Den spanischen Fußballligen geht es dramatisch schlecht

In nähere mich weiterhin langsam der aktuellen Nachrichtenlage an ... Noch etwas Geduld ... Aber erstmal ein Blick auf die unglaublich schlechte wirtschaftliche Lage der spanischen Fußballvereine.

Fußballerisch sind Real Madrid und vor allem der FC Barcelona sicherlich top, allerdings sind selbst dort Verluste angefallen (Barcelona hat z.B. 21 Millionen Euro Verlust in der letzten Saison 2010/2011 eingefahren. Als Sieger der Champions League wohlgemerkt. Was Barca aber nicht daran hindern wird, auch diesen Sommer wieder mehr Geld für Transfers auszugeben als durch Verkäufe erlöst werden).

Hinter den beiden Topvereinen sieht es aber noch viel übler aus. Allein in der ersten spanischen Liga werden 7 Vereine vom Insolvenzverwalter geführt. Gehälter werden nicht pünktlich bezahlt. Wenn sie denn überhaupt gezahlt werden, denn Spielern, die den Verein verlassen, zahlt man wohl gängig die letzten Gehälter zum Vertragsende nicht. Und wenn ein Verein insolvent ist, muss er eh nur noch Teilgehälter zahlen (was die Insolvenz scheinbar so verlockend macht).

In die Ligen drei und vier will man bei solchen Bilanzen selbst in Liga eins und zwei erst gar nicht mehr schauen ...

Daher ist der Streik der spanischen Fußballprofis auch gut nachvollziehbar ... Diese wollen schließlich nur das Geld, was ihnen vertraglich zusteht, ein Lizensierungsverfahren, in dem die wirtschaftliche Lage der Vereine überprüft wird, damit diese wenigstens die nächste Saison überleben und einen gemeinschaftlichen Solidarfonds, der im Notfall einspringt und die Gehälter übernimmt.

Primera Division: Streik! - Fußball - Sport - FAZ.NET
Spielerstreik in Spanien: In der Primera Division stehen alle Bälle still - Auslandsfußball - DerWesten


Die spanische Liga ist in wirtschaftlicher Hinsicht sicherlich eine der schlimmsten Ligen in Europa, aber in anderen Ligen sieht es ebenfalls schlimm aus. Siehe zum Beispiel hier:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Zahl des Tages (22.05.10): 12.100.000.000

Dass der Hoeneß von den vergleichsweise solide wirtschaftenden Bayern das alles nicht lustig findet, ist auch nicht neu ...

Fußball - Newsticker - Bundesliga - Hoeneß: Spieltagabsage eine "Katastrophe"

Eines fehlt mir aber in den aktuellen Artikeln zur Lage der spanischen Fußballvereinen: Die Tatsache, dass die spanischen Vereinen nicht nur ihren eigenen Spielern die Gehälter nicht auszahlen, sondern auch Steuern und Sozialabgaben von mehr als 600 Millionen Euro einfach nicht bezahlt haben und scheinbar kein Politiker bzw. Finanzamtmitarbeiter den Mumm hat, das Geld endlich mal einzufordern ...

OK, wenn alles auf einen Schlag bezahlt werden müsste, würde wahrscheinlich aus 4 spanischen Ligen eine einzige werden, aber zumindest damit anfangen sollte man mal langsam. Ein Land, dessen Anleihen von der EZB aufgekauft werden müssen, damit die Zinsen nicht noch weiter steigen, kann sich Steuergeschenke an Fußballvereine eigentlich nicht erlauben ...

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Zahl des Tages (18.03.10): 632.189.842

P.S. In dieser Gemengelage will übrigens Manchester United einen Börsengang wagen. Dabei war der erste auch nicht sonderlich erfolgreich ...

FAZ: Fußball-Aktien - Selten Erfolgsgeschichten

Dass im FAZ Artikel zwei Vereine aus der türkischen Liga als positive Ausnahmen in Bezug auf den Börsenkurs genannt werden, entbehrt nicht einer gewissen Ironie ... Schließlich versinkt die türkische Liga gerade in einem Korruptions-/Schiebungs-/Wett(?)skandal, wie ihn Europa lange mehr gesehen hat ... OK, seit dem in Griechenland ;-)

Alle Fußballmanager in der Türkei korrupt? - egghat's not so micro blog
News-Ticker: Manipulationsskandal in der Türkei: Carvalhal übernimmt bei Besiktas - Sport Fussball International

Kommentare :

  1. Fußballkaiser24 August, 2011 06:46

    Eine kleine Anmerkung zum letzten Absatz. Die Aktie von Besiktas ist vor allem deshalb auch gut gelaufen, weil der Verein (wie viele andere auch) schlicht vom wirtschaftlichen Aufstieg des Landes profitiert. Die Leute kaufen schlicht mehr Merchandising-Kram, 10 Jahre Boom machen sich bemerkbar. Gleiches gilt übrigens für Fener, was sowas wie das Bayern der Türkei ist (bestes Stadion, meiste Fans), mit dem Unterschied, dass Hoeneß nicht im Kittchen sitzt. Dazu kommt, dass die Liga sportlich eher zu den Top-15 gehört, aber eine Fernsehvertrag wie ein Top-5-Land hat. Die kriegen seit 2010 mehr als 320 Mio. Dollar pro Jahr (http://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-in-der-tuerkei-die-alten-reflexe-1.988453)

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  2. Danke! Interessante Anmerkungen!

