Was würde ein Ausstiegs Deutschlands aus dem Euro kosten?

Viel ...

Die UBS hat's versucht zu berechnen und kommt auf

9.500 bis 12.500 Euro

pro Kopf für jeden Deutschen in den ersten zwei Jahren.

Wow.

Ein Bailout für Griechenland, Irland und Portugal würde hingegen nur etwa 1.000 Euro pro Kopf betragen, ergo einen Bruchteil der Kosten eines Austritts.

Der Austritt der schwachen Länder würde für die Einwohner dieser Länder übrigens noch teurer. Die UBS kommt auf 12.500 bis 14.500 Euro pro Kopf ...

Sollten die Zahlen nur halbwegs stimmen, ist das ein klarer Fall von No-Brainer. Bailout, alles andere wäre ja viel teurer. Nur: Können die 1.000 Euro pro Kopf stimmen?

Multipliziert mit 82 Millionen Deutschen wären wir bei 82 Milliarden Euro Kosten für den gesamten Bailout. Damit können wir aber kaum die gesamten Schulden kaufen. Allein Griechenland hat 350 Milliarden Staatsschulden ... Auch bei einem 50%igen Haircut, den die UBS annimmt, wäre man schon bei mehr als 82 Milliarden. Habt ihr eine Idee, wie die UBS auf die Zahl kommt?

Einen Ansatz habe ich: Die Kosten des 50% Haircuts auf alle Schulden von Irland, Griechenland und Portugal werden auf alle Europäer verteilt, nicht nur auf die Deutschen. Dann könnte es hinkommen ...


UBS: Euro break-up - the consequences | Credit Writedowns (inkl. der Studie im Original)

P.S. Man könnte jetzt auch einfach annehmen, dass die UBS noch einen Haufen PIGS-Papiere in der Bilanz hat und deshalb (nicht ganz uneigennützig) den Bailout empfiehlt ...

Kommentare :

  1. naja, bei einem 50% Haircut müssten ja noch einige Banken rekapitalisiert werden - sind wir schon mal bei 2 TEUR/Kopf.

    Viel interessanter finde ich allerdings die Frage, wie die auf 9,5-12 TEUR bei einem Ausstieg kommen. Das wären 800+ Mrd für Deutschland - über 30%/BIP. Ich bin kein Verfechter eines Ausstiegs, aber warum die Kosten so exorbitant hoch sein sollen, erschließt sich mir nicht. Oder glauben die, hier würden dann 4 Monate lang alle Produktionsbetriebe still stehen?

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  2. 40 oder 50% Aufwertung wurden angenommen. Das würde schon zu einem massiven Exporteinbruch führen ...

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  3. Klar wäre 50% Aufwertung ein Problem - ich kann mir aber ein Ausstiegsszenario ohne massive Kapitalkontrollen und Pegs eh nicht vorstellen. Insofern ist das alles Kaffeesatzleserei.

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  4. @anonym:

    Ein Ausstieg und anschließend eine fixe Währung? Hmmm, wie sollen sich dann die Ungleichgewichte abbauen? Der wirklich einzige positive Aspekt eines Austritts (egal ob schwaches oder starkes Land) ist doch die schnelle Anpassung der Ungleichgewichte. Bamms, und alles aus Deutschland wird 20% teurer (oder alles aus Griechenland wird 20% billiger). Deutschland exportiert dann weniger, durch die starke Währung kann Deutschland auch billiger aus dem Ausland importieren und die Handelsbilanz ist wieder im Lot.Auf beiden Seiten, zumindest im Idealfall.

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  5. Ach so: In den Kosten sind auch noch massive Stützungsmaßnahmen für die Banken drin, weil diese dann die ganzen (dann Ex-) Euroassets runterschreiben müssen, weil die ja durch die Abwertung des Euros wesentlich weniger wert sind.

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  6. Worin der Gewinn liegen soll, deutsche Produkte nach GR, IT, ES, PT zu exportieren und ihnen das Geld in die Hand drücken, damit sie uns einen Schuldschein ausstellen, den sie sowieso nie begleichen werden, erschließt sich mir nicht so richtig.
    Im privaten Wirtschaftsverkehr würde ein Handwerker, der mir die Wohnung renoviert und noch das Geld mitbringt, damit ich ihn bezahlen kann, einen Vogel zeigen. In Euro-Land hält man es für Klugheit, das jeden Preis wert ist ...

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  7. @matsch:

    Man kann ja hoffen, dass man jetzt irgendwas aus der Krise gelernt hat. Wobei meine Hoffnung nicht sonderlich groß ist.

    Aber jetzt geht es nicht vorrangig darum, irgendwie das Teil langfristig neu hinzustellen, sondern das erstmal zu retten.

    Es macht natürlich keinen Sinn, "nachher" so weiter zu machen wie vorher.

