600 bis 700 Mrd. mehr Cash für Europas Banken

Oops. They did it again.

Zum wiederholten Mal hat die EZB ihre Anforderungen für die Sicherheiten, die die Geschäftsbanken für EZB-Cash hinterlegen müssen, gesenkt.

Ein kleiner Blick zurück: Vor der Krise (und das ist noch gar nicht so lange her) akzeptierte die EZB nur börsennotierte Wertpapiere als Sicherheit, die mindestens mit einem einfachen A bewertet waren. Alles mit BBB oder gar Junk Bonds waren für die EZB inakzeptabel.

Das liess sich in der Krise aber nicht lange halten. Denn die griechischen Banken haben (wie alle Banken der anderen Länder auch) überwiegend die Staatsanleihen ihres Heimatlandes in den Büchern und diese auch als Sicherheit bei der EZB hinterlegt. Als das griechische Rating dann unter A- fiel (und das war ja nur der Anfang, der bis zum C runterführte ...), weichte die EZB die Bedingungen schnell auf. Erst für die griechischen Anleihen, dann für die portugiesischen und dann für alle anderen. Ansonsten hätten die griechischen (und portugiesischen und ...) Banken nicht mehr ausreichend viele Sicherheiten zur Verfügung gehabt, sie wären nicht mehr an neues Bargeld von der EZB gekommen und insolvent gewesen.

Auch die "sonstigen" Bedingungen wurden deutlich aufgeweicht. Zum Beispiel war es früher Pflicht, dass die Wertpapiere, die als Sicherheit hinterlegt werden sollten, an einer Börse in Europa gehandelt wurden. Dabei ging es der EZB vor allem darum, einen Marktpreis zu haben, der die Basis für die Menge Bargeld darstellte, die die EZB der Bank gab. Das wurde dann ersetzt durch: Die Kredite (Sicherheiten) müssen verbrieft werden, eine Börsennotiz war nicht mehr notwendig. Es reichte also sowas wie eine "theoretische Handelbarkeit".

Jetzt weicht die EZB die Kriterien noch weiter auf. Die nationalen Notenbanken von Irland, Frankreich, Italien, Zypern, Portugal, Spanien und Österreich können sich jetzt eigene Kriterien ausdenken. Dabei läuft es wohl darauf hinaus, dass der Kredit an sich, sprich ohne Verbriefung (und Börsennotiz), als Sicherheit gelten kann. Wie genau, ist noch auszuarbeiten.

Die Regeln dafür sind noch nicht beschlossen. Es ist auch noch nicht klar, ob die Regeln in allen Ländern gleich aussehen (ich befürchte nicht).

Schätzungen sagen, dass den Banken in den betroffenen Ländern nun zusätzliche Sicherheiten im Volumen von 600 bis 700 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Das bedeutet potenziell 600 bis 700 Milliarden Euro zusätzliches Bargeld von der EZB.

Damit setzt sich der Trend der Sicherheiten bei der EZB weiter fort. Es wird immer mehr (was gar nicht sooo schlimm ist) und die Qualität der Sicherheiten sinkt immer weiter (was viel schlimmer ist).

Auch wird die Qualität immer schwieriger überprüfbar. Anscheinend wollen die Notenbanken jetzt schon Einzelkreditprüfung machen und das unter Umständen für jedes Land einzeln. Außerdem darf man sich so langsam fragen, warum wir uns überhaupt noch Geschäftsbanken leisten. Wenn diese jetzt schon die Kredite auf einzelner Ebene durchreichen und die Notenbank die Kredite nochmal auf die Qualität checkt, könnte man sich gleich einen Kredit direkt bei der Notenbank besorgen ...

Das ist *natürlich* alles wieder nur temporär, aber naja das waren die Aufweichungen zuvor auch allesamt ...

Trotzdem zeigt sich mit der heutigen Reaktion der EZB, wie sehr die Banken in den Südländern unter Druck stehen. Ihnen fließt auf allen Ebenen Geld ab: Die Sparer ziehen Geld ab (dazu habe ich zig Nachrichten, zuletzt hier: Bankrun in Italien - egghat's not so micro blog), die Geldmarktfonds ziehen Geld ab, am Kapitalmarkt ist es schwierig, ohne Sicherheiten Geld zu bekommen und von anderen Banken gibt es auch nichts. Geld gibt es - wenn überhaupt - nur noch gegen Sicherheiten und selbst mit Sicherheiten defakto fast nur noch bei der EZB.

Diese Sicherheiten sind nicht mehr schnell genug verbriefbar (möglicherweise sind auch keine mehr da), und dafür basteln die nationalen Notenbanken jetzt eine Art "Direktverbriefungsautobahn", Cash direkt, gleich und sofort ... Im Unterschied zum Kredithai ist aber der Zins günstig und beträgt nicht 13 oder 15%, sondern nur 1,0% ...

Beruhigend geht anders ...

EZB-RAT GENEHMIGT ZULASSUNGSKRITERIEN FÜR ZUSÄTZLICHE KREDITFORDERUNGEN

Update (16:44):

Zerohedge nennt das ganze plakativ "Trash to Cash" ... Und nennt nicht 700 Mrd, sondern 7,1 Billionen ... Aber Zerohedge muss man immer mit einer gesunden Portion Skepsis lesen ...

Is The ECB's Collateral Pool Expansion A €7.1 Trillion Imminent "Trash To Cash" Increase In Its Balance Sheet? | ZeroHedge

Update 2 (22:42):

Zur Intransparenz der Bilanzen der nationalen Notenbanken passt vielleicht auch das ganz gut. Die Bilanzsumme der griechischen Notenbank beträgt nun etwa 70% des griechischen BIPs. Mit der Entscheidung heute werden wir solche Verhältnisse auch in anderen Ländern bekommen ...

Euro-Desaster: Athens Risiko-Spiel mit der Gelddruckmaschine - Nachrichten Wirtschaft - WELT ONLINE

Update 3 (10.02.12):

Hier noch ein Hinweis auf einen Artikel, der am Tag vor der Entscheidung geschrieben wurde und das ganze auch ganz gut erklärt. Interessant, dass die Hinterlegung von Einzelkrediten schon vorher möglich war, problematisch waren nur die Rahmenbedingungen (Mindestgröße der Kredite, Verwaltungsaufwand, ...).

EZB: Sicherheiten zweiter Klasse - Wirtschaft - FAZ

1 Kommentar :

  1. Wenn Wolfgang Proissl (FTD) gestern die richtige Nase hatte, dann sollen die nationalen Notenbanken tatsächlich unterschiedliche Standards haben. Die EZB regelt nur noch gewisse Minimumanforderungen. Meine Meinung zur Sache habe ich gerade in einem eigenen Artikel dargelegt:Die Eurokrise mit Euros bekämpfen. Die EZB unterliegt einer Kontrollillusion. Sie unterschätzt die Risiken ihrer Politik. Diese Haltung hat schon die Geschäftsbanken an den Rand des Abgrunds gebracht.

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