Das ging schnell: morgens war's noch Wanken, nachmittags eine Top-10Pleite

Ich recycle ausnahmsweise mal einen Beitrag aus meinem Zweitblog, der im Laufe des Tages eine dramatische Beschleunigung erfahren hat. An dieser Geschwindigkeit zeigt sich, wie unglaublich schnell in der Finanzwelt ein Vertrauensverlust zur Pleite führt.

Meinen ersten Hinweis habe ich gegen Mittag geschrieben und mein "und tschüss" kam dann noch viel schneller als selbst ich es erwartet hätte. Und jetzt los:

MF Global: Großer amerikanischer Börsenmakler wankt - egghat's not so micro blog

Das meldete die FAZ vor gut einer Stunde. Inzwischen hat die New York Fed nachgelegt und MF Global direkte Geschäfte mit der Fed untersagt. Ein größeres Misstrauensvotum gibt es wohl nicht, so dass ich für ein "und tschüss" plädieren würde ...

MF Global: Großer amerikanischer Börsenmakler wankt

Verspekuliert hat sich der vor allem im Devisen- und Derivatehandel aktive Broker anscheinend mit europäischen Staatsanleihen ...

Ziemlich lustig ist es (natürlich nur, wenn man selber nicht betroffen ist) in solchen Fällen immer, wenn man sich die Selbstdarstellung der Firma anschaut. Sehr schön im Fall von MF Global der aktuelle "Financial Overview (PDF)", in dem das "solide Risikomanagement" und die "Stärkung der Kapitalstruktur" herausgehoben werden.

"The firm’s liquidity position remains strong"
"Extremely liquid and high quality balance sheet"

Gnihihi.

Update (14:27):

Und schon beginnen die Spekulationen ... Ist MF Global nur der "Kanarienvogel in der Mine", sprich einfach nur der erste von vielen, der fällt?

Will other banks go the way of MF Global? | Felix Salmon

Update 2 (15:07):

Die Derivatebörsen CME und ICE haben die Zusammenarbeit mit MF Global eingestellt. Ohne Garantiegeber (siehe New York Fed Statement) kein neuer Handel mehr, nur noch Glattstellung bestehender Kontrakte.

Ich glaube, nirgendwo werden die Nägel so schnell in den Sargdeckel gehämmert wie an den Finanzmärkten. Ist das Vertrauen erstmal weg, zerlegen sich auch große Firmen in wenigen Tagen komplett ...

Update 3 (17:03):

Und ... Chapter 11. (bereits vor 1 Stunde).

Wow. Das ging schnell. Da wurde heute morgen noch darüber spekuliert, dass MF Global möglicherweise nicht mehr Wochen, sondern nur Tage für eine Rettung habe. Da mag man "Tage" noch für eine überdramatische Aussage gehalten haben. Und aus den "Tagen" wurde nicht einmal mehr ein ganzer Tag.

FT Alphaville » MF Global files for bankruptcy

Update 4 (17:08)

MF Global könnte es mit Assets von 61 Milliarden Dollar unter die 10 größten Pleitefälle aller Zeiten in den USA schaffen.

MF Global: Likely Among the 10 Biggest Bankruptcies Ever - Deal Journal - WSJ

Update 5 (17:34):

44 Mrd. Dollar Verbindlichkeiten bei 1,4 Mrd. Eigenkapital? Sagt mal, war das ein Broker oder ein Hedgefonds?!?

Warum zum Teufel darf eine solche Firma auf billiges Zentralbankgeld und die Einlagensicherung zurückgreifen? Das macht keinen Sinn. Nur für den volkswirtschaftlich sinnvollen Teil des Banksektors (Kreditvergabe, ergo Geldschöpfung) sollte die Zentralbank billiges Notenbankgeld zur Verfügung stellen, nicht für Hedgefonds im Tarnmantel eines Brokers und nicht für Hedgefonds, die sich als Investmentbank verkleiden ...
Ich weiss schon, warum ich für ein Trennbankensystem bin. Klar, löst das nicht einmal im Ansatz alle Probleme, aber es löst wenigstens einige. Vor allem schafft es die Basis, auf der man die anderen Probleme lösen kann, ohne dass man gleich einen Zusammenbruch der Kreditvergabe befürchten muss.

"This is a reminder of the wisdom of the Volcker Rule. Let gambling be done by those that cannot call on the Federal Deposit Insurance Corporation or the Treasury for a bailout, and by those that do not have access to low-cost insured deposits."

Weise Worte!

MF Global: Good Bets, Bad Timing? - NYTimes.com

Update 6 (18:00):

Uh, für das Glattstellen der Positionen hat man (zumindest teilweise) verdammt wenig Zeit. Bis zum Handelsschluss um genau zu sein ...


FT Alphaville » NY Fed suspends MF Global business [updated]



Update 7 (1.11.11):

Na, wird das möglicherweise noch zu einem Betrugsfall? Es fehlen angeblich 700 Millionen Dollar auf Kundenkonten. Es könnte sein, dass das nur Geld ist, das noch irgendwie in der Abrechnunngsqueue mit Partnerbanken steckt und noch eintrudelt. Es könnte aber auch sein, dass MF Global seine Liquiditätslöcher mit dem Zugriff auf Kundengelder gestopft hat. Was natürlich nicht erlaubt ist ...

FTD: Brokerhaus vermisst 700 Mio. Dollar an Kundengeldern

NYT: Regulators Investigating MF Global for Missing Money

Update 8 (02.11.11):

OK, doch noch ein Nachtrag, weil es ein eigentlich unfassbares Detail ist ... Das 6,3 Mrd-Dollar Portfolio in europäischen Krisenländeranleihen wurde natürlich außerhalb der Bilanz gehalten. Nicht einmal diesen Bauerntrick haben die Politiker verboten ...

FT Alphaville » MF Global and echoes of Repo 105

Und ach so: Der in Update 7 geäußerte Verdacht, dass MF Global mit Kundengeldern spekuliert hat, scheint sich zu konkretisieren. Das FBI hat Ermittlungen aufgenommen.

Verschwundene Millionen: FBI knöpft sich MF Global vor - Banken - Unternehmen - Handelsblatt

Update 9 (03.11.11):

Es gibt einen Fall, der von Einigen für ein weiteres MF Global gehalten wird. Zumindest nach den Informationen, die mir bisher vorliegen, halte ich das aber für eine Ente ...

Droht mit Jefferies ein MF Global Nummer 2? - egghat's not so micro blog



Warum beteiligt sich die EZB nicht am Haircut?

Gute Frage, die ich auch nicht beantworten kann.

Wenn die EZB die Griechenbonds zu Marktpreisen gekauft hat, sollten die Verluste nicht so wahnsinnig hoch sein, da deutlich unter den Nennwerten eingekauft wurde (genaueres weiss man leider nicht, weil die Aufkäufe der EZB völlig intransparent sind).

Ich finde es aus - auch aus dem Aspekt der Solidarität - ziemlich verblüffend, dass sich der private Sektor beteiligen muss (auch wenn das freiwillig genannt wird), die EU für sich selber aber dankend ablehnt.
Die Notkredite würde ich davon ausnehmen, denn diese werden ja schon deutlich unter den Marktzinsen verzinst. Aber bei den Anleihen auf der vollen Zinszahlung und der vollen Rückzahlung zu bestehen, ist schon ziemlich komisch.

So komisch, dass ich schon darüber nachdenke, welch merkwürdige "Fügung" dazu führen wird, dass sich das noch ändert ...

Wird die freiwillige Beteilung des Privatsektors nicht erreicht werden und die EZB packt dann ihr Paket mit dazu und rechnet das mit ein, damit die Mindestannahme doch erreicht wird?

Wird eine Bank von einem Aktionär verklagt, weil der Bank einer freiwilligen Schuldenreduktion zustimmt, während andere große Gläubiger dankend ablehnen? Darf ein Vorstand einem so schlechten, weil einseitigen Deal überhaupt zustimmen? Wenn dann noch eine Aufstockung des Eigenkapitals und die zwangsläufige Verwässerung der Altaktien ins Spiel kommt, dürften einige Aktionäre ziemlich sauer sein und solche Klagen könnten durchaus kommen.

