Roland Berger rettet Griechenland

Ha, die Weltretter von Roland Berger stellen ihren Masterplan vor.

Also der Masterplan geht (kurz skizziert) wie folgt:

Griechenland nimmt so ziemlich alles, was wertvoll ist, und packt das in eine Treuhandgesellschaft. Diese Treuhandgesellschaft verkauft Griechenland an die EU. Dafür bekommt Griechenland einen Haufen Knete (125 Mrd.) und zahlt damit einen ganzen Teil seiner Schulden ab. Die Schuldenlast sinkt auf etwa 90% des BIPs. Griechenlands Schulden wären damit wieder auf einem sinnvollen Niveau und könnten durchaus wieder ein Single-A-Rating erreichen. Die EU nimmt dann noch mehr Geld in die Hand, saniert den ganzen Kram, den Griechenland in die Treuhand gepackt hat und verkauft den ein paar Jahre später für 180 Milliarden Euro weiter. Sollte es noch mehr als die 180 Mrd. Euro geben, bekäme Griechenland den Überschuss.

Alle sind glücklich, alles wird gut.

Treuhand-Modell: Der Masterplan für Griechenland - WirtschaftsWoche

Puh, ohne in Detailkritik zu verfallen ...

Was unterscheidet diesen Vorschlag so großartig von der Idee, Griechenlands Staatsanleihen mit Assets zu besichern? Also eine 3 Milliarden Anleihe herauszugeben und dahinter die Autobahnen zu legen; eine 2 Mrd. Anleihe und dahinter die Kanäle, etc. pp? Die Idee ist schon ganz am Anfang der Krise geäussert worden, etwa arg überspitzt in dem blöden Spruch "hinterlegt doch Kreta".

Beerdigt wurde diese Idee damals, weil man nicht neue Anleihen herausbringen wollte, die mehr Sicherheiten haben als die alten. Denn dadurch werden die alten (also nicht besicherten) Anleihen von Griechenland weniger sicher, logisch, weil dann ja weniger Sicherheiten hinter den alten Anleihen stecken. Und das wäre aus Sicht der Ratingagenturen wie ein Default der alten Anleihen zu werten gewesen. OK, über den Default macht man sich inzwischen weniger Gedanken, die freiwillige Umschuldung kommt ja eh.

Man könnte auch noch fragen, was den Masterplan von Roland Berger so großartig von der Idee unterscheidet,  den Griechen all diese Assets zu lassen. Diese können die Assets dann selber sanieren und die EU finanziert Griechenland einfach weiter. Wenn Sicherheiten von 125 Mrd. Euro da sind und wenn diese Sicherheiten auf 180 Mrd. Euro "hochsaniert" werden können und wenn der "unbesicherte Rest" der Griechenland-Anleihen wirklich Single-A ist, müssen wir uns doch gar keine Gedanken machen! Wir finanzieren Griechenland zu 3 oder 4% Zinsen einfach weiter und aus. Dann können sich die Griechen in Ruhe sanieren, Assets verkaufen, ein Katasterwesen aufbauen, endlich Steuern eintreiben, ...

Ehrlich gesagt: Für einen Masterplan, der mich beeindrucken würde, fehlen mir die wirklich großen Ideen. Ideen, die vorher noch niemand hatte und die irgendwas grundsätzlich verbessert würde. Aber wahrscheinlich ist der Masterplan 160 Seiten dick, hat 1,8 Millionen gekostet und wurde mit 34 Powerpoint Folien toll präsentiert. Und das zählt schließlich ...

Auf die Frage, ob Griechenland überhaupt Assets im Wert von 125 Milliarden Euro hat, die abgegeben werden können, will ich mal gar nicht eingehen (hab ich ja schonmal versucht: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Was ist der Staatsbesitz Griechenlands wert?). Das müsste ja erstmal bewertet werden. Und ich hätte da einen Verdacht, wer diese Bewertung machen soll ... (obwohl ich mir nicht sicher bin, ob die Bergers das auch machen)

Update (29.09.11):

FT Alphaville hat den Roland Berger Plan tschulligung MASTERplan auch in die Hände bekommen und stöhnt wie ich über den Mangel an Details.

Eine Zahl wird aber genauer unter die Lupe genommen: Die Privatisierungserlöse. Nach Einschätzung von FT Alphaville entsprechen die 125 Milliarden Euro 54% des griechischen BIPs. Damit wäre der Prozentsatz der zu privatisierenden Geschäfte HÖHER als das, was die osteuropäischen Staaten im Durchschnitt nach dem Fall der Mauer privatisiert haben. Und das waren wohl  die größten Privatisierungsprojekte der letzten Zeit. Und zusätzlich gingen diese von (nahezu) vollständig verstaatlichten Volkswirtschaften, also einer ganz anderen Basis als in Griechenland, aus.

