen Anreiz zu sparen. Dieses Wechselspiel zwischen Schuldner und Gläubiger könnte also zumindest in der Theorie funktionieren. Auch wenn man zugeben muss, dass "die Märkte" vor der Krise die Risiken völlig falsch bewertet haben. Irland zahlte noch 2008 niedrigere Zinsen als Deutschland und auch die Aufschläge in Griechenland waren minimal. Man sollte die Fähigkeiten des Marktes nicht überschätzen, aber auch nicht so tun, als gäbe es diese gar nicht.

Buiter hört bei der Bankenbeteiligung nicht auf, sondern setzt als zweite Stufe dahinter den 2,5-Billionen-EU-Rettungsfonds, der im Notfall die Refinanzierung der Länder sicherstellen soll. Damit soll ein für alle Mal klar gemacht werden, dass ein Land nicht unkontrolliert Pleite gehen wird.

Ansonsten findet Buiter den neuen Eurostabilisierungsfonds gut und begrüßt auch die neu eingeräumten Möglichkeiten wie einen Anleihekauf am Markt. Nur ist ihm das effektive Volumen von 440 Milliarden Euro viel zu niedrig.

Der Buiter-Artikel in der Financial Times (leider hinter der Murdoch'schen Paywall):
Blundering towards a ‘You Break it You Own it’ Europe - FT.com
über den Umweg Google (blundering towards europe buiter - Google-Suche) aber auch für Nicht-Abonnenten noch erreichbar.

Buiter ist in Bezug auf Griechenland übrigens auch nicht wirklich optimistischer geworden. Er erwartet nach dem jetzigen Default bei der kommenden Umstrukturierung mehrere weitere Defaults, die den Gläubiger am Ende 65 bis 80% Verlust einbringen dürften. Aber das nur als Randnotiz.

Was meint ihr zum Buitervorschlag?

Kommentare :

  1. Hat der Kapitalmarkt Irland 2008 wirklich falsch eingeschätzt? Immerhin bekommt jeder sein Geld für irische Anleihen von Deutschland und der EZB zu 100% zurück, inkl. Zinsen. Für Deutschlands Schulden wird aber am Ende keiner haften.

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  2. Stand heute.

    In Griechenland hat der Markt auch nicht komplett daneben gelegen, der bisherige Haircut ist ja mager ...

    Aber das wird sich noch vielleicht noch ändern ...

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  3. Bei den Zahlen wird einem einfach nur noch schlecht. Und das alles nur für die Reparatur, nicht für das Beseitigen der Ursachen.

    Wenn man das tatsächlich in den Griff bekommen will, dann bedeutet das doch am Ende eine deutliche Senkung von Standards überall. Sozialleistungen, Infrastruktur, Lebensstandards. Auf ein Niveau, welches tatsächlich ohne Schuldenmacherei finanzierbar ist.

    Und dann wird es vielleicht endlich die Einsicht geben, dass die hemmungslose Deregulierung der Märkte nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nur einigen wenigen gedient hat.

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  4. Ich finde den Vorschlag unter den von Buiter skizzierten Bedingungen (keine Fiskalunion, Euro soll überleben) auf kurze Sicht sehr gut und halte es für das Beste, was derzeit an kurzfristigen Maßnahmen verfügbar ist. Einige Elemente hatten wir in dieser Diskussion bereits thematisiert. Du hast damals gemeint, wegen der umfassenden Beteiligung des öfentlichen Sektors an der Finanzierung würde ein Schuldenschnitt nicht viele Vorteile bringen. Buiter bezeichnet das als "one-time partial ex-post transfer", Lehrgeld also, für ein schlechtes Desgin der Währungsgemeinschaft und die zweifelhafte Rolle, die die EZB in der derzeitigen Euro-Krise gespielt hat.

    Die Formulierungen "a cross-border sibank and sifi resolution regime, an EU ‘Tarp’ as recapitaliser of last resort and EU deposit insurance regime and fund" sind von Buiter eingeführte Begriffe im Rahmen des Good Bank Modells (nur auf die EU erweitert). Ich müsste mal in seinen alten Beiträgen vom Maverecon-Blog (was für ein Verlust!) blättern, dort findet man das alles wieder.

    Ein wenig Wasser muss ich aber noch nachschenken. Buiter schreibt:

    "Adequate liquidity support will be provided to illiquid but most likely solvent sovereigns."

    Damit sind wir wieder auf Anfang. Ist Italien illiquid oder insolvent? Angenommen, Buiters Vorschlag wird umgesetzt, dann wären Irland, Portugal und Griechenland in direkter Reaktion insolvent (denke da findet sich Konsens). Italien und Spanien wären unmittelbar illiquide. Sollten Spanien und Italien dann über den 2,5 Bio. EFSF refinanziert werden (wegen kurzfristiger Marktstörung), oder sind beide Staaten insolvent und das Modell mit Privatgläubigerbeteiligung sollte greifen? Was wäre, wenn z.B. Spanien auf Grund einer moderaten Schuldenquote Mittel über den EFSF erhält und in fünf Jahren auf Grund eines fehlenden Geschäftsmodells auf die Insolvenz zusteuert? Oder wenn sich herausstellt, dass Spanien zwar zahlungsfähig bleibt, ein substantieller Teil jedoch permanent über den EFSF finanziert werden muss, damit das so bleibt (Bonitätstransfer)? Dann bleibt eben doch alles an den Steuerzahlern der Staatengemeinschaft bzw. der EZB kleben (oder zumindest ein guter Teil der Lasten) und nichts ist gelöst.

    Dieses Statement von Dir...

