10.000 Kunden stürmen lettische Geldautomaten

Bankrun! Panik!

Schreiben alle. Aber ist es auch so? Ich war ja schon heute morgen skeptisch (siehe Bankrun in Lettland? Ich zweifle. Das Video, das... - egghat's not so micro blog)

Machen wir mal den Crosscheck, den die Journalisten scheinbar nicht mehr machen :-(

Visa meldet 863 Geldautomaten in Lettland. Macht bei (angeblichen) 10.000 Kunden, die heute die Automaten gestürmt haben sollen, knapp 12 Kunden pro Geldautomaten.

Häh? Das soll ein Bankrun sein?

Die 10.000 Kunden kann ich einordnen (und die sehen nicht wirklich nach Bankrun aus), die 28 Millionen Euro, die heute abgehoben wurden, nicht. Aber sooo wahnsinnig viel hört sich das auch nicht an ... Leider finde ich für Deutschland keine Antwort auf die Frage "wie viel Geld wird in Deutschland pro Tag abgehoben", über die man unter Umständen ableiten könnte.

Ganz generell frage ich mich auch noch, ob die Zahl der Leute, die sich Geld am Geldautomaten abheben, so wahnsinnig relevant ist. Denn die Leute, die kritisch sind, weil sie viel Geld haben, gehen doch nicht zum Automaten ...

Aber so ist das halt: Debunking bringt keinen Artikel. Ach so, halt doch ;-)

Gerüchte um Swedbank: Panische Letten ziehen Millionen von Bankkonten ab | FTD.de
Lettland: Sturm auf Geldautomaten - Wirtschaft - FAZ
Letten räumen Konten bei Swedbank leer | tagesschau.de

Kommentare :

  1. Mir kam die Meldung ebenfalls seltsam vor, aber das ist die Presse.

    Vor allem:

    Wer hebt bitte am Automat sein ganzes Geld ab, jede Debit/Kreditkarte hat Limits. Die liegen im Schnitt bei 2500-5000 EUR im Monat, und oft auch nur bis 750 EUR pro Tag. Dient der Betrugsprävention.

    Weiterhin kosten Bargeldabhebung auch immer eine Gebühr, bei Kreditkarten sogar prozentuale Anteile, bis 5%.

    Bei Reuters konnte ich jednefalls diese Meldung nicht finden, da hat die Boulevardpresse sich eine Story zusammengereimt.

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  2. Was die FAZ schreibt, klingt aber schon plausibler. Erstens handelt es sich nur um eine Bank (und damit) um angegebene 300 Automaten, und es wurde achtmal soviel abgehoben wie an einem Sonntag üblich.

    Darauf sind die Bargeldbestände der Automaten natürlich nicht ausgelegt. Wer aber an einem nicht bekommen hat, läuft womöglich in Panik zum nächsten, und dann verselbständigt sich das.

    Richtig ist natürlich, das echte Bankruns online stattfinden. Über Automaten kommt man an einem Sonntag eher nicht an seine gesamten Einlagen. Aber vielleicht über die nächsten Wochen.

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  3. Ein echter Bankrun war das wohl nicht, aber es zeigt das enorme Klima der Verunsicherung in Lettland. Man darf auch nicht vergessen, dass in Lettland die durchschnittlichen Einkommen, Sparguthaben und Kontostände deutlich geringer sind als hier. Und erst vor kurzem haben bspw. 80.000 gerade Rentner unter dem Zusammenbruch der Krajbanka gelitten. Viele davon haben dann Konten bei der Swedbank eröffnet, weil die als sicher galt. Als dann die Gerüchte losgingen, werden wohl als erstes diese Renter unterwegs gewesen sein, nehme ich an ... .

    Ich erinnere mich an 2004: Da gab es plötzlich kein Salz mehr in den Supermärkten. Es ging das Gerücht, dass der EU-Beitritt Salz verteuern würde und die Leute, vor allem in russisch sprachigen Gegenden, haben gekauft wie verrückt. Daraufhin explodierten dann die Preise und alle sahen sich bestätigt.

    Dass Gerüchte in Lettland ernst genommen werden, zeigte auch die kurzzeitige Verhaftung des lett. Prof. Dmitrijs Smirnovs 2008. Er soll damals mit einem Vortrag Zweifel an der Stabilität des Lat geschürt haben ... .

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  4. Die Kreditwirtschaft ihrerseits hat 319 Mrd €

    über Geldausgabeautomaten und 371 Mrd € über den Schalter an ihre Kunden ausgezahlt.
    Siehe:
    http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/monatsberichte/2011/201101mb_bbk.pdf

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  5. Danke für die Zahl!

    Ich bin mir aber nicht sicher, dass es die Zahl ist, die ich suchte ... Denn wenn ich das richtig verstehe, sind das nur die Zahlen für die *neuen* Geldscheine. Da aber nicht alle bar von der Banken ausgezahlten Scheine *neu* sind, fehlen da wohl Scheine.

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