Griechenland: Schuldenloch noch tiefer ...

Das ist irgendwie ein Teil einer unendlichen Serie ...

Ich habe mir bei meiner vierteiligen Serie zwar Mühe gegeben, am Ende eine positive Zahl zu bringen, aber ich glaubte schon damals nicht daran (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Die volle Zahlendröhnung aus Griechenland IV - Primärüberschuss). Zur Erinnerung: Es ging darum, dass Griechenland schon 2011/2012 ohne Berücksichtigung der Zinsen einen positiven Haushalt hätte. Die Rettung Griechenlands wäre also ganz einfach: Europa kauft alle griechischen Staatsschulden auf, senkt den Zins auf nahezu Null und Griechenland hat dann wieder genügend Luft zur Tilgung der Schulden. Das ist natürlich immer noch eine Rettungsaktion, aber man muss eben auch berücksichtigen, dass man damit immerhin kein Geld mehr in ein Fass ohne Boden wirft, sondern erstmal das Fass stopft und dann vorsichtig mit der Ernte beginnt.

Nur war ich schon damals skeptisch, ob die Zahlen mit dem Primärüberschuss denn so stimmen. Die plus 2,6%, die ich zur Zahl des Tages gemacht habe, erschienen mir unplausibel. Allerdings gab es noch andere Quellen, die ebenfalls von einem Primärüberschuss ausgehen (steht alles im alten Artikel und den sehr lesenswerten Kommentaren).

Es deutet sich schon länger an, dass die Prognosen, die hinter den oben genannten Zahlen stecken, auf ziemlich dünnem Eis stehen. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass diese Prognosen gesenkt werden müssen (bzw. der Prognose für das Defizit erhöht werden muss) und/oder das Jahr für den Breakeven nach hinten verschoben werden muss. Mein letztes Posting zum Thema ist nicht einmal einen Monat alt. Damals hatte Griechenland das Wunder vollbracht, bereits im ersten Halbjahr 86% des Defizits einzufahren, das für das Gesamtjahr geplant war (Griechischer Staat schuldet Firmen 2,8%/BIP (und weitere Desaster) - egghat's not so micro blog).

Nun gibt es  die nächste Anpassung der Prognosen, wobei diese nach den 86 Prozent nicht wirklich überraschend kommt. Aus dem ursprünglich erwarteten Staatsdefizit von 7,5% des BIPs werden jetzt wohl knapp 9%. Das befürchtet das griechische Parlament und nennt als Grund einen Konjunktureinbruch, der mindestens bei 4,5% liegen soll. Inoffiziell werden auch schon 5,5% genannt (da droht wohl schon die nächste Anpassung ...).
Durch diese Wirtschaftskrise sinken die Steuereinnahmen des griechischen Staats, gleichzeitig steigen die Ausgaben für die Sozialsysteme. Kein Wunder, dass der Staat kein Land mehr sieht ...

Durch das fallende BIP steigt dummerweise auch die Staatsverschuldung in Prozent des BIPs. Mal angenommen, das BIP sinkt um 5%, würde der Schuldenstand in Prozent des BIPs von 150% auf knapp 158% des BIPs steigen. Ohne dass der griechische Staat einen Euro neue Schulden aufnimmt.

Tagesschau: Griechische Staatsschulden "außer Kontrolle"

Update (22:32):

Die FAZ dazu:

Euro-Krise: Griechenlands Staatsschulden „außer Kontrolle“ - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

Kommentare :

  1. Hi,

    Auf Querschüsse.de habe sie eine Grafik veröffentlich (http://www.querschuesse.de/griechische-reale-einzelhandelsumsatze-mit-114/)
    nachdem die Verbraucherausgaben im Juni um

    11,4%

    im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind. Und das ist noch vor der 2. Runde Sparmaßnahmen. Ich denke, auch die 5,5% Wirtschaftsschrumpfung halten die nicht.

    Zusätzlich sind die Banken defakto pleite und werden zur Zeit aus irgendwelchen EU-Schattentöpfen wie der Not-Liquiditätshilfe (ELA,Emergency Liquidity Assistance
    )dauerhaft gestützt. Für dieses Geld haftet auch anteilig ganz automatisch die Bundesbank.

    Davon abgesehen ist die Sache mit dem Zurückzahlen und den Schuldenbremsen meiner Meinung nach eh Illusion:
    Kein Staat wird sich dauerhaft darauf einlassen, Jahrhundertelang Zinsen zu zahlen, ohne irgendwelche Vorteile wie Kreditneuaufnahmen zu haben. Das ist Tributpflicht wie zur Zeiten der Römer, und führt automatisch zur Rebellion.

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  2. Einigen wir uns darauf: GR kriegen wir nur aus der Scheixxe, wenn wir denen auch Einnahme-Modelle mitbringen.

    Das Lamento über griechische Schulden ist mir über. Auch wie diese geschultert werden sollen. Geht nicht gegen dich. Der Punkt ist aber: wo soll's herkommen?

    Entweder wir präsentieren einen Plan, wie GR zum Staat mit Handelsbilanzüberschuss wird (nur so ist eine Genesung realistisch), oder wir begraben das Land.

    An die Wand fahren, Reset-Taste drücken und lieber ein paar Millionen in Freßpakete stecken und dem "kleinen" Griechen direkt helfen, als das "große" absolut undurchsichtige Geflecht weiter durchzufüttern, bis man selbst versinkt.

    Geht mir beim Radiohören im DLF auch so: ich höre schon gezielt weg, wenn nur Sparen etc. kommt und nullkommanix, wie die Wirtschaft als Steuergrundlage zulegen könnte.

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  3. @Anonym:

    Naja, der Primärüberschuss würde ja anzeigen, dass man das Land auch ohne Kaputtsparen an eine Schwelle bekommen könnte, ab der das Land eben kein Fass ohne Boden mehr wäre. Und soooo weit weg ist diese Schwelle nicht.

    Das muss gar nicht auf einen Handelsbilanzüberschuss hinauslaufen. Die Griechen haben schon immer das Geld mit dem Tourismus verdient. Das muss wieder ins Rollen kommen. Dann gibt's auch wieder Geld im Land, das Geld, das die Griechen ins Ausland geschafft haben, kommt zurück, etc. pp.

    Aber klar: Zu 6% Zinsen und mit 160% Schulden/BIP ist die Sachen aussichtslos.

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  4. @Till:

    Die ELA ist ja noch bescheuerter, weil die Griechen die nächste Tranche aus dem EFSF schon dafür verplant haben. Damit retten die dann die Banken, die dann damit wieder Griechenbonds kaufen können. Herrlich, gell?

    Was die Einbrüche angeht: Das ist nicht ungewöhnlich. Die Griechen sparen gerade deutlich. Das passiert in solchen Phasen immer und ist bis dahin normal. Man kann und darf und sollte das nicht einfach fortschreiben. Die entscheidende Frage ist: Woher kommt das Wachstum der Zukunft?

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