Irland bleibt stabil konservativ

Zwar gab es der erwarteten erdrutschartigen Einbruch der Fianna Fail (ich muss über das "Fail" ja immer noch grinsen, auch wenn es im Gälischen nicht "scheitern" bedeutet wie im Englischen): Aus 78 Sitzen bei der Wahl 2007 wurden jetzt whl nur noch knapp 20. Die Grünen, der ehemalige Koalitionspartner, werden wohl sogar ohne Sitze im neuen Parlament bleiben (die hatten aber auch vorher nur zwei Sitze).

Der große Teil der Stimmen ging direkt an die zweite konservative Partei Irlands Fine Gael und daher werden von der Wahl keine größere Änderung in der Politik ausgehen. Vor allem in Hinblick auf die Haltung zu Europa und dem Rettungspaket.

Die von mir befürchtete Radikalisierung (in Ungarn gab es ja durchaus solche Tendenzen) blieb damit aus. Vielleicht ein gutes Zeichen, dass sich alte Demokratien tendenziell immer stabiler zeigen. Zwar gab es eine deutlich erstarkte (ultra)konservative Partei (von 4 auf 16 Sitze), nämlich die bisher eher auf Nordirland bekannte (und durchaus berüchtigte) Sinn Fein, aber diese wird wohl nicht in die Regierung kommen, da der bevorzugte Koalitionspartner von Fine Gael die ebenfalls verbesserte, eher linke Labour Party ist.

Natürlich wird die neue Regierung auf Verbesserungen beim EU-Rettungspaket pochen. Die aktuellen Zinsen wären nicht bezahlbar, damit habe man keine Chance, die Wende zu schaffen. Und die Pflöcke für die Verhandlungsposition werden auch schon eingeschlagen:
"Wir wollen 2016 das Land in der Welt sein, in dem man am besten Geschäft machen kann"
Damit gemeint ist natürlich die Weiterführung des extrem niedrigen Körperschaftssteuersatzes von 12,5%, der einer der wichtigsten Gründe war, warum viele internationale Firmen ihren europäischen Sitz in Irland haben (Apple, Dell, Google, Microsoft, ...). In Kombination mit einer Holding in den Niederlanden und einer weiteren Tochter in einem Steuerparadies in der Karibik ließen sich damit niedrigste Steuersätze erreichen (siehe Googles Steuerquote (ex-USA): 2,4%).

Und genau das will der Rest Europas nicht akzeptieren, immerhin entgehen den anderen europäischen Staaten so Steuereinnahmen in Milliardenhöhe.

An dieser Kante wird wohl die Kompromissfindung erfolgen: Irgendwie wird Europa Irland niedrigere Zinsen anbieten und Irland wird im Gegenzug die Unternehmenssteuern erhöhen müssen, nicht zuletzt, weil der irische Staatshaushalt ohne höhere Steuereinnahmen nicht finanzierbar sein wird.

Ergebnisse: Independent.ie: Elections

Eher Bericht: Spiegel: Konservative Opposition siegt bei Parlamentswahl


Eher Analyse:

Handelsblatt: Künftige Regierung will Rettungspaket neu verhandeln
mit reisserischem Titel: Spiegel: Kämpfer gegen die EU
Handelsblatt: Enda Kenny neuer Premierminister


US-Bankpleitenticker 26.02.2011

Gut, dass ich die Bankpleiten am letzten Wochenende geschludert habe ... Da muss sich die eine Pleite von diesem Wochenende nicht so einsam fühlen ;-)

Wochenende 19.02.2011:

US-Bankenpleite Nr. 339:

Name: Habersham Bank
Sitz: Clarkesville, Georgia
Assets: 388 Millionen Dollar
Käufer: SCBT National Association, Orangeburg, South Carolina
Schaden für die FDIC: 90 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Treffer! Platz 82 (rot)
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 14 (rot)

FDIC: SCBT National Association, Orangeburg, South Carolina, Assumes All of the Deposits of Habersham Bank, Clarkesville, Georgia


US-Bankenpleite Nr. 340:

Name: Citizens Bank of Effingham
Sitz: Springfield, Georgia
Assets: 214 Millionen Dollar
Käufer: HeritageBank of the South, Albany, Georgia
Schaden für die FDIC: 59 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 42 (rot)

FDIC: HeritageBank of the South, Albany, Georgia, Assumes All of the Deposits of Citizens Bank of Effingham, Springfield, Georgia


US-Bankenpleite Nr. 341:

Name: Charter Oak Bank
Sitz: Napa, California
Assets: 121 Millionen Dollar
Käufer: Bank of Marin, Novato, California
Schaden für die FDIC: 22 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 242 (rot)

FDIC: Bank of Marin, Novato, California, Assumes All of the Deposits of Charter Oak Bank, Napa, California


US-Bankenpleite Nr. 342:

Name: San Luis Trust Bank, FSB
Sitz: San Luis Obispo, California
Assets: 333 Millionen Dollar
Käufer: First California Bank, Westlake Village, California
Schaden für die FDIC: 96 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 221 (rot)

FDIC: Bank of Marin, Novato, California, Assumes All of the Deposits of Charter Oak Bank, Napa, California


Wochenende 26.02.2011:


US-Bankenpleite Nr. 343 (Nr. 23 dieses Jahr):


Name: Valley Community Bank
Sitz: St. Charles, Illinois
Assets: 124 Millionen Dollar
Käufer: First State Bank, Mendota, Illinois
Schaden für die FDIC: 23 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 38 (rot)

FDIC: First State Bank, Mendota, Illinois, Assumes All of the Deposits of Valley Community Bank, St. Charles, Illinois

Musik zum Wochenende: Wir sind Helden!

Aus aktuellem Anlass zitiere ich mich gerne und schiebe den eigentlich geplanten musikalischen Eintrag eine Woche nach hinten.

MUSIK ZUM DEKADENENDE: TEIL 3

Nicht nur ein toller Song, sondern auch eine (wenn ich 20 Jahre jünger wäre) Instant-Verlieb-Sängerin :-)
Und mit dem Herz am richtigen Platz.



Update (21:40):

Eine deutlich bessere Version gibt es hier:




Wir Sind Helden - Nur Ein Wort
Hochgeladen von Th3-Warlords. - Musikvideos, Sänger Interviews, Konzerte und mehr.

Danke an den Tippgeber!

Öl bald bei 220$ je Barrel?

Das könnte sich zumindest Nomura vorstellen und zwar in dem Fall, dass Algerien und Libyen die Produktion einstellen müssten. In Libyen sollen ja bereits 3/4 der Förderung ausgefallen sein.

Nomura leitet das aus einem sinkenden Puffer der OPEC ab, die in der Vergangenheit immer weniger in der Lage war, Nachfrageeinbrüche abzufedern. Früher haben die Saudis die Hähne aufgedreht und dann sanken die Preise wieder. Das Potenzial scheinen die Ölquellen in Saudi-Arabien nicht mehr zu haben. Nomura meint außerdem, dass für den Anstieg auf 220 $ je Barrel kein spekulatives Element nötig sein. Sollten die Hedgefonds noch auf den Zug aufspringen, könnten die Preise noch viel höher gehen.

FT Alphaville: Nomura’s $220-a-barrel crisis oil call

Aber auch langfristige Effekte wirken weiterhin. Es gibt zwar eine Menge Zweifler an der Peak Oil These, aber mir war die Diskussion darüber, ob bald der Höhepunkt der Förderung erreicht sei, Wurscht. Viel interessanter ist doch die Frage, ob die Förderung schnell genug erhöht werden kann, um die wachsende Nachfrage aus China und Indien stillen zu können. Und daran glaube ich nicht. Es ist kaum noch Produktionspuffer vorhanden und schnell kann man keine neue Quellen erschließen.



Was meint ihr?

USA: Verkauf von Bestandsimmobilien 01/11: +2,7% (Vm), +5,3% (Vj)

Nach dem kräftigen Plus im Dezember (das allerdings etwas nach unten korrigiert wurde) stiegen die Verkäufe von Bestandsimmobilien in den USA auch im Januar weiter. Nach dem erneuten Monatsplus von 2,7% liegt die Anzahl der Verkäufe auch mal wieder über dem Vorjahresmonat. Letzteres Plus von 5,3% ist besonders erfreulich, weil der Vergleich mit dem Vorjahresmonat nicht künstlich saisonbereinigt werden muss und man Monatswerte eh nicht zu wichtig nehmen sollte.

Positiv auch, dass die Anzahl der zum Verkauf stehenden Immobilien weiter um 5,1% sank. Das führte dazu, dass der wichtigste Indikator, der Lagerbestand in Monaten, kräftig von 8,1 im Dezember auf

7,6 Monate

gefallen ist.

Der übliche Disclaimer: Leider ist dieser wichtigste Indikator gerade im Sommer und im Winter ziemlich verfälscht, weil die Anzahl der verkauften Immobilien saisonal bereinigt wird (im schwachen Winter nach oben, im starken Sommer nach unten). Der Lagerbestand hingegen wird nicht bereinigt. Daher sinkt der Lagerbestand in Monaten im Winter stärker als er eigentlich sinken würde. Dieser Effekt ist doof, aber man kann nichts daran ändern, wenn die eine Zahl saisonbereinigt wird und die andere nicht.

Was hilft ist der Vergleich mit dem Vorjahr: Iim Januar 2010 lag der Lagerbestand in Monaten bei 7,8 Monaten (NAR: Existing-Home Sales Down in January but Higher than a Year Ago; Prices Steady). Die 7,6 Monate sind also nicht so dolle, der Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat ist bescheiden.

Aber ich will auch nicht zu viel meckern. Immerhin ist der Wert besser als im Vergleichsmonat des Vorjahres und das war im 2. Halbjahr 2010 kein einziges Mal so ...

Calculated Risk: January Existing Home Sales: 5.36 million SAAR, 7.6 months of supply

oder direkt von der Quelle:

NAR: January Existing-Home Sales

Case-Shiller-Index 12/2010: -1,0% (Vm), -2,4% (Vj)

Auch im Dezember sind die Immobilienpreise in den USA weiter gesunken. Das Minus von 1,0% lag im November 2010 ist auf dem gleichen Niveau wie im Vormonat. Damit steigt das Jahresminus auf minus 2,4% (1,6% im November).

Auch in der Breite bleibt der Index schwach. Gegenüber dem Vormonat lagen 19 der 20 Regionen des City-20-Index im Minus, gegenüber dem Vorjahr nun 18 (nach 17).

Die für meine Immowette entscheidende Zahl, das Gesamtminus seit dem Hoch im Sommer 2006, liegt (nicht-saisonbereinigt) bei

31,2%.

