Citigroup: Eurozone vor langer Rezession

6 Quartale mit Wachstumsrückgang in Folge, schlimmer als in Japan ...

Ich bin ja schon seit einiger Zeit skeptischer als der Konsens (nein, bin ich nicht immer ...) und glaube nicht mehr nur an eine leichte Rezession. Zwar deutet die relativ robuste Weltwirtschaft durchaus in diese Richtung, allerdings tun wir in Europa auch wirklich alles, um die Konjunktur intern abzuwürgen :-( (siehe dazu auch Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Das größte Problem in der Eurokrise ist die Ansteckungsgefahr und Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Der Banken-Marsch in Europa geht weiter)

Den staatlichen Sparmaßnahmen haben sich inzwischen alle Länder bis auf den alten D-Mark-Block angeschlossen. Selbst Frankreich steht nun auf der Ausgabenbremse, Österreich etwas vorsichtiger ebenfalls. Gleichzeitig werden die Banken mitten im Abschwung gezwungen, ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen. Was man dummerweise nicht nur über eine Erhöhung des Eigenkapitals machen kann, sondern auch durch eine Senkung der Kreditvergabe. Damit stehen Verbrauchern und Firmen weniger Kredite zur Verfügung, was weniger  Investitionen nach sich zieht und die Wirtschaft dämpft.

Das kommt alles noch auf den eh schon seit 2008 anhaltenden Prozess des Deleveraging oben drauf. Die Banken hatten zu hohe Hebel und haben begonnen, ihre Bilanzsummen zu reduzieren (bis auf den Staatsanleihenteil, der ja nur mit unterdurchschnittlich wenig bis gar keinem Eigenkapital hinterlegt werden muss). Die Verbraucher auf der anderen Seite haben ebenfalls ihre Schulden reduziert, zumindest in vielen Ländern. Und nun schließen sich auch noch die Staaten an.

Das geht nicht gut, wenn das alle gleichzeitig machen! Das kann nicht gut gehen!

Im Citigroup-Bericht steht übrigens angeblich, dass die Rezession im 4. Quartal 2012 beginnt, aber das muss eigentlich ein Fehler von FT Alphaville sein und 2011 gemeint sein.

Etwas Tröstliches noch zum Schluss: Wenn man sich die Grafik der Prognose anschaut, wird die Rezession 2.0 immerhin vergleichsweise mild und keinesfalls so hart wie die erste Rezession 2008.


Und noch etwas Tröstliches: Willem Buiter rechnet damit, dass die erhöhten Anforderungen für da Eigenkapital bis zum Sommer 2012 noch geknickt, mindestens aber zeitlich gestreckt werden. Das könnte etwas Entlastung bringen.

Aber ehrlich gesagt: Viel Tröstliches habe ich nicht zu bieten. "Konjunkturprogramm" wird 2012 wieder trenden ...

FT Alphaville: Not even in Japan…

Kommentare :

  1. Nun bin ich ja wahrlich ein blutiger Laie in Sachen Wirtschaft (und das langjährige Lesen von Wirtschaftsblogs ist ja nicht gerade ein Sachkundenachweis ;-) aber kann es sein, dass Wirtschaftswachstum in einer saturierten, demographisch schrumpfenden Wirtschaft anscheinend nur noch per Pump zu haben ist? Wäre es dann eigentlich nicht an der Zeit, sich langsam an den Gedanken einer Postwachstumsökonomie zu gewöhnen?

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  2. Ob man über eine Postwachstumsökonomie nachdenken muss? Weiss nicht.

    Aber eines sollte man auf jeden Fall im Kopf behalten: Die rein BIP-Zahl ist nicht allein entscheidend, mindestens das BIP pro Kopf sollte man mit berücksichtigen. Dann wird z.B. das neoliberale Wachstumswunder USA, von dem uns Hans-Olaf Henkel und Konsorten 2 Jahrzehnte lang erzählt haben, ziemlich "unwunderig". Das größere BIP-Plus in den USA geht nämlich zu einem Teil auf die wachsende Bevölkerung zurück, zum anderen Teil auf den Schuldenanstieg. Beides war deutlich kräftiger als in Deutschland.

    Aber selbst dann bleibt noch Wachstum übrig.

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  3. Also ich bin auch skeptisch.
    Wir haben nen kleinen Geschenkegroßhandel und eigentlich müssten um diese Jahreszeit alle in Geld schwimmen, aber Pustekuchen. Überall wird geknapst, wo es geht. Da platzen Bankeinzüge von 80€, zig Anfragen über verlängerte Zahlungsziele und Kunden sitzen lieber in nem halbleeren Laden, um ja nicht zuviel einzukaufen.
    Und das scheint kein Einzelphänomen zu sein, hab heute mit dem UPS-Fahrer gequatscht, der musste sonst dreimal zum Lager, um seinen LKW abzupacken und heute war der Wagen halbleer.
    Und das zieht sich ja weiter, wenn das Weihnachtsgeschäft läuft, fehlen fürs neue Jahr die Gelder für Investitionen usw.
    Also ich kauf mir lieber auch Konserven und Knarren^^

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  4. Den Wirtschaftsblog ist eines gemeinsam: eine Analyse des War und des Ist. Mehr oder weniger ist man sich einig: die Pferde müssen wieder saufen. Und hier endet es immer. Entweder bei den Blogs, oder ich habe mit Lesen zu zeitig aufgehört.

    Wie saufen die Pferde denn nun wieder?

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  5. @Ariane

    Vor allem in den USA passen die Einkommen und der angebliche boomende Konsum nicht wirklich zusammen ...

    Deutschland *müsste* eigentlich die Insel der Glückseligen sein. Aber wir werden ja schon bei Anzeichen von Abschwung pessimistisch. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Weihnachtsgeschäft deutlich besser startete als es endete ...

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  6. @anonym:

    Wie suafen die Pferde? Mit dem Maul!

    Wenn du meintest:Wann ist die Antwort: Wenn sie sicher sind, dass es auch morgen wieder was zu saufen gibt ...

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  7. Wenn die Pferde nicht saufen/fressen wollen, dann setzt man ihnen halt eine Magensonde. Wird ja bei den Magersüchtigen auch so gemacht.

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  8. analogie Gutscheine. GibtÄs nur, wenn auch eingelöst wird.

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