200 Mrd. Euro "Free Lunch" für die Banken durch EZB-Tender?

Sehr schöne Idee von Dirk Elsner, das mal durchzurechnen.

Wie viel Gewinn gibt es, wenn die europäischen Banken das Geld, das im EZB Tender zur Verfügung gestellt wurde, in die Staatsanleihen ihrer jeweiligen Länder reinvestieren?

Also zu 1% Geld in Frankfurt leihen und dann zum Beispiel zu 6,5% in Italien wieder anlegen? Oder zu 7,7% in Irland. Oder 5,4% in Spanien.

Dazu hat sich Dirk Elsner angeschaut, wie viel Geld sich die Bankensysteme der Länder beim letzten Tender von 498 Mrd. Euro genehmigt haben. Die italienischen Banken haben sich zum Beispiel im ersten großen Drei-Jahres-Tender 161,7 Mrd. Euro geliehen. Im zweiten Tender, der noch diesen Monat folgt, könnten es 264 Mrd. werden (Dirk nimmt einen noch größeren Tender von 800 Mrd. € an). Das ergibt zusammen bei 6,5% Zinsen für italienische Staatsanleihen 27,64 Mrd. Euro Zinseinnahmen. Davon muss dann noch die 1%-Zinsen an die EZB abgezogen werden, was dann immer noch gut 23 Mrd. "Free Lunch" ergibt.

Die gesamte Rechnung gibt's hier:

Ich habe vier Anmerkungen zur Rechnung:

  1. Die 498 Mrd. Euro waren damals der Bruttozufluss, es war defakto aber weniger neues Geld, weil auch alte Geschäfte ausgelaufen sind. IIRC habe ich das auch mal verbloggt, finde es aber nicht wieder. Es waren netto IIRC eher 300 Milliarden Euro. Und noch IIRCiger: Alex Kniss André Kühnlenz von der FTD kam (glaube ich) sogar nur auf etwa 200 Milliarden Euro, die netto zugeflossen sind. Ich weiss nicht, ob es sinnvoller wäre, die Rechnung nur mit dem zusätzlichen Zufluss zu machen, vielleicht aber auch nicht, denn:
  2. Diese grundsätzliche Subvention gibt es immer. Banken leihen sich immer zu wenig Prozent Geld bei der EZB und verleihen es zu viel Prozent weiter. (Zugegeben, sie leihen sich nicht nur bei der EZB Geld, sondern auch am Kapitalmarkt, weil es bei der EZB nur kurzfristig Geld gibt). Man kann darüber streiten, ob man das Subvention nennt oder nicht. Und genauso, ob mit dem oben genannten Ablauf nicht das gesamte System der Geldschöpfung über Noten- und Geschäftsbanken in Frage stellen sollte.
  3. Das Aufpäppeln der Banken über niedrige Leitzinsen wurde schon immer so gemacht. Auch in der Vergangenheit dienten Zinssenkungen der Notenbank (auch) dazu, den Banken unter die Arme zu greifen.
    In einer Rezession sinkt auch immer die Qualität der Kredite, die Banken müssen mehr Kreditausfälle verkraften. In quasi jeder Rezession entstehen mehr oder weniger tiefe Löcher in den Bankbilanzen. Nichts kann diese Löcher besser stopfen als ein niedriger Leitzins. Es wird zwar oft auf die simple Gleichung "niedrige Zinsen kurbeln die Konjunktur an" verwiesen, aber die Banken spielen eine wesentliche Rolle in diesem Ablauf. Und davon profitieren die Banken auch jedes Mal. Letzteres wird aber nur relativ selten thematisiert.
  4. Auch über den Zins in der Rechnung kann man diskutieren. Ich hätte eher den laufzeitenkongruenten Zins genommen, also bei einem dreijährigen Tender auch die dreijährige Laufzeit der Staatsanleihen. Dieser wäre in Italien dann nur bei etwa 3,5%, also fast halb so hoch.

Es ist am Ende aber auch egal, ob den europäischen Banken durch den oben geschilderten Ablauf 50, 100 oder 200 Milliarden Euro zufließen. Viel wichtiger finde ich es, dass dieses grundsätzliche Prinzip an einem konkreten Beispiel in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert wird (file this under "Blogger im Größenwahn", Blogger bildet sich ein, er werde von einer "breiteren Öffentlichkeit" gelesen ;-) ).

Kommentare :

  1. Jetzt habe ich gerade drüben bei mir Deinen Kommentar kommentiert. Dann hole ich ihn halt gerade noch einmal rüber und überarbeite ihn noch einmal.

    Das mit dem Nettozufluss kann man so sehen, wie Du hier schreibst. Aber ich lasse ja in der Berechnung auch die übrigen kurzfristigen Tender weg.

    Entscheidend ist aber hier, dass hier quasi unbegrenzte Mittel für einen nie dagewesenen Zeitraum, nämlich für 3 Jahre, angeboten werden.

    Ansonsten kann ich aber in meiner nun gebauten Excel-Tabelle alle möglichen Werte eintragen.
    Es kommt ja auf das Grundprinzip und nicht den exakten Betrag an.
    Der lässt sich ohnehin DAnk der Intransparenz nicht ermitteln.
    Immerhin, selbst Achtung Name dropping) Bloomberg rechnet nach meinem Prinzip.

    Ich dachte ja, den Gedanken, dies als Subventionierung zu sehen, hätte ich ursprünglich exklusiv. Mittlerweile sehen dies aber diverse Banker ebenfalls so. Eigentlich erstaunlich, dass die unabhängigen Ökonomen noch nicht auf diesen Zug gesprungen sind.

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  2. Die Idee, das billige Notenbank-Geld als Subvention zu sehen, verstecken Analysten von Bankaktien hinter der Floskel "steigende Zinsmarge" ;-)

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  3. Einfach nur krank, dieses staatlich-private Bankensystem.

    - Wir brauchen endlich Staatsverschuldung über die EZB, mit Limits und politisch festgelegten Zinssätzen, Auszahlung der Zinsen an die Anteilseigner, allen voran Deutschland (steht uns auch zu).
    - Wer mehr Geld braucht als nach diesen Regeln möglich und auf dem Markt nix bekommt, der bekommt eben ein Sanierungsprogramm inkl. verordneten Strukturreformen. Wenn das jeweilige Volk nicht mitmacht, bekommen sie eben nur noch Nahrungsmittelhilfe und wenn sie dann mal soweit sind ein noch härteres Sanierungprogramm als Auflage für Wiederaufbaukredite.
    - Keine Geldschöpfung der Banken mehr für den Kauf von Staatsanleihen, und auch Regulierung aller anderen Investments durch Banken und Versicherungen mit Hilfe einer EU-Ratingagentur.
    - Generell keine Geldschöpfung mehr für Konsumkredite, wer dafür Geld will soll es sich direkt bei Personen oder Firmen leihen, mit entsprechenden Zinsen.
    - Und wenn Banken daran kaputt gehen, werden sie eben vorübergehend verstaatlicht und dann saniert (geschrumpft).

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