Kann Griechenland 125 Milliarden Euro Privatisierungserlöse erzielen?


Ich hatte gestern bereits über den Rettungsplan für Griechenland von Roland Berger geschrieben. Heute morgen habe ich noch ein Update hinterhergeschoben, in dem ich einen Parameter (erwarteter Wert der Assets in der Treuhandgesellschaft: 125 Mrd. Euro) noch mal etwas genauer untersucht habe (siehe ROLAND BERGER RETTET GRIECHENLAND). Diese Rechnung habe ich früher schon einmal versucht (WAS IST DER STAATSBESITZ GRIECHENLANDS WERT?) und damit diese Überarbeitung nicht als zweites Update hinter einem Artikel untergeht, mache ich daraus ein einzelnes Posting.

Der Auslöser für dieses Update war ein Hinweis auf die Vermögensbilanz Deutschlands von Andena (Danke!). Darin meldet die deutsche Statistikbehörde destatis 1.913 Mrd. Euro (also 1,91 Billionen) Vermögen des Staatssektors in Deutschlands Ende 2009 (Auch wenn die Veröffentlichung für 2010 ist, lagen die Zahlen für den Staat für 2010 noch nicht vor). Dagegen stehen 1,7 Billionen Schulden, netto bleiben also 192,5 Mrd. übrig. (Übrigens ist die Entwicklung des Nettovermögens nicht unspannend, 2001 waren es noch 410 Mrd, 1992 sogar 809 Mrd. 2006 aber auch schonmal nur 44,5 Mrd.).

Das BIP in Deutschland lag 2009 bei 2,4 Billionen Euro (Quelle).

Das gesamte Vermögen des deutschen Staats beträgt also ziemlich genau

80% des BIPs.

destatis: Sektorale und gesamtwirtschaftliche Vermögensbilanzen 2010

Damit haben wir doch mal einen ganz interessanten Ansatzpunkt, um zu schauen, wie viel die Vermögensgegenstände im Besitz des griechischen Staats denn wohl so wert sind.

Nun will Griechenland in einer Privatisierungswelle nach den bisherigen Planungen bis 2015 50 Mrd. Euro erlösen (auch wenn die aktuellen Erlöse noch bei Null liegen), nach dem neuesten Masterplan von Roland Berger sogar 125 Mrd. Euro. Das BIP Griechenlands liegt dieses Jahr bei etwa 222 Milliarden Euro. Im bisher geplanten Fall lägen die Privatisierungserlöse bei etwa 22% des BIPs, im Roland Berger Masterplan sogar bei etwa 56% des BIPs.

Wie FT Alphaville schreibt, übersteigt dieses Volumen (56% des BIPs) die Privatisierungsprogramme in den osteuropäischen Ländern nach dem Fall der Mauer. Mal so eben mehr als die Hälfte des Staatssektors zu privatisieren, ist wohl kaum möglich. (FT Alphaville: Another Greek SPV plan )

Ich habe bisher bereits die 50 Milliarden für ambitioniert gehalten und bleibe dabei. Die 125 Milliarden halte ich für nahezu unmöglich.

Das galt schon, obwohl ich Griechenland bisher immer einen gewissen Bonus eingeräumt habe: Großer Staatssektor = große Teile der Wirtschaft gehören noch dem Staat = noch viel zu verkaufen = potenziell hohe Erlöse. Nur: Diese Einschätzung ist womöglich ein Irrtum ...

Die Frage, ob der Staat wirklich einen so großen Anteil an der Volkswirtschaft ausmacht, versuche ich über die Staatsquote abzuleiten. Diese gibt an, wie viel Geld durch die Hände des Staats geht, also über Steuern und Gebühren vom Staat einbehalten wird.

Die Staatsquote Deutschlands lag 2008 bei etwa 43%, in Griechenland ebenfalls. In Deutschland schoss die Staatsquote durch die krisenbedingten Mehrausgaben (Kurzarbeitergeld, Konjunkturpaket I & II) nach oben, sollte inzwischen aber wieder deutlich gesunken sei (aktuell gut 46%). Griechenland dürfte sich nach 2008 ähnlich entwickelt haben (ich finde leider keine Zahlen). Wahrscheinlich dürfte der Anstieg noch etwas weiter nach oben geführt haben, spätestens durch die ganzen Sparmaßnahmen dürfte die Staatsquote wieder sinken. Leider kann ich keine aktuellen Zahlen finden, für Hinweise wäre ich dankbar. UPDATE unten!

