Bankenbeteiligung bei Umschuldung von Griechenland noch geringer?

Geringer soll heissen, noch geringer als bisher erwartet. Die bisherigen Rechnungen gingen von einem Haircut von etwa 21% aus.

Wobei man immer bedenken muss, dass das eine Berechnung vom Nennwert aus ist. Da die aktuellen Börsenkurse deutlich unter dem Nennwert liegen (ich habe die teilweise abstrus hohen Renditen der Griechenland-Anleihen (ergo niedrigen Kurse) ja ein paar Mal erwähnt), bleibt bei der Betrachtung vom Börsenkurs aus, von einer Beteiligung nicht mehr viel übrig. Schon Anfang Juli bestätigten direkt mehrere Analysten meine über den Daumen gepeilte Einschätzung, dass die Beteiligung gegen Null geht. Und das hat sich nicht gebessert ...

Im Gegenteil! Die Kurse der Griechenlandanleihen sind weiter gefallen; bei 5 Jahren Restlaufzeit zum Beispiel von 55 auf etwa 43, also gut 20%. Hingegen sind die als Sicherheit hinterlegten und mit drei As bewerteten EFSF-Anleihen dank des allgemeinen Zinsrückgangs massiv gestiegen. Anfang Juli lag der Kurs (einer ähnlichen Bundesanleihe) bei etwa 120, heute bei 137, die Sicherheiten sind also etwa 15% im Wert gestiegen. Wenn ich vom Marktpreis aus auf den Umtausch schaue, ist das überhaupt keine Beteiligung, sondern im Gegenteil ein Bailout. So weit dürfte das klar sein.

Aber selbst vom Nennwert aus betrachtet, reduziert sich die Bankenbeteiligung durch den Kursanstieg der EFSF-Anleihen weiter, nach einer Berechnung der Grünen (die die Sueddeutsche zitiert) auf nur noch

8%.

Leider kann man die Zahl nicht ganz so einfach auf Stimmigkeit überprüfen, da die Sueddeutsche die Details und Annahmen der Berechnung nicht nennt (vielleicht, weil schon die Grünen diese nicht weitergegeben haben). Die Jungs von FTD Wirtschaftswunder-Blog versuchen gerade, an mehr Details zu kommen. Wenn sich das was tut, reiche ich das nach.

Unabhängig von den Details der Berechnung, frage ich mich allerdings noch, ob die Grundannahme überhaupt stimmt und der "Umtauschkurs" am Anfang des Angebots fixiert wurde. Und nicht erst am Ende, sprich bei Erreichen der 90%-Annahmequote. Profitieren die Banken überhaupt vom Kursanstieg der EFSF-Anleihen? Ich gehe davon aus, ansonsten hätte ich keine Erklärung für die Verringerung des Haircuts.

Sueddeutsche.de: Banken drücken sich vor Hilfen für Griechenland

Zum Angebot von Anfang Juli und den Barwertberechnungen siehe auch:

DIE KOSTEN DER GRIECHENLANDBETEILIGUNG FÜR DEUTSCHE BANKEN LIEGEN BEI NULL. NIENTE. ZERO.

Danke an TeraEuro für den Hinweis.

Update (10:18);

FTD_Wunder erinnert mich gerade daran, dass der Internationale Bankenverband IIF den Haircut Anfang Juli nicht aus Basis der Nennwerts berechnet hat, sondern auf Basis eines angenommenen Zinses von 9%. Das war aber damals schon zu optimistisch (sprich ergab einen zu hohen Wert für die Beteiligung), weil die Rendite damals bereits bei 11% lag. Inzwischen sind es sogar 15% geworden.

Wenn ich das berücksichtige, wird in der Berechnung der Grünen wohl doch beides drinstecken:

a) Der Anstieg der Rendite (bzw. der Kursrückgang) gegenüber dem "Szenariozins" von 9% auf der Seite der Griechenbonds und
b) Der Anstieg der Kurse beim EFSF Bond, der die neuen Kredite (teilweise) absichert, auf der anderen Seite.

Update 2 (18:23):

Der Bundesverband Deutscher Banken (BDB) hat inzwischen klar gestellt, dass die Konditionen erst bei Erreichen der Schwelle festgelegt werden. Die genauen Umtauschkonditionen wurden also nicht im Juli festgelegt und die Banken profitieren schon jetzt vom Kursanstieg, sondern sie werden erst am Ende der Frist für das Umtauschangebot festgelegt und zwar so, dass die 21% Abschlag auf den Barwert erreicht werden.

