Neues Produkt von Apple: iSave

Ich habe über die absurd niedrigen Steuersätze, die einige (viele/alle?) US-Konzerne mit Sitz in Irland bezahlen, schon ein paar mal geschrieben, unter anderem im Fall von Google (Googles Steuerquote (ex-USA): 2,4% - egghat's not so micro blog) und von Microsoft (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Auch Microsoft zahlt (fast) keine Steuern ...).

Damals vermutete ich, dass insbesondere die beiden bisher erwähnten Firmen die entsprechenden Steuersparmodelle besonders gut nutzen können, weil sie überwiegend immaterielle Güter handeln und dann über die entsprechende Festsetzung der Lizenzgebühren den Gewinn massiv drücken können. Diese Möglichkeit hätte Apple als Händler von physischen Waren möglicherweise nicht. Aber Irrtum!

Laut Berechnungen von Martin Sullivan zahlt auch Apple auf seine internationalen Gewinne einen durchschnittlichen Steuersatz von nur

1 Prozent.

Auch im Fall von Google nennt die FAZ eine weitere interessante Zahl: Das letzte veröffentlichte Ergebnis der Europazentrale in Dublin aus dem Jahr 2009 weist eine Marge von 0,6% aus. Im Fall von Google ist der Steuersatz also schon fast irrelevant, weil die Firma über konzerninterne Lizenzzahlungen den Gewinn nahezu auf Null drückt. Es ist aber total unlogisch, dass Google im weltweiten Durchschnitt eine Marge von fast 40% erreicht, aber in Europa nur 0,6% einfahren soll ...

Die große Frage ist natürlich, wer davon profitiert? Also die Konzerne natürlich, aber welches Land? Landet durch diese "Double-Irish" und "Dutch Sandwich" Steuersparmodell mehr Gewinn in den USA als es ohne diese Modelle wäre? Und die anschließende Frage: Wieso wird das nicht geändert? Wenn wenn nicht jetzt (mitten in der schwersten Krise der Staatsfinanzen seit Ewigkeiten), wann dann?

FAZ: Über Irland Gewinne in Steueroasen schleusen

Wie teuer werden denn jetzt die Eurobonds?

Mal wieder eine interessante Diskussion im Handelsblog. Was werden denn jetzt die Eurobonds so kosten?

Hans-Werner Sinn hat ja bereits eine Berechnung vorgestellt und kommt auf 47 Mrd. Euro für Deutschland (siehe Ifo: Euro-Bonds kosten Deutschland 47 Milliarden Euro pro Jahr | Top-Nachrichten | Reuters). Diese Berechnung basiert natürlich (wie jede spekulative Berechnung) auf einem Haufen von Annahmen, die jede für sich angreifbar ist.

Natürlich wird diese (sinnvolle) Kritik auch vorgenommen. Olaf Storbeck erklärt die Kritik des niederländischen Ökonomen Boonstra, der die angenommenen Zinssätze zu hoch findet. Sinn geht von einem Zinsabstand von 228 Basispunkten aus. Dieser dürfte aber inzwischen deutlich geschrumpft sein, wenn man aber auch hier betonen muss, dass das zum großen Teil auf unnatürliche Faktoren (ergo den Ankauf der Anleihen durch die EZB) zurückgeht.

Boonstra schlägt daher den Zinsabstand zu den Anleihen des EFSF vor, der bei knapp 100 Basispunkten liegt (NB: Gibt es den Zins des EFSF/ESM in der üblichen 10-Jahres-Synthetikversion eigentlich bei Bloomberg. Wäre für das Tickersymbol sehr dankbar!). Das ist meiner Meinung nach ein durchaus sinnvoller Vorschlag, sinnvoller auf jeden Fall als der Spread, den Sinn nimmt.

Aber eigentlich wollte ich was ganz anderes schreiben, nämlich dass ich glaube (oder befürchte), dass wir in der Diskussion um die Kosten der Eurobonds keine sinnvollen Berechnungen bekommen werden.