Als Griechenland 50 Milliarden Privatisierungserlöse angekündigt hat, war ich schon skeptisch und meinte damals, dass dafür wohl richtig tiefe Schnitte (sprich umfassende Privatisierungen) vorgenommen werden müssen. Woher 125 Mrd. kommen sollen (vor allem schnell und auf einen Schlag) ist mir schleierhaft.
Dass Roland Berger hier völlig schwammig bleibt, ist logisch. Für Studien, unter denen "Ham' wa keine Ahnung von, wissen wir auch nicht" bekommt man kein Geld. Einfach 'ne Zahl hinklatschen ist einfacher ... Griechenland hat bis heute nicht einen Euro Privatisierungserlöse eingefahren. Jetzt auf einmal 125 Milliarden?

FT Alphaville: Another Greek SPV plan

FT Alphaville macht sich auch noch Gedanken über den Anleiherückkauf. Wieso sollen die Anleihen von der EZB gekauft werden und nicht am Markt? Und zu welchem Preis? Aber ich wollte nicht auf die Details eingehen ... Solange solche Fragen, ob man mal schnell die Hälfte eines BIP privatisieren kann, nicht geklärt sind, macht das keinen Sinn.
Und hierbei darf man ja eigentlich auch nicht nur über die technischen Frage reden (was privatisiert man oder ob überhaupt so viel da ist), sondern auch über die politischen Folgen. Ich möchte mal sehen, was das für Streiks gibt, wenn man in einem Land mit einer Staatsquote von etwa 50% etwa 50% des BIPs privatisieren möchte. Dann streikt das halbe Land weiter ...

Den Plan von Roland Berger gibt es übrigens hier:

Rolandberger: EURECA project

OK, ich hoffe, dass das die Präsentation (Powerpoint, wie erwartet) des Plans ist und nicht der Plan selber. Das Dingen ist nämlich satte 7 Seiten lang, davon 1 Seite Titel, 1 Seite Werbung "It's character that creates impact" (wie wahr, wenn die mit guten Ideen geworben hätten, wär's auch ne Lüge gewesen) und 1 Seite Zusammenfassung. Etwas (aber auch wirklich nur etwas) konkreter wird es auf den 4 Seiten dazwischen ...

Dass diese ganze Expertenklicke nur mit Wasser kocht, ist ja jetzt nicht soooo die neue Nachricht, aber dass die nicht einmal Wasser kochen, sondern mehr oder weniger nur heiße Luft erzeugen, wird nur selten so klar wie in diesem Fall. In der Mindmap mit den Rettungsvorschlägen vom Blicklog dürften einige Vorschläge stecken, die detaillierter sind und schon länger auf dem Tisch liegen.


Kommentare :

  1. hallo egghat,

    hier mal zwei links, die mir den tag versüßt haben. in der reihenfolge ;)

    https://www.youtube.com/watch?v=lqN3amj6AcE&feature=player_embedded

    da weiß man dann endlich mal, wie die 'finanzkrise' so aussieht, und dabei vielleicht feststellt, ihr jeden morgen in der bahn gegenüber zu sitzen (da könnte man ja seine meinung mal dezidiert vortragen ;)

    wenn sich der begeisterungssturm gelegt hat und man denk, mensch, da müßte man doch mal, vóila:

    http://www.youtube.com/watch?v=fzqWNCNSItY&feature=player_embedded

    allerbeste grüße!
    r.sester

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  2. Der magische Kniff scheint die richtige Antwort auf Frage zu sein, wer sich um die verbliebenen Werte Griechenlands kümmern darf.

    Die richtige ist natürlich: Nicht die Griechen. Sondern aus 125 Mrd 180 Mrd machen, dass kann nur der Europäer Brüsseler Facon.

    Die Bergersche Lösung des Principal-Agent-Problems.

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  3. egg ma eine schöne Geschichte fürs Wochenende/wenn du ma etwas mehr Zeit hast:

    The Stoner Arms Dealers: How Two American Kids Became Big-Time Weapons Traders
    http://www.rollingstone.com/politics/news/the-stoner-arms-dealers-20110316

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  4. Scheinbar ist sowas leichter zu erkennen, wenn man mal von der anderen Seite des Planeten aus schaut. Bill Mitchell hat das in seinem Blog von heute eigentlich ganz gut zusammen gefasst:
    http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=16295
    Auch den Vergleich mit der Treuhand finde ich jetzt nicht von der Hand zu weisen.
    Gruß
    Ludwig Büchner

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