Unsere Politiker: 211 Mrd. ifo: 465 Mrd. Euro

Und gestern kam die Deutsche Bank noch auf maximale Kosten für den deutschen Steuerzahler aus den Sicherheiten für den EFSF von 400 Mrd. Euro.

Die einzige Antwort, die das Bundesfinanzministerium hat, ist "Die Berechnungen sind spekulativ und deshalb unrealistisch".

Hmmm, offenbar muss man in Planungen einfach nur eine unbekannte Variable einbauen und schon kann man mit diesem Totschlagsargument alle Überlegungen beiseite wischen. Das könnte man allerdings bei jeder Investitionsentscheidung der Politiker (ich nenne nur mal Stuttgart 21) oder überhaupt jeder Budgetplanung (der zum Beispiel ein völlig unbekanntes Wirtschaftswachstum zugrunde liegt) auch machen. Dann können wir uns jede Diskussion sparen ...

Naja, aber vielleicht zurück zu den Details: das ifo Institut hat (wie auch nicht anders zu erwarten war), bei eigentlich jedem Parameter Maximalwerte angenommen.


  • Es geht nicht nur um Griechenland, sondern auch um Portugal, Spanien und Italien.
  • Bei der Summe wird das erste Griechenlandpaket, der EFSF, der EFSM, die Ankäufe von Staatsanleihen durch die EZB (143 Mrd.) UND die Target 2 Forderungen (327 Mrd.).
    Inklusive der Erhöhung käme eine Gesamtsumme von 1,67 Billionen Euro zusammen. Da Teile des Geldes nur zu einem bestimmten Prozentsatz vergeben werden dürfen, ergibt sich nicht ganz die Summe von 551 Mrd, die dem Drittel von Deutschland entsprechen würde, sondern "nur" 465 Milliarden ...
  • Die Recovery Quote (Gläubigerquote) wird mit 0% angenommen.

Eines hat der Sinn vom ifo noch vergessen: Den Zinsaufschlag für deutsche Staatsanleihen, den er auf 100 Basispunkte schätzt (wie Großbritannien), für die gesamte Schuldenlast von Deutschland noch als Kosten anzusetzen. Das sind ja auch schnell 20 Milliarden Millionen Euro im Jahr ..

Der größte Kritikpunkt für mich: Ein Komplettausfall aller vier Länder erscheint extrem unwahrscheinlich. OK, es ist nicht unrealistisch, dass diese mglw. ausfallen oder auch aus der Eurozone austreten, aber dass alle vier Länder allesamt zu 100% ausfallen und es für die Gläubiger GAR KEIN Geld gibt, ist unvorstellbar.

Ich habe im Zusammenhang mit den Ausfallrate von Griechenland schon einmal geschrieben, dass es solche Haircuts nicht gibt (CDS für Griechenland über 8.300 (?!?) - egghat's not so micro blog): Schon Haircuts von 75% sind selten, üblich sind eher 50% oder weniger. Und man muss bedenken, dass selbst das komplett zerbombte Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg seine Auslandsschulden (zumindst teilweise) bedienen konnte.

Klar, hat Griechenland mit fast 160% Verschuldung des BIPs zu hohe Schulden. Aber 100% Streichung? Nach einer Halbierung hätte Griechenland schon eine niedrigere Staatsverschuldung (in Prozent des BIPs) als Deutschland. Dass noch härter gestrichen wird, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Jeder Schuldenerlass für irgendein Land wird politisch extrem schwierig durchzusetzen sein, eine Streichung, die auf ein besseres Niveau führt als es die zahlende Nation hat, wird es daher (meiner Meinung nach) nicht geben.

Ganz nebenbei muss man über die Kalkulation eines Ausfalls von Italien eh nicht nachdenken. Italien wird nicht über die bisher vorgestellten Mechanismen gerettet werden können und auch nicht werden. Spätestens bei Italien ist Schicht, dann muss man über was anderes nachdenken ...

Pressemitteilung der CESifo Gruppe
ifo: ifo Schnelldienst 2011-17: Die Rettungssummen steigen (PDF)
Neue Prognose zur Euro-Rettung: Deutschland haftet mit bis zu 465 Milliarden | FTD.de

Update (18:17)

Die 20 Millionen Zinskosten durch 20 Milliarden ersetzt ... Danke an @TeraEuro für den Hinweis!

Kommentare :

  1. Für Italien würde es nicht reichen. Das heißt aber doch wohl, dass im Extremszenario noch mehr Geld als die 465 Mrd. auf dem Spiel stehen. Man würde ja einen der Rettungsschirme vergrößern müssen.

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  2. Wieso 211 Mrd. Euro.
    Unsere Politiker rechnen lt. Gesetzentwurf und damit offiziell doch so:

    Die Bundesregierung schreibt im Gesetztentwurf zum europäischen Stabilisierungsmechanismus:
    "Haushaltsausgaben ohne Vollzugsaufwand
    Es entstehen keine unmittelbaren Ausgaben. Die mittelbaren finanziellen Aus-
    wirkungen sind nicht bezifferbar. Da Notmaßnahmen der EFSF unter strengen
    Auflagen mit dem Ziel erfolgen, die drohende Zahlungsunfähigkeit der betrof-
    fenen Staaten dauerhaft abzuwenden, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mit
    einer Inanspruchnahme der Bundesrepublik Deutschland aus den ausgegebenen
    Garantien zu rechnen."
    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/069/1706916.pdf
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  3. Schöner noch der Satz danach:

    Alternativen: Keine.

    Ohne Worte. Alternativlos hat es tatsächlich bis in die Gesetzesentwürfe geschafft ...

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  4. Wie plausibel ist eigentlich das szenario, dass der Economist diese woche vom stapel lässt? Also mal angenommen, die politik könnte sich zu solche koheräntem und entschlossenen reden und handeln zusammenraufen?

    http://www.economist.com/node/21529049

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  5. Hallo an Alle die mir weiterhelfen können,

    ich schreibe gerade eine große Arbeit an der Universität über die Target-Salden. Bis jetzt hab ich die meisten Salden in den Bilanzen der jeweiligen nationalen Zentralbanken gefunden. Aber leider nicht von Irland, Portugal und Österreich, sowie von Spanien und Frankreich nur die Targetforderungen, aber nicht die Verbindlichkeiten wenn es keine Forderungen gab??? Kann mir jemand bitte weiterhelfen??? einen Link oder einen Tipp posten. Ich wäre euch echt dankbar!!!

    Super… und besten Dank
    Grüße Sebastian

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