Frohe Weihnachten!

Und ...

Danke für die Treue, trotz der teilweise mageren Aktualisierungsfrequenz hier.
Danke für jeden Retweet.
Danke für jeden Pfennig über Flattr.
Danke für die Empfehlungen auf Facebook, Twitter, Google+, etc. pp.
Danke für die Einkäufe über den Amazon Link.
Danke für alle Stimmen bei der Wahl zum Goldenen Blogger 2012 in der Kategorie Wirtschaftsblogs.
Danke für jeden Amazon Gutschein, die im Laufe des Jahres bei mir eingetroffen sind.
Danke für den Kasten (+3 Flaschen) Störtebecker vom usedomspotter.
Danke für jeden Kommentar unter meinen Artikeln.
Danke für die vielen Hinweise auf spannende Artikel woanders.

Und sagte ich schon Danke an alle, die Flattr benutzen und so ein paar Euros im Monat in die Welt der Blogger, Podcaster, Programmierer kippen? Nicht, OK, dann Danke an alle, die Flattr benutzen.

Danke! 


Ich wünsche Euch ein erholsames und ruhiges Weihnachtsfest. Bis die Tage!

(mal schauen, ob ich einen Verlierer des Jahres küre ... So richtig bietet sich nämlich keine Einzelperson an ...)

Hedgefonds verdient 500 Mio. mit Griechenlandanleihen

Und man kann die Empörung fast greifen ...

Ich hingegen denke nur: Ja und? Hat der Hedgefonds das Geld irgendjemandem weggenommen? Und vor allem: Ist Griechenland jetzt ärmer als zuvor? Nein!

Es sind Griechenlandanleihen im Nennwert von gut 30 Mrd. zurückgekauft worden. Zu etwa einem Drittel des Nennwerts bei ungefähr 35 (also 10 Mrd. auf den Tisch). Der Tiefkurs lag ungefähr bei der Hälfte.

Insgesamt konnte man vom Tief aus gesehen also grob 5 Milliarden verdienen. Und? Dass irgendjemand diese Spekulation auch im größeren Stile gefahren hat, überrascht mich gar nicht. Die Anleihen kosteten 17% von 100. Das wäre eine Schuldenschnitt von mehr als 80% gewesen. Ziemlich ziemlich unwahrscheinlich, so tief hat kaum jemals ein Staat in einer Pleite geschnitten. Bei den meisten Ländern gibt es Schuldenschnitte, die aussehen wie das, was man im Fall Griechenland mit den EU-Krediten gemacht hat: Zinsen runter und (vorübergehend) stunden und die Zeitdauer bis zur Rückzahlung verlängern. Damit bekommt das Land Luft und Zeit für Reformen. Der Anleger bekommt zwar 100% zurück, aber später und mit weniger Zinsen. Daher sinkt der Wert der Anleihe, aber eben nicht um 80%.

Kurz: Ein Schuldenschnitt von mehr als 50% war nie zu erwarten. Und weil Griechenland danach wieder halbwegs normale sprich tragfähige Schuldenrelationen hätte, gibt es auch heute mit Sicherheit noch Spekulanten, die bei 35 nicht verkauft haben, sondern auf 45 oder 50 warten. Oder sogar ganz abgezockt auf 100, sprich die vollständige Rückzahlung setzen. Es wäre nicht die erste Anleihe von Griechenland, die seit 2010 trotz aller Wirren vollständig getilgt würde ...

Wenn jemandem ein Vorwurf gemacht werden müsste, dann den europäischen Politikern, die den Ankauf viel zu lange vorher und viel zu eindeutig angekündigt haben. Die Politiker haben den Spekulanten den Profit ja auf dem Silbertablett präsentiert. Das hätte man heimlich still und leise machen können und wäre dann auch viel billiger davon gekommen ... Anders gesagt: Bei 17 hätte die Eu oder die EZB kaufen müssen.

Oder man macht direkt Nägeln mit Köpfen (was aber nicht zu Merkels Klein-Klein passt) und schneidet die Schulden. Und zwar alle Schulden und zwar für alle Gläubiger. Und wurschtelt nicht weiter mit freiwilligen Umschuldungen und freiwilligen Rückkaufangeboten rum.

Hedgefonds verdient halbe Milliarde mit griechischem Schuldenrückkauf - SPIEGEL ONLINE


siehe auch:
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland bekommt Schuldenschnitt Nr. 2 (sanft sehr sanft)

Update (13:33):

Jörg Seidel alias Lostgen bringt einen sehr guten Punkt unten in den Kommentaren. Es wird jetzt auf Spekulanten geschimpft, die die Frechheit besitzen, mit steigenden Kursen von Griechenlandanleihen Geld zu verdienen. Noch vor wenigen Monaten war das Gemecker groß, weil Spekulanten die Kurse nach unten getrieben haben.

JA WAS DENN NUN? Sollen die Kurse jetzt steigen oder fallen? Die Spekulanten, die an Griechenland zweifeln und verkaufen, sind böse. Und die, die an Griechenland glauben und kaufen, sind auch böse.

Spekulanten sind anscheinend immer böse, egal ob die Kurse fallen oder steigen ...

Schenk dem egghat was (Dezember 2012)


Ich werde diesen Beitrag jetzt ab und an hier (und nebenan im Zweitblog) als kleine Erinnerungsstütze posten. Aber keine Angst, nicht täglich ...

Ihr lest dieses Blog regelmäßig? Ihr mögt es? Ihr findet, dass das hier auch was wert ist z.B. im Vergleich zu Börse Online, die ja 175 Euro im Jahr kostet? Wenn nicht, haut ab ;-) (kleiner Witz)

Wenn ihr aber der Meinung seid, dass dieses Blog (und das andere) was wert ist, dann könnt ihr mir ja mal ab und an was Gutes tun. Das bedeutet im Kapitalismus natürlich nichts anderes als Zaster. Von mir aus auch virtuellen. Deshalb will die ich die verschiedenen Möglichkeiten mal kurz beschreiben:

Auf den Amazon-Affiliate Link, über den ihr tolle Sachen bei Amazon einkaufen könnt und ich davon ein paar Prozent (bei Büchern, Musik und Filmen z.B. 5%), weise ich ja ab und an hin. Das ist für Euch der netteste Weg, denn das kostet Euch nicht einmal was. Das Buch/die CD/DVD/Digitalkamera/... ist genau so teuer, als wenn ihr Amazon direkt ansteuert. Toll, nicht wahr?

Ich meine diesen Link hier: UNTERSTÜTZE DIESES BLOG UND STARTE DEINEN AMAZON-EINKAUF HIER! , der eigentlich unter jedem Posting (auch im RSS Feed und den E-Mails) stehen sollte.

Ich merke aber an einigen E-Mails, das dem Verfahren nicht wirklich vertraut wird. Ich kann Euch versichern, dass das sauber läuft. Bisher habe ich (bis auf eine) alle Bestellungen, die mal jemand zur Überprüfung geschickt hat, auch in meinen Abrechnungen gesehen. Das geht also.

Neben diesem Affiliate-Link gibt es auch noch einige weitere Möglichkeiten, mir direkt Geld zukommen zu lassen.

Die erste läuft über einen Amazon-Gutschein. Da ich permanent Bücher/CDs/DVDs/Gadgets/MP3s bei Amazon kaufe, ist ein Amazon Gutschein für mich quasi wie Geld.

Auch da wurde von Lesern Misstrauen geäußert. Es funktioniert aber. Wenn ihr auf den folgenden Link klickt:

Schenk dem egghat einen Amazon Gutschein!

gibt es ein Formular, in das ihr den Betrag eintragen müsst und dann wichtig egghat@gmail.com als Empfänger. Ich bekomme dann einen langen Gutscheincode, den ich bei Amazon zur Konjunkturankurbelung umgehend einsetzen werden. Das ist eine meiner leichtesten Übungen. Wenn ihr eine Bestätigung haben wollt, schreibt in das Textfeld Eure E-Mail-Adresse, dann gibt es auch eine Antwort.


Und weil ein paar Mal nach Paypal gefragt wurde, habe ich mein altes Paypal-Konto reaktiviert und dort die egghat@gmail.com Adresse eingetragen. Es ist jetzt also möglich, mir auch über Paypal direkt Geld zu schicken.

Es gibt noch ein paar weitere Systeme, die mit Codes arbeiten, die man einfach per Mail weiterschicken kann und die daher auch in Frage kommen.

Cashticket könnte auch was sein. Der Vorteil: Man muss selber keine Kontoverbindung haben. Cashticket kaufen, Code freirubbeln, mir den Code als Mail zuschicken, ich löse ein.

Hat noch niemand ausprobiert, daher ohne Gewähr.

Ebenfalls interessant könnte die Paysafecard sein. Man braucht ebenfalls kein Konto, sondern kann die Dinger z.B. im DM oder bei Rossmann (und gefühlt jedem zweiten Kiosk) kaufen und davon dann z.B. Amazon Gutscheine kaufen. Paysafe ist übrigens eine Firma aus Europa, genauer Wien, was alle, die jeder amerikanischen Firma (wie Paypal) misstrauen, beruhigen dürfte.

Die Paysafecard habe ich inzwischen einmal ausprobiert, es klappte, auch wenn ich es mir einfacher vorgestellt hatte. Man kann nämlich mit dem Guthaben auf der Paysafecard nur bestimmte Sachen kaufen, in meinem Fall war es dann ein Amazon Gutschein ...

Die letzte Möglichkeit ist ein Apple iTunes Gutschein, die ja auch an jeder zweiten Ecke (Tankstelle, Supermarkt, Kiosk, ...) an der Kasse hängen. Diese gibt es mit 15, 25 oder 50€ Guthaben. Auch darauf steht nur ein Code, den man dann abtippen und mir per Mail schicken kann. Da ich sowieso häufiger Musik und Apps dort kaufe, ist auch das eine Möglichkeit, mir was Gutes zu tun.

Generell bin ich aber kein Freund dieser Einzelüberweisungen. Ich fände es viel netter, wenn die Leser regelmäßig für unabhängigen, lustigen, unterhaltsamen, informativen Online-Content bezahlen würden. Das Mittel der Wahl dafür ist Flattr. Geld nach Flattr bekommt man über Paypal oder Moneybookers. Das Konto dort kann man jeden Monat mit einem bestimmten Betrag auffüllen, der Mindestbetrag von 2 Euro sollte eigentlich niemanden überfordern. Damit kann man dann nicht nur mir Geld zukommen lassen, sondern auch
Ich mochte zwar das automatische Verteilen des Geldes über Kachingle lieber (man musste nicht jeden einzelnen Artikel klicken, sondern es wurde einfach gezählt, welche Sites wie häufig angesteuert wurden und das Geld am Ende des Monats entsprechend verteilt), aber das nutzt in Deutschland leider niemand. Ich werde die entsprechenden Buttons wohl entfernen.

Seit Flattr auch Abos kann (inzwischen standardmäßig mit unbegrenzter Laufzeit), ist es damit ein hinreichend guter Ersatz für Kachingle. Um ein Abo abzuschließen, muss man den Flattr Button einfach zweimal anklicken und kann anschließend die Zeitdauer wählen.

