Warum ich gegen die zu hohe Fotovoltaikförderung schreibe ...

... wobei es genauer heißen müsste: Warum ich gegen die zu hohe Fotovoltaikförderung geschrieben habe. Denn nach den jetzt beschlossenen Senkungen wird die Einspeisevergütung für Fotvoltaikstrom  wohl bald nicht mehr zu hoch sein.
Wobei man das im Vorhinein aber nie genau weiss. Ich bin weiterhin ein Fan einer dynamischen Anpassung, wie ich sie schon früher mal skizziert habe (VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN). Es könnte nämlich auch gut sein, dass der Preisverfall der Solarzellen auf einmal stoppt und ab Januar 2012 niemand mehr installiert und der Markt komplett zusammenbricht (was natürlich auch nicht wünschenswert ist).

Aber zum Punkt: Eine Tonne CO2-Einsparung über Fotovoltaik ist extrem teuer, vor allem im vergleichsweise sonnenarmen Deutschland. Leider hat auch der Umweltökonom Joachim Weimann keine exakten Zahlen, aber er schätzt die Kosten für eine vermiedene Tonne CO2 durch Fotovoltaik in Deutschland auf 300-500 Euro (nach 700 bis 800 Euro, die in einer älteren Schätzung genannt werden). Ein Zertifikat für eine Tonne CO2 kostet aber nur 15 Euro. Die Fotovoltaik ist also um den Faktor

20

teurer als es die CO2 Zertifikate anzeigen.

Windenergie wird übrigens auf 100 bis 150 Euro geschätzt (wobei nicht ganz klar ist, ob in dieser Kalkulation die Kosten für den Netzausbau vollständig enthalten sind). Sie kostet also tendenziell nur etwas die Hälfte der Fotovoltaik, wenngleich sie immer noch viel teurer als ein CO2-Zertifikat ist.

Jetzt kann man sicher argumentieren, dass die CO2-Zertifikate viel zu preiswert sind und eigentlich viel teurer sein müssten. Logisch, sobald man weniger Zertifikate ausgibt, würde der Preis steigen. Und das wäre auch der Weg, den man gehen sollte: Einfach jedes Jahr 2 oder 3% weniger Zertifikate ausgeben, die dann entsprechend teurer würden.

Aber auch steigende Preise für CO2 Zertifikate ändern nichts an der entscheidenden Tatsache, dass es jede Menge preiswerterer Möglichkeiten gibt, CO2 Ausstoß zu verhindern als die Fotovoltaik: Wärmedämmung, Glühbirnenverbot, effizientere Heizung, bessere Motoren, mehr öffentlicher Nahverkehr, etc. pp.
Das sieht in anderen Ländern natürlich anders aus: Zum Beispiel in Ländern, in denen die Sonne häufiger scheint und die Heizungen seltener laufen müssen als in Deutschland oder Schweden.

Aber wahrscheinlich will die Politik die CO2 Zertifikate als allumfassende Lösung nicht, weil sie dann alles konsequent machen müsste: Auf Diesel müssten mehr Steuern gezahlt werden als auf Benzin, weil 1 Liter Diesel mehr CO2 erzeugt als 1 Liter Benzin. Trotzdem wird er niedriger besteuert. Heizöl ist defakto Diesel und wird nochmals niedriger als Diesel besteuert. Kerosin für Flugzeuge wird sogar überhaupt nicht besteuert. Beim Anbau von Biodiesel und Bioethanol entsteht jede Menge CO2, das ebenfalls (fast) gar nicht besteuert wird. Diese Liste der Inkonsistenzen lässt sich fast beliebig verlängern. Denn die Politik mischt sich mit immer neuen Detailentscheidungen ein.

Dabei könnte man das mit einem effizienten System wie den CO2-Zertifikaten einfach lösen. Die Länder im Norden Europas kümmern sich dann um effiziente Wärmedämmung, bessere Heizungen und verbrauchsärmere Motoren, Biogas und Windenergie, während die Länder im Süden die Sonnenenergie bevorzugen und ihre maroden Kraftwerke modernisieren.

Wir verschwenden durch die aktuelle Förderpolitik nicht nur in Europa, sondern auch weltweit, Unsummen. Womöglich hätten wir schon lange einen weltweiten Klimakompromiss bekommen, wenn wir Deutschen nicht jedes Jahr sieben ziemlich sinnlose Milliarden in die Fotovoltaik ballern würden, sondern die in den Verhandlungen noch für China/Indien und Afrika "übrig" gehabt hätten ...

FAZ: „Eine völlig verrückte Subventionsmaschinerie“

Juchu: Die USA hat keine Inflation mehr

Eine Zahl muss ich zur BIP-Meldung noch nachtragen: Der Preisdeflator, also die Inflationsrate, die bei der Errechnung des BIPs zugrunde gelegt wird, lag bei sehr mageren

0,3%.

Zwar liegt die Inflationsrate in den USA auch nach anderen Berechnungsmethoden deutlich niedriger als in Europa (der Dollar war im 4. Quartal vergleichsweise stark), aber 0,3% Inflation wirken doch etwas arg unglaubwürdig ...

Um den Preisdeflator kurz zu erläutern: Das BIP, das in den Überschriften gemeldet wird, ist immer inflationsbereinigt. In der Berechnung des Brutto-BIPs werden einfach nur der Wert (=Preis) aller Waren und Dienstleistungen addiert. Darin steckt natürlich auch immer der Preisanstieg. Da aber nicht steigende Preise gemessen werden sollen, sondern nur die (hoffentlich) steigendeWirtschaftsleistung, wird davon dann der Preisanstieg abgezogen. Das ist der Preisdeflator. Ist dieser hoch, wird das gemessene Wirtschaftswachstum dadurch gedämpft, ist der Preisdeflator hingegen niedrig, wird das Wirtschaftswachstum höher ausgewiesen. Der aktuelle Preisdeflator von 0,3% ist außergewöhnlich niedrig und daher lohnt eine etwas intensivere Betrachtung (auch wenn das etwas arg nerdig ist ...).

Die USA weisen zwar eine deutlich niedrigere Inflation als Europa aus, diese zog zum Jahresende aber auch in den USA deutlich an. Allein im Dezember gab es ein Plus der Verbraucherpreise von 0,5% im Vergleich zum November. Da auch die beiden Monate vorher im Plus (+0,2 und +0,1) waren, war das Plus schon klar höher als beim BIP angesetzt. Zum Glück rechnet das BLS die 3-Monatssteigerung auch auf das Gesamtjahr hoch und das wird dort mit 3,5% (!) angegeben (BLS.gov, Consumer Price Index News Release (Tabelle 2). Das *müsste* eigentlich im BIP erfasst sein ...

Gut, die Verbraucherpreise bilden jetzt nicht die gesamte Wirtschaft ab. Es werden ja auch jede Menge Produkte hergestellt, die nicht an den Endverbraucher verkauft werden. Diese liegen dann erstmal auf Lager, werden exportiert, etc. pp. Also lohnt sich ein Blick auf die Großhandelspreise, die die Preissteigerung bei solchen Produkten besser erfassen sollten. Wenn wir uns die Dezemberzahlen anschauen, sehen wir +1,1% gegenüber dem Vormonat und eine Jahresrate von +4,0% bei fertigen Produkten, bei den halbfertigen Produkten sogar eine Jahresrate von 6,5%. Also noch mehr als bei den Verbraucherpreisen.

Nun bin ich einigermaßen verwirrt. Ich weiss zwar, dass solche Statistiken oft auf sehr unterschiedlichen Wegen errechnet und aus unterschiedlichen Datenquellen gespeist werden, aber die Differenz zwischen dem extrem niedrigen Preisdeflator bei der BIP Berechnung und den andere Preisindizes ist schon außergewöhnlich groß. Ich bin genauso überrascht wie die Analysten, die vor der Veröffentlichung einen Preisdeflator von 1,6% erwartet haben.

Edward Harisson von Creditwritedowns ist ebenfalls ein wenig ratlos, hat aber wenigstens ein paar Grafiken aus den Zahlen gemacht. Man sieht darin schnell, dass das Nettowachstum nicht so toll war und mit einem "normalen" Preisdeflator auch ein unterdurchschnittliches Wachstum herausgekommen wäre (siehe Creditwritedowns: Really Nominal GDP). Edward meint, dass der extrem niedrige Deflator auf die Tatsache zurückgeht, dass im Deflator die Importe (z.B. Öl) nicht enthalten sind.

Ich hatte in der Ursprungsmeldung folgendes geschrieben:
"Die Importe hingegen gingen stark zurück und sanken um 13,6%. Daraus entstand ein Beitrag zum BIP-Plus von 3,44 Prozentpunkten. Diese Tendenz ließ sich an den sinkenden Handelsbilanzdefiziten der USA schon vorhersehen, das Ausmaß überrascht mich dann aber doch ... Hat wahrscheinlich was mit der Inflationsbereinigung zu tun (Annahme: sinkender Ölimporte bei steigenden Ölpreisen: damit sinkende Importe *nach* Inflationsbereinigung im BIP, aber stabile Importe in der Handelsbilanz, weil da nur die Summe berechnet wird, die aber trotz sinkender Ölmengen durch den steigenden Preis konstant bliebt. Ist aber nur ein Erklärungsansatz, keine Ahnung, ob's stimmt)."
Das war eine wilde Spekulation. Ist die jetzt schlüssiger geworden? Irgendwie finde ich das nicht. Wenn die Ölpreise steigen und die USA deswegen die Ölimporte drosseln, führen die sinkenden Ölmengen zu niedrigeren Importen (und damit einer Steigerung des BIPs), ohne dass der Preisdeflator das BIP wieder drückt? Hä?

Hat jemand eine bessere Erklärung (gefunden)? Ist das eine der statistischen Abweichungen, die sich nicht vermeiden lassen? Hängen am Ende der extreme Lagerabbau  und die stark sinkenden Importe zusammen und beides geht auf die Preisbereinigung zurück?

Wo liegt eigentlich Tunesien auf der Korruptionsrangliste?

Korruptes Land. Hohe Jugendarbeitslosigkeit --> Revolution.

Siehe Tunesien. Oder jetzt Ägypten.

Wenn 's wirklich so ist, lohnt sich mal ein Blick auf die einschlägigen Ranglisten. Und siehe da: Tunesien liegt auf Platz 59, Ägypten auf Platz 98 und dazwischen auf Platz

78

Griechenland. Und mit Italien (Platz 67), Rumänien (69) und Bulgarien (73) haben wir Europäer noch weitere Pferde im Korruptionsrennen.

