Kapitalbedarf deutscher Banken nochmal verdoppelt?

5,2 Milliarden Euro neues Eigenkapital standen bisher um Raum. Das war das Ergebnis des Stresstests aus dem Sommer.

Dann aber kam das dritte Quartal, u.a. mit einem abermals deutlich tieferen Schuldenschnitt für Griechenland und deutlich gesunkenen Anleihekursen in Italien, Spanien und (etwas schwächer) auch Frankreich, Belgien, Österreich, etc.

Jetzt hat die European Bankenaufsicht EBA das ganze nochmal mit den aktuellen Zahlen durchgerechnet und Schwupps soll sich der zusätzliche Eigenkapitalbedarf der deutschen Banken auf

10.000.000.000 (10 Milliarden) Euro oder mehr

verdoppelt haben.

Da die deutschen Banken an der Börse noch etwa 45 Milliarden Euro wert sind, ist das nicht so unglaublich dramatisch. Zumindest die Deutsche Bank sollte das verkraften können (Marktkapitalisierung etwa 25 Milliarden), vor allem weil der erste Test dort auch keinen größeren Kapitalbedarf (1,2 Mrd.) festgestellt hat. Die Commerzbank ist generell kritischer. Sie ist nur noch 7,5 Milliarden wert, der Sommerstresstest ergab bereits 2,9 Mrd. zusätzlichen Kapitalbedarf. Sollten dort also zum Beispiel 5 Milliarden eingesammelt werden müssen, ist das für die Altaktionäre eine kräftige Verwässerung ihre Anteile. Wer weiss, vielleicht muss dann sogar schon wieder der Bund als "Notaktionär" einspringen, weil die Altaktionäre nicht mehr wollen.

Die Zahlen für den Kapitalbedarf sollten eigentlich morgen veröffentlicht werden. Das ist aber verschoben worden. Spekulationen überlasse ich den Kreisen, die sich in Verschwörungstheorien besser auskennen ...

Generell ist es in der aktuellen Situation ein Desaster, wenn die Banken zu immer höheren Eigenkapitalanforderungen und -nachschüssen gezwungen werden. Grundsätzlich ist das zwar richtig, allerdings in der sich abzeichnenden Wirtschaftsabschwächung kontraproduktiv. Denn wenn die Banken eine höhere Eigenkapitalquote erreichen müssen, können sie an beiden Stellen des Bruchs ansetzen: Nenner erhöhen (Eigenkapital) oder den Zähler verkleinern (Bilanzsumme).

Eine Senkung der Bilanzsumme ist aber eigentlich nicht erwünscht. Denn die Banken sollen ja Kredite vergeben, sowohl an Private und Unternehmen, aber auch an Staaten. Wenn die Banken jetzt ihre Bilanzsumme schrumpfen wollen und deshalb weniger Kredite vergeben, kann das den Wirtschaftsabschwung deutlich verstärken. Es ist halt kein Geld mehr da für Investitionen.

Um dieses Dilemma zu lösen (EK soll eigentlich rauf, Bilanzsumme aber nicht runter) hat Mark Schieritz vom Herdentrieb einen klugen Vorschlag gemacht: Die Bilanzsumme soll mit einem Wert aus der Vergangenheit in die Berechnung eingehen.  Man nimmt als Stichtag für die Bilanzsumme also zum Beispiel den 30.6.2011 und verlangt von da aus eine Erhöhung der EK-Quote auf 8 oder 9% bis Mitte oder Ende 2012. Dann nützt den Banken eine Kürzung der Kreditvergabe nichts mehr.

Übrigens läuft aus einem Sondergrund (den ich jetzt hier nicht erläutere, Stichwort Basel 2 mit 0% Hinterlegung droht abgeschafft zu werden) die Bilanzverkürzung im Moment vor allem über den Verkauf von Staatsanleihen. Die Bankenaufsicht sorgt also aktuell aktiv dafür, dass die Banken die Staatsanleihen der Südländer abstoßen und deren Zinsen immer weiter steigen.