Irgendwie glaube ich noch immer, dass wir irgendwie auch eine Beteiligung der EU am Griechenland Haircut sehen werden. Nicht nur, weil ich das immer prophezeit habe und unbedingt Recht behalten will ;-)

ekathimerini.com | ECB’s double standards

Update (15:52):

Die aktuellen Kurse der griechischen Staatsanleihen (trotz der Erholung weit unter der Hälfte des Nennwerts) und die weiterhin hohen Preise für CDS lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Der Markt preist ganz klar einen weiteren Schnitt ein. Der dann möglicherweise nicht mehr freiwillig ist und alle betrifft, auch die EZB. Wer den Politikern glaubt und die Umschuldung von heute für die letzte hält, müsste alles was er hat, in Cash umwandeln und davon die Griechenlandanleihe kaufen, die bis Februar Mai 2012 2010 (also gerade einmal 4 7 Monate) läuft. Das Teil kostet heute nur etwas mehr als 52 Prozent Euro, wäre also bei vollständiger Tilgung ein Verdoppler in 4 7 Monaten ..

Update 2 (16:22):

Schuldenkrise: Deutsche glauben nicht an Euro-Rettung | FTD.de

Nicht nur die Deutschen glauben nicht, möchte man beim Blick auf die Börsenkurse sagen ...

Ungleichheit macht arm, die Zweite

heute mal als Video.

Ich hatte das Thema schon mal (LÄNDER MIT GROSSEN EINKOMMENSUNTERSCHIEDEN WERDEN ... ÄRMER), aber da ich aktuell etwas kränkle, scheue ich mich heute nicht, das Thema einfach noch mal zu verlinken ...

Da ich den TED Vortrag jetzt lange genug mies gemacht habe, weise ich darauf hin, dass das Thema in diesem Vortrag in vielen Facetten ausgeleuchtet wird, die allesamt interessant sind. Das lohnt sich also doch. Und wem es zu langweilig ist oder wer zu wenig Zeit für ein Video mit 16 Minuten Laufzeit hat, der bekommt noch ein Zitat als Appetithäppchen.

"If Americans want to live the American dream, they should go to Denmark."

Kann man in Diskussionen immer gut gebrauchen ...



Und dann noch mein täglicher ungefragter Tipp an die Piraten: Skandinavien gibt in vielerlei Hinsicht sehr gute Hinweise, wie eine Gesellschaft aussehen kann. Transparent, sozial, solidarisch, aber trotzdem wettbewerbsfähig und reich. Das "trotzdem" gibt es einfach nicht, wenn man es richtig macht.

Vielen Dank an MTaege für den Hinweis.

Update (26.10.11):

Gut, dass ich gestern Abend nicht versucht habe, mehr zu schreiben. Schon die Überschrift ist ja totaler Quark :-( Ungleichheit senkt die Lebenserwartung hätte viel besser gepasst ...

1.318 Firmen kontrollieren 80% der Weltwirtschaft

Ein Kern von nur 147 Firmen schon 40%.

Das war das Posting, das die neue Oberfläche (ohne Autosave, sagt mal, tickt ihr noch ganz richtig bei Google? Der Editor hatte immer Autosave. Macht wenigstens einen Bestätigungsdialog vor's "Schließen" und werft den Entwurf nicht kommentarlos weg. Grrr.) am Freitagabend gefressen hat. Wer mir auf Twitter folgt, wird den Fluch-Tweet gesehen haben ...


(Speichern drücken)

Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat sich die größte Datenbank mit Firmeninformationen der Welt (Stand 2007) genommen und daraus die Beteiligungsverhältnisse gezogen. Die Firmen, die keine Beteilungsverhältnisse über Landesgrenzen hatten, fielen als irrelevant aus der Untersuchung. Von 37 Millionen Datensätzen in der Rohversion blieben so gut 43.000 übrig.

Dann wurde versucht, die teilweise gegenseitigen Beteiligungsverhältnisse auseinanderzuziehen, wieder zu aggregieren und zu sortieren. Dabei gibt es eine auffällige Ballung der Macht:

147 Firmen kontrollieren 40% der internationalen Beteiligungen.
1.318 Firmen schon ganze 80% (20% davon sind übrigens untereinander)

(Speichern drücken)

Die restlichen 41.700 tun also kaum was zur Sache (und die anderen 37 Millionen wohl eh nicht).

Ich bringe die Zahl auch nach dem Wegkrachen des Artikels nochmal, weil ich so bemerkenswert finde. So bemerkenswert, dass mir auch die Erwähnung in Alternativ Folge 20 nicht ausreicht, den ich im übrigen sehr empfehlen möchte (auch wenn das bereits oft genug gemacht wurde ...)

http://alternativlos.org/20/

(Speichern drücken)

Die Liste ist ziemlich interessant, denn sie wird fast ausschließlich von Finanzfirmen beherrscht. Auf den ersten Blick finde ich nur zwei Firmen, die aus der Realwirtschaft kommen: Auf Platz 15 Walmart und auf Platz 50 China Petrochemical. Der Rest stammt aus der Finanzbranche, der größte Teil aus dem englischsprachigem Raum. Goldman Sachs liegt interessanterweise erst auf Platz 18, hinter der Deutschen Bank auf Platz 12. Der zweite Kandidat aus Deutschland ist die Allianz auf Platz 28. Die UBS liegt übrigens auf Platz 9, erster ist die britische Bank Barclays.

(Speichern drücken)

Jetzt mögen die Beteiligungsverhältnisse kein guter Indikator für die Machtverhältnisse sein.

Ob die kleinen Beteiligungen, die die Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften als Vermögensverwalter natürlicherweise an jeder Menge von Unternehmen halten (Risikostreuung), wirklich einen zu starken Einfluss auf die Realwirtschaft manifestieren, ist schwierig zu sagen. Aber das ist meiner Meinung nach auch nicht der entscheidende Punkt.

Auch ist die Anzahl der Firmen wohl zu groß, um über Probleme zu sprechen, wie sie üblicherweise von Monopolen oder Oligopolen ausgehen.

Entscheidender ist folgendes: 48 der 50 Firmen verfügen über bestimmte gemeinsame Interessen. Und genau diese gemeinsamen Interessen scheinen mir die Klippen zu sein, an denen Regulierungsmaßnahmen zerschellen. Das können wir in der aktuellen Krise gut beobachten.

(Speichern drücken)

Ein anderer Punkt auf den die Wissenschaftler (Systemtheorethiker) hinweisen: Systeme, mit einer so großen Konzentration sind tendenziell instabil. Und auch das lässt sich aktuell gut beobachten.

Leider.

Revealed – the capitalist network that runs the world - physics-math - 19 October 2011 - New Scientist

(Veröffentlichen drücken. Puh geschafft)

Update (24.10.11):

Ha, ein Dupe mit dem Blicklog. Hatte ich auch noch nicht ....

Dort gab es den Hinweis auf die Studie schon vor zwei Monaten ...

Danke an Mathias Täge für den Hinweis. Eigentlich hat er die Studie "entdeckt", Dirk Elsner vom Blicklog hat den Hinweis damals auch von ihm bekommen.

Neue Studie der ETH Zürich über die einflussreichsten Unternehmen der Welt bestätigt große Machtkonzentration in wenigen Händen

Groupon hat den Börsengang geschrumpft ...

Ich hatte mich ja sehr skeptisch geäussert, als die ersten Zahlen zum Börsengang von Groupon vor gut vier Monaten bekanntgegeben wurden. Die Bilanz war mit so viel heisser Luft versehen wie ich es seit der Internetblase 1.0 nicht mehr oft gesehen habe und der angestrebte Börsenwert von 20 bis 30 Milliarden Dollar erschien mir viel zu hoch (siehe GROUPON: FINGER WEG!).

Wegen der (auch von mir im Artikel oben) kritisierten "offensiven" Bilanzierung mit Fantasieparametern bekam Groupon Ärger mit der der US-Börsenaufsicht SEC und musste zweimal den Börsenprospekt korrigieren (GROUPON BÖRSENPROSPEKT ZUM ZWEITEN MAL ABGELEHNT). Kurz danach änderte Groupon die Bilanzierung der Einnahmen und verbuchte jetzt nur noch den Teil der Einnahmen als Umsatz, der auch bei Groupon verbleibt und nicht auch zusätzlich den Teil, der sowieso an den Partner weitergeleitet wird). Dadurch halbierte sich der gemeldete Umsatz in etwa (siehe Groupon ändert Buchhaltung - Umsatz halbiert). Zwischenzeitlich wurde sogar über ein komplettes Scheitern des Börsengangs spekuliert. Für einen Vertrauenszuwachs hat das alles natürlich nicht gerade gesorgt ...

Nun ist nach dem lang dauernden Zeitraum mit Schweigepflicht, der sich ein Unternehmen im Vorfeld eines Börsengangs unterwerfen muss, endlich wieder was Konkretes an die Öffentlichkeit gekommen. Wobei das nicht wirklich offiziell ist, bislang gibt es nur eine Meldung des Wall Street Journals.

Erstens hat sich die Anzahl der Aktien, die verkauft werden soll, deutlich verringert. Es sollen nur noch 10% der Aktien an die Börse gebracht werden.
Zweitens hat Groupon die Bewertung deutlich reduziert. Statt 15 bis 20 Milliarden Dollar (teilweise waren sogar 30 Mrd. im Gespräch) werden jetzt "nur" noch "weniger als 12 Mrd. Dollar" angestrebt.

Jetzt sind 12 Mrd. Dollar immer noch viel. Zu viel? Schwierig zu sagen. Ich habe schonmal geunkt:
"Wenn Groupon immer noch 15 oder 20 Mrd. Börsenkapitalisierung erreichen möchte, muss Groupon wohl erst mal liefern: 3 Mrd. Jahresumsatz müssen darstellbar sein und gleichzeitig ein deutlich sinkender Verlust."
Für das erste Halbjahr 2011 hat Groupon 688 Millionen Dollar Umsatz und 204 Millionen Verlust gemeldet. Die Marge hat sich also verbessert, ist aber immer noch tiefrot. Der Umsatz für das Gesamtjahr könnte auf 1,6 bis 1,8 Mrd. Dollar steigen. Das ist noch ein ganzes Stückchen von dem weg, was ich für die 15 bis 20 Mrd. Börsenwert "verlangt" habe. Allerdings sind die 12 Milliarden Börsenwert auch ein ganzes Stückchen von den 15 bis 20 weg ...

Die Aktie ist damit alles andere als preiswert, allerdings auch nicht mehr so krass überteuert wie am Anfang. Ich für meinen Teil würde auf jeden Fall die Veröffentlichung der Zahlen für's dritte Quartal abwarten, die dürften vor dem Börsengang ja noch fertig werden. Zeigt sich dann ein weiter steigender Umsatz und vor allem sinkender Verlust, könnte der Börsengang durchaus ein Erfolg werden. Und sei es nur, weil durch die Börseneinführung von nur 10% des Grundkapitals das Angebot extrem knapp gehalten wird. Platt könnte man sagen: Groupon wird schon genügend Dumme finden ... Es müssen dank der reduzierten Aktienanzahl ja auch nicht mehr sonderlich viele sein ...

Groupon Scales Back IPO - WSJ.com

Update (09:56):

Die Investmentbanken (Goldman Sachs, Morgan Stanley und Credit Suisse) haben sich bei Groupon möglicherweise ganz schön in die Nesseln gesetzt, denn die sollen sich zu deutlich höheren Bewertungen an Groupon beteiligt haben als Groupon jetzt plant. Das ist ein üblicher Deal: Man beteiligt sich an der Firma zu optimistisch hohen Bewertungen, signalisiert damit der Firma den späteren Börsenwert und bekommt dafür im Gegenzug das Recht, die Börseneinführung durchzuführen.

Da eine Börseneinführung sehr teuer ist und die Investmentbanken damit eine Menge Geld verdienen, ist es für diese nicht so dramatisch, wenn sie beim vorbörslichen Einstieg etwas zu viel Geld bezahlen. Es sollte nur nicht viel zu viel sein ...

Übrigens ist der Börsengang, so wie er bisher verlief, natürlich auch kein Ruhmesblatt für die beteiligten Investmentbanken. Allein die Unterlagen mehrfach einreichen zu müssen, ist wenig professionell ...


Groupon's Red Flags Were Missed -- Sorkin - NYTimes.com

Update 2 (22.10.11):

So nun sind auch die genauen Daten raus.

30 Millionen Aktien zu 16 bis 18 Dollar je Stück. Erlös damit 480 bis 540 Millionen Dollar. Dazu kommt ein Greenshoe (Aktien, die bei großer Nachfrage zusätzlich verkauft werden können), der weitere 4,5 Millionen Aktien groß sein kann.

Die Börsenbewertung, die sich aus dem Kurs von 16 bis 18 Dollar ergibt, liegt bei 9,6 bis 10,8 Mrd. Dollar, also noch mal niedriger als oben beschrieben. Bei knapp 600 Millionen Aktien werden gerade einmal 5% des Aktienkapitals an die Börse gebracht. Hier wird also ganz klar das Angebot knapp gehalten, um die Fantasie hoch zu halten ...

Was sagen die Zahlen des dritten Quartals, die im Filing an die SEC ebenfalls gemeldet wurden?

Umsatz im dritten Quartal 2011: 430 Millionen Dollar, davon 161 Millionen aus Nordamerika und 269 aus internationalen Märkten. Im zweiten Quartal waren es noch 393 Millionen Dollar Umsatz. Kein Wunder, dass Groupon gerne mit dem Vorjahresquartal vergleicht und dicke dreistellige Wachstumsraten (+426%) ausweist: Die knapp 10% sind auf Quartalsbasis zwar immer noch gut, aber eben doch viel, viel weniger als die Jahresrate. Groupon wächst also organisch (sprich wenn nicht dauernd neue Märkte dazukommen) auch nicht mehr so dolle. Das ist ein klares erstes Warnzeichen.

Bei einer so stark zurückgehenden Wachstumsrate frage ich mich sofort, woher das Wachstum kommt. Also mal wieder fett recherchierend in die Bilanzen von Groupon getaucht und siehe da: Umsatz North America im zweiten Quartal 2011: 157 Millionen. Die 161 Millionen für das dritte Quartal stehen ja schon oben. Huch? Der nordamerikanische Markt scheint schon so saturiert zu sein, dass Groupon dort nur noch mit 2,5% pro Quartal wächst! Warnzeichen Nummer 2.

Das kann natürlich viele Gründe haben:

Die Kunden sind unzufrieden und bleiben nicht bei der Stange. Die durchschnittliche Anzahl von Deals pro Kunde sinkt in den USA auf jeden Fall schon seit einigen Quartalen.
Die Händler sind unzufrieden und merken, dass sie mit Kupons mit Megarabatten keine Kunden gewinnen können. OK, einmalig schon, aber beim ersten Mal zahlt der Händler drauf. Und ein zweites Mal, dann mit positiver Marge, gibt es halt oft genug nicht.
Vielleicht steigt aber auch einfach nur der Wettbewerbsdruck, zum Beispiel durch ds Konkurrenzangebot Google Local.
Am wahrscheinlichsten ist eine Mischung aus all diesen Gründen.

Warnzeichen Nummer 3: Die Bruttoumsätze (also inkl. des Teils, der nur weitergeleitet wird) wuchsen deutlich stärker als die Nettoumsätze. Zwar weist Groupon den Bruttoumsatz (nach dem Einschreiten der SEC) nicht mehr als den "wahren" Umsatz aus, allerdings deutet das möglicherweise auf eine kräftig sinkende Marge hin. Konkret: Im dritten Quartal 2011 blieben von 1,157 Milliarden Dollar Bruttoumsatz 430 Millionen bei Groupon hängen. Das sind 37%. Im zweiten Quartal waren es noch 393 Millionen von 878 Millionen, also knapp 45%.

Hier könnte sich mit Hauptkritikpunkt aus dem ersten Artikel bewahrheiten. Groupon hat ein Geschäftsmodell, das nicht unbedingt auf ein natürliches Monopol hinausläuft (wie zum Beispiel Versteigerungen). Es kann am Ende von allen Firmen angegriffen werden, die bereits gute Verbindungen zu Anzeigenkunden/Verkäufern und zu den Kunden/Käufer haben. Das sind am Ende alle Medien, ob online oder offline: Lokalzeitungen, Zeitschriften, Google, Facebook, Microsoft (Bing), Gelbe Seiten, ...
Groupon führt den Margenrückgang auf die Erschließung niedrigmargiger Kanäle zurück. Das hört sich irgendwie temporär an, ich fürchte aber, dass Groupon generell Margenprobleme bekommen könnte. Das verschlechtert natürlich die langfristigen Aussichten für Groupon deutlich.

Groupon hatte Ende des dritten Quartals 244 Millionen Dollar Cash. Das hört sich erstmal schön an, ist am Ende aber verdammt wenig. Denn Groupon leitet das Geld an seine Händler erst mit einer Verzögerung weiter. Die Bedingungen sind leider ziemlich intransparent. In den USA erfolgt die Auszahlung zum Beispiel in mehreren Raten, die vollständige Auszahlung erfolgt "üblicherweise" innerhalb von 60 Tagen. In Europa wird der Kupon frühestens bezahlt, wenn er eingelöst wird. Schätzen wir einfach mal eine durchschnittliche Verbleibedauer von 30 Tagen.