Ich habe das mal in einen Kommentar dort drüben gepackt, würde das aber auch gerne hier mal einfügen (auch damit hier endlich mal wieder was steht ...)


a) Es besteht die große Gefahr, dass die Risiken aus der Übernahme Deutschland überfordern. Deutschland liegt schließlich selber schon bei 83% Verschuldung im BIP. Die Schwelle, bei der S&P den USA das dritte A entzogen hat, ist damit nicht sonderlich weit weg. In Frankreich sieht es ähnlich aus. Das ist der erste große Faktor, der jede Art von Berechnung und Schätzung quasi unmöglich macht. 
Das ganze Konstrukt ist schon jetzt eine leicht schiefe Ebene, das bei massiveren Problemen in Italien oder Spanien oder einem Triple-A-Verlust von Frankreich oder Deutschland sehr leicht ins (nicht mehr aufhaltbare) Rutschen kommen könnte. 
b) Und dann muss man sich anschauen, was die Märkte (die ja Basis für die Berechnungen sind) so treiben. Es ist noch nicht lange her, dass Irland niedrigere Zinsen hatte als Deutschland. Heute sind diese mehrfach höher. Wie soll man bei solchen Schwankungen einen sinnvollen Wert annehmen?!? 
Am Ende ist die gemeinsame Haftung (also der Eurobond) für mich wegen a) eine Art “digitale Option” mit allen daran hängenden Bewertungsfragen, die zusätzlich verkompliziert wird, weil man die Parameter (siehe b) nicht kennt, die man ins System füttern muss. 
Ich befürchte, dass wir in der ganzen Diskussion nichts, aber auch gar nichts an sinnvollen Berechnungen bekommen werden. 
(Und über den möglichen positive Effekt, nämlich fallende Zinsen durch höhere Liquidität, möchte ich erst gar nicht nachdenken. Das ist genauso wenig quantifizierbar. Da kann man die unbekannten Parameter so schätzen, dass man jedes gewünschte Ergebnis erhalten kann …
Das mag jetzt fatalistisch klingen, aber ich glaube wirklich, dass uns niemand den Ausgang eines solchen Experiments vorhersagen kann.

Was meint ihr? Bin ich zu pessimistisch?

Handelsblatt.com - Unseriöse Zahlen? Ifo-Institut kommt erneut unter Feuer « Handelsblog

Update (15:55):

Übrigens merkt "Si tacuisses" drüben im Handelsblog an, dass der EFSF Zins auch keine gute Basis sei, weil der EFSF überbesichert ist. Sprich: Der ist mit seinen Garantien auf das AAA-Rating hin gestaltet worden und darf deshalb auch nur für einen Teil der Garantien Kredit vergeben. Damit zu vergleichen ist daher nicht ganz fair, weil die europäischen Schulden natürlich nicht überdeckt sind.

Wo wäre eigentlich im Durchschnitt ein europäisches Rating? Dort sind ja beileibe nicht alle Länder AAA. Vielleicht gäbe es insgesamt (ohne Überdeckung) noch ein AAA, aber das wäre auf jeden Fall nur noch ein ganz knappes. Wahrscheinlicher würde ich - allein aufgrund der Zerrissenheit der europäischen Politik - eher ein AA+ oder gar ein AA erwarten ...

Update 2 (29.08.11):

Noch eine Einschätzung als Ergänzung, auch wenn ich diese nicht teile, weder in der Beurteilung, noch in der Herleitung. Die deutschen Zinsen sollen wegen der Flucht in die deutschen Anleihen 100 Basispunkte niedriger liegen als "normal", sprich ohne die Fluchtbewegung in sichere deutsche Anleihen? Dann wären auch die französischen Zinsen ja vom Fluchteffekt getrieben, denn der Abstand zur deutschen Anleihe liegt unter 100 Basispunkten. In Anleihen, bei der man den Verlust der AAA-Ratings schon diskutiert?

Nein, das scheint mir alles sehr unplausibel zu sein. Die Welt kauft nicht auf einmal Euro-Anleihen, nur weil es dann eine große Anleihe statt vieler kleiner gibt. Wieso erhofft man sich einen dicken Kapitalzufluss in einer solch wackligen Konstruktion wie dem Euro? Das ist blauäugig!

Gut konstruierte Eurobonds (Blue/Red-Bonds) wären zum Start der Währungsunion eine gute Idee gewesen. Wenn man auch nur Länder reingelassen hätte, die die Maastricht Kriterien erfüllen (60% Schulden/BIP) und wenn es (außer den Strafmaßnahmen über die hohen Zinsen für Red-Bonds) wirksame Sanktionsmechanismen gäbe.

Schätzung des FTD-Schattenrats: Eurobonds für Deutschland kaum teurer | FTD.de

Den spanischen Fußballligen geht es dramatisch schlecht

In nähere mich weiterhin langsam der aktuellen Nachrichtenlage an ... Noch etwas Geduld ... Aber erstmal ein Blick auf die unglaublich schlechte wirtschaftliche Lage der spanischen Fußballvereine.

