Warum sind Nutten so teuer? Ökonomen erklären.

Die Frage ist durchaus spannend: Wieso sind Prostituierte so vergleichsweise teuer, obwohl keine Ausbildung nötig ist und es damit eigentlich jeder machen kann.
"Prostitution ist eine Tätigkeit, die keine Ausbildung braucht, arbeitsintensiv ist und hauptsächlich von Frauen durchgeführt wird. Und trotzdem, und jetzt kommt das Rätsel, sind Prostituierte im Durchschnitt gut bezahlt. Wie kann das sein? "
Wie würde man das als Ökonomie-Laie erklären? Klar: Angebot und Nachfrage. Der Job macht halt (bis auf gaaaaant seltene Ausnahmen) niemandem Spaß, ist gesellschaftlich geächtet und auch aus gesundheitlicher Sicht unter Umständen nicht ganz ungefährlich. Ergo: Das Angebot an Arbeitskräften ist gering.
"Als Laie würde man naiv vermuten, dass attraktive und gleichzeitig sexbereite junge Frauen relativ knapp sind, und sich deshalb ein relativ hoher Preis bildet."
Aber wenn man erst mal richtig studiert hat und man richtig lange im Wissenschaftsbetrieb steckt, reicht eine solche Simpel-Erklärung natürlich nicht.

Es werden jede Menge andere mögliche Ursachen untersucht (schenke ich mir hier, dazu bitte den Artikel lesen, ist nicht sehr lang), was natürlich völlig richtig ist. Wenn man am Ende nicht einen der anderen, wesentlich unwichtigeren Effekte zum entscheidenden erklären würde und diesen - man ist ja Wissenschaftler - auch gleich in ein Modell mit 14 Gleichungen (das auf 19 Seiten erklärt wird)  gießen würde.

Der angeblich wichtige Zusammenhang ist übrigens dieser: Prostituierte senken ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt. Diese gesenkten Chancen (auch auf zukünftige Einkommen) werden über das hohe Einkommen bei Prostitution ausgeglichen.

Gesundheitliche Gefahren? Nicht existent.
Ekel? Nicht existent.
Zuhälter, die sich die Taschen voll machen? Nicht existent! Unter Umständen stimmt die Grundannahme, dass Prostituierte sehr viel verdienen, nämlich gar nicht, weil nur ein Bruchteil des Gelds bei ihnen ankommt. Wurde hier empirisch nachgeforscht?

Das ist sicherlich ein außergewöhnlich schlimmes Beispiel für das Elfenbeinturmdenken in der Ökonomie. Man zerbricht sich den Kopf über ein Problem, beleuchtet es von allen Seiten, macht ein paar unrealistische Annahmen und kann dann einen unwichtigen Nebeneffekt in hochkomplexe Gleichungssysteme gießen. Damit kommt man in die angesehenen Fachjournale und wird berühmt. Am besten ist es, wenn sich jede Menge weiterer Wissenschaftler auf die eigene Arbeit beziehen, weil dann der wissenschaftliche Wert weiter steigt.

Leider - für den Stand der Ökonomie - ist das in diesem Fall passiert. Es gab zwar auch Kritik, wenn auch nicht die (IMHO angebrachte) vernichtende, aber vielfach wurde auf den "hochinteressanten Erkenntnissen" weiter geforscht.

Warum sagt da nicht einfach einer mal laut: UNFUG!

Wo bleibt der gesunde Menschenverstand? Sind die Annahmen realistisch? Kann das Modell so noch einen Sinn ergeben?

Irgendwie erinnert das alles - wenn auch auf höherem Niveau - an die Kapitänsfrage. Dabei werden Kinder gefragt, wie alt ein Kapitän ist, der auf seinem Schiff 26 Ziegen und 10 Schafe transportiert. Der Anteil der Kinder, der die Frage völlig sinnfrei ausrechnet (Alter = 26 + 10), steigt mit der Zeit in der Schule deutlich an (siehe Spiegel). Hauptsache, es wird irgendwas gerechnet, man ist ja im Matheunterricht. Und so ähnlich scheint es mir in der Ökonomie zu sein: Hauptsache man kann irgendeinen Zusammenhang finden (egal wie unwichtig der ist) und diesen in eine (oder mehrere) Formeln gießen. Sicherlich nicht immer (es rechnen ja auch nicht alle Kinder Ziegen und Schafe zusammen), aber eben doch noch viel zu oft ...