Die EBA will mit ihren Maßnahmen eigentlich das Risiko der Banken senken, erhöht es aber am Ende sogar, weil die Pleite der Länder durch die steigenden Zinsen immer wahrscheinlicher wird.

Das erinnert fatal an die deutsche Versicherungsaufsicht 2002/2003. Damals wurde den Versicherungen auch der Verkauf von Aktien vorgeschrieben. Die Schwankungen (ergo das Risiko) seien zu hoch, die Aktien müssten raus aus den Depots. Zu einem Zeitpunkt, als sich der DAX schon halbiert hatte und man eigentlich schon hätte kaufen sollen, mussten die deutschen (Lebens-) Versicherer in den fallenden Markt hinein noch mehr Aktien zu verkaufen. Prozyklischer sprich dümmer geht's nimmer. Na ja, dachte ich bisher. Aber jetzt wiederholt sich die Geschichte scheinbar.

Wie schrieb vor kurzem jemand so schön auf Twitter: Das einzige, was wir aus der Geschichte lernen können, ist, dass wir aus der Geschichte nichts lernen.

Ermittlung des Kapitalbedarfs: Deutschen Banken droht neues Milliardenloch | FTD.de

Update (13:14):

Das Zitat am Ende ist von Gandhi. Danke an den Usedomspotter für den Hinweis.

Kommentare :

  1. Wir wissen doch, wie es laufen wird: eine Kombination der schlechtestmöglichen Lösungen.

    Erst wird die Bilanzsumme erzwungen verringert. Dann gibts zur Versorgung der Wirtschaft mit Kredit einen neuen Fonds "Deutscher Mittelstand", aus dem Großunternehmen Kredite bekommen. Der echte Mittelstand geht wegen Liquiditätsengpass pleite.

    Da aber die Bilanzverkürzung der Banken noch nicht reicht, schießt am Ende der Staat Geld nach. Natürlich bekommt er wieder nur Vorzugsaktien, die nur dann verzinst werden, wenn die Bank einen bestimmten Gewinn macht. Nicht bezahlte Zinsen der Vergangenheit verfallen. Mitspracherechte gibts keine.

    Und wenn das auch nicht reicht, dann wird eine Bank verstaatlicht, indem die wertlosen Aktien über Marktwert aufgekauft werden.

    AntwortenLöschen
  2. Naja, zum Prozyklisch-Argument und der Dummheit.

    Ich denke da an Heiko Thieme, der Im Herbst 2000 meinte, CMGI ist wieder kaufenswert und etwas später zur Deutschen Telekom:

    Einen Blue Chip, der sich halbiert, sollte man normalerweise kaufen, die T-Aktie nach einer Viertelung ist daher unbedingt kaufenswert.

    Ob ein Zeitpunkt der richtige ist, zeigt sich immer im Nachhinein. Daher finde ich schon die Idee einer Kapitalgarantie unsittlich.

    Wenn man die aufgibt, dann ist der Hebel eigentlich kein Problem mehr.

    AntwortenLöschen
  3. @Usedomspotter:

    hab ich ergänzt, dank für den Hinweis.

    AntwortenLöschen
  4. @mylli:

    Timing ist immer schwierig. Und es weiss nie jemand, wann zu früh oder zu spät ist.

    Ich meine aber etwas anderes: Regulierungsanforderungen sollten nichts mit Trading zu tun haben. Sie sollten stabil sein. Über den gesamten Konjunkturzyklus.

    Was wir jetzt haben: Im Aufschwung ist alles stabil und unter dem Einfluss der Lobbyisten werden dann die Anforderungen gesenkt. Man habe das Risiko im Griff, die Märkte seien stabiler geworden, etc. pp. bla bla.

    Dann kommt die Krise und auf einmal ist alles wieder wacklig. Das Risiko ist hoch, die Puffer sind niedrig. Und weil das so ist, erhöhen die Regulierer die Anforderungen.

