Dexia Bank implodiert ...

Schon gestern gab es den ganzen Tag über Spekulationen über die Dexia Bank. Die Politiker aus den beteiligten Ländern dementierten vor allem fleissig, haben sich am Abend allerdings doch getroffen, um dann über nichts zu reden, weil es ja gar nichts zu besprechen gab (so zumindest die offizielle Version).
Inoffiziell gab es aber doch Gespräche, eine belgische Zeitung berichtete von Diskussionen über eine Zerschlagung der Dexia, die dann irgendwie auf die drei beteiligten Ländern Belgien, Frankreich und Luxemburg aufgeteilt werden soll.

Offiziell gab es weiterhin vor allem Dementis. Kurs letzte Woche: 1,48. Gestern morgen 1,30, heute morgen weniger als 1 Euro. Dem belgischen Finanzminister fiel nicht mehr ein als von einer soliden Bank zu reden, die keine Hilfe bräuchte. Nach einem Blick auf den Aktienkurs (bzw. einem Tritt eines seiner Berater) beeilte er sich zu bekräftigen, dass man der Bank selbstverständlich helfen werde, wenn es denn nötig werden sollte (was natürlich so gut wie ausgeschlossen ist).

Tjoah, das ist das schon aus der Lehman-Krise bekannte Spiel, dass Politiker nicht kapieren, dass ihr Beschwichtigungsgeschwätz an den Finanzmärkten niemanden interessiert. Da haben Leute Angst um ihr Geld (oder wollen auch einfach nur spekulieren) und ziehen dann ihr Geld aus der Firma ab, seien es Einlagen, seien es Aktien.
Wobei es bei einer Bank nicht einmal zu einem Geldabfluss kommen muss, um Probleme auszulösen. Hier reicht es schon, wenn niemand mehr der Bank neues Geld leiht.

Die CDS auf Dexia gehen jedenfalls durch die Decke und es ist völlig utopisch, dass sich die Bank bei den Zinsaufschlägen, die sich aus den CDS ergeben, noch am Markt refinanzieren kann.

Und dabei haben die Politiker doch den pösen pösen Leerverkäufern das Handwerk untersagt. Genützt hat es - wie schon bei Lehman - nichts, aber auch gar nichts. Vielleicht solltet ihr Politiker einfach mal darauf drängen, dass die Banken ihren Schrott abschreiben und zwar SOFORT und nicht politisch gedeckt ihre Buchverluste ins Anlagevermögen umbuchen können. Dann könnten die Spekulanten aufhören, sich über versteckte Risiken Gedanken zu machen. Und gleichzeitig sollten die Banken zu mehr Eigenkapital gezwungen werden. Den Notfall, der solche Maßnahmen rechtfertigt, haben wir bereits seit 3 Jahren! Sch**** was auf die Aktionäre, deren Anteil über die nötigen, kräftigen Kapitalerhöhungen verwässert wird. Das ist nun wirklich das geringste Problem ...

P.S. Die Dexia Bank ist einer der größten, wenn nicht gar der größte Finanzierer von öffentlichen Haushalten. Die Dexia-Bank bringt also Anleihen für staatliche Institutionen auf dem Markt, die dafür zu klein sind (z.B. Städte).
Der andere große Konkurrent hieß übrigens DePfa Bank. Yepp, genau der sagenumwobene Staatsfinanzierer, der die Hyporealestate in die Pleite gezogen hat, weil er mit Hebeln von mehr als 100 das vermeintlich risikolose Geschäft mit Staatsanleihen betrieben hat. Geht halt, weil man für gut bewertete Staatsanleihen kein, ich betone das noch mal, weil es so abstrus ist, KEIN Eigenkapital vorhalten muss. Nun gut, dass Staatsanleihen risikolos sind, hat sich inzwischen als großer Irrtum herausgestellt.
Und groß heisst richtig großer Hebel bedeutet große Bank: Im Fall der Dexia ist die Bilanzsumme mehr als 1,5 mal so groß wie das belgische BIP. OK, diese Rechnung ist nicht fair, denn Belgien wird ja nie allein für diese Bank haften muss.

FT Alphaville » Dexia garantie (encore)


Die CDS der europäischen Länder steigen übrigens weiter: Deutschland steigt auf 121 (+5) Basispunkte (neues Hoch), besonders stark steigen naturgemäß die beteiligten Länder Belgien (286 Bp, +14) und Frankreich (191, +9).

