EK-Zuschläge der großen Großbanken raus

Es geht um die EK-Aufschläge, die die richtig großen Großbanken (also die, die bei einer Pleite die Weltwirtschaft in Sippenhaft nehmen würden; auch SIFI genannt (systemically important financial institutions)) zusätzlich zu den normalen Eigenkapitalanforderungen erfüllen müssen. Es geht dabei um Zuschläge von 1,0 bis 3,5 Prozentpunkte, die den Banken je nach Wichtigkeit einen unterschiedlich großen zusätzlichen Risikopuffer geben sollen.

Die 29 betroffenen Banken sind ja seit Freitag bekannt (was ich eigentlich hätte verbloggen sollen ...)
  • Bank of America
  • Bank of New York Mellon
  • Citigroup
  • Goldman Sachs
  • JP Morgan Chase
  • State Street
  • Wells Fargo
  • Barclays
  • HSBC
  • Royal Bank of Scotland
  • Lloyds
  • Banque Populaire
  • BNP Paribas
  • Crédit Argricole
  • Société Générale
  • Deutsche Bank
  • Commerzbank
  • Unicredit
  • UBS
  • Credit Suisse
  • Dexia
  • ING
  • Banco Santander
  • Mizuho
  • Sumitomo Mitsu
  • Bank of China
(http://www.financialstabilityboard.org/publications/r_111104bb.pdf)

Für die Analysten von Morgan Stanley sind übrigens ein paar Überraschungen dabei. Lloyds, Sumitomo Mitsui und die Bank of China hatten die Analysten nicht erwartet, hingegen vermissen sie die Rabobank (NL) und die BBVA (Esp).

FT Alphaville » Is it cool to be a Sifi?

Wichtiger aber die Frage, wie die Banken einsortiert werden. Morgan Stanley hat sich auch darüber schon Gedanken gemacht und als Basis die Gewichtung bei der BIS genommen (auch im Artikel oben). Die wirkliche (wohl aber vorläufige) Gewichtung unterscheidet sich aber davon. Bloomberg hat auf die Liste Zugriff bekommen (Citi, JPMorgan May Face Highest Basel Surcharges, Regulators’ Draft Says - Bloomberg)

Die oberste Gruppe mit 3,5 Prozentpunkten Aufschlag bleibt (wie erwartet) wohl leer.

In die zweithöchste Gruppe mit einem EK-Zuschlag von 2,5 Prozentpunkten wurden 5 Banken einsortiert:
  • Citigroup
  • JP Morgan Chase
  • BNP Paribas
  • Royal Bank of Scotland
  • HSBC
Die dritthöchste Gruppe mit einem Aufschlag von 2,0 Prozentpunkten besteht aus:
  • Bank of America
  • Barclays
  • Deutsche Bank
Die vierthöchste Gruppe (1,5%):
  • Goldman Sachs Group
  • Morgan Stanley
  • Bank of New York Mellon
  • Crédit Agricole
Und in die niedrigste Gruppe mit 1,0% Aufschlag kommen laut Bloomberg 15 Banken. Womit irgendwie zwei Banken fehlen ... Ich versuche, die Liste noch komplett zu bekommen (Hinweise gerne genommen).

Prinzipiell ist die Idee des zusätzlichen Risikopuffers natürlich zu begrüßen. Ich hätte es allerdings noch besser gefunden, wenn man überhaupt keine Banken in einer Größe hätte, die die Weltwirtschaft gefährden können. Das ist aber wohl nicht durchsetzbar. Selbst über den nun geplanten Zeitraum bis 2019.

Die große Gefahr bei der Aufstockung ist nun, dass die Banken versuchen, ihre Bilanzsummen noch schnell zu reduzieren, um eine (oder mehrere) Risikoklassen tiefer zu rutschen. Dann bräuchten die Banken weniger neues Eigenkapital einzusammeln und das Eigenkapital der Altaktionäre würde nicht so stark verwässert (schlecht für den Aktienkurs) Nicht vergessen: Bankvorstände sind über Boni immer direkt oder indirekt an der Kursentwicklung der eigenen Aktie beteiligt.

Eine Möglichkeit wäre das Verstecken von Risiken. Wie genau das gehen soll, kann ich nicht sagen, aber ich bin mir sicher, dass die Banken hier in Zukunft genau so kreativ sein werden wie bisher ... Sie werden schon neue Schlupflöcher finden werden, mit deren Hilfe sie wild spekulieren und den Gewinn einstecken können, aber das Risiko in den Bilanzen nicht (oder nur teilweise) offen legen müssen.

Die andere (und einfachste) Möglichkeit wäre natürlich eine Drosselung der Kreditvergabe ...