Ich sehe hier also keinen so wahnsinnigen großen Anlass mehr, von einem überdimensional aufgeblähten Staatssektor auszugehen.

Eine ähnliche Ableitung wie über die Staatsquote kann man auch über die Konsumausgaben des Staats versuchen. Eurostat meldet hier für 2011 18,6% des BIPs in Griechenland, hingegen 19,6% in Deutschland (2009 übrigens 21,2% in Griechenland und 20,0% in Deutschland).

Auch hier kein Anzeichen für einen Staatssektor, der sich großartig von dem in Deutschland unterscheidet.

Das ist zwar aus struktureller Sicht ein Pluspunkt für Griechenland, in der Diskussion um mögliche Privatisierungserlöse aber ein Nachteil. Man kann nicht davon ausgehen, dass die Vermögensgegenstände, über die der griechische Staat verfügt, sich so großartig von den deutschen unterscheiden. Ergo werden die Vermögensgegenstände des griechischen Staats in etwa auf dem Niveau von Deutschland liegen, also bei etwa 80% des BIPs (die Unsicherheit ist natürlich riesig, es könnten auch 100% oder aber auch 60%, weil die maroden Firmen/Infrastuktur/etc. nichts wert ist).

Das ist in der Genauigkeit aber auch nicht entscheidend. Wichtig ist nur: Privatisierungserlöse von mehr als der Hälfte des BIPs sind extrem viel und so unrealistisch, dass ich den Masterplan allein schon wegen dieser Annahme in die Rundablage befördern würde. Das ist nicht nur aus finanzieller Sicht wacklig, sondern erscheint mir auch aus politischer Sicht nicht durchsetzbar.

Update (22:16):

Ein Leser hat mich auf die richtige Seite bei der Eurostat geführt ... Die 2008er Staatsquoten (Staatsausgaben auf's BIP) unterscheiden sich dort etwas von den mir genannten Werten. Die deutsche Quote stimmt, die griechische ist höher. Das kann aber auch durch die nachträglichen Korrekturen an BIP und Haushaltsdefizit gekommen sein ...

Die Staatsquoten ab 2008 sind wie folgt:

D: 43,8%, 47,5%, 46,6%
GR: 49,7%, 52,9%, 49,5%

Es ist zwar eine gewisse Tendenz zu einem größeren Staatssektor in Griechenland zu erkennen, allerdings ist der Unterscheid jetzt auch nicht so groß, dass man davon ausgehen kann, dass der griechische Staatssektor wesentlich mehr wert ist als die 80% des BIPs, die als Richtwert für Deutschland zu Buche stehen ... Ergo kann alles oben geschriebene stehen bleiben ...

Kommentare :

  1. wie ich gestern schon kurz vertwitterte, dürften sich bei http://www.querschuesse.de
    bestimmt was finden lassen, da hats nen Berg Posts zu Griechenland.

    Was mich an den 50 Giga$, ( von 125 Giga€ ganz zu schweigen ) extrem zweifeln lässt, ist allein eine Zahl aus einem der neueren Artikel:

    "Alle im ATHEX Composite versammelten griechischen 42 größten Unternehmen hatten gestern noch eine Marktkapitalisierung von 24,743 Mrd. Euro. Eine absurde Annahme, dass man aus dem Verkauf der teilweise äußerst unlukrativen Staatsbeteiligungen 50 Mrd. Euro an Privatisierungserlösen erzielen könnte."

    wobei diese noch nicht mal komplett in Staatsbesitz sein dürften.
    Quelle: http://www.querschuesse.de/erlost-endlich-griechenland/

    Auch zur BIP-, Steuer- und Asugabenseite findet sich da einiges, z.B.:

    http://www.querschuesse.de/staatsdefizit-griechenlands-steigt-auch-im-august-weiter/

    Wenn man also nicht anfängt, doch über Inseln nachzudenken, dürfte nicht viel "zu holen sein".
    Meine persönliche Vermutung immer noch:
    Roland Berger witter einfach nur fette "Beratungshonorare", wobei ihnen ziemlich egal ist was aus Griechenland wird, sozusagen das klassische Goldman Sachs-Geschäftsmodell.

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  2. Auch bei Staatsbesitz gilt, dass ein höheres Angebot bei gleich bleibender Nachfrage die Preise senkt.

    Wenn ein Wasserwerk angeboten wird, finden sich dafür noch Abnehmer. Bei 50 kommunalen Versorgern auf einmal wirds schwierig. Und so ist es doch bei allem, was Griechenland anbieten könnte.

