EZB soll Haircut (teilweise) mitmachen

Da habe ich mich ziemlich geirrt. Aber scheinbar nur vorübergehend ...


Ich bin 2010/2011 davon ausgegangen, dass Europa (EFSF/ESM/EZB) den Banken erst die Griechenlandschulden abkauft und dann schneidet. Wenn auch nicht unbedingt vor allem auf der Seite der EZB, so doch zumindest in gleicher Höhe wie bei den Banken (siehe z.B. hier: Wer hält wie viel der Griechenlandschulden?).


Später sah es aber so aus, als würde sich Europa am Haircut gar nicht beteiligen, sondern nur die Schulden Griechenlands bei den Banken zusammenstreichen. Dort stehen ja inzwischen 70% Haircut im Raum, wie auch immer das in den Details umgesetzt werden soll.


Ich habe das immer für sehr überraschend und im Prinzip auch ziemlich unlogisch gehalten. Wieso sollen die Banken verzichten, Europa aber nicht? Als Bank würde ich doch bei einer so ungleichen Lastenverteilung auf die Barrikaden gehen.


Allerdings muss man sehen, dass ein Großteil der Anleihen, die heute bei der EZB liegen, früher bei den Banken lagen. Man schätzt den durchschnittlichen Ankaufkurs der EZB auf 70 bis 75% des Nennwerts. Sprich: Die Banken sind einen großen Teil ihrer Griechenlandanleihen noch mit vertretbaren Verlusten losgeworden. Das Risiko dafür liegt jetzt bei der EZB.


Daher ist es irgendwo auch fair, wenn man die Banken jetzt (also nach dem Abladen großer Teile der Griechenbonds) stärker schneidet als die EZB.


Wobei die EZB bisher ja gar nicht schneiden wollte, sprich die EZB wollte das volle Geld. Das scheint sich aber jetzt zu ändern (und das ist die Nachrichte): Die EZB scheint nämlich bereit zu sein, sich am Haircut zu beteiligen und damit den Griechen zu helfen. Es soll sich um 11 Milliarden Euro handeln, was bei den Schätzungen des Ankaufvolumens und des durchschnittlichen Ankaufkurses noch immer ein Plus für die EZB ergeben dürfte (was aber - es sind Schätzungen - nicht sicher ist). Technisch sollen die Anleihen von der EZB an den EFSF verkauft werden, irgendwo unterhalb des Nennwerts, aber scheinbar oberhalb des Kaufkurses.


Damit kann ich auch stur bleiben und weiterhin behaupten, dass die Griechenlandbonds, die Europa hält, noch geschnitten werden dürften. Die Schuldenreduktion für Griechenland auf 120% des BIPs ist nicht ausreichend, weil der Haushalt immer noch weit entfernt von ausgeglichen ist (siehe auch Griechenland: Steuereinnahmen 01/12: -7% (Vj) - egghat's not so micro blog).


Kurz: Die Prognose, dass die Schulden Griechenlands sozialisiert werden, dürfte - doch noch - aufgehen. Zwar ist die Verteilung zwischen Staaten und Banken bis dato (wenn das denn alles so kommt, wie bisher spekuliert) noch OK, aber nach der Einigung sind die Banken raus aus den alten Griechenlandanleihen (und damit aus dem Risiko), während EZB und EFSF/ESM noch voll im Risiko stecken. Und da wird dann wohl auch nochmal geschnitten werden. Und spätestens dann wird die Beteiligung des öffentlichen Sektors höher ausfallen als die Beteiligung der Banken ...


EZB kommt Griechen entgegen - Wallstreetjournal.de






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