    "Damit soll ein für alle Mal klar gemacht werden, dass ein Land nicht unkontrolliert Pleite gehen wird."

    ...ist meines Erachtens etwas missverständlich. Mit dem Modell soll, nach meiner Lesart, vor allem klar gemacht werden, dass kein Land nur auf Grund kurzfristiger Marktstörungen, die eventuell mit der Pleite eines anderen Staates verbunden sind, ebenfalls pleite geht. Dennoch soll es grundsätzlich möglich sein, dass ein Staat insolvent wird, allerdings wird die Abwicklung kontrolliert unter dem "resolution regime" verlaufen und die Marktteilnehmer können sich auf die entsprechenden Verluste einstellen.

    Dem Fazit Buiters, It won’t be pretty but it will work, after a fashion, and it can survive, kann ich daher nicht zustimmen. Der Vorschlag ist sehr gut als eine kurzfristige Lösung, langfristig allerdings führt meines Erachtens kein Weg an einer Entscheidung vorbei, ob die EU Fiskalunion wird oder nicht. Zu einer gemeinsamen Währung gehört ein gemeinsame Regierung und ein gemeinsames Finanzministerium. Wenn sich dafür keine Mehrheit in der Bevölkerung findet, kann es auch keine gemeinsame Währung geben. @Usedomspotter hat es bereits angemerkt: Der Vorschlag bewältigt nicht die Ursachen der Krise.

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  5. Mister Buiter legt nach:

    http://www.telegraph.co.uk/finance/comment/ambroseevans_pritchard/8682852/The-ECB-throws-Italy-and-Spain-to-the-wolves.html

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  6. Wieso soll die EZB oder der Rettungsfond zum Problemfall werden?

    Ich verstehe nicht bei den ganzen angeblich umhergeschmissenen Rettungsmilliarden in der EU, die Klagen über die armen Steuerzahler als Zahlmeister.
    Wenn die EU nicht zusammenbricht...und warum sollte sie? kostet doch jede Rettungsgarantie schon richtig Geld für den Begarantierten (Provisionen und Entlastungszahlungen) ist doch also ein Plusgeschäft für den Garantiegeber.
    Weiterhin werden Rettungsmilliarden z.B. von Deutschland durch Verkauf deutscher Staatsanleihen für etwa 2,5% Zinsen beschafft und an die Südschiene mit Aufschlag weitergereicht 5,00 % - das rechnet sich doch?
    Drittens nimmt die EZB inzwischen beliebige Pfänder der Wackelstaaten rein um in Repogeschäften geschaffenes Geld zur Verfügung zu stellen zu zwar günstigeren Zinsen als der Markt aber doch wohl höheren Zinsen als bei nicht ausgereichtem Geld. Sie verdient richtig Geld damit. Es wir somit massiv neues Geld geschöpft von der EZB. Der ESM profitiert bei jeder aktuellen und künftigen Rettung ebenfalls. Der ESFS wird dann ebenfalls nichts für lau rausrücken und entsprechende Verleihzinsen einfordern. Seine Mittel erhält er von den EU-Staaten die noch zahlen müssen. Sie nehmen weitere Staatsschulden auf und geben die Mittel teurer weiter an den ESFS und der teurer an die Bettler. Die Target2 Solden sind entsprechen verzinst doch eine Goldgrube. Ich sehen bei dieser ganzen Rettung nur Gewinner. Wo ist mein Denkfehler!!!
    Laut Wiwo vom 03.08.11 werde die EZB zum Problemfall:
    http://www.wiwo.de/politik-weltwirtschaft/die-ezb-wird-zum-problemfall-475281/5/
    Kann mir jemand unter Berücksichtigung der bisherigen Entwicklung erklären wieso dem so sein sollte? Die EZB ist laut Wiki das Europäische System der Zentralbanken.
    Manche meinen, es sei keine echte Zentralbank:
    http://www.weissgarnix.de/2011/06/10/ein-marchen-uber-das-notenbankkostum-der-ezb/
    Ist es nicht so, dass das europäische „QE“ konsequent durch ständiges Aufweichen der Kriterien zur Hereinnahme von „Pfändern“ weitergeführt und der Kettenbrief somit zur Freude aller Beteiligten doch sehr erfolgreich am laufen gehalten wird?
    76 Milliarden Euro für Europäische Staatsanleihen mit geschätzten 45 Milliarden Euro für griechische Papiere, die doch alle wohl als Repogeschäfte mit Abschlag hereingenommen werden und doch auch Zinsen von 2 Mrd p.A. generieren für einfach neu bilanziertes Zentralbankgeld. Ich verstehe nicht wo das Problem ist wenn alle Beteiligten dieses Spiel noch länger weiterführen und dann die Rettung durch die alternativlos eingetriebenen Mittel des ESM (Buiter spricht von 2,5 Billionen http://www.diewunderbareweltderwirtschaft.de/
    ) und/oder durch Eurobonds über das dann gegründete „Europäische Finanzministerium“ erfolgen wird. Eine wie immer geartete Auflösung der EU wird doch von niemandem durchgesetzt werden können. Die Verteilung der gesamten Rettungskosten auf die Steuerzahler der EU wird doch offensichtlich auch von niemandem verhindert werden können. Da z.B. die Deutschen wohl etwa 5 Billionen nur an Geldvermögen besitzen http://www.fmm-magazin.de/geldvermoegen-der-deutschen-erreicht-fast-5-billionen-euro-finanzen-mm_kat90_id5403.html ist das finanztechnisch doch in Form einer Salamitaktik mit Verweis auf die Alternativlosigkeit durchsetzbar.

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