1.318 Firmen kontrollieren 80% der Weltwirtschaft

Ein Kern von nur 147 Firmen schon 40%.

Das war das Posting, das die neue Oberfläche (ohne Autosave, sagt mal, tickt ihr noch ganz richtig bei Google? Der Editor hatte immer Autosave. Macht wenigstens einen Bestätigungsdialog vor's "Schließen" und werft den Entwurf nicht kommentarlos weg. Grrr.) am Freitagabend gefressen hat. Wer mir auf Twitter folgt, wird den Fluch-Tweet gesehen haben ...


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Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat sich die größte Datenbank mit Firmeninformationen der Welt (Stand 2007) genommen und daraus die Beteiligungsverhältnisse gezogen. Die Firmen, die keine Beteilungsverhältnisse über Landesgrenzen hatten, fielen als irrelevant aus der Untersuchung. Von 37 Millionen Datensätzen in der Rohversion blieben so gut 43.000 übrig.

Dann wurde versucht, die teilweise gegenseitigen Beteiligungsverhältnisse auseinanderzuziehen, wieder zu aggregieren und zu sortieren. Dabei gibt es eine auffällige Ballung der Macht:

147 Firmen kontrollieren 40% der internationalen Beteiligungen.
1.318 Firmen schon ganze 80% (20% davon sind übrigens untereinander)

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Die restlichen 41.700 tun also kaum was zur Sache (und die anderen 37 Millionen wohl eh nicht).

Ich bringe die Zahl auch nach dem Wegkrachen des Artikels nochmal, weil ich so bemerkenswert finde. So bemerkenswert, dass mir auch die Erwähnung in Alternativ Folge 20 nicht ausreicht, den ich im übrigen sehr empfehlen möchte (auch wenn das bereits oft genug gemacht wurde ...)

http://alternativlos.org/20/

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Die Liste ist ziemlich interessant, denn sie wird fast ausschließlich von Finanzfirmen beherrscht. Auf den ersten Blick finde ich nur zwei Firmen, die aus der Realwirtschaft kommen: Auf Platz 15 Walmart und auf Platz 50 China Petrochemical. Der Rest stammt aus der Finanzbranche, der größte Teil aus dem englischsprachigem Raum. Goldman Sachs liegt interessanterweise erst auf Platz 18, hinter der Deutschen Bank auf Platz 12. Der zweite Kandidat aus Deutschland ist die Allianz auf Platz 28. Die UBS liegt übrigens auf Platz 9, erster ist die britische Bank Barclays.

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Jetzt mögen die Beteiligungsverhältnisse kein guter Indikator für die Machtverhältnisse sein.

Ob die kleinen Beteiligungen, die die Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften als Vermögensverwalter natürlicherweise an jeder Menge von Unternehmen halten (Risikostreuung), wirklich einen zu starken Einfluss auf die Realwirtschaft manifestieren, ist schwierig zu sagen. Aber das ist meiner Meinung nach auch nicht der entscheidende Punkt.

Auch ist die Anzahl der Firmen wohl zu groß, um über Probleme zu sprechen, wie sie üblicherweise von Monopolen oder Oligopolen ausgehen.

Entscheidender ist folgendes: 48 der 50 Firmen verfügen über bestimmte gemeinsame Interessen. Und genau diese gemeinsamen Interessen scheinen mir die Klippen zu sein, an denen Regulierungsmaßnahmen zerschellen. Das können wir in der aktuellen Krise gut beobachten.

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Ein anderer Punkt auf den die Wissenschaftler (Systemtheorethiker) hinweisen: Systeme, mit einer so großen Konzentration sind tendenziell instabil. Und auch das lässt sich aktuell gut beobachten.

Leider.

Revealed – the capitalist network that runs the world - physics-math - 19 October 2011 - New Scientist

(Veröffentlichen drücken. Puh geschafft)

Update (24.10.11):

Ha, ein Dupe mit dem Blicklog. Hatte ich auch noch nicht ....

Dort gab es den Hinweis auf die Studie schon vor zwei Monaten ...