Auch bei der Jugendarbeitslosigkeit sind in Europa einige Staaten auf Revolutionsniveau. Aus Ägypten werden 30% gemeldet (n-tv), aus Tunesien sogar noch etwas mehr. Spanien liegt schon länger über 40% (ZAHL DES TAGES (31.05.10): 41), aktuell sieht es noch schlimmer aus: 43,6%. Griechenland, Lettland, Litauen und die Slowakei liegen in der Größenordnung von Tunesien und Ägypten. Irland, Frankreich, Italien, Polen, Ungarn und Estland sind mit 25 bis 30% nur wenig besser. (Quelle: Eurostat)

Schöne Spielerei auf die mich DonAlphonso gebracht hat. Lesebefehl, wunderbare Satire (muss ja auch mal ein paar meiner 38 Leser darüber schicken, wenn er doch auch ab und an Links auf mein kleines Blog in seine Artikel einbaut. Linktausch unter Ehrenmännern, keine schmierige Schleichwerbung wie bei diesen).

FAZ: Was europäische Eliten von tunesischen Kleptokraten lernen können <--- lesen!

Nee, nee, eine Revolutionswette biete ich nicht an ;-)

Musik zum Wochenende: Sophie Hunger

Heute Abend in der Dortmunder Philharmonie.

Sophie Hunger - Leaving the moon

Update (29.01.11):

Für einen Eindruck eines Konzerts mit Sophie Hunger dieser Mitschnitt eines 2010er Konzerts aus Berlin in überraschend guter Qualität:

Sophie Hunger | 2010 Berlin Lido live

US-BIP Q04-10: +3,2% (Vorabschätzung). Bei konst. Lager +7(!)%

Ich habe heute keine Zeit mehr, die Zahl im Detail unter die Lupe zu nehmen.

Allerdings fällt auf, dass geradezu unglaubliche 3,7% vom BIP abgezogen wurden, weil die Lager massiv verringert wurden. Das BIP-Plus wäre bei konstantem Lagerbestand also mit fast 7%(!!!) im Plus gewesen! (Im Vorquartal war's genau anders herum: Damals wurden 1,6 Prozentpunkte vom BIP abgezogen Damals steigerte der Lageraufbau das BIP um 1,6 Prozentpunkte).

Auch der angeblich oft so lahmende Konsum hat massiv angezogen und wuchs mit einer Jahresrate von 4,4% (2,4% im Vorquartal).

Ebenfalls stark angezogen hat der Export, der um 8,5% zulegte. Die Importe hingegen gingen stark zurück und sanken um 13,6%. Daraus entstand ein Beitrag zum BIP-Plus von 3,44 Prozentpunkten. Diese Tendenz ließ sich an den sinkenden Handelsbilanzdefiziten der USA schon vorhersehen, das Ausmaß überrascht mich dann aber doch ... Hat wahrscheinlich was mit der Inflationsbereinigung zu tun (Annahme: sinkender Ölimporte bei steigenden Ölpreisen: damit sinkende Importe *nach* Inflationsbereinigung im BIP, aber stabile Importe in der Handelsbilanz, weil da nur die Summe berechnet wird, die aber trotz sinkender Ölmengen durch den steigenden Preis konstant bliebt. Ist aber nur ein Erklärungsansatz, keine Ahnung, ob's stimmt).

Calculated Risk: Advance Report: Real Annualized GDP Grew at 3.2% in Q4
News Release: Gross Domestic Product

Update (16:52):

Inflationsbereinigt ist das das höchste Quartals-BIP ever und der Einbruch durch die Krise komplett aufgeholt.

Real GDP at new all-time high MarketWatch First Take - MarketWatch

Update 2 (30.01.11):

a) Im Vorquartal erhöhte der Lageraufbau das BIP um 1,6 Prozentpunkte. Ist oben korrigiert.

b) Der Preisdeflator lag bei nur 0,3%. Das ist verdammt wenig und ziemlich unplausibel. Ich schreib dazu noch was.

Hedgefonds Starmanager John Paulson sahnt 5 Milliarden Dollar ab

Ja, ich meine 5 Milliarden, nicht Millionen, Dollar.

5.000.000.000 Dollar.

Damit hat er einen neuen Rekord aufgestellt und den bisherigen Spitzenverdiener, John Paulson ;-) , geschlagen.

WSJ: Trader Racks Up a Second Epic Gain

Das ist ziemlich beeindruckend, denn im Sommer 2010 bloggte ich noch über das vergleichsweise erfolglose erste Halbjahr 2010 von Paulson (HEDGEFONDS STARMANAGER JOHN PAULSON SCHREIBT MINUS ...). Da muss er ja ein Monsterhalbjahr nachgeschoben haben.

Ganz ungewöhnlich ist das nicht, Paulson hat schonmal zwei Jahre solche Riesengewinne eingefahren (siehe ZAHL DES TAGES (03.04.10): 25.333.000.000DER BESTE HEDGEFONDS DER WELT: 6,8 MRD. GEWINN).

Nicht verschweigen sollte man, dass Paulson noch umstrittener ist als andere Hedgefondsmanager es eh schon sind. Denn er hat die letzten großen Gewinne 2007/2008 mit Spekulationen auf fallende Kurse bei dem ganzen verbrieften Hypotheken-Giftmüll (z.B. CDOs) eingefahren. Das wäre alles nicht so schlimm, wenn sein Hedgefonds nicht zusammen mit Goldman Sachs einige dieser CDOs konstruiert hätte, um direkt anschließend auf deren Kursverfall zu setzen.

ZAHL DES TAGES (16.04.10): 99%
10 DINGE, DIE MAN ÜBER DIE GOLDMAN SACHS-PAULSON-AFFÄRE WISSEN SOLLTE

Update (15:08):

Die beiden großen Fonds von John Paulson waren übrigens gar nicht so toll. Mit einem Plus von 11 bzw. 17% schaffte es nur der beste seiner zei großen Fonds, den Dow (+16%) zu schlagen. So kamen aus der Verwaltung der Fonds (der 20% Performance Fee) auch "nur" etwa 1 Milliarde Dollar. Die restlichen vier kamen aus dem Geld, das Paulson in seine Fonds investiert hat. Er hat halt schon ein paar Milliarden. Forbes führte in 2009 mit 12 Mrd. Dollar Vermögen auf Platz 45 der reichsten Menschen der Welt (WARREN BUFFETT IST REICHSTER NICHTMONOPOLIST DER WELT). (Das geht in der Gesamtrechnung nicht auf, denn aus 13% Plus auf 12 Mrd. können ja keine 4 Mrd. Vermögenszuwachs entstehen. Ich schätze mal, dass die Forbes Zahl ungenau bzw. alt ist).

Update 2 (31.01.11):

Zu Paulson reiche ich nochmal einen passenden Link nach: John Paulson: Wie an der Wall Street Milliarden verdient und verloren werden « Blick Log

Wie lange bleiben die USA noch AAA?

Ich bekomme ja eine Menge Kommentare auf meine Postings über Ratings (wie gestern bei der Herabstufung Japans), dass die Ratings eh alle Mist seien und dass man denen nicht trauen könne, so lange die USA und Deutschland nach Triple-A wären.

Da scheinen doch einige Leser die Ratings der neuen chinesischen Ratingagentur Dagong deutlich sympathischer zu finden. Bei Dagong ist die USA bereits auf A+ herabgestuft (DAGONG STUFT USA AUF A+ HERAB) und auch die anderen drei großen AAA-Nationen Deutschland, Großbritannien und Frankreich werden schlechter eingestuft (GERMAA+NY, USAA, FRAA-NCE AND BRITAA-IN).

Aber immerhin muss man zur Kenntnis nehmen, dass auch Moody's (eine der zwei großen westlichen Ratingagenturen) über das Triple-A-Rating der USA nachdenkt.

Konkreter Anlass ist die Verlängerung der Steuersenkungen, die George W. Bush eingeführt hat. Obama wollte diese eigentlich nicht verlängern ("wir haben kein Geld für Steuergeschenke"), aber mit dem Verlust der Mehrheit "seiner" Demokraten hatte er keine Chance mehr. Der Deal war dann: Obama bekommt seine Verlängerung der Arbeitslosenhilfe, die Republikaner verlängern ihre Steuersenkung. Kosten der Nummer: Gut 800 Milliarden Dollar (ZAHL DES TAGES (14.12.10): 801.300.000.000).

Dieser zusätzlicher Anstieg der Staatsverschuldung der USA, den Moody's bisher nicht in den Prognosen hatte, lässt die Ratingexperten jetzt skeptisch werden. Wenn auch noch nicht so richtig skeptisch. Inzwischen kann sich Moody's bei ausbleibenden Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung in den USA vorstellen, in den nächsten zwei Jahren den Ausblick der Ratingnote auf negativ zu senken. Wohlgemerkt: Nicht das Rating selber, nur den Ausblick.

Es wird sicherlich spannend werden: Wie weit wird Dagong die Note für die USA an dem Zeitpunkt bereits gesenkt haben, an dem sich die erste westliche Ratingagentur traut, den USA das Triple-A zu entziehen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Abstand zwischen den Ratings (jetzt 4 Stufen) noch größer wird.

FAZ: Moody's schließt Herabstufung Amerikas nicht aus

Zu Verunsicherung der Anleger trägt sicherlich auch die vorgestern veröffentlichte aktualisierte Prognose für das Minus des US-Haushalts für das Finanzjahr 2010/2011 bei. Dieses wird jetzt mit

1.480.000.000.000 (1,48 Billionen) Dollar

erwartet und entspricht 9,8% des US-BIPs.

Das ist nochmal mehr als 2008/2009, als 1,416 Billionen Dollar Miese eingefahren wurden oder als 2009/2010 (1,294 Billionen Dollar, gleich 8,9% des BIPs). Ein neues Rekordefizit! Und das bei wachsenender Wirtschaft!

Die Prognosen für die nächsten Jahre sehen besser aus. Aber bevor ich die bringe, erwähne ich vielleicht noch kurz, dass die oben gemeldete Prognose 40% über der Prognose aus dem Vorjahr liegt. Diese positive Prognose war schonmal ein totaler Flop. Daher sollte man die Prognosen mit einer gehörigen Portion Skepsis aufnehmen, vor allem sind Prognosen bis 2021 praktisch unmöglich. Es geht ja nicht einmal die Prognose für die nächsten 12 Monate annähernd auf. Und die Rezession wurde noch von der klaren Mehrheit der Analysten ausgeschlossen, als man schon drinsteckte (wie man im Nachhinein weiss).

Dieses Mal wird erneut eine sinkende Neuverschuldung vorhergesehen. 2012 sollen es "nur" noch 1,1 Billionen werden (7,0% des BIPs), 2013 704 Milliarden (4,3% des BIPs) und 2014 533 Milliarden (3,1%). Bis 2021 soll das Minus dann in diesem Bereich schwanken (2,9-3,4% des BIPs).

