Musik zum Wochenende ... #rw2011

Der einzige mögliche (wenn auch viel zu offensichtliche) Song am heutigen Tag:

The Smiths - The Queen is dead

Live:



Gar nicht so schlechte Videoqualität für 1986. Man muss sich nur mal die anderen anschauen, die Youtube rechts vorschlägt ... Da kann man den Song teilweise echt nicht mehr erkennen ...

So klingt der übrigens "in echt" ...

Schrottstudie des Jahres: Mindestlohn beschert Staatskasse Milliarden

Ein Mindestlohn von 8,50 Euro würde der Staatskasse Mehreinnahmen von etwa 7 Mrd. Euro bringen. Das sagt eine Studie, die die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegeben hat.

OK, ein positives Ergebnis war bei dem Auftraggeber zu erwarten, allerdings nicht unbedingt, wie billig die zum gewünschten Ergebnis kommen: Die ignorieren einfach den Effekt, dass steigende Löhne zu sinkender Nachfrage führen. Sei es durch wirklich weniger nachgefragter Leistung, sei es durch Abdrängung regulären Jobs in die Schwarzarbeit.

Doch genau da liegt der Knackpunkt! Sollten nur 5% der Jobs abgebaut werden, wäre ein Mindestlohn positiv für die Volkswirtschaft. Wenn jedoch 25% der Jobs wegfallen, wäre er definitiv negativ. Diese entscheidende Frage einfach auszuklammern, hat schon was ...

Meine Güte, ist die wirtschaftspolitische Argumentation primitiv geworden ...

Neue Studie: Mindestlohn beschert Staatskasse Milliarden - Arbeitsmarkt und Hartz IV - Wirtschaft - FAZ.NET

Update (02.05.11):

@aloa5 teilt meine Meinung über die Qualität der Studie: Schrott. Und zwar mit der schlimmste, der in den letzten Jahren in diesem Bereich "auf den Markt" gekommen ist. Ich betone nochmal, dass ich NICHT den Mindestlohn kritisiere (auch wenn ich weiterhin eher ein Kombilohn-Modell bevorzuge). Und ich betone auch nochmal, dass ich nicht sage, dass 8,50€ zu viel oder zu wenig sind. Ich sage nur, dass man mit solch primitiven Herleitungen wie in der Studie KEINE Aussage treffen kann.

Einen sehr guten Überblick über weitere Studien hat der gute aloa5 zusammengestellt. Darunter auch ein paar, die deutlich besser sind. (Dabei allerdings auch einige, die bei zu hohem Mindestlohn die angeblich nicht vorhandenen negativen Beschäftigungseffekte eben doch feststellen). Übrigens auch sonst lesenswert.

Randnotiz: schlecht, schlechter, Mindestlohn-Studie (mit Update) « libri logicorum – Wirtschaft und Politik…. logisch

US BIP Q01-11: +1,8%

Es ist nur die erste Schätzung, aber die Zusammensetzung ist meistens trotzdem schon so aussagekräftig, dass man diese mal genauer unter die Lupe nehmen kann.

Das Plus des BIPs der USA im ersten Quartal 2011 von

1,8% 

war in etwa wie erwartet. Ich weiss allerdings nicht, ob das auch auf die Zusammensetzung zutrifft.

Denn das Vorquartal, das mit einem Plus von 3,1% kam, war unter der Oberfläche noch besser, weil die Lagerbestandsänderungen das Wachstum um satte 3,4 Prozentpunkte drückte. Bei gleicher Lagerhöhe wäre das Vorquartal sogar mit etwa 6,5% im Plus gewesen, ein grandioser Wert (siehe US-BIP Q04-10: +3,2% (VORABSCHÄTZUNG). BEI KONST. LAGER +7(!)%, Zahlen leicht unterschiedlich, weil ein Artikel auf Basis der ersten Schätzung).
Dieses Mal ist es dummerweise umgekehrt. Denn vom schwachen 1,8%-Wachstum geht etwa die Hälfte (0,93 Prozentpunkte) auf die Änderung des Lagerbestands zurück.

Staatsausgaben senkten das BIP-Wachstum kräftig um knapp 1,1 Prozentpunkte. Der Saldo aus Im- und Exporten war dieses Mal minimal unter Null, genau wie der Wachstumsbeitrag aus Investitionen.

Calculated Risk hat recherchiert, dass der Anteil der Bauinvestitionen am BIP auf den niedrigsten Wert in der Nachkriegsgeschichte der USA gefallen ist (
Calculated Risk: Residential Investment and Non-Residential investment in Structures at Record Lows as Percent of GDP). Ganz schnell wird sich das wohl nicht ändern, dazu ist der Lagerbestand an unverkauften Immobilien zu hoch und der Staat wird wohl auch keine großen Infrastrukturmaßnahmen mehr starten, im Gegenteil, es wird wohl eher gespart werden. Allerdings: Viel tiefer können die Bauausgaben auch nicht mehr sinken.

Das Wachstum kam also fast ausschließlich aus dem privaten Konsum, der 1,91 Prozentpunkte zum Wachstum beitrug.

Der vielleicht größte Knackpunkt des BIP-Berichts für das vierte Quartal war ein sehr niedriger Preisdeflator. Damals lag der Wert nur bei +0,4%, was überhaupt nicht zur steigenden Inflation passte. Dieses Mal lag der Preisdeflator wieder bei realistischeren 1,9%, so dass man davon ausgehen kann, dass das Nettoplus auch wirklich eines war.
(Der Preisdeflator wird vom Brutto-BIP abgezogen. Mit einem zu niedrigen Preisdeflator (sprich einer zu niedrigen Inflation) kann man somit ein zu hohes Netto-BIP ausweisen, was kaum jemand merkt, weil das Brutto-BIP und der Preisdeflator in den Schlagzeilen nie genannt werden).

Bea.gov: GROSS DOMESTIC PRODUCT: FIRST QUARTER 2011 (ADVANCE ESTIMATE) PDF!

Frick Geschädigte erhalten nur ca. 15% des Schadens

Wenn sie denn überhaupt klagen ...

Aber der Reihe nach ...

1.) Das Urteil gegen Markus Frick (siehe 21 Monate auf Bewährung für Markus Frick - egghat's not so micro blog) ist nun rechtskräftig. Niemand hat Einspruch eingelegt.

2.) Es sind inzwischen die ersten Details aus den Schadensersatzklagen gegen Frick bekannt geworden. Im ersten Urteil gab es nur 5% Schadensersatz. Der Anwalt erwartet aber, dass sich die Summe nach der rechtskräftigen Verurteilung noch erhöhen kann.

Die bisherigen Urteile ließen auf einen Schadensersatz von etwa 20% schließen, es ist tatsächlich aber noch weniger, nämlich nur 15%, die Frick bezahlen muss. Weil aber die Anwälte (=Klägerseite) 85% der Prozesskosten übernehmen, bleibt gerade für kleinere Geschädigte wohl in vielen Fällen gar kein Geld übrig. Die Anwälte bekommen das Geld also in erster Linie selber.

Aber es kommt noch schlimmer: Der Staat hat sich etwa 42 Millionen Euro gesichert. Das Geld geht in eine Art Treuhandpool, auf den die Geschädigten ebenfalls Anspruch haben. Aber nur, wenn sie zivilrechtlich gegen Frick gewonnen haben. Die bisherigen Vergleiche waren aber ... Vergleiche, keine zivilrechtlichen Verurteilungen (das Urteil von oben war ebenfalls nicht zivilrechtlich, sondern strafrechtlich). Auf Basis dieser Vergleiche kommt man an die 42 Millionen als Geschädigter also nicht heran. Das ist bei Vergleichen aber durchaus üblich, man verzichtet halt auf alle weiteren Ansprüche. Pech!

Und als wenn man diesem Desaster nicht noch die Krone aufsetzen könnte, kommt es noch schlimmer. Denn von den 293 zivilrechtlichen Klagen gegen Frick sind nur noch 55 offen. Und diese Kläger müssen jetzt in einem bestimmten Zeitfenster gegen Frick gewinnen, um an die 42 Millionen Euro (oder einen Teil davon) zu kommen. Schaffen diese das nicht (was bei der Trägheit der Gerichte allein aus Zeitgründen durchaus möglich ist), verfällt der 42-Mio-Topf für den Schadensersatz. Aber nein, nicht an den Staat, wie man vielleicht denken könnte, sondern zurück an Frick. Und das ist ziemlich realistisch, denn die bisherigen Vergleiche haben Frick nur 4,6 Millionen Euro gekostet (und diese großzügigen Vergleiche wurden ihm beim Urteil noch positiv angerechnet). Dass bei den wenigen restlichen noch offenen Verfahren noch wesentlich größere Summen als die 4,6 Millionen entstehen können, ist ziemlich unwahrscheinlich.

Das fass ich jetzt echt nicht mehr ...

Ich glaube, dass das Verfahren gegen Frick in allen Details bestätigt, was man über Verfahren über Anlagebetrug in Deutschland geahnt hat:

Auf der Beklagtenseite ist das Urteil gegen Frick mild (nur Bewährung). Und durch die prozessrechtlichen Details gibt es gute Chancen, dass der Mann aus der Nummer auch noch als (mehrfacher) Millionär herauskommt. Und für den mehrfachen Millionär muss man noch gar keine dunklen Kanäle annehmen, es geht ausschließlich um bekanntes Geld.

Auf der Klägerseite gibt es ebenfalls nur Enttäuschungen. Kleinanleger können sich Klagen gegen Betrüger eigentlich direkt schenken, weil es meistens gar kein Geld gibt. Und falls ausnahmsweise doch was fließt, geht der Großteil an den Anwalt ...

(Die ganze Erläuterung unter dem dicken Vorbehalt, dass ich kein Jurist bin und ich mglw. nicht alles richtig verstehe (oder vielleicht sogar alles falsch). Korrekturen und Ergänzungen bitte ab in die Kommentare ...)

Urteil wegen Marktmanipulation: Frick erstattet Anlegern nur kleinen Teil ihres Verlusts | FTD.de

Update (23.09.13):

Aus diesem Artikel wurden an einer kritisierten Stelle 2 Wörter entfernt.

Neue (illegale) Maschmeyer Spende an SPD (Panorama, 21:45 ARD)

Heute Abend um 21:45 legt der NDR in seiner Panorama-Sendung mal wieder ein paar Infos im Themenkomplex AWD-Maschmeyer-SPD-Schröder-Steinmeier nach ...