Ich kann Euch Flattr nur wärmstens empfehlen. Einmal im Monat irgendeine Zeitung oder Zeitschrift am Kiosk liegen lassen, das Ausfüllen des Lottoscheins vergessen, Montagsabends kein Bier trinken und das gesparte Geld nach Flattr schicken.

Oder wenn gar kein Geld da ist (bringt mir neue Leser)
  • Empfiehl mich weiter.
  • Retweete meine Tweets.
  • Leite meine Artikel per Mail weiter.
  • Verlinke mich. In Deinem Blog. In Diskussionsforen. Etc. pp.

DANKE!

Griechenland BIP Q-03-2012: -6,9% zum Vorjahr

Der Vergleich mit dem Vorquartal lohnt sich nicht, weil durch den starken Einfluss des Tourismus die Quartale wenig vergleichbar sind. Sinnvoll ist nur der Vergleich mit dem Vorquartal und die Betrachtung der Jahresraten.

Bei der Jahresrate sehen wir leider keine Verbesserung. Nach 6,7% Minus im ersten Quartal und 6,3% im zweiten sind es jetzt erneut 6,x%. Das ist zwar etwas besser als die 7,2%, die in der Vorabschätzung genannt wurden, aber von einer Stabilisierung sind wir weit entfernt. Der Hoffnungsschimmer, der sich im dritten Quartal des Vorjahres (Jahresrate -4,0%) hat sich leider als Fata Morgana herausgestellt. Statt einer Abschwächung des Abwärtstrends verzeichnen wir weiterhin hohes Tempo und nun schon das 17. Quartal in Folge mit Wirtschaftsschrumpfung ...

Dabei verbessert sich an den für die Krise entscheidenden Ungleichgewichten durchaus etwas. Die Exporte sind in den letzten zwei Jahren etwa stabil geblieben (13,7 runter auf 13,6 Mrd. Euro), die Importe von 14,8 Mrd. auf 11,4 Mrd. gefallen (-23%). Damit ist die Handelsbilanz zum ersten Mal seit dem Krieg (grobe Schätzung) wieder positiv.

Zu stark jubeln sollte man nicht, denn das dritte Quartal eines Jahres ist für Griechenland *das* Quartal für den Tourismus. Das Schlussquartal wird - wie das erste und zweite - wieder ins Minus abrutschen. Aber immerhin: Es gab mal wieder ein Plus, wenn auch nicht auf Jahressicht.

Wie desaströs die Lage ist, zeigen die Investitionen. Diese haben sich in den letzten 2 Jahren um 32% gefallen. Statt 7,9 Mrd. Euro 2010 wurden im dritten Quartal 2012 nur noch 5,4 Mrd. in Investitionen gesteckt. Gerade der Staat steht auf der Bremse.

Einzige positive Zahl: Um 1,4 Mrd. Euro sank die Wirtschaftsleistung, weil die Lagerbestände reduziert wurden. Das sind immerhin 2,8% der gesamten Wirtschaftsleistung. Sollte dieser Lagerbestandsabbau aufhören (und irgendwann muss er es ja ...), könnte allein durch diesen Effekt das Minus bei der BIP-Jahresrate deutlich schrumpfen.

ELSTAT: QUARTERLY NATIONAL ACCOUNTS: 3 rd Quarter 2012 (Provisional) PDF

Dass das Wirtschaftswachstum so schwach ausfiel, liegt vor allem am Tourismussektor. Dieser für die griechische Wirtschaft so wichtige Sektor musste im dritten Quartal einen Umsatzrückgang von 11,5% im Vergleich zum Vorjahresquartal hinnehmen. Und das im mit Abstand wichtigsten Quartal (etwa 40% der gesamten Tourismuseinnahmen eines Jahres stammen aus dem dritten Quartal).

Da Griechenland keine Industrie- und auch keine Exportnation ist (und auch nie sein wird), ist dieser Einbruch um so dramatischer. Nichts bringt Griechenland so viel Devisen wie der Tourismus. Auf das Gesamtjahr gesehen könnten die Umsätze im Tourismussektor um satte 20% fallen. Damit wäre das Minus allein in 2012 annähernd so groß wie in den drei Jahren zuvor zusammen.

ELSTAT: TURNOVER INDEX IN TOURISM SECTOR: 3rd Quarter 2012 (PDF)

Executive Summary: 

Die griechische Wirtschaft sinkt mit gleichbleibender Geschwindigkeit. Im wichtigsten Sektor (Tourismus) sogar mit zunehmender Geschwindigkeit :-(

Steuertrick in Luxemburg spart Amazon 2 Mrd. Dollar

Warum bekomme ich beim Kauf bei Amazon.de eine Rechnung von Amazon Luxemburg? Das habe ich mich beim Blick auf die Rechnungen von Amazon schon häufiger gefragt.

Mein Erklärungsansatz lief immer über die Mehrwertsteuer, die in Luxemburg niedriger ist als in Deutschland und somit irgendwie für Amazon günstig sein könnte. War aber nur ne wirre Idee, zu Details bin ich nie gekommen. Ein einfacher, weithin bekannter Trick (wie die Konstruktion mit Irland und den Niederlanden, die Google, Microsoft und Apple machen) war mir aus Luxemburg nicht bekannt.

Es gibt ihn aber ...

Luxemburg hat einen maximalen Steuersatz für Einnahmen aus "intellectual property" (in etwa "geistigen Eigentumsrechten"; so bekloppt der Begriff auch sein mag) von knapp

6%,

also deutlich weniger als die knapp 30%, die normalerweise auf Unternehmensgewinne anfallen.

Nun bieten sich für Amazon über Luxemburg gleich zwei Wege zum Steuersparen:

a) Rechte für Bücher (Musik, ...) werden über Luxemburg abgewickelt. Die Rechte gehören also immer der Amazon Niederlassung in Luxemburg. Wenn nun ein Buch von Amazon verkauft wird (egal wo auf der Welt), muss immer die Lizenzgebühr an die Tochter in Luxemburg abgeführt werden. Dort wird sie mit 6% versteuert. Weil Luxemburg ehrenwertes Mitglied der internationalen Gemeinschaft ist, war es das mit der Besteuerung (Doppelbesteuerungsabkommen schließen aus, dass bereits versteuertes Geld bei Transfer zum Hauptsitz eines Unternehmens noch einmal versteuert werden muss).

Diese Geschäfte hat Amazon auch in den USA gemacht. Also selbst ein Buch einer amerikanischen Autorin, das über Amazon USA an einen Kunden in den USA verkauft wurde, fiel steuerlich in die Niederlassung in Luxemburg. Kurz: die USA gingen (mehr oder weniger) leer aus. Die US Steueraufsicht IRA ermittelt auch deswegen und prüft die Legalität des Amazon-Modells.

b) Ein ähnliches Konstrukt kann man auch für Lizenzen aufsetzen, also Geschäfte, die dann denen von Google sehr ähneln. Amazon hat für bestimmte Patente (z.B. das One-Click-Patent) von den Töchtern Lizenzgebühren kassiert. Die Einnahmen gingen nach Luxemburg und wurden da versteuert, Steuersatz wie oben, weitere Besteuerung keine (siehe oben).

Die entsprechenden Patente wurden von Amazon aus der Niederlassung in Nevada in die Niederlassung in Luxemburg transferiert, genau wie man für Punkt a die Rechte an den Inhalten (Bücher, etc.) nach Luxemburg geschoben hat. Der effektive Steuersatz aller nicht-amerikanischen Tätigkeiten von Amazon lag in den vergangenen 5 Jahren bei 5,3%.

Ganz so einfach wie das irische Modell ist das Steuersparen über Luxemburg aber nicht, denn in Luxemburg ist es immerhin nötig, dass dort auch wirklich gearbeitet wird. Eine reine Briefkastenfirma geht also nicht. Aber nun ja, das sind Microsoft Europa, Apple Europa und Google Europe in Irland auch nicht ...

Was aber bleibt: Das europäische (und weltweite) Steuersystem funktioniert nicht, wenn ein paar kleine Länder (Irland, Luxemburg, Schweiz) mit bestimmten Löchern im Steuersystem das gesamte weltweite System aushebeln. Ob der effektive Steuersatz der außeramerikanischen Tätigkeiten nun 5,3% bei Amazon liegt oder bei 2,4% wie bei Google: Das ist lächerlich niedrig und kann so einfach nicht in Ordnung sein.

Special Report: Amazon's billion-dollar tax shield | Reuters

Zu den anderen High-Tech-Firmen siehe hier:
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Neues Produkt von Apple: iSave
Googles Steuerquote (ex-USA): 2,4% - egghat's not so micro blog
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Auch Microsoft zahlt (fast) keine Steuern ...

Update (09.12.12):

Dieser Artikel ist auch bei Carta erschienen:

Steuertrick in Luxemburg spart Amazon 2 Mrd. Dollar — Carta

Dort gab es einen interessanten Kommentar zu Punkt a).

Erstens der Hinweis daraus, dass es sich bei diesem Rechteverkauf nur um Ausnahmefälle handelt, denn normalerweise liegen die Rechte an einem Buch ja nicht bei Amazon, sondern bei einem Verlag. Das beschriebene Verfahren gilt also nur für Bücher, die Amazon selber verlegt. Also das was passiert, wenn Otto-Normal-Verbraucher über Amazon ein eBook verkauft. In den USA ist das schon relativ üblich, aber nun ja, der größte Teil des Markts ist das bestimmt nicht.

Interessanter dürfte aber der zweite Hinweis sein, nämlich dass Amazon in Luxemburg nur 3% Mehrwertsteuer auf eBooks bezahlen muss. Und zwar auch für Bücher, die in andere Ländern verkauft werden. Wenn ich in Deutschland ein eBook bei Amazon kaufe und 10 Euro bezahle, landen aktuell netto 9,71 bei Amazon. Wird das Buch zum gleichen Preis von 10 Euro von einem Händler in Deutschland verkauft, kommen nur 8,40 Euro beim Händler an.

Je nach Betrachtungsweise gewinnt Amazon also entweder auf Kosten der Konkurrenz Wettbewerbsfähigkeit (Amazon könnte ja immer preiswerter sein als ein Händler, der in Deutschland seinen Sitz hat) oder Amazon führt zu wenig Steuern an den Fiskus ab.

Apple nutzt für seinen eBook Verkauf auch die Niederlassung in Luxemburg.

2015 erledigt sich aber dieses Steuerschlupfloch, weil dann die Steuersätze für das Zielland gelten. Egal aus welchem Land Amazon ein Buch verkauft, muss bei einer Lieferung nach Deutschland die hier übliche Mehrwertsteuer abgeführt werden.

EU prüft E-Book-Steuervorteil in Luxemburg und Frankreich | heise online

Update 2 (10.12.12):

Wer sich für's Thema interessiert: Google macht es ähnlich (siehe auch den Artikel oben).

Google verschiebt 10 Mrd. Dollar aus Europa auf die Bermudas

Griechenland bekommt Schuldenschnitt Nr. 2 (sanft + sehr sanft)

Es wird zwar davon gesprochen, dass es KEINEN weiteren Schuldenschnitt gibt, aber es ist natürlich einer. Genauer gesagt sogar zwei ...

Denn es wird wohl nach der Einigung der EU-Finanzminister (und des IWFs, der die Lösung mitträgt) sowohl die Variante Schuldenrückkauf als auch die Variante mit der Verschiebung der Rückzahlung geben.

