Sorgt Euch nicht! Wir haben VOLL strenge Richtlinien!

Es sei denn, es droht, dass diese Richtlinien auch angewendet werden müssen ...

So wie man in Brüssel scheinbar die Grenzwerte für die radioaktive Belastung von japanischen Lebensmitteln just in dem Moment erhöht hat, wo sie mal zuschlagen könnten, hat jetzt auch die EZB die Untergrenzen für der Ratings von Papieren, mit denen sich den Banken bei der EZB Geld besorgen können, temporär ausgesetzt. Just in dem Moment, in dem die Herabstufung der Staatsanleihen von Irland droht (was ja nach dem neuen Stresstest nicht ganz überraschend wäre ... siehe NOCHMAL 24 MILLIARDEN EURO FÜR DIE IRISCHEN BANKEN).

Vor der Krise konnten die Banken nur Papiere, die mindestens mit einem Rating von A- oder besser bei der EZB als Sicherheit hinterlegt werden. Als im Fall Griechenland dieses Rating wackelte, befürchteten viele, dass es zu einem massenhaften Verkauf von griechischen Anleihen kommen könnte (unter anderem ich). Die EZB steuerte gegen und senkte die Untergrenze auf die BBB-, also die übliche Grenze, die auch Junk- von Investmentklasse trennt. Dann wurde (wenn ich mich recht erinnere, die genaue Regelung kann ich aber nicht mehr finden) die Regel für griechische Anleihen abgeschafft. Die EZB akzeptierte damit jeden Mist, solange er nur aus Griechenland stammte, als Sicherheit für ihre Geldgeschäfte.

Und nun sind wir am Ende angekommen: Die EZB akzeptiert jetzt wirklich jeden Mist, egal aus welchem Land er stammt, als Sicherheit.

Sicherheit ... Das Wort bekommt irgendwie eine ganz neue Bedeutung ...

Update (22:22):

Ich habe es wieder: Im Fall von Griechenland hat die EZB eine abgestuftes Verfahren implementiert. Je schlechter die Qualität der Anleihen ist, desto höher der Abschlag, den die EZB auf die Papiere vornimmt. Man kann zwar jeden Schrott einreichen, dieser ist aber nicht zu 100%, sondern nur zum Teil beleihbar.

Nochmal 24 Milliarden Euro für die irischen Banken

Der gesamte Zähler beträgt damit nun 70 Milliarden Euro. Man bedenke: Bei knapp 4,5 Millionen Einwohnern, ergo gut 15.500 Euro pro Kopf. Nur für die Banken. Wow.

Die

24.000.000.000 (24 Milliarden) Euro

verteilen sich zu 13,3 Mrd Euro auf die Allied Irish Bank, 5,2 Mrd. gehen an die Bank of Ireland, 4 Mrd. an Irish Life, und 1,5 Mrd. Euro an die Bausparkasse EBS. Die Anglo Irish Bank, die heute morgen 17,7 Mrd. Euro Verlust für 2010 gemeldet hat und schon 30 Milliarden Euro Staatsknete bekommen hat (siehe 17.7bn euro losses for Anglo Irish - National News, Breaking News - Independent.ie), kommt dieses Mal ohne erneuten Zuschuss aus. Immerhin etwas ...

Independent.ie: 70bn euro to bail out Irish banks

Aber damit jetzt nicht wegen der Anglo Irish ansatzweise so etwas wie gute Stimmung aufkommt, füge ich direkt noch einen kleinen, OK großen Dämpfer ein ...

Der irische Stresstest basiert nämlich auf den selben Parametern wie der europäische und ist deutlich "weicher" als der britische Stresstest.

Zum Beispiel testen die Briten im "schlechtesten" Szenario auf einen Preisrückgang bei Gewerbeimmobilien von insgesamt 36,4% in den nächsten 4 Jahren, während Irland (und der Rest Europas) nur auf 22% Minus in 2011 mit anschließender leichter Erholung testen. Dazu kommt noch, dass der britische Markt schon deutlich Erholungsanzeichen zeigt, der irische dagegen noch im freien Fall ist.

Auch beim BIP sind die Annahmen in Großbritannien wesentlich strenger. 4,3% Gesamtrückgang bis 2014 bauen die Briten in ihr strengstes Szenario ein, die Iren nur 1,6% 2011 mit anschließender Erholung, die für den gesamten Zeitraum bis 2014 sogar ein Plus ergeben würde. Die Arbeitslosenrate in Irland soll im kritischen Szenario um 1,2 Prozentpunkte steigen (14,6 auf 15,8%), in Großbritannien um 4,5 Prozentpunkte (von 7,9 auf 12,4%).

Strenger ist der irische Test nur bei den Hauspreisen. Dort werden 17,4% UND 18,8% Minus in 2011 und 2012 als Basis genommen, während die Briten ein Gesamtminus von knapp 21% über die nächsten 4 Jahre prüfen.

Insgesamt gesehen sind die britischen Annahmen für den Stress, dem sich die Banken stellen müssen, deutlich strenger. Man muss nicht zur Kaste der Dauerpessimisten gehören, um im Fall von Irland eine Entwicklung vorherzusagen, die die bisherigen Parameter übersteigt. Die Annahmen erscheinen zwar nicht direkt unrealistisch, aber gerade bei einem Stresstest, der diesen Namen verdient, sollte meiner Meinung nach der schlimmste Fall auch wirklich so schlimme Annahmen enthalten, dass man sich heute nicht vorstellen kann, dass das im negativen Sinn übertroffen wird. Aber ein BIP in Irland, das auch in 4 Jahren niedriger ist als das heutige, oder Gewerbeimmobilienpreise, die mehr als 22% fallen, sind ohne große Anstrengungen vorstellbar. Daher ist das, was die Iren als "schlechtestes" Szenario annehmen für mich eher das Basisszenario ...

UK bank stress tests 'much tougher' than ours - Business, Frontpage - Independent.ie

Update 1 (19:02):

Die FAZ ergänzt noch zwei interessante Zahlen:

Die 70 Mrd. entsprechen etwa 40% des irischen BIPs.
Im 85 Mrd. Rettungspaket für Irland sind bereits 35 Mrd. für die Banken vorgesehen.

Stresstest belegt Kapitalschwäche: Irischen Banken fehlen 24 Milliarden Euro - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

Update 2 (19:31):

Tja, warum lässt man die irischen Banken nicht einfach Pleitegehen?

One way to end Irish crisis — let banks go bust MarketWatch First Take - MarketWatch

Update 3 (22:03):

Weil es eine guter Brauch in diesem Blog ist, hier der Link auf das Original:

Financialregulator.ie: The Financial Measures Programme Report.pdf (PDF!)

Update 4 (01.04.11):

Noch eine Ergänzung:

Die Anglo Irish Bank meldete nur deshalb keinen neuen Kapitalbedarf an, weil sie am Stresstest nicht teilgenommen hat, da die Abwicklung vorbereitet wird. Ach so ...

Stresstest in der Schuldenkrise: Bedingungen für EZB-Kredite an irische Banken gelockert | FTD.de

Portugal: 8,6% Staatsdefizit 2010 (statt 6,9%)

Staatspleitenpr0n mal wieder ;-)

Nach dem Artikel gestern zu den mangelhaften Statistiken aus Griechenland, bei denen ein paar Sachen bei der Berechnung der Staatsschulden "vergessen" wurden (siehe GRIECHENLANDS STATISTIKEN TAUGEN IMMER NOCH NICHTS ...), deutete sich das Gleiche schon in Portugal an.

Bereits heute morgen gingen die Renditen der portugiesischen Staatsanleihen weiter nach oben (siehe Weiterer Renditesprung in Portugal - egghat's not so micro blog), heute Mittag kam dann die offizielle Nachricht zum Staatsdefizit: Statt wie bisher 6,9% wird es nun auf

8,6%

geschätzt. Damit wird auch das Sanierungsziel von 7,3% verpasst.

Sicherlich nicht ganz so spannend auch die Neuberechnung für 2009: Statt 9,3% werden jetzt 10,0% errechnet. Damit geht die Verfehlung des Sparziels für 2010 von 1,3 Prozentpunkten zu etwa gleichen Teilen auf ein höheres Ausgangsniveau (+0,7 Pp) und nicht geschaffte Ersparnis (0,6 Pp) zurück.

Die gesamte Staatsverschuldung Portugals liegt nun bei 92,4% des BIPs.

Der Renditeanstieg hat sich übrigens gegenüber meinem ersten Posting im Zweitblog noch etwas beschleunigt: Inzwischen werfen die 10jährigen 8,32% und die zweijährigen 8,61% ab.

Bloomberg: Portugal Misses 2010 Deficit Target, Raising Bailout Risk (1)
WRAPUP 1-Portugal crisis deepens with deficit revision | Reuters

Und gleich gibt's noch eine Meldung über einen zusätzlichen Kapitalbedarf der irischen Banken, der wohl eine zweistellige Milliardensumme mit einer Zwei vorne enthalten wird ... (also mindesten 4.500 Euro pro Iren ...)

Update (15:30):

Ach so, vergessen: Zielmarke für das Haushaltsdefizit 2011 sind 4,6%. Ohne jetzt zu pessimistisch zu sein: 4 Prozentpunkte Einsparung in einem einzigen Jahr sind ziehhhhmlich optimistisch ...

Griechenlands Statistiken taugen immer noch nichts ...

Nachdem das Staatsdefizit Griechenlands für 2009 mehrfach nach oben korrigiert wurde (von etwa 6 Prozent auf schlussendlich 15,4%), droht jetzt auch für 2010 ein Korrektur, natürlich nach oben. Allerdings wird diese wohl wesentlich schwächer ausfallen. Bisher gelten 9,4% des BIPs als Minus für das Jahr 2009, nun will die europäische Statistikbehörde Eurostat aber weitere Lasten berücksichtigen. Eines der Löcher befindet sich in der Rentenkasse. Danach soll das Minus griechischen Medienberichte zufolge mehr als 10% des BIPs betragen.