Diesmal geht es um zwei Sachen:

a) Eine bisher unbekannte Spende von Maschmeyer über 150.000 D-Mark, mit der er Schröder im Wahlkampf über Zeitungsanzeigen unterstützte. Das ist nicht die bereits bekannte Spende über 650.000 D-Mark. Die 150.000 D-Mark-Spende ist über einen Strohmann geflossen, was ein eindeutiger Verstoß gegen das Partei(spend)engesetz ist. Die Strohmann-Konstruktion soll der SPD aber bekannt gewesen sein, u.a. Frank-Walter Steinmeier, der damals Leiter der Staatskanzlei in Hannover war.

b) Apropos Steinmeier. Der zweite Vorwurf geht ebenfalls an die niedersächsische Staatskanzlei, die Schröder im Wahlkampf unterstützt haben soll. Da die Staatskanzlei zur Regierung gehört, darf diese aber keine Hilfe im Wahlkampf leisten. Es gibt da zwar immer eine große Grauzone (ist eine Werbekampagne für ein Gesetz einer Regierung Wahlkampf oder Information?), aber wenn Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit für Schröder Wahlkampf machen, ist das ziemlich eindeutig verboten (wenn auch schwierig nachzuweisen ...). Die Spende ist meiner Meinung nach eh interessanter.

An irgendwas erinnern können sich Maschmeyer und Steinmeier natürlich nicht ... Surprise ...

NDR: Schröder in verbotene Parteispende verwickelt

Update (29.04.11):

Die 8 Minuten über Maschmeyer, Schröder und Steinmeier sind jetzt auch online:

NDR Panorama: Schröder in verbotene Parteispende verwickelt

Keynes vs. Hayek Rap Teil 2

Ich war ja wahrscheinlich der einzige Econblogger, der den ersten Teil des Videos nicht gebracht hat, weil den irgendwie schon jeder gebracht hat. Daher beeile ich mich beim zweiten Mal besser... Auch wenn das Video sicherlich auch wieder alle bringen werden ...



Und wer es damals trotz mehr als 2 Millionen Abrufe wirklich verpasst haben sollte, hier nochmal der erste Teil:



Griechenland 2010 mit 10,5% Minus des BIPs

Das ist deutlich schlechter als es die ursprünglichen Planungen der Regierung von 9,4% vorgesehen haben (wofür sie sich übrigens im Januar noch fleissig selber auf die Schulter geklopft hat). Auch die Schätzungen des IWF, der noch vor kurzem 9,6% Minus schätzte, wurden mit der Berechnung von Eurostat übertroffen.

Damit summierte sich der Gesamtschuldenstand zum Ende des Jahres 2010 auf 142,8% des BIPs. Zur Erinnerung: Es ist noch nicht lange her, dass die Ratingagenturen eine Wende Griechenlands bei einem Schuldenstand von weniger als 150% des BIPs erwarteten. Das scheint inzwischen ziemlich unrealistisch zu sein. Allein die BIP-Schrumpfung, die auch 2011 noch weitergehen wird, fügt schon wieder ein paar Punkte zum Schulden/BIP-Verhältnis hinzu. Und das Defizit ist 2011 ja auch nicht auf einen Schlag weg ... Die 150% sind übrigens auch die Grenze, ab der der IWF den Anstieg der Staatsverschuldung für nicht mehr umkehrbar hält.

Kein Wunder, dass bis auf die Politiker niemand mehr an eine Rettung von Griechenland ohne Restrukturierung der Schulden glaubt. Die Rendite von mehr als 25% für die zweijährigen griechischen Staatsanleihen spricht Bände ...

Auch in Portugal gab es ein paar Tage vorher eine ähnliche Meldung. Statt 8,6% wie von der portugiesischen Regierung ursprünglich errechnet, kommt Eurostat jetzt auf 9,1% Neuverschuldung bezogen auf das BIP. Der Gesamtschuldenstand Portugals liegt damit bei 93,0%.

Wo ich gerade dabei bin, direkt noch ein paar weitere Zahlen:

Irland: -32,4%, 96,2% gesamt.
Spanien: -9,2%, nur 60,1% gesamt (da wird aus den Banken bzw. Sparkassen noch was dazukommen).
Großbritannien: -10,4%, 80,0% gesamt (da sind die Banken schon drin).

Deutschland reisst 2010 mit 3,3% Neuverschuldung/BIP die Maastrichtgrenze von 3,0%. Die Gesamtverschuldung hingegen klettert mit einem Anstieg von 73,5% auf 83,2% wesentlich stärker, weil die Lasten der Bad Banks von HRE und WestLB in der Gesamtverschuldung auftauchen, in der laufenden aber nicht (das war schon einige Male Thema hier).

Für Gesamteuropa liegen die Werte bei minus 6,4% und minus 80,0% (gesamt), die Eurozone bei minus 6,0% bzw. 85,1%.

Eurostat: Öffentliches Defizit im Euroraum und in der EU27 bei 6,0% bzw. 6,4% des BIP (PDF!)

Schade, dass die Eurostat keine Werte für die USA ausrechnet. Mich würde mal brennend interessieren, wo die USA lägen, wenn die Lasten (u.a.) von Fannie Mae und Freddie Mac oder auch die TARP-, QE1- und QE2-Papiere in der Fed-Bilanz richtig eingerechnet würden ... Dabei würde wohl eine dreistellige Zahl herauskommen ...

Eine kleine Geschichte über Globalisierung und Taylorismus

OK. Die Geschichte ist nicht neu, die Sueddeutsche hatte sie schon vor zwei Jahren. OK, sie hat nicht wirklich was mit irgendwelchen aktuellen Nachrichten zu tun. Aber es ist erstens eine Geschichte, die mit einem Douglas Adams Zitat beginnt, zweitens zeigt sie die Auswirkungen der Globalisierung (und des Taylorismus, genauer der Arbeitsteilung) und drittens ist ein langes Wochenende.

Zuerst mal das Zitat:
"Auf sich allein gestellt, konnte er nicht mal einen Toaster zusammenbasteln. Er konnte ein leidliches Sandwich machen, aber das war schon alles."
Es handelt sich um die Idee des Briten Thomas Thwaites, die Sache aus dem Anhalter von Douglas Adams nachzuspielen: Kann man heutzutage selber einen Toaster bauen? Etwas so Einfaches wie einen Toaster, den man bereits ab 5 Euro (Wert aus dem Artikel, das gibt es bei Amazon sogar schon für 2,58 Euro) kaufen kann.

Und Thwaites meinte wirkliches Selbermachen. Nicht in den Baumarkt (oder Conrad, Voelkner, etc) rennen und sich die Teile zusammen kaufen, sondern wirklich Selbermachen. Also vom Erzabbau an. Es gab natürlich Probleme über Probleme. Eisenerzabbau in Großbritannien gibt es zum Beispiel nicht mehr. Eisenverhüttung zu Hause ist ziemlich schwieriger... Kunststoffherstellung noch viel mehr, vor allem, wenn man das wie üblich aus Mineralöl herstellen will. Als extrem problematisch entpuppte sich zum Beispiel die Produktion einer Metallfeder.

Am Ende, das heißt nach 9 Monaten und unglaublichen Kosten, funktionierte der Toaster sogar. Allerdings ...  Ach lest selber ...

Hier im Original mit vielen Videos:
http://www.thetoasterproject.org/

Oder auf Deutsch, gut zusammengefasst von der Sueddeutschen:
Sueddeutsche.de: Der Selfmade-Toaster

Wir kaufen griechische Staatsanleihen

Meine (vielleicht einzige weibliche) Leserin Ariane hat mich in einem Kommentar an eine etwa 1 Jahr alte Aktion des Handelsblatts erinnert: "Wir kaufen griechische Staatsanleihen". Weil wir überzeugte Europäer sind. Oder weil wir glauben, dass die EU Griechenland nicht fallen lassen wird und wir tolle Renditen einfahren werden.

HANDELSBLATT-AKTION Wir kaufen griechische Staatsanleihen!

"Am Freitag habe ich daher für 5.000 Euro griechische Staatsanleihen geordert." Gabor Steingart, Chefredakteur des Handelsblatt.

Die anderen "Unterzeichner":
Hans Eichel,
Bert Rürup,
Gustav Horn,
Jürgen Großmann (RWE),
Dr. Matthias Bühring-Uhle, Vorstand der Asstel Lebensversicherung,
Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank,
Manfred Lahnstein, ehemaliger Bundesfinanzminister und Unternehmensberater ,
Hermann-Josef Knipper, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt,
Horst Melsheimer, Vorstandsvorsitzender der Hanse-Merkur Versicherungsgruppe,
Wolfgang Nowak, Geschäftsführer der Alfred Herrhausen Gesellschaft ,
Michael Vassiliadis, Chef der Industrie-Gewerkschaft IG BCE,
Matthias Machnig, Wirtschaftsminister in Thüringen,
Werner Bahlsen, Vorstandschef der Bahlsen GmbH,
Peter Brors, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt,
Manfred Oedingen, Generalbevollmächtigter der Generali Deutschland,
Jan Fleischhauer, Spiegel-Redakteur ,
Tasso Enzweiler, Managing Director für die Kommunikationsberatung Hering Schuppener,
Karen Heumann, Jung von Matt,
Willi Lemke,
Sven Scheffler, Chefredakteur Handelsblatt Online,
Herbert Haas, Vorstandsvorsitzender der TalanxAG,
Burkhard Schwenker, CEO Roland Berger

und last but not least (und das sei ihm gegönnt, der Mann bekommt viel Kritik von vielen Seiten, aber hier lag er definitiv richtig):

"Ich finde es gut, für Griechenland Partei zu ergreifen. Aber den Kauf griechischer Staatsanleihen kann ich nicht guten Gewissens empfehlen. Stattdessen empfehle ich, in Griechenland Urlaub zu machen. Da weiß man, dass man etwas für sein Geld kriegt." Hans-Werner Sinn, Ifo-Chef

Das gemeine Spielchen kann man doch weitertreiben:
Im Gespräch: Asoka Wöhrmann, DWS: „Wir kaufen griechische Staatsanleihen“ - Europas Schuldenkrise - Wirtschaft - FAZ.NET

Oder ...
http://twitter.com/m106/status/13291812900 (wer den irgendwo findet ...)

Oder eflation:
Weissgarnix: Sei kein Schaf

Ist es nicht toll, von so vielen so klugen Leuten umgeben zu sein?!?