Das würde noch nicht ausreichen, um die Staatsverschuldung (in Prozent des BIPs) zu senken. Nach dem Satz von 62,1% (September 2010) auf 73,9% des BIPs (Sept. 2012) steigt die Staatsverschuldung der USA bis 2021 (wenn auch deutlich langsamer) weiter auf 76,7% des BIPs.

Von der Quelle: CBO: The Budget and Economic Outlook: Fiscal Years 2011 to 2021 (PDF!)

Zusammenfassung: Spiegel: Amerika macht 1.500.000.000.000 Dollar Miese

S&P stuft Japan auf AA- herab (vorher AA).

Die Gründe liegen auf der Hand.

Sehr hohe Staatsverschuldung, die auch das gesamte Jahrzehnt weiter steigen wird.
Weiterhin hohe laufende Neuverschuldung (9,1% des BIPs dieses Jahr, 8% des BIPs in 2013).
Demographische Probleme mit steigenden Soziallasten und abnehmender Anzahl von Arbeitskräften.

Auf der anderen Seite steht aber die Position Japans als größter Gläubiger weltweit, der z.B. ähnlich viele Staatsanleihen hält wie China. Über China wird nur deshalb mehr diskutiert, weil China noch massiv ausländische Anleihen hinzukauft, während Japan nur wenig wächst.
Ebenfalls positiv für Japan ist, dass die japanischen Staatsanleihen fast ausschließlich in der Hand der Japaner liegen. Japan ist in Hinblick auf die Schulden also nahezu unabhängig vom Ausland.
Ansonsten wäre das Rating Japans schon lange wesentlich schlechter ....

FT Alphaville: S&P downgrades Japan to AA-

Update (10:15):

Die CDS auf Japan sind leicht auf über 80 gestiegen und liegen damit etwas dreimal so hoch wie die auc Deutschland.

Kommt jetzt der Backlash für die Fotovoltaik?

Zumindest in Europa sieht's so aus ...

Ich habe in den vergangenen Jahren viel darüber geschrieben und habe so ziemlich alles, was die FAZ im folgenden Artikel zusammengetragen hat, auch hier schon verbloggt. Aber statt 100 Links auf mich selber gibt's da eine gute Zusammenfassung:

Energiewirtschaft: Die spektakulären Erfolge der Solar-Lobby - Wirtschaftspolitik - Wirtschaft - FAZ.NET

Nun haben wir Solarschulden von 100 Milliarden Euro. Und erzeugen trotzdem nur einen Bruchteil unseres Stroms aus der Fotovoltaik.

Zwar argumentiert die FAZ an einer Stelle (etwas arg) ungenau und stellt nicht klar, dass zwar die EEG-Vergütung 13,5 Mrd. Euro pro Jahr kostet, aber das ist in einem Artikel nur über die Solarenergie irreführend, denn die Fotovoltaik ist ja nur ein Teil davon (bessere Rechnung: ZAHL DES TAGES (01.10.10): 94.960.000.000).

Nun kommt der Backlash. Das Pendel schlägt zurück. Und zwar gewaltig. Die Solarlobby hat schon von sich aus eine stärkere (9%) und vorgezogene (6 Monate) Kürzung der Vergütung vorgeschlagen. Umweltminister Röttgen war auch zufrieden. Trotzdem scheint der Vorschlag auf Widerstand zu treffen.

Jetzt wird nicht nur eine viel stärkere Senkung gefordert, nein schlimmer: Eine Deckelung des Ausbaus. Und zwar auf magere

1.000 Megawatt.

Zum Vergleich: 2010 wurden wohl 7 Gigawatt Fotovoltaikleistung neu installiert.

Solarförderung: Sachverständigenrat für stärkere Deckelung - Wirtschaftspolitik - Wirtschaft - FAZ.NET

Die FAZ schreibt dazu folgenden Kommentar: Solarenergie: In den Fängen der Lobby - Der Kommentar - Wirtschaft - FAZ.NET.

Ich bin da gar nicht so überzeugt. Das Problem der Vergangenheit kann man so auch nicht mehr lösen. Besser wäre es gewesen, früher auch mich zu hören ;-) (siehe VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN).

Naja, aber man muss nicht so skeptisch für die Auslastung der chinesischen Solarzellenfabriken sein. Die können in Zukunft die USA beliefern. Denn Obama will bis 2035 zu 80% auf erneuerbare Energien umstellen.

Solar: Obama Calls For Clean Energy ‘Apollo Mission’ - Tech Trader Daily - Barrons.com

Ich glaube man merkt wie frustriert ich bin. Erst wird viel zu viel gefördert und jetzt würgt man das alles wieder ab. Da sag mir noch mal einer, nur die Finanzmärkte könnten Blasen und den anschließenden Crash produzieren ... Das schaffen unsere Politiker auch ...

Update (27.01.11):

MNB hat einen interessanten Kommentar hinterlassen, den ich hier nochmal einfüge. Er erklärt gut, warum ein Deckel (wie ihn Spanien gemacht hat) dämlich ist: Er sorgt nicht dafür, dass die Preise sinken. Sinkende Preise erreicht man am besten, in dem man die Vergütungen so schnell wie möglich, aber eben auch nicht zu schnell runter fährt. Damit scheiden die ineffizienten Fabriken aus (erwünscht, weil eh zu teuer), für neue Fabriken mit besserer Technologie und niedrigeren Kosten gibt es aber weiterhin einen Markt. Deshalb ist das (VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN) auch besser.

Unter dem Einfluss der Solarlobby hat das EEG sein Ziel aus den Augen verloren: Die Technologie so schnell wie möglich wettbewerbsfähig zu machen. Und nicht möglichst früh unter völliger Vernachlässigung der Kosten so viele Solarzellen auf die Dächer zu bekommen.

Deutschlandfunk - Hintergrund - Solarstrom - Ja bitte?

Update 2:

Aus dem Deutschlandfunktranskript:

"Wir [Die Solarbanche] werden damit zu einer tragenden Säule der Energieversorgung schon in 2020, ohne dabei (die Belastung ) der Stromkunden mehr als zwei Cent pro Kilowattstunde zu belasten"

Häh? Wie wollen die das denn schaffen? Die EEG-Umlage liegt bereits für dieses Jahr bei 3,5 Cent je KWh und davon gehen gut 40% auf die Fotovoltaik-Förderung zurück. Damit sind wir bereits bei 1,5 Cent/KWh. Es ist völlig ausgeschlossen, dass selbst bei einer stark gebremsten Ausbaugeschwindigkeit und stark gesenkten Förderung die 2 Cent nicht überschritten werden. Bei einer Halbierung der Ausbaurate von 2009 und 2010 in der Zukunft werden sich die Solarschulden jedes Jahr trotzdem um 15-20% erhöhen und damit auch die Umlage.

Klar, das sinkt mit zurückgehender Vergütung auch. Aber mit einer Halbierung des Zubaus wären wir bei 4 GW im Jahr. 4 GW * 25 Cent/KWh wären aber schon wieder 1 Milliarde Euro Förderung pro Jahr. Und damit ein Anstieg von knapp 20% der Gesamtförderung. Auf die 1,5 Cent aktueller EEG-Förderung addiert, wären das bereits 1,8 Cent.

Die 4 GW würden eine Senkung der Vergütung um 3% 2012 bedeuten. Damit würde die Förderung kaum zurückgehen. Es würden also erneut 0,3 Cent hinzukommen. Und dann sind wir schon bei 2 Cent.

Auch wenn ich das mit 8GW durchrechne, ändert das nichts. Zwar sinkt die Vergütung dann stärker, aber die 2 Cent Grenze wird dann fast schon 2011 gerissen ...

(Ich weiss, die Rechnung ist ungenau, ich habe z.B. die Kosten für den normalen Strom nicht berücksichtigt. Dazu müsste ich meine Solarschuldenrechnung komplett aktualisieren und das mache ich erst, wenn der endgültige Zubau für das 2. Halbjahr 2010 feststeht. Zur Überprüfung der 2-Cent-Grenze muss man nicht so genau rechnen. Es ist eindeutig, dass man für die Einhaltung der Grenze irgendwelche magischen Rechentricks verwenden muss).

Erste Emission des EFSF zu 2,78% (+46 Bp zum Bund)

Riesennachfrage der Anleger nach der ersten Anleihe des European Financial Stability Fonds (EFSF).

5 Milliarden Euro wurden angeboten, Nachfrage gab es für mehr als 40 Milliarden. Der Zinsaufschlag lag im Vergleich zu Bundesanleihen bei

46 Basispunkten,

was am unteren Rand der Erwartungen war.

FT Alphaville: Come one, come all, to the EFSF bond issue

Damit lief die erste Emission des EFSF ähnlich gut wie die des EFSM (siehe EFSM NIMMT ERSTES GELD AUF: 2(!),51% RENDITE (BUND: 2,05%).)

Allerdings nähern wir uns der Bofinger-These, dass gemeinsame Anleihen keinen Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen bringen würden, damit auch nicht wirklich weiter an ... Habe ich eh immer für ziemlich Unsinn gehalten.

Übrigens: An Irland wird das Geld zu etwa 6% weiterverliehen.

FAZ: Glänzendes Anleihedebüt für den Rettungsfonds

Update (23:56):

Weissgarnix hat auch was:

Ein denkwürdiger Tag

Case-Shiller-Index 11/2010: -1,0% (Vm), -1,6% (Vj)

Der Abwärtstrend der Immobilienpreise in den USA hat sich im November fortgesetzt. Das Minus von 1,0% gegenüber dem Oktober 2010 ist zwar niedriger als im Vormonat (damals 1,3%, siehe US-CASE-SHILLER-INDEX 10/10: -1,3% VM (-0,8 VJ)), das Jahresminus steigt aber deutlich. Aus minus 1,0% im Oktober sind nun schon minus 2,4 1,6% geworden.

Auch in den Details ist kaum Schönes zu finden. Gegenüber dem Vormonat lagen 19 der 20 Regionen des City-20-Index im Minus. Die Jahresrate ging in 17 zurück, nur noch 4 liegen im Vergleich zum Vorjahr noch im Plus. In 9 Regionen haben die Immobilienpreise bereits neue Tiefs im aktuellen Abschwung seit 2006 erreicht (Atlanta, Charlotte, Chicago, Detroit, Las Vegas, Miami, Portland (OR), Seattle and Tampa).

