US-Arbeitslosenquote 07/11: 9,1% (-0,1)

Am US-Arbeitsmarkt gab es heute - zumindest in der Überschrift - eine positive Überraschung. Die Arbeitslosenquote ging zurück und es wurden mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Leider steckt in den NILFs eine dicke Enttäuschung.

Zu den offiziellen Zahlen für den Juli 2011:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: +156.000 auf 12,931 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: -38.000 auf 139,296 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 9,1% (-0,1).

Die dicke negative Überraschung waren die NILFs. In die Kategorie Not In Labor Force wurden 374.000 Amerikaner umgebucht. Schon im Juni wurden 449.000 Amerikaner zu NILFs umgelabelt und zählen nun nicht mehr zum Arbeitskräfteangebot der USA. Das sind mehr als 2,1 Millionen mehr als vor einem Jahr.

Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung) sackte um 0,1 Prozentpunkte auf 58,1%. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als im Juli 2010. Von einer wirklichen Erholung am US-Arbeitsmarkt zu sprechen, wagen sich wohl nur noch Daueroptimisten. Dass die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahr gesunken ist, liegt ausschließlich an den Umbuchungen von mehr als 2 Millionen Amerikaner in die NILF-Kategorie.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, waren die positive Überraschungen, allerdings wurden die Erwartungen auch tief gehängt.

Anzahl der Jobs: +117.000 gegenüber Juni 2011 auf 131,190 Millionen.

Für die beiden vergangenen Monate gab es relativ kräftige Aufwärtskorrekturen: Das Maiplus wurde um 28.000 auf +53.000 nach oben korrigiert, der Juni ebenfalls um 28.000 auf jetzt 46.000, zusammen also um 56.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche unterstützt die positive Schlagzeile nicht und blieb bei 34,3 Stunden, auch die Anzahl der Überstunden änderte sich nicht und verharrte bei 3,1 Stunden.

Ein guter Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6. Diese sank leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 16,1%. Das ist zwar noch immer eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (16,5%), allerdings war der Unterschied zum Vorjahresmonat schonmal größer. Und die versteckten Arbeitslosen in der NILF-Schublade sollte man auch nicht vergessen ...

Fasst man die Zahlen zusammen, gab es eine mittelprächtige Anzahl von neuen Jobs und eine leicht sinkende Arbeitslosenquote. Die Details decken diese positive Grundstimmung aber nicht und die NILFs erklärten dann auch warum ...

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – JULY 2011

Kommentare :

  1. Fannie Mae braucht schon wieder Milliarden
    http://www.wirtschaftsblatt.at/newsticker/483256/index.do

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  2. Die Anzahl der Arbeitslosen ist gesunken, nicht gestiegen, oder?

    Ansonsten wenig Neues vom US-Arbeitsmarkt: Stagnation auf niedrigem Niveau. Für Deutschland bevorzuge ich mittlerweile die Anzahl an geleisteten Arbeitsstunden, um einen Eindruck von der aktuellen Beschäftigung zu bekommen. Leider liegen diese Daten nur quartalsweise vor und die Veröffentlichung zieht sich immer ein wenig hin. Ist Dir bekannt, ob und wo es eine ähnliche Statistik für die USA gibt?

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  3. @HxG

    Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bringe ich immer. Ich kenne die Details dahinter aber nicht genau genug, um zu sagen, ob man mit einfacher Multiplikation von Arbeitsplatzanzahl und durchschnittlicher Wochenarbeitszeit auf das von dir gewünschte Ergebnis kommt. Der Wert von 33 oder 34 deutet auf jeden Fall an, dass da Teilzeit mit enthalten ist. Ich weiss nur nicht, ob da wirklich alle Jobs eingehen ...

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  4. @Egghat

    Habe mal etwas genauer nachgesehen und vielleicht einen passenden Indikator gefunden. Das Bureau of Labor Statistics weist in den Establishment Daten die Indexes of aggregate weekly hours and payrolls for all employees on private nonfarm payrolls aus.

    Die Daten liegen saisonbereinigt vor und beziehen sich auf 2007 als Basisjahr. Der Index der aggregierten Arbeitsstunden berücksichtigt die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden aller Beschäftigten, kann sektorweise abgerufen werden und bestimmt sich aus dem Verhältnis von saisonbereinigten, monatlichen Arbeitsstunden (auf Basis von durchschnittlichen Wochenarbeitsstunden) zum Jahresdurchschnitt in 2007.

    Zu bedenken ist, dass der Index der aggregierten Arbeitsstunden seit 2007 um etwa drei Indexpunkte hätte steigen müssen, um im Vergleich mit 2007 ein im Verhältnis zur arbeitsfähigen Bevölkerung konstantes Arbeitsvolumen aufrecht zu halten.

    Der Indexstand für Juli 2011 beträgt 93.8 und ist zum Vormonat um 0,1 gestiegen. Damit setzt sich die über das 2. Quartal zu beobachtende Stagnation im Arbeitsmarkt fort (April 2011 ebenfalls 93,8). Der Index hatte seinen Tiefstand im Oktober 2009 mit 90,6 Indexpunkten, etwa 11% unter dem vergleichbaren Niveau von 2007. Derzeit liegt das Arbeitsvolumen unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums etwa 9% unter dem vergleichbaren Niveau von 2007.

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  5. @Egghat

    Da ich nicht weiß, wie ich auf Deinem not-so-micro-blog kommentieren kann, mache ich das mal hier. Die von Dir genannten 14 Millionen Jobs, die nötig sind, um das Vorkrisenniveau unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachtums zu erreichen, sind mE korrekt. Das Arbeitsvolumen liegt derzeit etwa 9 Indexpunkte unter Niveau. Es müsste also etwa 10% der aktuellen Jobs hinzukommen, um das frühere Beschäftigungsniveau zu erreichen. Derzeit gibt es 139 Mio. Beschäftigte in den USA und 10% davon entsprechen den von Dir genannten 14 Mio. zusätzliche Jobs, bei gleichbleibender durchschnittlicher Arbeitszeit pro Beschäftigtem.

    Wünsche Dir weiterhin schönen Urlaub!

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