Und dann könnt ihr das Osterwochenende nutzen und die Stelle in diesem Blog suchen, wo ich mir angesichts der hohen Renditen von griechischen Staatsanleihen einen Kauf vorstellen konnte. Das dürfte allerdings noch etwas älter sein als der Tweet von m106 ... In den Kommentaren zum Kauf von eflation war ich allerdings schon so skeptisch, dass ich mir schon mehr Gedanken über die Höhe des Haircuts gemacht habe als über das "Ob" ...

Mir persönlich reicht übrigens inzwischen der Anteil Griechenlandbonds, den ich als Steuerzahler über die EZB halte ...

Die Kommentare sind eröffnet, auch für weitere Hinweise auf Investmentgurus, die hier komplett neben der Spur waren ...

Update (22.04.11):

Passt gerade dazu: Griechenland plant Diaspora-Anleihen für reiche Landsleute. Vielleicht sollten die Griechen es auch einmal in Deutschland probieren ...

Handelsblatt: Griechenland bittet reiche Landsleute um Geld

Die Liste aller Dreifach-AAA-Länder

Also der Länder, die bei allen drei großen Ratingagenturen (S&P, Moody's und Fitch) ein AAA-Rating haben.

Die Liste aller Dreifach-Triple-A-Länder, in Klammern die CDS-Kurse:

Norwegen (17)
Schweden (25)
Deutschland (47)
USA (51) UPDATE 2 (07.08.11): Das war einmal ...
Kanada (54)
Großbritannien (57) Update 6  (22.02.13): Das war einmal ...
Österreich (65) Update 4 (13.01.12): Das war einmal ...
Frankreich (77) Update 4 (13.01.12): Das war einmal ...

Luxemburg und die Schweiz haben ebenfalls drei Triple A Ratings, nur konnte ich keine CDS Kurse finden, um sie in die Liste einzuordnen. Auch Singapur und die Niederlande müssten ein dreifaches Triple-A haben.
Daneben gibt es noch ein paar Ministaaten wie z.B. Guernsey, die ebenfalls ein Triple-A-Rating haben, aber nur von einer oder zwei Ratingagenturen bewertet werden.

Das umstrittenste Rating in der Liste oben dürfte wohl das von Großbritannien sein.

Neuseeland ist nur noch bei Moody's AAA, die CDS kosten 62. Alle anderen Länder sind bei keiner Ratingagentur mehr AAA.

An dieser Stelle ganz passend ein Hinweis auf die Liste der Länderrisiken, die @lostgen pflegt und gerade erst wieder aktualisiert wurde: Verlorenegeneration.de: Länderrisiken im Überblick

Und ebenfalls passend ein Hinweis auf die neue chinesische Ratingagentur Dagong, die die USA schon seit längerer Zeit deutlich niedriger bewertet: DAGONG STUFT USA AUF A+ HERAB

Update (01.05.11):

Ich ergänze nochmal, weil Stephan den Hinweis auf Australien hinterlassen hat:

Die Niederlande, Singapur, Luxemburg und die Schweiz sind bei allen drei großen Ratingagenturen auf AAA.

Die Liste der Länder, die bei allen drei Agenturen bewertet sind, aber nur teilweise ein AAA Rating haben, sieht aktuell wie folgt aus:

Australien (Moody's, S&P)
Hong Kong (S&P)
Neuseeland (Moody's)

Bei den anderen Ratingagenturen sind diese drei Länder jeweils eine Stufe tiefer.

Update 2 (06.08.11):

Heute Nacht hat die Ratingagentur S&P den USA das Triple-A-Rating entzogen. Die USA sind ja also nicht mehr Mitglied in diesem immer exklusiver werdenden Club ...

Und noch zwei weitere Hinweise aus meinem Zweitblog:

Welche spannenden Fragen ergeben sich nun aus dem neuen Zustand der USA: USAA+

Und wie sah der US-Finanzminister Geithner das noch vor vier Monaten? : April 2011: Herr Geithner, gibt es ein Risiko dafür, dass die USA ihr AAA-Rating verliert?

Update 3 (05.12.11):

So jetzt tickert es bei Reuters:

Slowakei,
Italien,
Estland,
Belgien,
Portugal,
Finnland,
...

OK wohl alle (bis auf Griechenland, die sind bereits auf negativ):

Standard & Poor's Puts Ratings On Eurozone Sovereigns On CreditWatch With Negative Implications (nur nach Anmeldung) oder hier kopiert: http://www.zerohedge.com/news/here-comes-sp-downgrade-barrage


Eine Stufe für die 6 AAA-Länder Deutschland, Luxemburg, Finnland, Österreich, Niederlande und Frankreich, 2 Stufen für den "Rest" (bis auf die Ausnahme Griechenland, s.o.).

Update 4 (13.01.12):

So heute sind Frankreich und Österreich bei Standard & Poors aus der Liste geflogen. Beide notieren jetzt eine Stufe darunter ...

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: S&P mit Massendowngrade in Europa

Update 5 (13.02.12):

Moody's ist nun auch mit der Überprüfung durch. Die AAA-Länder in Europa blieben allesamt auf AAA (auch der EFSF übrigens). Die Triple-A-Ratings von Österreich, Frankreich und Großbritannien wurden allerdings mit einem negativen Ausblick versehen.

Der Moodys Ratingdowngrade-Rundumschlag

Update 6 (22.02.13):

Das war einmal ...

S&P: USA Rating wackelt ...

Im Januar hatte ich schon einen Artikel zu den Überlegungen der Ratingagentur Moody's, die sich unter Umständen (vorsichtig vorsichtig) vorstellen könnte, innerhalb der nächsten zwei Jahre den Ausblick für das Triple-A-Rating der USA von stabil auf negativ zu senken (siehe WIE LANGE BLEIBEN DIE USA NOCH AAA?). Betone den Ausblick, nicht das Rating.

Nun ist der große Konkurrent S&P einen Schritt weiter und hat tatsächlich den Ausblick auf negativ gesenkt. Das Rating von AAA bleibt, allerdings könnte es mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als einem Drittel in den nächsten zwei Jahren gesenkt werden.

Der Euro stieg kurz, dann aber gewannen die Sorgen um den Euro (Griechenlandumschuldung? Finnlandregierung?) wieder die Oberhand. Über zwei Cent ging es im Vergleich zum Freitag nach unten. Gold sprang nach oben, konnte die Gewinne aber auch nicht halten. Nur um 2 Euro verpasste die Unze Gold die Marke von 1.500 Dollar, aktuell liegt der Kurs bei 1.491$. In Euro sieht es dank des schwachen Währung besser aus, der Kurs liegt 22 Euro pro Unze im Plus. Noch ein solches Plus und Gold hat das Allzeithoch von 1.075 Euro geknackt.

FTD: S&P stellt Spitzenrating der USA in Frage

Update (19.04.11):

Spiegel Online textet im RSS-Feed dazu auf absolutem Bild-Niveau: "Rating-Schmach: Prasser-Amis müssen von Spar-Briten lernen." Autsch. Online hat der Artikel aber eine vernünftige Überschrift.


Griechenland Renditen auf Allzeithoch

Ein kurzes Update zu EUROKRITISCHE PARTEI WIRD DRITTSTÄRKSTE KRAFT IN FINNLAND.

Die Renditen die PIGS Staaten ziehen heute vor allem am kurzen Ende deutlich an. Griechenland erreicht den höchsten Wert aller Zeiten. Es wurde selbst das alte Hoch aus dem letzten Rettungspaket im letzten Frühling (18,85%) überwunden. Das könnte durchaus eine Reaktion auf die Wahl in Finnland sein. Die Einstimmigkeit ist halt schon ein möglicher Knackpunkt.

Allerdings könnten die Renditen auch gestiegen sein, weil es am Wochenende wieder neue Gerüchte um eine Zahlungsstreckung der griechischen Anleihen gab. Griechenland lehnt weiterhin ab, die Folgen für die griechischen Banken wären katastrophal. Allerdings ist doch die Frage, wie viele Anleihen die griechischen Banken noch halten, Zeit zum Verkauf hatten sie eigentlich inzwischen mehr als ausreichend. Aus dem IWF mehren sich die (inoffiziellen) Stimmen, die eine Umschuldung fordern und die europäische Zurückhaltung nicht nachvollziehen können, offiziell lehnt der IWF eine Umschuldung aber weiterhin genauso ab wie die EU und Griechenland.

Es wird wohl ein Mischmasch aus beiden Ursachen sein, die schon heute morgen für stark steigende Renditen sorgte (das sind die durchgestrichenen). Im Laufe des Tages legten die Renditen aber so stark weiter zu, dass ich das nochmal aktualisiert habe ... (wenn man sowas nicht sofort fertig schreibt ...)

Griechenland 2 Jahre: 19,13% (+63 Basispunkte) 20,22% (+171 Basispunkte)
Irland 2 Jahre: 9,38% (+35 Bp) 9,53% (+50 Basispunkte)
Spanien 2 Jahre: 3,53% (+21 Bp) 3,58% (+26 Basispunkte)

Nur Portugal hält sich (heute) gut:  Portugal 2 Jahre 9,81% (-1 Bp).

OK, Portugal hält sich auch nicht mehr so doll: Zweijährige rentieren jetzt mit 9,99% (+18 Bp)

FTD: Massenflucht aus griechischen Staatsanleihen

Eurokritische Partei wird drittstärkste Kraft in Finnland

Interessant, interessant. Bei Weissgarnix wird ja schon länger die These vertreten, dass die Euro-Krise schon länger keine wirtschaftliche, sondern zunehmend eine politische wird. Ganz stark verkürzt ist die These, dass die Krisenbewältigung sicherlich möglich wäre, die Frage ist nur, ob die Zustimmung der Bevölkerung dafür vorhanden ist.

Bei Weissgarnix wurde darauf getippt, dass die Skeptiker der Eurozone und der -rettung eher aus den Ländern kommen, die die Hilfe erhalten. Weil die Bevölkerung die auferlegten Sparmaßnahmen nicht tragen will und rebelliert. So wie es in Ungarn bereits passiert ist (Dort kamen die Hilfe und die Sparauflagen allerdings vom IWF).

Ich habe bereits damals in die Diskussion eingeworfen, dass die Ablehnung auch aus den Ländern kommen könnte, die die Hilfen bezahlen. Und diese These scheint nicht komplett neben der Spur gewesen zu sein ...