Jetzt nehme man nochmal die Zahlen von oben: 1,157 Mrd. Dollar Bruttoumsatz, 430 Millionen davon bleiben bei Groupon. 727 Millionen Dollar, die eigentlich den Händlern gehören, sind im Quartal über die Konten von Groupon geflossen. Teilt man jetzt die Quartalslänge durch die (geschätzten) 30 Tage Haltedauer, kommt man auf 242 Millionen Dollar, die Groupon im Schnitt auf den eigenen Konten liegen hat, obwohl das Geld den Händlern gehört. Die 244 Millionen Cash, die Groupon ausweist, gehören also eigentlich nicht Groupon, sondern den Händlern. Das ist meine Überschlagsrechnung ...

Und die ist positiv ... Denn in der Bilanz weist Groupon sogar 465 Millionen Dollar aus, die den Händlern ausgezahlt werden müssen ("Accrued merchant payable", Seite F49). Das ist fast das Doppelte des Bargeldbestands.

Jetzt versteht man so langsam, warum Groupon auch bei der deutlich gesenkten Bewertung den Börsengang durchziehen will. Die brauchen das Geld aus dem Börsengang dringendst, die Frage ist nur, ob man öffentlich (an der Börse) oder intern (Venture Capital) neues Geld einsammelt. Groupon macht daraus auch kein Geheimnis, im Teil Cash Flow werden die permanenten Kapitalerhöhungen der Vergangenheit zur Finanzierung der laufenden Verluste detailliert beschrieben.

Eines muss man aber positiv erwähnen: Der Verlust ist im dritten Quartal deutlich gesunken. Zu den 253 Millionen aus dem 1. Halbjahr sind "nur" 55 Millionen Dollar im dritten Quartal hinzugekommen. Grundsätzlich sieht man also, dass Groupon profitabel werden kann. Groupon fährt die (exorbitant hohen) Marketingausgaben zurück und schafft dann im Gegenzug einen Gewinn. Nur wächst Groupon dann auch nur noch im Schneckentempo und muss mit sinkenden Margen leben.

War ich gestern noch ganz vorsichtig positiv (unter dem Vorbehalt, dass ich das dritte Quartal noch nicht kannte), würde ich das heute wieder deutlich korrigieren. Selbst bei dieser deutlich reduzierten Börsenbewertung sind mir die Aussichten zu vage. Eine Firma, die 3 Milliarden Dollar Umsatz einfährt, dabei noch kräftig wächst (25% im Jahr) und eine schöne positive Marge von mindestens 20% einfährt, sehe ich nicht. Und solche Zahlen bräuchte Groupon, um 15 oder 20 Milliarden wert zu sein. Ob sie 10 Milliarden wert ist? Mag gut sein. Nur brauche ich mir dann keine Gedanken über den Kopf der Aktie zu machen. Wo soll denn da das Kurspotenzial her kommen?

Groupon muss bei Börsenplänen Rabatt einräumen | Märkte | Reuters

SEC: Groupon S1 21.10.2011 (3. Quartal)
SEC: Groupon S1  23.09.11 (2. Quartal, 3. Version)

Update 3 (23.10.11):

Henry Blodget (uh) mit der Gegenmeinung:

HEY, GROUPON HATERS, ANALYZE THIS: Groupon Breaks Even In Q3

Er hat damit natürlich Recht, denn Groupon kann profitabel sein und wird es auch werden. Die Marketingausgaben sind einfach so hoch, dass eine Streichung hier schon automatisch zu Gewinnen führen wird. Nur verpasst er damit den Knackpunkt: Groupon wächst nach Einschränkung der Marketingausgaben kaum noch. Und für die Frage, ob Groupon jemals so profitabel werden kann, dass der Börsenwert gerechtfertigt ist, gibt das auch keine Hinweise.

Die Märkte haben PERMANENT schlechtere Ratings angezeigt als Ratingagenturen

Ich möchte darauf nur gerne nochmal hinweisen! Weil gerade mal wieder über das Verbot von Länderratings diskutiert wird ...

Die Märkte haben eigentlich in der gesamten Krise

SCHLECHTERE

Ratings angezeigt als die Ratingagenturen. Das gilt sowohl für die Kreditausfallversicherungen als auch für den normalen Anleihemarkt, wo man das über den Zinsunterschied von wirklichen AAA Ländern (Norwegen, mit Einschränkungen Deutschland) und den Krisenländern ablesen kann.

Ein aktuelles Beispiel: Frankreich, überall (noch?) Triple A.

Zinsaufschlag zu Deutschland 114 Basispunkte, bei etwa 2% Zinsen in Deutschland sind das immerhin über 50% mehr ...
Auch bei den Kreditausfallversicherungen wollen die Versicherungen etwa doppelt so hohe Prämien für Frankreich sehen (etwa 185 Basispunkte) wie für Deutschland (knapp 90 Basispunkte). Bei 90 Basispunkten könnte man schon beginnen, am deutschen AAA Rating zu zweifeln, im Fall von Frankreich lohnt die Diskussion aber gar nicht. Etwa 100 Basispunkte Abstand bei CDS und Anleihen sind einfach kein AAA mehr.

Oder Belgien:

Rating bei den großen Agenturen: AA+, sprich das zweitbeste Rating direkt unterhalb von Triple-A.

CDS: knapp 300 Bp, Renditeabstand der 10-jährigen Staatsanleihen: 235 Basispunkte.

Tschuldigung, aber das ist alles andere als ein zweitbestes Rating.

Bis zum Juli musste nicht einmal Italien mit seinem einfachen A-Rating solche Aufschläge zahlen! Das implizite Rating von Belgien ist also eher ein einfaches als ein zweifaches A.

Lieber Politiker, wenn ihr wirklich glaubt, dass die Ratingagenturen die Kurse der Staatsanleihen nach unten treiben ... Ihr irrt euch. Die Märkte machen das viel früher und viel effizienter. Die Ratingagenturen vergeben tendenziell zu gute Noten. Auch in der Finanzkrise 2.0 ...

Der Verbot von Ratings auf Staatsanleihen ist genauso nutzloser Unfug wie der Verbot von nackten CDS und der Verbot der Leerverkäufe von Bankaktien. Die Bankaktien sind vor dem Verbot der Leerverkäufe gefallen und nachher auch. Die Staatsanleihen sind vor dem Verbot der Naked CDS gefallen und nachher auch. Und der Verbot der Länderratings wird genauso viel bringen: Nämlich NICHTS.

Wenn ihr sinkende Kurse von Staatsanleihen verhindern wollt, müsst ihr den Verkauf verbieten oder Zwangskäufe befehlen. Das würde wenigstens wirken ...


Vorschlag der EU: Macht euch unabhängig von Ratingagenturen! | FTD.de

Die ganzen Argumente meines etwas zu rantigem Artikel von gestern Abend will ich nicht wiederholen. Ist ja auch egal, die Politiker lesen das hier eh nicht. Und machen lieber weiter - wie die ganzen drei Jahre nach Lehman - Symbolpolitik als irgendwas Wirksames. Und verschwenden weiter wertvolle Zeit.
Erinnert sich noch jemand an Too-Big-To-Fail als einer der Hauptgründe für die Krise 1.0? Und was ist danach passiert? Nichts. Im Gegenteil: Nicht nur in den USA sind die Banken durch Zusammenschlüsse heute noch größer als vor der Krise und auch in Deutschland hat es mit dem Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank einen großen Schritt in die falsche Richtung gegeben.


Umstrittene Bewertungen: EU will Länderratings verbieten | FTD.de - egghat's not so micro blog

Die Bad Bank der HRE braucht nochmal 19 Milliarden Euro

Passt op!

Im den ersten zwei Quartalen nach der Gründung der FMS (der Bad Bank der Hyporealestate) wurden ein paar Verluste gemeldet, weil Vermögensgegenstände abgeschrieben werden mussten. Mit den Abschreibungen wollte man kurz danach aber fertig sein, weitere Verluste drohten nicht, das Eigenkapital sei ausreichend, so die FMS. Das Dumme ist nur, dass diese Aussage nicht nur am Anfang kam, sondern auch heute noch kommt :-( Und wir sind bereits zwei Quartale weiter ...

Das Eigenkapital von 3,8 Milliarden, das die FMS bei der Gründung mitbekommen hat, ist nach den ganzen Abschreibungen bis Ende 2010 auf nur noch 800 Millionen geschrumpft.

