Case-Shiller-Index März 2011: -0,8% (Vm), -3,6% (Vj) (Immowette gewonnen)

Mit der Veröffentlichung heute ist das Double Dip am amerikanischen Immobilienmarkt nicht mehr zu leugnen. Der City-20-Index fiel im März im Vergleich zum Vormonat um weitere 0,8% und im Vergleich zum Vorjahr um 3,6%. Damit ging es nicht nur weiter bergab, es wurden sogar die Tiefstkurse aus dem Sommer 2009 unterschritten (saisonbereinigt aber noch minimal mit 0,1% darüber).

Ja genau unter dem Wert aus dem Monat, auf den ich meine Immobilienwette gestützt habe. Da ich damals aber glücklicherweise den Zeitraum begrenzt habe (auf 18 Monate, die seit dem Januarwert eigentlich vorbei sind), logge ich die Wette jetzt mal schnell ein, bevor die 40% Gesamtminus vielleicht doch noch erreicht werden ... (NEUE WETTE: CASE-SHILLER-INDEX SINKT NICHT MEHR ALS 40%). Allerdings liegt das Minus vom Hoch aus gesehen im März bei 31,6%, ich hätte also noch einiges an Luft.

(Dieses Mal habe ich mehr Glück mit meinem Timing. Bei der Wette davor (die USA fallen in die Rezession, siehe Die egghat'sche Rezessionswette (verloren)) hatte ich ja Pech. Zwar habe ich (gegen fast alle Experten, z.B. hatte von den 50 vom WSJ befragten Ökonomen kein einziger eine Rezession auf dem Radarschirm) eigentlich das Richtige vorhergesagt, aber die quartalsweisen BIP-Zahlen waren noch im Plus und sind erst nachträglich ins Minus korrigiert worden. Da war die Wette aber schon beendet ...))

Also m106 (der liest ja noch, zumindest auf Twitter), Christoph (noch hier?) und Rüdiger Helge Wolf (hat sich zwischendurch mal über E-Mail gemeldet): Her mit dem Wein (oder der lokalen Bierspezialität). Meine Adresse gibt's per Mail.

Zurück zum Case-Shiller-Index. Die Breite im Index war schlecht, 18 von 20 Städten lagen im Monatsvergleich im Minus, im Jahresvergleich sogar 19 (einzige Ausnahme Washington). Allerdings sind die Werte etwas besser als im Februar, damals lag das Monatsminus bei 1,1% und in 19 der 20 Regionen sanken die Immobilienpreise.

Man muss aber positiv hinzufügen, dass die saisonbereinigten Zahlen um einiges besser aussehen. Februar und März sind saisonbereinigt "nur" um jeweils 0,2% im Minus, auch gab es 6 Märkte, die im Plus lagen.

Mittelfristig sieht es aber schlechter aus. 12 Regionen sanken auf neue Tiefstkurse im Zyklus, in 4 Märkten sind die Preise bereits unter die Werte von 2000 (!) zurückgefallen.

Weil es die letzte Zahl aus dem Quartal war, gab es auch ein Update zu den landesweiten Zahlen (die kommen nur quartalsweise, nicht monatlich). Landesweit sind die Immobilienpreise im ersten Quartal um 4,2% gefallen (4. Quartal 2010 -3,6%), im Vergleich zum ersten Quartal 2010 um 5,1%. Damit wurde auch ein neues Verlaufstief erreicht. Der National Index ist also noch etwas schlechter als die 20 großstädtischen Regionen im City-20-Index. Im Schnitt sind die Preise übrigens nun wieder auf dem Niveau von Mitte 2002 angelangt.

S&P: National Home Prices Hit New Low in 2011 Q1

Das Ganze ist übrigens immer noch lange nicht unkritisch, auch wenn das inzwischen nicht mehr die großen Schlagzeilen produziert. Zwar haben die Banken viele Risiken (v.a. mit Staatshilfe) ausgelagert, aber es schlummern immer noch Immobilienkredite in Billionenhöhe in den Bankbilanzen. Und seit der Finanzkrise werden diese (noch) kreativer bilanziert als vorher. Auch ist das Schatteninventar an unverkauften Immobilien noch nicht deutlich geschrumpft, also die Anzahl der Immobilien, die zwar schon durch den Ausfall der Hypothek wieder im Bankenbesitz sind, aber noch nicht offiziell zum Verkauf stehen (und ganz nebenbei noch mit ziemlich unrealistischen Wertansätzen in den Bankbilanzen stehen dürften).

Komischerweise macht sich auf dem heutigen Niveau niemand Gedanken über eine erneute Stützungsaktion für den US-Immobilienmarkt. Die Steueranreize für Erstkäufer, die damals gewährt wurden, waren einer der Hauptgründe, auf den ich damals meine Immowette gestützt habe. Dabei könnte eigentlich genau das - angesichts der sinkenden Arbeitslosenzahlen und der höheren Zuversicht in der Bevölkerung - heute zünden und endlich einen nachhaltigen Aufwärtstrend am US-Immobilienmarkt einleiten.

Bank Run in Griechenland?

Hmm, das Tempo des Bankruns scheint noch weiter zuzunehmen ...

Auf die Abflüsse der Einlagen bei den griechischen Banken habe ich ja schonmal in meinem Zweitblog hingewiesen (siehe Bankrun in Griechenland (geht weiter und zwar schneller) - egghat's not so micro blog). Danach sind in den ersten vier Monaten 2011 etwa 31 Mrd. Euro von den Konten der griechischen Banken abgeflossen. Diese 8 Milliarden pro Monat waren (grob) doppelt so viel wie Anfang 2010.

Jetzt berichtet eine griechische Quelle über Bargeldabhebungen allein am Donnerstag und Freitag von geschätzten 1,5 Milliarden Euro. Der Großteil der Abhebungen sei vergleichsweise klein gewesen (10.000 bis 15.000 Euro) und es sei auch um Bargeld gegangen, nicht um Geldtransfers ins Ausland.

Das ist natürlich leider alles so gut wie nicht verifizierbar, über Bankruns wird halt selten (bis gar nicht) berichtet. Ich habe bei ein paar Zeitungen nachgeschaut (Google Translate ist schon toll ...), aber keine entsprechenden Nachrichten finden können.

Wenn man die 1,5 Milliarden in Relation zu den 8 Milliarden setzt, wäre die Summe aber schon halbwegs passend. Und sie würde nochmal deutlich zeigen, dass nicht einmal mehr die Griechen selber an eine Rettung Griechenlands aus eigener Kraft glauben. Und ihr Geld lieber in Sicherheit bringen.

Am Ende würde der Bankrun dick unterstreichen, dass die griechische und europäische Politik mit ihrem permanenten Totschweigen der Probleme nicht weiterkommt. Ob und wann die (nächste) Rettung Griechenlands kommt, entscheidet nämlich (wie schon in Griechenland letztes Jahr oder in Irland oder in Portugal) nicht irgendeine Regierung irgendwo, sondern die Kapitalmärkte hinab bis zum Kleinsparer. Wenn der Kleinsparer nämlich sein Geld in Massen abhebt, drohen die Banken in die Insolvenz zu geraten. Dann springt der Staat ein und wenn dem das Geld ausgeht, die EU. So war der Ablauf bisher schon dreimal (wobei die Beweise im Fall von Portugal nicht ganz eindeutig sind), und so wird er in Griechenland auch wieder ablaufen ...

They lifted 1.5 billion Thursday and Friday from banks via Google Translate (Original)

gefunden über Mish's Global Economic Trend Analysis: Panic Capital Flight in Greece, Depositors Yank 1.5 Billion Euros in 2 Days;EU Wants Severe Bail-Out Conditions Including International Tax Collection

Update (17:53):

Ich hoffe, dass die Politiker dieses Mal ein wenig besser vorbereitet sind, wenn eine Bank Alarm schreien sollte. Aber ich schätze nicht; es wird wohl maximal eine überhastete Aufstockung des Rettungspakets geben.

Update 2 (23:07):

Till hat mir noch eine andere Quelle (Athener Tageszeitung) in den Kommentaren hinterlassen:

Adesmeytos.gr

Wackelt die Freigabe des Griechenland Kredits des IWF?

Da wollte ich gerade eine positive Meldung im Zusammenhang mit Griechenland bringen. Man lechzt ja geradezu nach einem Silberstreif am Horizont. Da platzt schon wieder eine negative dazwischen ...

OK, die gute Nachricht zuerst: Die OECD lobt die Sparanstrengungen Griechenland. Diese seien rekordverdächtig. Das strukturelle Defizit sei von 14,6% (2009) auf 6,5% (2010) gefallen. Nächstes Jahr (2012) soll es nur noch bei 1,3% liegen.

Beim strukturellen Defizit wird versucht, den Einfluss der Konjunktur herauszurechnen. Da die Wirtschaft in Griechenland 2010 massiv eingebrochen ist (-4,5%), sehen die "echten" Zahlen wesentlich schlechter aus.

Spiegel: Griechen stellen Sparrekord auf

Dass die OECD so deutlich lobt, überrascht dann doch. Denn zumindest im ersten Quartal 2011 ist von Verbesserung wenig zu erkennen. Die Steuereinnahmen brachen ein (-8%), die Ausgaben stiegen sogar leicht. Ein erfolgreiches Sparprogramm sieht anders aus ...