Nachdem in Irland die Wahl keine entscheidende Änderung brachte (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Irland bleibt stabil konservativ) und auch in Griechenland bei einer Kommunalwahl die Regierung nicht die von einigen erwartete derbe Klatsche einstecken musste, kommt jetzt einer der Nettozahler mit dem Wahlergebnis, das viele eher bei den PIGS gesehen hätten.

In Finnland explodierte die nationalistische, explizit eurokritische Partei "Wahre Finnen" von 4 auf (wohl) über 19%. Nach Stimmen (19,1%) auf Platz 2, nach Sitzen auf Platz 3 (39 Sitze). Beides nur knapp hinter der größten Partei (Konservative), die 20,2% bzw. 43 Sitze errungen hat.

Die anderen Punkte der Partei lesen sich so dumm, wie man es von einer nationalistischen oder nationalkonservativen Partei erwartet: Keine Homoehe, Ausländer raus, ...

Die Konservativen (Platz1) können sich durchaus eine Koalition mit den "Wahren Finnen" vorstellen. Und wenn das dann wirklich so kommt, ist völlig fraglich, wie in Zukunft die einstimmigen Beschlüsse in Brüssel zur Genehmigung der Euro-Rettungsfonds zustande kommen sollen ...

Man muss mit solchen Einordnungen immer vorsichtig sein, aber der heutige Sonntag könnte durchaus  ein Tag sein, der in den Geschichtsbücher über die Eurokrise einen Eintrag wert ist ...

Rechtsruck bei Wahl: Euro-Kritiker triumphieren in Finnland - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

Wahlhochrechnungen live gibt es z.B. hier: yle.fi oder (wenn auch weniger detailliert) auch auf Englisch

Update (18.04.11):

Zwei Kommentare zur Wahl in Finnland nachgereicht:

a) In der FTD mit einem allerdings krassen und meiner Meinung nach nicht wirklich angemessenen Vergleich mit einem GAU und der anschließenden innereuropäischen Solidarität : Kolumne: Peter Ehrlich - Solidarität ist doch eine Einbahnstraße | FTD.de (Danke an Hardy für den Hinweis)

b) Und einen eher wohlgesonnenen in der FAZ, in dem durchaus Verständnis für die Euro(pa)skepsis der Finnen geäußert wird.

Wahl in Finnland: Wahre Skeptiker - Der Kommentar - Politik - FAZ.NET

Update 2:

Noch ein Kommentar in der FAZ, allerdings eher in innenpolitischer Sicht:

Die „Wahren Finnen“: „Wir waren zu weich gegenüber Europa“ - Ausland - Politik - FAZ.NET

Update 3:

Und einer aus der FTD aus europapolitischer Sicht:

Rechtsruck: Finnen bringen Euro-Rettung in Gefahr | FTD.de

Update 4:

Noch 'ne Einschätzung und eine Zahl daraus: Der Anteil Finnlands am Rettungsfonds beträgt 1,9%.

Triumph der Rechtspopulisten: Ökonomen fürchten Finnlands Euro-Blockade - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Und noch ein inhaltliches Detail, das ich nicht mehr im Kopf hatte: Für den ESM (European Stability Mechanism) muss der EU-Vertrag geändert werden. Dazu bedarf es nicht nur der Zustimmung der Euroländer, sondern aller EU-Mitglieder. Und zwar wie oben geschrieben einstimmig.

Update 5 (19.04.11):

Ein Link noch, der schon gestern hier hinsollte, aber in einem Tab verloren gegangen ist:

Wahl in Finnland: Stinkefinger Richtung Brüssel - taz.de

TALF: Bailout für Millionäre

Eines der großen Finanzmarktstabilisierungsprogramme in den USA, TALF, ist wohl von einigen cleveren (oder abgezockten?) Leuten als die Investmentgelegenheit des Jahrhunderts missbraucht worden.

Um was ging es? Im Rahmen des TALF konnte man sich Geld bei der Fed leihen und musste als Sicherheit dafür Schrottpapiere bei der Fed hinterlegen. Das hatte ein extrem asymmetrisches Chance-Risiko-Verhältnis.

Die Schrottpapiere sicherten den Kredit ab, man war nicht weiter haftbar. Wenn die Schrottpapiere wertlos wurden, hat man die halt bei der Fed gelassen und "Pech" gerufen. Die Fed übernahm den Verlust und man war als Investor raus aus der Nummer. Stiegen die Papiere hingegen im Kurs, verkaufte man die Papiere, zahlte den Kredit an die Fed zurück und strich den Gewinn ein. "Free money for shit" nannte Barry Ritholtz das prägnant.

Dass der TALF nicht nur dazu diente, wieder Umsatz in den toten Markt der Schrottpapiere zu bringen und damit für steigende Kurse zu sorgen, war logisch. Es handelte sich eher um eine große Refinanzierungsmaßnahme für die Banken, die mithilfe des TALF Schrott in Geld umwandeln konnten.

War mir aber erst heute klar wurde: Der TALF stand noch ganz Anderen zur Verfügung! Es ging also nicht nur um die Rettung systemkritischer Banken, sondern es haben sich dabei auch Privatinvestoren (z.B. Frauen von Investmentbankern) die Taschen voll gemacht. Wenn der TALF als Maßnahme für die systemkritischen Banken vielleicht noch OK gewesen wäre, sind Kredite an Leute, die damit risikolos Rendite einfahren können, nicht mehr als ein schlechter fieser Witz! Warum kauft die Fed nicht einfach selber die Papiere an? Die Verluste hat sie doch eh, aber die Gewinne kämen wenigstens in ihre Kasse.

Beim Waterfall TALF Opportunity Fund von zwei Investmentbankerfrauen geht es um 220 Milllionen von der Fed und knapp 15 Millionen Eigenkapital, mit denen Papiere im Nennwert von etwas über 250 Millionen gekauft wurden. Ob bzw. wie viel Gewinn dabei entstanden ist, ist völlig unklar. Welcher Investor über den TALF Geld bekommen hat und welche Sachen gekauft wurden, ist zwar bekannt. Es fehlen nur die Mengen und die Kurse. Die Fed weigert sich noch heute beharrlich, offen zu legen, wie die Papiere bewertet wurden. (Nicht einmal die Investoren und die Käufe wurden freiwillig veröffentlicht. Dazu musste die Fed von der Regierung gezwungen werden. Aber auch dabei kam schon genug Unglaubliches ans Licht: Mehrfache Geldtransfers an Banken in aller Herren Länder (u.a. an Libyen). Auch auf der Kaufseite tauchten seltsame Sachen auf wie Aktien, die eigentlich gar nicht in das Programm gehörten).

Wenn man das jetzt unter dem Begriff "Gewinne privatisieren, Verlust sozialisieren" abheften würde, ist das eigentlich noch zu harmlos. Denn die Gewinne wurden ja nicht auf "normalem" Weg eingefahren. Und es ist nicht die Ausnahme, dass ein Verlust sozialisiert wurde (also von der Allgemeinheit übernommen wird). Es ging um ein Programm, dass erstens die Gewinne erst ermöglicht hat und zweitens von vornherein darauf ausgelegt war, dass die gesamten Verluste sozialisiert werden.

Wow! Der Artikel von Matt Taibbi im Rolling Stone Magazine reicht für ein ganzes Wochenende voller schlechter Laune. Ich glaube, ich veröffentliche den erst am Sonntagabend ...

Als Text:
The Real Housewives of Wall Street | Rolling Stone Politics

Über den Artikel ein Fernsehinterview bei Fox, ich finde den Text aber strukturierter:

The Real Housewives of Wall Street - Fox Business Video - FoxBusiness.com

gefunden über einen Tweet von lostgen

Lesetipp zum Wochenende: Ackermann ist gefährlich

Ein Artikel in der TAZ, auf den ich nur aufmerksam geworden bin, weil er im Spiegel ziemlich schlecht zusammengefasst wurde. Spon hat dabei das Kunststück vollbracht, einen guten TAZ-Artikel, der Rendite und Eigenkapitalrendite ziemlich sauber getrennt hat, wieder wie die Politiker in einen Topf zu rühren ... Ist aber auch egal, ich verlinke ja auf's Original ...

In der TAZ ist ein relativ langes Interview mit  dem ehemaligen IWF-Chefökonomen Simon Johnson. Johnson sieht die auch nach der Krise weiterhin angestrebten hohen Renditen bei den Banken sehr kritisch, er hält das niedrige Eigenkapital für gefährlich und glaubt, dass Basel III gar nichts bringt.

Das finde ich ziemlich sympathisch, denn ich habe schon früher mal gefordert, die Risikogewichtung des Eigenkapitals nach Basel III komplett abzuschaffen und einfach und ungewichtet 8% *hartes* Eigenkapital auf alles zu verlangen. So wie es für die Investmentbanken in den USA noch am Anfang des Jahrhunderts galt.

Johnson geht aber noch weiter und fordert satte 20 bis

45%

Eigenkapital.

Das scheint auf den ersten Blick natürlich sehr extrem zu sein, Johnson weist aber darauf hin, dass die Schweiz 19% Eigenkapitalquote anstrebt und auch in Großbritannien über 20% diskutiert wird. (Eehrlich gesagt kenne ich diese Bestrebungen nicht. Jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass das dann nicht risikogewichtet wird, also das Eigenkapital für sichere Anlagen nicht doch wieder von 19% aus nach unten gefahren wird und es dann auch noch wirklich hartes Kerneigenkapital ist).

Sehr gutes Interview. Flattern nicht vergessen!

Ex-IWF-Chefökonom über Bankenkrisen: "Ackermann ist gefährlich" - taz.de

Und wem das noch nicht reicht, der kann im Handelsblog beim Handelsblatt weiterlesen, wo Olaf Storbeck jede Menge weiterer Links zum Thema zusammengetragen hat, die die Thesen von Johnson unterstützen.

Handelsblatt.com - Wie gefährlich ist Josef Ackermann? « Handelsblog

China bubbelt weiter

Eigentlich habe ich zum heute gemeldeten chinesischem Wachstum gar nicht so viel zu sagen. Es liegt mit 9,7% im ersten Quartal 2011 weiterhin zu hoch, höher als es die chinesische Zentralregierung anstrebt. Diese hätte lieber 7 bis 8% Wachstum.