Nun kommt der Bericht für das erste Halbjahr 2011: 690 Millionen Verlust. Auslöser: Gut 800 Millionen Abschreibungen auf Anleihen von und Kredite an Griechenland.

Toll! Wahnsinn! Jetzt hat die FMS noch satte 110 Millionen Euro Eigenkapital, also so gut wie nichts. Wenn auch die noch verdampfen sollten, ist die Bank eigentlich pleite. Eigentlich ist also die nächste Aufstockung fällig ...

Es kommt aber noch toller: Die FMS hat nämlich nur die griechischen Anleihen mit einer Laufzeit bis 2020 abgewertet und das auch nur um 21%! Und bereits das brachte Abschreibungen von 800 Millionen Euro. Wenn die FMS auf Marktwerte (40% des Nennwerts) abgeschrieben hätte, wäre nochmal das Doppelte (1,6 Mrd. Euro) nötig gewesen. Dann wäre das Eigenkapital bereits fies negativ ...

(1) 110 Mio. vorhandenes EK - 1,6 Mrd. Abschreibung = minus 1,5 Mrd. Euro EK.

Zu dieser Summe kommt jetzt noch die Griechenlandanleihen, die länger laufen als 2020. Leider weiss man über das genau Volumen nichts, weil die FMS wie alle Banken so detaillierte Einblicke in die eigenen Bücher nicht zulässt.

Man kann aber schätzen, wie viele Griechenbonds mit Fälligkeit nach 2020 in den Büchern liegen. Das Volumen der 21%igen Abschreibungen auf die Anleihen bis 2020 macht 800 Millionen aus. Es wurden also auf knapp 4 Milliarden Euro Nennwert 21% abgeschrieben.
Die HRE meldet insgesamt 8,8 Milliarden Volumen bei den Griechenlandkrediten. Mehr als die Hälfte der Griechenland müssten also länger laufen als 2020 laufen und wurden daher noch nicht abgeschrieben. Auch hier müssten etwa 60% aus den Nennwert angesetzt werden, was bei (ausnahmsweise mal aufgerundeten) 5 Milliarden 3 Milliarden Euro Abschreibungen für die längerlaufenden griechischen Anleihen ergibt. Zu den 1,5 Milliarden-EK-Loch aus (1) kommen als nochmal 3 Milliarden, wenn auf Marktpreise abgeschrieben würde.

(2) Minus 1,5 Milliarden Euro Eigenkapital - 3 Mrd. Euro Abschreibungen = minus 4,5 Milliarden Euro EK-Loch.

Bis hierhin geht es nur um den Ausgleich des negativen Eigenkapitals, also um eine Eigenkapitalquote von 0%. Sowas reicht natürlich nicht aus ... Und passt auch gar nicht zu den Forderungen der Politiker, die höhere Eigenkapitalquoten für die Banken fordern.

Würde man die FMS wieder mit einer Eigenkapitalquote von 2,1% wie am Anfang ausstatten (3,8 Mrd. EK bei 175 Mrd. Bilanzsumme), bräuchte man bei einer aktuellen Bilanzsumme von 160 Mrd. Euro 3,36 Mrd. Euro.

(3a) -4,5 Mrd. - 3,36 Mrd. => 7,9 Mrd. Euro.

Geht man hin und fordert für diese staatliche Bank einfach mal die 9%-EK-Quote, die der Staat aktuell gerne von den anderen Banken hätte, wird es noch viel mehr, nämlich 14,4 Mrd. Euro.

(3b) -4,5 Mrd. - 14,4 Mrd. => 18,9 Mrd. Euro bei 9% EK-Quote.

Holla. Auf den ersten Blick erscheinen knapp 19 Milliarden EK-Nachschub ganz schön viel und vielleicht auch unrealistisch. Und man kann sicherlich auch vieles an dieser Überschlagsrechnung kritisieren (z.B. habe ich die Bilanzsumme nur auf die schlechten Assets bezogen, die eigentlich Bilanzsumme ist höher, aber daraus würde eher ein noch höherer Kapitalbedarf folgen. Auch habe ich einfach fixe 9% EK-Quote angenommen, aber bei einer Bad Bank würde ich vermuten, dass die Qualität der Assets so schlecht ist, dass bei einer EK-Gewichtung nach Basel 2 eher mehr als 9% EK herauskommen würde, weil viele Assets so schlecht sein dürften, dass diese mit deutlich mehr als 100% des normalen EK hinterlegt werden müssten).

Zum Plausibilitätscheck hilft vielleicht am einfachsten ein Blick in die Bilanz der HRE ... Eine aktuelle gibt es zwar (noch) nicht, aber die von Ende 2010 findet sich im Netz (http://www.fms-wm.de/files/110615_gb_2010_fms_german.pdf).  Und da muss man gar nicht zu tief in die Details eintauchen. Zum Beispiel findet man auf Seite 95 24,4 Milliarden Euro unterlassener Abschreibungen. Also Wertgegenstände, die an der Börse niedriger notieren als in den Büchern, die aber trotzdem nicht abgeschrieben wurden, weil dieser Verlust als "temporär" gewertet wird. Upps.

Ich fürchte, die FMS hat so viel Schrott in den Büchern, das selbst eine großzügige Eigenkapital-Ausstattung mit 9%-EK-Quote heute sich in der Zukunft noch als zu gering entpuppen könnte ....

Bad Bank der HRE mit neuen Millionenverlusten | tagesschau.de

Und was sagt die FMS dazu? "Wir freuen uns über die positive Entwicklung". Na dann ist ja alles gut ...

FMS Wertmanagement | Aktuelles

FrAAAnkreich wackelt (und damit auch der EFSF) ...


Die CDS zeigen es schon seit Wochen an, schön in Chartform heute mal bei FT Alphaville:

FT Alphaville » Eventually, French Spreads Fail (E.F.S.F.) — redux

Darin auch ein schönes neues Wortspiel für die Abkürzung EFSF: Eventually, French Spreads fail.
Die Abstände, die die französischen CDS zu den deutschen aufweisen, sind nicht mehr komisch ... Die CDS auf Frankreich (etwa 190) kosten etwa doppelt so viel wie auf Deutschland (etwa 90).

Wer den CDS Märkten nicht traut, kann sich an den Renditen der Anleihen orientieren. Aber auch hier gibt es kein schönes Bild ... Im Chart die Entwicklung des Renditeabstands zwischen der zehnjährigen Anleihe Frankreichs und der Bundesanleihe Deutschlands:



Heute ging der Abstand zum allerersten Mal über 100 Basispunkte, genauer auf

107 Basispunkte.

Die Bundesanleihe bringt 2,03%, die französische 3,10% Rendite. Im Fall Frankreich stimmen Anleihe- und CDS-Märkte in ihrer Einschätzung also überein.

Zahlungswürdigkeit: Frankreichs Top-Rating bedroht - Wirtschaft - FAZ
Gefährdetes Top-Rating: Französische Risikoprämien auf Rekord | FTD.de

Der Grund für die heutigen Bewegungen: Moody's hat das Aaa-Rating von Frankreich bestätigt. Was natürlich nicht der Auslöser sein kann ... Moody's hat in der Bestätigung des Ratings angekündigt, diese Entscheidung in drei Monaten wieder zu überprüfen. Bereits in einem Quartal könnte das Aaa mit einem negativen Ausblick versehen werden (oder gar ganz verloren gehen). Gründe für diese schnelle Überprüfung gibt es (laut Moody's) einige:
  • Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum in Frankreich haben sich deutlich verschlechtert.
  • Die französische Regierung verfügt nicht mehr über genauso große finanzielle Möglichkeiten zur Konjunkturankurbelung wie 2008.
  • Der Schuldenstand (in Prozent des BIPs) gehört zu den höchsten aller Triple-A-Länder
  • Stützmaßnahmen für die französischen Banken könnten nötig (und teuer!) werden, wenn der Haircut von Griechenland zu hoch wird.
Die gesamte Begründung von Moody's:

FT Alphaville » Moody’s is peering at France’s Aaa outlook

Das französische Triple-A-Rating ist deshalb so wichtig, weil mit einer Herabstufung Frankreichs die ganze Stabilitätsfazilität (ich sage immer Fonds, aber eigentlich steht das letzte F in EFSF für Fazilität) wackelt. Der EFSF ist in der ganzen Konstruktion darauf ausgerichtet, Anleihen mit einem AAA-Rating aufzulegen. Dadurch soll ein niedriger Zins sichergestellt werden. Entscheidend ür das gute Rating sind die Garantien der unterstützenden Länder. Weil nicht alle Länder ein Aaa-Rating besitzen, kann der EFSF nicht sein komplettes Garantievolumen weiter verleihen, sondern nur einen Teil davon. Für zusätzliche Sicherheit sorgt ein 20%iger Sicherheitspuffer, was die Summe der möglichen Kredite abermals reduziert. Aus dem 750 Mrd. EFSF Bruttovolumen wurde so schnell eins, das effektiv nur noch bei 440 Mrd. Euro lag.