Immerhin kann man für 2011 erwarten, dass das Defizit schon früher angehoben wird ;-) Denn es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die 7,4% Minus, die eigentlich geplant wurden, nicht erreicht werden können. Die Steuereinnahmen liegen wegen des BIP-Rückgangs von 4,5% im letzten Jahr deutlich unter Plan.

Handelsblatt: Die Griechenland-Krise ist zurück

Der Handelsblatt Artikel ist ziemlich lang, aber eine Sache vergisst er IMHO: Daran zu erinnern, dass beim EU-Gipfel vor gut zwei Wochen die Bedingungen der griechischen Notkredite geändert wurden: Erstens wurden die Laufzeiten deutlich verlängert (7,5 statt 3 Jahre) und zweitens der Zins um 100 Basispunkte gesenkt. Technisch ist das übrigens (wenn es normale Anleihen wären) ein Default, für die CDS ein Credit Event. Die Kreditausfallversicherungen würden also zahlen.




Der Grund für die Senkung war übrigens (zumindest offiziell) die erfolgreichen Sanierungsbemühungen Griechenlands. Der IWF zeigte sich "zuversichtlich" (Handelsblatt: IWF will verschuldete Staaten stützen), Merkel lobte die "Verankerung einer strikten Schuldenbremse" (Spiegel: Euro-Staaten stärken Rettungsfonds). Würde man heute wohl anderes beurteilen. Aber solche zeitlichen Abläufe in der Politik sind kein Zufall ... Erst einmal die Entscheidung treffen und sich dann von der Nachricht "überraschen" lassen ...

Portugal schon wieder herabgestuft ...

(ich mach das Posting nur noch, um Staatspleite als Tag drunter zu schreiben, damit sich wieder jemand drüber aufregen kann) ...

Statt BBB sortiert S&P die portugiesischen Staatsschulden jetzt bei BBB-, der allerletzten Stufe im Investmentbereich ein.

Die Herabstufung ist deshalb ungewöhnlich, weil die letzte von S&P noch nicht einmal eine Woche zurückliegt ... (PORTUGAL: S&P STUFT RUNTER, MOODY'S BLEIBT RUHIG.) Das sagt dann doch schon einiges darüber aus, wie viel Gewicht man auf die Ratings legen sollte ... Nämlich nicht allzu viel ...

S&P wollte erst den Euro-Gipfel abwarten. Was dabei jetzt so dolles herausgekommen sein soll, was dann eine so schnelle erneute Herabstufung rechtfertigt, kann ich aber auch nicht sagen.

Marketwatch; S&P cut leaves Portugal one notch above junk

Und dann setzte Standard & Poors auch noch das Rating von Griechenland weiter nach unten. Statt BB+ lautet das Rating jetzt BB-. Zwei Stufen weniger, aber irgendwie auch keine sonderliche Überraschung. Am Markt werden schließlich mehr als 15% Rendite für zweijährige Anleihen von Griecheland gezahlt ...

Irland vor erneuter Eurozonenhilfe?

Angeblich ist beim Stresstest der irischen Banken ein neues

20.000.000.000 (20 Milliarden) Euro

Loch aufgetaucht.

Interessant: Die (neue) irische Regierung droht erneut mit einer Beteiligung der privaten Gläubiger, also genau dem Schritt, den die EZB bisher kategorisch abgelehnt hat.

Damit haben wir jetzt wieder die gleiche Verhandlungsposition wie bei ersten Hilfspaket: Irland will niedrigere Zinsen und wehrt sich gegen höhere Unternehmenssteuern. Europa hingegen will höhere Steuern in Irland (=Ende der Niedrigsteueroase). Da Irland kein wirkliches Drohmittel hat, wird wieder die Beteiligung der Bankgläubiger in den Ring geworfen. Und wahrscheinlich geht es so aus wie beim letzten Mal: Irland bekommt Geld. Und an der Höhe der Zinsen oder der Unternehmenssteuern ändert sich nichts.

Finanzkrise: Irland will Bankgläubiger sofort belasten | FTD.de

Regierung bittet um Hilfe: Die Bankenkrise in Irland spitzt sich zu - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

Ich hätte an diesem Wochenende eigentlich eher mit Nachrichten aus Portugal gerechnet ...

US Bankenpleitenticker März 2011

Die Frequenz der Bankenpleiten in den USA wird zunehmend unzuverlässiger ... Nach einem Wochenende mit mageren zwei Pleiten folgte einen pleitenloses Wochenende. Und die drei Bankpleiten, die dann im März schlussendlich zusammengekommen sind, haben gerade einmal einen Bilanzsumme von 443 Millionen Dollar, was einen Gesamtschaden von 113 Millionen Dollar bei der US-Einlagensicherung verursacht ...

Früher haben das jedes Wochenende direkt mehrere Banken geschafft ;-) Die durchschnittliche Bilanzsumme bei den Bankenpleiten bisher lag etwas über 1 Milliarde Dollar. Es nimmt also nicht nur die Anzahl der Bankpleiten ab, sondern auch die Größe.

Diese Entspannung ist einigermaßen überraschend, denn die inoffizielle Liste der "problematischen" Banken wird noch immer länger. In der Liste der problematischen Banken sind vor allem die Banken enthalten, denen der Geschäftsbetrieb ganz oder teilweise untersagt wurde. Diese Liste steht mit 985 Banken kurz vor dem Überschreiten der 1000er Marke. (Calculated Risk: Unofficial Problem Bank list increases to 985 Institutions). Die Anzahl der Pleiten sollte eigentlich nicht so stark zurückgehen, Kandidaten gibt es schließlich noch genügend.

Die zurückgehende Größe der Banken lässt sich aber schon in der Liste erkennen. Heute haben die Banken im Durchschnitt nur noch eine Bilanzsumme von 438 Millionen Dollar, zum Start der Liste im Herbst 2009 waren es noch 710 Millionen.



Wochenende 04.03.2011:

keine Bankenpleite

Wochenende 11.03.2011:

US-Bankenpleite Nr. 344:

Name: The First National Bank of Davis
Sitz: Davis, Oklahoma
Assets: 90 Millionen Dollar
Käufer: The Pauls Valley National Bank, Pauls Valley, Oklahoma
Schaden für die FDIC: 27 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: Kein Treffer.
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Kein Treffer.

FDIC: The Pauls Valley National Bank, Pauls Valley, Oklahoma, Assumes All of the Deposits of The First National Bank of Davis, Davis, Oklahoma


US-Bankenpleite Nr. 345:

Name: Legacy Bank
Sitz: Milwaukee, Wisconsin
Assets: 190 Millionen Dollar
Käufer: Seaway Bank and Trust Company, Chicago, Illinois
Schaden für die FDIC: 44 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 202 (rot)

FDIC: Seaway Bank and Trust Company, Chicago, Illinois Assumes All of the Deposits of Legacy Bank, Milwaukee, Wisconsin


Wochenende 18.03.2011:

keine Pleite

Wochenende 25.03.2011:


US-Bankenpleite Nr. 346: (Nr. 26 dieses Jahr)

Name: The Bank of Commerce
Sitz: Wood Dale, Illinois
Assets: 163 Millionen Dollar
Käufer: Advantage National Bank Group, Elk Grove Village, Illinois
Schaden für die FDIC: 42 Millionen Dollar

Kleiner Check auf die Todesliste Nr.2: kein Treffer!
Kleiner Check auf die aktualisierte Version der Todesliste: Treffer! Platz 33 (rot)

FDIC: Advantage National Bank Group, Elk Grove Village, Illinois, Assumes All of the Deposits of The Bank of Commerce, Wood Dale, Illinois


Musik zum Wochenende: Cut Cover

Massiver Flashback in die 80er. Aber ein Song der richtig gute Laune macht. Und das kann man ja gebrauchen ...

Cut Copy - Take me Over



oder auch im Mylo Remix:

Portugal: S&P stuft runter, Moody's bleibt ruhig.

S&P senkt das Rating der portugiesischen Staatsschulden um zwei Stufen von A- auf BBB. Der Ausblick bleibt auf negativ.

Tagesschau.de: Für Portugal wird es immer enger

Moody's vertraut dem Kurs der Regierung vorerst und lässt das Rating stabil. Der Ausblick ist aber auch dort auf "negativ".

FTD: Moody's lässt Portugal ein A

Fitch hat bereits am Mittwoch auf A- gesenkt (FITCH SENKT (MAL WIEDER) DAS RATING VON PORTUGAL). S&P ist also seit heute um zwei Stufen skeptischer als die beiden anderen.

Die Rendite der portugiesischen Anleihen klettert weiter nach oben. Bei den zehnjährigen sind es inzwischen 7,77% (+11 Basispunkte), bei den zweijährigen sind es heute erstmals mehr als 7% (7,05%, +34 Basispunke). Noch am 9. März, also vor weniger als 3 Wochen, warfen die 2jährigen Anleihen nur 4,69% ab.

236 Basispunkte

innerhalb von 12 Handelstagen sind schon ein kräftiger Anstieg ...

Immer nur Portugal ist irgendwie auch langweilig, also streue ich noch schnell ein Massendowngrade spanische Banken ein. Moody's hat die Ratings von gleich 30 (!) Banken gesenkt, teilweise um bis zu 4 Stufen.

Catalunya Caixa, Banco Pastor und die Banco de Valencia sind mit Ba1 aus dem Investmentbereich geflogen, der große Teil der Banken ist nur noch knapp darüber:
Cajamar, Novacaixagalicia, BBK, Caja España, Caja de Ahorros Municipal de Burgos, Caja de Ahorros de Avila, Caja de Ahorros de Segovia, Ahorro Corporacion Financiera, Lico Leasing sind Baa3,
Caja Laboral, Dexia Sabadell, Cajastur, CAM, Caja Cantabria sind Baa2 und
Banca March, Caja Rural de Granada, Ibercaja, Santander Consumer Finance, Caja de Ahorros de La Rioja, Caja Madrid, Bancaja, Caja Insular de Canarias sind Baa1.

Die großen Banken (BBVA und Santander) und die größte Sparkasse (La Caixa) behielten aber ihr (sehr gutes) Rating von Aa2. Immerhin etwas ...