Die für meine Immowette entscheidende Zahl, das Gesamtminus seit dem Hoch im Sommer 2006, liegt nun wieder über 30%. Saisonbereinigt bei 30,3%, nicht-saisonbereinigt um 30,9%. Aber von der 40%-Grenze, ab der ich die Wette verlieren würde, sind wir weiterhin beruhigend weit weg.

Standard & Poors: U.S. Home Prices Keep Weakening as Nine Cities Reach New Lows According to the S&P/Case-Shiller Home Price Indices (PDF!)

Update (23:59):

Jahresminus war falsch. Nicht 2,4%, sondern 1,6% ist der Case-Shiller-City-20-Index von November 20009 bis November 2010 gefallen.

Neuregelung der offenen (geschlossenen) Immobilienfonds steht

Über die Probleme der offenen Immobilienfonds habe ich ja häufig genug geschrieben. Langfristige Anlagen in illiquide Assets wie Immobilien können halt nicht kurzfristig liquidiert werden.

Daher macht die Regierung jetzt das einzig Richtige und löst genau hier den gordischen Knoten auf: Offene Immobilienfonds werden jetzt mit längeren Kündigungszeiten versehen:

a) Es wird eine Mindesthaltedauer von 2 Jahren eingeführt. Man kann also frühestens nach zwei Jahren kündigen.
b) Zusätzlich gibt es eine Kündigungsfrist von einem weiteren Jahr.

Wer also am Tag nach dem Kauf entscheidet, dass das doch eine eher doofe Idee war, kommt erst drei Jahre später aus dem Fonds wieder raus.

FTD: Schwarz-Gelb päppelt offene Immofonds

Ich frage mich nur, wie das funktionieren soll, solange der börsennotierte Handel für Immobilienfonds weiter läuft. Wenn es zu einer Flucht aus Immobilienfonds kommt, werden die Leute doch weiter über die Börse verkaufen. Und die Kurse kommen an der Börse genauso unter Druck wie jetzt.

Da frage ich mich, ob eine Umwandlung der offenen Immobilienfonds in normale REITs, also in einfache börsennotierte Immobilienfirmen nicht konsequenter gewesen wäre. Einfach einen Wert berechnen und ausweisen wie bisher und den Kurs der Börse überlassen.

Klar, man könnte sagen dass so die privaten Anleger vor "zu wilden" Kursschwankungen geschützt werden. Das stimmt auch, wenn man den Verkauf am Tag danach betrachtet. Aber wer schützt den Privatanleger vor den Schwankungen, die im Jahr der "Wartefrist" sicherlich auch auftreten werden.

?!?

Update (23:45):

Die DPA meldet, dass es einen Freibetrag von 30.000 Euro pro Halbjahr gibt, den man ohne Kündigungsfrist abziehen kann.

Eckpunkte für Reform Offener Immobilienfonds - dpa-Ticker - Unternehmen - Handelsblatt.com

Die Ausfallraten spanischer Hypotheken steigen

Ich berichte ja schon einige Zeit darüber, dass die subjektive Sicht der Größe der Immobilienblase in Spanien (und damit der anschließend zu erwartenden Probleme) und die objektiv gemeldeten Zahlen nicht zusammenpassen (zuletzt hier: SPANIEN VOR GROSSER RETTUNGSAKTION FÜR DIE SPARKASSE aber auch schon letzten Sommer SPANIEN - GENAUSO WAHNSINNIG WIE DIE USA?). So waren die Ausfallraten der Immobilienkredite von etwa 5% schlicht nicht plausibel. Bei der Größe der Blase! Bei der Menge von Hypotheken an Leute, die nie hätten eine bekommen dürfen! Bei dem Immobilienpreisrückgang!

Gut so langsam fällt auf, wie viel Dreck die Spanier unter den Teppich gekehrt haben ... Die spanische Notenbank hat jetzt die spanischen Sparkassen aufgefordert, nicht nur die Höhe ihrer Immobilienkredite offen zu legen, sondern auch die Ausfallraten zu melden. Das wird spannend ...

Creditwritedowns: Spain's Cajas to Reveal Real Estate Losses

Zwei Sparkassen haben bereits gemeldet und die dabei gemeldeten Ausfälle sehen schon ganz anders als bisher bekannt aus.

Die Banco Mare Nostrum hat 11,5 Mrd. Euro Immobilienkredite vergeben, davon sind 2,8 Mrd. Euro "akut ausfallgefährdet". Die Caja España-Duero meldete ausstehende Hypotheken in Höhe von 8,1 Mrd. Euro, von denen 1,7 Mrd. Euro überfällig sind.

Addiert man das mal zusammen, kommt man auf 19,6 Mrd. Euro Hypotheken, von denen 4,5 Milliarden ausfallgefährdet sind. Das sind fast ein Viertel aller Immobilienkredite, genauer

23%.

Das hat mit den bisher gemeldeten Ausfallraten nichts mehr zu tun (auch wenn der Schluss nach der Meldung von zwei Sparkassen vielleicht voreilig ist). Die Lage ist scheinbar, wie befürchtet, um einiges dramatischer als bisher öffentlich wurde.

Und ich erinnere jetzt nochmal ganz vorsichtig an die Gesamtsumme von etwa 1,1 Billionen Euro, die in Spanien an Immobilienkrediten ausstehen. Wenn man das mit der oben erwähnten Ausfallrate hochrechnet, drohen den spanischen Sparkassen noch ganz andere Belastungen, als bisher allgemein berücksichtigt wird.

Die Prognosen schwanken allerdings extrem. Analysten rechnen mit Gesamtbelastungen der spanischen Banken in Höhe von 20 bis 120 Milliarden Euro. Gleichzeitig wird über eine Dotierung des spanischen Bankenrettungsfonds mit 30 Milliarden Euro spekuliert, was spanische Regierungskreise aber als deutlich zu hoch kommentieren.

Genauso unklar wie die Summe ist das weitere Vorgehen. Teilweise wird über eine Privatisierung (also einen Börsengang) berichtet, teilweise aber auch vom exakten Gegenteil, nämlich einer Verstaatlichung.

Sehr verwirrend alles ... Aber irgendwie erinnert das alles an Irland. Da entfaltete sich das ganze Desaster auch nur nach und nach und am Ende lagen die reellenVerluste noch über den Prognosen der größten Pessimisten ...

FTD: Radikalkur für Spaniens Cajas

Update (21:52):

OK, immerhin scheinen sich die Pläne der spanischen Regierung zu konkretisieren. Jetzt sollen die spanischen Sparkassen gezwungen werden, ihre Eigenkapitalquote auf 8% zu erhöhen (aktuelle Mindestquote 6%). Nach Meinung der spanischen Regierung sollen dafür 20 Mrd. Euro ausreichen, die (ebenfalls nach Meinung der spanischen Regierung) komplett von privaten Investoren kommen sollen.

Alles ziemlich mutige Vorhersagen, weil die endgültige Entscheidung erst im September bekanntgegeben werden soll. Keine Ahnung woher die spanische Regierung heute - vor Beginn der Prüfung - schon weiss, was am Ende herauskommt. Vor allem wenn man sich die wackligen Hypotheken anschaut, die die zwei Sparkassen (siehe oben) schon gemeldet haben ...

FTD: Spanien zwingt Banken zu Kapitalerhöhung

Die Amis lachen sich über die europäische Solarförderung kaputt

Irgendwie natürlich auch mit Grund. In Frankreich ist (IIRC) die Menge der geförderten Leistung zwar gekappt, aber sie fördern (noch?) viel höher als in Deutschland.

EDF schätzt den Durchschnittspreis für Strom aus Fotovoltaik auf 54,6 Cent je KWh, was fast

10 (zehn) Mal

so hoch ist wie der Großhandelspreis (5,5 Cent). Zum Vergleich: In Deutschland liegt die EEG-Vergütung aktuell bei gut 29 Cent und könnte nach den zwei Senkungen im Sommer und im Winter auf gut 22 Cent/KWh sinken (EEG FÜR PHOTOVOLTAIK IM SOMMER ERNEUT AUSSERPLANMÄSSIG RUNTER).

Wer die Marge von Solaranlagen in Deutschland bei Abnahmepreisen von 32 Cents/KWh letztes Jahr kannte (nahezu zweistellige Renditen), kann sich in etwa vorstellen, welche Renditen die Franzosen einfahren. Die Solaranlage kostet in Frankreich ja das gleiche, nur scheint die Sonne mehr (etwa 13% höherer Ertrag, siehe Sonnenertrag.eu) und der verkaufte Strom bringt mehr ein.

Als Hinweis reicht auch eine Anekdote: Die französischen Bauern bauen scheinbar schon neue Ställe bzw. Scheunen, damit sie auf das Dach Solarzellen klatschen können. Im Stall bzw. der Scheune darunter passiert nichts, das neue Gebäude rechnet sich allein über die Solaranlage auf dem Dach.

EDF's Solar `Time Bomb' Will Tick On After France Pops Bubble - Bloomberg
gefunden über:
Mish's Global Economic Trend Analysis Financial Discussion Blog: Sunday Funnies 2011-01-23 Student Loans; Solar Energy Madness in Europe

Vor ein paar Tagen wurden auch Spekulationen über eine neue, gemeinsame Förderung der regenerativen Energien in Europa bekannt. Dass das gerade von den Energiekonzernen begrüßt wurde, muss einen Fan von regenerativen Energien natürlich gleich skeptisch werden lassen. Auch wenn ich gleich gedacht habe, dass doch eigentlich eine gute Idee sein könnte. Aber es ist halt nur ein "könnte". Der Blick nach Frankreich zeigt schon, dass man die ganze Konstruktion noch dämlicher machen kann als Deutschland.

Dabei ist das Potenzial, das in einer koordinierten Politik liegen könnte, gigantisch, wenn sich jedes Land auf seine Stärken besinnt und man nur die entsprechenden Maßnahmen fördert, die den größten Nutzen versprechen.

Fotovoltaik macht in Deutschland im Vergleich zur Mittelmeerregion einfach keinen Sinn. Nach Zahlen von Sonnenertrag ist in den Mittelmeerländern mindestens 70% mehr Ertrag zu erwarten, womit im Umkehrschluss die Förderung 40% niedriger liegen könnte. Wenn bei einer EEG-Vergütung in Deutschland von 22 Cent ab Januar 2012 noch jemand profitabel Anlagen auf's Dach setzen kann, würde das in Griechenland, Spanien oder Portugal bereits bei 14 Cent je KWh gehen.

In Deutschland hingegen sollte man sich um Wärmedämmung, um effiziente Heizungen, um intelligente Verkehrskonzepte, Biomasse, etc. pp. kümmern. Hier kann man mit geringerem Geldeinsatz mehr erreichen. Und ebenso viele Arbeitsplätze in Deutschland schaffen.