    Es ist doch nicht so, dass die weltweite Anlegergemeinde nur so auf griechische Autobahnen, Schienennetze und Grundstücke warten würde. Wer soll denn 125 Milliarden in ein Land investieren, das weder kurz-, mittel- noch langfristig große Perspekten bietet? Es investiert ja auch niemand in angolesische Autobahnen - obwohl die sicher ausländische Investoren begrüßen würden.

    Da müssten entweder die gebotenen Renditen enorm sein. Das würde Griechenland aber noch mehr aussaugen. Oder die Renditen sind so wie überall - dann kann ich aber auch überall investieren, wo die Perspekten besser sind als in Griechenland.

    Mal abgesehen davon, dass ins Ausland verkaufter Besitz bedeutet, dass die Kapitaltransferbilanz künftig um 125.000.000.000*Rendite negativer ausfallen würde als ohnehin schon. Griechenland kann doch jetzt schon nicht aus eigener Kraft finanzieren, was es aus dem Ausland bezieht. Wie sollen da noch die Renditeansprüche für 125 Milliarden Euro ausländischer Kapitalgeber erwirtschaftet werden?

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  3. @Tera€:

    Die Börsenkapitalisierung halte ich nicht für wirklich hilfreich. Denn nahezu alles, was die Griechen privatisieren könnten, ist dort nicht notiert (bis auf ein oder zwei Versorger, drei Häfen und die Telefongesellschaft). Da muss man schon über mehr nachdenken: Immobilien, Land, Autobahnen, ...

    Aber ich stimme am Ende natürlich auch zu: 50 mrd. sind schon ambitioniert, 125 Mrd wie von Roland Berger sind nahezu ausgeschlossen.

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  4. @Anonym:

    Stimmt. Diese rechte-Tasche-Linke-Tasche Geschichte hatte ich gestern erwähnt.

    Wenn die 125 Mrd. Privatisierungserlöse drin sind und der Rest der griechischen Staatsschulden (die 90%) dann A oder A+ sind, brauchen wir die ganze Nummer nicht. Dann können wir (= EU) die Griechen auch weiter finanzieren. Es ist ja quasi kein Risiko vorhanden ...

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  5. egghat wie kommst du zu einem "nahezu"? :)

    wolltest du nicht sagen "ausgeschlossen" / "unmöglich"

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  6. Sag niemals nie ;-)

    Es kann ja immer sein, dass sich ein Blöder findet, der doch 125 Mrd.a uf den Tisch legt ...

    Etwas ernsthafter: Solche Schätzungen sind immer mit VIEL Unklarheit versehen. Aktien kosten manchmal 30 oder 40% weniger als vier Wochen zuvor. Bei Immobilien sind die Schwankungen nicht so groß und nicht so offensichtlich, aber auch hier findet man häufig Angebote, die fpr 700.000 in der Zeitungen stehen und ein paar Monate später für 600.000 und manchmal ein paar Monate später für 500.000. Wer soll jetzt sagen, welcher Preis richtig ist?

    Auch bei der Schätzung des Vermögens des deutschen Staats gibt's ne Menge unterschiedlicher Schätzungen. Es wollte auch mal eine andere Firma eine richtige Bilanz für Deutschland erstellen und damals (2004 oder so) waren die Assets über 2 Billionen wert. Also deutlich mehr als die destatis ausrechnet.

    (Übrigens ist der Kommentar im Spam-Filter hängen geblieben wie einige andere anonyme Kommentare auch. De Spamfilter von Blogger scheint da inzwischen ziemlich empfindlich zu sein ...)

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  7. Heute nennt man es Zeitarbeiter.

    "Für Athen sind Verzeichnisse aus dem Jahr 415 überliefert, auf dem die Preise und Namen der verkauften Sklaven festgehalten sind. Der Verkauf erzielte zwischen 72 und 360 Drachmen. 72 Drachmen wurden für ein Kind, 360 für einen ausgebildeten Goldschmied bezahlt. Zum Vergleich: Eine Ziege kostete um die 10 Drachmen, ein Rind 50 und ein Landhaus ca. 105 Drachmen. Sklaven waren also verhältnismäßig teuer."

    Die Kaufsklaverei war seit dem fünften Jahrhundert zu einem festen Bestandteil des wirtschaftlichen Lebens in den Polis geworden und eine enorme wirtschaftliche Komponente, wenn man davon ausgeht, dass von der gesamten Bevölkerung Griechenlands (2.250.000) 850.000 Sklaven waren.

