Die Bad Bank der HRE braucht nochmal 19 Milliarden Euro

Passt op!

Im den ersten zwei Quartalen nach der Gründung der FMS (der Bad Bank der Hyporealestate) wurden ein paar Verluste gemeldet, weil Vermögensgegenstände abgeschrieben werden mussten. Mit den Abschreibungen wollte man kurz danach aber fertig sein, weitere Verluste drohten nicht, das Eigenkapital sei ausreichend, so die FMS. Das Dumme ist nur, dass diese Aussage nicht nur am Anfang kam, sondern auch heute noch kommt :-( Und wir sind bereits zwei Quartale weiter ...

Das Eigenkapital von 3,8 Milliarden, das die FMS bei der Gründung mitbekommen hat, ist nach den ganzen Abschreibungen bis Ende 2010 auf nur noch 800 Millionen geschrumpft.

Nun kommt der Bericht für das erste Halbjahr 2011: 690 Millionen Verlust. Auslöser: Gut 800 Millionen Abschreibungen auf Anleihen von und Kredite an Griechenland.

Toll! Wahnsinn! Jetzt hat die FMS noch satte 110 Millionen Euro Eigenkapital, also so gut wie nichts. Wenn auch die noch verdampfen sollten, ist die Bank eigentlich pleite. Eigentlich ist also die nächste Aufstockung fällig ...

Es kommt aber noch toller: Die FMS hat nämlich nur die griechischen Anleihen mit einer Laufzeit bis 2020 abgewertet und das auch nur um 21%! Und bereits das brachte Abschreibungen von 800 Millionen Euro. Wenn die FMS auf Marktwerte (40% des Nennwerts) abgeschrieben hätte, wäre nochmal das Doppelte (1,6 Mrd. Euro) nötig gewesen. Dann wäre das Eigenkapital bereits fies negativ ...

(1) 110 Mio. vorhandenes EK - 1,6 Mrd. Abschreibung = minus 1,5 Mrd. Euro EK.

Zu dieser Summe kommt jetzt noch die Griechenlandanleihen, die länger laufen als 2020. Leider weiss man über das genau Volumen nichts, weil die FMS wie alle Banken so detaillierte Einblicke in die eigenen Bücher nicht zulässt.

Man kann aber schätzen, wie viele Griechenbonds mit Fälligkeit nach 2020 in den Büchern liegen. Das Volumen der 21%igen Abschreibungen auf die Anleihen bis 2020 macht 800 Millionen aus. Es wurden also auf knapp 4 Milliarden Euro Nennwert 21% abgeschrieben.
Die HRE meldet insgesamt 8,8 Milliarden Volumen bei den Griechenlandkrediten. Mehr als die Hälfte der Griechenland müssten also länger laufen als 2020 laufen und wurden daher noch nicht abgeschrieben. Auch hier müssten etwa 60% aus den Nennwert angesetzt werden, was bei (ausnahmsweise mal aufgerundeten) 5 Milliarden 3 Milliarden Euro Abschreibungen für die längerlaufenden griechischen Anleihen ergibt. Zu den 1,5 Milliarden-EK-Loch aus (1) kommen als nochmal 3 Milliarden, wenn auf Marktpreise abgeschrieben würde.

(2) Minus 1,5 Milliarden Euro Eigenkapital - 3 Mrd. Euro Abschreibungen = minus 4,5 Milliarden Euro EK-Loch.

Bis hierhin geht es nur um den Ausgleich des negativen Eigenkapitals, also um eine Eigenkapitalquote von 0%. Sowas reicht natürlich nicht aus ... Und passt auch gar nicht zu den Forderungen der Politiker, die höhere Eigenkapitalquoten für die Banken fordern.

Würde man die FMS wieder mit einer Eigenkapitalquote von 2,1% wie am Anfang ausstatten (3,8 Mrd. EK bei 175 Mrd. Bilanzsumme), bräuchte man bei einer aktuellen Bilanzsumme von 160 Mrd. Euro 3,36 Mrd. Euro.

(3a) -4,5 Mrd. - 3,36 Mrd. => 7,9 Mrd. Euro.

Geht man hin und fordert für diese staatliche Bank einfach mal die 9%-EK-Quote, die der Staat aktuell gerne von den anderen Banken hätte, wird es noch viel mehr, nämlich 14,4 Mrd. Euro.

(3b) -4,5 Mrd. - 14,4 Mrd. => 18,9 Mrd. Euro bei 9% EK-Quote.