Bis zur 40%-Grenze, ab der ich die Wette verlieren würde, ist aber noch Luft. Selbst bis zum bisherigen Tief (April 2009) bleibt noch 2,3% Platz.

Die saisonbereinigten Werte sehen übrigens besser aus. Das Monatsminus liegt bei "nur" 0,4%, auch sind dann "nur" 13 Regionen im Minus.

Weil es die Zahlen für Dezember waren, gibt es auch die nur quartalsweise erhobenen Zahlen für die ganze USA. Danach sanken die Preise im vierten Quartal um 3,9% (etwas höher als die drei Monatswerte), das Jahresminus liegt bei 4,1% (und damit deutlich höher als im City 20 Index). In der Breite scheint der US-Häusermarkt also noch schwächer zu sein als der City 20 Index das monatlich ausweist.

National Home Prices Are Close to the 2009Q1 Trough According to the S&P/Case-Shiller Home Price Indices (PDF!)
Calculated Risk: Case-Shiller: National Home Prices Are Close to the 2009Q1 Trough

Die große Frage ist nun, ob das "nur" ein Rückfall auf die alten Tiefs wird oder ob es nochmal kräftig weiter nach unten geht ...

Dazu morgen mehr ...

Umfang QE2 EU-Edition: 77,1 Milliarden Euro

Zu den gut 60 Mrd. aus Quantitative Easing I in der Eurozone sind inzwischen weitere

77.100.000.000 (77,1 Milliarden) Euro

dazugekommen.

Bestand der erste Teil noch auf besicherten Anleihen (vor allem aus mit Hypotheken besicherten Papieren wie Pfandbriefen), kauft die EZB jetzt im Rahmen von Quantitative Easing II bekanntlich Staatsanleihen der Problemländer auf. Es dürfte sich vor allem um Staatsanleihen aus Griechenland und Irland handeln, aber auch über Portugal, Spanien und vielleicht sogar Belgien wird spekuliert.

Nichts Genaues weiss man aber nicht, die EZB gibt nur die Gesamtsumme bekannt und die Änderung zur Vorwoche. Der Anstieg lag übrigens bei 0,7 Mrd. Euro.

Bundesbank: KONSOLIDIERTER AUSWEIS DES EUROSYSTEMS ZUM 18. FEBRUAR 2011 (PDF!)

Bundesbank erklärt die 338 Milliarden Euro

Ich hatte mit etwas Verzögerung über die 338 Milliarden Euro gebloggt, die die EZB an die Eurozone verliehen hat. Verzögert, weil ich mir die Sache nicht erklären konnte und ich den dumpfen Verdacht ahtte, dass hier nur eine Position in der Bilanz der Bundesbank auftaucht, die in der permanent wachsenden Bilanz bei der EZB eh schon auftaucht: BUNDESBANK VERLEIHT 338 MILLIARDEN EURO IN DIE EUROZONE

Allerdings gab es auch eine Reihe anderer Erklärungen, u.a. dass die Bundesbank jetzt wirklich wieder eigenständig anfängt, Geld zu drucken und das ohne Legitimation an die Eurozone zu vermeiden. So die Idee von Prof. Sinn und der Wiwo, die ich zum Glück nur mit gewissen Vorbehalten weitergetragen habe ...

Heute hat die Bundesbank eine Pressemitteilung zum Thema herausgegeben. Und darin erklärt sie die erhöhten TARGET2 Zahlen. Und zwar wie folgt:

Vorab eine Klärung:  Die TARGET2-Positionen der Bundesbank stellen kein erhöhtes Risiko der Bundesbank da, a) weil die Positionen der Zentralbanken untereinander verrechnet werden und b) weil das Eurosystem immer nur als Ganzes haftet, unabhängig davon, welche Zentralbank einen Kredit vergeben hat.

Dann zur Frage, wie so hohe Forderungen entstanden sind:

1.) Vor Beginn der Finanzkrise hat die Bundesbank den deutschen Geschäftsbanken Geld zur Verfügung gestellt. Dieses Geld verliehen die Geschäftsbanken dann (überwiegend) im Euroraum weiter.
2.) Mit Beginn der Krise schwand das Vertrauen der Geschäftsbanken untereinander und der Interbankenmarkt brach komplett zusammen. Daraufhin übernahmen die Zentralbanken große Teile der Refinanzierungsaktionen der Geschäftsbanken.
3.) Das erfolgte scheinbar nicht sonderlich koordiniert und die (Noten-?)Banken liehen sich ziemlich wild untereinander Geld.
4.) Mit zurückkehrendem Vertrauen floss Geld zu den deutschen Geschäftsbanken zurück, die damit die Schulden bei der Bundesbank zurückführten. Das passierte im Ausland aber nicht und daher stehen die entsprechenden Posten heute immer noch in der Bilanz der Bundesbank.

Zumindest habe ich das so verstanden. Lest selbst:
Bundesbank: TARGET2-Salden der Bundesbank

Im Großen und Ganzen finde ich die Erklärung der Bundesbank logisch. Ich finde daran aber zwei Sachen etwas seltsam:

a) Warum hat die EZB diese Geschäfte nicht schon lange übernommen? Zeit wäre dafür doch inzwischen ausreichend vorhanden gewesen. Hat das vielleicht doch die Bilanz der EZB verkürzt, also das Ausmaß der ganzen Rettungsmaßnahmen verschleiert? (Auch wenn die EZB immer betont, dass gegen für die Geschäfte ja Sicherheiten hinterlegt werden müssen, also das quasi kein Risiko beeinhaltet).
b) Wieso leihen sich überhaupt Banken im Ausland Geld bei der Bundesbank? Sollten die nicht bei ihrer  Zentralbank bzw. der EZB fragen?

Beantworten kann ich das auch nicht. Ich habe vom föderativen Eurosystem und der Geldvergabe darin schlichtweg zu wenig Ahnung. Aber immerhin scheinen das ifo-Institut, Prof. Sinn und die WiWo auch nicht mehr Plan zu haben ... (zumindest wenn ich den Vorgang mit Stand heute richtig interpretiere ).

Über Hinweise, wenn ifo oder WiWo noch was zum Thema sagen, bin ich dankbar.

Nicht ganz 2 Billionen ...

Ich wollte eigentlich nichts mehr schreiben, aber irgendwie ... Und es ist nicht einmal mehr eine Zahl des Tages nötig, die habe ich ja schon verbraten. OK, trotzdem:

Wie ich im letzten September schon unkte, wird wohl bald die 2 Billionen Euro Grenze bei den Staatsschulden Deutschlands (Bund, Länder und Gemeinen) gerissen. Und wie ich ebenfalls damals schon schrieb, sind die Bad Banks der Banken daran massiv beteiligt (siehe ZAHL DES TAGES (23.09.10): 2.000.000.000.000).

Genau gesagt gehen 189,6 Mrd. Euro auf die FMS, die Bad Bank der Hyporealestate, zurück. Und 42,6 Mrd. Euro auf die Bad Bank der WestLB, die erste Abwicklungsanstalt (mich macht etwas nervös, dass die Abwicklungsanstalten durchzählen ;-) ). Die Schulden der WestLB landen allerdings im Haushalt des Landes NRW, nicht beim Bund.

Damit erklären die beiden Bad Banks gut 4/5 des Anstiegs der Schulden beim Bund (230 Milliarden insgesamt) und knapp 2/3 des Anstiegs bei den Ländern (+68,6 Mrd. insgesamt).

Destatis: Öffentliche Schulden 2010 um 18% auf fast 2 Billionen Euro gestiegen

Und zu den Bad Banks kommt der wichtige Disclaimer: Diese Schulden kann man nicht 1:1 als Schulden zählen. Auch wenn die Assets der Bad Banks sicherlich ziemlich schlecht sind und die beiden Banken garantiert in die Pleite getrieben hätten (wenn sie die nicht vorher schnell an die Bad Banks verkauft hätten), sind diese nicht komplett wertlos. Genauer gesagt glaube ich sogar, dass die Assets in den Bad Banks zum großen Teil werthaltig sind.

Jetzt mögen mich wieder einige für einen elenden Permaoptimisten halten, aber für meine Annahme gibt es einen guten Grund: Gegen beide Banken ermittelt nämlich die EU. Hintergrund ist folgender: Wenn der Staat die Assets, die in die Bad Bank gewandert sind, zu hoch bewertet hat, sieht die EU das als unerlaubte Subvention an die Altbank. Und deshalb begleitet die EU sowohl die Hyporealestate als auch die WestLB kritisch. Die EU überprüft also, ob die Papiere mit fairen oder überhöhten Wertansätzen übertragen wurden. Dabei kommt die EU auf "mehr als 10 Milliarden Euro" bei der Hyporealestate, die der Staat zu viel gezahlt hat (Handelsblatt: HRE muss weiter schrumpfen). Und im Fall der WestLB auf etwa 3,4 Milliarden Euro (FTD: Hypo Real Estate in der Beihilfefalle).

Die laut EU zu viel gezahlten Beträge bleiben unter 10% der Bilanzsumme der beiden Bad Banks. In beiden Fällen sieht die EU also im Gegenzug den Großteil der Assets (> 90%) als werthaltig an. Das ist 
zwar nur eine Stichtagsbetrachtung und keine Prognose für die Zukunft, aber es deutet doch an, dass aus den gut 230 Milliarden Euro Giftmüll in den Bad Banks nie im Leben auch 230 Milliarden Verlust entstehen werden. Genauso werden aber die Assets in der Schuldenstatistik behandelt: wie ein Totalverlust.

Ich habe über diese Behandlung auch schonmal im Fall Irland geschrieben, wo die Milliarden, die in die Bad Bank NAMA transferiert werden, auch nach einer bereits erfolgten Werthalbierung noch wie komplett wertlose Papiere behandelt werden. Auch wenn Moody's und Konsorten dort kein größeres Verlustpotenzial mehr sehen.

Ergo: Etwa 200 Milliarden Euro, die aktuell in der Statistik der Staatsverschuldung stecken, dürften sich wahrscheinlich wieder in Luft auflösen. Das kann man ruhig mal im Hinterkopf behalten.

1,8 Billionen Euro, die übrig bleiben, sind aber auch nicht wirklich beruhigend. Das sind dann etwa 22.000 Euro Staatsschulden pro Kopf statt etwa 24.500, die heute überall genannt werden.

Islands Präsident stoppt Icesave Einigung. Jetzt Referendum.

Und zwar zum zweiten Mal. Damit ist die Auszahlung der Icesave Guthaben der niederländischen und britischen Sparer erneut gestoppt.

Und das, obwohl die ursprünglichen Bedingungen schon deutlich verbessert wurden. Island sollte den Bedingungen des zweiten Vorschlags zufolge den Kredit zu einem Zinssatz von nur 3% bekommen und für die Tilgung bis 2046 Zeit haben.