    Prozyklisch - mitten in der Krise - werden die Anforderungen erhöht und prozyklisch - im Aufschwung - werden die Anforderungen gesenkt.

    Anders gesagt: Es wird nicht für schlechte Zeiten gespart, sondern *in* schlechten Zeiten gespart.

    Desaster!

    AntwortenLöschen
  5. Es gibt ja noch zwei Möglichkeiten die Quote zu verbesseren. Beide kann man derzeit in der Praxis beobachten.
    1. Erhöhung des Gewinns durch Abschreibung eigener Verbindlichkeiten, was ich für Wahnsinn halte
    2. Veränderung der Risikomodelle, so dass die Risikoaktiva nicht mehr so hoch ausfällt (bringt aber in der Summe nicht so viel)

    AntwortenLöschen
  6. Vom Prinzipp stimme ich dir ja zu, allerdings:

    Woher weiss man denn nun, wo genau im Konjunktuzklus man sich befindet? Das ist doch auch wieder ein Timingproblem?

    Wenn ich z.B. einen max. Hebel von 10 vorschreibe, werden im Aufschwung sich die meisten knapp über der Grenze bewegen (die 25% EK-Rendite vom Ronny), wenn es mal nicht so gut läuft, dann fällt man bald unter diese Grenze und muss verkaufen - Spirale geht los.

    Wie soll man diesem Problem begegnen. Ich denke, durch ein Ende der Illusion der Sicherheit, der allumfassenden Garantie.

    AntwortenLöschen
  7. Gar nicht timen wäre mein Vorschlag (weil ich es ähnlich sehe wie du, das ist nahezu unmöglich). 10% fix und zwar immer, egal ob im Aufschwung oder im Abschwung.

    AntwortenLöschen
  8. @ dels

    Abschreibung auf eigene Verbindlichkeiten ist ja sehr progressiv. Man glaubt als entweder, dass der Gläubiger pleite geht oder man selbst nicht in der Lage sein wird, die Verbindlichkeiten zu bedienen?

    Und sowas ist zulässig?

    AntwortenLöschen
  9. Die Deutsche Bank ist mit einem Hebel von 1:40 versehen. Die Eigenkapitalquote ganze 2,5%. Ich schreibe das in meinem Blog schon seit Ewigkeiten:

    http://www.timschaefermedia.com/?Deutsche_Bank_Wenig_Substanz_in_der_Bilanz&id=1102&det=1&more=2

    In den USA ist man darüber erstaunt. Wie kann es sein, dass die Aufsicht so etwas zulässt? Die großen US-Banken haben alle EK-Quoten, die an die 10% heranreichen. Die Bafin, die Regierung, der Finanzminister und die Bundesbank haben seit Jahren Tomaten auf den Augen. Die sind doch zuständig, das System vorausschauend zu überwachen. In den USA dürften viele Banken wie die Bank of America keine Dividenden wie gewünscht auskehren. Der US-Finanzminister sagt: Nein!! Erst die Bilanz in Ordnung bringen. Dann darfst du Dividenden ausschütten.

    Die Merkel hat den Josef Ackerman statt dessen ihr Kanzleramt gratis zur Verfügung gestellt. Der Josef durfte dort mit seinen Freunden seinen Geburtstag feiern. Der Steuerzahler musste ran. So funktioniert das in Berlin...

    Solche Leute hinterlassen einen Scherbenhaufen, stecken sich die Taschen voll mit Millionengehältern und sind dann einfach weg.

    Übrigens haben Insider der Deutschen Bank allein dieses Jahr 7 Millionen Euro mit Aktienverkäufen erzielt. Kein einziger Insider kaufte Aktien, wenn man mal von den 200 Stück der DB-Betriebsratsvorsitzenden absieht. Hinzu kommen an der Spitze die Millionengehälter...

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore