S&P mit Massendowngrade in Europa

So, jetzt ist es raus. Standard & Poors hat zwar angekündigt, die Ratings zeitnah nach dem Euro-Krisengipfel am 9.12. zu aktualisieren, das hat sich dann aber doch etwas hingezogen.

Ex-Triple-A-Länder:

Frankreich: Jetzt AA+, eine Stufe runter von AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)

Österreich: Jetzt AA+, eine Stufe runter von AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)

Das Triple-A-Rating des EFSF ist damit auch Geschichte, was ich aber nicht für so tragisch halte. Bald gibt es nichts mehr mit AAA-Rating, dann kann man eben auch eine Stufe drunter sein. Offiziell gibt es zum EFSF nichts, aber das kam früher auch immer erst ein paar Tage später.

2 Stufen runter:

Italien: Jetzt BBB+, zwei Stufen runter von A. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Spanien: Jetzt A, zwei Stufen runter von AA-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Portugal: Jetzt BB, zwei Stufen runter von BBB-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Zypern: Jetzt BB+, zwei Stufen runter von BBB. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)

Portugal und Zypern sind damit nun offiziell Junk.

Eine Stufe runter:

Malta: Jetzt A-, eine Stufe runter von A. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Slowakei: Jetzt A, eine Stufe runter von A+. Ausblick stabil. (Quelle, Begründung)
Slowenien: Jetzt AA, eine Stufe runter von AA-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)

Stabil:

Belgien:Weiterhin AA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Estland: Weiterhin AA-. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Irland: Weiterhin BBB+. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)


Stabil und auf AAA bleiben:

Finnland: AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Deutschland: AAA. Ausblick stabil. (Quelle, Begründung)
Niederlande: AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)
Luxemburg: AAA. Ausblick negativ. (Quelle, Begründung)


S&P | Standard & Poor's Takes Various Rating Actions On 16 Eurozone Sovereign Governments | Europe


Und keine Panik: Es gibt wichtigeres, dieser Planet bleibt der schönste, den ich kenne ;-)



Update (14.01.12):

Sehr interessante Grafik, die die aktuellen Ratings der Länder (jeweils den Durchschnitt der drei großen Ratingagenturen vermute ich) und die am Markt bezahlten Preise für Kreditausfallversicherungen vergleicht.

Die Linie in der Mitte ist der Durchschnitt. An der Vertikalen sind die Ratings eingetragen (unten ist AAA, oben ist Junk), an der Horizontalen sind die Kosten für Kreditausfallversicherungen eingetragen.

Alle Länder, die unten rechts unterhalb der Linie sind, werden vom Markt negativer gesehen als von den Ratingagenturen, Länder links oberhalb sieht der Markt besser als die Ratingagenturen. Oben vor allem Emerging Markets (Vietnam, Türkei, Indonesien, Brasilien, ...), unten vor allem Europa ... Am weitesten weg von der Linie (hier ist die positive Abweichung der Ratingagenturen von der Marktmeinung am größten) sind:

Frankreich,
Belgien,
Spanien,
Italien,
Irland.

Huih, kein gutes Zeichen ...



Danke an @TeraEuro für den Hinweis.

Update 2 (18:38):

Die FAQ von S&P ist ganz cool ...  Also eigentlich eine Watschn für die gesammelten EU-Politiker ...

Die Gefahren:

(1) tightening credit conditions,
(2) an increase in risk premiums for a widening group of eurozone issuers,
(3) a simultaneous attempt to delever by governments and households,
(4) weakening economic growth prospects, and
(5) an open and prolonged dispute among European policymakers over the proper approach to address challenges.

Besonders Punkt 5 sollte den Politikern zu denken geben.

Es geht dann weiter: Der EU-Gipfel hätte keinen Durchbruch gebracht und schlimmer noch: Die Gründe der Krisen wären nur teilweise verstanden worden. Deshalb hat S&P das Rating für die Politik gesenkt, das eines der fünf entscheidenden für das Gesamtrating ist. Die Effektivität, Stabilität und Berechenbarkeit seit nicht so hoch wie bisher geschätzt, so S&P.

Egal wie viel man über Ratingagenturen meckern möchte, diese Watschn sitzt IMHO.

S&P | Credit FAQ: Factors Behind Our Rating Actions On Eurozone Sovereign Governments | Americas

Update 3 (16.01.12):

Nett von S&P: Heute haben die Ratingexperten den europäischen Politikern das Nachdenken über den EFSF abgenommen. Dort war die Frage, ob die Garantien, die die verbleibenden Triple-A- Länder vergeben haben, aufgestockt werden, ob die Vergabesumme gesenkt werden soll oder ob der EFSF einfach abgewertet werden soll (was wohl Merkels bevorzugte Alternative war). Nun gut, jetzt ist das Dingen auf auf AA+ herabgestuft und damit hat sich dieses Problem erledigt. Auch mal was. Die FAZ nimmt's sportlich ... (man achte auf die Rubrik ;-) ):

Euro-Rettungsfonds: S&P stuft auch EFSF herab - Sport - FAZ

Update 4 (xx.01.12):

Heute hat S&P auch noch einen Haufen Banken aus den Ländern herabgestuft, die ihren Sitz in den Ländern haben, die am Freitag herabgestuft wurden.