Anders als mit äußerst großzügigen Bedingungen wird Island kaum zur Rückzahlung in der Lage sein. Es geht immerhin um 2,75 Mrd. Euro für britische Kunden und 1,32 Mrd. Euro für holländische Sparer. Die zusammen 4 Milliarden Euro machen immerhin gut 12.000 Euro pro Einwohner Islands aus. Und dazu kommen noch jede Menge alter Schulden, die z.B. aus den Kaupthing-Schulden an deutsche Sparer stammen.

Das ist erst das dritte Veto eines irischen isländischen Präsidenten seit 1946. Damit steht jetzt (wie immer im Fall eines Präsidenten Vetos) ein Referendum an, das bei der ersten Stufe (die analog ablief) allerdings eine Ablehnung von 93% brachte. Dieses Mal wird es wohl kaum sonderlich mehr Zustimmung geben. Die Bereitschaft der Bevölkerung für Schulden von Bankern zu haften, ist nicht sonderlich ausgeprägt ...

Iceland's President Vetoes Icesave Deal - WSJ.com

Ich habe die letzten Nachrichten zu Island nicht mehr verbloggt, weil das Thema relativ breit berichtet wurde. Diese Nachricht kam aber in meinen Feeds noch nirgendwo (wahrscheinlich weil die deutschen Sparer ihre eigene Lösung bekommen haben), daher hieve ich das mal wieder auf meine kleine Site. Weil es sehr schön zeigt, wie schwierig jede Sanierung einer überschuldeten Volkswirtschaft in einer Demokratie wird. Da kann nämlich einfach die Bevölkerung "Nein" sagen (bzw. einen Neinsager wählen) und schon kippen mühsam in Brüssel ausgehandelte Kompromisse. Wir hatten bereits eine ziemlich rechtsnationale Wahl in Ungarn. In Irland wird in Kürze die nächste mit Blick auf Brüssel ziemliche spannende Wahl folgen.

Update (18:32):

Es ist natürlich der isländische Präsident gemeint, nicht der irische ...

Bundesbank verleiht 338 Milliarden Euro in die Eurozone

Die Nachricht fliegt bisher völlig unter dem Radar der Massenmedien bis auf eine große Ausnahme. Ich bringe die daher auch nochmal, auch wenn es bei den Querschüssen (Prof. Sinn kritisiert die Deutsche Bundesbank » Querschuesse) schon kam.

Die Wiwo hat eine Analyse von Professor Sinn ausgegraben (oder exklusiv bekommen), in der Sinn einen auffälligen Anstieg der Kreditvergabe der Deutschen Bundesbank an andere Notenbanken in der Eurozone nachgeht.

Aus 18 Milliarden Euro im Jahr 2006 sind inzwischen

337.869.000.000 (338 Milliarden) Euro

geworden, die die Bundesbank verleiht.

Die Bundesbank begründet den Anstieg mit technischen Gegebenheiten im Rahmen der Einführung des individuellen Zahlungsverkehrs Target 2. Das ist auch nicht ganz unplausibel, denn der Anstieg beginnt tatsächlich Anfang 2007 mit der Einführung von Target 2 und nicht erst mit Beginn der Krise also z.B. im Herbst 2008 bei der Lehman Pleite.

Allerdings ging es bis zum Lehman Crash auch "nur" auf etwa 100 Milliarden nach oben, die restlichen gut 200 Milliarden Euro erklären sich so nicht unbedingt. Egal wie Zahlungen jetzt "anders" als früher abgewickelt werden, sollten sich diese doch irgendwann wieder aufheben, weil zum Beispiel schlicht beglichen werden. So ist es defakto eine immer größer werdende Kreditvergabe der Bundesbank an andere Zentralbanken in der Eurozone. Die Verbindlichkeiten steigen nämlich nicht mit.

ifo-Chef Sinn: Kritik an Krisenhilfe der Deutschen Bundesbank - WirtschaftsWoche

Bundesbank: Monatsbericht Januar 2011 (Siehe Seite 73)

Das ganze ist natürlich (wie üblich) durch nichts aber auch gar nichts legitimiert. Und am Ende genauso undurchsichtig und unverständlich wie die Aktionen, die die irische Notenbank fährt, auch wenn sich der Sprung bei den Verleihungen bei der EZB geklärt hat (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Ursache des Anstiegs der Übernachtgeschäfte bei der EZB wohl klar).

Ich habe einen Hinweis auf diesen extremen Anstieg in einem Leserkommentar bekommen und kann ihn mir nicht erklären. Ich will zwar irgendwie glauben, dass dahinter ein rein technischer Effekt steckt. Vielleicht ist es auch eine Sache, die schon lange in einer Gegenposition bei der EZB ablesbar ist (die Bilanz der EZB explodiert ja inzwischen genau wie beim US-Vorbild Fed, das wäre also nichts Neues).

Querschuesse:PROF. SINN KRITISIERT DIE DEUTSCHE BUNDESBANK

Wir diskutieren über Rettungspakete und Ähnliches, während die nationalen Notenbanken scheinbar beginnen, wieder klammheimlich Geld zu drucken. Ich dachte, das Geldschaffungsmonopol wäre mit dem Euro an die EZB gewandert. Und (fast) niemand bekommt es mit ...

Update (11:30):

Die Berechnungen des ifo Instituts noch kurz verlinkt:

ifo: Die Auslandsposition der Deutschen Bundesbank in der Europäischen Währungsunion (PDF!) 

Es steht zwar nichts drin, was nicht auch in den Bundesbankberichten stünde, aber es ist auf einer Seite komprimiert.

Update 2 (23:02):

Ein geharnischter Kommentar von Roland Tichy dazu:

Wiwo: Umverteilungspumpe

Ursache des Anstiegs der Übernachtgeschäfte bei der EZB wohl klar

Der von mir am Freitag verbloggte seltsame Anstieg der Übernachtgeschäfte bei der EZB (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Droht allen irischen Banken der "Mastbruch"?, vor allem die Updates) scheint sich aufgeklärt zu haben.

Es steckten (wie vermutet) die irischen Banken dahinter, allerdings aus einem anderen Grund wie von mir spekuliert. Es war weder ein Fat-Finger (also eine Fehleingabe), noch hat es was mit einer Änderung der Zuteilungs- oder Hinterlegungsregeln der EZB zu tun.

Reuters nennt unter Berufung auf informierte Kreise einen einfacheren Grund. Es sollen die Anglo Irish Bank und die Irish Nationwide Building Society hinter dem Anstieg stecken. Diese hatten Assets bei der EZB für die normalen Refinanzierungsgeschäfte (also nicht die Übernachtgeschäfte) hinterlegt, die jetzt aber im Rahmen der Abwicklung verkauft werden soll. Dazu mussten diese Sicherheiten zurückgerufen werden, damit sie für den Verkauf frei sind. Jetzt werden diese Sicherheiten für die Übernachtgeschäfte hinterlegt, womit man sie jederzeit (außer nachts ...) verkaufen kann.

Am Ende also scheinbar ein einfacher Deal: Die Verkäufer bekommen mehr Flexibilität und nehmen dafür höhere Kosten (1,75% statt 1,0%) in Kauf.

Reuters: Irish deposit sales cause ECB borrowing spike: source

Musik zum Wochenende: PJ Harvey live in der Maroquinerie

Arte hat das Konzert live ins Netz gestreamt und es hat mir sehr gut gefallen. Für alle, die meinen Hinweis per Twitter nicht mitbekommen haben, nun die Möglichkeit, das nachzuholen.
Mit einem großen Vorteil: Man muss nicht warten, bis das Konzert beginnt, aber dem großen Nachteil, dass live mehr als die 6 Lieder bzw. 24 Minuten kamen. Tjah, wer mir nicht auf Twitter folgt, hat halt Pech gehabt ;-)

Viel Spaß!

PJ Harvey live in der Maroquinerie:

Droht allen irischen Banken der "Mastbruch"?

Gestern haben die "Märkte am Morgen" von HSBC Trinkaus auf eine interessante Entwicklung in Irland hingewiesen. Den Massendowngrade der irischen Banken in den Junkbereich hatte ich ja gebracht (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Irische Bankschulden sind jetzt Junk sagt Moody's). Diese wurden jetzt von weiteren Downgrades der besicherten Anleihen gefolgt. Grund dafür war die Anzahl der überfälligen Hypotheken, die Moody's im "Timely Payment Indikator" erfasst. Dieser Indikator sank auf den schlechtest möglichen Wert und da er einer der Richtwerte für das Rating ist, sanken auch die Ratings. Und zwar kräftig um 4 bzw. 5 Stufen.

Betroffen sind bisher nur die drei Hypothekenbanken, die drei großen Geschäftsbanken (Anglo Irish, Allied Irish, Bank of Ireland) blieben bis jetzt verschont. Die Auswirkungen wären aber extrem. Wenn sich die Banken Geld bei der EZB leihen, müssen sie einen Sicherheitsabschlag vornehmen. Je schlechter die Bonität der hinterlegten Wertpapiere, desto größer das Abschlags und desto weniger Liquidität fließt zurück.
Konkret würde bei einer Abstufung der besicherten Anleihen der irischen Geschäftsbanken der Abschlag von 3,5% auf 15,5% oder 25,5% (je nach Liquidität der Anleihe) steigen. Damit könnten sich die Banken dann bei einem Anleihepreis von 78 Euro nicht mehr 76,80 Euro sondern nur noch 67,50 bzw. 59,70 Euro Liquidität bei der EZB beschaffen.
Damit würde sich die eh schon stark angespannte Liquiditätslage bei den irischen Banken nochmals dramatisch verschärfen. Denn defakto bekommen diese eh nur noch von der EZB und der irischen Notenbank Geld.

HSBC Trinkaus: Märkte am Morgen 16.2.2001

Wobei die Geldvergabe der irischen Notenbank eh schon "seltsam" ist und das direkt aus zwei Gründen (dazu habe ich bis jetzt nichts geschrieben, weil das ziemlich nerdig ist. Wer sich für die Details interessiert, kann sich die drei verlinkten Artikel durchlesen, für das grobe Bild reicht aber hoffentlich meine Zusammenfassung):

a) Die irische Notenbank verleiht mehr Geld als sie eigentlich hat. Sie erzeugt also defakto Geld, was für eine normale Notenbank auch normal ist. Die irische Notenbank ist aber keine normale Notenbank mehr, denn in der Eurozone liegt das Monopol dafür allein bei der EZB.