Holla. Auf den ersten Blick erscheinen knapp 19 Milliarden EK-Nachschub ganz schön viel und vielleicht auch unrealistisch. Und man kann sicherlich auch vieles an dieser Überschlagsrechnung kritisieren (z.B. habe ich die Bilanzsumme nur auf die schlechten Assets bezogen, die eigentlich Bilanzsumme ist höher, aber daraus würde eher ein noch höherer Kapitalbedarf folgen. Auch habe ich einfach fixe 9% EK-Quote angenommen, aber bei einer Bad Bank würde ich vermuten, dass die Qualität der Assets so schlecht ist, dass bei einer EK-Gewichtung nach Basel 2 eher mehr als 9% EK herauskommen würde, weil viele Assets so schlecht sein dürften, dass diese mit deutlich mehr als 100% des normalen EK hinterlegt werden müssten).

Zum Plausibilitätscheck hilft vielleicht am einfachsten ein Blick in die Bilanz der HRE ... Eine aktuelle gibt es zwar (noch) nicht, aber die von Ende 2010 findet sich im Netz (http://www.fms-wm.de/files/110615_gb_2010_fms_german.pdf).  Und da muss man gar nicht zu tief in die Details eintauchen. Zum Beispiel findet man auf Seite 95 24,4 Milliarden Euro unterlassener Abschreibungen. Also Wertgegenstände, die an der Börse niedriger notieren als in den Büchern, die aber trotzdem nicht abgeschrieben wurden, weil dieser Verlust als "temporär" gewertet wird. Upps.

Ich fürchte, die FMS hat so viel Schrott in den Büchern, das selbst eine großzügige Eigenkapital-Ausstattung mit 9%-EK-Quote heute sich in der Zukunft noch als zu gering entpuppen könnte ....

Bad Bank der HRE mit neuen Millionenverlusten | tagesschau.de

Und was sagt die FMS dazu? "Wir freuen uns über die positive Entwicklung". Na dann ist ja alles gut ...

FMS Wertmanagement | Aktuelles

Kommentare :

  1. balrog@starkdreist.de19 Oktober, 2011 07:29

    Danke für den Post! Die Rechnung hört sich, trotz der Unsicherheiten und Annahme, plausibel an! Aber woher kommt der Begriff in dem Tagesschauartikel "Budget für Verluste"? Ist das eine Tagesschaukreation für Dummies anstelle "Eigenkapital" oder heisst das bei Bad Banks so?
    Gruß balrog

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  2. Deine Kalkulation ist unrealistisch - denn niemand gäbe sich die Blöße, das nötige Kapital auf einen Schlag nachzuschießen. Bei der HRE wurden die Garantien schließlich auch nicht auf einen Schlag in Höhe von 1xx Mrd bereitgestellt, sondern schön alle sechs Wochen 10 Mrd zusätzlich. So bleiben die Beträge klein und überschaubar - niemand regt sich heute noch über solch mikrige Summen wie ein, zwei oder auch 10 Mrd auf. Wer nicht mindestens mit einer halben Billion anfängt, fliegt heutzutage unterhalb des Medienradars.

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  3. @Anonym: Dass das politisch nicht im Leben so umgesetzt wird, ist mir schon klar. Ansonsten hätte man die Bad Bank auch im ersten Schritt schon mit ausreichend Eigenkapital ausgestattet.

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  4. @balrog:

    Ich nehme an, dass die Tagesschau das gleiche meinte wie ich mit dem Eigenkapital. Ist aber schwer zu sagen, wenn man die Sendung nicht gesehen hat.

    Es könnte aber auch daran liegen, dass die FMS neben den schlechten Assets auch eine Menge von Schuldverschreibungen der HRE hält. Ich habe bei meiner Berechnung so getan, als gäbe es die nicht. Die haben nämlich eigentlich auch nichts in einer Bad Bank zu suchen, immerhin handelt es sich um Papiere, für die der Bund garantiert, also damit defakto Bundesanleihen. Diese Position verschleiert die gesamte Bilanz. Erstens wird die Bilanzsumme deutlich aufgeblasen, zweitens fließen der Bad Bank Zinserlöse zu, mit der sie die Lücken in der Bilanz stopfen kann.

    Ich habe bei meiner Rechnung so getan, als wären die 3,8 Mrd. das Eigenkapital und ebenfalls so getan, als hätte die FMS nur die schlechten Assets.

    Die Bad Bank ist vom ersten Tag an auf maximale Intransparenz hin konstruiert worden.

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  5. Huch sehe gerade, dass war gar nicht in der Sendung, sondern im Artikel. Das ändert aber nichts an meiner Erklärung.

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  6. > Risiken im Bankenwesen reduzieren durch mehr Transparenz - Die oberste Regulatorin für Wertpapiere in der | Interview | Deutschlandfunk
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1582774/

    Hm recht viel BlaBla oder nicht?!?

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  7. "Die Bad Bank ist vom ersten Tag an auf maximale Intransparenz hin konstruiert worden."

    Dazu paßt ZAPP - Verschlossene Türen: Intransparenz bei Bad Bank
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/medien_politik_wirtschaft/badbank119.html

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