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  8. Ich hab mich jetzt im Blog Wirtschaftswurm auch mit der UBS-Schätzung beschäftigt und bin zu dem Schluss gekommen, dass die Ökonomen dort einige positive Effekte eines Euroaustritts vollkommen unterschlagen: Billigere Importe vor allem. Außerdem werden die Kosten einer Transferunion nicht mal ansatzweise erfasst.

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  9. Auch bei der UBS wird Politik gemacht. Wer denkt, dass die so eine Studie aus reinem Altruismus schreiben, der ist hoffentlich noch nicht volljährig.

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  10. @ egghat (#4)

    sicherlich kein harter Peg - aber ein Ausstiegsszenario kann schon rein technisch nicht ohne massive Kontrollen und Interventionen funktionieren. Allein eine Ankündigung würde ja dazu führen, dass ganz Europa seine Euros auf deutschen Konten parkt (wenn man dies nicht verhinderte). Schon das würde zu massiven Verwerfungen führen (und sicherlich zu neuen Bankenkrisen von Frankreich bis Portugal).
    Wenn so einen crazy move unternehmen wollte, dann nur indem man den Angleichungsprozess irgendwie zu steuern versucht. Alles andere wäre IMHO Harakiri.

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  11. Na ja, ein paar Dinge in dem UBS Report sind etwas unklar - freundlich gesagt.

    1. Keine Erwähnung von Italien oder Spanien? Wenn die Eurozone die Schulden von Irland, Portugal und Griechenland übernimmt (3 kleine Staaten/Probleme), dann haben sich die anderen Problemfälle (2 grosse Staaten/Probleme) automatisch in Luft aufgelöst?
    Oder ist das dann "Fortsetzung folgt...", war nicht Bestandteil dieser Studie?

    2. Wie im ersten Kommentar schon erwähnt, ein 50% Haircut beim Bailout würde einige Banken aber auch ins Trudeln bringen. Ein Banken-Bailout wird beim Ausstieg erwähnt, aber nicht beim Schuldentransfer?

    3. Niedrigere Importpreise haben gar keinen Effekt (Konsum/Binnenmarkt)?

    4. UBS sagt (richtigerweise), dass bei der Eurozone kein Austritt vorgesehen ist. Ein Austritt aus der EU aber laut Vertrag möglich ist. Daraus folgern sie, dass ein Austritt aus dem Euro automatisch auch den Austritt aus der EU mit sich zieht. Und dies würde zu "potential trade barriers and border disruptions" führen.
    Ist das realistisch? Politisch und wirtschaftlich, nicht rein legalistisch.
    Alle anderen EU-Länder, auch die nicht in der Eurozone, bestehen darauf, dass Deutschland beim Austritt aus der Eurozone dann auch die EU verlässt? Trotz aller Nachteile auch für die (Rest-) EU?

    Ich weiss nicht.
    Die Bailout-Kosten laut UBS scheinen ein best-case scenario zu sein. Während die Austrittskosten eher zum worst-case scenario hin tendieren.
    Gut möglich, dass die Austrittskosten trotzden realistisch sind. Die Bailout-Kosten scheinen mir allerdings sehr schön gerechnet.

    Detlef

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  12. @Detlef:

    Ich glaube, dass man alle Varianten, bei denen mehr als die drei kleinen gar nicht durchrechnen braucht. Dann ist eh Schicht.

    zu 2) Es war IIRC auch ein kleiner Bankenbailout beim 50% Haircut drinne.

    3) Keine Ahnung

    4) Wenn ich es richtig verstanden habe, hat die UBS diese Kosten genannt, aber nicht versucht, das in Geld umzurechnen.

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  13. @ egghat

    zu 1.
    Ich verstehe einfach die Logik der UBS nicht. Default von Griechenland, Portugal und Irland. Haircut von 50%.
    Und das war es dann?
    Ich würde vermuten, dass in solch einem Fall die Zinssätze für Italien und Spanien zum Höhenflug ansetzen?

    zu 2.
    Stimmt, habe ich zuerst übersehen. UBS hat erwähnt, dass in diesem Fall möglicherweise auch ein Banken bail out erforderlich ist. Im Gegensatz zum Austritts-Szenario haben sie allerdings für diesen Fall keine Kosten kalkuliert?

    zu 3.
    Schwer zu kalkulieren.
    Verlust von Arbeitsplätzen in der Exportindustrie plus Unsicherheit in der Bevölkerung gegen die Möglichkeit von mehr Arbeitsplätzen in der Binnenwirtschaft. Gesamteffekt wahrscheinlich negativ (siehe Schweiz). Ich habe mich nur gefragt, warum es überhaupt nicht erwähnt wurde. Ohne Binnennachfrage bleibt Deutschland abhängig von Exporten. Was ja angeblich der Grund für alle Probleme der Eurozone ist. :)

    zu 4.
    Um UBS zu zitieren:
    20% Rückgang im Handel. Teilweise begründet in neuen Handelsschranken zwischen Deutschland und der EU und teilweise begründet durch weniger Wachstum in der (Rest) EU.