Zu den Zahlen aus dem ersten Quartal passen auch die Gerüchte, die heute am Markt kursierten: Danach soll der IWF die Auszahlung der nächsten Kredittranche verweigern. Aber wohl weniger, weil die Sparziele nicht erreicht wurden, sondern weil die Refinanzierung Griechenlands für die nächsten 12 Monate noch immer nicht endgültig geklärt sei. Die Europäer haben dem EFSF immer noch nicht zugestimmt.

Quasi bestätigt hat diese Spekulationen über die Nichtauszahlung der IWF-Tranche Jean-Claude Juncker, indem er betonte, dass er davon ausgeht, dass die Europäer ihren Anteil aufstocken würden, sofern der IWF nicht zahlt.

FAZ: IWF-Kredit für Griechenland in Gefahr

FT Alphaville: What was Juncker thinking?

Und als wenn damit noch nicht hinreichend viel Verwirrung gestiftet wäre, droht die griechische EU-Kommissarin Maria Damanaki mit einem Euro-Austritt Griechenlands. "Dieses Szenario liegt auf dem Tisch". Gerichtet war dieses Warnung aber nicht in Richtung Brüssel, sondern an die Protestler im eigenen Land. Damanaki forderte endlich zu konsequentem Sparen auf, ansonsten riskiere Griechenland die größte Errungenschaft der Nachkriegszeit: Die Integration in Europa und den Euro.

Griechische EU-Kommissarin fürchtet Drachme-Comeback

Bankenexposure in Griechenbonds noch immer bei 100 Mrd. €?!?

Noch immer? Mehr als ein Jahr nach dem Beginn der Krise?

OK, geschätzte 50 Milliarden Euro der griechischen Staatsanleihen liegen bei den griechischen Banken. Diese haben damit eine so hohe Abhängigkeit von griechischen Staatsanleihen, dass sie nie eine realistische Chance hatten, ihre Positionen spürbar zu reduzieren. Sie können sich nicht absichern (CDS zu teuer) und sie können nicht verkaufen (Verluste werden dann sichtbar, außerdem ist der Markt illiquide).

Bei einer Restrukturierung der griechischen Staatsschulden muss man daher die griechischen Banken direkt mit restrukturieren. Das war mir aber schon lange klar, dafür gab und gibt es keine Alternative. Und das nicht erst seit dem sich immer deutlicher abzeichnenden Bankrun (Bankrun in Griechenland (geht weiter und zwar schneller) - egghat's not so micro blog).

Die andere Hälfte macht mich dann aber schon stutzig. Die nicht-griechischen Banken halten angeblich immer noch ähnlich viele griechischen Anleihen wie vor einem Jahr. Ein paar Banken werden sicherlich etwas verkauft haben, ein Teil hat aber scheinbar sogar noch zugekauft!

Als Mensch mit einem halbwegs sauber arbeitenden Gehirn fragt man sich natürlich, warum zum Teufel man solch einen Schrott kaufen sollte. Aber das ist am Ende ganz einfach, man muss nur abgebrüht genug sein ...

Reuters zitiert einen Berater einer Bank mit den Worten
"One chief financial officer told me I was a complete idiot not to be buying bonds and that was only back in April"
Grund dieser Aussage: Die Griechenlandanleihen notieren an der Börse (zeitweise) deutlich unter dem Wert, mit dem man sie bei der EZB zur Liquiditätsbeschaffung hinterlegen kann. Ich kann also für 50 Euro z.B. eine zehnjährige Griechenlandanleihe kaufen und mir darüber 70 Euro Bargeld bei der EZB besorgen, wenn ich die Anleihe bei der EZB hinterlege (Zahlen nur als Beispiel, ich hatte das Prinzip im Zusammenhang mit Irland mal beschrieben (DROHT ALLEN IRISCHEN BANKEN DER "MASTBRUCH"?)).

Im Endeffekt beruht die "Lücke" auf der Tatsache, dass für die Menge des Bargelds bei der Hinterlegung das Rating einer Ratingagentur maßgeblich ist. Das Rating hinkt in einer Abwärtsspirale wie im Fall von Griechenland aber immer dem Börsenkurs hinterher.

Eigentlich ist das ganze natürlich ein komplett schwachsinniges Geschäft. Die Banken kaufen sich risikoreichen Schrott, nur um ihn bei der EZB gegen (mehr) Bargeld zu hinterlegen. Damit landet das Risiko am Ende bei der EZB.

Die Banken machen das, weil sie genau wissen, dass ihnen nichts passieren kann, weil sie mit der (ebenfalls nicht abgesicherten) EZB in einem Boot sitzen.
"They know they will get rescued"
Man muss halt nur abgebrüht sein ...

Greece's 100 billion-euro shadow over banks | Reuters
gefunden über FT Alphaville » Complete idiots

Möglicherweise geht das ganze Spiel aber noch viel weiter und betrifft nicht nur die 100 Milliarden Griechenbonds, sondern noch viel mehr Papiere. Zumindest kann man das nach der Lektüre eines Spiegelartikels vermuten.

Die Notenbanken scheinen nämlich nicht nur Griechenbonds zu überhöhten Kursen akzeptiert haben (Wobei sich die Lücke im Fall von Griechenland durch die zeitliche Verzögerung der Ratingherabstufung ergibt, nicht durch eine Falscheinordnung der Notenbank).

Laut Spiegel scheinen manche Zentralbanken Sicherheiten generell ziemlich großzügig zu akzeptieren. Der Spiegel nennt 25 ABS-Papiere der Depfa, die mit einem zu niedrigen Abschlag von der irischen Notenbank akzeptiert wurden. Auf einen Hinweis der Spiegels hin will die Notenbank den Abschlag beim nächsten Geldgeschäft erhöhen, also weniger Bargeld auszahlen.

Da der Spiegel aber weder sagt, wie hoch der Abschlag vorher war (wenn man von 42,5% auf 46% gehen würde, wäre das wenig dramatisch), noch die Summe nennt, die diese Papiere ausmachen, kann man nur weiter wild spekulieren, wieso der Spiegel daran die Geschichte aufhängt.

Denn die Tatsache, dass die Banken Unmengen von zweifelhaften Papieren bei der EZB (bzw. den nationalen Notenbanken) ablagern, ist schon alt und ich meckere darüber schon lange.

Es begann hiermit im März 2010 (Griechenbonds werden auch als Sicherheit akzeptiert, wenn Rating unter A- sinkt):

EZB SCHONT GRIECHENLAND ...

und endete (vorerst) hiermit (EZB akzeptiert eigentlich jeden Mist, wenn auch mit Abschlägen)

SORGT EUCH NICHT! WIR HABEN VOLL STRENGE RICHTLINIEN!

Um es klar zu machen: Die Risiken in der Bilanz der EZB (und den nationalen Notenbanken) entstehen nicht ausschließlich über die Tatsache, dass die Notenbanken zu niedrige Haircuts berechnet haben, sondern auch (oder sogar überwiegend?) dadurch, dass sie diese (Schrott-)Papiere überhaupt akzeptieren.

Unter Umständen interpretiere ich in den Artikel von Spiegel Online auch zu viel hinein und der Originalartikel im Print-Spiegel ist klarer und gehaltvoller. Zumindest deutet das eine Zusammenfassung in der FTD an, die sich fragt, warum die EZB zu den Vorwürfen nicht Stellung nimmt. Das frage ich mich allerdings auch ...

Schuldenkrise: Der "Spiegel"-Bericht, die EZB und ihr Schweigen | FTD.de

Übrigens geht es bei den Wertpapieren zu geldpolitischen Zwecken um insgesamt 444 Mrd. Euro. Dazu könnten auch noch die 471 Mrd. Euro Wertpapiere kommen, zumindest die unter Punkt 7.1 genannten 137 Mrd. könnten unter die oben genannten Hinterlegungsregeln fallen (kann ich aber auch nicht genau sagen).

Bundesbank: KONSOLIDIERTER AUSWEIS DES EUROSYSTEMS ZUM 6. MAI 2011

Eine solch hohe Summe gibt wilden Spekulationen natürlich eine gute Grundlage ... Eine Stellungnahme der EZB wäre daher angebracht.

Update (23:11):

Es gibt übrigens neue Zahlen von Fitch, was das Exposure der deutschen Banken gegenüber dem griechischen Staat angeht. Danach sollen es nur 9,5 Milliarden Euro sein:

Wieviel Griechenrisiko halten die deutschen Banken denn nun? - egghat's not so micro blog

Was ist der Staatsbesitz Griechenlands wert?

Der IWF meint ja 300 Milliarden Euro (Mal was Positives zu Griechenland …), was andere für völlig utopisch halten.

Nun ist es für mich als einfacher Blogger nicht so einfach mal eben nachzurechnen, was denn die griechischen Assets im Staatsbesitz wert sind. Aber zumindest eine grobe Schätzung kann ich ja mal versuchen abzugeben ...

Dazu vergleiche ich Griechenland mit Deutschland (warum wird später klar ...). Das BIP Deutschland ist etwas mehr als zehnmal so groß wie das Griechenlands. Die Einwohnerzahl Deutschlands ist über sechsmal so hoch. Damit haben wir schonmal eine Idee für einen Multiplikator.