Fußballerisch sind Real Madrid und vor allem der FC Barcelona sicherlich top, allerdings sind selbst dort Verluste angefallen (Barcelona hat z.B. 21 Millionen Euro Verlust in der letzten Saison 2010/2011 eingefahren. Als Sieger der Champions League wohlgemerkt. Was Barca aber nicht daran hindern wird, auch diesen Sommer wieder mehr Geld für Transfers auszugeben als durch Verkäufe erlöst werden).

Hinter den beiden Topvereinen sieht es aber noch viel übler aus. Allein in der ersten spanischen Liga werden 7 Vereine vom Insolvenzverwalter geführt. Gehälter werden nicht pünktlich bezahlt. Wenn sie denn überhaupt gezahlt werden, denn Spielern, die den Verein verlassen, zahlt man wohl gängig die letzten Gehälter zum Vertragsende nicht. Und wenn ein Verein insolvent ist, muss er eh nur noch Teilgehälter zahlen (was die Insolvenz scheinbar so verlockend macht).

In die Ligen drei und vier will man bei solchen Bilanzen selbst in Liga eins und zwei erst gar nicht mehr schauen ...

Daher ist der Streik der spanischen Fußballprofis auch gut nachvollziehbar ... Diese wollen schließlich nur das Geld, was ihnen vertraglich zusteht, ein Lizensierungsverfahren, in dem die wirtschaftliche Lage der Vereine überprüft wird, damit diese wenigstens die nächste Saison überleben und einen gemeinschaftlichen Solidarfonds, der im Notfall einspringt und die Gehälter übernimmt.

Primera Division: Streik! - Fußball - Sport - FAZ.NET
Spielerstreik in Spanien: In der Primera Division stehen alle Bälle still - Auslandsfußball - DerWesten


Die spanische Liga ist in wirtschaftlicher Hinsicht sicherlich eine der schlimmsten Ligen in Europa, aber in anderen Ligen sieht es ebenfalls schlimm aus. Siehe zum Beispiel hier:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Zahl des Tages (22.05.10): 12.100.000.000

Dass der Hoeneß von den vergleichsweise solide wirtschaftenden Bayern das alles nicht lustig findet, ist auch nicht neu ...

Fußball - Newsticker - Bundesliga - Hoeneß: Spieltagabsage eine "Katastrophe"

Eines fehlt mir aber in den aktuellen Artikeln zur Lage der spanischen Fußballvereinen: Die Tatsache, dass die spanischen Vereinen nicht nur ihren eigenen Spielern die Gehälter nicht auszahlen, sondern auch Steuern und Sozialabgaben von mehr als 600 Millionen Euro einfach nicht bezahlt haben und scheinbar kein Politiker bzw. Finanzamtmitarbeiter den Mumm hat, das Geld endlich mal einzufordern ...

OK, wenn alles auf einen Schlag bezahlt werden müsste, würde wahrscheinlich aus 4 spanischen Ligen eine einzige werden, aber zumindest damit anfangen sollte man mal langsam. Ein Land, dessen Anleihen von der EZB aufgekauft werden müssen, damit die Zinsen nicht noch weiter steigen, kann sich Steuergeschenke an Fußballvereine eigentlich nicht erlauben ...

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Zahl des Tages (18.03.10): 632.189.842

P.S. In dieser Gemengelage will übrigens Manchester United einen Börsengang wagen. Dabei war der erste auch nicht sonderlich erfolgreich ...

FAZ: Fußball-Aktien - Selten Erfolgsgeschichten

Dass im FAZ Artikel zwei Vereine aus der türkischen Liga als positive Ausnahmen in Bezug auf den Börsenkurs genannt werden, entbehrt nicht einer gewissen Ironie ... Schließlich versinkt die türkische Liga gerade in einem Korruptions-/Schiebungs-/Wett(?)skandal, wie ihn Europa lange mehr gesehen hat ... OK, seit dem in Griechenland ;-)

Alle Fußballmanager in der Türkei korrupt? - egghat's not so micro blog
News-Ticker: Manipulationsskandal in der Türkei: Carvalhal übernimmt bei Besiktas - Sport Fussball International

Musik zum Wochenende: The Field Mice

Passend zum Wetter (mit wenigen Tagen Ausnahme) und der Börsenstimmung (mit wenigen Tagen Ausnahme) ...