FT Alphaville » The mechanics of Irish euro-printing

Willem Buiter hat die ganze Nummer in ziemlich langen, nerdigen Texten auseinander genommen und zeigt sich ziemlich verwirrt angesichts der vielen offenen Fragen. Die Eurozone finanziert defakto insolvente Banken (was nie ihr Job war oder ist). Weiterhin sind die Entcheidungswege dafür völlig unklar (wer entscheidet das eigentlich?) und genauso unklar ist die Haftung (was passiert, wenn die Bank das nicht zurückzahlen kann?).

FT Alphaville » What Ireland’s secret liquidity costs

b) Der Zins für die Notkredite der irischen Notenbank an die irischen Banken liegt unter 3% und ist damit extrem niedrig. Die irischen Banken bekommen billiger Geld als der irische Staat! Hallo, geht's noch?

FT Alphaville » Ireland’s secret liquidity is unbelievably cheap

Die ganze Gestaltung der Länder/Banken-Rettungsfonds ist doch das reinste Chaos. Nicht einmal die große Linie ist geklärt, also z.B. die Frage, worum sich die EZB kümmert und worum die Stabilitätsfonds. Das geht alles lustig durcheinander und ist mit völlig ungeklärten Beschlusswegen und Verantwortlichkeiten versehen.

Da müssen wir uns über die Verdopplung des Volumens dieser Chaosveranstaltung doch keine Sorgen machen ... (siehe VOLUMEN DES EU-RETTUNGSFONDS VERDOPPELT)

Update (11:36):

Ich kann noch ein "nerdiges" Detail nachschieben (wenn ihr das nicht versteht, ist es auch nicht schlimm, denn die Erklärungsversuche sind ziemlich spekulativ ...).
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist ein bestimmter Topf der Übernachtfinanzierung bei der EZB kräftig um etwa 16 Milliarden Euro nach oben geschossen. Der erste Verdacht lag auf einem "Fat-Finger", also einer Fehleingabe der Art 15 Mrd. statt 1,5 Mrd. Dann hätte das aber in der Nacht danach verschwinden müssen. Ist es aber nicht, es waren gestern Nacht erneut etwa 16 Mrd. mehr als normal.

Jetzt wird eine andere Erklärung in die Diskussion geworfen. Die Umschichtung könnte zu Vorbereitungsmaßnahmen der irischen Banken gehören, noch stärker auf die Töpfe der irischen Notenbank zuzugreifen. Das könnte direkt aus drei Gründen sinnvoll sein:

i) Die Zinsen sind niedriger, s.o.
ii) Möglicherweise plant die EZB, die Geldzuteilung nicht mehr (wie seit Beginn der Krise üblich) unlimitiert durchzuführen. Normalerweise wird das Geld "versteigert" und nur wer genügend hohe Zinsen zahlt, bekommt auch was, wer zu wenig bekommt, muss sich das Geld bei anderen Banken holen (und da würden der irischen Banken nichts mehr bekommen). Dadurch könnten die Zinsen steigen und/oder die Zuteilung unsicherer werden. Das ist die Spekulation, die Barclay's bringt.
iii) Mir fällt noch ein anderer Grund ein, nämlich die oben erwähnten Abschläge auf herunter geratete Sicherheiten. Würde das irische Finanzierungsprogramm ELA auf diese erhöhten Abschläge verzichten, bekämen die irischen Banken dort weiterhin ausreichend Liquidität. Das ist allerdings (wie die ii) von Barclay's) nur reine Spekulation. Die Nummer könnte man quasi im Geheimen durchziehen, denn das ganze Thema rund um den ELA der irischen Notenbank ist komplett intransparent und es würde voraussichtlich kaum jemand mitbekommen ...

FT Alphaville: Clues to the eurozone’s €15.8bn fat finger

Update (13:33):

Ganz so nerdig scheint das Thema doch nicht zu sein, es hat es immerhin schon bis zu Marketwatch in die USA geschafft:

ECB emergency overnight lending jump persists - MarketWatch

Und eine Sache muss ich zur Erklärung noch nachreichen und zwar den Grund, warum die Übernachtgeschäfte der EZB so auffällig sind: Diese werden nämlich normalerweise kaum benutzt, da der Zinssatz bei 1,75% liegt und damit 75 Basispunkte höher als der Leitzins von 1,0%. Man leiht sich da also eigentlich nur in Notfällen Geld. Was auch das normale Volumen von 3 Milliarden Euro andeutet; der Sprung um 15 Milliarden sticht daher sofort ins Auge.

US: Verbraucherpreise 01/11: +1,6% (Vj) (+0,4% Vm)

Nach 0,4% Plus im Dezember 2010 nun erneut 0,4% Preissteigerung im Januar 2011. Auslöser dafür vor allem die Energiepreise (+2,1%). Die Nahrungsmittel wurden mit 0,5% ebenfalls überdurchschnittlich viel teurer. Die sogenannte Kernrate ohne die bekanntermaßen unwichtigen Sachen wie Lebensmittel und Energie (wer muss schon heizen im Winter beim Schneesturm ...) stiegt nur um 0,2%.

Die Jahresrate ist nach den deutlichen Anstiegen der letzten zwei Monate wieder kräftig geklettert. Die Gesamtpreise liegt nun wieder bei 1,6%, die Kernrate bei 1,0%. Zum Vergleich: Von Juni bis November stieg die Gesamtrate nur etwas mehr als ein Prozent, die Kernrate teilweise sogar nur mit 0,6%.

Die Fed scheint mit ihren massiven Anleihenankaufprogrammen ihr Ziel zu erreichen: Inflation, bloß keine Deflation. Mit 1,6% Inflation (bzw. 1,0% Kernrate) dürfte Ben Bernanke schon wieder deutlich ruhiger schlafen ...


Consumer Price Index Summary January 2011

Update (17:34):


Meine fünf besten Artikel sind ...

... ja welche nur? Was meint ihr?

(Ich mach mal so zum Spaß beim Comdirect Finanzblog Award mit und kann da 5 Artikel vorschlagen, die mir besonders gut gefallen. Da die Artikel, die die meisten Abrufe produzieren und die Artikel, die mir am besten gefallen, oft ziemlich weit auseinanderliegen, wüsste ich mal gerne, was ihr so meint ...)

Warum Lehman Pleite ging: Zu wenig Vitamin B

Wenn man die richtigen Leute kennt, kommt man besser durch die Krise. Und wenn man Lehman ist und einem die wirklich guten Beziehungen fehlen, dann geht man auch schonmal Pleite.

Da ich das Buch von Sorkin bereits empfohlen habe, reiche ich an dieser Stelle gerne ein Hinweis auf einen Artikel beim Blicklog nach, in dem man einen guten Einblick bekommt, um was es in dem Buch so geht. Kurz: Mit der Qualität der Beziehungen zur Regierung und zur Fed stieg auch die Wahrscheinlichkeit für und die Menge an Geld aus dem Rettungsfonds TARP.

Das Buch von Sorkin ist keine üble Verschwörungstheorie, das auf ein paar subjektiven Beobachtungen beruht. Dass die Banken mit den besten Beziehungen für ihre Schrottpapiere am meisten Geld bekommen haben, ist sogar wissenschaftlich belegt (TARP INVESTMENTS: FINANCIALS AND POLITICS (PDF!)).

Die Studie ist eh sehr interessant, weil sie den Effekt sogar auf einzelne Einflussparameter heruntergebrochen hat.

Die Wahrscheinlichkeit, Geld aus dem TARP Rettungsfonds zu bekommen, stieg um

31,3%,

sofern die Bank einen Sitz bei einer Fed-Niederlassung hatte und um 26,3%, wenn die Bank eine Verbindung zu einem der Mitglieder im Finanzausschuss der Regierung hatte.

Auch die Menge des Geldes, die die Banken bekamen, wurde untersucht. Überdurchschnittliche hohe (= eine Standardabweichung nach oben) Unterstützung eines Kongressabgeordneten sorgten für 14,6 Millionen Dollar mehr Unterstützung, eine Standardabweichung mehr Lobbyausgaben für zusätzliche 10,4 Millionen Dollar.

Das ist schon alles sehr eindeutig ...

Blicklog: Ross Sorkins “Die Unfehlbaren” und wie Netzwerke während der Finanzkrise einzelne US-Banken bevorzugt haben « Blick Log

Das Buch gibt es über meinen normalen Amazon Link oder direkt hier:

Amazon: Die Unfehlbaren: Wie Banker und Politiker nach der Lehman-Pleite darum kämpften, das Finanzsystem zu retten - und sich selbst. - Ein SPIEGEL-Buch

Auch das Häring Buch wird, je mehr ich von dem Mann lese, zunehmend interessant (in diesem Fall der bei Blicklog verlinkte Handelsblatt Artikel).

Update (13:33):

Den Artikel im Handelsblatt von Norbert Häring habe ich vergessen zu verlinken:


US-Notenbank Fed: Selbstbedienung für Banken - Ökonomie - Politik - Handelsblatt

Volumen des EU-Rettungsfonds verdoppelt

Hach, was habe ich hier früher über den Rettungsfonds spekuliert. Boah, 440 Milliarden, die müssen verrückt ein in Brüssel. OK, dann stellte sich nach Diskussionen mit den Ratingagenturen heraus, dass nur etwa 60% der Summe verliehen werden können, wenn der Fonds mit AAA bewertet werden soll (siehe ZAHL DES TAGES (21.09.10): 250.000.000.000). Die Summer schrumpfte nachher nochmal, weil Irland plötzlich Empfänger und nicht mehr Zahler war ...

Naja, und was macht den EU dann ein paar Monate später? Sie plant einfach eine Verdopplung des Fonds, damit diesem auch wirklich

500.000.000.000 (500 Milliarden) Euro

zur Verfügung stehen.

Das ist natürlich ein tolles Beispiel für die Masche, mit der heute Politik gemacht wird. Man fängt einfach mal an und wenn nicht massig Widerstand kommt, wird einfach weiter gemacht. Irgendwann wird der Punkt erreicht, ab dem es kein Zurück mehr gibt (siehe LESETIPP: WIE DIE EU POLITIK MACHT ...).

Das Schlimme ist: Dieses Verfahren funktioniert sogar. Es gibt keinen Widerstand, nicht einmal ich berichte (bis jetzt) darüber. Echt erschreckend!

Gut, das ist alles noch Diskussionsbasis. Die Politik wiegelt ab, weil die 500 Mrd. auch nicht mehr sind als die 440 + 60 Milliarden, die bisher für EFSF und EFSM vorgesehen waren.
Dass auch bei der neuen Ausgestaltung das Geld nicht vom Himmel fallen kann, ist aber auch den deutschen Politikern bewusst. Um das Triple-A-Rating zu erhalten, müssen die mit AAA-bewerteten Länder wohl einen größeren Teil der Haftung übernehmen. Wenn man sich die alte Verteilung von gewährtem Volumen und defakto verleihbarem Geld anschaut, wohl etwa doppelt so viel wie bisher. Schäuble schätzt, dass das trotzdem keine Verdopplung der deutschen Kosten verursachen wird, weil sich jetzt auch Nicht-Euro-Länder (also im wesentlichen Großbritannien) beteiligen sollen.