Der griechische Staat soll Assets im Wert von 300 Milliarden Euro besitzen. Gebäude. Infrastruktur wie Flughäfen, Häfen, Straßen, Eisenbahnstrecken, Kanalisation, Wasser- und Stromnetz, etc. pp. Auf deutsche Verhältnisse hochgerechnet wären das also 1,8 bis 3 Billionen Euro.

Viel Geld auf jeden Fall. Nur ist die deutsche Infrastruktur  2 bis 3 Billionen Euro wert? Einen Hinweis gibt die Bundesbilanz, die Deloitte vor einigen Jahren mal erstellt hat. Dabei wurde versucht, auf der einen Seite die gesamten Vermögen und auf der anderen die gesamten Verpflichtungen des Bundes zu erfassen. (Darunter u.a. die Rentenverpflichtungen, was ziemlich umstritten ist, aber das ist ein anderes Thema).

Bei den Aktiva werden zum Ende des Jahres 2004 Vermögensgegenstände von etwa 570 Milliarden Euro genannt. Dabei sind die zwei Posten Liegenschaften und Infrastruktur im Wert von jeweils etwa 160 Mrd. Euro. Dazu kommen noch bewegliche Sachvermögen (57 Mrd.), Finanzanlagen (108 Mrd.), Forderungen (64 Mrd.) und liquide Mittel (22 Mrd.). Die letzten Posten sind aber nicht so interessant.

(Bei den Schulden, damals 824 Mrd., kann man auch schön erkennen, wie stark die Bundesschulden in nur 7 Jahren gestiegen sind, aber das sei nur am Rande erwähnt).

Manager Magazin: Was ist Deutschland wert?

Wir haben also eine Schätzung für den Wert von Liegenschaften und Infrastruktur in Deutschland am Ende 2004 von 320 Mrd. Euro. Dagegen stehen die 1,8 bis 3 Billionen Euro, die das griechische Staatsvermögen wert sein soll.

Hmm, auf den ersten Blick wirkt die Schätzung des IWF etwas arg optimistisch, um nicht zu sagen komplett unrealistisch ...

Nun gibt es aber zwei Punkte, die den Vergleich sehr schwierig machen.

Erstens ist Deutschland ein föderaler Staat. Und es wurde keine Bilanz für Gesamtdeutschland erstellt, sondern "nur" für den Bund. Die Vermögen (und Schulden) von Bundesländern und Städten/Gemeinden sind daher nicht enthalten. Und das kann alles ziemlich viel wert sein. Wasser- und Gaswerke, Entsorgung, Kanalnetze, ... All das ist in Deutschland nicht im Besitz des Bundes, sondern (überwiegend) in den Händen der Städte.

Die zweite Punkt zielt ebenfalls in die gleiche Richtung. Griechenland ist ein Land mit einem außergewöhnlich hohem Staatsanteil. Jeder vierte Beschäftigte arbeitet beim Staat (bzw. bei Unternehmen, die zum Staat gehören). Das führt zu ziemlicher Verkrustung und hohen Staatsausgaben, denn den glücklichen Staats(firmen)angestellten geht es wirklich gut und diese erfüllen jedes Klischee des faulen Griechen (wenig arbeiten, viel verdienen). Was übrigens auch nur für dieses Viertel gilt, die restliche Bevölkerung muss das privilegierte Viertel durchfüttern und diese drei Viertel sind beileibe nicht faul. Auf der anderen Seite führt der hohe Staatsanteil aber auch dazu, dass sehr viele Bereiche, die der deutsche Staat schon lange privatisiert, sprich zu Cash gemacht hat, noch im Staatsbesitz sind.

Hilft diese Abschätzung weiter? Schwierig zu sagen. Ausschließen kann man meiner Meinung nach, dass Griechenland Vermögensgegenstände im Wert von 300 Milliarden Euro hat und diese auch wirklich zu Geld machen kann. Ein Teil dürfte schlicht nicht verkaufbar sein (weil lebensnotwendig), ein anderer Teil dürfte nicht das wert sein, was auf dem Papier steht. Denn wie in Ländern mit hohem Staatsanteil üblich (das scheint so eine Art Naturgesetz zu sein) sind viele Betriebe in sehr schlechtem Zustand und verdienen kaum Geld (wenn überhaupt). Die griechische Bahn dürfte so ein Fall sein, bei dem zwar die eigentliche Infrastruktur ein paar Milliarden wert ist, aber die Firma dank komfortabler Tarifverträge nie Geld verdient hat und wohl auch nie wird. Der Privatisierungserlös dürfte ziemlich überschaubar sein.

Kommt man also doch nicht drumherum, alle Assets einzeln zu bewerten?

Dann mal viel Spaß ;-) Hier stehen die Assets für den ersten Schritt:

Tageblatt Online - Was Athen verkaufen kann - Nachrichten

Und einen Bericht über den Hafen in Piraeus habe ich ebenfalls gefunden. Dieser ist ja einer der großen Assets, die verkauft werden sollen.

Grosse Pläne Griechenlands für den Hafen von Piräus (Wirtschaft, Aktuell, NZZ Online)

Wenn das der ganze Hafen ist und die genannten 128 Millionen Euro Umsatz und der Verpachtung eines Piers an die chinesische Cosco für 30 Jahre satte 16,7 Millionen Euro Einnahmen gebracht haben, kann man sich hohe Verkaufserlöse in diesem Fall wohl abschminken. Als Idee hilft auch ein Vergleich mit dem Hamburger Hafen (HHLA): Dieser ist bei Umsätzen von gut 1 Milliarde etwa 2,3 Milliarden wert. Milliardenerlöse durch den Hafenverkauf Piraeus? Ich zweifle ...

Oder die griechische Telefongesellschaft OTE. Hier ist die Deutsche Telekom schon beteiligt, ein Teil ist börsennotiert. Damit kann man eine Marktkapitalisierung ausrechnen. Laut Bloomberg liegt diese bei 3,3 Milliarden Euro (Quelle). 20% davon möchte der griechische Staat verkaufen, macht also gerade einmal 660 Millionen.

Oder das Wasserwerk Thessaloniki: Daran hält der Staat noch 75%, die Marktkapitalisierung liegt aber nur bei 185 Millionen Euro (Quelle)

Oder die Banken. OK forget it. Die sind defakto eh alle Pleite ... (siehe Bankrun in Griechenland (geht weiter und zwar schneller))

So was bleibt? Immobilien. Aber ob da, auch inkl. Hotels und Yachthäfen wirklich 300 Mrd. zusammenkommen können?

Ich weiss nicht, wie der IWF auf die Zahl 300 Milliarden gekommen ist. Sinnvollerweise können  eigentlich nur noch die Immobilien so viel wert sein. Und dann sind wir nach lange Analyse quasi wieder bei der flappsigen Bemerkung angekommen, dass die Griechen doch einfach Kreta verkaufen sollen ...

Zusammengefasst: Ich würde die 300 Milliarden nicht völlig ausschließen (sag niemals nie), gleichwohl halte ich sie für ziemlich unwahrscheinlich ... Selbst die 50 Milliarden, die Griechenland bis 2015 erlösen möchte, sehe ich skeptisch. Denn dafür wäre wohl nicht nur der Verkauf von ein paar Randaktivitäten notwendig, sondern man müsste richtig ans Eingemachte gehen. Und wenn man sich den Widerstand der Gewerkschaften (siehe dazu z.B. den NZZ Artikel) selbst bei Randaktivitäten anschaut, erscheint das kaum durchsetzbar.

Vielleicht sollte sich Griechenland doch mehr um die angeblichen 160 Milliarden Euro Schwarzgelder kümmern, die allein in den letzten 10 Jahren aus Griechenland in die Schweiz, Luxemburg und Zypern abgeflossen sein sollen (Quelle) ...

Aber davon ist wenig zu sehen. Überall Gerede über ein effizienteres Steuersystem, höhere Steuern, blabla und was hat Griechenland zu vermelden? Steuereinnahmen, die im ersten Quartal um gut 8% unter dem Vorjahresniveau und 11% (oder 1,4 Mrd. Euro) unter dem Haushaltsplan liegen. Bei Ausgaben, die sogar höher (um 200 Millionen) waren als im Vorjahresquartal (siehe Euro-Krise: Griechenland warnt vor Bankenkollaps - International - Politik - Handelsblatt).

 Ernüchternder kann die Realität gar nicht sein: Die Ziele auf beiden Seiten (Einnahmen und Ausgaben) deutlich verfehlt.

Ich befürchte, diese große Ernüchterung wird sich bei den Privatisierungen wiederholen. Oder seht ihr irgendwo Potenzial, das ich übersehen habe?

Dagong stuft Großbritannien herab

Heute mal Ratingnews für Ratinghasser, also kein Rating, das von einer der drei etablierten westlichen Ratingagenturen stammt, sondern von der neuen chinesischen Ratingagentur Dagong.

Diese hat laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua das Rating für Großbritannien gesenkt. Ich bringe das mal, auch wenn sich bei der Ratingagentur selber noch nichts finden lässt (Dagong).

Bei Dagong steht Großbritannien jetzt auf A+ (vorher eine Stufe höher bei AA-), der Ausblick bleibt negativ.