Griechenland bekommt also beides. Die Kredite des europäischen Rettungsfonds werden verlängert; die Rückzahlung soll jetzt erst in 30 statt wie ursprünglich geplant in 15 Jahren erfolgen. Außerdem wird die Zinszahlung für 10 Jahre ausgesetzt. Gleichzeitig werden die Zinsen auf die Kredite um 100 Basispunkte gesenkt (und der Zins lag auch vorher nur bei 3,5%, es wären damit nun nur noch 2,5%. Für einen so schlechten Schuldner wie Griechenland ein lächerlich niedriger Zins). Damit sind die Anleihen natürlich viel weniger wert als vorher, eine genaue Berechnung, wie tief dieser Schnitt ist, überlasse ich den Finanzmathematikern. Sobald ich das irgendwo sehe (sachdienliche Hinweise werden hier gerne entgegengenommen), trage ich das nach. (Das Volumen der Kredite vom EFSF (et al) an Griechenland ist mir im Moment auch unklar, habe 80 Mrd. Euro im Kopf, das mag aber durchaus mehr sein (das ist leider nicht mehr aktuell: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Wer hält wie viel der Griechenlandschulden?))

Noch nicht fixiert wurde die zweite Stufe: Griechenlandsanleihen sollen deutlich unter Nennwert zurückgekauft werden. Die Eurozone gibt Griechenland also Geld und damit sollen dann Altschulden am Markt zurückgekauft werden. Dafür zahlt Griechenland dann natürlich nicht 100 Euro pro 100 Euro Nennwert (das würde ja keine Schuldensenkung bringen), sondern deutlich weniger, also sagen wir mal bei langlaufenden Anleihen nur 30 oder 40 Euro pro 100 Euro Nennwert. Angestrebt werden wohl 35%, offiziell ist diese Zahl aber nicht.

Viele Spekulanten haben genau auf diese Lösung bereits spekuliert und die Kurse der griechischen Staatsanleihen bereits massiv nach oben getrieben. Als Beispiel hat sich die griechische Staatsanleihe mit gut 10 Jahren Restlaufzeit schon von knapp 14 im Tief auf nun knapp 35 Euro mehr als verdoppelt:


Es gibt dabei natürlich gewisse Probleme. Eigentlich will man den Spekulanten diese Gewinne nicht gönnen. Außerdem ist nicht sicher, ob überhaupt ausreichend viele Anleger mitmachen und die (angenommenen) 35 Euro akzeptieren (oder ob diese auf mehr Geld zocken). Trotzdem halte ich die Lösung für gut, denn ein freiwilliger Rückkauf dürfte die geringsten Schäden produzieren. Ich bin seit längerem für diese Lösung (siehe auch: Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland soll griechische Schulden kaufen ...) und hätte diese Option viel früher gezogen (zum Beispiel bei einem Kurs von 15, hätte die Hälfte des Geldes gespart!!!).

Auch bin ich ein wenig beruhigt, dass eine meiner Uraltprognosen aufgegangen ist: Dass sich die öffentliche Sektor an einem Schuldenschnitt Griechenlands beteiligen wird und muss. Und ich lag sogar bis in das Detail richtig, dass es keinen "richtigen" Schuldenschnitt gibt, sondern "nur" eine spätere Rückzahlung und Senkung der Zinsen, damit die Politiker den Wählern sagen können, dass man das Geld ja komplett bekomme, nur halt ein paar Jahre später. Deshalb betonen die Politiker ja auch, dass es kein Schuldenschnitt sei, obwohl es defakto natürlich einer ist.

Daneben lag ich nur bei der Reihenfolge, also mit meiner Vermutung, dass vor allem der öffentliche Sektor die Lasten aus dem Schuldenschnitt trägt (und nicht zuerst die Banken), aber nun ja, ab jetzt sitzt der Steuerzahler mitten im Schuldenschnittboot. Das ist sicherlich kein Grund zur Freude, aber ich persönlich habe mich darauf lange genug vorbereiten können. Was das Ausmaß angeht, warte ich noch ab, ich könnte mir aber gut vorstellen, dass dieser zweite Schuldenschnitt ein größeres Volumen erreicht als der erste. Dieser führte ja vor allem dazu, dass die Gläubiger im Ausland ihre Schulden aus Griechenland zu halbwegs akzeptablen Kursen losschlagen konnten (der größte Teil des Geldes, der als "Hilfe" an Griechenland bezeichnet wurde, floss direkt wieder ins Ausland (vor allem zu Banken) ab. Dazu habe ich auch mal was geschrieben, finde es aber nicht wieder ... Wenn sich jemand besser in meinem Blog auskennt als ich ;-) bitte ich um sachdienliche Hinweise ...)

Viel wichtiger wäre mir, ob der Schuldenschnitt tief genug ist und Griechenland auch wirklich hilft. Denn nur dann macht er wirklich Sinn.  Zwar sind die Prognosen was den Schuldenstand angeht, einigermaßen positiv (124%/BIP Schuldenstand 2020), aber bisher sind die Prognosen grandios geplatzt, vor allem weil das BIP viel stärker schrumpfte als geplant (dazu empfehle ich die weiterhin ziemlich beeindruckende Grafik hier: Troika zu Griechenland: Jetzt kommt die Wende. In... - egghat's not so micro blog)

Warten wir mal ab, was die weiteren Details und Berechnungen so ergeben. Generell bin ich vorsichtig optimistisch, dass mit dieser Hilfe eine richtiger Schritt (und wohl auch nicht nur ein Trippelschrittchen) gemacht wurde und das nun wirklich zur Senkung der Schulden beiträgt. Zwar ist das tendenziell noch zu wenig, aber immerhin etwas. Und es besteht natürlich weiterhin die Gefahr, dass Griechenland weiter totgespart wird. Dass die Sparbemühungen bisher so wenig Einfluss auf den Schuldenstand hatten, lag ja vorrangig daran, dass die Wirtschaftsleistung in Griechenland eingebrochen ist, und weniger daran, dass die Staatsausgaben nicht wie vorgesehen gesenkt wurden. Die Sparprogramme gingen nämlich sehr wohl auf, nur sanken die Wirtschaftsleistung und die Steuereinnahmen eben noch viel schnell und stärker ...

Euro-Finanzminister einigen sich: Griechenland bekommt mehr Geld - Griechenland - FAZ

Das offizielle Statement:

ekathimerini.com | Eurogroup statement on Greece

Update (10:23):

Sehr schöne Übersicht in der FTD (heul ...), die auch die anderen Details der Einigung bewundernswert auseinanderklamüsert hat.

Die Zinssenkung um 100 Basispunkte, die ich oben erwähnt habe, bezieht sich nicht auf alle Kredite und auch nicht auf alle Länder. Länder, die selber hohe Zinsen zahlen müssen, senken "ihren" Zins nur geringer oder gar nicht, die 100 Basispunkte gelten nur für die finanzstarken Länder wie Deutschland.

Auch ein zweiter Punkt wird erklärt, den ich oben unterschlagen habe. Es sollen 11 Milliarden Euro Gewinne, die die EZB eingefahren hat, weil sie Griechenlandanleihen für 70 Prozent des Nennwerts gekauft hat, die später dann doch mit 100% zurückgezahlt wurden, an Griechenland ausschütten. Das ist natürlich hart an der Grenze zur Ver****ung, denn die Gewinne der Vergangenheit auszuschütten, um direkt danach beim Schuldenschnitt mitzumachen, wirkt etwas sehr seltsam. Aber da ist halt viel Politik im Spiel und am Ende ist die EZB halt ein anderer Topf als die EFSF.


Schuldenkrise: Griechen-Problem dauert bis 2040 | FTD.de

Und ein ganz großes "Detail" habe ich auch vergessen ... Die nächste Rate der EU-Hilfen (44 Mrd.) wurde genehmigt und wird (in drei Raten) ausgezahlt.

Update 2 (11:19):

LostinEuropa sieht das deutlich pessimistischer als ich (was sich schon im Titel Europa kann es nicht andeutet ...).

Dort wird eine Abhängigkeit der Auszahlung der weiteren Raten gesehen, die vom Erfolg des Anleihenrückkaufs abhängt. Der wiederum in griechischer Hand liegt, was LostInEuropa als "Ar***karte nach Athen verschieben" interpretiert.

Ich sehe erstens die Abhängigkeit der weiteren Hilfen von einem Erfolg des Rückkaufs nicht so eindeutig formuliert wie LostInEurope und zweitens waren die bisherigen "Bedingungen" auch nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurde. Man schaue sich nur die Formulierung zu den bisherigen Erfolgen an. Da werden auch nur die "Bemühungen" Griechenlands gelobt, nicht die konkrete Erreichung der Ziele. Wer Arbeitszeugnisse kennt, weiss dass "er/sie hat sich bemüht" so ziemlich das schlechteste Urteil ist, das man einem Arbeitnehmer ausstellen darf (weswegen man es auch nicht mehr ausstellen darf IIRC).

Wo ich aber zustimmen muss: Es besteht natürlich die Gefahr, dass der Schuldenrückkauf nicht bzw. nur teilweise gelingt und die EU dann mit dem Finger auf Griechenland zeigt und (zur Erreichung der ursprünglichen Ziele) Griechenland wieder einmal zu noch stärkeren Sparbemühungen zwingt. Und das wäre nun wirklich kontraproduktiv.

Update 3 (15:10):

Olaf Storbeck hat in seinem (englischsprachigem) Blog eine gute Diskussion der Pro- und Kontrapunkte eines Schuldenankaufs unterhalb des Nennwerts (er selber steht auf der Pro-Seite). Wer sich für diesen Aspekt genauer interessiert, dürfte das interessant finden:

Is a Greek bond buyback really as daft as some economists suggest? | Economics Intelligence

Update 4 (29.11.12):

Pessimistische Einschätzung in der FAZ:

Leserkommentare zu: Wirtschaftsgeschichte: Der zweifelhafte Nutzen des Schuldenrückkaufs - Seite 1 - FAZ

Und in einem muss ich mich auch korrigieren. Der öffentliche Sektor will sich NICHT beteiligen, zumindest bisher nicht. Das Rückkaufangebot soll nur für die etwa 68 Mrd. Euro (Nennwert) Griechenlandschulden gelten, die in den Händen privater Gläubiger liegen.

Die FAZ hat auch noch ein paar andere Details ausgegraben.

  • Die Zinsstundung von 10 Jahren gilt wohl für alle Kredite von EFSF und direkten Hilfen der Länder. 
  • Auch die Laufzeitverlängerung um 15 Jahre gilt für alle diese Kredite. 
  • Der aktuelle Zins der Kredite, deren Zins um die vollen 100 Basispunkte sinkt, liegt damit nun bei nur noch 0,7%.

Warum streiken die faulen Griechen schon wieder?

Deswegen:
ekathimerini.com | Over 2.3 mln Greeks living below poverty line in 2010
20% der Griechen leben unterhalb der Armutsgrenze. In absoluten Zahlen: 2,34 Millionen.

Oder deswegen:
Über 700000 Arbeitslose in Griechenland ohne Arbeitslosengeld
Nicht Hartz IV oder so, sondern OHNE Hartz IV.