Diese ganze Konstruktion ist hinfällig, wenn Frankreich als zweitgrößter Garantiegeber sein Aaa verlieren würde. Dann müssten entweder die deutschen Garantien weiter steigen oder aber der EFSF eine Ratingstufe niedriger fallen.

Update (22:05):

Der Abstand ist im Laufe des Tages übrigens noch etwas größer geworden. Es waren zum Börsenschluss 112 Basispunkte. Das war der größte Spread seit 19 (!) Jahren (siehe Chart bei FT Alphaville).

Ein Analyst überlegt, ob die französischen Anleihen besonders unter der Konkurrenz durch die neuen Anleihen des EFSF und ESM leidet. Immerhin spielen diese neuen Anleihen in der gleichen Liga zwischen AA und AAA, in der auch Frankreich spielt. Wenn man liquide und AAA in der Eurozone will, muss man deutsche Staatsanleihen kaufen.

FT Alphaville » French bond blow-out, chart du jour [updated]

Durchschnittseinkommen an der Wall Street vs. New York

Wow! Was'ne Grafik!

Ich kann in diesem Posting nicht viel Kontext hinzufügen, aber die Grafik spricht auch wirklich für sich ...


Der durchschnittliche Angestellte an der Wall Street verdient mit 361.000 Dollar fast sechsmal so viel wie der durchschnittliche Angestellte in New York City, der außerhalb der Wall Street arbeitet (66.000$).

Ich hänge diesen Artikel mal ziemlich hoch in mein Hauptblog, weil erstens der Unterschied extrem ist und zweitens nicht aus irgendeiner obskuren Quelle stammt, sondern direkt aus der (Steuer?)Verwaltung der Stadt New York kommt. Die Zahlen sind also absolut glaubwürdig.

The Securities Industry in New York City (PDF)

Update (13.10.11):

Jammern auf hohem Niveau neu definiert:
Bankers aren’t optimistic about those gains. Options Group’s Karp said he met last month over tea at the Gramercy Park Hotel in New York with a trader who made $500,000 last year at one of the six largest U.S. banks.
The trader, a 27-year-old Ivy League graduate, complained that he has worked harder this year and will be paid less. The headhunter told him to stay put and collect his bonus.
“This is very demoralizing to people,” Karp said. “Especially young guys who have gone to college and wanted to come onto the Street, having dreams of becoming millionaires.”
Ach du meine Güte! Da haben die Trader davon geträumt, Millionäre zu werden und jetzt müssen sie härter arbeiten und bekommen weniger Geld dafür. So dass sie womöglich ganze 4 Jahre statt nur 3 Jahre arbeiten müssen, bis sie dann endlich Millionär sind. Das ist schon sehr demoralisierend ...

Wall Street Sees ‘No Exit’ From Financial Decline as Bankers Fret Future - Bloomberg

Krugman meint dazu nur: Das wäre eigentlich alles unglaublich komisch, wenn das nicht die genau die Leute wären, die die Welt zerstören.

Krugman: Hard Times On Wall Street

Update 2:

10.000 Jobs an der Wall Street in Gefahr. Bei realistischen Gehältern und vernünftigen Arbeitszeiten könnten es auch deutlich weniger sein.


Wall Street Shrinkage - WSJ.com

Mehr als 60% Haircut für Griechenland?

Endlich ist es raus. Eurogruppen-Chef Juncker spricht aus, was alle schon lange erwarten: Der Haircut von 21%, dem die privaten Gläubiger bisher zugestimmt haben, reicht bei weitem nicht aus. Im Interview beim ORF hat Juncker auf die Frage, ob der Haircut 50 oder 60% betragen solle, nicht wie üblich jede Spekulation ausgeschlossen, sondern mit einem klaren "wir reden über mehr" geantwortet.
(Es könnte aber sein, dass Juncker das "mehr" auf die 21% bezogen hat, nicht auf die 60%, auch wenn alle letztere Interpretation wählen)

ORF: Juncker legt Latte für Athener Schuldenschnitt höher (Das Video finde ich leider nicht einbindbar, einen Link auf die Mediathek des ORF kann ich bieten: http://tvthek.orf.at/programs/1211-ZIB-2/episodes/3019493-ZIB-2, dann rechts das Interview mit Juncker direkt auswählen)

Größter Fehler der Politiker laut Juncker: Die Reaktion war zu langsam. Was soll ich da hinterherschieben außer einem großen ACK?

Nun wird auch (endgültig) klar, warum Merkel und Sarkozy seit Wochen nur noch über neues Geld und Garantien für die Banken diskutieren. Denn ein Haircut in dieser Größenordnung wird natürlich Auswirkungen haben:
a) Der griechische Bankensektor dürfte komplett Pleite sein (naturgemäß stecken die meisten griechischen Staatsanleihen dort). Allein darüber dürften sich Auswirkungen auf die anderen europäischen Banken ergeben.
b) Eine Ansteckung mindestens nach Portugal (das meiner Meinung nach ähnlich Pleite ist wie Griechenland), im schlimmeren Fall aber auch nach Spanien und Italien kann man nicht ausschließen. Daher ist die EU jetzt gefragt und sollte vorsorgen. Und dabei reichen selbst unbegrenzte Hilfen für die Banken meiner Meinung nach nicht aus, dafür bräuchte es einen noch größeren Schritt, der zumindest für einen Übergangszeitraum auch die Refinanzierung der kritischen Länder sicherstellt. Sollte die EU hier nichts machen, ist ein richtiger Haircut eine unverantwortliches Risiko.

Bereits ohne Ansteckung reden wir über 152 Milliarden Euro Bruttoexposure, das Griechenland gegenüber den europäischen Banken hat. Davon stammen zwar nur 43 Mrd. vom Staat und 8 Mrd. von den Banken (der überwiegende Teil liegt bei den Privathaushalten), aber im "potenziellen" Teil mit den Garantien und Derivativen im Umfang von 25 Mrd. wird wohl auch noch ein Teil den Banken und dem Staat zuzurechnen sein (Seite A102).

Im Fall von Portugal sind es übrigens 255 Milliarden Euro (Seite A106).

BIS: BIS Quarterly Review, September 2011 Statistical Annex

Vielleicht ist es Zeit, an dieser Stelle den unter b) geforderten größeren Schritt in den nächsten Tagen zu diskutieren.

(Wer es übrigens schafft, den ZIB Beitrag runterzuladen und bei Youtube hochzuladen, wird mit einem Link von dieser Seite belohnt ;-) Bei mir vergisst der VLC Player immer den Video Teil ...)

Update (20:42);

Avantgarde hat mir im Kommentar geschrieben, dass der Sprecher von Juncker die Äußerung als missverständlich beschrieben hat. Juncker habe "mehr als 21 Prozent" gemeint. Das kann man jetzt für ein blödes Dementi halten, ich habe diese Interpretation ja von Anfang an in die Diskussion geworfen und zum Glück die Überschrift mit Fragezeichen versehen. (Und ich wollte eigentlich auch deshalb das Video einbauen, damit ihr euch selber ein Bild machen könnt. Das hat technisch aber nicht funktioniert ...)


Verwirrung um Äußerungen von Eurogruppen-Chef Juncker - Schuldenschnitt ja, aber wie? - Wirtschaft - sueddeutsche.de

Update 2 (23:29):

So jetzt hier dank der Mühe meines Lesers nixdagibts das Video:



Update 3 (15:55):

Barroso soll heute 30 bis 50% Haircut für die Schulden Griechenlands in die Diskussion geworfen haben. Bisher habe ich das nur als Tweet gelesen, news.google.com zeigt noch nichts Entsprechendes an. Schau'n mer mal.

Update 4 (21:22):

So jetzt ne Quelle (Reuters unter Bezugnahme auf gleich vier (ungenannte) EU-Offizielle):

Exclusive - New Greek PSI haircut around 30-50 percent | Reuters

Damit ist der gesamte 21%-Umschuldungsplan Geschichte ...