Auslöser sind a) das schwache Wachstum, das Dagong für die nächsten zwei Jahre bei knapp 1,5% sieht und b) das dadurch weiterhin hohe Haushaltsdefizit, das Dagong (noch) höher sieht als die britische Regierung. Diese plant eine Verringerung der Defizite von 10,3%/BIP 2010 auf  9,0 bzw. 7,9% des BIPs. Und ich dachte, 7,9 bzw. 9,0% wären viel ...

Xinhua: China's rating firm downgrades UK credit with "negative" outlook

Zur Erinnnerung: Die drei westlichen Ratingagenturen sehen Großbritannien als eines von 12 Ländern noch als AAA-Weltklasseschuldner.

gefunden über Twitter von @edwardnh

D: BIP Q01-11 +1,5% (Vq), +5,2% (Vj)

Heute gab es die Bestätigung des Wirtschaftswachstums von 1,5% im ersten Quartal 2011.
Eigentlich ist diese zweite Meldung heute die interessantere, weil sie auch konkrete Zahlen zur Zusammensetzung des Wachstums enthält.

Dass der Anteil des Inlands am Wachstum zunimmt und das deutsche Wirtschaftswachstum nicht mehr ausschließlich am Export hängt, wurde schon in der Vorabmeldung betont. Das ist und bleibt ein Pluspunkt und man sollte das nicht wegdiskutieren.

Weniger schön ist aber die Zusammensetzung. Weissgarnix kommentiert das auch ziemlich hämisch ...

Hurra, ein Konjunkturwunder!

Denn von einem Wirtschaftswunder über wachsenden privaten Konsum kann nicht die Rede sein. Von den 1,0 Prozentpunkten, die das Inland zum Wachstum beitrug, gingen nur 0,2 Prozentpunkte auf die Verbraucher zurück. Weitere 0,2 Prozentpunkt kamen vom staatlichen Konsum, satte 0,9 Prozentpunkte hingegen von den Investitionen. Letztere setzen sich auf 0,3 Prozentpunkten aus Ausrüstungsinvestitionen und 0,6 Prozentpunkten Bauinvestitionen zusammen.

Jetzt könnte der private Wohnungsbau (und damit der Privatsektor) der Wachstumstreiber bei den Bauinvestitionen gewesen sein, was dann doch noch für eine Stärke des Privatsektors sprechen würde. Eine genaue Aufschlüsselung gibt es noch nicht, im Text wird aber darauf hingewiesen, dass der Tiefbau um fast 26% gewachsen ist. Da der Tiefbau überwiegend eine staatliche Angelegenheit ist (Brücken, Straßen, Kanalisation, Tunnel, ...), kommt wohl auch hier eher die Nachfrage vom Staat.

Der Wachstumsbeitrag des Privatsektors in Deutschland bleibt sehr niedrig und es wäre (de Bauausgaben durchgerechnet) nicht überraschend, wenn die Hälfte des Wachstums direkt auf den Staat zurückzuführen wäre.

Weissgarnix erklärt die Schwäche des Privatsektors auch sehr schön (und knapp):

Arbeitnehmerentgelte gegenüber Vorquartal ............ +1,6%
Verfügbares Einkommen der Privathaushalte ........... +0,7%
Private Konsumausgaben ......................................... +0,4%

Statistisches Bundesamt Deutschland - Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2011

Ist der Aufschwung also beim privaten Verbraucher angekommen? Nope. Die Löhne steigen zu wenig. Den größten Teil des Anstiegs frisst die Inflation auf und der mickrige Rest (wenn überhaupt einer bleibt) wird dann noch wegbesteuert (bzw. weggesozialabgabt, ergo Krankenkasse).

Der Kommentar zum zweiten Punkt kam schon vorab von Roland Tichy (Chefsache » Blog Archive » Schöner Kapitalismus - wiwo.de), zum ersten wird wohl noch was von den Keynes-Preisträgern von Heusinger (FR) oder Mark Schieritz (Zeit) folgen ... Seid nicht zu überrascht ;-)

Update (16:36):

Der FTD sind die schwachen Konsumzahlen schlussendlich doch noch aufgefallen, nachdem sie heute morgen noch gejubelt hat ...

Schwacher Einzelhandel: Die Mär vom Konsumwunder | FTD.de

Danke an Hardy für den Hinweis!

Fitch: Belgien AA+ (unv.), Ausblick auf negativ gesenkt

Wirklich überraschend kommt die Warnung der Ratingagentur Fitch für die Qualität der belgischen Staatsschulden nicht. Belgien ist immerhin mit knapp 97% des BIPs verschuldet, der drittschlechteste Wert in der Eurozone. Außerdem werden über 71% der Staatsschulden vom Ausländern gehalten. Das ist ein hoher Wert und signalisiert eine gewisse Abhängigkeit vom Ausland.

Allerdings gibt die Bruttoverschuldung nur einen Hinweis, mehr nicht. Denn die belgischen Haushalte verfügen über hohe Vermögen und wenn man alle Sektoren (Staat+Unternehmen+Banken+Private) der belgischen Volkswirtschaft zusammenrechnet, ist die Vermögenslage Belgiens gegenüber dem Ausland in etwa neutral, also eben nicht tief in den Miesen wie es die Staatsverschuldung (und der Auslandsanteil) suggerieren könnte.

Positiv für Belgien ist ebenfalls, dass die laufende Staatsverschuldung von gut 4% des BIPs nicht sonderlich hoch ist und 2010 auch nur zu einem Anstieg um 0,6 Prozentpunkte bei der Gesamtverschuldung des BIPs führte. Dem kräftig wachsenden BIP sei Dank!

Die Daten sind also kaum vergleichbar mit den Griechenlands. Dass Belgien trotzdem herabgestuft wird, liegt vor allem am hohen Rating (AA+ ist das zweitbeste Rating). Da legt Fitch wohl strengere Kriterien an ....

Belgium’s Debt Outlook Revised to Negative by Fitch on Political Stalemate - Bloomberg

Das Original (aber nur nach Anmeldung):
Fitch:  Fitch Revises Belgium's Outlook to Negative; Affirms at 'AA+'

Fitch stuft Griechenland auf B+ runter

Vorher BB+, ergo ging es drei Stufen runter. Der Ausblick bleibt auf negativ.

Fitch reagiert damit auf die schlechter als erwarteten Haushaltszahlen (siehe Griechenlands Schuldenstand jetzt bei 157%/BIP), vermutet politischen Widerstand bei der Umsetzung der weiterhin und zusätzlich nötigen Sparbemühungen und sieht keine schnellen Privatisierungserlöse. Eigentlich alles nichts Neues ...

FT Alphaville » It’s all falling apart for Greece on Friday…

Chinesen kaufen Gold. Ach was ...

Auch wenn die Sau heute wieder durch's Dorf getrieben wird, ist dass doch eigentlich eher eine alte Nachricht, bzw. eine Bestätigung des großen Trends.

Die Emerging Markets sind die Käufer der Edelmetalle, v.a. von Gold. Und das sowohl in China wie in Indien und da sowohl der Staat (Zentralbanken) wie auch die Privaten.

Und für die macht es auch alles Sinn: Sie vertrauen des westlichen Wirtschaften und deren Währungen nicht, weil sie diese für zu hoch verschuldet halten (siehe die Ratings der chinesischen Ratingagentur Dagong, Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Dagong stuft USA auf A herab). Auf der anderen Seite werden diese mehr als 2 Milliarden Menschen von kräftiger Inflation geplagt (China über 5%, Indien etwa 9%). Welche Wahl haben diese? Die lokale Währung wertet ab, die ausländischen wirken auch nicht besser (sofern man diese überhaupt kaufen kann ...). Was liegt da näher als Gold als Geldersatz zu kaufen?

Daher überrascht es mich nicht, dass gerade die Privaten in China kräftig Gold kaufen. Die chinesische Regierung, die den privaten Besitz von Gold Anfang des Jahrtausends noch verboten hat, ermuntert die Chinesen jetzt geradezu zum Goldkauf. Wie ich damals schrieb, ist das wahrscheinlich die wichtigste und "ignorierteste" Nachricht zum Goldmarkt (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: 买黄金!).

Auch die Notenbanken scheinen klar auf die Käuferseite gewechselt zu haben. Ich habe das schon länger genau beobachtet, allerdings vor einiger Zeit mal darauf hingewiesen, dass über die chinesische Notenbank als Goldkäufer zwar viel geredet wird, aber der Anteil von Gold an den Devisenreserven kaum steigt. Die Chinesen kauften zwar Gold, um den Anteil an den steigenden Devisenreserven konstant zu halten, aber sie schichteten nicht im großen Stile um (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Chinas Goldreserven 75%!).

Daran scheint sich nichts geändert zu haben. Im ersten Quartal wurden 129 Tonnen Gold von den Notenbanken gekauft, bereits mehr als im gesamten Jahr 2010. Allein 93 Tonnen wanderten in die Tresore der Zentralbank von Mexiko. Der Anteil von Gold an den Devisenreserven Chinas hingegen liegt weiterhin bei 1,6%. Bisher warten die Goldbugs vergeblich auf die große Nachfrage der chinesischen Notenbank.

