KfW: Eurorettung lohnt sich

In der Frankfurter Rundschau ist heute ein Interview mit KfW Ökonom Irsch, der versucht hat, die Vorteile für Deutschland durch den Euro abzuschätzen. Er kommt auf

50.000.000.000 - 60.000.000.000 (50 bis 60 Milliarden) Euro

in den letzten zwei Jahren. (leider steht doch nicht genau, ob pro Jahr oder zusammen)

Jetzt ist die Berechnung natürlich genauso unklar wie die Schätzungen der UBS für die Verbleibs- bzw. Austrittsszenarien (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Was würde ein Ausstiegs Deutschlands aus dem Euro kosten?). Unstrittig dürfte aber wohl sein, dass Deutschland mit der D-Mark und der Bundesbank einen höheren Wechselkurs und höhere Zinsen hätten. Am Ende bezweifelt das doch niemand, oder? Denn selbst die Leute, die den Austritt Deutschlands aus dem Euro fordern, bringen dafür doch ein Hauptargument: Die Ungleichgewichte im Handel zwischen dem schwachen Griechenland und dem starken Deutschland sollen ausgeglichen werden. Und das käme am schnellsten über eine stärkere Währung, also weniger (weil teurere) Exporte und mehr (weil billigere) Importe. Aber dass weniger Export auch weniger Arbeitsplätze in Deutschland zur Folge hätte, ist doch logisch, oder?

Man kann sicherlich über das Ausmaß der Höherbewertung einer (Neu oder Alt) D-Mark und die Höhe der Arbeitsplatzverluste diskutieren, aber wohl kaum über diesen grundsätzlichen Zusammenhang. Finde ich.

Berliner Zeitung: "Die Euro-Rettung lohnt sich für jedes einzelne Land"

(komischerweise in der Berliner Zeitung. Die Wege innerhalb vernetzter Medienkonzerne sind unergründlich. Wieso macht die FR das Interview, veröffentlicht es nicht online, sondern schenkt die PIs einer Schwesterpublikation (oder anderen "Abschreibern", die Story findet sich nämlich überall, nur nicht beim Original. Dumm).

Update (10:22):

Andena bringt in den Kommentaren den sehr richtigen Einwand vor, dass Irsch (und ich) mit der Behauptung, dass die D-Mark stärker wäre und die Zinsen höher, eine mögliche Doppelbetrachtung gemacht hat. Denn starke Währungen gehen normalerweise mit einem niedrigen Zinsniveau einher (siehe Schweiz). Wieso die DMark gleichzeitig höher bewertet sein sollte UND höhere Zinsen, ist nicht unbedingt plausibel.

OK, im Konjunkturzyklus kann es Stellen geben, an denen sowohl die D-Mark hoch bewertet ist UND hohe Zinsen hätte. Allerdings wäre das im Durchschnitt über den Konjunkturzyklus wohl nicht so.

Kommentare :

  1. Aha. Der Vorteil der BRD durch den Euro beträgt also geschätzt nach Einzelmeinung eines "Experten" so 50 bis 60 Mrd Euro.

    Andersherum betrachtet würde das dann ja bedeuten, dass die Schweizer (anhand der Größe umgerechnet) einen Nachteil von so 4 bis 5 Mrd € haben. Da bekommt man doch sofort Mitleid mit den armen Schweizern, oder?

    "Unstrittig dürfte aber wohl sein, dass Deutschland mit der D-Mark und der Bundesbank einen höheren Wechselkurs und höhere Zinsen hätten. Am Ende bezweifelt das doch niemand, oder?"

    Diesen Satz muss man einfach mal genauer auseinander nehmen. ;-)

    Was noch relativ unstrittig ist: Ja, der Wechselkurs der DM würde ohne die Euro-Fessel gegenüber den anderen europäischen Währungen höher sein. Oder anders ausgedrückt: Die Volkswirtschaft der BRD ist so stark, dass der "deutsche Euro" massiv unterbewertetet ist, was man ja sehr schön an dem Handelsbilanzsaldo der BRD erkennen kann. So profitieren die Unternehmen in der BRD von der durch den zu niedrigen Wechselkurs verbesserte Wettbwewerbsfähigkeit.

    Nicht unstrittig ist der zweite Teil, dass die Zinsen mit einer DM angeblich dann höher wären. Wie man auf einen solchen Gedanken kommen kann, ist nicht wirklich nachzuvollziehen. Schon ein kurzer Blick über die Grenze zu den Eidgenossen genügt, um zu erkennen, dass eine starke Währung eher mit niedrigen Zinsen Hand in Hand geht und eben nicht mit hohen Zinsen. Nirgendwo sonst in Europa sind die Zinsen so niedrig wie in der Schweiz und deren Wert wäre auch derjenige, den man am ehesten für eine DM-BRD annnehmen würde, oder?

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  2. Also zuerst:

    Der Einwurf mit den Zinsen ist gut! Den pack ich in den Artikel!

    Da gebe ich die im Durchschnitt über den gesamten Konjunkturzyklus Recht. Da wäre das deutsche Zinsniveau wohl nicht höher als das von Resteuropas. Schließlich war der niedrige Zins des DM-Blocks, warum der ganze Rest Europas "unsere" DM haben wollte!

    Zum anderen Punkt: Die Schweiz hat natürlich Nachteile. Deshalb muss sie auch gerade intervenieren, weil ihr Export zu lahmen beginnt. Generell fallen mir Vergleiche mit der Schweiz aber schwer: Wenn ich mir den Anteil des Finanzsektors in der Schweiz anschaue, weiss ich sofort, warum in der Schweiz bestimmte Sachen funktionieren, die in anderen Länder nicht gehen. Die Schweizer verdienen halt viel Geld mit Vermögensverwaltung von Vermögen aus ähem unklaren Quellen. Das geht in Luxemburg auch, aber ob man daraus irgendwas für Deutschland ableiten kann, bezweifle ich.

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  3. "So liegt der Wachstumsvorteil für die beiden Jahre 2009 und 2010 insgesamt nach unseren Schätzungen bei etwa 50 bis 60 Milliarden Euro. Um diesen Betrag wäre die wirtschaftliche Leistung weniger gestiegen, wenn wir die D-Mark gehabt hätten."

    so so.
    Und um wieviel Hundert Milliarden Euro würde das deutsche BIP erst hochschnellen wenn die DM wiedereingeführt würde? Der Euro würde absacken und aus einem gegenwärtigen BIP von rund 2,4 Billionen würden dann mindestens 3 Billionen Euro. Davon können wir eine satte Rezession in DM gerechnet auf der linken Arschbacke absitzen.
    Ist nicht alles so simpel wie VWL-Hengste uns das weis machen wollen ...

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  4. @Matsch:

    BIP wird in Inlandswährung gerechnet. Das zählt so nicht ...

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  5. "Die Währungsunion nützt Deutschland."

    Die übliche Experten-Sprachpanscherei zum Schönreden der Währungsunion.

    Wem genau nützt die Währungsunion?

    Sie nützt den Unternehmen und den Besitzern dieser Unternehmen.

    Otto-Normalverbraucher nützt sie eher weniger, denn die reale Kaufkraft sinkt und sinkt.

    Für den Unternehmer ist es gut, wenn er durch die schwache Währung seine Ware leichter exportieren kann, aber der gemeine Arbeitnehmer zahlt viel Geld für Produkte aus dem Ausland.

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