The Field Mice: September's not so far away



Schönes Wochenende. Und das Tippspiel nicht vergessen ... Sonst bekommt ihr mich nicht ...

Das US-Steuersystem ist komplett pervers ...

Ich würde eigentlich gerne etwas mehr verlinken und dazu schreiben ... Aber da die (eigentlich uralte) Buffett Aussage gerade mal wieder durch die Medien wabert, dass die US-Steuern für Reiche viel zu niedrig seien, lohnt sich diese Grafikensammlung von Barry Ritholtz sehr.

Denn die Grafiken zeigen eindrucksvoll, wie sehr

a) der Anteil der Unternehmenssteuern am Gesamtsteuereinkommen in den letzen Jahrzehnten gesunken ist und

b) wie wenig progressiv die Besteuerung von Privatleuten ist (siehe dazu auch hier: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Der durchschnittliche Steuersatz der 400 reichsten Amerikaner ist ...)

Der Steuersatz sinkt nämlich mit steigenden Einkommen, was in Deutschland ähnlich ist (was ich auch schonmal verbloggt habe, aber nicht wiederfinde ... )

Übrigens auch interessant, dass die prozentuale Steuerbelastung bei Unternehmen ebenfalls mit der Größe sinkt.

Und ich befürchte, dass das alles in Deutschland keinen Deut besser ist. Und wenn man genau hinschaut, findet man bei den internationalen Vergleichen Deutschland noch unterhalb der USA. Und selbst die nennt Ritholtz schon "Niedrigsteuerland". Und dort liegt der durchschnittliche, real bezahlte Steuersatz der Unternehmen bei 14%, bei uns hingegen bei

7% 
...


The US Tax Burden Falls Disproportionately On Individuals and Small Business | The Big Picture

Musik zum Wochenende: A kind of Amy

Coole Sch****e.

Musik machen mit dem Plattenspieler ...




gefunden über Testpiel über Rivva.


Was ist so ein Yuan Renminbi wohl wert?

Ich hatte das Thema schonmal und bin damals auf ziemliches Unverständnis gestoßen ("Du glaubst das nicht wirklich, oder?" siehe ZAHL DES TAGES (02.11.10): 40%). Nein ich glaube das möglicherweise nicht wirklich und weiss es auch nicht. Allerdings glaube ich auch nicht alles, nur weil es oft genug in den Medien steht und von Politikern gesagt wird ;-)

Es geht um den chinesische Währung, die in der allgemeinen Auffassung als massiv unterbewertet gilt. Die Chinesen würden ihren Exportboom über die künstlich niedrig gehaltene Währung befeuern, die USA hätten gar keine Möglichkeit, mit den Chinesen zu konkurrieren, ...

Nur berechnet HSBC Trinkaus schon lange andere Werte. In der Kaufkraftparität ist der Yuan zwar tendenziell unterbewertet (sprich oberhalb der roten Kurve), aber das war nie viel und vor allem dauerte es nie sonderlich lange, bis die Währung wieder angepassst wurde. Eine solche kontrollierte, gleitende Abwertung macht der Yuan aktuell auch wieder.

Das führt zu folgender Grafik, die ich in einer aktuellen Version aus dem Devisenkompass Juli 2011 gezogen habe:



Nach Meinung der Trinkaus Analysten ist der Yuan immer noch im grünen Bereich.

Interessant, weil der Widerspruch zum Big Mac Index immer noch besteht. Mit dem Big Mac Index versucht der Economist, die Kaufkraft einer Währung zu messen. Die Idee dahinter ist einfach: Der Bic Mac ist weltweit ein sehr ähnliches Produkt. In die Kalkulation eines Big Macs gehen viele Bestandteile des lokalen Preisniveaus ein: Miete (bzw. Grundstücks- und Immobilienpreise), Lebensmittelpreise, Logistikpreise, Arbeitslöhne, etc. pp. Der Big Mac Index zeigt in China Preise an, die über 40% unter dem Niveau der USA liegen.

Ich hatte allerdings schon immer meine Zweifel, ob man per Big Mac Index wirklich Länder vergleichen kann, die wirtschaftlich so weit auseinander liegen wie z.B. Norwegen und China. Zwischen den USA und Deutschland mag ein solcher Vergleich einen Sinn geben, aber wenn ich reiche und arme Länder vergleiche, erinnert mich das nicht einmal mehr an einen Vergleich zwischen Äpfel und Birnen, sondern eher an Gurken und Zitronen ;-)

Genau diese Anpassung an die unterschiedliche Wirtschaftskraft der Länder hat der Economist jetzt gemacht. Es gibt nämlich eine sehr sehr saubere Korrelation zwischen der Abweichung in der Kaufkraftparität und dem BIP pro Kopf. Der Big Mac Index zeigt in fast allen Ländern mit niedrigen Pro-Kopf-BIP unterbewertete Währung an und andersherum.

