USA: BIP Q04-11 +2,8%

Unter der Haube waren die Zahlen aber sehr schwach ...

Weil sich die Zusammensetzung des BIPs von der ersten Schätzung (die es am Freitag gab) bis zur endgültigen Veröffentlichung (in etwa zwei Monaten) noch deutlich ändern kann (und das oft auch tut), möchte ich eigentlich nicht zu viel zu den Details sagen.

Aber im aktuellen Report sind drei Dinge so klar, dass sie sich eigentlich nicht mehr ändern können (aber man weiss nie ...)

a) Die 2,8% Wachstum stammen zu knapp 2,0 Prozentpunkten aus dem Lageraufbau. Damit waren also zwei Drittel des Wachstums NICHT nachhaltig (Lagerbestände kann man ja nicht beliebig erhöhen ...). Das wäre ein sehr dickes Warnzeichen, wenn nicht im Vorquartal das Wachstum um etwa 1,5 Prozentpunkte durch genau den gegenteiligen Effekt gedämpft wurden wäre (damals wurden Lagerbestände abgebaut). Letzteres ist eine Info, die beim ewig negativen Zerohedge natürlich fehlt ... (siehe Q4 GDP Misses Estimates, Inventory Stockpiling Accounts For 1.9% Of 2.8% Q4 US Economic Growth | ZeroHedge)

b) Das vierte Quartal war das letzte, in dem es eine Steuergutschrift für Investitionen gab. Üblicherweise sorgt das für Vorzieheffekte; wer über eine neue Maschine nachgedacht hat, dürfte diese noch schnell im 4. Quartal gekauft haben. Im ersten Halbjahr sollte man aus diesem Bereich also nicht mehr viele positive Nachrichten erwarten. Kleine positive Randnotiz: Der Immobiliensektor sorgt wieder für einen Wachstumsbeitrag, wenngleich auf extrem niedrigen Niveau.

c) Der Wirtschaftsaufschwung bleibt im Vergleich zu den bisherigen Erholungen sehr schwach. Das Wachstum ist mit 2,4% nur etwa halb so hoch wie "normal" (= Durchschnitt der letzten 5 Erholungen). Die UBS hat die Daten auseinandergepflückt und bis auf den Exportsektor (+1,1 Prozentpunkte statt früher 0,6 Pp) findet man reihenweise Enttäuschungen. Vor allem der Konsum steuert mit nur 1,5 Prozentpunkten nur halb so stark zum Wachstum bei wie sonst.

Auch hier sollte man keine weiteren positiven Nachrichten erwarten. Die Sparrate der Verbraucher ist nach einer Phase des Angstsparens in der Rezession (mit Sparquoten von 6 Prozent oder mehr) nun schon wieder zurück auf 3,7% im vierten Quartal gesunken. Das ist der niedrigste Wert seit dem Ende der Rezession und grob im langjährigen Durchschnitt (lässt man mal die "Wir-leben-mal-alle-extrem-auf-Pump"-Jahre 2005 bis 2007 außen vor; das Ergebnis der Nummer kennen wir ja). Damit dürfte auch aus einem Rückgang der Sparquote kaum noch zusätzliches Wachstum entstehen.


OK, eine Rezession für die USA auszurufen, wäre sicherlich übertrieben. Die Beschäftigung wächst wieder leicht, der Immobilienmarkt hat sich gefangen (vor allem der für das BIP wichtige Neubaubereich), der Autoabsatz brummt (auch hier wegen Nachholeffekten wohl noch länger) und der Export ist ebenfalls stabil. Aber wenn die Amerikaner die Erholung bisher schon "sluggish" fanden ... Ich fürchte, sie wird noch sluggisher ...

FT Alphaville » The missing GDP

Originalquelle: BEA: 
GROSS DOMESTIC PRODUCT: FOURTH QUARTER AND ANNUAL 2011
(ADVANCE ESTIMATE) (PDF!)


Update (14:45):

Im verlinkten FT Alphaville Artikel kommt am Ende übrigens auch noch eine Analyse der Staatsausgaben. Diese sind 2011 so stark gesunken wie seit 1945 nicht mehr. Und da der Staat eher noch mehr sparen muss, wird auch aus dieser Ecke kein Wachstumsimpuls kommen. (Allerdings ist das auch schon ein paar Quartale so ...)

Kommentare :

  1. Ich verstehe nicht, warum man immer noch diese durch und durch verlogenen offiziellen US-Zahlen als irgend eine Grundlage verwendet. Weil sonst keine da sind?

    Die Arbeitslosenquote wird mit telefonischen Suggestivfragen ermittelt, aus dem Warenkorb der Inflationsermittlung sind Mieten und Energie ausgenommen, eine angenommene Zahl von Hausbesitzern hat ebenfalls pauschal angenommene Mieteinnahmen...