Datum, Zahl der Banken und etwas panikschürenden Text an dieser Stelle einsetzen ;-)

Update 5 (16.01.12):

Ach so, erwähnen wollte ich noch, dass nach Fitch (vor ein paar Tagen) heute auch die dritte große Ratingagentur Moody's das Rating Frankreichs explizit bestätigt hat.

Ratingagenturen: Moody's hält zu Frankreich - zumindest vorerst | FTD.de

Generell gingen die Abwertungen an den Finanzmärkten ohne größere Verwerfungen vorüber. Bei den großen Ländern tat sich kaum etwas. Auch die Aktien ließen sich nicht beeindrucken.

Ein Land war allerdings eine Ausnahme: Portugal. Hier explodierte die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe von 12,7 auf 15,8%. 310 Basispunkte an einem Tag sind natürlich dramatisch, allerdings warf die Anleihe vor weniger als drei Monaten auch schonmal mehr als 20 Prozent ab.

Grund für den extremen Sprung heute: Mit der Abwertung auf Junk fliegen die portugiesischen Staatsanleihen nun aus allen großen Rentenindizes. Viele große Anleger orientieren sich daran und sind nun zum Verkauf gezwungen.

gefunden über FT Alphaville » See, ratings do matter

Update 6 (17.01.12):

Der Einbruch bei den portugiesischen Staatsanleihen geht übrigens auch darauf zurück, dass Portugal mit der Herabstufung durch S&P jetzt bei keiner der drei großen Ratingagenturen mehr Investmentqualität hat. Damit sind die Anleihen eigentlich nicht mehr der EZB als Sicherheit hinterlegbar, man bekommt also als Bank für portugiesische Staatsanleihen kein Geld mehr bei der EZB. Weil die portugiesischen Banken vor allem portugiesische Staatsanleihen halten, sind diese damit defakto von der Refinanzierung durch die EZB abgeschnitten.

Wenn nicht die EZB seit der Krise beschlossen hätte, dass auch die Ratings der kanadischen Ratingagentur DBRS "gültig" sind und diese hat Portugal noch auf BBB (neg), also ganz knapp Noch-Investmentqualität. Dass diese vierte Ratingagentur von der EZB anerkannt wird, ist mir ganz entgangen. DBRS hat eine Überprüfung der Euroländer für den 19. Januar angekündigt.

Trinkaus: Der Markt Heute - 17.01.12 (PDF)

Allerdings sollte man das auch nicht zu hoch aufhängen, denn griechische Staatsanleihen akzeptiert die EZB auch noch. Als dort das letzte Investmentqualitätsrating verloren ging, schaffte die EZB schnell eine Sonderregelung. Das wird im Fall von Portugal auch passieren ...

Worüber man sich eher Sorgen machen sollte, ist die Qualität der Assets bei der EZB. Das wird nicht nur immer mehr, sondern auch immer schlechter. Aber das ist dann wirklich ein Thema für ein neues Posting ...

Trinkaus fragt sich übrigens auch, ob die europäischen Banken herabgestuft werden, also z.B. die Europäische Investmentbank (EIB).

Update 7 (19.01.12).

Die im Satz zuvor "angekündigte" Herabstufung der EIB gab's übrigens gestern:


Kommentare :

  1. Danke für die Zusammenfassung. Findet man in den Medien nie so gut und übersichtlich zusammengestellt.

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  2. Ja, wirklich gut.
    Wäre eigentlich auch mal interessant sich die Grafik in Zeitablauf animieren zu lassen. (So ähnlich wie das Hans Rosling Video, das du mal im Zweitblog gepostet hast...)
    Aber wie ist das eigentlich mit den Bonitätsbewertungen, wenn alle downgeratet werden? Ich mein, ist das Raten nicht ein relatives Konzept und wenn es nur noch Staaten mit AA und nicht mehr AAA gibt, dann ist dies halt das Beste? (Jetzt mal abgesehen von Investmentauflagen für Pensionsfonds etc.)

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  3. Wenn ich die FAQs von S+P richtig überflogen habe, gilt in deren Augen folgendes:

    Austerität: ungeeignet
    Zentralisierung: ungeeignet
    Gemeinschaftsanleihen: ungeeignet

    Bleibt ja nur die EZB - und genau das klingt auch recht deutlich an, oder?

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  4. Länder mit Transaktionssteuer auf Aktien:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/finanztransaktionssteuer-die-robin-hood-steuer-11606838.html

    egghat wie wärs mit einem Artikel zu deiner Ansicht?

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