Rating Action: Moody's takes rating actions on Spanish banks after Spain's downgrade to Aa2

Fitch senkt (mal wieder) das Rating von Portugal

Jetzt A- nach A+, es ging also zwei Stufen runter. Der Ausblick bleibt auf negativ. Die letzte Herabstufung von Fitch gab es im Dezember (FITCH SENKT RATING VON PORTUGAL UM EINE STUFE AUF A+). Standard & Poors war allerdings bereits damals bei A- angekommen.

Nicht nur deshalb finde ich die Überschrift der FTD etwas arg reisserisch:
FTD: Fitch erklärt Portugal für so gut wie pleite

"Für so gut wie pleite". Hmm, was sind denn dann alle mit noch schlechteren Ratings, also mit Ratings, die vorne ein B haben? Also A.T.U, Aegon, Allianz, Accor, Alcatel-Lucent, Alstom, Anheuser-Busch Inbev, Arcelor Mittal, AXA, Bacardi, Bertelsmann, Bayer, Brasilien ... Ich glaube diese Auswahl für die ersten beiden Buchstaben des Alphabets reichen, oder?

Gut, dass Portugal keine Chance hat, sehe ich schon länger so, nur dass jetzt das Rating von A- von Fitch das anzeigen würde (wie es die FTD schreibt), ist Quark. A- ist nämlich ein gutes Rating, das Portugal schon lange nicht mehr verdient ...

Portugal: Sparprogramm abgelehnt. Socrates tritt zurück.

Als kurzes Update zu meinem Artikel über Portugal von gestern (PORTUGAL VOR ENTSCHEIDENDER ABSTIMMUNG ÜBER SPARHAUSHALT):

Haushalt abgelehnt. Ministerpräsident tritt zurück. Nun wohl Neuwahlen. Und der Zugriff auf den Rettungsfonds scheint unvermeidbar.

FAZ: Ministerpräsident Sócrates tritt zurück

Einkommen in Großbritannien sinken deutlich

Ich wollte über Großbritannien und die Lage dort eh schon länger mal wieder was schreiben. Mich interessierten vor allem die stark negativen Realzinsen in Großbritannien, nicht zuletzt im Hinblick auf mein altes Posting : NEGATIVER REALZINS - GUT FÜR GOLD!

Die Leitzinsen in Großbritannien liegen ja noch immer auf dem Rekordtief von 0,5%, die Inflation klettert hingegen immer weiter. Inzwischen steigen die Verbraucherpreise in Großbritannien mit einer Jahresrate von 4,4% (siehe Spiegel: Verbraucherpreise in Großbritannien steigen um 4,4 Prozent). Zur Erinnerung: Zielmarke ist 2% und ab einer Inflationsrate von 3% muss die englische Notenbank der Regierung Sondermeldung erstatten und die Gegenmaßnahmen erläutern. Daher rechnen inzwischen einige Beobachter mit einer zügigen Zinsanhebung in England (siehe FTD: Inflation zwingt Bank of England auf EZB-Kurs).

Die Inflation hat aber auch eine andere fiese Wirkung: Sie schmälert die Vermögen und auch die Einkommen. Bei den Einkommen gab es wegen der Krise nur kleine Steigerungen. Real sorgte die Inflation dafür, dass die Einkommen in den letzten 3 Jahren sogar um 1,6% gefallen sind. In Geld entspricht das 365 Pfund (20.398 Pfund nach 21.176 Pfund 2008).

Noch negativer wird die Betrachtung, wenn man die "normalen" Einkommenssteigerungen dagegenrechnet, die es in den letzten 50 Jahren im Durchschnitt gab. Diese lagen bei 5% im Drei-Jahres-Zeitraum. Rechnet man beides zusammen, liegen die Einkommen über

6% 

unter dem Niveau, das ohne Rezession "normal" gewesen wäre.

Telegraph: Households £365 poorer than three years ago
Telegraph: UK households face biggest income fall since 1970s as inflation bites

Und daran wird sich wohl kaum was ändern. In der Prognose für die nächsten Jahre wird nicht erwartet, dass 2013 der Stand von 2008 wieder erreicht werden kann. Hauptgrund ist natürlich das schwache Wirtschaftswachstum in Großbritannien, das durch die Sparprogramme der Regierung weiter belastet wird.

Aber was sollen die Briten auch machen bei einer Neuverschuldung von 9,9% des BIPs ...

Update (23.3.11):

Interessanterweise will die britische Regierung die Konjunktur über Steuersenkungen ankurbeln. Das passt natürlich gar nicht zur angestrebten Haushaltssanierung. Also werden auf der einen Seite Steuern gesenkt, auf der anderen erhöht. Im Fall von Großbritannien bedeutet das auf der einen Seite eine Anhebung des Steuerfreibetrags auf mehr als 8.000 Pfund für Privatleute und eine Senkung der Körperschaftssteuer von 28 auf 26%. Die Gegenfinanzierung auf der anderen Seite ist eine kräftige Anhebung der Sondersteuer of Nordseegas und -öl, die von 20 auf 32% erhöht wird.


Gold wieder offizielles Zahlungsmittel in den USA

OK, bisher nur in Utah, aber immerhin ...

Da beobachte ich seit Jahren, wie die Chinesen versuchen, den Dollar abzulösen, ohne dabei die eigenen Anlagen im Dollarraum im Gesamtwert von grob geschätzten 2 Billionen Dollar zu stark zu beschädigen. Und da tippte ich bekanntlich bisher auf eine Stärkung der Sonderziehungsrechte des IWF, die ja nur zu 44% aus Dollar bestehen. Andere tippten eher auf Gold (oder allgemeiner Rohstoffe und Bodenschätze), eine Möglichkeit, die ich auch nicht ausgeschlossen habe, nur konnte ich einen überproportionalen Anstieg der Goldreserven der Chinesen nicht erkennen (klar, die Chinesen kauften Gold, aber der Anteil an den gesamten Reserven blieb ziemlich stabil bei 1,x% und das trotz steigender Goldkurse).

Nun scheint der Angriff auf den Dollar aber aus einer ganz anderen Ecke zu kommen. Und zwar aus den USA selber ...

In Utah sollen Gold- und Silber wieder gesetzliches Zahlungsmittel werden. Genauer gesagt werden staatliche Gold- und Silbermünzen akzeptiert, keine Barren und scheinbar auch keine ausländischen Münzen. Auch muss nicht jeder Goldmünzen akzeptieren, aber scheinbar kann man damit zumindest schonmal seine Steuern bezahlen. Und nein, es ist kein Trick: Es geht wirklich um den Materialwert  der Gold- und Silbermünzen, nicht um den Nennwert, der auf den Münzen steht.  Also nicht um die 50 $ Nennwert, die der American Gold Eagle hat, sondern um die gut 1.400$, die die Unze Gold wert ist.

Zurück geht der Antrag auf Ron Paul, der auch einigen meiner Leser bekannt sein dürfte. In Utah ist es noch nicht endgültig, aber das Parlament hat bereits überraschend klar mit 47 zu 26 Stimmen zugestimmt. Es kann noch bis Monatsende ein Veto eingelegt werden, ansonsten ist das Gesetz durch.

Ähnliche Gesetzesvorhaben gibt es in weiteren 13 Bundesstaaten der USA: Colorado, Georgia, Montana, Missouri, Indiana, Iowa, New Hampshire, Oklahoma, South Carolina, Tennessee, Vermont und Washington.

Grund für die Änderung ist die Angst vor Inflation, bzw. der Schutz der Bürger vor der Geldentwertung. Mit einer Silbermünze hätte man in den sechziger Jahren genau wie heute ein paar Gallonen Benzin kaufen können, mit den Dollarscheinen, die in den 60er Jahren einer Silbermünze entsprachen, kann man heute nur noch einen Bruchteil einer Gallone tanken. (Gut das Argument ist irgendwie auch leicht hirnig, denn man sollte sein Geld wohl kaum unter Kopfkissen aufbewahren, sondern zumindest die Zinsen auf dem Sparbuch mitnehmen, die den Kaufkraftverlust zum großen Teil ausgleichen).

Übrigens wurde in diesem Zusammenhang auch die Steuer auf Gold- und Silbermünzen, also sowohl Kapitalertragssteuer als auch die Umsatzsteuer, abgeschafft.

Die Gegner des Gesetzes befürchten die Verwendung von Gold und Silber als vom Staat nicht kontrollierbares Schwarzgeld.

Mal schauen, ob das Veto kommt und was in den 13 anderen Bundesstaaten passiert ...

Inflationsangst: Utah erklärt Gold zum offiziellen Zahlungsmittel - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Utah House stamps gold, silver as legal tender | The Salt Lake Tribune

Utah House Passes Bill Recognizing Gold, Silver as Legal Tender | Ron Paul 2012 | Sound Money, Peace and Liberty

Portugal vor entscheidender Abstimmung über Sparhaushalt

Und so wie es aussieht, könnte die Zustimmung des Parlaments durchaus ausbleiben ...

Die portugiesischen Anleihen hielten sich vergleichsweise stabil. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe stieg "nur" um 12 Basispunkte auf 7,50%. Das ist knapp unter den bisherigen Höchstständen (ganz im Gegensatz zu Irland, das täglich neue Renditehochs erklimmt). Aber auch die 7,5% sind natürlich ein Niveau, das sich das hochverschuldete Portugal nie und nimmer dauerhaft leisten kann. Auch macht es keinen Sinn, solch hohen Zinsen am Kapitalmarkt zu bezahlen - das Geld aus dem Rettungsfonds ist schließlich billiger.

Die Kreditausfallversicherungen für portugiesische Staatsanleihen wurden übrigens heute deutlich teurer. Es ging um 6,3% oder 31 Basispunkte auf

528 Basispunkte

nach oben. Dort wurde die relative Ruhe, die am Anleihemarkt zu beobachten war, nicht geteilt. Portugal war damit der größte Verlierer unten den Krisenstaaten Europas.