    Himmelherrgott, sowas kann doch nicht allen Ernstes verwendet werden.

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  2. Die Arbeitslosenzahl wird auf zwei Wegen berechnet. a) mit der telefonischen Umfrage b) mit wirklichen zahlen aus der Anmeldung. Außerdem gibt es ergänzende Infos wie z.B. die ADP Zahlen, die die Anzahl von Lohnabrechnungen misst.

    Man kann da an allem möglichen zweifeln, aber beim Vergleich zum Vormonat oder zum Vorjahr kann man daraus schon Informationen ziehen.

    Ich versuche diese Cross-Checks auch immer zu machen.

    "Alles Scheisse, dein Karl" ist eine Einstellung, in der man es sich schön gemütlich machen kann, allerdings wundern sich die Leute aus der Ecke irgendwnan mit 70, dass die Revolution immer noch nicht ausgebrochen ist. Wo doch alle arbeitslos sind.

    Und die Inflationsrate mit den Hauspreisen zu messen, ist in einem Land mit 75% Eigentümerquote auch nicht ganz unlogisch. Oder würdest du da die Miete nehmen, die nur 25% der Einwohner zahlen?

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  3. Die Zahlen sollten auch einigermaßen anständig sein. Schließlich werden fast 50% des Staatshaushalts aus Neuschulden bestritten, das sind "griechische Verhältnisse".

    Wenn die ernsthaft sparen sollten (nicht dort unter großem Tamtam was kürzen und hintenrum die Ausgaben fürs Militär erhöhen), gibt das eine deftigtste Rezession - von sich aus konnte die US-Wirtschaft noch nicht eine neue Hauspreis-Kredit-Konsum-Hauspreis- Spirale neu zünden, die diese Verschuldung überflüssig macht.

    Zu der Sparrate: Wir in Deutschland haben 10%+, und 50% der Bevölkerung haben keine signifikanten Sparguthaben. Bei unter 4% heißt dies wahrscheinlich, das 80% der Bevölkerung tiefer in die roten Zahlen gehen.

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  4. Mein Kommentar zu den Arbeitslosenzahlen:

    Die "Fälschung" kommt nicht durch Zahlenverdrehen, sondern durch Tricks wie:

    - Reduzierung der Laborforce auf Rekordminima: Alle Langzeitarbeitslosen sind nicht mehr arbeitslos.
    - Jeder der 1 Stunde im Monat irgend etwas gearbeitet hat ist nicht arbeitslos.

    Wir in D haben da auch so einiges in Petto: Über 58 kann man nicht mehr arbeitslos sein, oder wenn man auf dem üblichen Arbeitsamt-Fortbildungskurs ist, ist man auch nicht arbeitslos...

    Problematisch in den USA ist vor allem, das nur 6 Monate in die "Headline-Zahlen" eingehen und diese daher verzerrt sind. Z.b. erhöht eine große Entlassungswelle nur 6 Monate lang die Zahlen, auch wenn die Leute später keinen Job mehr finden. Deswegen sollte man für Jahr / Jahr - Vergleiche in Umbruchszeiten die unten beschriebenen Zahlen wie U6 nehmen.

    Aussagekräftiger ist der breiter gefächterte Wert U6 aus dem Bericht, sowie die Zahlen von Shadowsstats (das sind auch keine Weltverschwörer).

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  5. U6 sinkt aber auch.

    Und: Dass die Zahlen irgendwo immer falsch sind, ist ja richtig. Nur: Mich interessiert ja eigentlich nur die Änderung: Also geht die nach unten oder nicht.

    Der einfachste Cross-Check bei den Arbeitsmarktzahlen ist IMHO immer noch die Partizipationsrate, als wie hoch ist der Prozentsatz der arbeitenden Bevölkerung. Da sieht man - trotz Rückgang der Arbeitslosigkeit von 10,x auf 8,x% nur ganz im Ansatz eine Verbesserung.

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  6. @Till (zum ersten Teil):

    Stimme voll zu. Wenn der US-Staat zu sparen beginnt, wird's sehr schnell wieder sehr eng. Der Staat baut schon seit Monaten dauernd Arbeitsplätze ab. Der Trend dürfte sich verschärfen, vor allem auch, weil es Bundesstaaten und Kommunen teilweise noch viel dreckiger geht als dem Zentralstaat.

    Beim jetzigen Wachstum aus dem Verbrauch muss man auch die zurückgehende Sparquote der Verbraucher berücksichtigen. 3,7% sind nicht so viel (um nicht zu sagen: verdammt wenig). Darüber wird kein neues Wachstum mehr kommen. Jetzt müssen die Beschäftigung und die Löhne steigen, damit auch der Konsum steigen kann.

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