Für Europa sind die Level möglicherweise nicht sonderlich relevant, da hier schon eine Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen von 7 auf 9 Prozent und das bis Sommer 2012 beschlossen wurde.
Dazu hatte ich schon damals was geschrieben: Weil das alles noch gilt, zitiere ich mich an dieser Stelle selber ...
Die Rekapitalisierung der Banken (Tier 1 Eigenkapital auf 9% rauf), ist prinzipiell sehr richtig. Mitten in der Krise aber sehr sehr kritisch. Die Banken können so schnell (bis zum nächsten Sommer) so viel Geld gar nicht einsammeln. Bei vielen Banken dürfte das Kapitalloch höher sein als die Marktkapitalisierung. Es drohen massenweise Pennystocks. Um das zu verhindern, könnten die Banken ihre Bilanzen schrumpfen, ergo die Kreditvergabe einschränken. Das ist - mitten in der Krise - tödlich! Ich verweise hierzu auf How not to recapitalise Europe’s banks « Herdentrieb - egghat’s not so micro blog
Anmerkungen zur Euro-Rettung/Griechenland Haircut - egghat's not so micro blog

Und vielleicht noch ein Hinweis: Die EK-Quoten beziehen sich immer auf die risikogewichteten Assets, also nicht auf die Brutto-Bilanzsumme. Weil der große Teil der Assets von Banken relativ risikoarm ist, ist die EK-Quote auf die Bruttobilanzsumme gesehen deutlich niedriger, bei der Deutschen Bank liegt sie z.B. unter 2%. Das geht, weil  hochqualitative Staatsanleihen (Rating mit zwei oder drei As) gar nicht mit Eigenkapital hinterlegt werden müssen, hochqualitative Unternehmensanleihen nur mit 20% des üblichen EK, also 20% von 9%, ergo 1,8%) (vgl auch Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Die Risikogewichte nach Basel 2).

Außerdem sollte man bedenken, dass das alles noch im Fluss ist. Ob die Länder die oben genannten Vorschläge umsetzen, ist wesentlich unklarer als die Politiker tun. Insbesondere in den USA macht die Bankenlobby mächtig Wind gegen die erhöhten EK-Anforderungen. Teilweise mit ziemlich abstrusen Argumenten wie dem hier: Basel III "antiamerikanisch"?: Dimon-Vorstoß gefährdet Bankenregulierung | FTD.de - egghat's not so micro blog

Kommentare :

  1. ein zusätzlicher EK-Puffer von 1-3,5% mag ja im Einzelfall, wenn nur eine einzige Bank in Probleme gerät, hilfreich sein. Aber was, wenn alle Banken gleichförmig denselben Mist machen, ein riesiges Klumpenrisiko zusammen bilden? Dann sind die maximal 3,5% zusätzliches EK genauso ein Humbug wie die ach so sagenhafte Einlagensicherung der deutschen Banken in Höhe von 30% des haftenden EK .. pro Kunde. Lachhaft und nichts weiter als Schönwetterwohlfühlberuhigungspillen ...

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  2. @matsch
    macht nichts Mutti garantiert alle
    Einlagen rofl...

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  3. @matsch:

    Zwischen 9% und 12% liegen zwar nur 3 Prozentpunkte, aber das ist immer ein Puffer, der 33% höher ist. anders gesagt: Einmal Hebel von 8, einmal von 11.

    Und beides ist was ganz anderes, als die 4% (oder noch weniger), die wir vor der Krise hatten. Das waren Hebel von 25, 30 oder mehr als 40.

    Wenn wir das auf einen Hebel von 10 runterkriegen, ist schon was gewonnen ...

    Lehman hatte einen Kapitalmangel von 50 bis 70 Mrd. Bei einem Hebel von 10 wäre das durch EK gedeckt gewesen. Bei einem Hebel von 30 war's das halt nicht und dann war Schicht ...

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  4. du hast recht. Bringt doch mehr Systemstabilität als mickrige 1-3.5% zusätzliches EK zunächst signalisieren wenn es dazu führt, dass die Monsterhebel von 30-50 auf (immer noch ordentliche) Hebel von 10 gedrückt werden

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  5. @matsch:

    Man muss auf der anderen Seite aber auch immer sehen, dass die Bilanzen (auf deren Basis wir unsere Hebel errechnen) immer noch total intransparent sind. Man kann da eigentlich gar nicht sagen, welcher Hebel zu hoch ist ... Da wird so viel miteinander verrechnet, dass auch 10% EK in vielen Fällen die Kettenreaktion bei der Pleite einer Bank nicht aufhalten würde. Man nehme nur mal die Bad Bank der HRE: 160 Mrd. schlechter Assets, 330 (?) Mrd. Bilanzsumme, über 800 Mrd. an Derivaten. Wenn jetzt in den Derivaten ein Klumpenrisiko steckt , muss der Klumpen gar nicht so fett sein. Bei 330 Mrd. EK würden 10% 33 Mrd. EK entsprechen. Das sind gerade einmal 4% der Derivate ... Hat der Bad Bank der HRE nur 4% seiner Derivate mit z.B. der Dexia abgeschlossen und die geht Pleite, reisst es die Bad Bank der HRE direkt mit.

    Aber trotzdem ist ein Hebel von 10 natürlich besser als einer von 30.

    Übrigens könnte man das Problem oben auch lösen: Man packt einen Teil des EK der Banken in einen gemeinsamen Fonds, der im Fall einer Bankpleite einspringt. Also wenn jetzt 9% für alle gelten soll, macht man daraus z.B. 7% in der Bank + 2% in den Fonds. Der Aufschlag für die Großbanken geht komplett in den Fonds. Geht eine Bank Pleite, sichert dieser Fonds der Bank neues EK zu, die Bank kann weiter leben. Der Fonds bekommt Aktien an der Bank, die nach der Sanierung vom Fonds wieder verkauft werden können. Fährt der Fonds Verluste ein, müssen die Banken wieder aufstocken. Im Endeffekt eine Lösung, wie wir sie jetzt auch mit dem Staat anstelle des Fonds haben.

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