Und wenn man die Idee mal weiter spinnt, könnte man daraus auch einen Marshallplan für Südeuropa machen. Wir stellen die Solaranlagen weiterhin her, nur installieren wir die in den Regionen Europas, in denen auch die Sonne scheint. Die können ja Arbeitsplätze - und dazu noch welche in der Baubranche - ja wahrlich brauchen ...

Wobei das "wir" ist ja eh nur noch eine Propaganda-Lüge der Solarlobby. Auf den ersten 10 Plätzen der wachstumstärksten Hersteller von Fotovoltaikzellen finden wir nämlich 7 aus China, einen aus Taiwan, einen aus Kanada und einen einzigen aus Europa und der kommt mit Norwegen nicht einmal aus dem Solarland Nummer 1...


1LDK SolarChina1420
2RECNorway1090
3Suntech PowerChina1025
4JA Solar
China
1000
5Yingli Green EnergyChina800
6Tianwei New EnergyChina800
7Canadian SolarCanada760
8Trina Solar EnergyChina700
9Jinko SolarChina700
10MotechTaiwan680

(Quelle)

Wobei damit nicht einmal mehr die Überschrift stimmt, aber die richtige (EEG: SUBVENTIONEN FÜR CHINA) hatte ich ja schonmal vor fast 3 Jahren ... Der mish lacht trotzdem ... Oder schüttelt den Kopf ...

Update (24.01.11):

Heute kommen ein paar mehr Details zu den Vereinheitlichungsplänen der europäischen Förderung der regenerativen Energien in der FTD. Also OK, keine konkreten Pläne, sondern nur die Erkenntnis, dass das alles total unkoordiniert ist und ein erhebliches Sparpotenzial in einer Angleichung der unterschiedlichen Förderungen steckt (habe ich ja auch schon geschrieben).

Die EU schätzt die europaweite Gesamtsumme für die Förderung der regenerativen Energien übrigens auf

35.000.000.000 (35 Milliarden) Euro

pro Jahr. Kann ich hier als Wert mal einloggen ...

Potenzial für Ökostrom: EU verlangt einheitliche Energiepolitik | FTD.de

US Bankpleiten Nummer vier, fünf, sechs und sieben ...

So Zahl des Tages ... Direkt vier an an einem Wochenende, dabei auch mal wieder eine größere Bank mit Assets von gut 2 Milliarden Dollar.

US-Bankenpleite Nr. 325:

Name: Enterprise Banking Company
Sitz: McDonough, Georgia
Assets: 101 Millionen Dollar
Käufer: Niemand. Die FDIC übernimmt die Kontrolle und wickelt die Bank ab.
Schaden für die FDIC: noch unbekannt

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 4 (rot)

FDIC: FDIC Creates the Deposit Insurance National Bank of McDonough to Protect Insured Depositors of Enterprise Banking Company, McDonough, Georgia

US-Bankenpleite Nr. 326:

Name: CommunitySouth Bank and Trust
Sitz: Easley, South Carolina
Assets: 441 Millionen Dollar
Käufer: CertusBank, National Association, Easley, South Carolina
Schaden für die FDIC: 46 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 110 (rot)

FDIC: CertusBank, National Association, Easley, South Carolina, Assumes All of the Deposits of CommunitySouth Bank and Trust, Easley, South Carolina

US-Bankenpleite Nr. 327:

Name: Bank of Asheville
Sitz: Asheville, North Carolina
Assets: 195 Millionen Dollar
Käufer: First Bank, Troy, North Carolina
Schaden für die FDIC: 65 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 50 (rot)

FDIC: First Bank, Troy, North Carolina, Assumes All of the Deposits of the Bank of Asheville, Asheville, North Carolina

US-Bankenpleite Nr. 328 (Nr. 7 dieses Jahr):

Name: United Western Bank
Sitz: Denver, Colorado
Assets: 2,05 Milliarden Dollar
Käufer: First-Citizens Bank & Trust Company, Raleigh, North Carolina
Schaden für die FDIC: 313 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: kein Treffer!

FDIC: First-Citizens Bank & Trust Company, Raleigh, North Carolina, Assumes All of the Deposits of United Western Bank, Denver, Colorado

Musik zum Wochenende: Peter, Bjorn and John - Breaker, Breaker

Ohne viele Worte: Schönes Wochenende!

Peter, Bjorn and John - Breaker, Breaker

Nummer drei ...

Nur dass niemand sagt, ich würde jetzt die unglaublich wichtigen US-Bankpleiten nicht mehr tracken, seit ich nicht mehr täglich eine Zahl des Tages mache ... Ich hatte nur einfach ein sehr volles Wochenende ...

US-Bankenpleite Nr. 324 (Nr. 3 dieses Jahr):

Name: Oglethorpe Bank
Sitz: Brunswick, Georgia
Assets: 231 Millionen Dollar
Käufer: Bank of the Ozarks, Little Rock, Arkansas
Schaden für die FDIC: 80 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 30 (rot)

FDIC: Bank of the Ozarks, Little Rock, Arkansas, Assumes All of the Deposits of Oglethorpe Bank, Brunswick, Georgia

Die Rezession in den USA in einer Grafik

Heute suche mal nicht ich die Zahl des Tages aus, sondern ihr. Es stehen genug zur Auswahl:


gefunden über

The Atlantic: How the Recession Changed Us über Recession Recovery by the Numbers | The Big Picture

Was ist Euer Favorit? (ich habe schon einen ...)

Verkauf von US-Bestandsimmobilien 12/10: +12,3%

Man sollte den Zuwachs von 12,3% auf 5,28 Millionen verkaufter Immobilien im Dezember in den USA nicht überbewerten. Die monatlichen Zahlen schwanken immer recht stark. Allein der Vergleich mit dem Vorjahr, der ein Minus von 2,3% ergibt, dürfte die Stimmung schon etwas dämpfen.

Allerdings geht es positiv weiter. Denn der Lagerbestand entwickelte sich auch in die richtige Richtung und sank um 4,2% gegenüber dem Vormonat. Damit hat sich der wichtigste Indikator, der Lagerbestand in Monaten deutlich verbessert. Von 9,5 Monaten im November sank der Wert im Dezember auf

8,1 Monate.

Leider ist dieser wichtigste Indikator gerade im Sommer und im Winter ziemlich verfälscht, weil die Anzahl der verkauften Immobilien saisonal bereinigt wird (im schwachen Winter nach oben, im starken Sommer nach unten). Der Lagerbestand hingegen wird nicht bereinigt. Daher sinkt der Lagerbestand in Monaten im Winter stärker als er eigentlich sinken würde. Dieser Effekt ist doof, aber man kann nichts daran ändern, wenn die eine Zahl saisonbereinigt wird und die andere nicht.

Was hilft ist der Vergleich mit dem Vorjahr. Und im Dezember 2009 lag der Lagerbestand in Monaten bei 7,2 Monaten (Calculated Risk: Existing Home Sales decline Sharply in December).

Kurz: In den Schlagzeilen im Vergleich mit dem Vormonat drei tolle Zahlen, die beim Vergleich mit dem Vorjahr aber doch eher ernüchternd sind ...

NAR: December Existing-Home Sales

Calculated Risk: December Existing Home Sales: 5.28 million SAAR, 8.1 months of supply
Calculated Risk: Existing Home Inventory increases 8.4% Year-over-Year in December

Demnächst auch EEG-Umlage für Ökostrom-Käufer

Ein kleiner Hinweis auf die offizielle Bekanntgabe der Planung zur außerplanmäßigen Senkung der EEG-Vergütung von Solarstrom. Dieser Hinweis muss sein, weil meine erste Darstellung nicht korrekt war und noch ein wichtiges Detail dazugekommen ist.

Die Darstellung der FAZ war richtig und präzise und es handelt sich nicht wie ich geschrieben habe ausschließlich um eine vorgezogene Senkung, sondern um 9% (bis 12%) zusätzlich. Die Senkung im Sommer ist zwar vorgezogen (mit einer weiteren zusätzlichen Stufe von 15%), aber die 9% im Winter sind ebenfalls zusätzlich. Die 9% im Winter werden nur reduziert, wenn der Zubau im zweiten Halbjahr unter der Hochrechnung aus dem Sommer bleibt.

Beispiel 1: Es wird im Sommer von 7 GW zusätzlicher Leistung in 2011 ausgegangen. Es wird um 12% im Juli gekürzt. Bricht der Absatz dann im zweiten Halbjahr ein und es werden doch nur 5 GW im Gesamtjahr installiert, wird im Winter nicht um 9%, sondern nur um 3% gekürzt. Insgesamt würde dann um 15% gekürzt. Nach der alten Regelung wären es im Januar 6% gewesen.

Beispiel 2: Es wird im Sommer von 8 GW zusätzlicher Leistung ausgegangen. Es wird (neue Stufe!) um 15% gesenkt. Der Absatz im zweiten Halbjahr bleibt hoch und es werden 8 GW (oder mehr) erreicht. Dann wird um 9% zusätzlich gekürzt. Insgesamt also um 24 Prozent, nach der ursprünglichen Regelung wären es nur 12% gewesen.

Wichtiger aber: Auch Ökostromkäufer müssen demnächst EEG zahlen. Zwar 2 Cent weniger als der Normalstromkäufer, aber das ist in meinen Quellen bis zur offiziellen Pressemitteilung noch nicht aufgetaucht. Ich muss jetzt also zusätzlich zum teuren Ökostrom noch eine Umlage für anderen Ökostrom zahlen.

Bitte im Originalartikel diskutieren, wo ich die beiden Sachen oben als Update nachgeschoben habe ...
EEG FÜR PHOTOVOLTAIK IM SOMMER ERNEUT AUSSERPLANMÄSSIG RUNT

Heute Abend nochmal Maschmeyer bei Panorama (21:45 ARD)

Als kleines Update zu meinem TV-Hinweis der letzten Woche (siehe TV TIPP: ARD DOKU ZU MASCHMEYER / AWD) der Hinweis auf eine "Fortsetzung" der Dokumentation heute Abend im Rahmen der normalen Panorama-Sendung in der ARD. Es kommt scheinbar nur das Thema Maschmeyer (bzw. AWD) und seine Verbindungen zu Schröder, Riester, Rürup, Wulff und Co.; ganz klar wird das aus der Vorschau aber nicht:

NDR: Carsten Maschmeyer: Die Unschuld vom Maschsee

Die Dokumentation in der letzten Woche hatte ein riesiges Medienecho und mit 3,8 Millionen Zuschauern eine (für Dokumentationen) sehr gute Einschaltquote. Da bleibt die ARD wohl gerne dran am Thema ... Was mich ein wenig wundert, denn die erste Maschmeyer-Doku im letzten Herbst, die im Wesentlichen das gleiche Thema hatte, ging ziemlich unter. Ich habe die leider nicht gesehen, weil mein Rekorder nur 30 Minuten "Schwarz" aufgezeichnet hat (warum auch immer). Also wenn jemand einen Mitschnitt haben sollte, ich hätte Interesse ....