Heute bin ich um 11:05 auf dradio Wissen

und werden dort etwas über das Bloggen, die Wirtschaft und ein paar andere Blogs erzählen, die ich gerne lese (leider nur eine kleine Auswahl meiner Lieblingsblogs, wobei ich mich auch bemüht habe, nicht die gleichen Blogs zu empfehlen wie Dirk Elsner im letzten Jahr ...).

Morgen sollte es bei DRadio Wissen mehr Informationen zur Sendung geben. Da gibt es dann im Laufe des Morgens die URLs und die Themen, über die ich (bzw. der Gastgeber der Sendung Andreas Noll) sprechen möchte. Und was vielleicht am coolsten ist: Ihr könnt während der Sendung Fragen über Twitter einreichen und die kommen dann (oder auch nicht) bei mir an.

Mal schauen, wie sich das entwickelt. Für mich wird's auf jeden Fall spannend und ich hoffe nicht allzu schlimm für Euch ;-)

Und hört zu! Mit "Ich musste grillen" könnt ihr euch angesichts des Wetters nicht rausreden ;-)

Update:

Heute (oder morgen wie am Anfang in der Überschrift stand) ist natürlich die denkbar dümmste Zeitangabe ... Also es ist der Samstag, 8. Oktober 2011, 11:05.

Update 2:

Der Mitschnitt ist jetzt online:

DRadio Wissen: Wirtschaft - Die Systemfrage stellen

Der Titel führt aber in die Irre. Um das System an sich ging es kaum, höchstens um das Konstrukt Euro.

EU plant Stresstest Nummer 3

Und hier bereits exklusiv das Ergebnis:

Alles ist gut und was nicht gut ist, ist leicht wieder gut zu machen. Es dürften so 10 Banken durchfallen, die zusammen maximal 10 Milliarden Eigenkapital benötigen. Das ist natürlich alles unkritisch und niemand muss sich Sorgen machen. Und das ganze bei völlig realistischen Annahmen.

Dünne Sicherheitspolster: EU-Aufsicht rechnet Kapitalbedarf der Banken nach | FTD.de

Spaß beiseite, ach was sag' ich, noch mehr Spaß:

ThomsonReuters hat einen Kapitalbedarfskalkulator für den Bankensektor in der Eurozone gebastelt. Man stellt das gewünschte Kernkapital ein (7,0% ist Standard) und dann die Haircuts für Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und Italien. Ich habe die Staatsschulden Griechenlands mal fix halbiert und Portugal um 1/3 entlastet. Die restlichen Anleihen habe ich volständig überleben lassen.

Das gibt dann schon über 80 Milliarden Euro Kapitalbedarf und 45 Banken, die durch den Stresstest fallen.

Und ein Warnung vorab: Ziehen an dem Haircut-Slider für Italien ist kurz vor dem Schlafengehen für einen ruhigen und erholsamen Schlaf nicht förderlich ...

Breakingviews zone bank stress test

gefunden über FT Alphaville » Something for the EBA

Wie lange reicht eigentlich das Geld aus dem EFSF?

Ich wollte heute ja eigentlich nur gute Nachrichten bringen ...  Aber dann würde hier wohl nichts stehen ... Denn auf die Frage "Wie lange reicht eigentlich das Geld aus dem EFSF?" gibt es keine beruhigende Antwort ...

Man nehme mal die 440 Milliarden Euro an, die aktuell im EFSF zur Verfügung stehen. Davon ist ein Teil für Irland und Portugal eingeplant, der grob auf 100 Mrd. geschätzt wird.

Dann müssen noch die europäischen Banken rekapitalisiert werden. Der IWF schätzt die dafür nötige Summe auf 200 Milliarden Euro (Bilanzlöcher wegen Schuldenkrise: IWF zweifelt an Stabilität europäischer Banken | FTD.de), der Analyst schätzt jetzt einfach mal ganz vorsichtig 100 Milliarden, weil Deutschland und Frankreich ihre Banken direkt stützen. Dann ist schon fast die Hälfte weg.

Wenn man nun den Ankauf der Staatspapiere, der aktuell durch die EZB durchgeführt wird (wohin er eigentlich nicht gehört), mit der Geschwindigkeit der letzten Wochen fortsetzt (über 80 Mrd. in 8 Wochen; also gut 10 Milliarden pro Woche), reichen die 240 Milliarden Euro nicht wirklich lange ...

Da bleibt zu hoffen, dass der EU das klar ist. Über den EFSF kommt man nicht sonderlich weit ...

Buiter hat ja schon vor einiger Zeit 2 Billionen für die Eurorettung in die Diskussion geworfen. Alles andere wäre eh nutzlos, weil solche Summen keine Aussage seien, die die Märkte endgültig überzeugen könnte. Glaubt ihr an einen solchen großen Wurf? Oder eher an eine weitere kleine Aufstockung? Und dann noch eine kleine Aufstockung ... und noch eine kleine Aufstockung ...

FT Alphaville » The end of the beginning?

Update (15:57):

Ich sehe gerade, dass die EZB QE2 ausweitet. Neben dem Aufkaufprogramm von Staatsanleihen (siehe oben), werden nun auch wieder Covered Bonds, also besicherte Anleihen, von der EZB gekauft. Name des Programm: CBPP2 (covered bond purchase programm). Volumen 40 Mrd. Euro, Laufzeit von 11/11 bis 10/12.

Nur auf den EFSF verlässt sich Europa nicht. In den Widerstand gegen Aufkaufprogramme scheint die EZB inzwischen vollständig aufgegeben zu haben.

ECB: 6 October 2011 - ECB announces new covered bond purchase programme

P.S. Auch die Bank of England kauft wieder für 75 Mrd. Pfund Anleihen auf.

WISO: Die Bank gewinnt immer

Hmm, das Video der Sendung ist bei Youtube gesperrt mit der Meldung:

"Dieser Content ist in deinem Land nicht verfügbar, da er aufgrund einer Regierungsanfrage entfernt wurde. Learn more.
Das tut uns leid."

Diese Meldung habe ich noch nie gesehen. Huch Zensur? Dachte natürlich auch ich und viele andere und daher hat es diese Sperrung auch bis auf die Homepage von rivva geschafft.

Auch wenn ich die Meldung nicht kenne ... An Zensur will ich trotzdem nicht glauben: Denn die Sendung ist (noch?) völlig problemlos in der ZDF Mediathek zu sehen.

ZDF Mediathek: Die Bank gewinnt immer

Ich tippe mal auf einen Fehler bei Youtube, genauer gesagt eine falsche Sperrmeldung. Denn es kann schon sein, dass jemand an Google herangetreten ist und das Video hat sperren lassen. Urheberrechtsverletzung? Oder ein Gericht hat es sperren lassen (z.B. einer der kritisierten Banken). Beides passt aber nicht zum weiterhin problemlos verfügbaren Download in der ZDF Mediathek.

Aber dass die Regierung dieses Video hat sperren lassen? Glaub nicht nicht ...

Update (12:27):

Es gab Ärger mit dem Video aus Richtung der Sparkasse Bremen. Daher wurde der Beitrag gekürzt. Dieser gekürzte Beitrag ist in der ZDF Mediathek noch vorhanden. Auf Youtube fand sich scheinbar eine  ungekürzte Version, auf die das ZDF aber keinen Einfluss hat und weiss daher auch nicht, ob das überhaupt die ungekürzte Version ist, warum und von wem das gesperrt wurde und warum dort diese Fehlermeldung steht.

Alles nachzulesen beim ZDF:

Betreff: Verschwörungstheorien zur WISO-Doku “Die Bank gewinnt immer”

Update 2 (15:22):



Update 3 (17:42):

Also ums klar zu machen:

ZDF hat Beitrag wegen Klage kürzen müssen und hat den Beitrag gekürzt wieder online in die Mediathek gestellt. Der Klagende (Sparkasse Bremen) hat auch bei Youtube die Löschung des Videos beantragt. Youtube hat dann einen IP-basierten Schutz vor das Video gepackt. In der statt des Videos kommenden Meldung steht ziemlicher Schwachsinn (Regierung), der wahrscheinlich auf eine schlechte Übersetzung zurückgeht (vielleicht von regulatory). Für die Spekulation, dass die Regierung hier irgendwas hat sperren lassen, gibt es eigentlich nach der ZDF Erklärung keinen Anlass mehr.

Update 4 (22:29):

Jetzt gibt's auch ne Antwort von YouTube. Falsche Fehlermeldung. Der Aufruf zur Sperrung kam von der Sparkasse Bremen (bzw. von den Anwälten).