Naja, am Ende ist es natürlich Augenwischerei. Eine Verdopplung ist eine Verdopplung, nur nennt man dieses Mal die verleihbare Summe (quasi das Netto) und nicht die Bruttosumme wie beim ersten Mal. Es bleibt trotzdem in etwa eine Verdopplung. Aber was soll ich mich aufregen. Es geht doch nicht um viel Geld ...

FAZ: Schäuble: Höhere Belastung durch Euro-Krisenfonds

Überraschungen allerorts ... (Teil 2)

Nachdem ich gestern auf die inzwischen 10 Bankpleiten in Dänemark hingewiesen habe (ÜBERRASCHUNGEN ALLERORTS ... (TEIL 1)), heute ein erneuter Hinweis auf ein Land, das eigentlich als eines der Länder gilt, die am besten durch die Krise gekommen sind: Kanada.

Kanada war eines der Länder, das sich gegen eine internationale Finanztransaktionssteuer gewehrt haben, weil die kanadischen Banken problemlos durch die Krise gekommen und Kanada schlicht keinen Bedarf für eine solche neue Steuer gesehen hat. Kontrolliert doch einfach eure Banken mal richtig, dann bekommt man auch keine Bankenkrise, war wohl der stille Gedanke der kanadischen Regierung. Allerdings hat Kanada realistisch gesehen auch einfach Glück gehabt: In den letzten Jahren wurden große neue Ölsandvorkommen erschlossen und auch die steigenden Preise der anderen Rohstoffe halfen dem rohstoffreichen Kanada schnell wieder auf die Beine. Damit stieg auch die Arbeitslosigkeit kaum und die Nachfrage nach Immobilien blieb hoch. So hoch, dass die Preise für Häuser sogar weiter nach oben gingen, während sie zeitgleich in den USA kollabierten.

Jetzt könnte sich das Blatt aber wenden. Der Analyst David Mandani von Capital Economics sagt jetzt einen 25%igen Einbruch der Hauspreise in Kanada voraus. Zwar sei das spekulative Element nicht so groß wie in den USA, aber die anderen Parameter sprechen allesamt für hohe Preise: Ein Hauskauf ist im Vergleich zur Miete teuer, das Verhältnis von Hauspreisen zu Jahreseinkommen ist hoch und die kanadischen Haushalte sind im Verhältnis zu ihrem Einkommen so hoch verschuldet wie nie zuvor.

The Star: Housing prices to drop 25%, forecaster predicts

Auch David Rosenberg, der den Hauspreisverfall in den USA richtig vorhergesehen hat, sieht in Kanda fallende Hauspreise. Allerdings hat er das auch schon 2009 gesagt:

Trader's Narrative: David Rosenberg: Canadian Real Estate Near Bubble

Im Economist kann man sich selber die Entwicklung über die vergangenen Jahre schön ansehen:

Global house prices: Clicks and mortar | The Economist

Kanada fällt bei den Hauspreisen in verfügbarem Einkommen durchaus auf. Dänemark (siehe Thema von gestern) liegt ebenfalls oben und Belgien sogar noch darüber.

Eine weitere Untersuchung des Economist versucht den fairen Wert der Häuser durch den Vergleich mit den Mieten zu errechnen (durch den Vergleich mit dem langfristigen Durchschnitt im jeweiligen Land). Danach sind einige Länder deutlich zu teuer, Kanada z.B. knapp

24%,

Schweden und Frankreich über 40%, Spanien sogar fast 50%. Allerdings ist das in Spanien kein Wunder, wenn die offiziellen Preisindizes zugrunde gelegt werden, denn die weisen kaum Rückgänge auf (was die Realität aber nicht widerspiegelt). Noch teurer sind HongKong und Australien, die ungefähr 60% zu teuer sind.

Canada's real estate overvalued, survey says - CTV News

Die Hauspreise in den USA sind nach diesem Index übrigens 2% unter dem langfristigen Durchschnitt, in Deutschland sogar 13%. Den Vogel schießt aber Japan ab, wo die Preise mehr als ein Drittel unter dem langfristigen Durchschnitt liegen.

Das schöne, wenn man so viele Märkte als überbewertet einsortiert: Bei ein paar behält man auf jeden Fall recht ... (kurz: man sollte solche studien nicht zuuu wichtig nehmen ...)

Überraschungen allerorts ... (Teil 1)

Man hat sich ja an vieles gewöhnt in der aktuellen Krise, aber manchmal kommen die Nachrichten dann doch überraschend.

So fand ich zum Beispiel die Pleite der dänischen Amagerbanken doch etwas überraschend. Zwar gab es schon eine größere Pleite, die ich mitbekommen hatte (Roskilde Bank 2008), aber dass die Pleite schon die

10. Bankpleite

in Dänemark ist, liess mich dann doch kurz staunen.

Der gesamten Kosten der Pleite für den dänischen Staat sollen bei etwa 2 Milliarden Euro liegen. Das ist wohl der Teil des Assets, für die die staatliche Einlagengarantie von bis zu 100.000 Euro pro Konto greift. Eine unbegrenzte Garantie wie in Irland gab es in Dänemark nur vorübergehend.
Insgesamt hatte die Amagerbanken Assets von etwa 4 Milliarden Euro. Auf die restlichen 2 Milliarden Euro, die nicht abgesichert sind, wird ein Haircut von 41% gelegt, weil das restliche Vermögen der Bank nicht ausreicht, um alle Forderungen zu bedienen.

Interessant: Auch die Halter von Anleihen müssen bei dieser Bankpleite bluten. In Dänemark kann man also einen Haircut auf Bankschulden durchführen, während der europäische Rettungsfonds den Iren das gleiche verboten hat (Irland hat versucht, die Bankschulden zu “schneiden”). Aber die Dänen sind auch nicht in der Eurozone und können daher tun und lassen, was sie für richtig halten. Die Glücklichen!

Keine Ahnung, ob die Belastung von 2 Milliarden das AAA-Rating von Dänemark in Mitleidenschaft zieht. 2 Milliarden hören sich erst einmal nicht so viel an, aber Deutschland hat auch 15 Mal so viele Einwohner. Hochgerechnet wären das also schon 30 Milliarden. OK, auch noch nicht die Welt. Aber doch schon spürbar und es ist eben auch schon die 10. Pleite und die 9 davor werden den Staat auch schon Geld gekostet haben.

Außerdem fallen 10 Pleiten auch nicht vom Himmel. Dahinter scheint mir eine ganz schöne Immobilienblase zu stecken. Ich habe in meinem Urlaub die Immobilienpreise in Kopenhagen gesehen und wenn das die Preise nach der Krise gewesen sein sollen, reicht auch das übliche "Dänemark ist halt teuer" nicht als Erklärung aus.

Reuters: Dänische Bank Amagerbanken unter Zwangsverwaltung

Irische Bankschulden sind jetzt Junk sagt Moody's

Das habe ich am Freitag gar nicht mitbekommen, aber das hole ich noch schnell nach ...

Bank of Ireland sinkt von Baa2 auf Ba1,
Allied Irish Banks von Baa3 auf Ba2,
EBS Building Society von Baa3 auf Ba2 und
Irish Life & Permanent ebenfalls von Baa3 auf Ba2.

Damit sind die vier jetzt auch Junk und befinden sich damit in guter äh schlechter Gesellschaft der beiden folgenden, die schon vorher Junk waren, aber jetzt noch tiefer sinken:

Anglo Irish Bank sackt von Ba3 auf Caa1 und
Irish Nationwide Building Society ebenfalls von Ba3 auf Caa1 ab.

Der Ausblick bleibt auch nach der Herabstufung auf negativ.
Das oben sind jeweils die Ratings für Bankanleihen, die Ratings für Bankeinlagen werden ebenfalls überprüft und dann wohl auch noch sinken.

Moody's: Moody's downgrades unguaranteed senior unsecured debt of Irish banks

US-Bankpleitenticker 12.02.2011

Auch an diesem Wochenende wieder ein paar Bankpleiten in den USA, die aber selbst zusammengerechnet nicht einmal Assets von einer Milliarde Dollar haben. Auch der Schaden für die FDIC bleibt mit 155 Millionen ziemlich überschaubar.

US-Bankenpleite Nr. 335:

Name: Sunshine State Community Bank
Sitz: Port Orange, Florida
Assets: 126 Millionen Dollar
Käufer: Premier American Bank, National Association, Miami, Florida
Schaden für die FDIC: 30 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 62 (rot)

FDIC: Premier American Bank, National Association, Miami, Florida, Assumes All of the Deposits of Sunshine State Community Bank, Port Orange, Florida

US-Bankenpleite Nr. 336:

Name: Peoples State Bank
Sitz: Hamtramck, Michigan
Assets: 391 Millionen Dollar
Käufer: First Michigan Bank, Troy, Michigan
Schaden für die FDIC: 97 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 108 (rot)

FDIC: First Michigan Bank, Troy, Michigan, Assumes All of the Deposits of Peoples State Bank, Hamtramck, Michigan

US-Bankenpleite Nr. 337:

Name: Badger State Bank
Sitz: Cassville, Wisconsin
Assets: 84 Millionen Dollar
Käufer: Royal Bank, Elroy, Wisconsin
Schaden für die FDIC: 18 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 188 (rot)

FDIC: Royal Bank, Elroy, Wisconsin, Assumes All of the Deposits of Badger State Bank, Cassville, Wisconsin

US-Bankenpleite Nr. 338 (Nr. 18 dieses Jahr):

Name: Canyon National Bank
Sitz: Palm Springs, California
Assets: 211 Millionen Dollar
Käufer: Pacific Premier Bank, Costa Mesa, California
Schaden für die FDIC: 10 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 36 (rot)

FDIC: Pacific Premier Bank, Costa Mesa, California, Assumes All of the Deposits of Canyon National Bank, Palm Springs, California

Cat Content zum Wochenende ;-)

Wolf Parade – Grounds For Divorce



Ob das Video wohl mehr als 300 Dollar gekostet hat?

Obama will Fannie Mae und Freddie Mac abwickeln

Das ist mal radikal.

Ich schneide mal die Hauptpunkte aus, für mehr fehlt mir leider die Zeit ...