Um das Wachstum zu bremsen, hat die chinesische Notenbank die Leitzinsen schon mehrfach erhöht (zuletzt in der vergangenen Woche, siehe China erhöht erneut die Leitzinsen - egghat's not so micro blog). Auch die Mindestreserve, das Geld, das die (Geschäfts-)Banken bei der Notenbank hinterlegen müssen und damit nicht mehr für Kredite zur Verfügung steht, wurde bereits mehrfach erhöht. Wirkung zeigt das bisher aber nur wenig. Die Geldmenge und die Kreditsumme steigen weiterhin mit 17 bis 18%.

Die Lücke zwischen Wirtschaftswachstum und Geldmenge entlädt sich - nicht ganz überraschend - über steigende Preise. In China kletterte die Inflationsrate im März auf 5,4%. Die Lebensmittelpreise verteuerten sich sogar um fast 12%. Das trifft die arme Bevölkerung, die einen Großteil ihres Einkommens für Nahrung ausgibt, naturgemäß besonders hart. Daher werden die Regierung und die Zentralbank wohl noch stärker auf die Bremse treten ...

Warum wirkt die Bremspolitik nicht? Das ist ziemlich einfach: a) China ist groß und hat b) viel Geld.

Wenn in Bejing irgendwas beschlossen wird, heisst das noch lange nicht, dass das in den Regionen auch umgesetzt wird. Eine große neue moderne Wohnstadt eröffnet jeder Politiker gerne. Genau wie die Hochgeschwindigkeitsstrecke, die Autobahn oder die U-Bahn. Ob dann auch jemand damit fährt, ist zweitrangig.

Dazu kommt noch, dass in China viel Geld vorhanden ist, sehr viel Geld. Die gestern gemeldeten Devisenreserven Chinas, die erstmalig über 3 Billionen Dollar gestiegen sind (China Devisenreserven bei 3.004 Mrd. Dollar), zeigen exemplarisch, wie reich China ist. Wenn man jetzt noch weiss, dass die Sparquote bezogen auf die Einkommen bei ungefähr 40% liegt, kann man sich vorstellen, dass China geradezu in Geld ertrinkt.

Daher gibt es neben dem offiziellen Bankensektor auch ein ziemlich großes Schattenbanksystem. Darunter muss man sich aber nicht unbedingt hochspekulative Hedgefonds wie im Westen vorstellen, sondern eher private Kreditvergabe: Man leiht sich Geld innerhalb der Familie, unter Bekannten und von vermögenden Leuten aus der Stadt. Und in diesem System wirken die Bremsmanöver aus Peking höchstens stark verzögert und deutlich abgeschwächt. Auch ein neues Gesetz, wonach bei Käufen von Immobilien mehr Eigenkapital verlangt wird, greift deshalb nicht. Man leiht sich das Geld halt nicht bei der Bank.

All das führt dazu, dass weiterhin fleissig gebaut und investiert wird und die Preise in immer schwindelerregendere Höhen steigen. Vor allem die Immobilienpreise. Hier bläst sich eine Blase auf, die  womöglich sogar größer wird als die, die vor drei Jahren in den USA geplatzt ist.

Die Ratingagenturen reagieren zunehmend skeptisch und Fitch hat sogar das Rating für die Staatsanleihen Chinas mit einem negativen Ausblick versehen. Fitch glaubt, dass die Anzahl überfälliger Hypotheken bereits heute deutlich höher sei als offiziell gemeldet (1,1%) und auf bis zu 30% steigen könnte. Auch die offiziellen Zahlen zur Staatsverschuldung seien falsch, weil die Schulden der Provinzen nicht berücksichtigt sind (siehe RETTEN DIE CHINESEN DIE SPANISCHEN SPARKASSEN?).

Moody's ist insgesamt gesehen noch nicht ganz so skeptisch, den Immobilienmarkt betrachtet aber auch Moody's schon mit einer gewissen Vorsicht. Moody's wählt (noch?) eher zurückhaltende Formulierungen wie "mild downward" oder "cooling period". Das erinnert irgendwie an die Formulierungen am Anfang der Krise in den USA, als auch kaum jemand das Ausmaß des Preisabschwungs richtig vorausgesehen hat. Zumindest niemand bei den großen Banken oder Analysehäusern.

Fitch hingegen wird, wenn es denn zum großen Knall am chinesischen Immobilienmarkt kommen sollte, auf die frühzeitig an den Tag gelegte Skepsis ziemlich stolz sein.

Marketwatch: Moody’s cuts China’s property outlook 

Und ich schätze, dass Fitch deutlich näher an der Realität liegen dürfte als Moody's. Und damit komme ich zum eigentlichen Anlass für dieses Posting: Ein Bericht im australischen Fernsehen über die gigantomanischen Immobilienprojekte in China. Städte, in den mindestens 70% der Appartments leer stehen. Gigantische Einkaufzentren (inkl. künstlicher Kanäle inkl. Gondoliere und Rialto-Brücken-Imitate), in denen fast alles leer steht und die Besitzer den wenigen Geschäfte froh sind, wenn sie einen Kunden am Tag haben ...



Bilder sind stark und durch die Auswahl der Bilder kann man die Wirklichkeit massiv verfälschen (siehe mein Beispiel zum Detroit Porn: Nochmal zum “wählerischen” Journalismus über Detroit). Aber wenn die Immobilienblase nur annähernd so groß ist, wie es dieser Bericht andeutet, stellt sich die Frage nicht mehr, ob China eine Immobilienblase hat oder nicht, nicht mehr. Die Frage ist nur noch, wann sie platzt und wie tief es danach nach unten geht ...

siehe auch: ZAHL DES TAGES (29.07.10): 1.300.000.000

Update (16.04.11):

Noch ein paar Beobachtungen zum chinesischen Immobilienmarkt als Ergänzung. Dort sind die durchschnittlichen Immobilienpreise im März *massiv* eingebrochen. Allerdings geht ein großer Teil davon auf eine geänderte Zusammensetzung der verkauften Immobilien zurück. Im Hochpreissegment brach die Nachfrage dramatisch ein, während sich die preiswerteren Immobilien vergleichsweise gut gehalten haben. Schade, dass es in China keinen guten Preisindex wie den Case-Shiller-Index in den USA gibt, der solche Effekte herausrechnet.

Vielleicht ist aber auch die Frage, ob die Preise fallen oder nicht, gar nicht entscheidend. Denn wenn die Spekulationsblase so groß ist wie ich es schätze, dann reichen auch schon stagnierende Preise, um die Wende einzuleiten. Das spekulative Element in einer Blase beruht ja auf steigenden Preisen. Man kauft sich eine Immobilie, auch wenn man sie nicht braucht, auch wenn man sie nicht vermieten kann, auch wenn man hohe Zinsen bezahlen muss. Allein der steigende Preis rechtfertigt das Investment. Und sobald die Preise nicht mehr steigen (und das auch alle gemerkt haben), zieht sich die Spekulation zurück und die Preise kommen ins Rutschen.

Schnell geht ein solcher Prozess übrigens nicht. Die Topbildung in den USA zog sich über nahezu zwei Jahre hin ...

Zerohedge: Observations On The Chinese Real Estate Sector Following The Biggest Price Decline In 5 Years (gefunden über einen Tweet von lostgen)

Update (17.04.11):

Till hat mir in den Kommentaren noch einen interessanten Datenpunkt hinterlassen. Wachstum der Investitionen in den Wohnungsbau in China im 1. Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal: +37%.

Sueddeutsche.de: Chinas Wirtschaft mit Wachstumsschub

Das ist also nicht nur eine Blase, sondern eine, die immer noch größer wird. Bei (angeblich) 65 Millionen leerstehender Appartments kann man eigentlich nicht davon ausgehen, dass die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage sich schnell und geräuschlos schließen wird. Im Gegenteil: Bei derart hohen Investitionen müsste die Lücke noch wachsen. Auch wenn es natürlich Nachfrage gibt, auch wenn immer mehr Chinesen vom Land in die Stadt ziehen. Aber ob sich diese dann direkt eine neue, moderne Wohnung leisten können, ist ziemlich zweifelhaft. 

PIGS-Rating-Ticker

01.04.11: S&P senkt Irland um 1 Stufe auf BBB+, drei Stufen oberhalb von Junk.
Schuldenkrise: Rating-Agentur straft Irland ab - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

01.04.11: Fitch senkt Portugal auf BBB-, eine Stufe oberhalb von Junk (das ist übrigens eine Stufe niedriger als die ehemalige Kolonie Brasilien ...)
EU-Schuldenkrise: Portugal-Anleihen sind für Fitch dem Ramschstatus nahe | FTD.de

05.04.11: Moody's senkt Portugal um eine Stufe auf Baa1, drei Stufen oberhalb von Junk.
Moody’s downgrades Portugal on bailout fears - MarketWatch

15.04.11: Moody's senkt Irland um 2 Stufen auf Baa3, der letzten Stufe, die noch Investmentqualität hat. Ausblick weiterhin negativ.
Bankenkrise: Moody's senkt Irlands Bonität um zwei Noten | FTD.de

Die letzte Einschätzung von Fitch für Irland stammt aus dem Dezember (BBB+) und wird sich wohl bald erledigt haben, die Überprüfung ist im Gange.
S&P hat Portugal bereits seit Ende März auf BBB- (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Portugal schon wieder herabgestuft ...).

Noch, noch, noch sind die beiden Länder knapp vom Junkstatus entfernt, aber es dürfte nicht mehr lange dauern, bis dieser Schritt vollzogen wird. Die Börse juckt das schon lange nicht mehr. Der Euro, der im Zuge der Griechenlandkrise vor etwa einem Jahr noch massiv unter Druck kam, zuckt heute nur kurz und dann geht's weiter nach oben ...

Retten die Chinesen die spanischen Sparkassen?

Angeblich gibt es solche Überlegungen. Der spanische Ministerpräsident Zapatero hält sich gerade in China auf und soll angeblich mit dem chinesischen Staatsfonds CIC über ein 9,2 Milliarden Euro schweres Investment bei den spanischen Sparkassen verhandeln.

Das würde zwar nur einen Teil des Kapitalbedarfs decken, aber immerhin einen signifikanten. Wobei sich die Aussage immer auf den aktuell sichtbaren Bedarf bezieht, was noch kommt, ist unklar.

Milliardeninvestition möglich: Chinesen sollen spanische Sparkassen retten | FTD.de

Und genau da setzt meine Verschwörungstheorie zum Thema an: Die Chinesen beteiligen sich noch schnell an einer Bank in einem Land, in dem gerade eine Immobilienblase geplatzt ist. Und dann schaut man sich die Nummer schonmal an, um (hoffentlich) dabei zu lernen. Abheften unter der Rubrik: Unbezahlbare Erfahrung. Verschwörungstheorie Ende.