Ökonomenstimme: Wie die Uni-Ökonomen versagen – die Theorie der Prostitution als Mahnmal

(Das war ein Wettbewerb für Attention grabbing Headlines ;-) )

Update (21:47)

In den Kommentaren hat Venus (laut eigener Aussage aus dem Gewerbe) ein paar interessante Anmerkungen gemacht:

a) Nicht nur junge Frauen sind Huren.
b) Es gibt verheiratete Frauen.

Das sind Punkte als Kritik an der Studie, das scheint alles nicht drin zu sein.

Und dann noch drei Punkte, die sich auf meinen Artikel beziehen:

c) Es gibt Huren, die Spaß am Job haben.
d) Zuhälter sind nicht so üblich wie allgemein angenommen wird.
e) Ekel ist kein Kriterium, Huren können auch Nein sagen.

Die Einschätzung muss man sicher nicht teilen, aber auch die letzten Punkte stimmen sicherlich für einige (viele?) Huren und zeigen eigentlich auch nochmal, wie stark die Studie die Wirklichkeit vereinfacht. So stark, dass sie eigentlich zu nichts mehr taugt ...

Update (21.01.12):

Beim Wirtschaftwurm gibt es noch einen ganz interessanten Kurzcheck der anderenVorwürfe an die Ökonomik: Die Forschung sei zu theoretisch, zu wenig empirisch, fast ausschließlich neoklassischen Denkmodellen verpflichtet und nicht zuletzt zu amerikanisch.



Kommentare :

  1. Ich dachte, Du schaffst auch noch die Kurve zum Black Jack.

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  2. Das Wort "Nutte" ist eine Beleidigung.
    Besser (und Richtiger): Hure!

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  3. wie alt ist denn der Kapitän nun?

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  4. Der Kapitän ist 42, ist doch klar!

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  5. Ich hatte vor ein paar Jahren ja auch schonmal den Zusammenhang Knappheit/Prostitution/VWL versucht herzustellen, allerdings war das eher ein Scherz...

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  6. Selten so einen Quatsch gelesen!
    Sowohl im Ursprungsartikel als auch in diesem hier!
    Wenn ich vom Ursprung ausgehe - Prostituierte haben schlechtere Chancen auf dem Heiratsmarkt - ist das zunächst Blödsinn! Viele SIND verheiratet ( manchmal wissen nur ihre Ehemänner nicbt einmal welchen Job sie ausüben) und diese These würde ja fast implizieren, dass alle Frauen Huren sind. Die echte Hure muss ihr Geld im Job verdienen, die andere hat die Chance einen Mann zu finden, der sie ernährt ( so groß ist der Unterschied dann ja nicht) Beide Gruppen haben dann nämlich eines gemeinsam: Sie wollen das Geld des Mannes - die Hure will es offiziell, die andere verpackt es besser und wird gleich Ehefrau, um ausgesorgt zu haben?

    Zu diesem Artikel hier: Es gibt Frauen, die Spaß an dem Job haben. Es gibt in diesem Job nicht nur junge Frauen und vor allem gibt es viele, die ohne Zuhälter arbeiten - die Annahme, dass jede Hure einen Zuhälter hat ist Bildzeitungsniveau- Die Zeiten sind längst vorbei! Ausnahmen gibt es natürlich, aber die Regel ist es nicht mehr!
    Und Ekele? Eben weil sich die Zeiten geändert haben kann eine Frau auch Nein sagen und sie tun es auch!( Den Strassen - und Drogenstrich klammern wir hier aus - der folgt eigenen Gesetzen).
    Ich habe gerade ein Buch über Prostitution geschrieben ( bei Amazon unter Venusreport zu finden) - und ich weiß, wovon ich rede, weil ich den Job mache!

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  7. @ Venus,

    Nun ja, was egghat selbst von dieser "Arbeit" hält, hat er mehr als deutlich zur Kenntnis gebracht, denke ich. ;)

    Dein Buch werde ich mal begutachten. ;)

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  8. @anonym (dem ersten):

    ich hatte eigentlich irgendwie noch versucht, die Kurve zu unserem Bundespräsidenten zu kriegen ;-)

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  9. @viele: Die Kapitänsgeschichte ist übrigens schon richtig alt. Kannte ich bis zum Spiegel Artikel (wer auch immer mich darauf hingewiesen hat) nicht. Ziemlich spannend. Mein Sohn kann danach übrigens locker 2 Klassen überspringen ;-)

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  10. @venus:

    Ich finde die Untersuchung/das Paper übrigens auch ziemlich daneben. Ich habe ja schon ein paar Punkte genannt, die ich für total unrealistisch halte.

