Mehr als die Hälfte des 2. Rettungspakets geht an die Banken

Ergo gut 85 Milliarden der insgesamt fließenden knapp 165 Milliarden Euro (inkl. Rest aus dem 1. Paket).
Nur knapp 55 Milliarden kommen überhaupt im griechischen Haushalt an. Und selbst davon ist ein großer Teil schon verplant.

Bei der ganzen Rettungsaktion ist sogar noch unklar, ob die griechischen Pensionskassen und Sozialversicherungsvereine gerettet werden. Sollten mit dem EU-Rettungspaket II wirklich nur die Löcher in den Bilanzen der Banken gestopft werden und das Sozialsystem müsste die Verluste aus dem Haircut selber verkraften, wäre das ein dicker Skandal.

OK, jetzt kann man sagen: Eine Rettung der Griechen ist es trotzdem, denn eine Pleite der griechischen Banken wäre sicherlich nicht gut für Griechenland (siehe auch Kippt das Land, kippen die Banken.). Nur zeigt die Reihenfolge exemplarische die Präferenz der Politiker: Immer zuerst die Banken, dann das Volk. Das wäre ja auch vielleicht OK, denn Banken sind ja wichtig für eine Volkswirtschaft. Aber man sollte das dann nicht dauernd als Rettung der Griechen verkaufen. Nennt es doch Bankenrettung, nicht Griechenrettung. Das wäre den Griechen gegenüber wenigstens mal ausnahmsweise fair.

Dass Schäuble ein drittes Rettungspaket nicht ausschließt, ist auch nur zu logisch. Denn helfen tut dieses Paket "den Griechen" ja kaum. Griechenland hat danach nur geringfügig niedrigere Schulden, das einzige was sich wirklich ändert, ist die Zusammensetzung der Gläubiger. Die Schulden liegen nach dem zweiten Rettungspaket nämlich zu noch größeren Teilen in den Händen öffentlicher Gläubiger (sprich der EU). (Die Verteilung der Schulden nach der Umschuldung wäre ein Thema für ein neues Posting).

Und damit ist auch klar, wo das dritte Rettungspaket ansetzen wird: Beim öffentlichen Sektor. Im privaten Sektor liegen bald kaum noch Griechenbonds. Damit glaube ich inzwischen auch wieder, dass meine Uraltprognose, dass am Ende der Großteil der griechischen Schulden (von der EU) sozialisiert werden dürfte, doch noch eintreffen wird.

Wunderschön auseinandergedröselt hat das aktuelle Rettungspaket und die Mittelverwendung Andre Kühnlenz, zum Glück nach Vorankündigung über Twitter. Sonst hätte ich die Arbeit doppelt gemacht ...

Eigentlich sollte der Artikel heute jedem der Politiker im Bundestag vorliegen, denn die +700 Seiten, die der Antrag zur Griechenlandhilfe hat (siehe Finanzhilfen zugunsten der Hellenischen Republik; Einholung eines zustimmenden Beschlusses des Deutschen Bundestages nach § 3 Absatz 1 des Stabilisierungsmechanismusgesetzes (StabMechG) für Notmaßnahmen der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität zugunsten der Hellenischen Republik - egghat's not so micro blog), kann eh kein Mensch lesen und verstehen ...

Deshalb das lesen:
[MarktWirtschaft] Absurdes Umschuldungstheater « Wirtschaftswunder

Update (15:08):

Als höherwertige Version meines Rants von gestern Abend zur Unmöglichkeit der heutigen Abstimmung im Bundestag noch eine Leseempfehlung im Blicklog:

Wie soll der Bundestag heute über Finanzhilfen für Griechenland abstimmen? Am besten gar nicht.

Kommentare :

  1. Die privaten Gläubiger, die als einzige jetzt wirklich dran glauben sollen, sind doch hauptsächlich Banken, Versicherer und Rentenfonds. Da Banken too big to fail sind (und am besten noch fusioniert werden, damit sie noch bigger werden), müssen die eben wieder rekapitalisiert werden.

    Wenn aber eine auch in Deutschland als das A und 0 gepriesene private Rentenversicherung die Beiträge mehrere Jahre als Verlust abschreiben muss, ists halt Pech für die Versicherten. Hätten ja Kinder für die Rentenkasse kriegen können.

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  2. Bei den privaten Gläubigern in Griechenland sind auch Pensionskassen etc. betroffen, Das geht direkt auf die Rente der Versicherten. Ob da geschnitten wird, ist IMHO noch immer unklar.

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  3. Ich haben den deutschen EU-Botschafter in Brüssel gefragt, wieviel denn bei den Griechen ankommt - er wußte keine Antwort. Vermutlich sind es nicht einmal 30 Prozent. Und die werden mit massiven Einschnitten "bezahlt". d.d. in erster Linie retten wir dt. und fr. Banken, dann das Eurosystem, und erst danach - ein bisschen - Griechenland. Und die ganze "Rettung" muss dann auch noch nach der deutschen Pfeife tanzen - Geld gibt es nur, wenn es in Merkels Agenda passt... http://lostineurope.posterous.com/deutscher-kalender

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  4. Du vergisst, dass die Griechen das Geld bereits konsumiert haben. Die Schulden sind ja nicht aus dem Nichts entstanden.
    Wär ja noch schöner: Zuerst Schulden machen und dann die Gläubiger nicht bedienen und den Schuldner auch noch belohnen.
    Es geht hier um eine Umschuldung bzw. Schuldenreduktion damit die Griechen nicht so viel Zinsen zahlen müssen. Hast du die nicht zu bezahlenden Zinsen auch eingerechnet?
    Es geht nicht darum die Strukturdefizite der Griechen weiter zu subventionieren sondern man muss die Griechen aus ihrem Schuldenschlammassel befreien.
    Also klar kommt das Geld nicht bei den Griechen 1:1 an.
    Verstehst du das?

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  5. Die Schulden sind nicht aus dem Nichts entstanden. Nein, jmd. hat das Geld gegeben. Und der ist (auch) Schuld. Weil er zu viel Geld zu billig gegeben hat. Und zwar so viel, dass der Schuldner das Geld gar nicht mehr zurückzahlen kann.

    Vermögen und Schulden sind immer zwei Seiten der gleichen Medaille. Und daher helfen Schuldzuweisungen nicht weiter. Und Genau ist auch der Grund, warum jetzt ein haufen Geld nach Griechenland fließt, das direkt wieder abfließt. Weil das alles zusammenhängt.

    Wenn du verharmlosend von "es kommt nicht 1:1 an" redest: Es kommt der allergrößte Teil nicht an, sondern fließt direkt wieder ab. Verstehst du das?

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