Danke an Mathias Täge für den Hinweis. Eigentlich hat er die Studie "entdeckt", Dirk Elsner vom Blicklog hat den Hinweis damals auch von ihm bekommen.

Neue Studie der ETH Zürich über die einflussreichsten Unternehmen der Welt bestätigt große Machtkonzentration in wenigen Händen

Kommentare :

  1. Tja, jahrzehntelange solide Mittelstandspolitik, weltweit.

    Man sieht, wie wichtig es war, zum Beispiel hierzulande den Verkauf von Firmenbeteiligungen von Steuern zu befreien.

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  2. Für deine Sammlung:

    Steuerprozess gegen Pischetsrieder eingestellt - dradio.de
    http://www.dradio.de/nachrichten/201110251100/2

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  3. Tja, Finanzindustrie. Ich bin auch an 7 Firmen beteiligt - und das als Privatmann.

    Du solltest diesen Beitrag, bzw. wer immer diese Schlagzeile der "übermächtigen 147 Konzerne" in Umlauf gebracht hat - in die Tonne klopfen - wo er auch hingehört!
    Oder zumindest das Hirn einschalten um dahinter zu kommen, das da irgendwas nicht stimmen kann.

    (Ich verspreche keine sozialistischen mehr zu lesen! Ich verspreche keine sozialistischen mehr zu lesen! Ich verspreche keine sozialistischen mehr zu lesen! Ich verspreche keine sozialistischen mehr zu lesen! Ich verspreche keine sozialistischen mehr zu lesen! Ich verspreche keine sozialistischen mehr zu lesen! Ich verspreche keine sozialistischen mehr zu lesen! Ich verspreche keine sozialistischen mehr zu lesen! Ich verspreche keine sozialistischen mehr zu lesen! Ich verspreche keine sozialistischen mehr zu lesen!)

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  4. Tonne?

    Auf die Tatsache, dass das Geld über die Vermögensverwaltung kommt, habe ich hingewiesen.

    Und darauf dass es gemeinsame Interessen dieser Vermögensverwalter gibt, auch. Wenn wir uns über Quartalsdenken, über Hochfrequenzhandel, über die Macht der Banken aufregen: All das basiert auf dem, was diese Studie "herausgefunden" hat.

    Den Teil mit den transnationalen Beteiligungen hast du gesehen? Ich gluabe nicht, dass du in die Grundmenge der Firmen fällst, die untersucht wurde.

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  5. Als Empfehlung egghat:

    Für eine "nachhaltige Entwicklung" zu spät - US-Ökonom Meadows erwartet drastische Veränderungen | Tacheles | Deutschlandradio Kultur
    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/tacheles/1590949/

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  6. "Tja, Finanzindustrie. Ich bin auch an 7 Firmen beteiligt - und das als Privatmann."

    Ind er Studie heißt es nicht, dass 1300 Firmen Anteile an 40% der Unternehmen haben, sondern 40% aller Anteile haben. Somit ist die Aussage sinnlos.

    Was ich mich frage ist, wie man bei diesen Verknüpfungen noch von einem idealen Markt sprechen kann. Geht eine dieser Firmen zu Grunde, dann hat dies einen starken Einfluss.

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  7. @endless.good.news

    Danke für die "Unterstützung". So hatte die Aussage von OT. gar nicht verstanden. Stimmt natürlich, wenn man das so wörtlich nimmt, ist die Aussage sinnlos. Und ich hatte ja geschrieben, dass sie 80% kontrollieren und nicht, dass sie an 80% beteiligt sind.

    Dass diese Aussage nicht ganz unkritisch ist, ist in meinem Artikel hoffentlich klar geworden. Mit 2% beherrscht ein Einzelner natürlich nichts. Aber wenn immer die gleichen an immer den gleichen Firmen Anteile haben, machen die zusammen schon Politik.

    Und aus Systemsicht (und aus der Sicht kam ja die Untersuchung) ist das alles sehr unschön. Eine solche Konzentration ist für die Stabilität nicht gut ....

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