Übrigens: Auf die Frage auf der NDR Website "AWD-Gründer Carsten Maschmeyer sagt, er sei mit Politikern wie Wulff, Schröder etc. nur privat befreundet und habe keine geschäftlichen Vorteile. Glauben Sie ihm?" antworten (welch Überraschung!) 90,5% mit "Nein" ...

Zur Umfrage

Update (16:13):

Panorama kommt natürlich um 21(!):45, nicht um 20:45 ... Und es kommen noch andere Themen dran: Themenliste.

Die erste NDR-Doku gibt's übrigens online in der inoffiziellen Mediathek von YouTube. Danke für den Hinweis.

Teil1 und Teil2 

Update 2 (17:23):

Die ARD-Doku von letzter Woche gibt es auch (zumindest im Moment) in der inoffiziellen Mediathek ...

AWD, Maschmeyer und die Machenschaften der Politik - Der Drückerkönig und die Politik

Produktempfehlung: Microplane Reiben (inkl. Bezugsquelle in den USA)

Ein ganz interessanter Bericht über die Firma, die die sensationell scharfen Microplane-Reiben herstellt, die ich mir zu Weihnachten selber geschenkt habe. Schon ganz cool, dass die die Reiben eigentlich für Schreiner und Tischler entwickelt haben, aber dann einfach von den Leuten, die von den unscharfen Küchenreiben frustriert waren, in der Küche leicht zweckentfremdet verwendet wurden.

Die Dinger sind wirklich unglaublich scharf. So scharf, dass die Firma sogar Schutzhandschuhe verkauft ...

Microplane Tools at Home in the Kitchen - NYTimes.com

Wer an den Reiben interessiert ist:

a) Die Professionell Serie kaufen, da ist alles Edelstahl und kein Kunststoff dabei, der nach ein paar Jahren spröde wird und bricht.
b) Die "Mühle" wird überall verrissen (danach hatte ich ursprünglich gesucht).
c) Wer mehr als zwei Reiben kauft, sollte sich den Kauf in den USA überlegen, wo die Reiben wesentlich günstiger sind (20 Dollar vs. 30 Euro). Selbst mit Porto und Zoll lohnt das. Und oft kommen solche Sachen ja auch ohne Zoll ins Land ...

Ich habe bei folgendem Händler bestellt, der der einzige ist (bzw. den ich finden konnte), der bei vertretbarem Porto nach Deutschland verschickt. Ab drei Reiben gab es bei mir einen Halter (10 Dollar) noch kostenlos dazu.

Meine Bezugsquelle: Amazon Store J&M Microplane

(das empfehle ich sogar ohne Provision, die bekomme ich bei Amazon.com nämlich nicht ...)

Was mir noch fehlt, wäre eine richtige Standreibe (also sowas: Zyliss E11368 Aluminium Trommelreibe Set mit 4 Trommeln) mit Trommeln, die so scharf sind wie die Reiben von Microplane ...

And now back to the Wirtschaft ;-)

China: BIP Q04-10: +9,8%

Das war etwas mehr als erwartet und etwas deutlicher mehr als die chinesischen Behörden (angeblich) anstreben. Um eine Wirtschaftsüberhitzung und zu hohe Inflation zu vermeiden, wird dem Vernehmen nach ein Wachstum von etwa 7,5% bis 8,5% angepeilt.

Das hat die chinesische Wirtschaft aber (wieder einmal) deutlich übertroffen. Im ersten Quartal 2010 ging es 11,9% nach oben, im zweiten um 10,3%, im dritten um 9,6% und jetzt um 9,8%. Insgesamt lag das Wachstum 2010 bei 10,3%, was über den 9,2% von 2009 liegt.

Die mehrfachen Erhöhungen der Leitzinsen und der Mindestreserve, die die Banken bei der Zentralbank hinterlegen müssen, haben das Wirtschaftswachstum also noch nicht richtig gebremst. Selbst auf der Ebene vorher, also der Geldmenge, wirken sich die Bremsmanöver noch nicht wirklich aus. Die Geldmenge M2 ist im Jahresvergleich um 19,7% gestiegen. Das ist zwar ein deutlicher Rückgang gegenüber 2009 (+27,7%), aber immer noch deutlich mehr als nach der Daumenregel Wachstum+Inflation richtig wäre. Die Banken vergeben immer noch Kredite en masse.

Daneben meldete die Statistikbehörde einen Verbraucherpreisanstieg gegenüber dem Vorjahresmonat von 4,6% für den Dezember 2010, was ein leichter Rückgang gegenüber dem November (+5,1%) ist. Im Vergleich zum November betrug das Plus 0,5%. Im Durchschnitt das Gesamtjahrs 2010 betrug die Inflation 3,3%. Das Plus von 4,6% dürfte deutlich mehr sein als den chinesischen Behörden genehm sein dürfte.

Für die Arbeiter ist der Wirtschaftsboom natürlich toll: Die Lohnsumme ist um knapp 18% (!) gestiegen. Ein Teil davon wird auf neue besser bezahlte Arbeitsplätze in der Industrie zurückgehen, ein Teil auf Lohnerhöhungen. In der Folge konnten die Konsumausgaben um fast 15% gesteigert werden.

Das ist eine wichtige Änderung, weil die Chinesen zu viel sparen und zu wenig konsumieren. Mit einem steigenden Konsum sollte ind er Theorie die Abhängigkeit Chinas vom Export sinken und die Handelsbilanz wieder ins Lot kommen. Dafür sind auch ersten Anzeichen zu erkennen: Der Handelsbilanzüberschuss Chinas ist 2010 um 6,4% auf 183 Mrd. Dollar gefallen, weil die Importe um 38,7%, die Exporte hingegen "nur" um 31,3% anzogen.

Die Chinesen sollten meiner Meinung nach ihre Währung ruhig etwas kräftiger aufwerten. Das bringt die Handelsbilanz ein wenig mehr in die richtige Richtung und es dämpft die Inflation. Und es beruhigt die USA.

Noch mehr Zahlen direkt von der Quelle (die Chinesen hauen mit den monatlichen BIP-Zahlen eine Unmenge von Einzelzahlen auf einen Schlag raus, die alle für sich genommen schon wichtig wären (Verbraucherpreise, Geldmenge, ...)):

Stats.gov.cn: National Economy Showed Good Momentum of Development in 2010

Immobilienpreise Irland 2010: -10,8%

Die Immobilienpreise sind immer noch den genaueren Blick wert, den ich schon länger darauf werfe. Vor allem in den kriselnden Ländern, die fast alle (mit der Ausnahme Griechenland) vor allem durch geplatzte Immobilienblasen in den Abwärtsstrudel gerieten.

Leider ist mir nur aus den USA ein wirklich guter Immobilienpreisindex bekannt: der Case-Shiller-Index (Basis für die Immowette). Dieser wird mit einer besonderen Methodik berechnet, bei der die Preisentwicklung von vielen Immobilien gesondert beobachtet wird. Es werden also für das gleiche (oder vergleichbare) Immobilien alle Transaktionen in einen Topf geworfen und daraus die Preisentwicklung - nur für diesen Topf- abgeleitet. Aus diesen einzelnen Preisentwicklungen wird dann zurück auf die Preisentwicklung des gesamten Immobilienbestands geschlossen.
Diese Berechnung hat den großen Vorteil, dass Verschiebungen auf dem Markt den Index nicht verfälschen. Zum Beispiel gab es in den USA eine Steuergutschrift von 8.000 Dollar für Erstkäufer. Diese wirkte natürlich bei preiswerten Immobilien besonders stark. Die Verkäufe von kleinen, einfachen Häusern explodierten. Dadurch sank dann auch der durchschnittliche Immobilienpreis, aber nicht unbedingt weil die Preise allgemein sanken, sondern weil der Anteil der 50- oder 80-Tausend Dollar Hütten massiv anstiegt. Das spiegelt den Markt aber nicht korrekt wider, denn die Zusammensetzung des Immobilienbestands hat sich ja nicht (bzw. kaum) verändert.
Kurz gesagt: Der Case-Shiller-Index bildet viele Töpfe, berechnet dafür die Preisentwicklung und berechnet dann mit der passenden Gewichtung für den Gesamtbestand die Preisentwicklung. Die anderen Indizes werfen hingegen alle Transaktionen in einen Topf und errechnen den Durchschnittspreis. Das ist natürlich viel einfacher, aber eben auch anfällig für Verfälschungen.

Allerdings muss man auch sagen, dass man für eine Berechnung wie beim Case-Shiller viele Transaktionen braucht, um die vielen einzelnen Töpfe sinnvoll statistisch bearbeiten zu können. Und die habe ich in einem Land, in dem die Bewohner durchschnittlich sieben Mal im Leben die Wohnung (in den USA gleichzusetzen mit einem Eigenheim) wechseln, während das in Ländern wie Deutschland (1 Leben = 1 Haus) naturgemäß schwieriger ist.
In Irland scheint die Datenlage durch den am Boden liegenden Immobilienmarkt so dünn zu sein, dass nicht einmal mehr ein einfacher Index monatlich errechnet werden kann. Der ESRI Index wird aktuell nur noch quartalsweise veröffentlicht.

Aber jetzt habe ich den Immobilienpreis-Index aus Irland lange genug schlecht genug gemacht ... Immerhin gibt es in Irland einen. Dieser scheint mir zwar auch (wie z.b. der manchmal von mir gebrachte Nationwide-Index aus Großbritannien auch) ein "Ein-Topf-Index" zu sein, aber das ist noch besser als z.B. Spanien, wo ich überhaupt noch keinen brauchbaren Index gefunden habe (die offiziellen Zahlen sind schon auf den ersten Blick unbrauchbar bis gelogen).

Die neuesten Zahlen für das vierte Quartal 2010 gab es gestern. Danach gingen die Immobilienpreise in Irland um 3,5% nach unten. Für das Gesamtjahr 2010 stieg das Minus damit auf -10,8% (-18,5% 2009). Vielleicht am spannendsten: Der Gesamtrückgang seit dem Hoch 2006 beträgt jetzt


38%.

Positiv stimmt, dass eine leichte Abschwächung des Abwärtstrends durchaus sichtbar ist. Vor allem im Großraum Dublin, wo das Gesamtminus 2010 sogar bei über 15% lag, ist das Minus von nur 0,6% im vierten Quartal möglicherweise als erster Silberstreif am Horizont zu werten.