Wieder kämpft eine Grossbank um ihre Existenz (Wirtschaft, Aktuell, NZZ Online)

Update (15:15):

Die FTD zum Thema, interessant dabei vor allem auch der Rückblick auf die Rettungsversuche in der ersten Finanzkrise.

Angeblich wird nicht über eine Aufspaltung nach Ländern diskutiert, sondern an eine Aufspaltung in Good Bad und Bad Bank. Außerdem sind erneute staatliche Garantien angedacht.

Liquiditätssorgen: Frankreich und Belgien wollen Dexia stützen | FTD.de

Update 2 (10.10.11):

Jetzt wird die Dexia Belgien verstaatlicht. Kaufpreis (den gibt es noch ...): 4 Milliarden Euro, Käufer ist der Staat Belgien.

Der französische Teil der Bank, der sich u.a. um die Finanzierung französischer Kommunen kümmert, soll an die französische Staatsbank CDC und die französische Postbank gehen.

Belgien will Assets im Wert von 95 Milliarden Euro in eine Bad Bank auslagern. Oh Wunder! Erzählte man uns nicht noch vor Kurzem, dass die Dexia gar keine schlechten Assets habe und alles im Lot sei? Auch der Stresstest meldete zweimal ein - wenn auch knappes - OK.
Allerdings kann man die Stresstests eh vergessen. Zur Erinnerung: Die Dexia hat es im ersten Stresstest schließlich geschafft, nur 2,8 Mrd. ausstehender Forderungen gegen Frankreich zu melden. Diese Summe war für eine Bank, deren Geschäftsmodell daraus besteht, im Heimatmarkt Belgien und Frankreich Kommunen (etc.) Finanzierungsquellen zu erschließen, von Beginn an komplett unplausibel (siehe auch: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: UTS 2010 #7: Der Stresstest im Rückblick).
Aber das reiht sich auch nur in die unendliche Liste von Politikeraussagen ein, die ein paar Tage später nicht mehr das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt wurden.

Es gibt keine Probleme bei der Dexia, keine schlechten Assets, keine Garantie notwendig.
OK, es gibt Probleme. Aber eine Aufspaltung der Bank wird es nicht geben, höchstens und evetuell Staatsgarantien.
OK, wir müssen Staatsgarantien vergeben und eine Aufspaltung erscheint im Notfall auch möglich.
OK, wir vergeben Staatsgarantien und spalten auf.

Wenn jetzt heute irgendjemand sagt, dass man nun keiner anderen Bank helfen müsse und die Kuh vom Eis sei, fangt einfach die nächste Liste in der Form oben an ...

Erstes Opfer der Euro-Krise: Belgien fängt Dexia-Bank auf | FTD.de

Was das für den Aktienkurs der Dexia Aktie bedeutet, weiss ich übrigens nicht. Onvista meldet beim (vorzeitigen) Freitagsschlusskurs von 85 Cent eine Marktkapitalisierung von 1,5 Mrd. Bei einem Kaufpreis von 4 Milliarden müsste der Aktienkurs ja geradezu explodieren. Das kann ich aber irgendwie nicht glauben. Ich schätze, dass die Einheit, die verkauft wird (Dexia Belgien) und die Einheit, die börsennotiert ist, nicht die gleichen sind. Die börsennotierte Firma ist wahrscheinlich die Holding, die oberhalb der jetzt verkauften Dexia Belgien angeordnet ist. Damit führt eine einfache Durchrechnung über einen Vergleich der 1,5 mit den 4 Milliarden wohl in die Irre.

Update 3:

Originallink vergessen:


Dexia: The Belgian, French and Luxembourg states provide strong support to Dexia in the implementation of the restructuring plan announced on 4 October(pdf)

Update 4:

Das ist die oben schon angedrohte Aussage der Form: "Wenn jetzt heute irgendjemand sagt, dass man nun keiner anderen Bank helfen müsse und die Kuh vom Eis sei, fangt einfach die nächste Liste in der Form oben an ..."

FTD: Frankreich betrachtet Dexia als Einzelfall

Also Einzelfall. Wird nicht wieder vorgekommen.

Kommentare :

  1. Angenommen, jemand würde die Deutsche Bank zwingen, den ganzen Schrott sofort abzuschreiben. Sind die dann nicht ab morgen insolvent? Und über wieviel EK-Quote reden wir hier?