  • 1. Wind Down Fannie Mae and Freddie Mac and Help Bring Private Capital Back to the Market.
  • 2. Fix the Fundamental Flaws in the Mortgage Market
  • 3. Better Target the Government’s Support for Affordable Housing.
  • 4. Longer-Term Reform Choice

Optionen:

  • Option 1: Privatized system of housing finance with the government insurance role limited to FHA, USDA and Department of Veterans’ Affairs’ assistance for narrowly targeted groups of borrowers
  • Option 2: Privatized system of housing finance with assistance from FHA, USDA and Department of Veterans’ Affairs for narrowly targeted groups of borrowers and a guarantee mechanism to scale up during times of crisis
  • Option 3: Privatized system of housing finance with FHA, USDA and Department of Veterans’ Affairs assistance for low- and moderate-income borrowers and catastrophic reinsurance behind significant private capita

Treasury Report on Reforming America’s Housing Finance Market

Aber womöglich lohnt eine intensivere Diskussion auch noch nicht, weil das im Rahmen der üblichen Kompromissfindung eh nochmal komplett auseinander genommen wird ... (So wie vom Volcker-Plan zur Bankenregulierung auch nicht viel übrig blieb).
Obwohl unwichtig ist das natürlich auch nicht, immerhin wurden 9 von 10 Immobilienfinanzierungen im letzten Jahr direkt oder indirekt über die Frannies abgewickelt ...

Wikileaks: Bank of America Unterlagen sinnlos?

Ich hatte vom ersten Moment an den Verdacht, dass die groß angekündigte Veröffentlichung der Unterlagen der Bank of America vielleicht gar nicht so groß ist.

Meine These: Es könne sich um die Unterlagen der Tochter Countrywide handeln. Und was da alles schief lief, wissen wir aufgrund einiger Gerichtsverfahren bereits. Dort wurde bei der Prüfung der Hypothekenvergabe in nicht vorstellbarem Umfang geschlampt bzw. im großen Maßstab vorsätzlich Dokumente gefälscht.

Gut, die Spekulation über Countrywide als Quelle kann ich knicken, denn Assange sagt, dass die aktuellsten Daten nur bis 2006 reichen und von der Bank of America stammen. Damit können sie nicht mehr von Countrywide sein, denn Countrywide ging erst später an die Bank of America.

Außerdem stellt sich heraus, dass Wikileaks mit den Daten der Bank of America nichts anfangen kann und nicht weiss, ob die Daten einen Sinn ergeben und ob man daraus irgendwas erkennen kann. Und anscheinend will Assange die Daten erst gar nicht veröffentlichen, wenn er darin keinen Sinn sieht.
Also irgendwie hatte ich den Crowdsourcing Ansatz von Wikileaks anders verstanden ...

Spiegel: WikiLeaks-Angriff auf US-Großbank droht zu floppen

US-Bankpleiten Ticker ... Nummer 8 bis 14

huh, bevor die dritte Woche mit Pleiten kommt, reiche ich mal schnell die Bankpleiten der vergangenen zwei Wochenenden nach ... Ich buche das dann mal als Zahl des Tages ein, dann habe ich das auch hinter mir ;-)

Mit der Nummer 331 war sogar mal wieder eine etwas größere Bank mit mehr als 2 Milliarden Einlagen dabei. Ansonsten direkt drei völlig unspannende Mikrobanken mit nicht einmal 100 Millionen Dollar ,,,

Wochenende 28.01.2011:

US-Bankenpleite Nr. 328:

Name: First State Bank
Sitz: Camargo, Oklahoma
Assets: 43 Millionen Dollar
Käufer: Bank 7, Oklahoma City, Oklahoma
Schaden für die FDIC: 11 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: kein Treffer!

FDIC: Bank 7, Oklahoma City, Oklahoma, Assumes All of the Deposits of the First State Bank, Camargo, Oklahoma


US-Bankenpleite Nr. 329:

Name: Evergreen State Bank
Sitz: Stoughton, Wisconsin
Assets: 247 Millionen Dollar
Käufer: McFarland State Bank, McFarland, Wisconsin
Schaden für die FDIC: 23 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 131 (rot)

FDIC: McFarland State Bank, McFarland, Wisconsin, Assumes All of the Deposits of Evergreen State Bank, Stoughton, Wisconsin

US-Bankenpleite Nr. 330:

Name: FirsTier Bank
Sitz: Louisville, Colorado
Assets: 723 Millionen Dollar
Käufer: keiner, FDIC gründet Abwicklungsbank ...
Schaden für die FDIC: 243 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 527 (gelb)

FDIC: FDIC Creates the Deposit Insurance National Bank of Louisville to Protect Insured Depositors of FirsTier Bank, Louisville, Colorado


US-Bankenpleite Nr. 331:

Name: First Community Bank
Sitz: Minneapolis, Minnesota
Assets: 2,3 Milliarden Dollar
Käufer: U.S. Bank, National Association, Minneapolis, Minnesota
Schaden für die FDIC: 260 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 124 (rot)

FDIC: U.S. Bank, National Association, Minneapolis, Minnesota, Assumes All of the Deposits of First Community Bank, Taos, New Mexico


Wochenende 4.2.2011:


US-Bankenpleite Nr. 332:

Name: American Trust Bank
Sitz: Roswell, Georgia
Assets: 238 Millionen Dollar
Käufer: Renasant Bank, Tupelo, Mississippi
Schaden für die FDIC: 72 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 17 (rot)

FDIC: Renasant Bank, Tupelo, Mississippi, Assumes All of the Deposits of American Trust Bank, Roswell, Georgia


US-Bankenpleite Nr. 333:

Name: North Georgia Bank
Sitz: Watkinsville, Georgia
Assets: 153 Millionen Dollar
Käufer: BankSouth, Greensboro, Georgia
Schaden für die FDIC: 35 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 15 (rot)

FDIC: BankSouth, Greensboro, Georgia, Assumes All of the Deposits of North Georgia Bank, Watkinsville, Georgia


US-Bankenpleite Nr. 334 (Nr. 14 dieses Jahr):

Name: Community First Bank – Chicago
Sitz: Chicago, Illinois
Assets: 51 Millioen Dollar
Käufer: Northbrook Bank and Trust Company, Northbrook, Illinois
Schaden für die FDIC: 12 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 158 (rot)

FDIC: Northbrook Bank and Trust Company, Northbrook, Illinois, Assumes All of the Deposits of Community First Bank – Chicago, Chicago, Illinois

Wieso der US-Immobilienmarkt noch lange am Boden liegen wird - Teil 1

Ich habe noch eine zweite Zahl zum gleichen Thema, bin aber heute nicht mehr wach genug, um das dann notwendige lange Posting hinzubekommen. Also verteile ich die beiden Zahlen auf zwei Postings ...

Dass der Immobilienmarkt in den USA am Boden liegt, war hier schon zigmal Thema. Auch dass die offiziellen Daten die Lage nicht richtig widerspiegeln. Zum Beispiel gibt es keinerlei seriöse Statistiken zur Höhe des Schattenlagers, also der Anzahl der Immobilien, die zwar schon "eigentlich" zum Verkauf stehen (z.B. weil sie im Rahmen des Foreclosures an die Bank gefallen sind), aber es offiziell noch nicht tun (sprich beim Makler angeboten werden).

Es gibt aber ein paar Zahlen, aus denen man die Höhe des Schattenlagers ableiten kann. Das Census Bureau erhebt einmal im Quartal die Anzahl der Häuser und veröffentlicht die Zahlen dann nach bestimmten Kriterien. So gab es im vierten Quartal 2010 130,8 Millionen Häusern in den USA (+656.000 gegenüber Vj). Davon waren 112,4 Millionen (+1,1 Millionen gegenüber Vj) bewohnt. Es standen also

18.400.000 (18,4 Millionen) Häuser

leer. Darin enthalten sind aber auch Ferienhäuser u.ä., was die Interpretation etwas schwierig macht. Aber mindestens die 4 Millionen, die zur Vermietung das ganze Jahr auf dem Markt waren und die 2 Millionen, die zum Verkauf standen, muss man wohl komplett zum Schattenlager zählen. Das ist schonmal deutlich mehr als die 3,56 Millionen, die die NAR in ihren Existing Home Sales für Dezember als Lager gezählt hat.

Die 18,4 Millionen waren zwar 427.000 weniger leerstehende Häuser als im Vorjahr, aber aus den Details der Zahlen lässt sich nur eine Interpretation ableiten, die weniger schön ist. Und den Lesern dieses Blogs einigermaßen bekannt vorkommen dürfte ...

Denn bei den bewohnten Häusern ging der Anstieg ausschließlich auf die vermieteten Häuser zurück, genau wie die Verbesserung bei den leer stehenden Häusern ausschließlich auf neu vermietete Häuser zurückging. Das wäre jetzt allein nicht wirklich schlimm. Sollen die Amerikaner doch ihr Haus mieten und nicht kaufen. Zur Miete wohnen ist ja auch keine Schande und man bleibt flexibel ...

Hinter dem starken Anstieg der vermieteten Häuser steckt aber vor allem ein Geschäft: Hausbesitzern, die ihre Hypothek nicht mehr bezahlen können, bieten die Banken in den USA gerne ein Weiterbewohnen des Hauses zur Miete an. Damit kann der ehemalige Besitzer weiter in seinem (ehemaligen) Haus wohnen bleiben, die Bank erzielt Einnahmen, der Mieter heizt das Haus und hält es instand. Außerdem kommen nicht alle Häuser gleichzeitig auf den Markt und es stehen keine kompletten Viertel leer; beides mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Preis im ganzen Viertel.

Daher steht eigentlich fest, dass die Vermietung nur eine Notlösung ist und die Mietrendite deutlich niedriger sein dürfte als die ursprüngliche Hypothek. Kurz: Mieten ist einfach wesentlich günstiger als ein Haus zu kaufen. Auch das hört sich bis hierher noch nicht so schlimm an.
Allerdings lässt das im Umkehrschluss nur eine Interpretation zu: Die Hauspreise sind selbst nach 30% Preisverfall noch zu hoch. Bis das Preisniveau erreicht ist, das die Mieten anzeigen, müssen die Preise wohl noch deutlich weiter fallen ....

Census.gov: Press Release
CNBC: Nearly 11 Percent of US Houses Empty

Bei Joy Division Liedern muss man normalerweise ja nicht lachen ...

Bei dieser Version musste ich es allerdings schon. Nach etwa 35 Sekunden als der Drummer abgeht ...



Unter dem Video bei Youtube fragt auch jemand zurecht, warum die Playmobil Figuren lächeln. Passt ja gar nicht ...

gefunden über Kottke: Playmobil Joy Division

Inflationserwartungen UK, USA und Eurozone steigen

Das kann man ab und zu ja auch mal tickern, damit man es wiederfindet, wenn man es braucht. Das sind nämlich Zahlen, die man bei Bedarf gar nicht so einfach findet (zumindest als Normalsterblicher, der kein Reuters-Terminal vor sich stehen hat).