    Mein Problem ist nur, dass ich dem legalistischen UBS Szenario nicht ganz folgen kann.
    Ein Austritt/Ausschluss Deutschlands aus der EU heisst, dass die EU ihren grössten Nettozahler verliert. Wer übernimmt die Zahlungen, bzw. wer verzichtet auf EU Zahlungen?

    Und wie soll das funktionieren?
    Beispiel Volkswagen? VW, Audi, Skoda, Seat. Motoren, Getriebe etc. werden markenübergreifend im Konzern benutzt. Und in verschiedenen EU Ländern produziert.

    "Potential trade barriers and border disruptions"
    Deutschland ist das Transitland in der EU.
    Wenn ich das ernst nehme, dann müsste die (Rest) EU ihren gesamten Handel entweder auf dem Seeweg durchführen oder den Umweg über Norditalien nehmen?

    Ich weiss nicht recht. Wenn UBS recht hat, dann würde die (Rest) EU - nicht nur die Eurozone Mitglieder - verlangen, dass Deutschland die EU verlässt. Würde die EU das überleben?

    Detlef

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  14. @Detlef:

    AmEnde weiss man natürlich nicht wirklich, was die UBS berücksichtigt hat und was nicht. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass die UBS den Nettoeffekt von weniger Exporten und mehr (weil billigeren) Importen in ihrer Kalkulation drin hat. Allerdings kann ich verstehen, dass du das nicht glaubst. Weil es nirgendwo explizit steht ...

    Und die Probleme, die du mit dem legalistischen Szenario hast, teile ich. Da sind natürlich gewisse Annahmen drin, die mglw. nicht plausibel sind.

    Ich halte die UBS Studie an und für sich aber für plausibel. Die europäische Wirtschaft (oder die Eurozone-Wirtschaft) ist inzwischen so eng miteinander vernetzt, dass ein Herausoperieren eines Landes quasi unmöglich bzw. extrem teuer würde. Die UBS hat halt nur versucht, das mal grob durchzurechnen. Ob die Neue-D-Mark dann 20 oder 50% aufwertet, wissen die natürlich auch nicht. Aber dass die aufwertet und dass das teuer würde, ist doch klar. Wir spüren ja schon einen Dämpfer, wenn der Dollar abwertet. Und mit dem Dollarraum machen wir vielleicht ein Viertel unseres Handels, der Rest geht fast komplett in die Eurozone. Da tun 40% Aufwertung aber mal richtig weh!

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  15. grotesk bleibt dennoch die Annahme, ein Ausstieg aus dem Euro würde einen Austritt aus der EU zur Folge haben. Als wenn sich die Politik mitsamt EZB in den letzten drei Jahren einen Fingerbreit an Vertragswerke und Gesetze gehalten hätten.

    Das ist sowieso eine bittere Erkenntnis, die ich kaum für möglich gehalten hätte: dass auf einst hochgehaltene Gesetzesordnungen keinerlei Verlass ist.

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  16. @matsch:

    Das schlimmste daran ist, dass man als vernünftig denkender Mensch eigentlich keinen neuen Vertrag (Stabilitätsgrenzen o. Ä.) akzeptieren kann, weil man nicht davon ausgehen kann, dass sich die Politiker auch dran halten.

    Siehe auch: Keine automatischen Sanktionen im EU-Stabilitätspakt - egghat's not so micro blog

    Alles, aber auch alles ist total unglaubwürdig geworden ...

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  17. und von wenigen als Querulanten und Nörglern diffamierten Kritikern abgesehen plappern sie ALLE denselben Müll nach. Von den sog. Oppositionsparteien bis hin zur überwältigenden Mehrheit der Medien.

    Man beginnt zu begreifen wie das in der Sowjetunion und der DDR funktioniert hat, als auch noch der größte Unsinn und die hanebüchensten Verlautbarungen von intelligenten Menschen verbreitet und geglaubt wurde.

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  18. btw ...

    aufgrund aktuellen Anlass im Zusammenhang mit dem Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Stark: kannst du mal sehen wie das vehement für die Transferunion trommelnde Drecksblatt FTD (Handelsblatt und SPIEGEL nur unwesentlich besser) diese wenigen Leute mit Rückgrat als Querulanten, Falken, geldpolitische Hardliner, Nörgler etc. diffamiert

    http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:ezb-fed-und-bo-e-stark-und-der-chor-der-neinsager/60102165.html

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  19. Von http://de.wikipedia.org/wiki/Financial_Times_Deutschland

    >>>
    Die Financial Times Deutschland (FTD) ist eine börsentäglich erscheinende Wirtschaftszeitung und Schwesterblatt der Financial Times (FT) mit Hauptsitz in Hamburg, die sich im Besitz des Verlagshauses Gruner + Jahr und somit indirekt im Mehrheitseigentum des Medienkonzerns Bertelsmann AG befindet.
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