Portugal steuert damit unaufhaltsam auf den EU-Rettungsfonds zu, das Thema, zu dem ich eigentlich etwas schreiben wollte. Aber scheinbar hat Angela Merkel (mal wieder) vor, ein Paket, das schon beschlossen schien, nochmal aufzuschnüren.

Besonders brisant ist die finanzielle Lage in Portugal auch, weil die Barreserven im Haushalt bei nur noch 4 Mrd. Euro liegen und im April und Juni Altschulden im Gesamtwert von 9 Mrd. Euro refinanziert werden müssen.

Guardian:Portugal edges towards 'inevitable' bailout from EU partners

Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, wurden heute Spekulationen über die portugiesische Bahn laut. Standard & Poors hat das Rating der beiden Bahngesellschaften bereits gesenkt; die Unterstützung des Staats sei zunehmend unsicher. Daraufhin soll eine Anleiheemission über 500 Millionen Euro geplatzt sein.
Außerdem berichtete die Financial Times heute, dass es keine einzige portugiesische Bank geschafft haben soll, sich in den letzten 12 Monaten Geld am "freien" Kapitalmarkt zu besorgen. Die Refinanzierung des gesamten portugiesischen Bankensektors läuft scheinbar ausschließlich über die Zentralbank (und damit die EZB).

FT Alphaville: Things fall apart, Portugal edition

Kann sich noch jemand vorstellen, dass es Portugal schafft, aus eigener Kraft die Kurve zu kriegen? Ich ehrlich gesagt nicht ...

Was kostet das Stimmverhalten eines EU-Politikers pro Jahr?

Nicht einmal

100.000 Euro pro Jahr!

Tolles Geschäftsmodell. Für den Politiker. So toll, dass sich der österreichische Abgeordenete Ernst Strasser (ÖVP) sich sogar damit brüstet, 6 bzw. bald 7 Mandanten zu haben. Er wolle nicht wissen, wer hinter den Zahlungen stecke, es reiche ihm aus, wenn das Geld kommt und er wisse, bei welchem Gesetz er wie abstimme soll. Oder welche Klauseln er wo in die Gesetzentwürfe einbauen soll.

Am Samstag dementierte er alles, inzwischen ist er nach der Veröffentlichung des Videos aber doch zurückgetreten. Das war wohl doch zu offensichtlich:





Und wer jetzt meint, dass die Politiker eh alle korrupt sind, tja, was soll ich sagen, zwei weitere werden schon verdächtigt: Der Ex-Außenminster Rumäniens Adrian Severin sowie den Ex-Außenminister Sloweniens Zoran Thaler.

Aufgedeckt wurde der Skandal von der Sunday Times, deren Webangebot aber hinter eine Paywall steckt, daher bekommen die Links andere ab:

Sueddeutsche: In Korruptionsskandal tritt EU-Abgeordneter ab

Wie Strasser auf die "Sunday Times" hereinfiel « DiePresse.com

TI-Deutschland: Korruptionsskandal im Europaparlament: Österreichischer Abgeordneter gibt Mandat auf

Ich bin echt sprachlos ...

Update (16:22):

Die beiden anderen gibt es auch als Video:

Adrian Severin:



Zoran Thaler:



Update (22.03.11):

Beim RA Kompa gibt's auch noch was dazu:


Warum steigt (stieg) der Yen?

Mir wurde diese die Frage gestern mehrfach zugetragen, deshalb schreibe ich mal kurz was dazu.

Die nahe liegende Überlegung ist ja diese: Nach einer Katastrophe wie der in Japan ist das Land und die Wirtschaft stark geschwächt. Eigentlich sollte eine Währung darauf mit Schwäche reagieren.

Das passiert in Japan aber nicht, weil Japan über hohe Devisenreserven verfügt. Zum Beispiel liegt Japan auf Platz drei der größten Auslandsgläubiger der USA (hinter der Fed und China, wobei die Reihenfolge hier unklar ist, siehe WER HÄLT DIE MEISTEN US-ANLEIHEN? CHINA? JAPAN? NEIN!). Auch bei den Anleihen der PIGS Staaten in Europa zählte Japan in den letzten Monaten zu den zuverlässigsten Käufern.

Nun braucht Japan aber Geld für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben und dem Tsunami. Daher lösen die japanischen Verbraucher und Unternehmen Vermögen auf (und damit eben auch Auslandsvermögen) und investieren das Geld im Inland. Sie verkaufen also Dollar und Euro und kaufen im Gegenzug Yen. Diese steigende Nachfrage lässt den Yen steigen und die anderen Währungen fallen.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag trieben diese Käufe (und ein Haufen Spekulation und Panik) den Dollar in einem Flash-Crash auf ein Nachkriegstief von etwa 76,50 Yen. Auch wenn sich der Kurs anschließend wieder erholte, stoppte der Abwärtstrend seit dem Erdbeben nicht. Und ganz nebenbei war der Yen auch vorher schon tendenziell überbewertet.

Für die japanische Wirtschaft ist ein derart starker Yen eine (zusätzliche) Katastrophe. Die japanischen Exporte werden teurer und von den niedrigeren Importpreisen hat Japan nichts, schließlich steckt Japan schon seit gut 2 Jahrzehnten praktisch permanent in der Deflation. Japan bräuchte also genau das Gegenteil, sprich einen schwachen Yen und importierte Inflation.

Daher haben sich die 7 führenden Industriestaaten  (G7) heute Nacht entschlossen, gemeinsam gegen den Yen zu intervenieren, um den Yen zu schwächen und somit die japanischen Exporte zu stärken. Die Aktion ist kurzfristig erfolgreich, der Dollar sprang um fast 4% nach oben.
Aber mittelfristig sieht man schnell, dass die Notenbanken den Yen gerade einmal zurück auf den Stand von Montag bzw. Dienstag gedrückt haben. Außerdem ist fraglich, ob sich die Notenbanken gegen die globalen Geldflüsse stemmen können. Denn dass die Japaner jetzt zusätzliches Geld benötigen, ist nicht wegzudiskutieren oder wegzuintervenieren ...




Japan: Flashcrash bringt Dollar-Yen auf Rekordtief - Devisen & Rohstoffe - Finanzen - Investor - FAZ.NET



Japanische Währung: G7 helfen Japan mit Intervention am Devisenmarkt - Hintergründe - Wirtschaft - FAZ.NET



Moody's stuft Portugal auf A3 herab

Irgendwann muss ich ja mal wieder bloggen, auch wenn ich angesichts der dramatischen Lage in Japan im Moment eher auf der Konsumentenseite stehe ...

Womit soll ich besser anfangen als mit einer Spezialnachricht für Stephan Ewald? Yeah, Ratingnews!

Auch wenn es einige zu hoffen scheinen: Immer noch nicht die USA, sondern mal wieder die europäische Peripherie: Portugal. Dort reduzierte Moody's die Bewertung von A1 auf A3. Das ist nur noch 4 Stufen oberhalb von Junk. Der Ausblick bleibt weiterhin auf negativ.

Moody's nennt 4 Hauptgründe für die erneute Herabstufung:

a) Sorge um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der portugiesischen Volkswirtschaft, die zu anhaltend hohen Leistungsbilanzdefiziten führen könnte. Da der Exportsektor Portugal ziemlich klein ist, muss die Leistungsbilanz vor allem über niedrigere Importe ausgeglichen werden. Dafür muss mehr gespart werden und eine höhere Ersparnis bedeutet weniger Wirtschaftswachstum. Außerdem sieht Moody's Gefahren durch steigende Zinsen, mit denen die EZB auf die anziehende Inflation reagiert.

b) Auf der positiven Seite lobt Moody's die durchgeführten Sparmaßnahmen und Strukturreformen der portugiesischen Regierung. Positive sieht Moody's auch, dass beide großen Parteien in Portugal die Maßnahmen unterstützen. Die Sparmaßnahmen seien aber noch nicht ausreichend und das Sparziel für 2011 noch schwieriger zu erreichen als 2010, weil 2011 mit einem Rückgang des BIPs gerechnet werden muss.

c) Desweiteren hat Moody's Sorge, dass der portugiesische Staat dem Bankensektor unter die Arme greifen muss. Zwar hat Portugal keine so große Immobilienblase zu verzeichnen gehabt wie der iberische Nachbar und die Bankbilanzen sind deutlich besser, trotzdem sind die Banken schon fast seit einem Jahr nicht mehr in der Lage, Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. Wie bei den Banken aus Griechenland, Irland und zum Teil auch Spanien kommt das frische Geld ausschließlich von der EZB.

d) Der Zinsaufschlag, den Portugal aktuell an den Kapitalmärkten bezahlen muss, kann die langfristige Finanzierbarkeit der Schulden beeinträchtigen.

FT Alphaville: Moody’s downgrades Portugal to A3 from A1

Zum Vergleich:  S&P und Fitch haben Portugal (noch) bei A+ (=A1 in Moody's Logik), beide allerdings mit negativem Ausblick.

"Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert ,..."

„Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: ‘Das ist technisch unmöglich!'" (Peter Ustinov)
gefunden in den Kommentaren zu Don Alphonsos extrem lesenswerten Artikel im DeusExMachina Blog, in dem es um die Ingenieure und ihre Berechnungen und Statistiken geht.

Am Ende unterscheiden sich die Berechnungen der AKW-Ingenieure auch nicht viel von denen der Finanzingenieure an der Wall Street. Beide ignorieren den Extremfall, den Schwarzen Schwan, schlicht. So wie es keinen Kursverlust von 30% an einem Tag, den Ausfall eines großen Handelspartners, 40% Immobilienpreisrückgang oder den Ausfall eines Eurozonenmitgliedes geben kann, so kann es auch kein Erdbeben mit einer Stärke von 8,8 geben. Und anschließend die Notstromaggregate nicht anspringen und dann womöglich einfach ein Kabel fehlen ...

Die Göttlichkeit der Atommaschine nach menschlichem Ermessen

Tschuldigung, das ist Moment das Einzige, was mir gerade passend erscheint, um es in dieses Blog einzustellen.