Aber bei 38% Preisrückgang ist nicht schwierig zu erraten, dass jede Menge Hypotheken höher sein werden als der aktuelle Wert der Immobilie (sogenannte Under-Water-Hypotheken) und dass allein dadurch eine Menge Zwangsversteigerungen folgen werden. Und da muss ich an die explodierende Arbeitslosigkeit erst gar nicht denken.

Auch für die langfristige Nachfrage sieht es nicht gut aus. Die zunehmende Auswanderung (siehe Irland war schon immer Auswanderungsland) ist zwar auf der einen Seite gut für die irischen Sozialkassen, die nicht lange durch all die Arbeitslosen belastet werden, aber auf der anderen Seite schlecht für die Nachfrageseite des Immobilienmarkts. Jeder ausgewanderte Ire hinterlässt eine leere Wohnung oder ein leeres Haus in Irland ...

Permanent TSB/ESRI House Price Index – Quarter 4 2010 figures

7,3 Millionen iPads im 4. Quartal 2010!

Ich hätte meine iPad Wette in einem einzigen Quartal gewonnen und das sogar sonnenklar. Unglaublich!
Anders gesagt: im 4. Quartal wurden mehr iPads verkauft als am Start selbst der optimistischste Analyst für das ganze Jahr vorhergesagt hat ... Sowohl zur Qualität der Analysten ...

Ansonsten war das ein Blow-Off- Quartal. Es war wieder einmal alles besser als erwartet.
Gewinn 6 Milliarden Dollar (6,43$ je Aktie, Erwartung: 5,42$), 75% mehr als im 4. Quartal 2009.
Umsatz 26,7 Milliarden Dollar, +70%.
Marge 38,5% (erwartet 38%).

Auch die Prognose für das 1. Quartal 2011 war besser als die Erwartungen der Analysten. Und Apple ist eigentlich eher als konservativ bekannt.

Die Aktie von Apple legte nachbörslich gut 4% zu. Der Steve-Schock von gestern ist damit erstmal ausgebügelt.

Apple beats targets on iPhone, iPad sales - MarketWatch

Update (19.01.11):

Ach so: Jetzt 60 Mrd. Dollar Cash ...

EEG für Photovoltaik im Sommer erneut außerplanmäßig runter

Jetzt rächt sich langsam, dass die Politik viel zu lange gezögert hat, als 2008 und 2009 Dachflächenbesitzer mit Fotovoltaikanlagen geradezu unverschämte Renditen einfahren konnten. Die Solarschulden türmten sich immer höher (auch wenn die Berechnungen (inkl. meiner) durchaus umstritten sind). Die Summe ist aber nicht das Hauptproblem, weil die Umstellung der Energieerzeugung sowieso teuer werden wird. Die Frage ist, was man dafür bekommt ...

Und das war im Fall der Fotovoltaik ziemlich wenig. Für gerade mal 2% der Stromerzeugung in Deutschland mussten bereits (ganz grob) 100 Milliarden Euro angefasst werden (bzw. werden über die nächsten 20 Jahre fällig). Im Ergebnis werden für die Solarenergie 50% der EEG-Gelder fällig, es entstehen aber nur etwa 20% des regenerativen Stroms dadurch. Windenergie ist also wesentlich effizienter.

Die Fotovoltaik in Deutschland wurde zu früh zu stark (ohne Deckel) und lange Zeit auch zu hoch ( ohne dynamische Anpassung) gefördert.

Und es wurde richtig dämlich angepasst. Immerhin ist man - nach dem extrem peinlichen, sich über Monate hinziehenden Geschachere über die Senkung 2010 - dieses Jahr etwas schlauer.

Dem Vernehmen nach haben sich die Bundesverband der SolarWirtschaft (BSW) und das Bundesumweltministerium bei ihrem heutigen Treffen auf eine vorgezogene Anpassung geeinigt. Ursprünglich sollte die Förderung Anfang 2012 abhängig von der neu installierten Leistung gesenkt werden:

Bis 3,5 Gigawatt um 0%, ab 3,5 GW um 3%, ab 4,5 GW um 6%,  ab 5,5 GW um 9%, ab 6,5 GW 12% und ab 7,5 GW um

15%.

Das passiert jetzt schon zum 1. Juli. Errechnet wird die zusätzliche Leistung aus den Monaten März bis Mai und dann auf's Gesamtjahr hochgerechnet.

Was jetzt auf den ersten Blick wie eine drastische Kürzung aussieht, ist am Ende ausschließlich  eine vorgezogene Senkung. Die Senkung im Sommer wird nämlich mit der turnusmäßigen Senkung im Januar 2012 verrechnet. Geht die Prognose von z.B. 6 GW aus der Hochrechnung von März von Mai auch für das Gesamtjahr auf, wird im Januar 2012 nicht zusätzlich gekürzt.

(Update: Es wird doch zusätzlich gekürzt! s.u.)

Der Vorschlag kommt übrigens vom BSW selber ... Die Jungs haben also wirklich Angst, dass ihnen ansonsten die Kürzung noch stärker gestrichen wird.

Kampf gegen hohe Strompreise: Schrumpfkur für die Solarbranche | FTD.de
Weniger Förderung: Solarlobby und Ministerium einigen sich auf Kompromiss - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Warum man den Prozess der Kürzung nicht automatisiert, ist mir weiterhin schleierhaft. Siehe dazu meinen Vorschlag: VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN.

Eine Deckelung auf 3 Gigawatt, wie sie einige fordern, wäre auf jeden Fall eine ziemlich dämliche Lösung. Die Förderung ab einer bestimmten Menge komplett einzustellen, dürfte zu kaum verkraftbaren Auslastungsschwankungen in der Industrie sorgen. Das Ziel, die Preise für regenerative Energien so schnell wie möglich zu senken, dürfte damit wohl kaum erreicht werden ...

Mehr zum Thema: Suche nach Solarenergie

Update (19.01.11):

Die FAZ meldet eine außerordentliche Kürzung im Sommer wie oben beschrieben, der eine nochmalige Kürzung um weitere 9% im Winter folgen soll. Das habe ich im Spiegel-Bericht anders verstanden.

Warten wir ab, morgen gibt es die Pressekonferenz.

Förderung: Solarindustrie einigt sich mit Bund auf Kürzung - Wirtschaftspolitik - Wirtschaft - FAZ.NET

Update 2 (20.01.11):

Die Darstellung der FAZ war richtig. Es wird im Sommer so gekürzt wie es eigentlich im Winter geplant war (bis auf die dazugekommene, höchste Stufe war das alte Regelung) und im Winter folgt eine weitere Absenkung um 9%, wenn die Prognose vom Sommer aufgeht. Die Vergütung kann also insgesamt um maximal 24% gesenkt werden. Sollte der Zubau im zweiten Halbjahr sinken und unter eine der oben genannten Stufen sinken, wird die Kürzung im Winter geringer ausfallen (es bleibt aber trotzdem bei 9% zusätzlicher Kürzung).

Sollte die aktuelle Ausbaugeschwindigkeit beibehalten werden (letztes Jahr geschätzt 7,9 GW), würde der Preis selbst für die kleinsten (sprich am höchsten geförderten) Anlagen niedriger vergütet als überÄs Netzt eingekaufter Strom (In Zahlen: Vergütung sinkt von 29,5 auf 22,4 Cent je KWh).

WICHTIGES DETAIL:

Auch Kunden von Ökostrom müssen demnächst die Umlage zahlen. Bisher gab es das sogenannte Grünstrom-Privileg, dass die Stromanbieter, die mehr als die Hälfte ihres Stroms aus regenerativen Quellen beziehen, von der Zahlung der EEG-Umlage befreit. Jetzt wird diese Befreiung auf 2 Cent je KWh gekappt. Ab Juli müssen die Kunden von Ökostrom ebenfalls EEG zahlen und zwar 1,53 Cent je KWh (3,53-2 Cent).

Das werden die Kunden (also z.B. ich) wenig toll finden. Auf den eh schon teureren Ökostrom muss also nochmal Ökostromabgabe bezahlt werden. Am Ende zeigt das nur, wie dämlich die aktuelle Förderung (vor allem die Solarstromüberforderung ist) ... Bin mal gespannt, ob Naturstrom (oder ein anderer Ökostrom-Anbieter) dagegen vorgeht ...

BWU: Eckpunkte für eine kurzfristige Änderung des EEG bei Photovoltaik und beim Grünstromprivileg zur Kostendämpfung

Griechenland (jetzt doch) vor Umschuldung ...

OK, man kann es noch als "Vorfühlen" werten. Die Diskussion, ob das überhaupt eine Umschuldung ist, muss man aber nicht führen.

Denn es geht um eine Streckung der Rückzahlung und das zählt (zumindest in den Welt) der Kreditausfallversicherungen (CDS) normalerweise als "Default", umgangssprachlich Staatspleite. Im Fall von Jamaika war es genau das gleiche. Jamaika plant auch eine Rückzahlung der Schulden. Nur halt später und mit niedrigeren Zinsen (siehe ERSTE STAATSPLEITE: JAMAIKA!).

Über diese Möglichkeit hat der stellvertretende Ministerpräsident Theodoros Pangalos gestern laut im Fernsehen nachgedacht. Andere Mitglieder der griechischen Regierung reagierten verwundert, allerdings kann man in politischen Kreisen durchaus davon ausgehen, dass solche Schritte bei vollem Bewusstsein gemacht. Fällt die Reaktion (in diesem Fall der Finanzmärkte oder aus Brüssel) zu heftig aus, dementiert man halt aus allen Rohren ... Bleibt die Reaktion verhalten, macht man weiter (siehe Juncker) ...

Die Rendite der griechischen Staatsanleihen reagiert heute kaum. Die Rendite der Zehnjährigen geht mäßig nach oben, die Rendite der zweijährigen sinkt sogar. Ganz im Gegensatz zu Irland: Dort steigen die Renditen kräftig: Die 10-jährigen um 43 Basispunkte auf 8,80%, die 2-jährigen um 51 Basispunkte auf 5,05%. Auch in Portugal geht um 25 Basispunkte auf 7,06% (10 Jahre) und 40 Basispunkte auf 4,44% (2 Jahre) nach oben. Die Rendite der spanischen Anleihen hingegen steigen nur leicht.

FAZ: Griechenland will Schulden erst später zurückzahlen

Ich schaue mal, ob ich noch weitere Infos zum Thema finde (aber erstmal gibt's Apfelpfannkuchen).