Und deswegen:
Ausfuhrstopp: Merck liefert Krebsmedikament nicht mehr an griechische Kliniken - Unternehmen - FAZ
Medikamente könnt ihr euch gefälligst selber kaufen.

Vielleicht auch deswegen?
Schulen in Griechenland schließen mangels Heizung
Holzöfen gehen auch. Bringen die Kinder halt ein paar trockene Äste auf dem Schulweg mit ...

Oder wegen eines Mindestlohns von 586 Euro im Monat (ergo 3,39€ die Stunde). Was in etwa die Hälfte der deutschen Armutsgrenze wäre ...

Oder wegen der unglaublich kompetenten Regierung, die knallhart gegen die korrupte Elite des Landes vorgeht:

Auch Griechenland hat jetzt Steuer-CDs aus der Schweiz …
… und verschlampt sie gleich wieder …

Vielleicht aber auch, weil die Griechen inzwischen jede Hoffnung verloren haben. Und niemand mehr weiss, warum noch mehr und noch härter gespart werden soll, obwohl in den letzten 4 Jahren deutlich geworden sein sollte, dass das einen viel stärkeren Wirtschaftseinbruch zur Folge hat, als man am Anfang dachte.

Wo bleibt das Konjunkturprogramm? Wo bleiben die großen Investitionen, die unser Superwirtschaftsminister Rösler bei seinem Griechenlandbesuch vorbereitet hat? Wo bleibt ein Ausblick in die Zukunft, der endlich Arbeit, Wachstum, ergo Hoffnung verbreitet?

Stattdessen bekommen wir - leider durchaus plausible Hochrechnungen - dass die Sparbemühungen auch 2013 wieder nach hinten losgehen und man dann nach noch mehr Sparen, Armut und Leiden genau so weit vom Ziel entfernt ist wie im Moment:

Ekathimerini: Griechenlands BIP könnte 2013 9% fallen - egghat's not so micro blog

Update (12.11.12)

Oder das hier :-(

Hanging in quiet desperation is (becoming) the Greek way


Deutschland hat eine Bank von Weltruf. Berühmt berüchtigt.

und wie üblich, wenn es etwas aus Deutschland Weltruf hat, zittert die Welt davor (außer vielleicht vor deutschem Bier ;-) ).

Dieses Mal zittert die Welt vor der Deutschen Bank, die es unter die vier gefährlichsten Banken der Welt geschafft hat. Berechnet wird die Liste vom Financial Stability Board der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ oder BIS auf Englisch). Gefährlich ist hier definiert als "too big to fail", zu groß um die Bank Pleitegehen lassen zu können, und auch zu groß, um von einem Staat alleine gerettet werden zu können.

Damit das nicht passiert, müssen diese Banken, je nach "Gefährlichkeit" besonders strenge Eigenkapitalrichtlinien erfüllen. Im Fall der Deutschen Bank bedeutet das einen zusätzlichen Aufschlag von 2,5% auf den normalen Puffer von 7,0% (also 9,5%), der ab 2016 erreicht werden muss.

Die Banken mit 9,5% Eigenkapitalanforderung:
  • Deutsche Bank (D, eine Stufe höher als im letzten Jahr)
  • Citigroup (USA)
  • JP Morgan Chase (USA)
  • HSBC (UK)
Die Banken mit 9,0%:
  • Barclays (UK)
  • BNP Paribas (F, eine Stufe niedriger)
Die Banken mit 8,5%:
  • Bank of America (USA, eine Stufe niedriger als im letzten Jahr)
  • Bank of New York Mellon (USA)
  • Credit Suisse (CH, eine Stufe höher)
  • Goldman Sachs (USA)
  • Mitsubishi UFJ FG (J, eine Stufe rauf)
  • Morgan Stanley (USA)
  • Royal Bank of Scotland (UK, eine Stufe rauf)
  • UBS (CH, eine Stufe rauf)
Die Banken mit 8,0%:
  • Bank of China 
  • BBVA (ESP, neu auf die Liste))
  • Groupe BPCE (F)
  • Group Crédit Agricole (F, eine Stufe runter)
  • ING Bank (NL)
  • Mizuho FG (J)
  • Nordea (SWE)
  • Santander (ESP)
  • Société Générale (F)
  • Standard Chartered (UK, neu auf der Liste)
  • State Street (USA)
  • Sumitomo Mitsui FG (J)
  • Unicredit Group (ITA)
  • Wells Fargo (USA)
Aus der Liste gefallen ist die Commerzbank, LLoyds und die zerschlagene Dexia.

Die Änderungen zum Vorjahr sind mit Vorsicht zu genießen, weil das FSB (Financial Stability Board) meines Wissens im letzten Jahr nur die Liste der 29 Banken veröffentlicht hat, die Einteilung in die Körbe aber nicht offiziell bekannt gegeben wurden. Sie tröpfelten aber trotzdem zum großen Teil heraus:

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: EK-Zuschläge der großen Großbanken raus

Die Liste (inkl. Körbe) Stand Ende 2012.
http://www.financialstabilityboard.org/publications/r_121031ac.pdf

Das nächste Update kommt im nächsten November 2013.

Interessant, dass die Banken aus den USA generell etwas unkritischer gesehen wurden, während die Banken in Europa eher nach oben gingen. Dass die Deutsche Bank jetzt gleich zwei Klassen höher, sprich risikoreicher eingestuft wird als die Bank of America oder Goldman Sachs, verblüfft dann doch etwas ...

Benzin ist (immer noch) teuer, Öl aber nicht. Warum?

Hint: Es ist nicht nur der Euro.

Die Frage hat die EZB auseinandergedröselt und die FTD fasst die Gründe zusammen.
In der Spitze lag der Ölpreis 2008 bei 134 Dollar, heute kostet ein Fass Öl etwa 110 Dollar. Ein Liter Super kostete damals 1,46€, heute jedoch 1,60€.

Es gibt im Wesentlichen drei Gründe für den Benzinpreisanstieg (jeweils europäische Durchschnittspreise):
  1. Der schwächere Euro. In Euro gerechnet ist der Ölpreis nämlich nicht gesunken (siehe oben minus 24 Dollar), sondern um 4 Euro gestiegen. Auf den Preis eines Liters Benzin umgerechnet ergibt das 2,4 Cent Plus.
  2. Die Raffinerien arbeiten wieder mit Gewinn. 2008 arbeiteten sie mit einem Minus von 0,4 Cent je Liter, jetzt mit einem relativ kräftigen Gewinn von 9,8 Cent je Liter.
    Zusammengenommen sind die Spritpreise um 12,6 Cent gestiegen.
  3. Steuern: Statt 79,9 Cent (2008) werden in Europa jetzt durchschnittlich 92,4 Cent auf einen Liter Benzin erhoben. Das macht weitere 12,5 Cent aus.
Insgesamt geht also eine Hälfte des Gesamtanstiegs von 25,1 Cent je Liter Benzin auf den Ölpreis und die Ölbranche zurück, die andere Hälfte auf den Staat.

Die deutlich höheren Gewinne der Raffinerien werden auf einen kräftigen Kapazitätsabbau zurückgeführt. Aber davon ab: Die Argumentation der Ölkonzerne, man würde an einem Liter Sprit nichts verdienen und die Tankstellen wären nur Plus-Minus-Nullgeschäfte, lenkt natürlich ab: Denn das Geld wird bereits (von den gleichen Konzernen) früher in der Produktionskette verdient: Nämlich der Raffinerie (und der Förderung natürlich ebenfalls).

Daher ist es auch kein Wunder, dass sich die Ermittlungen der Kartellbehörden im Ölmarkt schon seit einiger Zeit mehr gegen die Raffinerien und weniger gegen die Tankstellen richten ...

Beim Diesel ist die Rechnung übrigens ganz anders. Hier ist die Marge der Raffinerien gesunken (von 13,2 auf 8,9 Cent). Dafür stiegen die Verkaufskosten um 2,4 Cent (das ist die Marge der Tankstellen. Bei Benzin war diese unverändert). Inklusive der Preiserhöhung des Ausgangsprodukts Öl gab es beim Diesel so nur einen leichten Anstieg der Vorsteuerpreises um 0,5 Cent.

Die Steuererhöhungen schlugen aber fast so stark zu wie beim Benzin und hoben den Endpreis um 8,5 Cent an. Insgesamt stieg der Preis von Diesel aber "nur" um 9,1 Cent.

Alles das gibt es bei der EZB in Form einer Tabelle (Flüssiggas ist auch noch drin, da hat sich dank fast vollständig ausgebliebener Steuererhöhungen kaum was am Preis getan):



Die FTD hat daraus noch ein paar schöne Infografiken gebastelt:

Trotz günstigem Öl: Warum Benzin so teuer ist | FTD.de

und für die ganz Harten gibt es natürlich auch noch die Quelle (was die FTD mal wieder nicht geschafft hat ...)

ECB: MONTHLY BULLETIN OCTOBER (PDF) (ab Seite 38)

(Das ganze Thema ist übrigens ziemlich kompliziert, weil man aus einem Liter Rohöl nur eine genau definierte Menge Benzin und Diesel raffinieren kann. (Es gibt übrigens einen sehr tollen Erklärfilm aus der Sendung mit der Maus dazu, der aber nur gegen Geld erhältlich ist). Das Verhältnis von Benzin und Diesel (und Teer und was da sonst noch rauskommt) ist fix. Man kann also bei steigender Nachfrage von Diesel nicht einfach mehr Diesel herstellen, ohne gleichzeitig auch mehr Benzin zu bekommen. Das beeinflusst die beiden Preise manchmal extrem. Es gibt eine Reihe Händler an den Öl- und Benzinbörsen, die ausschließlich auf diese Preisschwankungen spekulieren ... Ob und wie die EZB das in ihrer Berechnung berücksichtigt hat, kann ich leider nicht sagen)

US-BIP Q03-12: +2,0%

Es ist die erste Schätzung, also die, die sich noch deutlich ändern kann. Daher muss man das alles ohne Gewähr nehmen.

Trotzdem ist das Plus von

2,0%,

das heute als auf's Jahr hochgerechnete Wachstumsrate bekanntgegeben wurde, eine positive Zahl. Die Erwartungen der Analysten wurde in den letzten Wochen zwar schon mehrfach angehoben, aber 2,0% liegt trotzdem noch am oberen Rand der Erwartungen (Duchschnittsschätzung war +1,8%).

Richtig positiv wird das Plus wenn man berücksichtigt, dass die Inflation mit 2,9% sehr hoch angesetzt wurde. Das Bruttoplus lag also fast bei 5%. Das Nettoplus ging also auf wirkliches Wachstum zurück und nicht nur auf eine niedrige Inflationsrate.

Generell zeigt sich ein einfaches Bild: Der Verbraucher ist positiv gestimmt, die Unternehmen bleiben eher vorsichtig.

Die Verbraucherausgaben steuerten 1,42 Prozentpunkte zum Wachstum bei, also knapp 3/4. Hier spiegelt sich die abnehmende Angst vor Arbeitsplatzverlusten sicher genau so wider wie die sich festigende Erholung am US-Immobilienmarkt.

Weitere 0,71 Prozentpunkte kamen vom Staatssektor, das erste Plus seit gefühlten Ewigkeiten. (hat da gerade jemand was von Wahlen gesagt?!? Da gibt es bestimmt keinen Zusammenhang ;-) ). Wie lange die USA das angesichts der hohen laufenden Schulden durchhalten können, ist fraglich.