Update (22:39)

Noch zwei Links als Lesetipps:

Physikblog: Die Probleme beim Kernkraftwerk Fukushima I

Und die vielleicht beste Linksammlung zum Thema:

Scienceblogs: Quellen und seriöse Links zum Fukushima-Kraftwerk-Störfall

Beides sehr gute, sehr ruhige Informationsquellen, die einem hoffentlich helfen, in dem Stimmenwirrwarr etwas den Durchblick zu behalten.

Moody's senkt Rating von Spanien auf Aa2

Auslöser ist der FROB, der Fonds zur Restrukturierung des spanischen Bankensektors.

Zu den möglichen Abschreibungen und dem daraus entstehenden Kapitalbedarf der spanischen Banken hatte ich ja schon ein paar Mal etwas geschrieben. Auch die offizielle Schätzung der spanischen Regierung, dass man wohl mit 20 Mrd. Euro auskommen wird, müsste hier aufgetaucht sein. Die meisten Analysten schätzen aber deutlich höhere Zahlen.

Nun erhöht auch Moody's seine alte Schätzung von 17 Mrd. Euro für die Rekapitalisierung des spanischen Bankensektors auf 40 bis 50 Milliarden Euro. Dafür gibt es zwei Hauptgründe:

a) Die Anzahl der Instrumente, die zum Tier1-Eigenkapital gehören, wird immer geringer. Das geht zum Teil wohl auf erste Vorbereitungen zu Basel III zurück. Viele Arten von Hybridkapital, die bisher zum Tier-1-Eigenkapital zählten, fallen nun raus.
b) Die spanische Regierung will jetzt auf 10% Eigenkapital bei den Banken kommen, wenn diese nicht überwiegend in privaten Händen sind (sonst gelten 8%).

Moody's kann sich allerdings auch in einem "more stressed scenario" einen weitaus höheren Kapitalbedarf vorstellen und zwar

110.000.000.000 bis 120.000.000.000 (110 bis 120 Milliarden) Euro.

10 Milliarden Minus entsprechen etwa 1% des BIPs.

Außerdem weist Moody's auf die Haushaltsdefizite der Regionen, das Defizit in der Sozialversicherung (das erste seit 1998), das magere 2011er-Wachstum von maximal 1 Prozent und die dadurch wohl auf hohem Niveau bleibende Arbeitslosigkeit hin.

Allerdings erwähnt Moody's auch positiv, dass der aktuelle Schuldenstand Spaniens bei "nur" 60% des BIPs liegt und damit wesentlich niedriger als der Deutschlands, Frankreichs oder der USA. Auch scheint der (Zentral-) Staat seine Sparvorhaben umsetzen zu können. Das Sparziel für 2011 wird womöglich sogar übertroffen, die Neuverschuldung möglicherweise um einen ganzen Prozentpunkt (auf's BIP gesehen) niedriger ausfallen als zuletzt prognostiziert.

Alles in allem geht Moody's weiterhin davon aus, dass Spanien KEINEN Zugriff auf den europäischen Stabilitätsfonds benötigen wird.

Das aktuelle Rating ist jetzt Aa2 (nach Aa1), was immer noch das drittbeste mögliche Rating ist. Der Ausblick bleibt - vor allem wegen der Unsicherheit über den Kapitalbedarf des FROBs - bei negativ.

FT Alphaville » Moody’s downgrades Spain, FROB to Aa2

(Habe eigentlich keine Zeit, sonst hätte ich die oben aufgeführten alten Artikel von mir noch rausgesucht.)

Oh, Bill Gross sieht US-Staatsschulden aber negativ

Der Bericht des größten Vermögensverwalters der Welt ist zwar noch nicht online, aber Zero Hedge hat scheinbar schon vorab die wichtigsten Informationen erhalten.

Bill Gross, für Anlagegelder von insgesamt mehr als eine Billionen Dollar verantwortlich, hat in seinem größten Fonds, der fast eine Viertel Billionen verwaltet, den Anteil von US-Staatsanleihen auf

0 (Null)

reduziert.

Den Bargeld-Anteil hat Gross im Gegenzug mehr als vervierfacht. Die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen im Portfolio (genauer die Duration) ist in den letzten drei Monaten von etwa 5,3 Jahren auf jetzt nur noch 3,9 Jahre gefallen.

Das ist ein ziemlicher Swing in ziemlich kurzer Zeit, vor allem für einen so großen Fonds.

Zero Hedge glaubt, dass Gross davon überzeugt ist, dass kein QE3 kommen wird (siehe QE3 VOR DER TÜRE? WENN DER ÖLPREIS WEITER STEIGT?). Ansonsten würde der Verkauf jetzt keinen Sinn machen. Man könnte ja später an die Fed verkaufen ...

Man könnte den Kurswechsel aber auch einfacher als Angst vor Inflation interpretieren.

Exclusive: Bill Gross Dumps All Treasuries, Brings Total "Government Related" Holdings To Zero, Flees To Cash - No QE3? | zero hedge

Ich würde eher zu letzterem tendieren, also weniger Angst vor der Pleite der USA, sondern mehr Angst vor Inflation. Was meint ihr?

Update (23:21):

Hah, die Jungs vom Handelsblatt waren eine Stunde schneller:

Misstrauensvotum: Pimco verkauft seine US-Staatsanleihen - Börse + Märkte - Finanzen - Handelsblatt

Noch eine #AWD-#Maschmeyer Doku im NDR heute Abend

Heute Abend 22:35 bis 23:05 im NDR mit neuen Unterlagen, die das Ausmaß der Fehlberatungen durch den AWD belegen sollen. Passend zum Entspannen nach dem Schalke-Spiel ...

Ganz neu ist das sicherlich nicht, denn es ist ja bereits bekannt, dass beim AWD mehr als 30% der verkauften Produkte geschlossene Fonds und andere steueroptimierte Anlagen waren. Auch, dass diese bereits Kunden mit Monatseinkommen von 1.450 Euro angedreht wurden, was natürlich eine viel zu niedrigere Grenze darstellt (siehe Maschmeyer hat Schröder die Memoiren bezahlt - egghat's not so micro blog).

Nur damit ihr Bescheid wisst und nicht nochmal eine AWD Dokumentation an Euch vorbeirauscht (wie der hier bei Spiegel-TV: Die #AWD-#Maschmeyer Doku auf Spiegel-TV verpasst? - egghat's not so micro blog).

Ich schätze, dass die Sendung etwa 25 Minuten zu lang sein wird, wenn man die anderen Sendungen schon gesehen hat. Aber was will man machen, lineare Medien halt ...

Neues vom Drückerkönig | NDR.de - Fernsehen - Sendungen A - Z - Panorama - die Reporter

QE3 vor der Türe? Wenn der Ölpreis weiter steigt?

Beginnt die Fed schon, die nächste Stufe des Quantitative Easings vorzubereiten?

Ich staune. Sollte der Ölpreis weiter ansteigen und eine Rezession auslösen, will die Fed mit einem weiteren Anleihenankaufprogramm dagegen halten: Quantitative Easing Teil 3.

Hmm. Die Fed druckt Geld. Dieses Geld landet zumindest teilweise in den Rohstoffmärkten und treibt dort u.a. die Ölpreise. Und gegen diese steigenden Ölpreise will die Fed mit noch mehr frischem Geld kämpfen?

Wuah.

Besser kann man glaube ich nicht demonstrieren, dass das was die Fed gerade macht, nicht einfach und ohne Kollateralschaden ablaufen kann. Und der Kollateralschaden im aktuellen Fall heisst Inflation.

Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Fed diese Inflation überhaupt als Schaden betrachtet. Denn genau gelesen spricht sie davon gar nicht. Sie redet nur davon, dass sie gegen die Rezession, die ein steigender Ölpreis auslösen könnte, vorgehen wird. Vom Kampf gegen die Inflation ist eigentlich gar nicht die Rede ...

Oil may spur third bond-buy plan: Fed official The Fed - MarketWatch

Update (15:43):

Noch etwas mehr Analyse zum Thema, u.a. einem Link zu James Hamilton, der dem ein oder anderem auch von Econbrowser.com bekannt sein dürfte.


Der Laden ist auch unkaputtbar ...

Eine der zwei Firmen meiner zwei angesagtesten Pleiten des Jahres 2008 lebt ja immer noch (AMBAC hatte ja das Credit Event, das ich scheinbar nicht verbloggt habe ... ISDA body confirms Ambac Financial credit event/). Und ich verstehe das nicht einmal ansatzweise ... Beide müsste eigentlich schon tot sein, weil sie schlicht kein Geschäftsmodell mehr haben. Was will man noch versichern, wenn man selber kein exzellentes Rating mehr hat?

Bei MBIA standen im vierten Quartal Einnahmen von 144,5 Millionen Dollar Ausgaben in Höhe von 311,6 Millionen gegenüber. Weil aber gleichzeitig hohe Gewinne auf Kapitalanlagen eingefahren wurden, gab es am Ende einen dicken Gewinn: 451 Millionen Dollar oder 2,24 $ pro Aktie. Die Aktienanalysten erwarteten einen Verlust von 27 Cent je Aktie. Dass die Aktie nach der Bekanntgabe der Zahlen nachgab, muss man wohl unter "die Börse ist nicht logisch" verbuchen ...


Man muss bei der "Rettung" der Firma aber eines bedenken: Die Neustrukturierung des Geschäfts hat der Firma zwar das Überleben gesichert, ist aber noch lange nicht in trockenen Tüchern. MBIA hat bekanntlich sein Rückversicherungsgeschäft in zwei Bereiche aufgespalten, einen der Anleihen öffentlicher Schuldner versichert (was mal ursprünglich das einzige (übrigens hochprofitable) Geschäft von MBIA war), und einen zweiten, in dem die hypothekenbesicherten Anleihen landeten, also das Geschäft, das MBIA fast den Nacken gebrochen hätte. Das über eine Kapitalerhöhung eingesammelte Geld wurde dann ausschließlich in den Bereich gesteckt, der öffentliche Anleihen versichert. Das ist dann wohl das Geschäft, das MBIA langfristig am Leben halten soll (und vielleicht sogar wird).