Wenn man damit den Big Mac Index anpasst, sind die Währungen von Indien und China plötzlich gar nicht mehr so kräftig unterbewertet wie im unbereinigten Big Mac Index. Der Wert des bereinigten Big Mac Index erinnert sehr an das, was die Trinkaus Analysten schon länger berechnen.

Die Bereinigung sorgt für einige andere interessante Änderungen. Bei Ländern mit einer ähnlichen Pro-Kopf-Wirtschaftskraft wie den USA tut sich logischerweise wenig. Der Euro ist nicht mehr 21%, sondern 36% überbewertet. In Norwegen hingegen schrumpft die Überbewertung der Währung von 101% auf 46%. Einige Länder wie die Türkei, Ungarn, Indonesien oder Thailand springen von einer leichten bis deutlichen Unterbewertung in eine Überbewertung. Besonders auffällig die brasilianische Währung, die dank des Rohstoffreichtums des Landes sehr stark ist: BIP-bereinigt ist der Big Mac in Brasilien nicht mehr 52%, sondern sogar 149% zu teuer.

Ich finde die Ergebnisse des BIP-bereinigten Big-Mac-Indexes deutlich plausibler als die des unbereinigten und hoffe, dass der Economist das in seine Standardberechnung aufnimmt.

Economist: Currency comparisons, to go

US-Arbeitslosenquote 07/11: 9,1% (-0,1)

Am US-Arbeitsmarkt gab es heute - zumindest in der Überschrift - eine positive Überraschung. Die Arbeitslosenquote ging zurück und es wurden mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Leider steckt in den NILFs eine dicke Enttäuschung.

Zu den offiziellen Zahlen für den Juli 2011:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: +156.000 auf 12,931 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: -38.000 auf 139,296 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 9,1% (-0,1).

Die dicke negative Überraschung waren die NILFs. In die Kategorie Not In Labor Force wurden 374.000 Amerikaner umgebucht. Schon im Juni wurden 449.000 Amerikaner zu NILFs umgelabelt und zählen nun nicht mehr zum Arbeitskräfteangebot der USA. Das sind mehr als 2,1 Millionen mehr als vor einem Jahr.

Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung) sackte um 0,1 Prozentpunkte auf 58,1%. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als im Juli 2010. Von einer wirklichen Erholung am US-Arbeitsmarkt zu sprechen, wagen sich wohl nur noch Daueroptimisten. Dass die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahr gesunken ist, liegt ausschließlich an den Umbuchungen von mehr als 2 Millionen Amerikaner in die NILF-Kategorie.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, waren die positive Überraschungen, allerdings wurden die Erwartungen auch tief gehängt.

Anzahl der Jobs: +117.000 gegenüber Juni 2011 auf 131,190 Millionen.

Für die beiden vergangenen Monate gab es relativ kräftige Aufwärtskorrekturen: Das Maiplus wurde um 28.000 auf +53.000 nach oben korrigiert, der Juni ebenfalls um 28.000 auf jetzt 46.000, zusammen also um 56.000.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche unterstützt die positive Schlagzeile nicht und blieb bei 34,3 Stunden, auch die Anzahl der Überstunden änderte sich nicht und verharrte bei 3,1 Stunden.

Ein guter Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6. Diese sank leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 16,1%. Das ist zwar noch immer eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (16,5%), allerdings war der Unterschied zum Vorjahresmonat schonmal größer. Und die versteckten Arbeitslosen in der NILF-Schublade sollte man auch nicht vergessen ...

Fasst man die Zahlen zusammen, gab es eine mittelprächtige Anzahl von neuen Jobs und eine leicht sinkende Arbeitslosenquote. Die Details decken diese positive Grundstimmung aber nicht und die NILFs erklärten dann auch warum ...

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – JULY 2011

Bundesliga Tippspiel 2011/2012

OK, nach einer kleinen Pause mache ich mir den Spaß mal wieder ...

Wer Lust hat, jeden Spieltag zu tippen, kann das hier tun: http://www.kicktipp.de/dwwdw/. Wer mitmachen will, bitte an die Bonustipps (Meister, Absteiger) denken. Die müssen bis heute Abend abgegeben sein.