Und dass die Chinesen eine Kredit- bzw. Immobilienblase haben, kristallisiert sich immer deutlicher heraus. Wann sie platzen wird, ist unklar. Wie groß sie bis dahin, geworden sein wird, ist ebenfalls unklar. Vor allem, weil in China (noch mehr als im Westen) verlässliche Zahlen fehlen.

Die offizielle Zahl zu den nicht mehr pünktlich bedienten Krediten (non performing loans, NPL) ergibt einen beruhigenden niedrigen Anteil von 1,1%. Die Ratingagentur Fitch glaubt aber, dass der Wert in Wahrheit eher bei 6% liegt. Noch überraschender die Prognose von Fitch für die nächsten drei Jahre. Darin geht sie von einem Anstieg der Ausfallquote der Kredite auf 15 bis

30%

aus. Zu viele Kredite an zu schlechte Gläubiger seien vergeben worden.

Und die Ausfallquote würde zu einem Anstieg der chinesischen Staatsverschuldung (in Prozent des BIPs) in ähnlicher Größenordnung führen, also von 21% auf 51%.

Ganz nebenbei meint Fitch auch noch, dass die offiziellen 21,5% eh nicht stimmen würden und die wahre Staatsverschuldung eher bei knapp 50% liegt. Hauptunterschied: Fitch zählt die Schulden der Regionen mit, China scheinbar nicht. Daher - und das ist dann schon eine dicke Überraschung - senkt Fitch den Ausblick für chinesische Staatsanleihen auf negativ, trotz der riesigen Devisenreserven. Das Rating blieb allerdings stabil bei A+.

FT Alphaville: A warning on rapid Chinese credit expansion from Fitch

Übrigens gibt es für den angeblichen Einstieg Chinas bei den spanischen Sparkassen eine plausiblere Erklärung als meine Verschwörungstheorie: Das ist eine reine Ankündigung. Aus Nettigkeit. Oder zur Verbesserung der Verhandlungsposition. Ist in China nicht unüblich. Am Ende wird aus dem Einstieg dann völlig überraschend doch nichts ...

Update (15.04.11):

Nicht ganz unerwartet dementiert der chinesische Staatsfonds CIC. Zapatero Ente? Veräppelung durch die Chinesen? Egal ...

Libremercado: China niega que vaya a invertir 9.000 millones en cajas españolas

Danke für den Hinweis-Tweet: 
Twitter / R. Wefers Verástegui: .@egghat Sieht so aus als ...

Deutschland gibt dem ESM eine Einzugsermächtigung

OK, dass im Fall der Fälle (nämlich einer Pleite der unterstützten Länder) die Bareinlage nicht reicht, ist logisch. Dieses Risiko ist bekannt und wird von der deutschen Regierung als "unwahrscheinlich" abgehakt. (Dabei hat Fukushima gerade gezeigt, was man von solchen angeblich niedrigeren Wahrscheinlichkeiten halten sollte ...).

Was für mich aber eine echte Neuigkeit ist: Ob die Bundesregierung in diesem Fall der Fälle (wie wahrscheinlich der auch immer sein mag), Geld nachschießt oder nicht, entscheidet NICHT Deutschland (also die Regierung oder das Parlament als verlängerter Arm der Regierung ...), sondern das Direktorium des European Stability Mechanisms (ESM).

Das ist schon hart. Aber es kommt noch härter: Es kann sogar passieren, dass der Geldfluss selbst ohne Beschluss des Direktoriums des ESM ausgelöst wird, sondern automatisch in Gang gesetzt wird.

Woppah. Ich wüsste jetzt zu gerne, unter welchen Umständen genau das passieren würde. Allerdings bin ich mir verhältnismäßig sicher, dass bereits der erste Teil (als der harte, nicht der härtere) schon so viel Menge Reibung verursacht, dass das eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht auslösen wird.

Schon ein starkes Stück, wie sich Europa hier die Macht sichert. Ein Automatismus, Länder zu bestrafen, die die Richtlinien verletzen, wurde nicht beschlossen, eine Einzugsermächtigung des ESM hingegen schon.

Das war mir bis vor wenigen Minuten nicht bewusst ... Ich kann das irgendwie noch gar nicht glauben, daher bin ich (wie immer) für Hinweise und Kommentare dankbar!

Teure Währungsrettung: Rechnungshof zerlegt Merkels Euro-Plan - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

Update (18:48):

Die FTD hat die Nachricht jetzt auch. Und nicht abgeschrieben, ihr liegt der Bericht des Bundesrechnungshofs nach eigener Aussage vor. In einem entscheidenden Punkt, den ich so im Spiegel Artikel gesehen habe, unterscheidet er sich aber: Die Hilfen an ein Land fließen danach nur nach dem einstimmigen Beschluss der 27 EU-Staaten. Auch eine Aufstockung des Fonds kann es nur mit Zustimmung des Parlaments geben.

Im Gesamtrahmen von 190 Mrd. Euro (von denen 22 Mrd. eingezahlt werden) kann jedoch scheinbar der Automatismus (also die Einzugsermächtigung) packen. Also wohl, wenn einem Land Hilfen genehmigt werden, dann aber aus welchen Gründen auch immer, mehr gezahlt werden muss.

Bericht des Rechnungshofes: Euro-Rettungsschirm könnte teurer werden | FTD.de

Warum muss man über sowas eigentlich spekulieren? Wieso ist ein solcher Vertrag geheim?

Jeder K*** ist öffentlich und wird breit diskutiert, aber Gesetze, die potenziell 190 Milliarden Euro schwer sind, sind geheim ...

Update 2 (13.04.11):

Das Handelsblatt hat auch einen (als "exklusiv" gekennzeichneten) Artikel zum Thema. Darin bezieht sich das Handelsblatt auf das Gesetz, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen soll.

Erstens bestätigt das Handelsblatt, dass der Beschluss zur Hilfe eines Landes durch den ESM einstimmig erfolgen muss. Der (halb-)automatische Geldfluss setzt "nur" unter zwei Bedingungen ein:

i) Wenn der Kapitalstock noch nicht aufgebaut ist (deutscher Anteil 21,7 Mrd. in vier Raten bis 2017) und ein Land Hilfe benötigt, dass eigentlich einzahlen sollte. Dann müssen die anderen Teilnehmer ihren Anteil aufstocken.

ii) Wenn der Kapitalstock angegriffen ist und wieder aufgefüllt werden muss. Das ist aber nur in Notfällen denkbar, denn der ESM soll sich ja über Kredite am Kapitalmarkt finanzieren, sprich der Kapitalstock sollte eigentlich nie angegriffen werden.

Handelsblatt: Merkels Euro-Plan rüttelt an der Verfassung

OK, die verfassungsrechtliche Frage, ob nicht auch in diesen Fällen das Parlament zustimmen muss, ist damit nicht geklärt. Allerdings ist die Sache am Ende weit weniger dramatisch, als sie der Spiegel in der ersten Version dargestellt hat.

Schon erschreckend, wie viele Runden eine solche Story in den Qualitätsmedien drehen muss, bevor die vernünftig erklärt wird. Gut, die Medien haben es bei geheimen Verträgen auch nicht einfach ... Wir reden hier über Verträge mit einem Volumen für Deutschland von 190 Mrd. Euro und bekommen von der Politik geheime Verträge, über die die Presse wie bei Nachrichten aus der Gerüchteküche berichtet (bzw. berichten muss). Da kann man schon massive Zweifel an einer der drei Säulen des Staates bekommen und an der selbst ernannten vierten Säule gleich mit ...

Wie groß ist eigentlich die irische Bankenkatastrophe?

Ich finde solche Vergleiche immer sehr hilfreich, daher möchte ich diesen hier mal kurz erwähnen ... (auch wenn ich dem Artikel bei FT Alphaville inhaltlich wenig hinzuzufügen habe).

Auszahlungen von Versicherungen für Schäden aus Naturkatastrophen 2010: 43 Mrd. Dollar.

(Quelle Swiss Re, z.B. hier: Swiss Re: Katastrophen kosten 2010 Versicherer über 43 Mrd USD (Dow Jones Deutschland)). (Übrigens gehen 40 Mrd. auf Naturkatastrophen und 3 auf "Menschen gemachte" Katastrophen zurück, wobei der Übergang natürlich fließend ist).


Kosten für die irische Bankenrettung seit 2008: 96 Mrd. Dollar. (68,5 Mrd. Euro)

Mithin mehr als das Doppelte!

Jetzt kann man die Zahl allerdings noch aus vier anderen Blickwinkeln betrachten.

Mehr Drama, Baby:

a) Wir vergleichen hier einen Schaden eines Landes mit 4,5 Millionen Einwohnern mit der ausgezahlten Versicherungssumme für die ganze Welt ...
b) 2010 war ein katastrophenreiches Jahr und die ausgezahlten Prämien 60% höher als im Vorjahr und selbst das wird geschlagen.
c) Die Kosten des Bankenstresstests sind in den Kosten noch nicht drin (wenn ich es richtig verstehe) (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Nochmal 24 Milliarden Euro für die irischen Banken).

Stay cool, Man:

d) Die irische Bankenrettung läuft jetzt schon seit 4 Jahren, der Vergleich mit einem Jahr ist etwas schief.
e) Die von den Versicherungen ausgezahlte Summe ist wesentlich kleiner als der Schaden. Der Schaden lag bei 218 Mrd. Dollar, ein großer Teil davon (v.a. in den Entwicklungsländern) war aber nicht versichert. Man sollte das - auch wenn es naheliegt - nicht durcheinanderwerfen.

Jaja, Vergleiche und Einordnungen sind nicht so einfach und wenn man will, kann man die (fast) immer in die gewünschte Richtung schieben. Aber nicht hier. Da muss man sich selber den gewünschten Grad der Dramatik aussuchen ;-)

Aber richtig undramatisch bekommt man das selbst als Permabulle nicht hin. Die Größe, besser gesagt Winzigkeit von Irland macht das einfach immer dramatisch. Die Daumenregel für die Umrechnung auf amerikanische Verhältnisse (also inkl. Dollar und größerer Bevölkerungszahl) ist eine Multiplikation mit dem Faktor 100 ... 68,5 Mrd. Euro in Irland entsprechen also grob 6,85 Billionen Dollar in den USA ...