Das gefiel den Kunden, die Versicherungen im anderen Bereich abgeschlossen haben, natürlich nicht. Denn diese haben jetzt eine teure Versicherung bei einem Laden, der völlig unterkapitalisiert ist und im Zweifelsfall die Versicherungssumme eh nicht mehr auszahlen kann.
Die Banken, die dort Versicherungen abgeschlossen haben, klagen auch gegen die Restrukturierung. MBIA ließ sich aber auch nicht lumpen und klagte zurück: Die Banken hätten bei der Qualität der versicherten Hypotheken gelogen und die hohen Risiken verschwiegen. Hört sich - wenn man an die Auslöser der Krise zurück denkt - nicht ganz unlogisch an ...

Vielleicht sind die Gegenklagen auch der Grund, warum sich immer mehr Banken aus den Klage gegen MBIA zurückziehen. Aktuell war es am Anfang des Monats die Citigroup:

Reuters: Citigroup withdraws from MBIA restructuring case

Die Liste der Banken, die noch weiter klagt, ist aber immer noch beeindruckend: Bank of America, BNP Paribas, ABN Amro, HSBC, UBS Wells Fargo, ...  Die der "Rückzieher" aber auch: JP Morgan, Citigroup, Barclays.

Ich hätte ehrlich gesagt nie geglaubt, dass eine solche Restrukturierung, bei der man ein Geschäft massiv mit Kapital versorgt, während man das andere, das eigentlich dem Untergang geweiht ist, darben lässt, durchkommt. Ich hätte das tendenziell unter  Insolvenzbetrug abgeheftet ...
Aber es wäre nicht ganz unlogisch, wenn die staatlichen Regulierer hier beide Augen gleichzeitig zugedrückt hätten. Denn eine Pleite von MBIA hätte hohe Schäden verursacht. Diese konnte man mitten in der Krise einfach nicht gebrauchen. Also hat man dem Laden irgendeine Restrukturierung erlaubt, Hauptsache der Kapitalmarkt kann irgendwie angezapft werden. Vielleicht kann die Firma so überleben, zumindest verschiebt sich die Pleite etwas nach hinten. Es wird einfach auf Zeit gespielt, weil die Gerichte ein paar Jahre brauchen, bevor sie ihr Urteile fällen. Und dann 2012, 2013 oder später sind die Bilanzen der Banken (hoffentlich) wieder so weit gefüllt, dass sie eine Pleite des Hypotheken-Versicherungsteils von MBIA verkraften können.

(Der Artikel war eigentlich für gestern Abend geplant, ist aber irgendwie in der Queue hängen geblieben ...)

Moody's senkt Rating von Griechenland um drei Stufen

And once again:

Wieder drei Stufen weiter runter und das obwohl Moody's die griechischen Staatsschulden schon länger für Müll hält. Jetzt liegt das Rating bei B1 statt Ba1. Auch nach der Herabstufung bleibt der Ausblick auf "negativ".

Der Konkurrent Fitch hat Griechenland seit Mitte Januar auf BB+ mit einem negativen Ausblick, Standard & Poors sieht Griechenland ebenfalls bei BB+ und hat den Ausblick Ende letzter Woche ebenfalls auf negativ gesenkt. Beide Konkurrenten werden Moody's wohl bald folgen.

Hauptgrund für die Herabstufung sind die Steuereinnahmen, die trotz Steuerhöhungen kaum anziehen. Griechenland steckt halt in einer fiesen Rezession. Dazu kommt die Unsicherheit, ob 2013 Griechenland ohne Haircut der Altschulden in den neuen Stabilitätsmechanismus ESM wechseln kann/darf/wird.

Der Markt sieht Griechenland schon länger sehr kritisch und vertraut den ganzen Beteuerungen der europäischen Politiker nicht. Denn wenn die Refinanzierung sicher wäre, würden die Märkte sich mit weniger Rendite als den aktuell gebotenen 16% für die zweijährigen Anleihen zufrieden geben. Die 16% Marke wurde übrigens heute nach einem Intraday-Sprung um mehr als 50 Basispunkte zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der Griechenlandkrise Anfang Mai 2010 wieder überschritten.

Es gab noch zwei größere Ratingänderungen:

Portugal sieht S&P aktuell (noch) bei A+, senkte den Ausblick aber auf negativ.
Spanien sieht Fitch weiterhin bei AA-, seit Freitag ebenfalls mit einem negativen Ausblick.

Damit sei der Überblick über die Ratingänderungen der letzten Tage beendet.


FT Alphaville » Moodys downgrades Greece to B1 from Ba1 [Updated]

Update (16:11):

Die Griechen schimpfen natürlich wieder auf die Ratingagenturen. Die Herabstufung würde die Schuldenrefinanzierung verteuern und könne zur selbsterfüllenden Vorhersage werden.
Häh?
Die griechischen Schulden wären ohne EU Hilfe eh schon nicht mehr refinanzierbar, die Vorhersage ist doch lange schon eingetreten. Und der Zins ist doch fix. Daran ändern die Ratingagenturen auch nichts mehr. Oder glauben die Griechen wirklich noch, dass die auf absehbare Zeit von irgendjemanden mit einem klaren Verstand noch Geld bekommen würden? Ok, vielleicht gäbe es noch Geld, aber garantiert nicht zu einem Zins, mit dem Griechenland (über)leben kann ...

Nach Abstufung: Griechische Wut auf Ratingagentur - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

Musik zum Wochenende: Vampire Weekend

Als ich am vergangenen Wochenende den Arte Mitschnitt des PJ Harvey Konzerts empfohlen habe, stellte ich mit Freue fest, dass das hier auch schon mehrfach empfohlene Projekt La Blogothèque scheinbar mit Arte kooperiert. Was an mir bisher ziemlich vorbeigegangen ist, obwohl ich den RSS-Feed von La Blogothèque abonniert habe.

Egal, auf jeden Fall gibt es da eine Reihe interessanter Sachen zu entdecken. Ich beginne mal mit Vampire Weekend, die hier ein Blogothèque typisches Livekonzert geben, nur ist es etwas länger als die üblichen 2 bis 3 Lieder, die sonst immer kommen.

Ziemlich euphorisierte Stimmung:



US-Arbeitslosenquote 02/11: 8,9% (-0,1 Vm)

Nach dem niedrigsten Wert für Erstanträge auf Arbeitslosengeld, der in dieser Woche veröffentlicht wurde, und den guten ADP Zahlen von gestern, war ein guter Arbeitsmarktbericht in den USA zu erwarten. Ohne den schlecht reden zu wollen, war er auch durchgehend und konsistent gut, einige hochfliegende Erwartungen dürften aber trotzdem enttäuscht worden sein.

Zu den offiziellen Zahlen für den Februar 2011:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -190.000 auf 13,863 Millionen. Anzahl der Arbeitenden: +250.000 auf 139,573 Millionen ---> Arbeitslosenquote:

8,9% (-0,1).

Die Umbuchungen blieben diesen Monat vergleichsweise harmlos. Die Anzahl der Personen, die dem Arbeitsmarkt theoretisch zur Verfügung stehen, stieg um 147.000, davon landeten 60.000 auch wirklich im Pool der Leute, die Arbeit suchen/haben und 87.000 in den NILF (not in labor force). Da habe ich schon deutlich unplausiblere Zahlen gesehen ...

Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung gesehen) blieb konstant bei 58,4%, gegenüber dem Vorjahresmonat ist das immer noch ein Minus von 0,1 Prozentpunkten. Im Jahresvergleich spürt man die ganzen Umbuchungsaktionen der Vergangenheit noch. Die Arbeitslosenquote ist in den letzten 12 Monaten immerhin von 9,7% auf 8,9% gefallen, während die Erwerbstätigenquote nicht analog dazu gestiegen ist.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, zeichnen ebenfalls ein verhalten positives Bild.

Anzahl der Jobs: +192.000 gegenüber Januar 2011 auf 130,265 Millionen. Allerdings blieb ein richtig großer Sprung aus, den nach dem enttäuschenden Januar einige erwartet haben. Im Januar soll es am winterlichen Wetter gelegen haben und für den Februar wurde teilweise eine kräftige Aufholjagd vorhergesagt.

Für die beiden vergangenen Monate gab es (schon wieder) kräftige Aufwärtskorrekturen: Der Dezember 2010 wurde von +121.000 auf +152.000 (erster Wert 103.000), der Januar 2011 von 36.000 auf 63.000 korrigiert, zusammen also um 58.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb im Februar bei 34,2, die Anzahl der Überstunden stieg um 0,2 auf 3,3 Stunden.

Zusammenfassend ein guter, wenn auch nicht überragender Bericht vom US-Arbeitsmarkt, der in beiden Teilen (Household + Establishment), den Indikatoren aus der zweiten Reihe und den Korrekturen für die Vergangenheit ein einheitliches Bild zeichnet. Und ganz ohne komische Umbuchaktionen in NILFs (o.ä.) auskommt. Und das habe ich wirklich lange nicht mehr gesehen.

Übrigens ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 ist um 0,2 Prozentpunkte auf 15,9% gesunken.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – FEBRUARY 2011 (PDF)

Fifa verdient gut ...

 ... aber bei Weitem nicht so gut, wie ich mal spekuliert hatte.

Ich hatte im letzten Dezember einen Bericht im Spiegel zur Zahl des Tages gemacht hatte, in dem berichtet wurde, dass der Volkswirtschaft in Südafrika nur 10,7% der Ausgaben für die Fußball-WM in Form von erhöhten Steuereinnahmen zurückgeflossen seien (ZAHL DES TAGES (10.12.10): 10,7%). Damals spekulierte ich auch über Milliardengewinne für die Fifa.

(OK, die 10,7% glaube ich immer noch nicht, die in den Kommentaren genannten 50% erscheinen mir deutlich logischer zu sein, siehe SAH: Vorläufige Evaluation der Auswirkungen der FIFA Weltmeisterschaft auf Südafrika (PDF). Was aber auch immer noch ein Desaster ist, denn am Anfang wurden etwa dreimal so hohe Einnahmen wie Ausgaben erwartet, woraus am Ende zweimal so hohe Ausgaben wie Einnahmen wurden. Woah, das ist mal heftig falsch gerechnet).