Die restlichen Sektoren waren neutral bis leicht negativ. Im- und Export trugen nichts Wesentliches - weder positiv noch negativ - zum BIP bei. Die Investitionen waren auch leicht negativ.

Und neben den schwachen Investitionen gab es ein paar weitere Wermutstropfen. Die realen Einkommen der US-Bürger stiegen nur um 0,8%. Das relativ große Plus bei den Konsumausgaben musste daher auch über eine niedrigere Sparquote erfolgen. Statt 4,0% wie im Vorquartal waren es nur noch 3,7%. Die zwischenzeitlich auf etwa 6% gestiegene Sparquote entpuppt sich im Nachhinein also als Angstsparen in der Krise. In halbwegs normalen Zeiten geben die Amerikaner ihr Geld wieder fast vollständig aus. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Sparquote grob in der Gegend von 10%.

Es war eine positive Zahl (zumindest ist die befürchtete Abschwächung ausgeblieben), aber sowohl bei den Konsum- wie auch den Staatsausgaben ist es fraglich, ob auch in Zukunft dort noch so viel Wachstum entstehen kann.

BEA: GROSS DOMESTIC PRODUCT: THIRD QUARTER 2012 (ADVANCE ESTIMATE) (PDF)

(Aber es war ja auch das Quartal mit dem iPhone5, das ja tatsächlich Analysten zufolge auf bis zu 0,5 Prozent BIP-Wachstum geschätzt wurde. Nur was kommt jetzt? Das iPad mini? Dann ist das Wachstum im nächsten Quartal ja sicher ;-) )

Bertelsmann Stiftung/Prognos: Wie teuer wird der Euro-Ausstieg?

Prognos hat mit dem firmeneigenen Volkswirtschaftssimulationsmodell (was auch immer das taugen mag) versucht, die Kosten für den Euroaustritt der kritischen Länder zu berechnen.

Dabei wurden die direkten Auswirkungen (Ausfälle auf Kredite) und die indirekten (Wachstumsrückgang) berechnet. Das jeweils für die 4 Fälle: Austritt von Griechenland (G),  zusätzlicher Austritt von Portugal (GP), zusätzlicher Austritt von Spanien (GPS) und zusätzlicher Austritt von Italien (GPSI)

Dabei kommt Prognos zu folgenden Schäden:

a) Kreditausfälle:

Hierbei wurden nur die direkten Ausfälle der Kredite aus den jeweiligen Volkswirtschaften berücksichtigt, also Staat+Unternehmen+Private.

G: 198,7 Mrd. Euro (64 davon in Deutschland)
GP:  223,5 Mrd. Euro (99 davon in D)
GPS:  441,6 Mrd. (davon 266 Mrd. in D)
GPSI:  1,14 Billionen Euro (davon 455 Mrd. in D)

Also schon ganz schön viel ... (Auch wenn über die Simpel-Annahmen 60% Haircut und 50% Abwertung der neu eingeführten Währung trefflich streiten mag, weil hier wirklich alles über einen Kamm geschoren wird. Spanien ist nunmal nicht Griechenland. Im Hinblick auf die Staatsverschuldung, das Handelsbilanzdefizit und die Wettbewerbsfähigkeit sieht Spanien schon deutlich anders aus).

b) Wachstumsdämpfung des BIPs:

Hier sind die Auswirkungen logischerweise viel größer, weil sich diese Effekte multiplizieren. Weniger Import in Griechenland bedeutet halt auch weniger Export woanders. Daher leidet in dieser Berechnungsweise auch China und die USA mit, die in der direkten Betrachtung (nur Kreditausfälle) kaum tangiert werden.

G: 674 Mrd. Euro niedrigeres BIP (davon 73 Mrd. in D, 81 Mrd. in China und 93 Mrd. in den USA)
GP: 1,190 Billionen Euro (225 Mrd. in D, 275 Mrd. in China, 365 Mrd. in den USA)
GPS: 3,605 Billionen (850 Mrd. Euro in D, 924 Mrd. in China, 1,244 Billionen in den USA)
GPSI: 17,157 Billionen (1,707 Billionen in D, 1,922 Billionen in China, 2,825 Billionen in den USA)

Die 1,7 Billionen Euro im letzten Fall für Deutschland entsprechen übrigens etwa 70% eines aktuellen Jahres-BIPs. Anders gesagt: 9 Monate Wirtschaften für die Katz.

In allen vier Fällen ist Frankreich übrigens ähnlich stark betroffen wie die USA, also deutlich stärker als Deutschland. Noch größer wird der Unterschied, wenn man das prozentual betrachtet, da die Volkswirtschaft Frankreichs um einiges kleiner ist als die deutsche ... In Prozent des BIPs wäre das im Fall des GPSI-Exits fast 150% eines Jahres-BIPs (also 18 Monate Wirtschaften für die Katz). OK, die Nähe zu den Volkswirtschaften Italiens und Spaniens erklärt das wahrscheinlich.

Was ebenfalls ganz interessant ist: Die Studie berechnet für einige Länder positive Auswirkungen. Italien und Spanien würden zum Beispiel bei einem Austritt Griechenlands profitieren, wenn auch nur sehr leicht.

http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-BA7393DC-3B126A95/bst/xcms_bst_dms_36638_36639_2.pdf

Ich hatte eine ähnliche Studie schonmal von der Citigroup (?) gesehen und glaubte auch, die verlinkt zu haben, finde das aber nicht wieder.

Bei aller Kritik, die man an solchen Studien anbringen kann: Ich habe bisher keine gesehen, die errechnet hat, dass man einfach die Länder aus dem Euro wirft und nachher alles magisch gut wird. Deutschland kann fleissig weiter produzieren und verkaufen, Griechenland et al sind wieder wettbewerbsfähig und Bingo! - Alle sind glücklich. Die Studien, die ich kenne, zeigen das genau Gegenteil: Alle leiden und zwar massiv. (Wahrscheinlich wird sich HW-Sinn irgendwann das gewünschte Ergebnis schnitzen ...)

Wirtschaftsbuch des Jahres 2012: Tomáš Sedláček

für das Buch "Die Ökonomie von Gut und Böse".

Das ist eine ziemlich gute Wahl, denn Sedláček ist ja quasi Stammgast in meinem Blog. Daher nutze ich die Gelegenheit, ein paar seiner Interviews hier nochmal zu empfehlen. Dann weiss man, was Sedláčeks Themen sind und man merkt schnell, dass er sich klar und verständlich ausdrücken kann (eine Gabe, die viele (eigentlich gute) Ökonomen nicht haben), und ob einen diese Themen interessieren.

(Videotipp: Tomáš Sedláček: Warum die Ökonomie ein kulturelles Phänomen ist; Video ganz unten eingebaut und verlinkt, weil Blogger ab dort die Seite frisst)

Ich recycle hier mal großteilig einen alten Artikel ...

Eine dicke Empfehlung für den zweiten Teil aus dem Wirtschaftsspezial von "Sternstunde Philosophie" im Schweizer Fernsehen.

Ein paar Zitate als Appetithäppchen von mir, damit ihr das Video auch anschaut ;-) Es ist wirklich toll ...

"Was ist der Unterschied zwischen Preis und Wert?  Dort hat die Wirtschaft angefangen. Beim Unterschied zwischen Preis und Wert. Die beiden Begriffe scheinen ähnlich, sind aber total verschieden."

"Nehmen wir ein Beispiel. Die Wirtschaft behauptet, eine wertneutrale, wertfreie Wissenschaft zu sein. Doch wir haben ständig mit Preisen und Werten zu tun. Wie kann die Wirtschaft behaupten, wertfrei zu sein, wenn die Analysten im Fernsehen sagen hört, der Goldpreis ist überbewertet? … Ich behaupte, niemand kennt der Wert von Gold, wir kennen nur den Preis. Oder wie Oscar Wilde schon sagte: 'Ein Zyniker kennt den Preis von allem, aber den Wert von gar nichts.'"

"Die Modelle in der Ökonomie erinnern oft an einen Airbag, der immer funktioniert, nur bei einem Unfall nicht (konkretes Beispiel: Kreditausfallversicherungen auf griechische Staatsanleihen).
Die Demokratie funktioniert manchmal, manchmal funktioniert sie aber nicht. Der Kapitalismus funktioniert manchmal, manchmal funktioniert er nicht. Wir sind gerade in einer Situation, in der wir nicht wissen, ob der Kapitalismus funktioniert."

Und dann kommt auch noch der gute Anhalter durch die Galaxis vor. 42 ist die Antwort. Aber eine Zahl hat keine Bedeutung.


"Freunde sind Menschen, die einander so viel schulden, dass sie den Überblick verloren hat." (wunderbares Bonmot!) 

Und selbst Adam und Eva kommen dran. Den Apfel im Paradies sieht Sedláček nicht als sexuelle Verführung, sondern als wirtschaftliche Verführung, als Verführung zum Konsum. (Spannende Sichtweise).

"Wir müssen die Wirtschaft wieder beseelen. Wir tun so als sei sie ein totes Objekt. Wir pressen sie in Formen, in starre Regeln und meinen, das würde funktionieren . Und dann beginnt sie zu agieren wie ein totes Objekt."
(OK, dieser Ausschnitt erschließt sich in der kurzen Version vielleicht nicht, aber dem Nichtverstehen könnt ihr ja durchs Anschauen eine Ende bereiten ...)

"Was würde passieren, wenn ich einem Psychoanalytiker von meinem Traum erzählen würde, in dem ich immer und immer größer werde? Würde er Minderwertigkeitskomplexe diagnostizieren?" (Wachstum ist die Mantra der aktuellen Wirtschaftsordnung).

"Wir haben Stabilität verkauft und Wachstum [=Schulden] gekauft. Heute müssen wir Wachstum verkaufen und Stabilität kaufen."

Letzteres ist übrigens eine der Kernthesen von Sedláček. Wachstum fand in den letzten Jahrzehnten überwiegend "unnatürlich", sprich über höhere Verschuldung (von Privat- und Staatsektor) statt. Diese höhere Verschuldung bringt aber höhere Risiken und höhere Instabilität mit sich.


Dann vielleicht noch ein Hinweis auf ein vergleichsweise aktuelles Interview mit dem österreichichen Standard Tomáš Sedláček: "Das BIP ist eine dumme Statistik" « DiePresse.com

Schön, dass 2012 wie 2010 wieder ein Buch zum Wirtschaftsbuch des Jahres gekürt wurde mit dem ich was anfangen kann.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Wirtschaftsbuch des Jahres 2010: Susanne Schmidt - Markt ohne Moral (Schmidt war 2012 mit ihrem neuen Buch auch wieder in der engeren Auswahl).

(Dass Goldman Sachs den Preis (10.000 Euro) mit sponsort, ist übrigens einigermaßen absurd ...)