Aktuell liegen die aus der Renditedifferenz zwischen normalen und inflationsgesicherten Anleihen abgeleiteten Inflationserwartungen bei
  • 2,01% für Deutschland
  • 2,27% für Frankreich
  • 2,34% für die USA
  • 3,43%(!) für Großbritannien
(jeweils für 10 Jahre).

Gerade im Fall von Großbritannien ist das schon heftig, denn die dortige Notenbanken hat eigentlich ein Inflationsziel von etwa 2%. Ab 3% realer Inflation wird sogar eine Brief an die Regierung fällig, ind em die Notenbank erklären soll, was sie gegen die hohe Inflation zu unternehmen gedenkt ...
Die Märkte rechnen scheinbar für die nächsten 10 Jahre mit Dauererklärungen ...

HSBC Trinkaus - Märkte am Morgen

Braucht Irland noch mehr bzw. länger Geld von der EU?

Hauptauslöser könnten die Immobilienpreise sein, die der Broker NCB noch weitere 10% fallen sieht. Damit hätten sich die Immobilienpreise dann in etwa halbiert.

Im dann anstehenden Szenario mit niedrigem Wachstum würde Irland wohl nicht in der Lage sein, die Schulden ab 2013 wieder selber am Kapitalmarkt zu refinanzieren.

NCB schließt eine Schuldenrestrukturierung Irlands zwar nicht aus, glaubt aber, dass die in den Märkten eingepreiste Wahrscheinlichkeit für einen Default zu hoch ist.

Endlich mal wieder jemand, der wenigstens noch eine Resthoffnung für Irland hegt ...

Ireland 'may need further EU help' - The Irish Times - Tue, Feb 08, 2011

Die Kommentare gehören jetzt Euch Miesmachern ;-)

Strategische Pleite? Tut's nicht (wir schon ...)

Hat die Geschichte in Deutschland tatsächlich niemand gebracht? Ich hab's bestimmt übersehen ...

Es geht um die "strategischen Pleiten", also diese Pseudo-Pleiten, die man als Hausbesitzer in den USA machen kann, wenn man ein Haus hat, das durch den Preisverfall weniger wert ist als die Hypothek, die noch auf dem Haus lastet. Es ist in den USA nämlich egal, ob man die Hypothek nicht mehr bezahlen kann oder ob man die nicht mehr bezahlen will. Man zieht aus, gibt der Bank den Hausschlüssel zurück und die Hypothek ist hinfällig. Wenn das Haus weniger wert ist als die Hypothek, ist das allein das Problem der Bank. (Technisch gesprochen haftet man als Hausbesitzer in den USA ausschließlich mit dem Haus, nicht mit seinem gesamten Vermögen und seinen zukünftigen Einkommen wie in Deutschland).

Das stellt sich in der Krise als ziemliches Problem heraus, denn die (Hypotheken-) Banken ersticken unter einem Berg an zurückgegebenen Häusern, was in diesem Blog auch schon einige Male als "Schattenlager" thematisiert wurde.

Genug der Einführung. Die Vereinigung der Hypothekenbanken in den USA (Mortgage Banker Association, MBA) macht sich daher schon seit einiger Zeit dafür stark, diese Regelung zu ändern. Da das für die bisher abgeschlossenen Verträge wohl kaum rückwirkend geht, wird für die laufenden Verträge an die Ehre der Besitzer appelliert, die Verträge doch bitte schön zu erfüllen. Es sei ja so vereinbart gewesen und eine Pleite quasi vorzutäuschen, wäre unmoralisch.

Jetzt könnte man als Gutmensch geneigt sein, diesem Argument tatsächlich etwas Glauben zu schenken. Aber nur bis man dieses Video über das Gebäude der MBA in New York (und was daraus geworden ist) gesehen hat ...

The Daily Show With Jon StewartMon - Thurs 11p / 10c
Mortgage Bankers Association Strategic Default
www.thedailyshow.com
Daily Show Full EpisodesPolitical Humor & Satire Blog</a>The Daily Show on Facebook


Creditwritedowns: Jon Stewart on the Mortgage Bankers Association Strategic Default

DAX-Unternehmen 2010: 11.626 Arbeitsplätze weniger

Das ist doch mal eine Zahl, die so gar nicht zum Boomjahr und Jobwunder 2010 passt.

Satte

11.626 Arbeitsplätze

haben die 30 DAX-Konzerne 2010 abgebaut. Ja abgebaut. Bei einem Arbeitsplatzzuwachs von mehr als einer halben Millionen in Deutschland, reduzierten die DAX-Konzerne weiter. Aber nur in Deutschland, im Ausland kamen auch bei den DAX-Konzernen über 30.000 Arbeitsplätze hinzu.

Die Zahlen der DAX-Konzerne sind allerdings möglicherweise verfälscht, denn mit Thyssenkrupp baute ein einziger Konzern schon mehr als 10.000 Arbeitsplätze ab. Aber selbst wenn man das mal auf diese Art positiv bewertet, wäre selbst ein konstante Anzahl von Arbeitsplätzen bei den DAX-Konzernen eine dicke Enttäuschung.

Es ist mal wieder ein Hinweis darauf, dass sich die Politiker und die Öffentlichkeit viel zu viel um die großen Firmen kümmern und viel zu wenig um die, die am Ende die Arbeitsplätze schaffen ....

Spiegel: Dax-Riesen bauten 12.000 Jobs in Deutschland ab

Friedman, Keynes, Mises und Hayek in einem Artikel ...

... und das nicht bei weissgarnix, sondern in der deutschen Mainstreampresse. Selten genug, daher der Hinweis. Nicht ganz überraschend ist der Artikel von Gerald Braunberger.

Interessant dass Braunberger aus einem Interview mit Friedman aus dem Jahr 2000 zitiert, in dem Friedman zur Lage in Japan und zur Bekämpfung der dortigen Deflation Stellung nimmt:
"Die Bank von Japan kann langfristige Staatsanleihen kaufen, und sie können so lange Staatsanleihen kaufen und damit die Geldbasis erhöhen, bis die höhere Geldbasis zu einer Belebung der Wirtschaft führt."
Schau an! Milton Friedman hat schon im Jahr 2000 der japanischen Notenbank Quantitative Easing vorgeschlagen. Da hat Helicopter Ben ja prominente Unterstützung.

Die Frage, ob Friedman ein Liberaler war, beantwortet der Artikel irgendwie nicht. Aber eines ist klar: Als Österreicher wird er nach den Aussagen nicht mehr durchkommen ;-)

Ökonomie: War Milton Friedman ein Liberaler? - Wirtschaftswissen - Wirtschaft - FAZ.NET

Milton Friedman: A Biography

Lesetipp zum Wochenende: Wenn irische Augen weinen

Sind neun Seiten, aber zumindest bis Seite 4 (wo ich gerade bin) sehr lesenswert ... Nicht weil der Artikel voll mit neuen Fakten ist, sondern weil er einfach gut geschrieben ist und die Dimension der irischen Probleme deutlich macht ("einfach mal 100 nehmen und dann ist es die US-Version") ...

Oder die Erwähnung, dass in den USA die Banker fast alle ohne große Schäden davon gekommen sind, während die irischen Banker mit ihren Banken untergegangen sind ("The Irish nouveau riche may have created a Ponzi scheme, but it was a Ponzi scheme in which they themselves believed.")

Oder die Anekdote, dass der irische Ministerpräsident Brian Cohen das Fax für das 440 Mrd. Euro Rettungspaket aus einem Pub abgeschickt haben soll ...

Außerdem kommt ein "crazy egghead" drin vor ;-) Also Lesebefehl ...

Vanity Fair: When Irish Eyes Are Crying

Update (07.02.11)

Auf den Seiten 5 und 6 kommt auch noch eine schöne Geschichte über einen Merrill Lynch Analysten, der  die Vergabepraxis der irischen Banken bei gewerblichen Hypotheken recherchiert und darüber berichtet hat. Danach waren die drei großen irischen Banken in Großbritannien als großzügige Kreditgeber bekannt (heisst: sie finanzierten auch Projekte, die sonst niemand finanzieren wollte). In Irland sollen sie noch großzügiger gewesen sein.
Der Bericht machte in London eine ziemliche Welle, wurde aber nur wenige Stunden später zurückgezogen. Und jetzt ratet mal, wer zu Merrill Lynchs größten Kunden gehörte ...

FT Alphaville hat versucht, den Report aufzutreiben, aber bis auf einen kurze Nachricht von Reuters über den Report ist nichts mehr zu finden. Der Analyst ist Ende 2008 übrigens auch rausgeflogen ...

FT Alphaville » Merrill’s missing Ireland note

Update 2 (08.02.11):

Der Bericht von Merrill Lynch über die irischen Banken aus 2008 ist doch online:

Scribd: Henriettea Baldock Merrrill Memo IRELAND BANKS

gefunden über Irish Bank Memo, Merrill Lynch 9.28.08 | The Big Picture

Update 3:

Der Bericht von Merrill Lynch war auch gestern bei FT Alphaville online, da hatte Merrill aber was dagegen:

FT Alphaville » Merrill’s scrubbed Ireland note

Fracksausen? Wie der Scribd Link oben zeigt, macht das Vorgehen von Merrill Lynch keinen Sinn. Die müssen wohl erst mal "gewikileakt" werden, bevor die verstehen, was es heutzutage kostet, ein Bit zu kopieren und ins Netz zu stellen ... Wenn die halbe City den Report hatte, wird das Teil immer und immer wieder auftauchen ...

US-Arbeitslosenquote 01/11: 9,0% (-0,4) (Aber heftige Korrektur der 2010er Zahlen)

Auch nach dem Jahreswechsel ist die Arbeitslosenquote in den USA deutlich gesunken und liefert damit eine tolle Überschrift. Leider stecken in den Details ein paar dicke Enttäuschungen ...

Zu den offiziellen Zahlen für den Januar 2011:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -622.000 auf 13,863 Millionen. Anzahl der Arbeitenden: +117.000 auf 139,323 Millionen ---> Arbeitslosenquote:

9,0% (-0,4).

Allerdings wurde kräftig umgebucht. So sank die Zahl der Teilnehmer, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, um 185.000, was in einem Land mit wachsender Bevölkerungszahl einigermaßen unlogisch ist. Außerdem landeten satte 319.000 potenzielle Arbeitskräfte in die NILF (not on labor force).
Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung gesehen) stieg wieder ganz leicht auf 58,4% (+0,1), gegenüber dem Vorjahresmonat ist das allerdings noch ein Minus von 0,1 Prozentpunkten. Eine kräftiger Erholung am US-Arbeitsmarkt sieht anders aus.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, zeichnen ein nur schwach positives Bild.