Weil ich das Thema schonmal hatte, reiche ich die Zahlen, die der Weltfußballverband heute gemeldet hat, gerne nach. Auch weil die Fifa ja schon häufig für Einträge auf meinem Korruptionsticker gut war ;-)

Die Fifa fasst die 4 Jahre rund um eine WM immer zu einer Periode zusammen, weil ein großer Teil des Gewinns logischerweise im Jahr der Fußball-WM entsteht und die drei Jahre davor nicht sonderlich viel zur Sache tun. Von 2007 bis 2010 hat die Fifa bei Umsätzen von gut 3 Milliarden Euro 452 Millionen Euro Gewinn eingefahren. Die Reserven in Blatters Reich stiegen somit auf 926 Millionen Euro.

Da hätte ich ehrlich gesagt mehr erwartet ...

Nichtsdestotrotz bleibt natürlich eine große Lücke zwischen dem Gewinn, den die Fifa eingefahren hat, und dem Verlust, den das Schwellenland Südafrika verkraften musste. Fair geht anders ...

Spiegel: Blatters Verband schwimmt im Geld


Update (12:56)

Das Handelsblatt hat einen langen Artikel zur Fifa. Interessant darin vor allem die Einschätzung, dass die  Ausgabenseite der Fifa ziemlich intransparent sei. Wohin die ganzen Einnahmen fließen, bliebe zu wesentlichen Teilen unklar ... Womit wir wieder zurück beim Korruptionsticker wären ...

Fifa-Finanzen: Herr Blatters Gefühl fürs große Geld - Fußball - Sport - Handelsblatt


Update (14:17):

Aus aktuellem Anlass nochmal ein Artikel zu den Mehreinnahmen durch die WM. 375 Millionen Euro durch 309.000 zusätzliche Touristen.

Handelsblatt: Fußball-WM kurbelt Südafrikas Wirtschaft an

Ihr klickfaulen ...

... ... ...

Nachdem in der zweiten Februarhälfte nicht ein einziger meiner Artikel geflattert wurde ...
Anfang März nicht eine einzige Abozahlung über Flattr hereinplumpste ...
und sich im ganzen Februar kein Einziger der angeblich 24 Kachingler auf meinem Blog hat blicken lassen ...

könnt ihr jetzt wenigstens mal eine Stimme im Wettbewerb um das "Finance Blog of the Year" bei Smava abgeben. Am besten natürlich für mich ;-)

Smava: Finance Blog of the Year 2011 - Voting

Ich verspreche auch hoch und heilig, dass ich den möglichen Hauptpreis (500 Euro) so einsetzen werde,  dass sich das Kurs-Umsatz-Verhältnis der Apple Aktie verbessern wird ;-)

Smava: Finance Blog of the Year 2011 – Endspurt in der finalen Abstimmung

Axel Weber mit Vorschlag zur Restrukturierung der Euro-Schulden

Auch wenn sich immer noch viele wehren: Irgendwie wird eine solche "sanfte" Restrukturierung kommen. Das Bundesfinanzministerium zeigte sich auch durchaus aufgeschlossen (was mich durchaus überrascht, haben die das vorher schonmal gesagt?).

Warum geht es? Der bald Ex-Bundesbanker Weber schlägt vor, dass die Staatsanleihen von Ländern, die auf den europäischen Rettungsfonds zugreifen, automatisch eine um drei Jahre verlängerte Laufzeit bekommen.
Damit würde vor allem der Rettungsfonds erheblich entlastet werden. Er müsste in den drei Jahren nämlich keine Tilgung der Altschulden finanzieren, sondern "nur" die laufende Verschuldung.
Und dass die Gläubiger auf nichts verzichten, stimmt auch nicht. Wenn die Rendite einer griechischen Staatsanleihe heute bei 14,81% liegt, der Kupon aber nur bei 4%, "verzichten" die Gläubiger auf 10% pro Jahr. Das soll wohl niemand merken ;-)

Vielleicht kommt auf die dreijährige Verlängerung noch ein Zinsverzicht, aber davon ist erstmal nicht die Regel, denn Weber betont, dass es kein Default sei. Das wäre aber (IMHO) bei einer Zinsänderung der Fall. Ich bin aber sicher, dass da noch mehr kommt ... Weil eine reine Verlängerung der Schulden am Problem zu hoher Schulden in Länder mit Leistungsbilanzdefizit nichts löst.

(Und doof auch, dass die Idee jetzt schon raussickert. Die Anleger werden doch sofort die Möglichkeit einer Laufzeitverlängerung einpreisen, kurz mehr Zinsen verlangen. Spanien und Portugal, die noch nicht auf den Fonds zurückgreifen, dürften das bei der nächsten Schuldenaufnahme zu spüren bekommen ...)

Bundesbank-Präsident Weber: Euro-Gläubiger durch längere Laufzeit beteiligen - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

Update (03.03.11):

Der Vorschlag von Weber aus der FAZ ist jetzt online und ein paar Sachen werden deutlicher.

Die Einschätzung, dass die Laufzeitverlängerung kein Default sei, ist richtig, weil Weber nur über *neue* Anleihen spricht, bei der diese Klausel direkt eingebaut werden könnte. Die Einschätzung mag für Default/Nichtdefault auch sehr richtig sein, nur frage ich mich, wie damit das Problem der Altschulden gelöst werden soll. Und woher die Neuschulden kommen sollen, denn am Kapitalmarkt bekommen die Krisenländer eh alle kein Geld mehr ... Das wirkt daher eher wie ein Vorschlag für die nächste Krise ...

Einen Aspekt, den ich gestern Abend noch nicht beschrieben habe, würde ich gerne noch ergänzen: Weber betont, dass eine automatische Laufzeitverlängerung um 3 Jahre (also exakt den Zeitraum, den ein Land auch Zugriff auf den ESM (European Stability Mechanism) bekommen soll), für eine gleichmäßigere Verteilung der Risiken sorgt. Jetzt ist es im Fall von Griechenland bekanntlich so, dass für den Zeitraum der Rettungsmaßnahme ein Ausfall der Altschulden eigentlich ausgeschlossen ist. Das Land kann sich schließlich vollständig refinanzieren, ohne auf den Kapitalmarkt zurückgreifen zu müssen. Falls dann doch die Schulden restrukturiert werden müssten, kämen die kurzfristigen Anleihen völlig ungeschoren davon und nur bei den langfristigen Schulden müsste geschoren werden (Haircut). Damit würde der gesamte Haircut ausschließlich bei den langfristigen Bonds abgeladen, mit der Folge, dass deren Rendite durch die Decke gehen würde. Es würden also nur noch kurzfristige Anleihen gekauft und keine langfristigen mehr, bzw. langfristige nur mit hohen Renditeaufschlägen.

(Ich beschreibe hier die Lage theoretisch. In der Praxis notieren die eigentlich sicheren 2-Jahres-Anleihen von Griechenland mit 14,8% also höher als die 10-jährigen. Das kann aber nur daran liegen, dass die Märkte den bisherigen Beteuerungen, dass der Haircut ausbleibt und das Rettungsprogramm in vollem Volumen zur Verfügung steht, kein Vertrauen schenken.)

Aber irgendwo beisst sich die Argumentation von Weber ... Wenn eine Anleihe mit einer solchen Drei-Jahre-Verlängerungsklausel ausgestattet wird, muss ich im Zweifelsfall mit einer späteren Rückzahlung des Geldes rechnen. Das erhöht mein Risiko und/oder senkt meine Rendite. Das werden die Märkte einpreisen und für die Anleihen mehr Geld verlangen.

Zusammenfassend bleiben zwei große Probleme:

i) Das Problem der Altschulden wird nicht gelöst, eine nachträgliche Änderung der Bedingungen geht nicht.
ii) Auch für die neuen Schulden mit der 3-Jahre-Klausel wird der Markt einen Risikoaufschlag nehmen. Das führt also zu höheren Refinanzierungskosten und hilft den Krisenstaaten somit nicht.

Gastbeitrag: Krisenhilfe ohne Gemeinschaftshaftung - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

Ungarn wollte den Forint an den Franken koppeln?!?

Was 'ne irre Idee!

Die Ungarn schaffen es nicht, sich mit der Eurozone zu synchronisieren und sich an den Euro zu koppeln und wollen dann eine noch stabilere Währung als Basis nehmen? Huh!?

Bei einer Kopplung an den Schweizer Franken könnte sich Ungarn jede Art von Export direkt abschminken. Bei einer so starken Währung wäre die ungarische Volkswirtschaft komplett chancenlos.

Aber warum kommt die ungarische Regierung auf eine offensichtlich so bescheuerte Idee? Ganz einfach: Die Ungarn haben sich wie die Irren in Fremdwährungen verschuldet (wie z.B. Island oder Lettland auch). Wie die Irren heißt in diesem Fall: 57% der Privatkredite lauten auf Fremdwährungen, be den Unternehmenskrediten sind es noch 10 Prozentpunkte mehr. Und da man am besten gar keine Zinsen bezahlen wollte, begnügte man nicht mit den niedrigen Zinsen in Euro, sondern wählte direkt die noch niedrigeren Zinsen im Schweizer Franken.
Und genau das wollte man mit der Bindung an den Schweizer Franken erreichen: Die Kredite der Verbraucher sollten auf einem halbwegs akzeptablen Niveau stabilisiert werden, damit diese auch bezahlbar bleiben.

Ohne die Bindung stieg der Schweizer Franken von 141 auf 225 Forint und macht damit die Kredite um fast 40% teurer. Unter der gestiegenen Schuldenlast leiden die ungarischen Verbraucher jetzt.

Das ist die klassische Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber es gibt auch keinen einfachen Weg, wenn eine ganze Volkswirtschaft wie ein Hedgefonds agiert und versucht, das lustige Carry-Trade-Spielchen mitzuspielen. Das knallt und zwar übel ...