Es waren folgende 10 Bücher vorgeschlagen. Der Graeber wäre auch eine gute Wahl gewesen ... (Links gehen nach Amazon und für jeden Kauf darüber bekomme ich ein paar Groschen ab)

  • Hanno Beck: Geld denkt nicht. Wie wir in Gelddingen einen klaren Kopf behalten
  • Josef Braml: Der amerikanische Patient. Was der drohende Kollaps der USA für die Welt bedeutet
  • Rainer Hank: Die Pleite-Republik. Wie der Schuldenstaat uns entmündigt und wie wir uns befreien können
  • Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel, Stephan Opitz: Der Kulturinfarkt. Von allem zu viel und überall das Gleiche
  • Alexander Neubacher: Ökofimmel. Wie wir versuchen, die Welt zu retten – und was wir damit anrichten
  • Henrik Müller: Euro-Vision. Warum ein Scheitern unserer Währung in die Katastrophe führt
  • Bert Rürup, Dirk Heilmann: Fette Jahre. Warum Deutschland eine glänzende Zukunft hat
Und hier das Video:

Griechenland mit einem Bein in der Deflation

Ich habe es in einigen Kommentaren (D: Inflation 06/12: -0,1% Vm, 1,7% Vj - egghat's not so micro blog oder hier Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum Südeuropa nicht verloren ist (auch wenn es viele behaupten)) schon angedeutet (und fast eine Wette angeboten, die ich natürlich verloren hätte ...): Es würde mich nicht wundern, wenn Griechenland noch dieses Jahr in eine Deflation abkippen würde. Preistreiber in den letzten Monaten waren IMHO nur noch steigende Energiepreise ("September war in D teuerster Tankmonat aller Zeiten") und die durch die Sparprogramme verursachten Steuererhöhungen.

Die spannende Zahl für die Wette wäre die Septemberzahl für die griechische Inflation gewesen. Weil im September des Vorjahres die Mehrwertsteuer erhöht wurde (IIRC zum zweiten Mal) und die Inflationsrate für den September 2012 daher den preistreibenden Effekt der Mehrwertsteuererhöhung zum ersten Mal nicht mehr enthält.

Die Jahresrate des HVPI (harmonisierter Verbraucherpreisindex (Wikipedia) oder HICP auf Englisch) ist im September 2012 auf ein Plus von

0,3%

eingebrochen. Im Vormonat (inkl. des Effekt durch die Mehrwertsteuererhöhung) lag die Rate noch bei 1,2%, 2010 waren es sogar noch über 5%. Im Durchschnitt liegt der HVPI in Europa bei fast 3 Prozent und ist im Vergleich zum Vormonat sogar leicht gestiegen (man sieht, wie extrem der deflationäre Basistrend in Griechenland ist).

Leider weist die griechische Statistikbehörde keine Kernrate der Inflation aus, in der Nahrungsmittel- und Energiepreise herausgerechnet werden. Diese dürfte jetzt schon ziemlich deutlich im Minus liegen. Denn in der Aufschlüsselung der einzelnen Preise steigen nur Nahrungsmittel, "Housing" und "Transport". In den detaillierteren Jahresstatistiken habe ich gesehen, dass in "Housing" auch Energiekosten (Strom und Heizung) stecken und in "Transport" logischerweise auch. Bei unveränderten Rohölpreisen (und unveränderten Energiesteuern) wäre Griechenland wohl schon in der Deflation angekommen.

Das ist dummerweise sehr negativ für Griechenland, denn die Inflation ist einer der zwei wichtigen Faktoren, die den Abbau einer zu hohen Schuldenlast ermöglicht: Einer ist Wachstum, der zweite die Inflation und der dritte (allerdings deutlich unwichtigere) Sparsamkeit. Sparsamkeit ist deshalb vergleichsweise unwichtig, weil man durch zu starkes Sparen das Wachstum bremst. Sparsamkeit hilft also nur begrenzt weiter (siehe auch Griechenland spart nicht nur zu viel, sondern auch falsch - egghat's not so micro blog).

Die Schuldenlast Griechenlands in Prozent des BIPs wird durch eine Deflation weiter steigen, weil nun auf einen BIP-Rückgang von vielleicht 5% noch ein Preisrückgang hinzu kommen könnte. Die offiziellen Prognosen zum Schuldenstand in Prozent des BIPs enthalten diesen Effekt meiner Einschätzung nach noch nicht. Stellt Euch also schonmal auf die nächste negative Überraschung aus Griechenland ein ...

Statistics.gr: HARMONIZED INDEX OF CONSUMER PRICES: September 2012 (PDF)

Wie hoch ist der volkswirtschaftliche Nutzen von Patenten

Gibt es ihn überhaupt? Oder ist er gar negativ?

Ein Thema, zu dem ich schon lange was schreiben wollte. Habe zwar auch heute nicht wirklich die Zeit, viel zu schreiben. Trotzdem sei ein Lesehinweis vor dem (wohl zumindest teilweise verregneten) Wochenende gestattet.

Politiker und Wirtschaftsbosse erzählen ja häufig und gerne, dass Patente wichtig seien, dass sie die Forschung ankurbeln und Voraussetzung für Innovationen und Wohlstand seien. Das ist in der öffentlichen Argumentation dermaßen in den DNA aller Beteiligten eingegangen, dass man die Anzahl der Patente zu einem Indikator für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft gemacht hat.

Diese positiven Effekte sind sicherlich da, aber es gibt eben auch negative. Der Öffentlichkeit halbwegs bewusst wurden diese in der Diskussion um die Einführung von Softwarepatenten in Europa. Noch mehr Aufmerksamkeit hat das Thema in letzter Zeit durch den Fall Apple vs. Samsung bekommen (wobei etwas komisch ist, dass Microsoft schon länger von quasi allen Android-Lizenznehmern Lizenzgebühren bekommt, was fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Jetzt wo Apple Geld haben will, ist das auf einmal biiiig njuuus).

Der mögliche negative Effekt sind Markteintrittsbarrieren. Wenn erst einmal ein Markt mit Hunderten oder Tausenden von Patenten abgesichert ist, fällt es Späteinsteigern unglaublich schwer, in diesen Markt einzutreten. Die Platzhirschen haben sich für jedes kleinste Details in jeder möglichen Ausprägung bereits Patente gesichert. Es bildet sich ein Oligopol von etablierten Firmen. Man nehme den Automarkt oder den Smartphonemarkt (bis auf Apple und die Chinesen kommt da keiner neu in den Markt)

Der Neueinsteiger muss dann entweder andere (schlechtere) Verfahren umsetzen oder eine Unzahl von Patenten lizensieren. Dadurch wird das Produkt  entweder schlechter oder teurer. Die Platzhirsche untereinander hingegen haben häufig großzügige gegenseitige Patentlizensierungsabkommen abgeschlossen und können gegenseitig die Patente kostenlos nutzen (zwischen Apple und Microsoft gibt es z.B. einen solchen sehr weitgehenden Friedensvertrag; das ist der Grund, warum sich diese beiden Firmen nicht vor Gericht verklagen).

Diese negativen Folgen werden von den Politikern und der Wirtschaft häufig ausgeblendet. Dabei beschleichen sicherlich nicht nur mich Zweifel am Patentsystem. Ich frage mich, ob das nicht nur noch eine große Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Juristen ist ... (Dazu habe ich auch irgendwo einen Link. Darin ging es darum, dass in den USA inzwischen mehr Geld für Patentstreitigkeiten ausgegeben wurde als Lizenzeinnahmen für Patente erzielt werden konnten. Finde den leider nicht wieder)

Nach einer Studie der Federal Reserve Bank of St. Louis (eine der regionalen Zweigstellen, aus den die US-Fed besteht) kommen einem massive Zweifel daran, ob ein strenges Patentrecht die Innovation wirklich fördert:
"there is no empirical evidence that they [patents] serve to increase innovation and productivity, unless the latter is identified with the number of patents awarded – which, as evidence shows, has no correlation with measured productivity."
Patente erhöhen also zumindest die Produktivität einer Volkswirtschaft (der Basis für Wohlstand) nicht.
"we have neither seen a dramatic acceleration in the rate of technological progress nor a major increase in the levels of R&D expenditure"
Hmm, die Forschungsausgaben steigen auch nicht mit steigender Anzahl von Patenten.

Das Papier argumentiert sogar im Gegenteil, dass sich die größten Innovationen historisch immer in den Bereichen abgespielt haben, in denen die Spieler schamlos voneinander klauen durften. Das letzte und aktuellste Beispiel ist das Internet, das Beispiel davor war der Personalcomputer.
Die Autoren der Studie gehen daher weiter:
"strong patent systems retard innovation with many negative side-effects"
Das schreit natürlich nach einer Änderung des Patentrechts und die wird auch konsequenterweise eingefordert:
"Hence the best solution is to abolish patents entirely through strong constitutional measures and to find other legislative instruments, less open to lobbying and rent-seeking, to foster innovation whenever there is clear evidence that laissez-faire under-supplies it."
Die Autoren Michele Boldrin und David K. Levine fordern also nicht mehr und nicht weniger als eine Komplettzerstörung des aktuellen Patentrechts. Eine Neueinführung gibt es nur per Beweislastumkehr. Patente an sich sind Boldrin und Levine zufolge kein erstrebenswertes Ziel, sondern nur eine Notlösung für Märkte, in denen die Innovation ohne Patente zusammenbrechen würde. Kurz: Patente nur nach dem Nachweis der Nützlichkeit. Und das spezifisch für jede Branche.

Scrollpatente wie die von Apple würden ziemlich sicher nicht dazugehören. Und auch nicht die Patente, für die Microsoft Geld von den Android-Lizenznehmern bekommt (es soll übrigens um 10 bis 15 Dollar pro Android Gerät gehen). Und viele, viele andere Patente ebenfalls nicht.

Obwohl man selbst als Patentkritiker zugeben muss, dass diese angeblich so trivialen Patente durchaus eine Rolle gespielt haben könnten, um aus einem kleinen Nischen-PC-Hersteller den wertvollsten Konzern der Welt zu schmieden. Sooo ganz unwichtig scheinen solche Details nicht zu sein.
Auf der anderen Seite könnte man auch argumentieren, dass das mehr oder weniger schamlose Kopieren dieser Apple-Patente von Google für Android den/das Nutzen von Smartphones für große Teile der Bevölkerung erst ermöglicht hat. Weil diese sich das 200 Euro-Android Smartphone im Gegensatz zum 679 Euro iPhone leisten können und nur durch die Kopien von den Innovationen profitieren können.

Aber nun ja, ich habe ja nie gesagt, dass diese Diskussion einfach ist ...

Auch ohne einen absoluten Schluss ziehen zu können, kann man aus der Studie eine wichtige Erkenntnis mitnehmen: Die These, dass ein strengeres Patentsystem zu höheren Forschungsausgaben und mehr Innovation führt, kann statistisch nicht belegt werden. Und damit wackelt nicht mehr und nicht weniger als eine der zentralen Stützen der Pro-Patent-Argumentation.

Michele Boldrin and David K. Levine: The Case Against Patents (PDF)

Update (10.10.12):

Schlussabschnitt ab dem letzten Zitat für Carta etwas ausdifferenziert.

Update 2 (11.10.12):

Ziemlich interessanter NewYork Times Artikel zum Thema. Mit Schwerpunkt auf Apple, Samsung, Siri (achtmal eingereicht, bis das Patent endlich durchkam) und Nuance.