Positiv ist aber die (private) Investmentnachfrage aus China. Im ersten Quartal 2011 stieg diese zum ersten Mal über den Wert von Indien. Während die Nachfrage in Indien nur um 8% auf 86 Tonnen Gold wuchs, kauften die Chinesen mit 94 Tonnen satte

128% 

mehr Gold für Investmentzwecke als im Vorjahresquartal. In etwa verdoppelt hat sich übrigens auch die Goldnachfrage (ebenfalls Investmentnachfrage) in Europa, bleibt aber mit 78 Tonnen unter den Werten von Indien und China. China und Indien stellen damit mehr als Hälfte der weltweiten Goldnachfrage für Investmentzwecke.

Wenn man sich die Gesamtnachfrage der Verbraucher inkl. Schmuck anschaut, steigt der Anteil der beiden asiatischen Großnachfrager noch weiter. Fast zwei Drittel landen dann dort. Ein Teil wird als Schmuck allerdings wieder in den Westen exportiert. Die Schmucknachfrage ist übrigens (noch?) wichtiger als die Investmentnachfrage, das Verhältnis liegt bei etwa 60 zu 40.

Und im Report sind noch eine Menge anderer interessanter Details enthalten. Zum Beispiel ist die Nachfrage der ETFs nach Gold deutlich gesunken. Genauer: Die ETFs haben sogar Gold abgegeben und zwar fast 56 Tonnen. Das passt zur Theorie der total überhitzten spekulativen Goldmärkte nicht so ganz (auch wenn die Rolle der Futures in der Statistik mglw. nicht richtig abgebildet wird).

Ebenfalls (auf den ersten Blick) spannend: Das Angebot an Gold ist gesunken. Allerdings verfälscht die Statistik hier etwas: Denn die Verkäufe der Notenbanken wurden bisher immer als Angebot gezählt, weil die westlichen Notenbanken (bisher immer) verkauft haben. Nun haben diese ihre Verkäufe aber nahezu eingestellt und die anderen Notenbanken kaufen deutlich hinzu. Das wird jetzt als "negatives" Angebot behandelt, was ber ziemlicher Quark ist. Rechnet man das heraus, ist das Goldangebot um etwa 3% gestiegen (Minenförderung +7%, Recycling -6%).

Die Kurzversion des aktuellen Quartalsberichts ist einfach: Die Goldnachfrage in Papier nimmt ab, die physikalische nimmt zu. Ein Blick auf die Industrieländer hilft bei der Beurteilung der künftigen Nachfrage kaum weiter, die Musik spielt vor allem in den Entwicklungsländern.

19 May, 2011, Gold outlook positive for 2011 as diverse markets and strong fundamentals drive demand > Media > World Gold Council
Latest Issue: Gold Demand Trends Q1 2011 (PDF!)

Update (15:24):

Ich habe noch ein Detail vergessen: Die Vorwärtsverkäufe der Minen sind quasi auf Null gesunken. Damit ist ein Teilmarkt, der noch vor wenigen Jahren die Preise permanent drückte, jetzt neutral. In der jüngeren Vergangenheit dürften die Eindeckungen bzw. Glattstellungen der Minen den Goldpreis übrigens getrieben haben. Dieser positive Einfluss ist nun weg. Außerdem sagen die Minen damit deutlich, dass sie mit weiter steigenden Preisen rechnen und nicht mehr bereit sind, ihre Produktion der Zukunft zu festen Preisen zu verkaufen. Als Antizykliker wäre mir etwas mehr Pessimismus lieber ...

Umstrukturierung griechischen Schulden vom Tisch (haha)

Schon eine verdammt coole Aussage der französischen Finanzministerin Lagarde: Die Restrukturierung der griechischen Schulden sei vom Tisch. Und das nach gefühlter tausendfacher Wiederholung der Ausssage, dass man über eine Restrukturierung der griechischen Schulden nie nachgedacht habe (siehe z.B. Keine Umschuldung, kein Euro-Austritt, kein Geheimtreffen - egghat's not so micro blog). Hat man scheinbar doch ...

Dafür schwebt jetzt eine andere Idee durch die europäischen Sphären: Eine freiwillige Beteiligung der privaten Gläubiger an einer Restrukturierung. Freiwillig? Was bitte soll das denn sein? Man bietet einfach an, die Schulden jetzt zu (z.B.) 70% des Nennwerts zurückzukaufen? Und wer nicht mitmacht, hält die Dinger dann weiter? Auf die Gefahr hin, dass die Griechen dann ein paar Jahre später doch umschulden?

Juncker nennt das übrigens "ein Art Reprofiling" ... Demnächst auf Vox: Jean-Claude Juncker in "Der Reprofiler" ;-)

Ich bin mir sicher, den Politikern fallen noch viele interessante Begriffe für die Umschuldung ein, genau wie neue Definitionen des Begriffs "freiwillig" ... Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang mal in China nachfragen, da macht Ai Weiwei ja in einem "Gästehaus" der Polizei scheinbar eine Art Urlaub ...

Naja, wir nähern uns immer mehr einer Umschuldung, bei der der Begriff Umschuldung auf Teufel komm raus vermieden werden soll. Und ebenso der Default in der Definition der Kreditausfallversicherungen (CDS). Eigentlich geht es nur noch um die technische Ausgestaltung der Geschichte, nicht mehr um das "ob". Auch wenn das natürlich fleissigst dementiert wird.

Im Endeffekt sage ich das ja auch schon die ganze Zeit: Der Ankauf der griechischen Staatsanleihen durch die EZB war vom ersten Tag an die Vorbereitung auf eine weiche Restrukturierung: Man kauft privaten Gläubigern (v.a. Banken) die Papiere zum aktuellen Kurs ab. Bei 3 Jahren Restlaufzeit betragen die Abschläge schon 35%, bei 30 Jahren sogar über 50% . Irgendwann ist das Risiko aus den Büchern der Banken zum größten Teil "rausgekauft", ergo verschwunden. Die restlichen privaten Gläubiger restrukturiert man später genauso "weich" ohne Schuldenschnitt in der Nähe des aktuellen Marktkurses.

Oder man wartet einfach nur lange genug. Denn erstens kauft die EZB Papiere auf, auch wenndas Programm in letzter Zeit kaum ausgebaut wurde. Zweitens steigt der Anteil  an den griechischen Schulden im "europäischen Staatsbesitz" aber auch so schon quasi automatisch durch die Refinanzierung Griechenlands über den EU-Rettungsfonds weiter. 110 Milliarden sind bereits bewillig und die nächste Aufstockung wird vorbereitet. Drittens spielen eventuell auch noch die Target-2 Salden hinein (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Bundesbank verleiht 338 Milliarden Euro in die Eurozone und Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Bundesbank erklärt die 338 Milliarden Euro). Kurz: Der Anteil der griechischen Staatsverschuldung in den Händen "Europas" steigt immer weiter an, der Anteil in privatem Besitz wird immer geringer.

Die Anleihen, die bei der EZB und Rettungsfonds liegen, kann man dann härter restrukturieren. Also zum Beispiel mit Zinsverzicht und/oder verlängerter Laufzeit. Das bietet man natürlich freiwillig allen Gläubigern an, aber zu so schlechten Konditionen, dass kein privater Gläubiger das Angebot annehmen wird. Letztere wählen dann den Verkauf zum aktuellen Börsenkurs.

Bei den privaten Gläubigern dürfte man über den Marktpreis einen Schuldenschnitt von grob 35% hinbekommen, bei der EZB und im Rettungsfonds von sagen wir mal 50%. Dann sind die Griechen 40% ihrer Schulden los und landen dann grob bei einem Schuldenstand von 90% des BIPs (aktuell ca. 150%). (Alles grob über den Daumen gepeilte Zahlen)

Dazu kommt dann noch ein Verkauf des Tafelsilbers, der vom IWF im ersten Schritt auf etwa 20 Prozentpunkte des BIPs veranschlagt wird (siehe Mal was Positives zu Griechenland ... - egghat's not so micro blog) und schon sind die Griechen auf einem Schuldenniveau, das dem deutschen Wert bzw. dem europäischen Durchschnitt entspricht.

Ein Geschäftsmodell hat Griechenland danach allerdings immer noch nicht ... Ein Geschäftsmodell, das vor allem Import und Export des Landes wieder halbwegs ins Lot bringen muss. Und auch wenn viele Beiträge in meinem Fragethread zur Zukunft Griechenlands kamen (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Was tun sprach Zeus?), war ein neues Geschäftsmodell für Griechenland erwartungsgemäß nicht dabei. Die Frage bleibt offen und die Antwort kenne ich nicht, meine Leser nicht und die Politiker erst recht nicht ...

Euro-Krise: Juncker spricht von griechischem Schuldenschnitt | FTD.de

Was tun sprach Zeus?

OK, Griechenland ist Pleite. Was nun? Euro-Austritt? Schuldenschnitt? Beides? Oder gar nichts?

Meine Meinung zu Griechenland dürfte inzwischen bekannt sein. Ein Schuldenschnitt ist ausgemacht. Länder mit einem Schuldenstand von fast 150% des BIPs (mit weiter steigender Tendenz) können den Turnaround kaum schaffen. Vor allem wenn die Bedingungen so schlecht sind wie in Griechenland. Es gibt kaum wettbewerbsfähige Industrien. Im Winterhalbjahr sind die Importe im Schnitt dreimal so hoch wie die Exporte und selbst im durch den Tourismus stärkeren Sommerhalbjahr gibt es nur ein oder zwei Monate ein Plus.