Devisenmarkt: Bindet Ungarn den Forint an den Franken? - Devisen & Rohstoffe - Finanzen - Investor - FAZ.NET

Im Devisenkompass von HSBC Trinkaus im Februar waren auch vier lesenswerte Seiten zu Ungarn: HSBC Trinkaus: Devisenkompass Februar 2011 (PDF)

Update (16:10):

Till hat noch eine interessante Anmerkung in die Kommentare geschrieben: Die Idee der Bindung des Forints an den Franken ist natürlich auch deshalb total gaga, weil Ungarn nie im Leben die Mittel hätte, eine solche Bindung aufrechtzuerhalten. Die ungarische Notenbank müsste im Zweifelsfall ja mit Interventionen dagegenhalten. Nur fehlt Ungarn das Geld dafür. Die Hedgefonds würden sofort versuchen, gegen den Forint zu spekulieren. Ein gefundeneres Fressen dürfte den Hedgefonds lange nicht mehr serviert worden sein ...

Gerichtsverfahren gegen Goldman Sachs könnten 3,4 Mrd. Dollar kosten

Eine ganz schöne Summe! Da könnte man schnell denken, mein Gott, was für ein korrupter Laden, dass die so viele so teure Verfahren gleichzeitig gegen sich laufen haben. Die Nachricht von gestern (und die Korruptionskultur, die in dem dreisten Vorgehen erkennbar ist), deckt diese These eigentlich auch (siehe WIE LANGE WARTET EIN INSIDER, BIS ER SEINE INSIDERINFORMATION WEITERPLAPPERT?)

Am Ende sind die

3.400.000.000 (3,4 Milliarden) Dollar

für Goldman Sachs aber ein Klacks. Viele der Verfahren werden sich noch lange hinziehen. Und ein Teil der Verfahren wird eingestellt werden und Goldman Sachs nur wenig Geld kosten.

Und ganz nebenbei sind die Verfahren aus Verfehlungen in mehreren Jahren entstanden. Mal angenommen, die Vorfälle beziehen sich auf einen Zeitraum von 3 Jahren, sind das pro Jahr 1,1 Mrd. Strafe für Goldman Sachs. Goldman Sachs hat hingegen im vierten Quartal 2010 2,23 Mrd. Dollar verdient und das nach einer Gewinnhalbierung; im dritten Quartal wurden noch über 4,5 Mrd. Dollar verdient. Goldman Sachs kann also selbst 3,4 Milliarden Dollar locker bezahlen. Und hat somit wenig Anlass, die Anzahl der "Tätigkeiten" zu reduzieren, die am Ende vor einem Gericht landen könnten. OK, wahrscheinlich ist und bleibt das ein korrupter Laden ...

Dealbook: Goldman’s Legal Bill Could Hit $3.4 Billion

Übrigens scheint die unglaubliche "Glückssträhne" der Goldmänner gerissen zu sein, die ich hier mal erwähnt habe (siehe  ZAHL DES TAGES (10.05.10): 63). Nachdem Goldman Sachs im 1. Quartal 2010 an ALLEN 63 Handelstagen einen Handelsgewinn eingefahren hat, sind in den restlichen drei Quartalen 2010 doch tatsächlich 25 Tage dazugekommen, die mit einem Verlust endeten.

Loser ;-)

Ernsthaft, das sind etwa 10% aller Handelstage und das ist weiterhin eine Quote, die eigentlich nicht geht. In einem effizienten Markt kann man nicht an 90% der Tage Gewinne einfahren und nur an 10% Geld verlieren. Wenn das mit völlig legalen Mitteln möglich wäre, würden das andere (z.B. Hedgefonds) auch machen.
Ich tippe auf irgendwelche Gewinne, die andere nicht einfahren können. Zum Beispiel weil die Goldmänner über den Einblick in mehrere Orderbücher einen Informationsvorteil haben oder über die Beteiligung an einer Börse einen Zeitvorteil haben, den man z.B. im High Frequency Trading nutzen kann. Aber erfahren werden wir das wohl nie ... Über High Frequency Trading wurde zwar viel diskutiert und spekuliert, richtig harte Reformen gibt es da aber scheinbar nicht ...

Wie lange wartet ein Insider, bis er seine Insiderinformation weiterplappert?

Und wie viel Mühe gibt er sich, diese Tatsache zu verstecken?

OK, er wartet nur

23 Sekunden

und gibt sich sowas von gar keine Mühe, etwas zu vertuschen, dass es echt weh tut. Er wartet nicht bis zum Mittagessen oder bis zum Drink in der Bar und flüstert es die Informationen weiter. Er nimmt nicht einmal ein privates Zweithandy, sondern das normale Telefon am Arbeitsplatz.

So lauten zumindest die Vorwürfe im Fall des ehemalige Goldman Sachs Vorstandmitglieds Rajat Gupta. Dieser soll sowohl das große Investment von Warren Buffett als auch schlechte Ergebnisse umgehend an Raj Rajaratnam, den Chef des Hedgefonds Galleon Tech Funds, weitergegeben haben. Vor dem Buffett Einstieg kaufte der Fonds noch schnell (das musste schnell gehen, zwischen der "Nachricht" um 15:53 und Börsenschluss um 16:00 blieb nicht viel Zeit), im anderen Fall hatte er mehr Zeit und konnte am nächsten Morgen noch in Ruhe verkaufen.
Ich habe die Aufnahme der Ermittlungen vor etwa 18 Monaten verbloggt (ZAHL DES TAGES (18.10.09): 20.000.000).

Da fragt man sich, was schlimmer ist. Dass der Mann korrupt war oder dass er sich seiner Sache so sicher war und scheinbar nichts zu befürchten hatte. Denn das würde ja bedeuten, dass an der Wall Street quasi alle korrupt sind und die Ermittlungsmaßnahmen nur im Ausnahmefall eine Wirkung entfalten.

Businessinsider: Guess How Many Seconds Rajat Gupta Waited Before Calling Raj After Blankfein Told Him Q4 2008 Earnings Were Bad

gefunden über:

Twitter / @Verlorene Generation: Es dauert 23 SEKUNDEN, bis ...

Update (02.03.2011):

Die Anklageschrift gibt's übrigens hier:

http://www.sec.gov/litigation/admin/2011/33-9192.pdf

Der entgangene Verlust + zusätzlicher Gewinn durch die beiden Vorfälle lag bei 17 Millionen Dollar.

Und Schwupps hält China auf einmal 300 Mrd. $ mehr US-Anleihen

Was eine kleine "Revision" der Daten so alles bewirken kann ...

Die Überarbeitung der Datenreihe zu den Beständen ausländischer Gläubiger hat einen Anstieg um schlappe 30% (oder etwa 300 Milliarden Dollar) auf nun

1.160.000.000.000 (1,16 Billionen) Dollar

ergeben. (Leider kann ich die genaue Höhe der Änderung nicht finden, ich kann die letzte Veröffentlichung von vor zwei Wochen auf der Website des US-Finanzministeriums nicht finden. Das ganze ist eh etwas verwirrend, weil die offizielle Pressemitteilung nur zum Stand Ende Juni 2010 ist, die komische Revision sich aber auf den Stand Ende 2010 bezieht, die aber nur eine Vorabveröffentlichung ist. Naja, der komische Sprung ist auf jeden Fall trotzdem aufgefallen ...).

Damit sind die Verbindlichkeiten der USA in Richtung China vom Dezember 2009 zum Dezember 2010 um 265 Milliarden Dollar gestiegen. Zumindest in 2010 ist von einer Abkehr Chinas von US-Schulden (oder dem US-Dollar) nichts zu sehen. Das Volumen der chinesischen Käufe von US-Staatsanleihen ist fast exakt so hoch wie 2009.

Yahoo: China's holdings of US debt jump 30 percent 
Treasury.gov: MAJOR FOREIGN HOLDERS OF TREASURY SECURITIES

Hmm dachte ich, ob damit China die Fed im Rennen um den größten Einzelgläubiger der USA wieder überholt hat (siehe WER HÄLT DIE MEISTEN US-ANLEIHEN? CHINA? JAPAN? NEIN!(Okt 2010), WER HÄLT DIE MEISTEN US-ANLEIHEN? CHINA? JAPAN? NEIN! (Feb 2011))? Nein, ein kurzer Check der Zahlen bei der Fed zeigt, dass diese inzwischen US-Staatsanleihen im Gesamtwert von

1.201.000.000.000 (1,201 Billionen) Dollar

hält.

http://www.federalreserve.gov/releases/h41/current/h41.htm#h41tab1

Das ist der Stand am 23.2.2011, es kann also gut sein, dass China zwischenzeitlich wieder vorne lag. Wenn man die 134 Mrd. Dollar mitzählt, die in Hong Kong liegen, wäre China wohl auch heute noch auf Platz 1.

Generell gilt, dass die Zahlen des US-Finanzministeriums und der Fed nicht komplett vergleichbar (wenn auch ähnlich) sind (FAQ dazu), aber am Ende ist die Frage, wer auf Platz 1 und 2 liegt, auch nicht soooo wichtig.

Denn die Änderung ist weit weniger dramatisch als es in manchen Artikeln dargestellt wird. Die Gesamthöhe der Auslandsschulden ist bei der Zahlenüberarbeitung nämlich "nur" um 1,5% auf

4.400.000.000.000 (4,4 Billionen) Dollar

gestiegen. Der große der Teil der chinesischen Forderungen wurde vorher schlicht woanders (sprich falsch) gezählt. So sanken zum Beispiel die US-Verbindlichkeiten an Großbritannien deutlich.
Die logische Erklärung: Die Chinesen (z.B. ein Staatsfonds) haben US-Staatsanleihen am Börsenplatz London aufgekauft. In der ersten Zählung wurde das dann als Forderung aus Großbritannien gezählt. Nachdem klar wurde, dass das chinesisches Geld ist, wurde die Forderung halt umgebucht.

(Deutschland liegt mit etwa 60 Mrd. $ übrigens nur auf Platz 17. Hinter Luxemburg und der Schweiz, womit man zwei weitere mögliche Beispiele für kräftige Verzerrungen hat. Denn ein nicht geringer Teil der Geldes, das in der Statistik zu Luxemburg und der Schweiz gezählt wird, dürfte am Ende deutsches (Schwarz-)Geld sein).

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