In Technology Wars, Using the Patent as a Sword - NYTimes.com

Die Aussage, dass die Lizenzeinnahmen durch Patente niedriger sind als die Rechtsanwaltskosten für die Verteidigung von Patenten, habe ich immer noch nicht wieder gefunden. Allerdings erwähnt die NYT einen anderen interessanten Datenpunkt: Sowohl Google wie auch Apple haben 2011 mehr Geld für Patentrechtsstreitigkeiten ausgeben als für Forschung.

Update 3:

Ezra Klein hat in der Washington Post was dazu gebloggt. Insbesondere die Studien am Ende für die Gegenmeinungen sind interessant:

Washington Post: The case against patents

USA 2011: keine Einkommenszuwächse für mehr als 95% der Bevölkerung.

Die Zahlen stammen aus dem Einkommensbericht der Statistikbehörde der USA. Der Bericht ist schon ein paar Tage alt, aber die Zahlen sind so extrem, dass man ruhig nochmal drüber schreiben kann.

Wenn man die 93% erklären will, muss ich mir die Verteilung des Einkommenszuwachses anschauen. Aber was heisst schon Zuwachs? Wenn ich die Bevölkerung nach Einkommen in 5 Scheiben schneide, hatten die 4 Scheiben mit den niedrigsten Einkommen in 2011 Rückgänge zu verzeichnen.

-1,2% (bis 20.262$/Jahr)
-1,0% (20.263 bis 38.250$/Jahr)
-1,9% (38.251 bis 62.434$/Jahr)
-1,8% (62.435 bis 101.582$/Jahr)
+1,6% (über 101.582$)

Die obersten 5% (ab 186.000$) konnten noch stärker zulegen und verdienten 4,9% mehr. Aus den 1,6% Plus für die Top-20% und den 4,9% Plus für die Top-5% kann man schon ableiten, dass nicht einmal die unteren 15 Prozentpunkte der obersten 20% (also die zwischen 80 bis 95% der Einkommen) Zuwächse hatte. Das konzentrierte sich ausschließlich ganz oben.

Ob wirklich 93% der Einkommenszuwächse 2011 an das oberste Prozent gingen, (wie Bloomberg in der Überschrift schreibt) ist unklar, weil das Zensusbüro das oberste Prozent nicht einzeln ausweist. Eine entsprechende Untersuchung gab es (extern) für 2010 (habe ich anscheinend nicht verbloggt). Dass Bloomberg das in diesen Bericht mischt, ist IMHO nicht ganz sauber.

Der Median des Haushaltseinkommens ist seit 2007 (also in der Rezession) um 8,1%, seit 1999 (dem bisherigen Höhepunkt) um 8,9% gefallen. Die Stagnation der Nullerjahre bis zur Rezession2, die ja schon vielfach als verlorenes Jahrzehnt beschrieben wurden, waren also nicht der Tiefpunkt. Es geht noch schlimmer ... Aus "kein Einkommenszuwachs" für den Großteil der Bevölkerung kann auch ein "kräftiger Rückgang" werden ...

Krass auch die Zahlen, wenn man sich diese ganz langfristig anschaut. Die untersten 20% der Einkommenspyramide konnten 1967 5,6% der Gesamteinkommen auf sich vereinen. Sicherlich schon kein toller Wert. 1982 fiel der Wert erstmals unter 5,0%, 1987 und 4,5%, 1993 unter 4,0% und 2010 unter 3,5%.

Das setzt sich in den anderen Einkommensschichten fort: Das zweite Quintil sank in den letzten 35 Jahren von 12,0% auf 9,0%, das mittlere von 17,1% auf 14,8%, das obere von 23,2% auf 22,8%. Nur das einkommensstärkste Quintil legte von 42,1% auf 50,0% zu.

Im Gegenzug steigt der Anteil der Armen wieder. Vom Tief im Jahre 1973 (11,1%, 1960 waren es aber noch 22,2%), kletterte der Anteil der armen Personen (nicht Haushalte) wieder auf 15,0%. Von 308 Millionen Amerikanern sind also 46,2 Millionen arm.  Wie in Deutschland auch, sind kinderreiche Familien besonders betroffen. Von den Unter-18-Jährigen gelten 21,9% als arm. Diese Zahlen waren 2010 minimal schlechter, andersherum muss man sagen, dass die Wirtschaftserholung keine Wirkung gezeigt hat.

Immerhin: Der Anteil der Amerikaner, die nicht in über eine Krankenkasse versichert sind, ist leicht gesunken. Statt 16,3% sind es jetzt "nur" noch 15,7%. Trotzdem ist das der drittschlechteste Wert der letzten 13 Jahre (weiter geht die Statistik nicht zurück). (Btw: Da fragt man sich, warum das ganze Medicare Palaver gemacht wurde, die Auswirkungen der Reform bliebt bisher ziemlich überschaubar).

Wenn man sich jetzt noch die ganzen Detailzahlen anschaut und dabei vor allem der Drilldown auf Hispanics und Schwarze, wird einem erst richtig schlecht. Deshalb spare ich mir das lieber ...
Ich sage nur, dass Mr. 47%-sind-mir-egal-Romney auf dem Holzweg ist. Ich würde ihm empfehlen, einfach die 95%, deren Einkommen zurückgehen, als Taugenichtse bezeichnen. Dann geht die Wahl wenigstens richtig aus ;-)

Bloomberg: Top 1% Got 93% of Income Growth as Rich-Poor Gap Widened

Census.gov Income, Poverty, and Health Insurance Coverage in the United States: 2011 PDF!)

Warum Südeuropa nicht verloren ist (auch wenn es viele behaupten)

Weil sie das vor Jahren mal analysiert haben und jetzt weiterhin den Eurountergang predigen wollen. Warum noch mal die Fakten checken?

Worauf will ich hinaus? In der Anfangsphase der Eurokrise hieß es, dass die über ein gutes Jahrzehnt immer weiter gewachsenen Handelsbilanzdefizite der Südstaaten das größte Problem seien. Defizite müssen über Kapitalzufluss aus dem Ausland gedeckt werden, was die Schulden erhöht (übrigens nicht zwangsläufig die Staatsschulden). Früher oder später sind die Volkswirtschaften dann überschuldet. Das stimmt so weit auch. Was aber nicht stimmt: Dass man die Handelsbilanzdefizite nicht reduzieren kann.

Denn das geht auf zwei Arten: Exporte rauf oder Importe runter (oder durch eine Kombination aus beidem). Genau das ist - entgegen der Einschätzung der Pessimisten - nun auch passiert. Die Exporte sind deutlich gestiegen, allerdings war gerade im Fall von Griechenland das Niveau so niedrig, dass das nicht viel bedeutet.

Entscheidender waren in allen Staaten die Sparmaßnahmen. Der Staat musste seine Ausgaben einschränken, die Unternehmen sparten, die Verbraucher sparten, und zwangsläufig ging die Arbeitslosigkeit durch die Decke. Alles sehr sehr unschön, alles nicht der von mir bevorzugte Weg. Aber eines hat das bewirkt: Niemand hatte mehr Geld zum Ausgeben. Und damit auch nicht mehr für Importe. Also pendelte sich die Handelsbilanz langsam wieder ein. Das Handelsbilanzdefizit wurde quasi weggespart.

Inzwischen ist aus dem Handelsbilanzminus der fünf kritischen Staaten von fast 5% des BIPs (2008) eine ausgeglichene Bilanz geworden.


Ich will nicht groß ins Jubeln geraten, aber eines der größten Probleme der Eurozone ist damit gelöst. Man sollte das nicht unterschätzen. Und wenn ich mir das permanente Geschwätz von der Unrettbarkeit der Eurozone täglich so anhöre, hat sich das wohl noch nicht herumgesprochen.

Eines der größten grundliegenden Probleme der Eurozone ist damit gelöst.

FT Alphaville » Turning German (or trying to)

Krisenländer schwenken auf Erholungskurs - Nachrichten Print - WELT AM SONNTAG - Wirtschaft (Print WAMS) - DIE WELT

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Generell glaube ich, dass die kritischen Volkswirtschaften in Europa schon lange unter "Normalnull" gesunken sind. Es gibt eine totale Zurückhaltung, was jede Art von Investition angeht. Geld für Forschung, neue Fabriken oder Maschinen nimmt aktuell niemand in die Hand. Nicht einmal mehr in sichere Immobilien wird Geld gesteckt, schon gar nicht aus dem Ausland.

Solange die Unsicherheit bezüglich der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung anhält, wird sich daran kaum was ändern. Vor allem wenn zusätzlich noch das Damoklesschwert eines Euroaustritts über den Ländern hängt.

In Spanien kann man das sehr schön sehen:


Das gelb-orangene ist die eigentliche Handelsbilanz. Diese ist von minus 6%/BIP quasi auf Null geschrumpft. Der Rest sind Kapitalabflüsse, teilweise aus Zinszahlungen (bekommt man nicht einfach weg), teilweise sind es auch einfach Fluchtbewegungen des Gelds in die "sichere" Kern-Eurozone (i.W. Deutschland). Diese bekommt man aber nur mit mehr Sicherheit gestoppt, mit der Zusicherung, dass das Land in der Eurozone bleibt. Und nicht durch weiteres Maulheldentum, sondern durch eine Tat. Gemeinsamer Bond. Haftung mitübernehmen. Was auch immer.

Vielleicht reicht auch einfach mal etwas positivere Berichterstattung. Die Katastrophennachrichten machen immer die Runde. Griechenland braucht 30 Milliarden mehr. Hört sich viel an. Ist über die nächsten 4 Jahre gesehen aber nicht so viel. Daran geht niemand zu Grunde. Ungarn bekommt auch über 4,5% seines BIPs über Transferzahlungen aus dem Haushalt in Brüssel. Irland hat solch hohe Leistungen ebenfalls in ganzes Jahrzehnt lang bekommen. Das geht in Griechenland im Notfall auch. Man muss es nur wollen ...

Wichtig ist vor allem, dass den Politikern in Brüssel mal langsam die Erkenntnis kommt, dass es *nur* mit Sparen nicht weiter geht, weil sie so fleissig weiter an der Abwärtsspirale drehen. Und dass noch mehr sparen bei der Reduzierung des Handelsbilanzdefizits nicht weiter hilft. Das ist nämlich bereits weg ...

EU begräbt E10 Pläne. Vernunft siegt. Oh Wunder!

Manchmal schreibt man doch nicht nur für die Katz ... Zumindest rede ich mir das jetzt mal ein ...

Die EU hat nach Reuters-Informationen die Planung zur Beimischung von Sprit bzw. Diesel aus nachwachsenden Rohstoffen gekippt. Statt wie bisher geplant bis 2020 verpflichtend auf 10% Beimischung zu gehen (was in Deutschland zu E10 geführt hat), soll die Beimischung auf maximal 5% beschränkt werden. Es wird also nicht nur die Verpflichtung zeitlich gestreckt oder den Ländern freigestellt, ob sie 5 oder 10% Beimischung haben wollen, sondern es soll direkt eine neue Obergrenze eingeführt werden, die bei der Hälfte der ursprünglich geplanten Untergrenze liegt.

Heftiger kann eine Kehrtwende kaum sein ...

Der Auslöser sind wissenschaftliche Studien, die errechnet haben, dass die CO2 Ersparnis durch Biodiesel bzw. Biosprit niedriger ist als erwartet. Unter bestimmten Umständen kann sie sogar negativ sein, sprich man braucht für den Anbau und die Herstellung von Biosprit/-diesel sogar mehr Energie als am Ende dabei rauskommt ...