Anzahl der Jobs: +36.000 gegenüber dem Dezember auf 130,265 Millionen. 712

Für die beiden vergangenen Monate gab es (erneut) kräftige Aufwärtskorrekturen: Der November von +71 Tsd. auf +93 Tsd. (erste Schätzung + 39 Tsd.), der Dezember 2010 von +103.000 auf +121.000, also insgesamt um 41.000.

Aber jetzt kommt der Hammer: Mit Beginn des Jahres gab es auch die turnusmäßige jährliche Korrektur: Und danach wurden die Zahl der Beschäftigten der Establishment Data für das gesamte Jahr 2010 nach unten korrigiert. Bereits im Januar 2010 wurden die Zahlen um 321.000 zu hoch ausgewiesen, die Lücke stieg bis Dezember 2010 auf

483.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche sank gegenüber Dezember um 0,1 auf 34,2, die Anzahl der Überstunden blieb konstant bei 3,1 Stunden.

Dass die Wochenarbeitszeit leicht gesunken und die Überstunden nicht gestiegen sind und die Anzahl der "NILFs" kräftig gestiegen ist (was sich auch in dem sehr schwachen Anstieg bei der Erwerbstätigenquote widerspiegelt), trübt die sehr positive Überschrift deutlich. Die NILFs sind übrigens gegenüber dem Januar 2010 um fast 2,3 Millionen gestiegen.

Übrigens ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 ist um 0,6 Prozentpunkte auf 16,1% gesunken.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – JANUARY 2011

Update (16:43):

Der Standardlink auf die Grafik bei Calculated Risk mit dem Vergleich der Arbeitsmarktentwicklungen der letzten Rezessionen:

Employment Summary and Part Time Workers, Unemployed over 26 Weeks

Dort wird der Bericht übrigens für solide gehalten und das, was ich oben so dämpfend beschrieben habe, auf das Wetter zurückgeführt. Das werden wir dann im Februar vielleicht genauer wissen ...

Update (17:33):

Dass die FTD weder die wegkorrigierten 483.000 Arbeitsplätze, noch die 2,3 Millionen NILFs in 2010 mitbekommt, ist schon etwas erstaunlich. Dabei können die doch in ihrer Rubrik "Das Kapital" immer so schön mit Zahlen um sich werfen ...

US-Konjunkturentwicklung: Weniger Erwerbslose in den USA | FTD.de

Griechenland-Schulden-Restrukturierung: Buiter pro, Dibelius (nicht wirklich) contra.

Willem Buiter, jetzt Chefvolkswirt der Citigroup, ist schon länger der Meinung, dass Griechenland angesichts der Schuldenlast an einer Restrukturierung der Schulden, konkret an einem Schuldenschnitt, nicht vorbei kommen wird. Bei gleich bleibender Zinsbelastung kann Griechenland die Haushaltkonsolidierung nicht schaffen.

Die größte Gefahr, die in einer Schuldenhalbierung liegt, ist das Aufweisen einer einfachen Lösung. Auch Länder wie Irland, Spanien oder Portugal (Italien, Belgien) könnten dann lieber eine Umschuldung anstreben als den steinigen Weg eines radikalen Sparprogramms für 10 Jahr oder mehr gehen. Buiter sieht diese Gefahr aber relativ klein, weil die meisten Staatsschulden von Inländern gehalten werden und Politikern diesen den Kapitalschnitt nicht zumuten würden. Das seien schließlich Wähler. Allerdings zeigt das Beispiel der Pleite von Jamaika sehr wohl, dass ein Land Inländer sogar schlechter stellen kann als Ausländer.

Buiter kann sich übrigens auch einen Ankauf der existierenden Staatsanleihen am Markt durch den EFSF vorstellen, wenn der Kurs der Anleihen weit genug sinkt. Allerdings notieren die griechischen Anleihen nicht so weit unterhalb des Nennwerts, dass man darüber eine Halbierung der Schulden hinbekommt, eher eine Senkung um 20 bis 30%. Dieses Vorgehen hätte aber den Charme, dass es technisch keine Insolvenz wäre.

FAZ: „Griechenland braucht eine Halbierung der Schulden“

Buiter meint übrigens auch, dass Irland ebenfalls nicht an einer Umschuldung vorbei kommt. Allerdings sollten dort nicht die Staatsschulden umstrukturiert werden, sondern die Bankschulden, da dort die Krise entstanden ist.

Zurück zu Griechenland: Der Deutschland-Chef von Goldman Sachs Alexander Dibelius sieht die Umschuldung Griechenlands auch zwingend kommen, weist aber darauf hin, dass der Zahlmeister für die Aktion Deutschland sein könne, wenn nicht gar müsse. Deutschland würde so stark vom Euro profitieren, dass selbst bei einer kompletten Übernahme der Kosten der Griechenlandsanierung durch Deutschland keine (Netto-)Belastung entstünde.

Ich bringe an dieser Stelle meinen Standardeinwurf: Vor dem Euro war Griechenland scheinbar eine führende Industrienation und Deutschland ein Schwellenland (wenn überhaupt) ...
Klar profitiert Deutschland vom Euro. Aber Griechenland eben auch: Griechenland hat durch die stabile Währung Zugriff auf die internationalen Kapitalmärkte und niedrige Zinsen bekommen. Leider wurde das Geld nicht investiert, sondern verkonsumiert (v.a. vom Staat).

FTD: Goldman-Deutschlandchef für Hellas-Umschuldung

Update (11:35)

Titel vermurkst ... Jetzt halbwegs sinnvoll ...

WER HÄLT DIE MEISTEN US-ANLEIHEN? CHINA? JAPAN? NEIN!

OK, der Titel ist recycelt ... (WER HÄLT DIE MEISTEN US-ANLEIHEN? CHINA? JAPAN? NEIN!). Aber ich wollte es immer mal nachschauen und auch wenn ich es vergessen habe, hat das irgendjemand gemacht und jetzt bringen es Spiegel, FTD, etc. Auch wenn der Zeitpunkt wahrscheinlich schon etwas in der Vergangenheit liegt, bringe ich die Meldung auch mal.

Die Fed hält inzwischen US-Staatsanleihen im Gesamtwert von 1,1 Billionen Dollar, die chinesische Notenbank "nur" 896 Mrd. Dollar. Japan liegt mit 877 Mrd. Dollar knapp dahinter.

Bis zum Sommer soll der Bestand der Fed

1.600.000.000.000 (1,6 Billionen) Dollar

erreichen, womit die Fed mehr als ein ganzes Jahr an Neuverschuldung (knapp 1,5 Billionen, siehe WIE LANGE BLEIBEN DIE USA NOCH AAA?) in die eigenen Bücher genommen hätte.

Wow. Die USA haben konstant ein Wachstum von 2 Prozent oder mehr und die Fed denkt nicht einmal daran, die Ankaufsgeschwindigkeit zu verlangsamen oder die Käufe zu stoppen. Ich frage mich, wann die Fed anfangen will, die ganzen aufgekauften Anleihen wieder zu verkaufen.

Auch wenn ich wahrscheinlich der Letzte bin, der das Thema Deflation begräbt: Wenn die Fed wirklich in einem solchen Tempo weiter kauft, kann man aufhören, sich über die Deflation Gedanken zu machen. Die Fed riskiert nicht nur Inflation, sie strebt sie wahrscheinlich sogar an. Nur darüber bekommt die Fed die angestrebten negativen Realzinsen (Zins nach Abzug der Inflationsrate). Und dann - magisch - wird auch der Arbeitsmarkt wieder anziehen. OK, wie die über die Inflation enteigneten Rentner ihren Konsum finanzieren wollen, juckt die Fed wohl nicht.

Auch die weltweiten Folgen nimmt die Fed scheinbar billigend in Kauf.

Steigende Rohstoffpreise (Weizen, Öl, ...)
--> Armut und Hunger in den Entwicklungsländern
--> Unruhen u.a. in Nordafrika
--> USA bald ohne Verbündete (Jemen, Ägypten) in Arabien und Nordafrika.

Aber den nächsten Krieg finanziert die Fed dann eben auch noch. Hört sich jetzt etwas arg verschwörungstheoretisch an? Na, schaut Euch mal an, welchen Wahnsinn taumelnde Imperien in der Vergangenheit so angestellt haben ...

FTD: Fed überholt China als größten Gläubiger der USA

S&P stuft Irland auf A- herab (vorher A)

Hmm, nur eine Stufe, da konnte man durchaus mehr erwarten/befürchten.

Zur Erinnerung:

FITCH SENKT RATING VON IRLAND UM EINE STUFE AUF BBB+
MOODY'S STUFT IRLAND UM 5(!) STUFEN AUF BAA1 HERAB

Beide Konkurrenten sind also schon länger eine weitere Stufe tiefer.

Der Ausblick für das Rating bleibt auf negativ. Die nächste Überprüfung ist für den April angepeilt, wenn die nötigen Zuschüsse für den irischen Bankensektor besser abzusehen sind.

Das Interessanteste an der Herabstufung der Anleihen des irischen Staats ist die Begründung: Die Herabstufung des Staatsschulden folgt nämlich auf eine Herabstufung der Ratings der Banken.

Kurze Erklärung: Die Ratings von Banken (und übrigens auch von normalen Unternehmen) eines Landes können nur um eine bestimmte Anzahl Stufen besser sein als die des Landes. Als Griechenland auf Junk herabgestuft wurde, folgten ein paar Tage später auch die Banken (ich dachte, ich hätte das verbloggt, finde es aber nicht wieder). Es wäre jetzt also nicht überraschend, wenn die irischen Banken jetzt auch wieder herabgestuft würden (vielleicht reicht die eine Stufe aber noch nicht aus).

Dieses Mal ist es aber genau anders herum: Die Banken wurden nämlich bereits herabgestuft und es folgt jetzt der Staat, weil ihm die Banken mehrheitlich oder komplett gehören.

Das ist natürlich nicht ganz unlogisch, aber zwei Dinge muss man sich doch fragen:

a) Kann daraus nicht eine quasi automatische Abwertungsspirale entstehen? Wenn die Ratings für den Staat sinken, weil die Ratings für die Banken sinken. Und wenn die Ratings für die Banken sinken, weil die Ratings des Landes sinken?

b) Haben die Iren damit endgültig den Staatssozialismus eingeführt? Banken = Staat = 1 Rating?

FT Alphaville: Sovereign-bank loops, S&P and Ireland edition

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