    Du ergänzt natürlich noch eine Reihe anderer:
    Klar verheiratete Frauen - daran hat in der Studie bestimmt keiner gedacht. Und die selbstbewusste/selbstbestimmte Hure auch nicht.

    Ich ergänze das nochmal im Artikel! Danke.

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  11. Ich bin selbst Zuhälter, habe sieben Frauen am Laufen und komme damit gerade so über die Runden. Immer ist mal eine krank, hat einen Pilz uvm. Drei schicke ich jetzt vormittags noch zusätzlich putzen, sonst würde es gar nicht gehen. Durch Polen und Tschechen in der EU hat sich alles verschlechtert.

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  12. @Dieter- Danke für die Ergänzung und Danke auch für diesen Artikel. Für mich war er auch ein Denkanstoß meine Buchbeschreibung zu verändern.
    ( Werde ich erst am Wochenende schaffen).
    Viele haben schließlich genau die Vorurteile, die der Artikel anspricht und das Buch weitet den eingeschränkten Blick - nur kommt das in der jetzigen Beschreibung nicht zum Ausdruck.
    Wenn alle sowieso meinen zu wissen wie es im Milieu abläuft braucht man darüber kein Buch zu schreiben:-)

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  13. Der FAZ-Blog liefert ein ähnlich schönes sinnloses Beispiel - und kann immerhin mit einem Nobelpreisträger aufwarten!

    http://faz-community.faz.net/blogs/fazit/archive/2012/01/20/die-oekonomik-des-suizids.aspx

    So kann es nicht überraschen, dass es eine ökonomische Theorie des Suizids gibt. Und es überrascht auch nicht, dass sie auf zwei Veteranen des ökonomischen Imperialismus zurückgeht: Auf Gary Becker, der den Nobelpreis 1992 für seine "Ausdehnung der mikroökonomischen Theorie auf einen weiten Bereich menschlichen Verhaltens" erhalten hat, und auf Richard Posner, den Mitbegründer der ökonomischen Analyse des Rechts.
    Die Theorie ist denkbar simpel: Individuen vergleichen den erwarteten Nutzen des (Weiter-) Lebens mit dem des (durch eigene Hand zugefügten) Todes. Wenn Letzterer größer als Ersterer ist, begehen sie Selbstmord. Es lässt sich wahrlich darüber streiten, welchen Sinn das Modell hat. Einerseits ist es mehr als mutig zu behaupten, Suizid lasse sich überhaupt in Kategorien der Rationalität erklären. Aus medizinischer Sicht ist er Folge einer Depression, also einer Krankheit, die nichts mit rational und irrational zu tun hat. Andererseits erklärt das Modell sogar dann kaum etwas, wenn man sich auf die Prämisse einlässt, die Selbsttötung sei Ergebnis einer rationalen Entscheidung: Was ihren erwarteten Nutzen beeinflussen könnte, bleibt nämlich offen.


    Letztlich wird wohl anhand historischer Daten der Einfluß der Konfession getestet. Das mag ja auch sinnvoll sein, aber das waäre ja nur Statistik und kein geschlossenes Modell...

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  14. Its very much a supply and demand issue. If more women suddenly decided they wanted to become prostitutes, the price would go down!

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  15. Unrelated:

    Guter Radiobeitrag

    > Gewünscht und verteufelt - Europa streitet über die Finanztransaktionssteuer | Hintergrund | Deutschlandfunk
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1662901/

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  16. Offenbar war diese Dienstleistung nicht immer so teuer. Gerade die Tage lief eine Doku (im ZDF), wo es u.a. um Ausgrabungen in Pompeji ging. Und darin hieß es, dass die Dienste einer Hure "für den Preis von zwei Laib Brot" zu bekommen waren (sieher war das kein Einheitspreis, aber scheinbar ein gängiger). Die Zahl der Bordelle war wohl in Relation zur Bevölkerung ungleich höher und es war gesellschaftlich nichts besonderes dabei, diese Dienstleistung anzunehmen und (das ist jetzt aber meine Interpretation) sie anzubieten.

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