    Vollständigen Artikel auf Suite101.de lesen: Wege in die Sklaverei: Wie die Griechen ihren großen Bedarf an Unfreien deckten | Suite101.de http://dennis-schmidt.suite101.de/wege-in-die-sklaverei-a37825#ixzz1ZMsZs6mn

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  8. Staatseinnahmenquote Griechenland (Eurostat, 21-09-2011)

    2008: 39,9
    2009: 37,3
    2010: 39,1

    Hoffe mal, das ist die richtige, die Eurostatsite ist ja nicht gerade übersichtlich.
    "They comprise main aggregates (total revenue and expenditure, main components (ESA 95 economic categories as well as balancing items) for the general government sector and its sub-sectors (central, state, local government and social security funds)" :

    Daten:
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/government_finance_statistics/data/database

    Dokumentation:
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_SDDS/EN/gov_a_main_esms.htm

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  9. @Uli;

    Danke schonmal. Jetzt müsste man nur wissen, wie die Staatsquote berechnet wird: Aus den Einnahmen oder den Ausgaben ... Gerade im Fall von Griechenland ja ein großer Unterschied ...

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  10. Ah, es sind die Ausgaben ...

    Dann ist die deutsche Quote ab 2008:

    43,8%, 47,5%, 46,6%

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  11. und die griechische ab 2008:

    49,7%, 52,9%, 49,5%

    ergänze ich mal.

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  12. Die Regionalzeitung hier hatte gestern auf dem Titel, vermögende Griechen würden große Flächen Wald in D kaufen. Nicht ein paar Bäume um eine Lichtung, eher 500 ha aufwärts. Gab es die Meldung weiter verbreitet?

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  13. Der Steinmeier kommt jetzt mit der Idee einer Treuhandanstalt, welche in 15 Jahren den griechischen Staatsbesitz verscherbelt haben soll.
    Bürger Neufünflands können sicher vom überragenden Erfolg berichten... Was macht die Breuel eigentlich derzeit?^^

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  14. Hallo egghat,

    erst mal vielen Dank für die Erwähnung im Artikel. Schön, dass Dir die Vermögensbilanz gefallen hat ;-)

    Zu der Frage, wieviel Privatisierungserlöse Griechenland erzielen könnte:

    Die drei größten staatlichen / teilstaatlichen Unternehmen, die wohl vor der Privatisierung stehen, sind:

    [Name - Börsenkürzel bei der
    Athener Börse - Börsenwert - Anteil des Staates - Privatisierungserlös]

    Hellenic Petroleum - ELPE - 1,8 Mrd € -
    Dimosia Epichirisi Ilektrismou - PPC - 1,4 Mrd € -
    Hellenic Telecoms OTE - HTE - 1,6 Mrd € - 10% - 160 Mio €

    Dem obigen Artikel nach soll es einen großen staatlichen Grundbesitz geben, der verkauft oder verpachtet werden könnte. Die Bereitschaft zum verkauf scheint jedoch nicht sehr ausgeprägt zu sein, anscheinend werden die ersten Flächen zu "symbolischen" Pachtzinsen vergeben.

    Wenn man sich die benannten Unternehmen anschaut, dann sind die 125 Mrd € vollkommen illusorisch, die benannten 50 Mrd € in den nächsten 5 Jahren für eher zu hoch gegriffen.

    Aber selbst, wenn das klappen würde, sind diese Privatisierungserfolge angesichts der dramatischen Schuldenlast und der jährlich neu hinzukommenden Neuschulden lediglich ein Tropfen auf den berühmten heißen Stein.

    Wie es ausschaut ist Griechenland am Ende, ein Schuldenschnitt unausweichlich, eine neue Währung eigentlich das Beste für Griechenland aber ein Mord für das europäische Bankensystem und den dann wahrscheinlich zu kleinen EFSF-Rettungsschirm.

    Wir werden spannende Zeiten erleben. Mal sehen, wann die Politik endlich erkennt, dass sie in der Sackgasse steckt.