Zwei machen schon mit ...

Ansonsten mache ich für die Wenigtipper nur den Tipp auf die Schlusstabelle. Die Regeln bleiben wie vor 2 Jahren (http://www.diewunderbareweltderwirtschaft.de/2009/08/bundesliga-tippspiel.html) mit einer Änderung: Da es dieses Jahr 6 Teilnehmer am internationalen Wettbewerb gibt, gibt es auch für diese 6 (und nicht nur 5) Plätze Sonderpunkte.

Weil ich vor meinen Urlaub eine grafische Aufbereitung nicht mehr schaffe, könnt ihr das einfach als Text in die Kommentare schreiben. Ihr habt bis morgen 15:30 Zeit, das Spiel heute Abend dürfte nicht sooo den Einfluss haben.

Mein Tipp:

1. FC Bayern München (wenn Robbery 2/3 der Spiele machen)
2. Borussia Dortmund (internationale Mehrbelastung vs. sehr gut eingespielter Truppe)
3. Schalke 04 (keine internationale Belastung, guter Kader+Trainer)
4. Bayer Leverkusen (Abgang von Vidal tut weh)
5. Hannover 96 (weiss ich nicht warum)
6. Hamburger SV
7. VfL Wolfsburg (wenn die nochmal auf dem Transfermarkt zuschlagen auch Platz 5)
8. 1899 Hoffenheim
9. Werder Bremen (trotz der Probleme sicheres Mittelfeld)
10. 1. FC Köln
11. VfB Stuttgart (unter Labbadia wie üblich nur 1 gute Saisonhälfte)
12. Borussia Mönchengladbach
13. 1. FC Kaiserslautern
14. 1. FC Nürnberg (heftige Abgänge, daher Abstiegskampf)
15. Hertha BSC (wenig Verstärkungen, daher Abstiegskampf)
16. FSV Mainz 05 (derbe Abgänge, Fuchs, Holtby, Schürrle, fast das gesamte Gerüst der Mannschaft)
17. SC Freiburg (Demba Cissé geht)
18. FC Augsburg (hab ich schon bei RWO gesehen, können nix)

Mein Sohn tippt:


1. FC Bayern München (wer sonst?)
2. Borussia Dortmund (einmal reicht)
3. Schalke 04 (damit der Stephan nicht immer so schlechte Laune hat)
4. Bayer Leverkusen (Dutt. Dutt. Dutt.)
5. Hannover 96 (haben Schmidtgal ;-) )
6. Werder Bremen
7. VfB Stuttgart
8. 1. FC Nürnberg
9. Hamburger SV
10. SC Freiburg (Demba Cissé bleibt)
11. Borussia Mönchengladbach
12. 1. FC Köln
13. 1899 Hoffenheim
14. FSV Mainz 05 (ohne Schürrle ...)
15. VfL Wolfsburg (ich kann den Magath nicht leiden, der sieht aus wie Fiona von Shrek)
16. FC Augsburg (hab ich schon bei RWO gesehen, können nix)
17. 1. FC Kaiserslautern (kann ich nicht leiden)
18. Hertha BSC(hab ich schon bei RWO gesehen, können nix)

Ich ergänze nach den "Tipp" von Dirk Elsner, der im Blicklog mal wieder die Quoten für den Meistertipp gesammelt hat (siehe Blicklog ). Es hat ja schon einmal die Konsensschätzung, die sich aus den Wettquoten ergibt, gewonnen. Vielleicht ist es auch diesmal so.

Ich setze auch zwei Preise aus für den Gewinner. Ich weiss nur noch nicht was ... (Vielleicht lesen ja hier auch potenzielle Sponsoren mit. Dafür gibt es mehrere tolle Links von einer PR5 Seite und viele wohlwollende Erwähnungen als Gegenleistung).

Update (13:44):

Ich baue auch gerne noch Expertentipps (außer Konkurrenz natürlich) ein. Die WAZ liegt schon hier, vielleicht tippt Manni Breuckmann ja auch irgendwo.

Update 2 (13:55):

Kwaek mit einem ernstgemeinten Tabellentipp (aber nicht ganz ernstgemeinten Kommentaren, Beispiel zu Magaths noch kommenden Verpflichtungen: "Einen Spielertyp: Touareg (kräftig und robust). Einen Spielertyp: Scirocco (schnell und wendig). Und einen Spielertyp Golf (zuverlässig und effizient)."). Die haben Bayern als Meister, Dortmund, Leverkusen und Schalke dahinter, dann Hoffenheim und Werder und Freiburg, Augsburg und Stuttgart (!) als Absteiger.

