Das US-Steuersystem ist komplett pervers ...

Ich würde eigentlich gerne etwas mehr verlinken und dazu schreiben ... Aber da die (eigentlich uralte) Buffett Aussage gerade mal wieder durch die Medien wabert, dass die US-Steuern für Reiche viel zu niedrig seien, lohnt sich diese Grafikensammlung von Barry Ritholtz sehr.

Denn die Grafiken zeigen eindrucksvoll, wie sehr

a) der Anteil der Unternehmenssteuern am Gesamtsteuereinkommen in den letzen Jahrzehnten gesunken ist und

b) wie wenig progressiv die Besteuerung von Privatleuten ist (siehe dazu auch hier: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Der durchschnittliche Steuersatz der 400 reichsten Amerikaner ist ...)

Der Steuersatz sinkt nämlich mit steigenden Einkommen, was in Deutschland ähnlich ist (was ich auch schonmal verbloggt habe, aber nicht wiederfinde ... )

Übrigens auch interessant, dass die prozentuale Steuerbelastung bei Unternehmen ebenfalls mit der Größe sinkt.

Und ich befürchte, dass das alles in Deutschland keinen Deut besser ist. Und wenn man genau hinschaut, findet man bei den internationalen Vergleichen Deutschland noch unterhalb der USA. Und selbst die nennt Ritholtz schon "Niedrigsteuerland". Und dort liegt der durchschnittliche, real bezahlte Steuersatz der Unternehmen bei 14%, bei uns hingegen bei

7% 
...


The US Tax Burden Falls Disproportionately On Individuals and Small Business | The Big Picture

Kommentare :

  1. Die Unternehmenssteuer ist in Zeiten globalisierter Märkte ein Anachronismus und gehört daher abgeschafft.

    Die entgangenen Einnahmen könnten durch Erhöhung der Umsatzsteuer kompensiert werden. Das Argument, dass Unternehmen die Umsatzsteuererhöhung auf die Preise umlegen, greift nur so weit, wie sich höhere Unternehemenssteuern ebenfalls auf Preise umlegen ließen.

    Umsatzsteuer statt Körperschaftssteuer hätte den Vorteil, dass sie nicht durch Verlagerung umgangen werden könnte und der Wettbewerb um den günstigsten Steuerstandort beendet wäre. Außerdem würden auch Importgüter angemessen besteuert, Exportunternehmen könnten u.U. mit einer Exportabgabe belegt werden.

    Daduch würde sich (rechtlich) Doppelbesteuerung/Doppelbelastung aus Kst. und persönlicher Ekst. vermeiden lassen und der Nachteil von ausgeschütteten Gewinnen gegenüber Zinserträgen wäre beseitigt. Mit einer einkommensabhängigen Besteuerung von Dividenden, Zins- und Kapitalerträgen ließe sich leistungsäquivalente Besteuerung realisieren.

    Das hätte aber auch zur Folge, dass die Steuergesetzgebung vereinfacht würde, einige hochbezahlte Anwälte und Steuerberater arbeitslos und die Finanzämter entlastet würden. Die Steueroasen würden ihr Geschäftsmodell verlieren, Kapitaleigentümer hätten - womöglich - einen höheren Anteil am Steueraufkommen zu tragen (obwohl sich das alles natürlich auch aufkommensneutral gestalten ließe) und volkswirtschaftliche Ressourcen würden in die Wertschöpfung gelenkt, anstatt in der Verteilung gebunden zu sein.

    An einem solchen Schreckensszenario kann natürlich niemand ernsthaft Interesse haben. Also Konjunktiv.

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  2. @HxG:

    Sehr interessante Idee!

    Hast du vielleicht einen guten Artikel dazu, ich würde dann vielleicht nächste Woche mal was dazu schreiben.

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  3. Finde ich sehr gut. Ist ein komplexes Thema und ich bin sehr gespannt auf Deine Meinung.

    Ausgewogene Presseartikel sind jedoch schwer zu finden. Besteuerung, insbesondere von Kapitalerträgen, ist ein politisches und ökonomisches Minenfeld.

    Einen mAn wirklich (wirklich!) guten Überblick liefert The Corporate Income Tax: international trends and options for fundamental reform

    Die Autoren Michael P. Devereux (Oxford University) und Peter Birch Sørensen (University of Copenhagen) untersuchten im Auftrag der EU Kommission unterschiedliche Ansätze der Besteuerung von unterschiedlichen Arten von Kapitalerträgen, reflektieren die Ziele der Besteuerung von Kapitalerträgen und beleuchten Entwicklung und Trends in der Besteuerung im Zeichen globalisierter Märkte.

    Auf Seite 24 sind alle betrachteten Ansätze tabellarisch dargestellt, der von mir skizzierte Ansatz (A destination-based corporate cash flow tax bzw. VAT-type destination-based cash flow tax, Option 9) wird ab Seite 27 ff. erläutert. Bei der von den Autoren vorgestellten Variante wird die Steuerbasis um die Arbeitskosten reduziert, um Verzerrungen, die sich aus unterschiedlicher Kapitalintensität ergeben, zu begegnen und die indirekte, zusätzliche Besteuerung des Faktors Arbeit zu vermeiden. Da diese Form der Steuer nur Gewinne in Form "reiner Renten" erfasst, kann eine zusätzliche Steuer auf Zins-, Dividenden und Kapitalerträge in Erwägung gezogen werden.

    Die Autoren schließen:

    The basic message from this discussion is that governments are faced with trade-offs in multiple dimensions. For example, according to Table 2 the move to a destination-based cash flow tax of the VAT type – that is, a tax on domestic consumption out of non-wage income - would in principle eliminate all the important distortions on which policy-makers have tended to focus. However, this is achieved only through a radical departure from current tax practices, i.e., by giving up the taxation of normal returns to capital and the taxation of domestic-source income accruing to foreigners. (...) In principle, of course, it would still be possible to combine a business tax on pure profits with a personal income tax on interest, dividends and capital gains to ensure some amount of tax on normal returns.

    Ich halte diese Paper für ein 'must read' um die Komplexität des Themas zu verstehen. Ein Presseartikel, der sich mit dem Umsatzsteueransatz beschäftigt, habe ich auf dem Blog TheAtlantic gefunden:

    Why We Should Eliminate the Corporate Income Tax

    Und dieser Eintrag beschäftigt sich mit der Frage, wer die Unternehmenssteuer letztlich trägt (mit einigen Links) und ist gegenüber dem Ansatz der Umsatzbesteuerung eher skeptisch eingestellt:

    Who Ultimately Pays the Corporate Income Tax?

    Viel Spaß ;-)

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