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  2. Wer weiss das schon ...

    Die Bilanz ist nicht transparent. Frag Stresstest 1 und Stresstest 2 und den und die und du bekommst jedes Mal andere Zahlen ...

    Netto-Exposure, Brutto-Exposure, was ist abgesichert, was nicht. Was zählt zum griechischen Staat (nur Zentralstaat oder auch Städte, Wasserwerke, ...)? Was ist schon wie weit abgeschrieben?

    Genau das kann niemand von außen sehen. Und deshalb kann man bei der Dexia einfach mal einen dreimal so hohen Abschreibungsbedarf wie bisher als Gerücht in die Welt setzen und niemand kann es überprüfen oder widerlegen.

    Die Intransparenz der Banken ist eines der grundlegenden Probleme in dieser (und der letzten) Finanzkrise. Und das schlimmste: Die Bilanzen sind durch aktive Mitarbeit der Politiker in der ersten Finanzkrise noch intransparenter geworden. Weil man die *temporären* Verluste in den Hypothekenanleihen verstecken wollte und das Problem einfach aussitzen wollte ...

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  3. [b]Weil man die *temporären* Verluste in den Hypothekenanleihen verstecken wollte[/b]

    "Temporär" sind die mit Sicherheit, die verschwinden irgendwann - so oder so....

    [b]
    und das Problem einfach aussitzen wollte ...[/b]
    Erinnert eine recht bekannte Filmszene: "Bitte weitergehen, hier gibt es absolut nichts zu sehen...."

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  4. Ich wüsste mal gerne, wann und wie eine dieser Grossbanken ihre "Hilfen" seitens eines Staates/der EU (also durch Steuerzahler finanziert) zurückzahlen muss - und wenn nicht, warum denn nicht?
    In ein paar Jahren fahen die doch mitunter wieder Riesengewinne ein… da könnte man dann doch auf die Rückzahlung pochen?

    Danke im Voraus!

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  5. Ist bisher was bekannt wie es im die Qualität ihrer Assets steht?

    Griechische Staatsanleihen haben sie abgeschrieben aber wie steht es sonst? In Frankreich und Belgien sollten die Anlagen doch nicht alle "Bad Bank"ig sein?!?

    Wieso haben die überhaupt griechische Staatsanleihen?
    Griechische Projekte unterstützen OK aber Staatsanleihen?

    Zu den nahezu 100Mrd für die Bad Bank - Geht es hierbei nicht in erster Linie darum die Bank mit einem sauberen Schnitt wieder funktionsfähig zu machen?
    Zombiebanken zu verhindern soll doch langfristig sehr sinnvoll sein.
    Ihr Problem war ja mittlerweile das sie, wie die HypoRealEstate, nicht mehr ihr kurzfristiges Kreditmodell für langfristige Projekte finanzieren konnte oda?

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  6. @TomAusMünchen:

    Das ist in vielen Fällen auch schon passiert. In den USA haben die normalen Geschäftsbanken (fast?) alle ihre Staatshilfen wieder zurückgezahlt.

    In Europa sieht es wegen der Eurokrise leider deutlich schlechter aus ... Aber auch hier gab es schon Zurückzahlungen, sogar die Commerzbank hat einen großen Teil getilgt.

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  7. >Jetzt wird die Dexia Belgien
    >verstaatlicht. Kaufpreis (den gibt
    >es noch ...): 4 Milliarden Euro,
    >Käufer ist der Staat Belgien.
    Viel interessanter: Wer ist denn der
    oder die VERKÄUFER ? d.h. wem werden denn für eine Bank, die einen negativen Wert hat noch 4 Mrd in den A* geblasen ???
    DAS ist der eigentliche Gipfel des SKANDALS.

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  8. Wenn ich es richtig verstehe (habe mir die Details aber nicht angeschaut), ist die börsennotierte Firma jetzt die Bad Bank. Der belgische Staat hat scheinbar die "Good Bank" für die 4 Mrd. gekauft und den Schrott an der Börse gelassen.

    Aber unter extremen Vorbehalt, ich habe mir das nicht angeschaut. Es kann auch genau anders herum sein (Bad Bank wurde weggekauft, börsennotierter Teil ist die Good Bank. Es ist aber wie gesagt glaube ich ander herum).

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