Griechenland erinnert mich damit frappierend an Ostdeutschland. Dank des gemeinsamen Währungs- und Wirtschaftsraums kann die Wettbewerbsfähigkeit nicht einfach magisch erhöht werden. Eine Investition in West- und Ostdeutschland hat im Endeffekt sehr vergleichbare Rahmenbedingungen und damit Renditen. Es gibt damit wenig Gründe in Ostdeutschland zu investieren. Und das ist IMHO auch das Problem in Griechenland.

Warum zum Teufel soll dort jemand investieren? Es ist schön, wenn ein Marschallplan für Griechenland gefordert wird (Süddeutsche). Oder Hilfe zur Selbsthilfe (DiePresse). Nur was nützt das?

Mal etwas konkreter: In der Süddeutschen werden zum Beispiel die Branchen Logistik, Schiffbau und Solarenergie genannt.

Schiffbau? Ich lach mich scheckig: Die Mayer Werft in Papenburg, eine der technologisch besten der Welt, hat schon Angst vor der Aufholjagd der Chinesen, die (wie in vielen anderen Gebieten auch) schon lange kein Billiganbieter mehr sind.

Logistik? Ich habe selten ein Land gesehen, das weniger geeignet für Logistik ist. Viel zu gebirgig. Welche Produkte sollen da ankommen (wohl aus Asien) und wohin sollen die transportiert werden? In das wirtschaftlich starke Hinterland (Bulgarien, Mazedonien, ...)? Lach! Bei der Infrastruktur, die schon in Griechenland nicht gut ist, aber auf dem Balkan noch viel schlechter wird? Da kann man das Schiff besser nach Italien fahren lassen oder direkt nach Rotterdam.

Solarenergie? OK, es wäre sicherlich sinnvoller die teuer geförderten Zellen in Griechenland auf die Dächer zu setzen als in Deutschland. Das wäre aber "nur" Installation und der Import würde die Handelsbilanz zusätzlich schwächen. Neue Fabriken in einer Branche zu bauen, die bereits von massiven Überkapazitäten und Preisverfall durch den Wettbewerb aus China gekennzeichnet ist, scheint mir ebenfalls wenig sinnvoll zu sein ...

Die Presse hingegen schlägt Hilfe zur Selbsthilfe vor. Es müsse vor allem die Wettbewerbsfähigkeit "nach innen" erhöht werden. Die Vorschläge sind zwar durchaus sinnvoll, aber das bringt für den Export nichts aber auch rein gar nichts.

Was bleibt an Möglichkeiten? Die geografische Lage Griechenlands ist aus wirtschaftlicher Sicht denkbar schlecht. Kaum Absatzmärkte in der Nähe, dafür aber auf dem Balkan und in der Türkei jede Menge Niedriglohnkonkurrenz direkt vor der Türe.

Bin ich zu skeptisch?

Griechenland ist schon lange größter Nettoempfäger von EU Zahlungen. Es waren 6,4 Mrd. Euro in 2008 (Quelle), 5,1 Mrd in 2006 (Quelle) und auch die Jahre zuvor sahen nicht besser aus ... In den 90er Jahren waren die Transferzahlungen der EU (prozentual aufs BIP gesehen) noch höher, teilweise kamen Transferzahlungen in Höhe von 4% des BIPs direkt aus Brüssel (Quelle: IW Köln(PDF!)).

Was hat das bisher genutzt? Scheinbar wenig ...

Aber ich will eigentlich gar nicht so pessimistisch sein. Nur wenn ich Griechenland und Ostdeutschland vergleiche, fallen mir doch einige Parallelen auf. Und wenn ich mir anschaue, wie lange und wie viel Geld in Ostdeutschland investiert wurde und wie wenig das bisher bewirkt hat, frage ich mich ernsthaft, wie die europäischen (oder griechischen) Politiker den Turnaround schaffen wollen. Ein Turnaround, durch den der Export in etwa verdoppelt werden muss. Und gleichzeitig noch etwa zwei Drittel des Haushaltsdefizit weggespart werden muss.

Also mal konstruktiver: Wie ist das Geschäftsmodell für Griechenland? Was sollen die Griechen in Zukunft machen, was der Rest Europas (oder noch besser der Welt) kaufen soll? Wann soll das beginnen zu wirken? Wie viel Geld ist dafür notwendig?

Dieses volkswirtschaftlich theoretische Gerede von "Man darf Griechenland nicht totsparen" ist ja schön. Nur: Was sonst? Ein Riesenprogramm wie in Ostdeutschland? Mit Hunderten von Milliarden, die in den nächsten ein oder zwei Jahrzehnten in die Hand genommen werden müssen?

Ist das politisch durchsetzbar? Vor allem, wenn droht, dass nach Griechenland auch Irland, Portugal und wer weiss ich noch drohen.

Und dabei denke ich nur an die Länder, die bereits drin sind. Was sagen wir Bulgarien, Polen, etc., wenn wir die nicht reinlassen? Pech gehabt, ab jetzt kommen wirklich nur noch Länder in die Eurozone, die ich auch wirklich darein passen? Neben den Maastricht-Kriterien kommt auch noch eine Mindestwirtschaftskraft dazu, z.B. von 2/3 des Eurozonendurchschnitts?

Ich bin ratlos. Was meint ihr? Wo liegt die Chance für Griechenland, wenn das Niveau der Löhne  und Kosten durch den Euro in etwa auf dem Niveau bleibt wie heute? Vorschläge erwünscht!

(Eigentlich sollte der Beitrag schon gestern raus, aber Blogger war down und hat alles gelöscht, was seit Mittwoch online gegangen ist. Unter anderem iesen Beitrag und leider auch ein par Kommentare. Ich hoffe, dass jetzt trotz des ungünstigen Veröffentlichungszeitpunkts noch Feedback kommt ...)

Einmal Kurzschneiden bitte. So 50 bis 70% kürzer ...

Das ist die neue Modefrisur des Jahres. Passend zum Sommer. Ziemlich kurz also ...

So sieht es zumindest S&P für die griechischen Staatsschulden. 50 bis 70% Haircut dürften mehr sein als der Markt bisher eingepreist hat. Wenn auch nicht sooo viel mehr. Die zweijährigen Anleihen steigen nur leicht, nach 27 Basispunkten Plus liegt die Rendite heute 25,61%.

Aus Angst vor einer Schuldenrestrukturierung hat Standard & Poors das Rating auch nochmal gesenkt und liegt jetzt bei "B". Wie Reuters anmerkt, ist das nur noch eine Stufe über Pakistan ... Ein Land, das man mit etwas bösen Willen auch als "failed state" bezeichnen könnte ... Naja, die CDS-Preise von weit über 1.300 Punkten signalisieren eh Ratings, die eher bei CCC liegen, also nochmal 3 Stufen niedriger ... Da passt der Ausblick "negativ" schon ...

Reuters: S&P cuts Greek rating on restructuring fears | Reuters

Update (23:10):

Griechenland braucht scheinbar nochmal 27 Mrd. Euro zusätzlich zu den bisher bewilligten 100 Milliarden. Kein Wunder, wenn statt den ursprünglich mal geplanten 8,x und den danach geplanten 9,x, dann tatsächlich 10,x% Haushaltsminus/BIP eingefahren werden ...

"Die von Athen geplante Rückkehr an den Finanzmarkt 2012 wird unwahrscheinlicher."

Wer damit ernsthaft gerechnet hat, muss irgendwas gaaanz Komisches rauchen ... Das Zeug vom Orakel von Delphi ...

FTD: Ratingagenturen bringen Griechenland in die Bredouille

Die Sueddeutsche berichtet übrigens vorab, dass Fitch morgen auch das Rating senken wird ...

Update (10.05.11):

Ich verstehe die 27 Milliarden Euro inzwischen etwas besser, weil es jetzt schon 60 Milliarden sein sollen ;-) Das sind die beiden addierten Haushaltslöcher von 2012 (27 Mrd.) und 2013 (32 Mrd.). Diese sind nicht um 60 Milliarden HÖHER als erwartet, ergo neu. Es handelt sich stattdessen um das gesamte Loch, nur ist Griechenland bisher davon ausgegangen, dass wieder selber am Kapitalmarkt refinanzieren zu können. Bei aktuell 24% Rendite für die zweijährigen Staatsanleihen. Ich lach mich scheckig ...

Euro-Krise: EZB warnt Euro-Staaten vor politischem Selbstmord | FTD.de

Und noch eine Anmerkung an die Politiker und die EZB: Hört endlich auf, dauernd vor Spekulationen über Griechenland zu warnen! Präsentiert doch mal endlich einen Plan, den auch jemand, der nicht die Dämpfe in Delphi eingeatmet hat, plausibel findet. Dass Euch niemand glaubt, spiegelt nichts besser wider als Renditen von 25% und die anhaltenden Spekulationen. Wie wäre es mal mit weniger Geheimniskrämerei und mehr offener Diskussion? Stattdessen: "Die geplante Rückkehr an den Finanzmarkt 2012 wird zunehmend unwahrscheinlicher". Ja von 0,2% Wahrscheinlichkeit auf  jetzt 0,1% ...