Also wie von Anfang an ("Ich tippe mal auf einen Fehler bei Youtube, genauer gesagt eine falsche Sperrmeldung") vermutet ...

Dexia Bank implodiert ...

Schon gestern gab es den ganzen Tag über Spekulationen über die Dexia Bank. Die Politiker aus den beteiligten Ländern dementierten vor allem fleissig, haben sich am Abend allerdings doch getroffen, um dann über nichts zu reden, weil es ja gar nichts zu besprechen gab (so zumindest die offizielle Version).
Inoffiziell gab es aber doch Gespräche, eine belgische Zeitung berichtete von Diskussionen über eine Zerschlagung der Dexia, die dann irgendwie auf die drei beteiligten Ländern Belgien, Frankreich und Luxemburg aufgeteilt werden soll.

Offiziell gab es weiterhin vor allem Dementis. Kurs letzte Woche: 1,48. Gestern morgen 1,30, heute morgen weniger als 1 Euro. Dem belgischen Finanzminister fiel nicht mehr ein als von einer soliden Bank zu reden, die keine Hilfe bräuchte. Nach einem Blick auf den Aktienkurs (bzw. einem Tritt eines seiner Berater) beeilte er sich zu bekräftigen, dass man der Bank selbstverständlich helfen werde, wenn es denn nötig werden sollte (was natürlich so gut wie ausgeschlossen ist).

Tjoah, das ist das schon aus der Lehman-Krise bekannte Spiel, dass Politiker nicht kapieren, dass ihr Beschwichtigungsgeschwätz an den Finanzmärkten niemanden interessiert. Da haben Leute Angst um ihr Geld (oder wollen auch einfach nur spekulieren) und ziehen dann ihr Geld aus der Firma ab, seien es Einlagen, seien es Aktien.
Wobei es bei einer Bank nicht einmal zu einem Geldabfluss kommen muss, um Probleme auszulösen. Hier reicht es schon, wenn niemand mehr der Bank neues Geld leiht.

Die CDS auf Dexia gehen jedenfalls durch die Decke und es ist völlig utopisch, dass sich die Bank bei den Zinsaufschlägen, die sich aus den CDS ergeben, noch am Markt refinanzieren kann.

Und dabei haben die Politiker doch den pösen pösen Leerverkäufern das Handwerk untersagt. Genützt hat es - wie schon bei Lehman - nichts, aber auch gar nichts. Vielleicht solltet ihr Politiker einfach mal darauf drängen, dass die Banken ihren Schrott abschreiben und zwar SOFORT und nicht politisch gedeckt ihre Buchverluste ins Anlagevermögen umbuchen können. Dann könnten die Spekulanten aufhören, sich über versteckte Risiken Gedanken zu machen. Und gleichzeitig sollten die Banken zu mehr Eigenkapital gezwungen werden. Den Notfall, der solche Maßnahmen rechtfertigt, haben wir bereits seit 3 Jahren! Sch**** was auf die Aktionäre, deren Anteil über die nötigen, kräftigen Kapitalerhöhungen verwässert wird. Das ist nun wirklich das geringste Problem ...

P.S. Die Dexia Bank ist einer der größten, wenn nicht gar der größte Finanzierer von öffentlichen Haushalten. Die Dexia-Bank bringt also Anleihen für staatliche Institutionen auf dem Markt, die dafür zu klein sind (z.B. Städte).
Der andere große Konkurrent hieß übrigens DePfa Bank. Yepp, genau der sagenumwobene Staatsfinanzierer, der die Hyporealestate in die Pleite gezogen hat, weil er mit Hebeln von mehr als 100 das vermeintlich risikolose Geschäft mit Staatsanleihen betrieben hat. Geht halt, weil man für gut bewertete Staatsanleihen kein, ich betone das noch mal, weil es so abstrus ist, KEIN Eigenkapital vorhalten muss. Nun gut, dass Staatsanleihen risikolos sind, hat sich inzwischen als großer Irrtum herausgestellt.
Und groß heisst richtig großer Hebel bedeutet große Bank: Im Fall der Dexia ist die Bilanzsumme mehr als 1,5 mal so groß wie das belgische BIP. OK, diese Rechnung ist nicht fair, denn Belgien wird ja nie allein für diese Bank haften muss.

FT Alphaville » Dexia garantie (encore)


Die CDS der europäischen Länder steigen übrigens weiter: Deutschland steigt auf 121 (+5) Basispunkte (neues Hoch), besonders stark steigen naturgemäß die beteiligten Länder Belgien (286 Bp, +14) und Frankreich (191, +9).

Wieder kämpft eine Grossbank um ihre Existenz (Wirtschaft, Aktuell, NZZ Online)

Update (15:15):

Die FTD zum Thema, interessant dabei vor allem auch der Rückblick auf die Rettungsversuche in der ersten Finanzkrise.

Angeblich wird nicht über eine Aufspaltung nach Ländern diskutiert, sondern an eine Aufspaltung in Good Bad und Bad Bank. Außerdem sind erneute staatliche Garantien angedacht.

Liquiditätssorgen: Frankreich und Belgien wollen Dexia stützen | FTD.de

Update 2 (10.10.11):

Jetzt wird die Dexia Belgien verstaatlicht. Kaufpreis (den gibt es noch ...): 4 Milliarden Euro, Käufer ist der Staat Belgien.

Der französische Teil der Bank, der sich u.a. um die Finanzierung französischer Kommunen kümmert, soll an die französische Staatsbank CDC und die französische Postbank gehen.

Belgien will Assets im Wert von 95 Milliarden Euro in eine Bad Bank auslagern. Oh Wunder! Erzählte man uns nicht noch vor Kurzem, dass die Dexia gar keine schlechten Assets habe und alles im Lot sei? Auch der Stresstest meldete zweimal ein - wenn auch knappes - OK.
Allerdings kann man die Stresstests eh vergessen. Zur Erinnerung: Die Dexia hat es im ersten Stresstest schließlich geschafft, nur 2,8 Mrd. ausstehender Forderungen gegen Frankreich zu melden. Diese Summe war für eine Bank, deren Geschäftsmodell daraus besteht, im Heimatmarkt Belgien und Frankreich Kommunen (etc.) Finanzierungsquellen zu erschließen, von Beginn an komplett unplausibel (siehe auch: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: UTS 2010 #7: Der Stresstest im Rückblick).
Aber das reiht sich auch nur in die unendliche Liste von Politikeraussagen ein, die ein paar Tage später nicht mehr das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt wurden.

Es gibt keine Probleme bei der Dexia, keine schlechten Assets, keine Garantie notwendig.
OK, es gibt Probleme. Aber eine Aufspaltung der Bank wird es nicht geben, höchstens und evetuell Staatsgarantien.
OK, wir müssen Staatsgarantien vergeben und eine Aufspaltung erscheint im Notfall auch möglich.
OK, wir vergeben Staatsgarantien und spalten auf.

Wenn jetzt heute irgendjemand sagt, dass man nun keiner anderen Bank helfen müsse und die Kuh vom Eis sei, fangt einfach die nächste Liste in der Form oben an ...

Erstes Opfer der Euro-Krise: Belgien fängt Dexia-Bank auf | FTD.de

Was das für den Aktienkurs der Dexia Aktie bedeutet, weiss ich übrigens nicht. Onvista meldet beim (vorzeitigen) Freitagsschlusskurs von 85 Cent eine Marktkapitalisierung von 1,5 Mrd. Bei einem Kaufpreis von 4 Milliarden müsste der Aktienkurs ja geradezu explodieren. Das kann ich aber irgendwie nicht glauben. Ich schätze, dass die Einheit, die verkauft wird (Dexia Belgien) und die Einheit, die börsennotiert ist, nicht die gleichen sind. Die börsennotierte Firma ist wahrscheinlich die Holding, die oberhalb der jetzt verkauften Dexia Belgien angeordnet ist. Damit führt eine einfache Durchrechnung über einen Vergleich der 1,5 mit den 4 Milliarden wohl in die Irre.

Update 3:

Originallink vergessen:


Dexia: The Belgian, French and Luxembourg states provide strong support to Dexia in the implementation of the restructuring plan announced on 4 October(pdf)

Update 4:

Das ist die oben schon angedrohte Aussage der Form: "Wenn jetzt heute irgendjemand sagt, dass man nun keiner anderen Bank helfen müsse und die Kuh vom Eis sei, fangt einfach die nächste Liste in der Form oben an ..."

FTD: Frankreich betrachtet Dexia als Einzelfall

Also Einzelfall. Wird nicht wieder vorgekommen.

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