Update (22:15):

Inzwischen vollständig dementiert:

Boerse-go: U-Turn auf griechisch - ausstehende Schulden sollen nun doch pünktlich zurückgezahlt werden

Update 2 (19.01.11):

Laut einer ungenannten Quelle wird ein Ausfall der griechischen Staatsanleihen durchgespielt, meldet Reuters. Insbesondere werden die Auswirkungen auf die Bilanzen der deutschen Banken geprüft.

"Sie haben begonnen, das Undenkbare zu denken" wird die anonyme Quelle zitiert.

Es wird natürlich wieder alles dementiert. Ich glaube aber kein Wort davon, denn es wäre fahrlässig, wenn die Auswirkungen eines griechischen Zahlungsausfalls nicht durchgespielt würden. Man muss zumindest wissen, ob man diese Möglichkeit überhaupt hat.

Irland ist übrigens auch nicht außen vor (was auch nur logisch ist).

Zeit: Bundesregierung plant Umschuldung Griechenlands

UPDATE 1-Germany studies possible Greek restructuring -sources | Reuters

"Alternativlos" ist Unwort des Jahres

Gefällt mir viel besser als der Wutbürger als Wort des Jahres.

Alternativlos fällt in die Klasse der Denkbegrenzer, in die meine Top-Hass-Formulierung "Es kann nicht sein, dass" auch fällt. Alternativlos ist aber noch besser. Man versucht die Diskussion schon im Vorhinein so stark einzuschränken, dass man sich über das "Ob" erst gar keine Gedanken mehr machen soll, sondern nur noch über das "Wie".

Und wenn ich etwas hasse, ist es die einseitige Sicht auf Dinge. Wenn ich beim Nachdenken über Probleme nur eine Seite betrachte und noch schlimmer mit Begriffen wie "alternativlo"s die Betrachtung der anderen Seite schon im Vorfeld ausschließe.

Ob man die Banken rettet, ob man den Euro (bzw. die Problemstaaten) rettet, ist damit keine Frage mehr. Es MUSS passieren. Warum auch immer. Was kompletter Quark ist. Natürlich kann ein Land umschulden, ohne die Währung dabei in den Abgrund zu reissen. Im Dollarraum ist das bereits x-fach passiert.

Genauso könnten Griechenland oder Irland ihre Staatsschulden halbieren, ohne dass deswegen der Euro vor die Hunde geht. Im Gegenteil: Eine kontrollierte Pleite könnte den Euro sogar stärken, weil damit eines der größten Probleme in der Eurozone gelöst würde:

a) Risiko würde wieder kosten.
b) Länder müssten in diesem Wissen nachhaltig sparen.
c) Die Eurozone wäre danach insgesamt stabiler, weil die Unruheherde bereinigt wären.

Aber na ja, was denke ich darüber nach, diese Alternative gibt es ja gar nicht ...

Mehr als 1000 Vorschläge: „Alternativlos“ ist Unwort des Jahres - Hintergründe - Wirtschaft - FAZ.NET

Update (12:42):

Bester Tweet zum Thema:
Das Unwort des Jahres 2010 ist "alternativlos". Die Jury sah keine andere Möglichkeit...
Update 2 (16:19):

Schandmännchen meint dazu:
"Ständig rummaulen, in Wirtschaft und Politik würden zu viele Fremdwörter verwendet – aber wenn die Kanzlerin “Basta” ins Deutsche übersetzt, ist auch wieder verkehrt."
http://www.schandmaennchen.de/?p=5340

Update 3 (22:22):

Auch die FAZ findet die Wahl von "alternativlos" gut:


„Alternativlos“: Merkels Verdrusswort - Der Kommentar - Wirtschaft - FAZ.NET

Spanien vor großer Rettungsaktion für die Sparkassen

Das Thema Spanien war eines der Postings, das ich eigentlich am Wochenende fertigstellen wollte. OK, in diesem Fall war es nicht ganz so schlimm, dass ich nicht fertig geworden bin, denn heute kommt eine ganz spannende Nachricht dazu ...

Es geht um die Probleme im spanischen Bankensektor, genauer bei den Sparkassen (Cajas). Hier bin ich ja schon längere Zeit der Meinung, dass die Spanier jede erdenkliche Methode nutzen, um die gravierenden Probleme unter den Teppich zu kehren.

Ich hatte auf die kreativen Methoden der spanischen Banken bei drohender Zahlungsunfähigkeit von Immobilienbesitzern ja schon hingewiesen. Sobald die Zahlungsunfähigkeit droht, bietet die Bank "Dación en pago" an. Damit versucht die Bank, die Immobilie zurück in die eigenen Bücher zu nehmen, um sie häufig anschließend direkt wieder an den ehemaligen Besitzer zurückzuvermieten. Für die Bank ist es wichtig, dass a) die Hypothek damit abgelöst ist und damit keine überfälligen Hypotheken in den Büchern stehen und b) keine neue Bewertung der Immobilie erfolgt, denn dann wären (in so ziemlich allen Fällen) Abschreibungen fällig (siehe SPANIEN - GENAUSO WAHNSINNIG WIE DIE USA?).

Bisher haben sich die spanischen Banken angesichts der tiefen Probleme am Immobilienmarkt un der Hypotheken von knapp 1,1 Billionen Euro vergleichsweise gut gehalten und selbst negative Prognosen haben den bereits geschnürten spanischen Rettungstopf FROB bisher für ausreichend gehalten (siehe ZAHL DES TAGES (13.07.10): 88.331.000.000). (Der EU-Bankenstresstest meldete eh nur einen lächerlichen Kapitalbedarf von 2(?) Milliarden Euro für die spanischen Banken, aber der Test war auch lächerlich).

Das liegt (genauer lag) womöglich auch an einer Besonderheit der spanischen Bankenbilanzierung. In Spanien mussten überfällige Hypotheken nämlich nicht sofort abgeschrieben werden, sondern erst mit einer großen zeitlichen Verzögerung. Bei Hypotheken, die 90 Tage überfällig sind, muss in Deutschland (und vielen anderen Ländern) bereits Vorsorge getroffen werden. In Spanien jedoch nicht. Dort wurde selbst auf Hypotheken, die bereits drei Jahre (!) überfällig sind, nur eine Wertkorrektur von 2% vorgenommen. Erst danach stieg die Abschreibung deutlich an und erreichte nach 6 Jahren 100% (siehe ZAHL DES TAGES (01.06.10): 2% ).

Diese ziemlich bescheuerte, weil viel zu großzügige Regelung wurde dann auch im Sommer geändert und seitdem steigen die Ausfallraten auch deutlich an. Ganz extrem zum Beispiel bei der letzten Meldung einer übernommenen Sparkasse, die in nur einem Quartal einen Anstieg der Ausfallraten von 11 auf über 15% meldete.

Jetzt ist es natürlich schwer zu sagen, was da wirklich hinter steckt. Ein Teil des Anstiegs wird wohl auf die sich immer noch verschlechternde Lage am Immobilien- und Arbeitsmarkt zurückgehen. Außerdem werden Übernahmen immer gerne benutzt, um Leichen aus dem Keller zu holen. Damit kann der Vorstand zukünftige Probleme immer auf die "unter politischem Druck" übernommene Bank abschieben. Und nicht zuletzt werden die geänderten Abschreibungsregeln ihren Teil beigetragen haben.

HSBC Trinkaus: Der Markt Heute (15.12.2010)

Aber als wäre das alles noch nicht schlimm genug, gibt es auch einige Zweifel an den Zahlen, die die spanischen Banken der Zentralbank melden. Denn interessanterweise meldet die spanische Zentralbank eine durchschnittliche Ausfallrate, die höher ist als es der Durchschnitt der Zahlen, die die Banken selber melden, anzeigt. Die großen Banken melden allesamt Ausfallraten unterhalb des Durchschnitts, den die spanische Zentralbank ausweist. Was mathematisch natürlich unmöglich ist und so einige Zweifel an der Richtigkeit der Daten aufkommen lässt. Leider finde ich den Artikel mit der entsprechenden Grafik nicht wieder (obwohl ich das ziemlich auch bei Trinkaus gesehen habe und eigentlich weiss, wo ich suchen muss).

Inzwischen führen die ganzen Unsicherheiten rund um die spanischen Banken dazu, dass diese am freien Kapitalmarkt defakto kein neues Geld mehr bekommen. Ich habe das bereits einige Mal thematisiert (z.B. hier: EURORETTUNGSTOPF FÜR SPANISCHE BANKEN) und nun scheint der Druck so groß zu werden, dass sich die spanische Regierung entschlossen hat, die Banken neu zu finanzieren. Damit möchte sie die Zweifel der Finanzmärkte "endgültig" zerstreuen.

Dabei geht es nach Ansicht von Analysten um 20 bis 120 Mrd. Euro, die nach den bisherigen Plänen eigentlich von privaten Investoren kommen sollte. Nun springt der spanische Staat ein und spanischen Medien zufolge sollen 30 bis 80 Milliarden Euro in die Cajas gesteckt werden. Das wären etwa 3 bis 8% des spanischen BIPs, die Staatsverschuldung würde also entsprechend stark steigen.

Dieses Vorgehen ist natürlich nicht ganz unkritisch. Bisher haben vergleichbare große Refinanzierungsaktionen gemischten Erfolg gehabt. In Irland ist die Nummer ziemlich schief gelaufen, in Deutschland geht es der Commerzbank hingegen vergleichsweise gut. Der Unterschied erklärt sich zum großen Teil wohl durch den Garantiegeber: Im Fall Irland vertraut auch niemand mehr der Solvenz des Staats. Und dann läuft die ganze Garantie ins Leere.

Etwas ähnliches könnte jetzt den Spaniern drohen. Müsste der Bankenstabilisierungsfonds FROB wirklich bis an den geplanten Rand (99 Mrd. Euro) gefüllt werden, reden wir immerhin über 10% des BIPs. Das ist natürlich wesentlich mehr als die Spanier bisher an Neuverschuldung eingeplant haben. Und ob die Spanier dann noch so vergleichsweise problemlos ihre Anleihen loswerden wie in der vergangenen Woche (Tagesschau: Spanien und Italien besorgen sich frisches Geld), kann man zumindest anzweifeln.

FTD: Madrid riskiert für Cajas seine Staatsfinanzen

(Und um den Teufel an die Wand zu malen: Bei 40% Wertverlust der Immobilien und Hypotheken im Gesamtwert von 1,1 Billionen Euro lassen sich noch ganz andere Krisenszenarien zeichnen, in denen selbst die 99 Milliarden nicht ausreichen ...)

Update (18.01.11):

Noch ein Kommentar zum Thema aus der FTD nachgereicht:

Krise der Cajas: Spaniens kleineres Übel | FTD.de

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