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  3. Fußballkaiser24 August, 2011 10:52

    Immer gerne doch. Weiter so mit ihrem Blog!

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  4. Alle Teams, die international spielen, ausgenommen Real und Barca, haben keinen Trikotsponsor in der neuen Saison.

    Bei Dradio Kultur gab es heute einen guten Bericht dazu:
    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/08/24/drk_20110824_1609_7d485a12.mp3

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  5. @Usedomspotter:

    Interessant. Danke.

    Die Liste der Vereine ohne Triktosponsor stand übrigens im DerWesten Artikel:

    "FC Valencia, Villarreal, Atlético, FC Sevilla und Espanyol – die komplette Spitzenklasse 1b hinter dem FC Barcelona und Real Madrid – hat zu dieser Saison keinen Trikotsponsor gefunden. "

    Wuh. Ich glaube, ich bewerbe mich mal da -)

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  6. Salut Egghat, willkommen zurück aus dem Urlaub!

    Ich bringe meinen Kommentar zu Deinem Post über Pissarides mal hier unter. Ich kann die in dem Beitrag der FTD genannte Zahl von 80% Erwerbstätigenquote nicht nachvollziehen. Die aktuelle US-Arbeitsmarktstatistik weist für den Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (Ü15, Employment-Population-Ratio) einen Wert von 58% aus. Der Anteil der Labor Force an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, also die Erwerbsquote (Participation Rate), liegt bei 64%. Für Deutschland mit 41 Mio. Erwerbstätigen und 70 Mio. Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter komme ich ebenfalls auf eine Erwerbstätigenquote von 58%. Die Erwerbsquote liegt jedoch nur bei etwa 62%.

    Fazit: Mag sein, dass die Erwerbsquote in D 2%-Punkte niedriger ist, aber sollen die Amerikaner doch erst mal erklären, warum genau dieser Unterschied zu D in den USA erwerbslos ist :-)

    Es gibt übrigens noch eine alternative Erwerbstätigenquote, die sich nur auf die Altersklasse 15-64 bezieht. In D lag die zuletzt bei 77%.

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  7. Ach, ich habs gefunden. Steht ja alles in dem von Dir verlinkten Arbeitsmarktbericht drin. Die Erwerbsquote bezogen nur auf die Personen zwischen 15 und 65 Jahren beträgt in den USA etwa 77,5%. Die Erwerbstätigenquote bezogen auf die gleiche Bevölkerungsgruppe beträgt 70,5%.

    Die USA haben einfach wahnsinnig viele Arbeitslose. Die sind in der Statistik nur genau so gut versteckt, wie bei uns.

    Wer sagt es jetzt dem Nobelpreisträger?

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  8. > Die Frau *muss* also mitarbeiten, ansonsten ist ein Urlaub schlicht nicht drin.

    Ist das in den USA anders?

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  9. @HxG: Guter Hinweis, dass die Quoten gar nicht sooo unterschiedlich sind. Der "psychologische" Teil von Pissarides scheint mir noch ganz logisch zu sein, der Rest wirkt mir eher wirr ...

    Ich bin immer relativ überrascht, mit wie wenig Kritik man rechnen muss, wenn man erst einmal Nobelpreisträger ist. Zumindest das Gegenbeispiel Skandinavien hätte doch sofort jemand parat haben müssen ...

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  10. @anonym:

    In vielen Bereichen sicherlich auch. Aber wenn man ein Industriefacharbeitergehalt in den USA, Deutschland und Schweden vergleicht, bleibt den Schweden schon am wenigsten. Auch wenn der Unterschied nicht sooo dramatisch groß ist, sind diese 100 oder 150 Euro im Monat der Unterschied zwischen Urlaub und kein Urlaub.

    Vergessen darf man aber auch nicht, dass die Schweden dafür auch eine Gegenleistung bekommen. Gute Versorgung für Kinder, gutes Bildungssytem, gutes Gesundheitssystem, gutes Versorgung im Alter. Alles für alle auf einem Niveau, das zumindest für das untere Drittel der US-Bevölkerung unvorstellbar gut ist ...

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