Gut, dass ich mich auf solche Politikerberechnungen (Politiker rechnen notorisch unzuverlässig) nicht blind verlassen habe und den passenden Disclaimer ("Unabhängig von den Details der Berechnung, frage ich mich allerdings noch, ob die Grundannahme überhaupt stimmt und der "Umtauschkurs" am Anfang des Angebots fixiert wurde. Und nicht erst am Ende, sprich bei Erreichen der 90%-Annahmequote. Profitieren die Banken überhaupt vom Kursanstieg der EFSF-Anleihen?") schon eingebaut habe.

Naja, warten wir mal ab, wie die Konditionen am Ende der Frist aussehen. Dabei wird nicht nur die Seite mit dem EFSF-Bond spannend, sondern auch die andere Seite der Gleichung. Rechnen die Banken beim "fairen" Zins für die Griechenlandanleihen weiterhin mit völlig unrealistischen 9% oder gehen sie von (nach Markteinschätzung) wesentlich realistischeren 15% aus?

Regierung und Verband erwarten Bankenbeteiligung in voller Höhe | Boulevard Baden

Ein kleines Newsfragment noch zum Abschluss: Der EFSF soll gesagt haben, dass er die eventuell fehlende Zustimmung zum Umtauschangebot vom EFSF übernehmen wird. Die Frist wurde ja schon verlängert, weil die Zustimmung die Schwelle von 90% noch nicht erreicht hat. Sie soll aktuell bei etwa 75% liegen, die vom EFSF zu schließende Lücke wäre also nicht sehr groß.
Allerdings hat wohl auch nie jemand ernsthaft daran geglaubt, dass das Umtauschangebot daran scheitern könnte. Die Bedingungen sind einfach zu gut, als dass eine Bank das Risiko, das in den Griechenlandanleihen steckt, nicht zu diesem Kurs loswerden wollte ... Nur Banken, die entweder auf eine 100% Rückzahlung zocken oder die die Miniabschreibungen nicht verkraften können, dürften was dagegen haben.

Update (17.09.11)

Die Erklärung des Bundesverbands deutscher Banken ist inzwischen auch online: BDB: Zur Beteiligung des Privatsektors beim Tausch von griechischen Staatsanleihen

Gefunden über @FTD_Wunder

Kommentare :

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    > Kontext | Der Franken, der Euro und die Währungskrise | Schweizer Radio DRS
    http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/kontext/5005.sh10193556.html

    Währungspolitisch steht Europa momentan Kopf. Die ewige Griechenland-Krise und schwächelnde EU-Länder wie Spanien und Italien haben den 1999 eingeführten Euro ins Wanken gebracht.

    Entsprechend wurde bis zur Intervention der Schweizer Nationalbank SNB der viel zu harte Schweizer Franken so krass überbewertet, dass die Exportwirtschaft genauso in Gefahr geriet wie die Tourismusbranche.

    Wie stark ist nun der Franken an den Euro gekoppelt? Wie lange gibt es den Euro-Raum noch? Wohin steuert die Währungskrise?

    Es diskutieren der UNCTAD-Direktor Heiner Flassbeck (Genf) und der Wirtschaftsprofessor Peter Bernholz (Basel).

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  2. hallo,

    http://www.der-postillon.com/2011/09/spekulation-auf-eigenen-staatsbankrott.html

    ist das noch satire!?

    beste grüße,
    r.sester

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  3. @r.sester:

    Habe ich in meinem Zweitblog erwähnt. Danke für den Hinweis.

    @anonym:

    Mal schauen, ob ich am Wochenende dazu kommen. Flassbeck könnte ich mir mal wieder anhören.

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  4. berichte doch mal ueber target2,
    die steigerung der abgerufenen summen seit 2006 ( 15 milliarden in 2006) und heute ueber 400 milliarden.

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  5. Ebenso interessante Hintergründe zu Problemen und zur Situation in Portugal:

    > International | Portugal - Am Rand, aber nicht am Abgrund | Schweizer Radio DRS
    http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/international/2675.sh10179927.html

    Portugal bedeutet nicht einfach Sonne und Strand. Und Portugal bedeutet nicht einfach nur Krise. Das dritte EU-Land, das internationale Finanzhilfe braucht, um aus der Verschuldung zu kommen, ist sehr vielfältig und könnte erfolgreich sein, steht sich aber doch immer wieder selbst im Weg. Eindrücke von einer Reise in Europas westlichstes Land.

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