    Gruß, Andena

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  15. hallo,

    letztlich läuft es in jedem thread irgendwann immer auf die formel 'schuldenschnitt+eigene währung' hinaus. warum eigentlich? also den schuldenschnitt verstehe ich. aber die währung? konkurrenzfähig produzieren können 'die griechen' demnächst auch, wenn die löhne nach der party dermaßen im keller sein werden. verbrannte erde und so.

    wo ist der unterschied zu einer eigenen währung, die im vergleich zum euro runtergestuft wird, und einem gezahlten billiglohn in euro, und damit entsprechenden billigen lohnstückkosten? das tut sich in punkto konkurrenfähigkeit doch nichts, oder?

    beste grüße,
    r.sester

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  16. @Rob: Habe ich nichts davon gehört. Es werden ziemlich viele Zahlen zum angeblichen Auslandsvermögen Griechenlands und Investitionen durch die Gegend gereicht. Markus Lanz (ok,ok) hat in einer Sendung von 600 Mrd. Schwarzgeld der Griechen im Ausland geschwätzt. Ich fand die Summe von 280 Mrd. schon ziemlich unwahrscheinlich.

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  17. @Andena:

    Zustimmung. 125 Milliarden halte ich für extrem unrealistisch. Und selbst die 50 Mrd. sind extrem ambitioniert. Man muss sich nur die Stärke der aktuellen Proteste anschauen. Wie sollen sich bei so viel Widerstand Privatisierungen durchsetzen lassen, die (mindestens) den halben Staatssektor der harten Realität aussetzen? Unmöglich ...

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  18. @r.sester

    Man will politisch keinem Land den Austritt aus dem Euro ermöglichen/erlauben. Weil diese einfache Lösung dann auch andere wählen könnten.

    Also versucht man irgendwie das zu erreichen, was ein Euro-austritt auch erreichen würde. Man kürzt die Löhne, man erhöht die Steuern, man senkt die Staatsausgaben, ... Und dann hofft man, dass irgendwie (je nach Bereich) nach 3 oder 5 oder 10 Jahren dasselbe umgesetzt ist wie bei der Radikalkur über den Euroaustritt.

    Man sollte sich nur davor hüten, den Euro-Austritt als Patentlösung zu verkaufen ... Wenn die Drachme dann 30 oder 40% abrutscht, ist die griechische Staatsverschuldung noch höher (weit über 200% des BIPs). Dann muss es einen Schuldenschnitt geben. Der bewirkt sowohl eine Rettungsaktion für die Eurobanken als auch einen massiven Wertverlust für die griechischen Pensionskassen. Außerdem bekommen die Griechen eine massive Geldentwertung über die Inflation, die über 2 oder 3 Jahre sicherlich 20% der Löhne auffressen wird.

    Der einzige große Vorteil: Die Griechen sind danach wieder wettbewerbsfähig ... Das ist sicherlich was, aber man muss sich auch fragen, ob man das nicht anders hinbekommen kann. Z.B. durch einen fünfjährigen Verzicht auf jegliche Lohnerhöhungen.

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  19. hallo egghat,

    danke erstmal für die antwort.

    'Man will politisch keinem Land den Austritt aus dem Euro ermöglichen/erlauben. Weil diese einfache Lösung dann auch andere wählen könnten.'

    seh ich genauso. was du allerdings als argument, resp. bedenken anführst, erklärt ja nur die 'warum nicht' kausalkette, aber nicht den auch von dir quasi unbestrittenen angenommenen wettbewerbsvorteil im falle eines austritts aus dem euro. genauer, worin besteht der? der sprit und alle importe verteuern sich schlagartig brutal. die leut bekommen ihren lohn dann in drachmen. ob der stundenlohn dann x drachmen ist oder das äquivalent in euro, wenn's billiger wo anders geht, kaufen die leute eben da. auf die lohnstückkosten in der welt hat das doch keinen einfluß, und der handel und dienstleistungen finden doch weiterhin global statt.

    oder andersherum, wenn eine eigene währung und eine währungssouveränität zwangsläufig (nach durchschreiten des tals der tränen) zu einem happy-end führt, warum dann überhaupt einen euro?

    irgendwo hab ich mindestes einen denkfehler.

    beste grüße,
    r.sester

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  20. Du musst "Glück des Staats" vom "Glück des Bürgers" trennen ...

    Der Bürger wird bei einer Herabstufung auf einen Schlag ärmer. Dem Staat hingegen hilft das (unter Umständen).

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  21. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  22. gestern erst im Parlament gelesen und unter http://www.staatsverschuldung.de/destatis2011-02-21.pdf bestätigt -- deutsche Staatsverschuldung bei fast 2000 Mrd. und nicht 1700Mrd. somit bleibt ein Minus von 85 Mrd. € für uns

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  23. Die Lösung liegt doch auf der Hand,
    siehe:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Lastenausgleichsgesetz

    Vergleiche das Privatvermögen in D mit der Staatsschuld. Et voila.
    Wie sieht es in GR aus ?

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