Musik zum Wochenende: REM

Es zwar im engeren Sinne noch nicht Wochenende, aber da ich am Wochenende in den Urlaub fahre und wahrscheinlich kein Posting mehr vorher schaffen werden, verabschiede ich mich mit dem einzigen zum Börsentag passenden Song ... (auch wenn ich den garantiert schonmal gebracht habe ...)

Bin jetzt im Urlaub, es wird daher hier extrem ruhig werden. Zwei Postings habe ich vorbereitet, in der Queue im Zweitblog stecken ein paar unfertige Sachen, die ich bei schlechtem Wetter vielleicht noch fertig schreibe (sofern ich denn überhaupt ins Internet komme, die Congstar Karte ist noch nicht gekommen ...).

Gehabt Euch wohl. Bis in zwei Wochen.



It's the end of the world and I feel fine ....

Buiter fordert 2,5 Billionen Euro Rettungsfonds ...

Willem Buiter (früher Kommentator bei der FT, heute Chefvolkswirt der Citigroup) ist ja Stammgast in diesem Blog hier. Schon in der Bankenkrise machte er einen meiner Meinung nach sehr guten Vorschlag (er wollt nicht die schlechten Assets in Bad Banks packen, sondern die guten in Good Banks, die dann sofort wieder unbelastet weiter arbeiten könnten, siehe:  HANDELSBLATT PRÄSENTIERT: WILLIAM (SIC) BUITER).
Auch in der Eurokrise hat er sich früh für eine Umschuldung Griechenlands ausgesprochen (siehe WILLEM BUITER FÜR RESTRUKTURIERUNG DER GRIECHISCHEN SCHULDEN (April 2010), GRIECHENLAND-SCHULDEN-RESTRUKTURIERUNG: BUITER PRO, DIBELIUS (NICHT WIRKLICH) CONTRA. (Februar 2011)). In einem hat er sich geirrt, nämlich dass die Gefahren in den anderen PIIGS-Ländern von den Märkten zu hoch eingeschätzt würden (siehe  Willem Buiters sehr realistische Einschätzung zu Griechenland - egghat's not so micro blog (19.2.10)). Inzwischen sind nicht nur Irland und Portugal unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft, sondern Spanien und Italien wackeln auch immer heftiger ...


Buiter hat seine Meinung aber inzwischen korrigiert. Schon vor einiger Zeit hat er eine Aufstockung der europäischen Rettungsfonds auf 2 Billionen Euro gefordert. Alles andere würde die Märkte nicht überzeugen und (politische) Krise nach Krise und (spekulative) Attacke nach Attacke auslösen (ich bin mir sicher, dass ich die Zahl verbloggt habe, finde die aber nicht wieder ...).

Jetzt hat Buiter seine Einschätzung sogar noch weiter nach oben gesetzt. Satte

2.500.000.000.000 (2,5 Billionen) Euro

fordert Buiter jetzt.

Da läuft es dem europaskeptischen Betrachter natürlich kalt den Rücken runter. Wer soll das bezahlen? Die Gegenfrage ist aber auch, ob die aktuelle Salami-Taktik weiterhilft, mit der ein Land nach dem anderen in den Schuldenstrudel gezogen wird. Wenn keine Ruhe einkehrt, könnte das schrittweise Vorgehen am Ende teurer werden, weil Schritt für Schritt die Maßnahmen gezogen werden müssen und Kosten verursacht würden. Der 2,5 Billionen Euro Fonds hingegen könnte wirklich Stabilität und Ruhe bringen.

Und etwas Wichtiges am Buiter-Vorschlag darf man nicht vergessen: Er fordert nämlich nicht nur den Mega-Rettungsfonds, sondern will die Gläubiger der jeweiligen Staatsanleihen verpflichten, sich *grundsätzlich* vor dem EU-Rettungsfonds zu beteiligen. Es soll also immer zuerst eine Beteiligung der privaten Gläubiger (im Wesentlichen Banken und Versicherungen) geben. Dafür müssen diese nachrangig haftendes Eigenkapital schaffen, das dann als Sicherheitspuffer für den Fall einer Staatspleite dient. Erst wenn dieser Puffer aufgebraucht ist, springt der EU-Rettungsfonds ein und sichert den Rest der Staatsschulden ab.