Neu sind diese Erkenntnisse aber nicht ... Dass Ethanol kaum etwas bringt, ist alt (2007):

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Ethanol vs. Biodiesel
Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Biodiesel doch effizienter als gedacht?

Wenn man überhaupt etwas in der Richtung machen will, dann nicht Bioethanol aus Mais sondern Biodiesel aus Raps, weil dieser weniger Dünger, weniger Pflanzenschutzmittel und nachher auch weniger Energie in der Umwandlung zu Diesel benötigt. Ethanol aus Mais ist (in jeder Hinsicht) wesentlich aufwändiger.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Biokraftstoff bringt CO2-mäßig nichts, sondern kostet sogar!

Diese letzte Studie ist aus 2006(!), die beiden anderen Artikel sind aus 2007. Das ist uralt und überhaupt keine neue Erkenntnis. (im 2006er Artikel habe ich übrigens schon Solarzellen in Griechenland empfohlen. Ich Seher, ich ;-))

Dass die Stimmung jetzt doch kippt, liegt an einer neuen Berechnungsweise. Man hat begonnen, die Landnutzung in der Dritten Welt zu berücksichtigen. Zwar hat die EU die direkte Verwendung von Ölen von gerodeten Regenwaldflächen verboten, aber angesichts der Nachfrage nach Agrarrohstoffen ist es eine glatte Lüge zu behaupten, das würde etwas nützen. Denn auf dem abgeholzten Regenwald wird dann entweder was anderes angebaut (z.B. Soja), das dann als Tierfutter an uns verkauft wird, oder es wird doch Palmöl angebaut, das dann in die USA/China/Japan/Indien verkauft wird.

Nach Berücksichtigung des zusätzlichen CO2-Ausstoßes durch die Rodung kippten die Rechnungen von oben natürlich komplett. Das berechnete 2010 auch das deutsche Fraunhofer-Institut für die EU, woraufhin diese die entsprechenden Textstellen einfach schwärzte. Das ist eine so unfassbar dreiste Fälschung, dass ich bis heute nicht verstehe, warum das nicht zu einem der Skandale des Jahres 2010 wurde ...

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: EU fälscht Studien zur CO2-Ersparnis durch Biodiesel

Nun ja, jetzt hilft auch alles vertuschen nicht mehr. Man behauptet jetzt einfach mal schnell, man wäre schon immer dagegen gewesen ... (Künast: "Wir waren immer gegen E10" - egghat's not so micro blog).

Die ganze E5 (wieso hat sich darüber eigentlich nie jemand aufgeregt?) und E10 Geschichte gab es eh nur aus zwei Gründen:

a) Eine versteckte Agrarsubvention, die vielen Bauern, denen früher über die Zuckersubvention Geld in den Hintern geblasen wurde, das nächste Subventionsfass öffnete
b) Der deutschen Automobilindustrie die Erreichung des maximalen CO2 Ausstoßes zu erleichtern, denn die 10% beigemischten angeblich "CO2-freien" Biosprits/-diesels senkten den CO2-Ausstoß der Autos ...

Und mit den Labeln Klima und Öko lässt sich halt jeder Schwachsinn verkaufen.

Entwurf - EU will Nutzung von Biokraftstoffen begrenzen

Eine Lösung kann nur Biodiesel aus Gräsern oder Jatropha sein, das auf Flächen angebaut wird, auf denen sonst nichts wächst. Oder Biodiesel aus Abfällen. Aber das wird nie im Leben ausreichen, um 10% des Spritbedarfs Deutschlands zu decken.

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: EU-Studie: Biokraftstoffe bringen CO2-mäßig nichts (ach was)

Übrigens bin ich auch weiterhin davon überzeugt, dass der Effekt von Biosprit auf die Nahrungsmittelpreise deutlich größer ist als der Effekt der Spekulanten ... Spekulanten nehmen nämlich kaum Angebot von Markt (der größte Teil ist ein Nullsummenspiel), in Automotoren verbranntes Getreide ist aber für immer weg ... In den USA betrifft das immerhin 50% der Maisproduktion ... Aber nun ja: Öko ist gut, Spekulant ist böse. Da kann man sich schnell einigen, auf wen man schimpfen kann ... (Dazu schreibe ich vielleicht auch noch mal was ...)

Update (21:54):

Inzwischen sind ein paar weitere Details rausgesickert:

Die neue 5%-Obergrenze gilt nur für die "alten" Biokraftstoffe (siehe oben). Über die 5% darf man aber gehen, wenn man den Biosprit aus Planzenabfällen, Klärschlamm, etc. herstellt.

Tank-oder-Teller-Debatte : EU senkt das Ziel für Biokraftstoffe - Wirtschaft - FAZ

Update 2 (12.09.12):

Übrigens ganz interessant, dass lt. WAZ die EU den Diesel aus Rapsöl als wenig effizient und Ethanol aus Mais als relativ effizient einschätzt. Genau andersherum als ich es bisher gelesen hatte. Was die Basis für die neue Einschätzung der EU ist, weiss ich aber auch nicht.

USA: Arbeitslosenquote 08/12: 8,1% (-0,2 Vm, -1,0 Vj)

(So nach zwei Monaten Sommerpause mal wieder ein Arbeitsmarktposting von mir ... )

Für den August gab es einen durchweg enttäuschenden Arbeitsmarktbericht.

Zu den offiziellen Zahlen für den August 2012:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -250.000 auf 12,544 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: -368.000 auf 142,101 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 8,1% (-0,2 zum Vormonat, -1,0 unter dem Vorjahresmonat).

OK, sowohl die Zahl der Arbeitenden als auch die Zahl der Arbeitslosen ist gesunken. Die regelmäßigen Leser ahnen bestimmt schon, woran das liegt: an den NILFs. Von diesen Personen, die nicht mehr dem Arbeitsmarkt angehören ("not in labor force", suchen keinen Job mehr, warum auch immer), gab es im August plötzlich 581.000 mehr. Das ist mindestens der dritte Monat in diesem Jahr, in dem die Zahl der NILFs um mehr als eine halbe Millionen schwankt. Solch extreme Schwankungen lassen einen natürlich schon an der Aussagekraft der Statistik zweifeln ... Daher hilft ein Vergleich mit dem Vorjahr: Im August 2011 waren 86,2 Millionen als NILF "aussortiert", also gut 2,7 Millionen weniger als heute.

Ein guter Check ist die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte gesehen auf die Gesamtbevölkerung). Diese sank im August auf 58,3% (-0,1) und liegt damit wieder genau auf dem Vorjahreswert (das sah in den vergangenen Monaten besser aus).
Obwohl die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahresmonat von 9,1 auf 8,1% kräftig zurückgegangen ist, hat sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nicht verbessert. Damit muss man die Erholung, die im Winter und Frühjahr zu beobachten war, als beendet ansehen.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im August ebenfalls enttäuschend.

Anzahl der Jobs: +96.000 gegenüber dem Vormonat auf 133,300 Millionen. Dem Plus von 103.000 neuen Jobs im privaten Sektor steht ein Verlust von 16.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.

Die Korrekturen der Vormonate zeigen ebenfalls deutlich nach unten: Der Juni wurde um 19.000 auf +45.000 nach unten korrigiert, der Juli um 22.000 nach unten auf 141.000. Insgesamt sind durch die Korrekturen also 41.000 Jobs verloren gegangen. Zieht man diese vom eh schon schwachen Monatsplus von 96.000 ab, bleiben real nur noch 55.000 neue Arbeitsplätze übrig.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb im Vergleich zum Vormonat stabil bei 34,4 Stunden, im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 0,1 Stunden plus. Die Zahl der Überstunden blieb gegenüber dem Vormonat und Vorjahresmonat unverändert bei 3,2 Stunden. Das deckt die Interpretation der Stagnation für den US-Arbeitsmarkt.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese sank - seltenes Hoffnungszeichen im August  - von 15,0 auf 14,7%. Das ist übrigens auch weiterhin deutlich besser als im Vorjahr (16,2%). (Wie bei der allgemeinen Arbeitslosenquote muss man hier aber die NILFs berücksichtigen, die diese Quote möglicherweise deutlicher drücken).

Zusammenfassend: Ein schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote (immerhin eine der zwei Zahlen, die üblicherweise in den Überschriften der Zeitungen auftauchen) sank zwar, dies ging aber allein auf die massiven Umbuchungen in die NILFs zurück.

Die Zahl der neuen Arbeitsplätze blieb mit 96.000 extrem kräftig unter den Erwartungen, die bei ungefähr 150.000 lagen. Wenn man die Abwärtskorrekturen der zwei Vormonate berücksichtigt, blieben vom Plus von 96.000 sogar nur 55.000 übrig.

Auch wenn die Arbeitslosenquote sowohl im Vergleich zum Vormonat (-0,2) und zum Vorjahr (-1,0) eine deutlich Verbesserung anzeigt, bleibt nach genauerem Studium der Zahl davon nichts übrig. Die Anzahl der Arbeitsplätze in den USA wächst in den letzten Monaten wieder schwächer als die Bevölkerung, auf Jahressicht kann man nur noch Stagnation feststellen.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – August 2012

261 Mrd. Dollar Schwarzgeldabfluss aus Griechenland?

Das hat eine NGO namens Global Financial Integrity berechnet.

Schwarzgeld: Griechen sollen Milliarden ins Ausland geschafft haben - SPIEGEL ONLINE

Leider ist die Zahlenbasis genau so dünn wie vor gut einem Jahr, als eine ähnlich hohe Summe durch die Medien geisterte. Ich habe mir damals ein paar Gedanken gemacht und halte die Summe auch heute noch für unrealistisch hoch.

OK, es mag sein, dass Griechenland historisch immer Geld ins Ausland geschafft hat. Und OK, Griechenland ist um einiges korrupter als Deutschland, daher gibt es auch viel mehr Schwarz- oder Bestechungsgeld, das ins Ausland geschafft werden muss. Aber die Größe der Volkswirtschaft Griechenlands liegt trotzdem bei weniger als einem Zwölftel von Deutschland. Und Deutschland hat geschätzte 140 Mrd. Euro in der Schweiz. Griechenland soll doppelt soviel ins Ausland geschafft haben? Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass die Griechen (pro Kopf im Schnitt) 24mal so viel Schwarzgeld versteckt haben wie die Deutschen.

Das glaube ich weiterhin nicht. Die einzig halbwegs offizielle Zahl aus der Schweiz liegt übrigens bei 24 Milliarden Euro. Natürlich werden die Schweizer die Zahl absichtlich niedrig schätzen, um Griechenland nicht zu viel Hoffnung auf viel Geld beim Abschluss eines Steuerabkommens zu machen. Aber ich glaube, dass die Zahl näher an der Wahrheit liegt, als es uns die Schlagzeilen weismachen wollen. In denen schwingt nämlich immer ein ganzes Stückchen "Die korrupten Griechen sollen sich gefälligst selber um ihre Rettung kümmern" mit. (was selbst in diesem Fall Murks ist, denn Deutschland hat es ja auch noch nicht geschafft, mit der Schweiz ein Steuerabkommen zu schließen ...)

Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Hat Griechenland 280 Mrd. Schwarzgeld in der Schweiz?

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