Und wenn ihr noch ein paar Fakten braucht: Schaut mal hier:

Querschüsse: FAKTEN ZUR GRIECHENLAND-DEBATTE

Haushaltsdefizit Griechenlands im ersten Quartal so hoch wie nie zuvor. Trotz aller Sparmaßnahmen
Handelsbilanzdefizit Griechenlands im ersten Quartal verbessert, aber noch immer tief im Minus.

Worauf ich auch schonmal hingewiesen habe: Die Importe von Griechenland waren vor der Krise in den schlechten Monaten etwa viermal so hoch wie die Exporte. Jetzt sind sie noch etwa dreimal so hoch. Es ist völlig ausgeschlossen, ein derart großes Loch durch mehr Exporte über bessere "Strukturpolitik" oder Ähnliches zu schließen. OK, nicht per se ausgeschlossen, über ein paar Jahrzehnte ist sowas vielleicht drin ... In der Vergangenheit wurden solche Lücken aber fast ausschließlich über eine schwache Währung geschlossen. Und diese Möglichkeit hat Griechenland halt nicht ...

Wer mal sehen will, wie man erfolgreich aus einer deindustrialisierten Zone eine erfolgreiche Exportnation macht, schaue mal nach Ostdeutschland ;-) Dort kann man sehen, wie man mit Hunderten von Milliarden Euro so gut wie nichts erreichen kann. Und das nach 2 Jahrzehnten ...

Prof. Kotlikoff: USA im Kern zahlungsunfähig

Die FAZ hat Laurence Kotlikoff, Professor an der Boston University, interviewt. Darin äußert Kotlikoff die Einschätzung, dass die USA eigentlich Pleite seien. Wenn man die versteckten demografischen Lasten aus der Altersvorsorge und dem Gesundheitssystem berücksichtige, betrage die Staatsverschuldung der USA nicht wie offiziell angegeben etwa 14 Billionen Dollar (entspricht knapp ein Jahres-BIP), sondern

200.000.000.000.000 (200 Billionen) Dollar.

Die Zahl stammt angeblich vom Budget Ausschuss des amerikanischen Kongress, ich finde beim googlen die Zahl aber nur von Kotlikoff, nicht vom CBO. Es ist übrigens die pessimistischste Schätzung, die ich finden konnte:

13,4 Billionen $ vom Congressional Budget Office
50 Billionen $ oder mehr: David Walker, Ex-US Comp Gen.
60 Billionen $: Andrew Moylan, National Taxpayers Union
200 Billionen $: Laurence Kotlikoff Boston Univ. economist
(Quelle: New York Post)

Hmm, 200 Billionen Dollar sind noch ein ganzes Stückchen mehr als die 75 Billionen, die der Fondsmanager Bill Gross von Pimco vor Kurzem in die Diskussion geworfen hat. Diese habe ich auch schonmal kritisch kommentiert: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: USA mit 75 Billionen Dollar Schulden ....

Die 200 Billionen, die entstehen, wenn man alle Verpflichtungen der Zukunft berücksichtigt, erscheinen mir deutlich zu hoch. Bei einem aktuellen BIP von etwa 15 Billionen Dollar entspräche das mehr als 1.300% das BIPs.

OK, demographische Lücken werden sehr schnell sehr teuer, aber ohne das jetzt im Details durchzurechnen, sprechen doch zwei große Gründe dafür, dass die USA nicht so viel schlechter sein können als Europa:

a) Das Sozialsystem ist vergleichsweise schwach ausgeprägt: relativ wenig staatliche Rente und vergleichsweise schlechtes Gesundheitssystem (zumindest der staatlich finanzierte Teil)
b) Außerdem müsste die demografische Last bei der relativ jungen und wachsenden Bevölkerung in den USA eher geringer sein als im tendenziell überalternden Europa.

Die letzte mir bekannte Berechnung, die einen Vergleich über mehrere Staaten mit einer konsistenten Methodik gemacht hat, kommt vom (durchaus neoliberalen) CATO Institut: Dort kommen die USA auf eine Gesamtstaatsverschuldung von "nur" etwa 500% des BIPs. Damit liegen die USA nicht wesentlich schlechter als Deutschland, aber weit vor Griechenland (nahezu 900% des BIPs) (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Zahl des Tages (11.02.10): 884%).

Dass die USA noch einmal mehr als 700 Prozentpunkte im BIP (also 7 Jahres-BIPs) höhere Schulden haben sollen als Griechenland, halte ich für komplett unplausibel. Genau wie die These, dass die USA "pleiterer" sind als Griechenland.

Steckte hinter dem Spiegel-Artikel zum Euro-Austritt System?

Der Artikel über das Geheimtreffen, auf dem angebliche der Euro-Austritt der Griechen diskutiert wurde, hat einige Wellen geschlagen und auch ich hatte den Artikel gebracht. Auch wenn der Artikel ziemlich vage war und deshalb auch einiges an Kritik einstecken musste (Spiegel-Online-Style: Die Informationen sind zwar falsch, aber exklusiv!)

Nun wurde inzwischen zigfach dementiert, dass der Euro-Austritt ein Thema auf der Agenda war und  wahrscheinlich können die Beteiligten den Begriff "Euro-Austritt" nicht einmal buchstabieren ;-) Zumindest würden die Beteiligten das sofort behaupten ...

Gut, wir werden nie erfahren, worüber wirklich gesprochen wurde. Daher ist jetzt meiner Meinung nach folgende Frage spannender: Die Information über ein solch geheimes Treffen sickert normalerweise nicht zufällig an die Öffentlichkeit. Man kann also immer davon ausgehen, dass das jemand gestreut hat. Und dann stellen sich die zwei klassischen Fragen: Wer hat die Information gestreut und warum.

Die Überlegungen des griechischen Ökonomen Yanis Varoufakis zielen genau auf diese Fragen.

Seine These: Die Informationsquelle ist irgendjemand im deutschen Finanzministerium, das schon oft über die Spiegel Informationen lanciert hat. Und der Grund für den Leak: Tempo machen. Scheinbar hat jemand Angst davor, dass die (aus seiner Sicht unvermeidbare und überfällige) Restrukturierung der griechischen Staatsschulden noch weiter herausgezögert und damit immer teurer wird. Also droht man mit etwas noch Schlimmeren: Dem Euro-Austritt.

Hmm, die These ist durchaus interessant. Man könnte allerdings auch auf die Idee kommen, dass die Quelle Griechenland sein könnte, um bessere Konditionen für eine Restrukturierung herauszuholen. Eine andere nicht ganz unplausible Quelle wäre der IWF, wo schon länger einige sitzen, die sich wundern, warum sich die Europäer gegen eine Restrukturierung wehren. In vergleichbaren Fällen wie Griechenland (was Schulden, Handelsbilanz, etc. angeht), würde der IWF immer zur Restrukturierung greifen.

Aber es gibt sicherlich noch jede Menge anderer Spekulationen und die Kommentare stehen für eure offen :-)

On the true agenda behind Der Spiegel’s story that Greece is thinking of exiting the euro « Yanis Varoufakis
gefunden über Twitter / @Marcus Gatzke: Lesetipp, hat einiges: Der ...

Zocken, bis der Staat hilft ...

... da Hitze bekanntlich träge macht, mal was zum Passivglotzen ;-)

Auf einen anonymen Kommentar hin (und auch wenn nigecus mir das schon weggeschnappt hat ...) ein Hinweis auf eine TV-Dokumentation über die Finanzkrise. Also die erste, die mit den Banken, nicht die aktuelle mit den Ländern ... Wenn ich mich recht entsinne, habe ich die auch im Vorfeld nicht empfohlen.


Musik zum sonnigen Wochenende


Coralie Clément - Samba de Mon Coeur qui Bat

OECD Statistik zur Kinderarmut komplett falsch ...

Das DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) hat jetzt die Zahlen zur Kinderarmut überarbeitet. Man ist ja bei Statistiken gewisse Ungenauigkeiten gewohnt, aber diese hier ist schon hart ...

Statt wie bisher (2009) 16,3% Kinder in Armut werden vom DIW jetzt nur noch 8,3% gemeldet. Der Wert ist also fast um den Faktor 2 zu hoch gewesen!

Die Daten werden im Rahmen des sozio-ökonomischen Panels per Umfrage bei 11.000 Haushalte erfasst. Da sich immer mehr Haushalte weigern, die Fragen zu beantworten, werden die Statistiken immer ungenauer, bzw. müssen korrigiert werden. Das hat man bisher scheinbar unterlassen (WTF?), jetzt aber durchgeführt.

Im aktuellen OECD Bericht "Doing Better for the families" liegt Deutschland jetzt auf einmal deutlich besser als der OECD Durchschnitt (jetzt etwa 4 Prozentpunkte unter dem Schnitt von 12%, früher 4 Prozentpunkte drüber).

Aus einem "Meine Güte, gibt Deutschland viel Geld aus und kommt wenig dabei rum" ist auf einmal ein "Das hohe finanzielle Gesamtförderniveau für Familien hilft, die Kinderarmutsrate bei 8.3 Prozent zu halten "

Anders gesagt: Bei der letzten Veröffentlichung der Studie lag Deutschland noch inmitten der PIGS-Staaten, jetzt auf einmal in einer Gruppe mit Österreich, Frankreich, den Niederlanden ...