Damit hätte man eine gute Kombination aus Markt und Staat. Die Banken müssten (zumindest teilweise) für das Risiko haften. Daher würden sie dieses Risiko nicht zu groß werden lassen, bzw. ausreichend hohe Zinsen für das Risiko verlangen. Unsolide wirtschaftende Staaten würden von den Märkten mit hohen Zinsen bestraft, hätten also früh einen Anreiz zu sparen. Dieses Wechselspiel zwischen Schuldner und Gläubiger könnte also zumindest in der Theorie funktionieren. Auch wenn man zugeben muss, dass "die Märkte" vor der Krise die Risiken völlig falsch bewertet haben. Irland zahlte noch 2008 niedrigere Zinsen als Deutschland und auch die Aufschläge in Griechenland waren minimal. Man sollte die Fähigkeiten des Marktes nicht überschätzen, aber auch nicht so tun, als gäbe es diese gar nicht.

Buiter hört bei der Bankenbeteiligung nicht auf, sondern setzt als zweite Stufe dahinter den 2,5-Billionen-EU-Rettungsfonds, der im Notfall die Refinanzierung der Länder sicherstellen soll. Damit soll ein für alle Mal klar gemacht werden, dass ein Land nicht unkontrolliert Pleite gehen wird.

Ansonsten findet Buiter den neuen Eurostabilisierungsfonds gut und begrüßt auch die neu eingeräumten Möglichkeiten wie einen Anleihekauf am Markt. Nur ist ihm das effektive Volumen von 440 Milliarden Euro viel zu niedrig.

Der Buiter-Artikel in der Financial Times (leider hinter der Murdoch'schen Paywall):
Blundering towards a ‘You Break it You Own it’ Europe - FT.com
über den Umweg Google (blundering towards europe buiter - Google-Suche) aber auch für Nicht-Abonnenten noch erreichbar.

Buiter ist in Bezug auf Griechenland übrigens auch nicht wirklich optimistischer geworden. Er erwartet nach dem jetzigen Default bei der kommenden Umstrukturierung mehrere weitere Defaults, die den Gläubiger am Ende 65 bis 80% Verlust einbringen dürften. Aber das nur als Randnotiz.

Was meint ihr zum Buitervorschlag?

Das Wachstum, das keines war ... (US-BIP Q02-11)

Ich hatte in meinem Artikel zum US-BIP des zweiten Quartals schon auf die massiven Änderungen hingewiesen, die für die vergangenen Quartale vorgenommen wurden.

Angesichts dieser befiel mich schon eine gewisse Unlust, die aktuellen BIP-Zahlen für das zweite Quartal noch genauer zu analysieren. Was soll in den Details noch an verlässlicher Information stecken, wenn selbst schon einige Jahre zurückliegende und bereits mehrfach korrigierte Zahlen nochmal um satte 2,0 Prozentpunkte (z.B. von minus 6,9 auf minus 8,9%) nach unten korrigiert werden? (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: US BIP Q02-11: 1,3% (inkl. Details und massiver Abwärtskorrekturen)).

Auch das erste Quartal 2011 musste von einem Plus von 1,9 Prozent (finale Meldung) auf 0,4 Prozent nach unten korrigiert werden. Das zweite Quartal kam am Freitag mit einem Plus von 1,3%.

Dabei hatte ich auch noch eine Frage im Kopf, deren Antwort ich eigentlich selber finden wollte, was ich dann aber irgendwie vergessen habe ...

Was wird eigentlich aus dem Plus von 1,3%, wenn man es nicht mit dem neu errechneten Wert für das erste Quartal 2011 vergleicht (wie es offiziell gemacht wird), sondern mit dem ursprünglich errechneten?

Tjoah und die Antwort ist ganz einfach: Es wären nicht 1,3% Plus, sondern


0,6% Minus

gewesen.

Man sieht schön, wie unwichtig der Wert +1,3 ist, der eigentlich mit +1,8 erwartet wurde. Die Börse reagierte am Freitag schon heftig auf diese Verfehlung. Da will man besser gar nicht wissen, was passiert wäre, wenn sich herumgesprochen hätte, dass das zweite Quartal eigentlich ein rezessives war ... Zumindest wenn man die Zahlen als Maßstab anlegt, die bis Freitagmittag noch gültig waren ...

"Great Recession" Far Worse Than We Had Been Previously Told | Credit Writedowns

Update (2.8.11):

Alle Korrekturen zusammen ergeben übrigens folgenden Chart:

gefunden über Lukas Sustala

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