Autsch.

FT Alphaville » Ireland — a double-size banking catastrophe

50% der Deutschen pro Eurohilfe an Portugal ...

... und nur 45% dagegen.

Schau an! So eindeutig, wie manche (u.a. auch die Bild) die Ablehnung der Eurohilfen für Griechenland, Irland und Portugal darstellen, scheint sie gar nicht zu sein.

In einer EMNID Umfrage, die die Bild am Sonntag in Auftrag gegeben hat und die repräsentativ sein soll, haben 50% der Befragten für die Hilfe ausgesprochen und 45% dagegen. Komisch, das erschien mir zumindest im Fall von Griechenland anders zu sein, da hätte ich eher auf eine breite Ablehnung in der Bevölkerung getippt.

Übrigens erwarten satte

90%,

dass Portugal nicht das letzte Land sein wird, das auf die EU-Hilfen zugreifen muss. Die Frage scheint da nur zu sein: Spanien oder Belgien.

Sorgen um den Euro machen sich übrigens auch die Mehrheit: 20% "sehr große", 38% "eher große". Relativ optimistisch ist der Rest: 32% machen sicher "eher weniger", 11% "keine" Sorgen.

Allerdings zeigen die letzten beiden Abschnitte schon, wie viel man von der Meinung der Bevölkerung in Deutschland, die ja von Wirtschaftsdingen nicht wirklich viel Ahnung hat, halten soll. Wenn 90% von weiteren Ländern ausgehen, die Hilfe brauchen, sollten eigentlich auch mehr Leute Angst vor einer Eurokrise haben ...

Emnid-Umfrage Euro-Rettungsfond: Mehrheit der Deutschen zeigt sich solidarisch - Wirtschaft - Bild.de

(Ausnahmsweise mal ein Link auf Bild.de, aber wenn die die Umfrage schon bezahlen ...)

Sind die USA jetzt (bald) Pleite?

Nein, Quatsch. Lasst Euch nicht verrückt machen.

Neben vielen ziemlich alarmistischen Geschichten gibt es auch ein paar ruhige, die am Ende nur sagen. "Viel Lärm um Nichts".

Politiker spielen wichtig. Ohne dass sonderlich viel passieren wird ...

Handelsblatt: Wenn der Staat den Geist aufgibt
Shutdown effects on economy seen limited Economic Report - MarketWatch

Die USA haben eine frei schwankende Währung, was viele Schwächen ausgleichen kann. Solange der Rest der Welt an den Wert des Dollars glaubt, passiert den USA gar nichts. Und selbst dann haben die USA "nur" eine Nettoverschuldung in Höhe von etwa eines Viertel eines Jahres-BIPs. Das ist eine andere Kategorie als Spanien, Portugal oder Griechenland, die netto deutlich höher im Ausland verschuldet sind.

Update (09.04.11):

Völlig überraschend :-) haben sich die Politiker doch noch geeinigt und Einsparungen in Höhe von 36 Milliarden Dollar pro Jahr beschlossen.

FAZ

Update (10.04.11):

Die anonyme "Böse Tussi" weist in den Kommentaren zurecht darauf hin, dass die 36 Mrd. Dollar Einsparungen pro Jahr auch kaum mehr als ein Witz sind, wenn man das mit den Haushaltsminus von 1,6 Billionen (also 1600 Milliarden) Dollar im letzten Haushaltsjahr vergleicht oder mit der Etatplanung, die bis 2020 insgesamt etwa 7 Billionen Minus einplant. Das sind dann in etwa so aus:

Jahr   Defizit
2010: $1293 Mrd.
2011: $1645 Mrd.
2012: $1101 Mrd.
2013: $768 Mrd.
2014: $645 Mrd.
2015: $607 Mrd.
2016: $649 Mrd.
2017: $627 Mrd.
2018: $619 Mrd.
2019: $681 Mrd.
2020: $735 Mrd.
2021: $774 Mrd.

(Quelle: Whitehouse.gov)

Und dann vielleicht noch zwei weitere Artikel zum Thema. Einen, der die These stützt, dass die USA nicht so schnell pleite gehen:

 Warum gehen die USA eigentlich nicht Pleite? - egghat's not so micro blog

und einer, der eher die Idee deckt, dass die USA eigentlich schon lange Pleite sind ...:

USA MIT 75 BILLIONEN DOLLAR SCHULDEN ...

EU will Dieselsteuern erhöhen (und der alltägliche Wahnsinn)

Manchmal kann man ja an allem verzweifeln ...

Erstmal die Nachricht:

Die EU-Kommission denkt über eine Erhöhung der Dieselsteuern nach. Begründung: 1 Liter Diesel enthält mehr Energie als 1 Liter Benzin. Ergo entsteht bei der Verbrennung von Diesel mehr CO2 als bei Benzin. Es sind etwa 17%. Aktuell wird Benzin aber höher besteuert, was im Hinblick auf den CO2-Ausstoß exakt falsch herum ist ...

Warum ich verzweifle?

a) Der Artikel im Spiegel erklärt das oben gesagte zwar noch, beantwortet aber keine der spannenden Fragen. Und die wären
i) Was ist mit Heizöl? (= Heizdiesel, weil defakto auch Diesel, aber niedriger besteuert)
ii) Was ist mit Kerosin? (aktuell steuerfrei)

Pläne der EU-Kommission: Autofahrer sollen deutlich mehr für Diesel zahlen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft

Die FAZ, die die Story zuerst gebracht hat und auf die sich der Spiegel auch bezieht, hat das schon besser geschafft, auch wenn zur Frage 2 nix kommt. Immerhin erklärt die FAZ, dass die Erhöhung in Deutschland bei Heizöl nicht greifen würde, weil der deutsche Steuersatz für Heizöl bereits höher ist. OK, gut recherchiert, verstanden.

Sollte der EU-Vorschlag dann bei Diesel nicht ebenfalls ins Leere laufen? Nee, tut er nicht, weil da das Benzin der Ankerpunkt zu sein scheint, an dem man den Steuersatz festmacht. Und weil (Auto-) Diesel dann höher besteuert werden muss als (Auto-) Benzin muss der Steuersatz für Diesel auch steigen (es sei denn, der Steuersatz für Benzin würde sinken, aber mit Steuersenkungen im Energiebereich rechnet wohl niemand ernsthaft).

So ganz logisch ist die FAZ-Erklärung aber auch nicht. Denn es geht doch um einen EU-Mindeststeuersatz. Legt den EU diesen jetzt für jedes Land und jede Verwendungsart (Transport vs. Wärme) einzeln fest? Sollte der Mindeststeuersatz für (Auto-) Diesel nicht wie beim Heizöl vom niedrigsten Steuersatz für (Auto-) Diesel (oder (Auto-) Benzin) in Europa abhängen? Wieso ist der Ankerpunkt für (Auto-) Diesel nicht ein EU-Durchschnittswert wie beim (Heiz-) Diesel?

Energiesteuerrichtlinie: EU-Kommission will Diesel verteuern - Europäische Union - Politik - FAZ.NET

b) Und das ist der zweite Grund, warum ich verzweifle (neben der Tatsache, dass die FAZ das nicht so wirklich erklärt, der Spiegel sogar fast nicht): Was soll dieser völlig wirre Vorschlag? Will die EU wirklich erreichen, dass der Abstand zwischen dem Steuersatz von (Heiz-) Diesel und (Auto-) Diesel noch weiter auseinandergeht?

Und noch viel wichtiger: Was ist mit Kerosin? Mit dem Benzin für Flugzeuge, das im Moment überhaupt nicht besteuert wird? Wo die deutsche Regierung schon zu einer Fluggastabgabe gegriffen hat, weil auf europäischer Ebene keine Einigung zu erzielen war? Eine Fluggastabgabe, bei der die Fluggesellschaften in drei (willkürlichen) Entfernungsstufen feste Abgaben bezahlen müssen. Damit wird der Frachtverkehr gar nicht belastet (Schwachsinn). Und selbst im Passagierverkehr erzeugt diese pro Passagier erhobene Abgabe keinen (zusätzlichen) Anreiz, sparsamere Flugzeuge einzusetzen und die Flugzeuge besser auszulasten.

Man, ist das alles schlecht.

c) Was mir dann aber völlig die Hoffnung nimmt: Die Menge der völlig hirnleeren Kommentare beim Spiegel. Habe ich hier in diesem kleinen Blog wirklich mehr intelligente Leser (und Kommentatoren) als der Spiegel?

Obwohl ... Vielleicht kann man bei einem solch unstrukturierten Vorschlag, über den beim Spiegel so schlecht berichtet wird, auch keine intelligenteren Kommentare erwarten .... Und um mir die Laune nicht komplett zu versauen, lese ich die FAZ Kommentare besser nicht durch ...

Portugal will jetzt doch/endlich EU-Hilfsgeld ...

Das kündigte der portugiesische Finanzminister heute Abend an. Es ist allerdings unklar, ob die Übergangsregierung diese Entscheidung überhaupt treffen darf (wobei ich schon drauf tippen würde ... Wieso sollte die das nicht dürfen?)

Die Entscheidung kommt jetzt doch etwas überraschend, denn die Versteigerung der portugiesischen Anleihen lief heute eigentlich halbwegs zufriedenstellend. OK, der Zins war hoch, aber es gab immerhin Käufer ... (siehe 5,9% Rendite für neue portugiesische Anleihe - egghat's not so micro blog).

Naja, theoretische Diskussion ab heute. Nach Griechenland und Irland haben wir jetzt die Nummer drei in den diversen EU-Rettungsfonds. Jetzt können sich die Hedgefonds auf Spanien konzentrieren ... Feuer frei.

FAZ: Finanzminister kündigt Hilfsantrag an

TV-Pflichtkuck: Die letzten ihrer Art 19:30 auf Arte

(sollte eigentlich schon gestern erscheinen, ist aber in der Queue hängen geblieben. Aber zum Glück gibt's die auch in der Arte Mediathek)

Ich habe früher schonmal auf einen Vortrag des leider viel zu früh verstorbenen Douglas Adams über die Suche nach -womöglich- ausgestorbenen Tierarten hingewiesen. Den Hinweis wiederhole ich heute gerne:

DOUGLAS ADAMS ÜBER "DIE LETZTEN IHRER ART"

Auch den damals genannten Buchtipp wiederhole ich gerne:

Die Letzten ihrer Art: Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde, das ich auch vor Ewigkeiten schon mal empfohlen habe (FLUSSDELFIN AUSGESTORBEN?).