Fehlerhafte Statistik: Kinderarmut nur halb so hoch wie gedacht | FTD.de

Ausschnitte aus der 2009er Studie gibt's noch hier:
http://www.oecd.org/dataoecd/19/4/43570328.pdf

Das ist natürlich jetzt ein Ergebnis, das vielen nicht schmecken wird. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Zum Teil sicherlich gerechtfertig, denn auch wenn die Zahlen zur Kinderarmut falsch waren, sind die anderen Zahlen (z.B. zur Bildung) damit ja nicht besser geworden. Aber eines wird mMn klarer als je zuvor: An zu wenig Geld liegt es nicht, aber das haben schon bei der Kindergelderhöhung viele gesagt ...

Auch wenn ich natürlich nicht sagen kann, ob die 8,x% richtiger sind als die 16,x%, ist eines aber mMn sicher: Eine so breite öffentliche Diskussion, wie es sie vor 2 Jahren vor der Erhöhung des Kindergelds gab, wird es jetzt nicht geben. Damals war die Studie ein Aufregerthema für die Titelseiten und Talkshows, dieses Mal wird sie wahrscheinlich kaum mehr als eine Randnotiz werden ...
Sollte es doch eine breitere Diskussion geben, kann ich mir gut vorstellen, dass als erstes versucht wird, die 8,3% anzuzweifeln ("manipulierte Statistik"). Jeder, der das macht, sollte sich aber fragen, warum er die 16% sofort für bare Münze genommen hat, an der 8% aber rumdiskutiert.

Allerdings stellt sich natürlich die grundsätzliche Frage, wie man auf Basis solch unzuverlässiger Statistiken Politik machen soll ...

Die andere Frage: Weiss jemand, was im Rahmen des sozio-ökonomischen Panels sonst noch an Zahlen entsteht? Die dürften ja jetzt genauso Murks sein ...

Update (13:27):

Gewisse Zweifel an der Richtigkeit der 8,x% kann man schon bekommen, wenn man sich die Anzahl der Kinder in Hartz-IV Haushalten anschaut: Das sind nämlich 15,3% ... Sollten davon nur gut die Hälfte als arm zählen?!? Das wäre dann doch etwas seltsam ... (Danke an tubl für den Hinweis!)

BA: Grundsicherung auf einen Blick (April 2011) (PDF!)

Update (07.05.11):

Einen Hinweis aus dem Kommentaren würde ich gerne noch hierhinschieben: Danach enthält die eine Statistik die Anzahl der Haushalte, die andere die Anzahl der Kinder! Das könnte natürlich den Unterschied (zumindest zum Teil) erklären.

Lesehinweis: Die Energiewende aus Anlegersicht

Die ganze Woche noch nichts hier geschrieben ... Und es "droht" ein Wochenende mit Traumwetter, das eine Änderung dieser Situation unwahrscheinlich erscheinen lässt ... Wer sich langweilt: In meinem Zweitblog ist mehr los ...

Daher wenigstens ein Lesehinweis ...

Wer sich schon immer mal gefragt hat, warum er sich die Börse Online (oder andere Anlegermagazine) kauft (und nicht denn egghat mit dem Geld flattert ;-) ), dem werfe ich jetzt mal einen Lesehinweis hin, in dem meiner Meinung nach eine bessere Qualität abgeliefert wird als die meisten Artikel in den meisten Anlegerzeitungen.

Es ist ein Bericht in den Marktbeobachtungen der HSBC Trinkaus, in dem eine (wahrscheinlich ziemlich lange) Studie von HSBC zur Entwicklung der Energiemärkte auf 8 Seiten zusammengefasst wird. Das ist gut lesbar, enthält ziemlich viele interessante Datenpunkte und bietet einen schönen, weltweiten Überblick über die wirklich großen Themen am Energiemarkt in den nächsten 4 Jahrzehnten.

Wie beeinflusst die Urbanisierung in den Entwicklungsländern den Energieverbrauch? Gibt es Comeback der Atomenergie? Wie viel Potenzial steckt in Energiesparmaßnahmen? Wird Solarenergie wettbewerbsfähig? Etc. pp.

Die Zahl von

321.000.000.000 (321 Milliarden) Dollar pro Jahr,

mit denen fossile Brennstoffe in den Entwicklungsländern subventioniert werden, wäre z.B. früher mit Sicherheit eine Zahl des Tages geworden ... Hupps, schon ist es eine ;-)

Diesen 321 Milliarden Dollar stehen übrigens nur 45 Milliarden Dollar Förderung für regenerative Energien gegenüber.

Eine richtige, eine weltweite Energiewende kann man da noch nicht wirklich erkennen ...

http://www.hsbc-zertifikate.de/pdfs/produktbeschreibungen/marktbeobachtungen.pdf

What a crash: Silber bis zu 13% im Minus

Die Chicago Mercantile Exchange (CME) hat heute Nacht eine Erhöhung der Marginanforderungen für Silber bekanntgegeben. (Im Detail: Die Marginanforderungen der COMEX steigen von 12.825$ auf 14.513$ bzw. von 9.500$ auf 10.750$ pro Kontrakt). Damit müssen Spekulanten mehr Geld für ihre Silber-Futures hinterlegen. In der Konsequenz sinkt die Menge Silber, die man bei einer vorhandenen Menge Geld kaufen kann.

Einige Spekulanten müssen nun ihre Silberpositionen verringern. Und zwar ziemlich abrupt, wenn sie von der Nachricht auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Silber brach heute Nacht bei Wiedereröffnung der Rohstoffbörsen in Asien von etwa 48 Dollar (Freitagsschluss) je Feinunze auf nahezu 42 Dollar ein.  Danach gab es einen Rebound auf 45, das Minus hat sich also schon wieder in etwa halbiert.

Mich erinnert dieses Vorgehen zumindest im Ansatz an die Maßnahmen, mit der der Corner-Versuch der Brüder Hunt Anfang der 80er-Jahre zum Scheitern gebracht wurde. Das ist eine ziemlich interessante Geschichte, weil nämlich nicht der Corner an sich scheiterte (die Menge Silber, die die Hunts gekauft haben, wäre nämlich wirklich nicht lieferbar gewesen), sondern weil die Börse die Bedingungen so lange änderte, bis die Hunts ihr Spiel nicht weitertreiben konnten. Dabei hatten die Hunts eigentlich nicht Verbotenes getan: Sie haben nur schlicht die Frechheit besessen, sich das Silber, das sie per Option erworben hatten, auch ausliefern zu lassen. Was ja immerhin vertraglich vereinbart war.

Es zeigte sich schnell, dass schon Anfang der 80er Jahre die Volumina, die an den Optionsbörsen umgesetzt wurden, nicht einmal ansatzweise mehr den Mengen entsprachen, die auch geliefert werden können. Anders gesagt: An den Rohstoffbörsen wedelt zumindest in Teilmärkten der Schwanz mit dem Hund. Die "virtuellen" Geschäfte an den Börsen haben nur wenig mit dem physikalischen Märkten dahinter zu tun.

Die COMEX hat zur Bekämpfung der Hunts Anfang der 80er Jahre die Marginanforderungen mehrfach erhöht, am Ende verbot sie sogar einfach den Kauf größerer Mengen Silber. Der Verkauf blieb hingegen möglich. Ein derart asymmetrischer Markt muss geradezu crashen, was er dann auch tat.

Mission accomplished.

Dumm nur, dass damals bereits viele Spekulanten auf diese Blase angesprungen waren. Diese mussten ihre Positionen glatt stellen und brauchten dafür Bargeld. Dafür wurden dann Positionen in vielen anderen Märkten verkauft, was am Ende auch den Aktienmarkt mit nach unten zog.

Daher ist das durchaus etwas, was man ziemlich genau verfolgen sollte. Ich schätze aber, dass wir noch keine gigantische Rohstoffblase gesehen haben. Zumindest keine, die so groß ist, dass man beim Platzen mit massiven Einbrüchen in anderen Märkten rechnen muss. Ich schätze allerdings auch, dass wir eine derartige Blase durchaus bekommen könnten. Wenn ich beim Friseur auf Silber/Gold angesprochen werde, wird's kritisch. Ich sage dann Bescheid ...

Zum Hunt-Silber-Corner:
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Der Corner-Versuch im Silber der Brüder Hunt

Zu heutigen Einbruch:
Silver Futures Plunge Most Since 2008 as CME Increases Margins - Bloomberg.com

Aktueller Preis:
http://www.kitco.com/charts/livesilver.html

Gold hält sich übrigens gut und verliert nur knapp 2%. Was gerade einmal  ein Rückfall auf das Niveau von Freitagmittag ist ...

Update (21:48):

Im Rebound ging bis auf etwa 47 Dollar zurück, danach sackte der Kurs wieder ab, aktuell bei 45,30. Ganz schöne Achterbahnfahrt ...

Update (03.05.11):

Quasi lehrbuchmäßige Einschwingphase .... Jetzt, gut 30 Stunden nach der Bekanntgabe der Marginerhöhung, liegt die Feinunze Silber ziemlich exakt in der Mitte des "ausgependelten" Bereichs zwischen 38 und 32 48 und 42 Dollar:



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