Und mit besonderer Freude habe ich gerade gesehen, dass heute die vor etwa drei Jahren von der BBC verfilmte Reise von Adams Freund Stephen Fry auf Arte anläuft. Dabei macht sich Fry wie Douglas Adams zuvor auf die Reise und sucht das weisse Nashorn,

Arte.tv: Die Letzten ihrer Art - Dokumentarfilmreihe von Tim Green

5 Teile, ab heute bis Freitag, jeweils 19:30

(1): Das Ende der Weißen Nashörner
(2): Das Aye-Aye - das hässlichste Tier der Welt
(3): Die Insel der Komodo-Drachen
(4): Komischer Vogel Kakapo
(5): Die Bucht der Blauwale

Großes Rebalancing des NASDAQ 100 - Apple Aktie leidet

Schade, die Story hatte ich lange in der Queue: Arbeitstitel: "Der Grund, warum Apple immer weiter steigt?"

Apple ist die mit Abstand wichtigste Aktie im NASDAQ 100 Index. Das Gewicht ist inzwischen auf 20,5% gestiegen. Das ist außergewöhnlich viel, wenn man Apple mit Microsoft vergleicht. Apple ist etwa 223 Mrd. Euro wert, Microsoft etwa 155. Microsoft ist aber nur mit 3,41% gewichtet, also ziemlich genau einem Sechstel. Apple hat somit eine Marktkapitalisierung, die etwa 40% höher ist als die von Microsoft, aber ein Indexgewicht, das 500% höher ist.

Das geht auf eine alte Regel zurück, mit der 1998 (!) das Gewicht von Microsoft reduziert wurde. Damals war Microsoft defakto der Alleinherrscher im IT-Bereich und machte gut ein Viertel des NASDAQ 100 Indexes aus. Ende 1998 wurde dann die Gewichtung von Microsoft künstlich reduziert und sank von 22,5 auf 14,5% 24,5%. Apple war der große Profiteur und bekam nahezu eine Verdopplung des Gewichts. Damals - nicht weit entfernt von der Pleite - stieg das Gewicht von Apple von 0,4 auf 0,9%.
Mit der Explosion des Werts von Apple hat damals wohl niemand gerechnet.

Idiotischerweise hat die NASDAQ diese Regel in den letzten 13 Jahre nie angepasst. Microsoft wird also immer noch bestraft und Apple (und einige andere) immer noch belohnt. Und das obwohl der Grund für die Anpassung, nämlich das hohe Gewicht von Microsoft, schon lange passé ist.

Nun passt die NASDQ die Regeln endlich an. Das Marktgewicht von Apple sinkt am 2. Mai von 20,49% auf 12,33%, also um etwa 40%.

Die großen Profiteure sind:
Microsoft (von 3,41% Indexgewicht auf 8,32%)
Cisco (von 1,56% auf 3,66%),
Oracle (von 3,32% auf 6,68%),
Intel (von 1,7% auf 4,2%) und
Google (von 4,18% auf 5,77%)

Damit würden die Verhältnisse der Marktkapitalisierung zwischen Apple und den anderen endlich sinnvoll widergespiegelt.

Jetzt wird sich zeigen, wie viel des Kursanstiegs der Apple-Aktie auf indexorientierte Käufe zurückging und wie viel fundamental begründet war. Die Aktien von Apple verlieren natürlich (bisher etwa 3%), bei die anderen passiert nicht so doll viel.

Wieso die NASDAQ den Index so idiotisch, sprich auf einen Schlag anpasst, verstehe ich nicht. Auch jetzt scheint die NASDAQ kein neues System einzuführen und Aktien immer und generell im Gewicht zu reduzieren. Zum Beispiel durch eine harte Obergrenze bei 15 oder 20%. Zwar  ist auch das künstlich und unnatürlich, aber es ist immer noch besser als den Index nur anzupassen, wenn er komplett aus dem Ruder gelaufen ist. Und dann große Sprünge in der Gewichtung zu produzieren, die die indexorientierten Fonds jetzt mühsam nachbilden müssen.

Übrigens ein schönes Beispiel für die Probleme bei indexorientierten Investments wie ETFs. Diese sind zwar mehrheitlich preiswert (niedrige Gebühren), aber wenn der Index darunter dämlich ist, ist das Investment auch dämlich ...

heise online - Apple-Aktien unter Druck
Apple Weighting in Nasdaq-100 to Be Cut; Microsoft Raised (1) - Bloomberg.com

Nicht einmal der wahrscheinlich am intelligentesten (und kompliziertesten) berechnete Index von allen, der DAX, ist vor extremen Ausschlägen geschützt. Ich erinnere nur an den Kurssprung der VW Stammaktie, als Porsche versuchte, VW zu übernehmen und die VW-Stammaktie auf über 1.000 Euro trieb. Was dann zu einem Gewicht der VW-Stammaktie im Index führte, das über 20% lag und das bei einer Aktie, bei der der Freefloat unter 10% lag. Der Kursanstieg von VW löste übrigens mehrere 100 Punkte Kursanstieg im DAX aus (siehe auch DAX VERKOMMT ZUR LACHNUMMER)

Ich habe den besten Aprilscherz gefunden!

Dieses Jahr stammt er vom Bauernverband, der behauptet, dass der Anbau von Pflanzen für die Biokraftstoffherstellung KEINE wesentlichen Folgen für die Lebensmittelpreise hätte.

Und wisst ihr warum? Weil man für die E10 Produktion Futtergetreide nimmt und kein Speisegetreide ... Futtergetreide wächst scheinbar auf Bäumen und belegt keine Ackerfläche! Oder wie?

Dann kommt noch das Argument, das nur 2% der deutschen Ackerflächen für die Biokraftstoffherstellung verwendet werden. Eine Zahl, die ich schlichtweg für eine Lüge halte!

Dagegen stehen die 18%, die an anderer Stelle genannt werden (Anbau von Energiepflanzen nimmt zu). OK, da spielt Biogas mit hinein. Aber dass 16% für Biogas und nur 2% für Kraftstoffe genutzt werden, glaube ich im Leben nicht. Ich hatte allein für Biodiesel (ohne Ethanol im Benzin) schon höhere Zahlen als die 2 Prozent im Kopf.

Man, was für eine platte Verblödung der Verbraucher. Aber so sind sie halt unsere Lobbyisten ...

MASSIVE FACEPALM


FAZ: Lebensmittel könnten wegen E10 teurer werden

Ich empfehle zum Thema übrigens allen, die am Wochenende Zeit haben und nicht den Grill anwerfen, diese schon etwas ältere Dokumentation, die einen Blick auf den "zertifizierten" Anbau von Palmöl in Indonesien wirft:



Selbst der zertifizierte Anbau ist scheinbar eher ein Witz. Und darüber muss man eigentlich gar nicht diskutieren, weil die ganze Idee an für sich schon ein Witz ist. Denn selbst wenn Deutschland seinen Bedarf ausschließlich über "zertifizierte Flächen" decken würde, hilft das doch nicht. Dann baut halt jemand anderes auf den neu abgeholzten Flächen seine Lebensmittel an. Wir reden hier über Lebensmittel und da verschwindet nicht magisch Nachfrage, nur weil wir das gerne so hätten. Wir belegen durch den Anbau von Pflanzen für Biodiesel/Ethanol/Biogas Flächen, die dann für die Produktion von Lebensmitteln fehlen.

Das führt zu einer Mischung aus steigenden Preisen und wachsender Anbaufläche. Letzteres vor allem durch Abholzung von Regenwald. (Wie viel der durch Biosprit/Biogas ausgelösten Zusatznachfrage jetzt auf die Preise durchschlägt und wie viel durch eine größere Anbaufläche abgefangen wird, weiss so genau niemand, aber das ist auch egal, schließlich sind beide Effekte unerwünscht.)

So einfach ist das mit Angebot und Nachfrage. Das können auch der Bauernverband, die Politik und die Lobbyisten nicht außer Kraft setzen ...

Das ist die gleiche alte Diskussion, die schon bei der Fleischproduktion geführt wurde. Fleisch verschlingt auch ein mehrfaches der Fläche, die für die Produktion von Getreide/Gemüse/Obst mit dem exakt gleichen Nährwert benötigt würde. Nur dass wir die Sinnlosigkeit jetzt nochmal gesteigert haben: Statt einem nahrhaften, leckeren Stück Fleisch gibt es jetzt nur blöden Sprit, den wir im Automotor verbrennen ...

USA mit 75 Billionen Dollar Schulden ...

.. sagt Bill Gross, Chef der Allianz-Tochter Pimco, dem größten Anleihenkäufer der Welt. Dass Gross skeptisch ist, ist allerdings nicht neu (OH, BILL GROSS SIEHT US-STAATSSCHULDEN ABER NEGATIV)

Die

75.000.000.000.000 (75 Billionen) Dollar

wären etwa 5 Jahres-BIPs der USA, also 500% des US-BIPs.

Gross rechnet dazu die versteckten Lasten aus den Sozialhaushalten mit in die Staatsverschuldung ein.

Egal wie skeptisch man in Bezug auf die USA sein mag, ist dieses Vorgehen aber nicht zulässig. Man kann das zwar schon machen, um gewisse demografische Effekte abschätzen zu können, aber diese Belastungen einfach zu 100% als Schulden zu zählen, ist viel zu einfach. Schließlich stehen auf der anderen Seite des Staatshaushalts auch zukünftige Einnahmen und nicht nur auf der einen Seite zukünftige Verpflichtungen.

Selbst wenn man diese Rechnung so macht, stimmt die Aussage von Bill Gross, dass die USA die Griechen "outgreecen", also Griechenland übertreffen, würden nicht. Denn das CATO Institut hat die zukünftigen Verpflichtungen aus dem Sozialsystem (Rente+Gesundheit) mal ausgerechnet und kam dabei auf Belastungen von etwa 500% des BIPs bei den USA (wie Gross auch, so what's the news?), bei Griechenland aber auf fast 900%.

Neenee, Herr Gross, so einfach sind die Griechen nicht zu schlagen. Die haben sich schon außergewöhnlich tief in die Sch**** geritten ...

(Ich würde trotzdem keine US-Bonds kaufen, solange diese keinen deutlichen Renditeaufschlag bieten. Zu groß ist die Gefahr einer Abwertung des Dollars ...)

ZAHL DES TAGES (11.02.10): 884%

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