USA: Arbeitslosenquote 01/12: 8,3% (-0,2 Vm, -0,8 Vj)

Das war ein Bericht vom US-Arbeitsmarkt für den ersten Monat 2012, der deutlich überrascht hat. Und zwar noch oben. Vor allem nach den ADP-Zahlen gestern hatte man allgemein schwächere Zahlen befürchtet. Gute Zahl in der Überschrift, auch von den Details gestützt (auch wenn die jährliche Überarbeitung der Zahlen am Jahresanfang die Vergleichbarkeit einschränkt).

Zu den offiziellen Zahlen für den Januar 2012:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -239.000 auf 12,758 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +847.000 auf 141,637 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 8,3% (-0,2 zum Vormonat, -0,8 unter dem Vorjahresmonat).

Die absoluten Zahlen sind aber nicht vergleichbar, weil am Jahresanfang die Bevölkerungszahlen angepasst werden. Das große Plus bei den Arbeitsplätze geht also vor allem darauf zurück, dass die Ergebnisse aus der Umfrage jetzt auf eine Bevölkerungszahl hochgerechnet wird, die um 1,7 Millionen über dem Wert vom Dezember 2011 liegt.

Die Zahl der NILFs stieg im Januar erneut KRÄFTIG um 1.177.000. Aber auch hier gilt: Ausnahmsweise kann man in diesem Monat nicht sehr viel daraus ziehen (außer der Vermutung, dass ich am ansteigenden Trend dieser Personenanzahl, die "nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen" (Not In Labor Force), nichts geändert haben dürfte.

Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung), die für mich immer ein guter Gegencheck zur politisch optimierten Arbeitslosenquote darstellt, zeigt das auch gut: Sie blieb am Januar stabil bei 58,5% und liegt minimal über dem Vorjahreswert von 58,4%. Die Beschäftigung wächst zwar, aber gerade einmal so schnell wie die Bevölkerung. Der letzte Satz könnte auch gut als Zusammenfassung des gesamten Berichts dienen.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, decken sich mit den "bereinigten" Arbeitslosenzahlen.

Anzahl der Jobs: +243.000 gegenüber dem Dezember 2011 auf 132,409 Millionen. 257.000 neuen Jobs im privaten Sektor stand ein Verlust von 14.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.

Erneut stark wurde der zweite Teil des Arbeitsmarktberichts durch die Korrekturen der Vormonate: Das Plus aus dem November wurde von 100.000 auf 157.000 nach oben korrigiert, der Dezember von +200.000 auf +203.000. Das sind 60.000 weitere Arbeitsplätze, die man eigentlich zum Monatsplus von 243.000 noch hinzuaddieren müsste. Damit setzt sich die Reihe kräftiger Aufwärtskorrekturen aus den Vormonaten fort. Es zeigt sich, dass die Schätzungen der Zahlen in einer Abschwungphase dauernd zu optimistisch sind und nach unten korrigiert werden (was Skeptiker gerne auf den Plan ruft und von manipulierten Zahlen reden lässt), hingegen in einer Aufschwungphase eben auch dauernd zu schlecht geschätzt und daher noch oben korrigiert werden müssen (wie jetzt).

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche liegt inzwischen bei 34,5 Stunden, 0,2 Stunden mehr als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Überstunden stieg leicht auf 3,4 Stunden, ebenfalls 0,2 Stunden über dem Januar 2011. Beides deckt die Aussage von steigender Nachfrage nach Arbeit.

Ein guter Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6. Diese sank wiederum leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 15,1%. Das ist deutlich besser als im Vorjahr (16,4%).

Zusammenfassend: Ein stimmiger Arbeitsmarktbericht. Die Verbesserungen sind nicht dramatisch, sondern weiterhin eher zögerlich. Aber immerhin wächst die Nachfrage nach dem Faktor Arbeit wieder, was den Wirtschaftsaufschwung in den USA weiter stabilisieren dürfte.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – January 2012


Update 0 (14:46):

(erste Eilmeldung ;-)

243.000 neue Arbeitsplätze, 257.000 in der privaten Wirtschaft, -14.000 beim Staat.

12,8 Millionen Arbeitslose.

266.000 AUFWÄRTSkorrektur der Anzahl der Arbeitsplätze für 2011. ABER gleichzeitig kamen auch 43.000 neue Arbeitslose hinzu und (festhalten) 1,252 Millionen, die nicht in die "Labor force" gehören, zum größten Teil weil sie zu alt sind.


Ich schreibe gleich noch mehr.


http://www.bls.gov/news.release/pdf/empsit.pdf

Kommentare :

  1. Hallo egghat,

    das sieht der Querschuss "ein wenig" anders: http://www.querschuesse.de/munchhausen-report/

    Und eines muss ich Dir einfach um die Ohren hauen: "ABER gleichzeitig kamen auch (...) 1,252 Millionen, die nicht in die "Labor force" gehören (dazu)."

    Vielleicht hättest Du dazu schreiben sollen, dass diese 1,25 (Querschuss: 1,57) Millionen NILF eine Erhöhung ggü. dem Vormonat (!) darstellen. Ggü. dem VJ gings um sage und schreibe 2,62M nach oben.
    Wie dadurch bei stetig wachsender Bevölkerung auch nur ein Problem gelöst werden soll, ist wohl nicht nur mir schleierhaft.

    Gruß,

    Hardy

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  2. De Querschuss bereitet zwar sehr schön die Zahlen auf, ist aber leider permanent negativ ... Das ist nicht meine Denke.

    Dass die NILFs im Monatsvergleich so stark gestiegen, liegt an der einmaligen, jährlichen Korrektur.

    Im Zusammenhang finde ich nicht, dass meine Darstellung zu positiv ist

    "Die Zahl der NILFs stieg im Januar erneut KRÄFTIG um 1.177.000. Aber auch hier gilt: Ausnahmsweise kann man in diesem Monat nicht sehr viel daraus ziehen (außer der Vermutung, dass ich am ansteigenden Trend dieser Personenanzahl, die "nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen" (Not In Labor Force), nichts geändert haben dürfte.

    Die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung), die für mich immer ein guter Gegencheck zur politisch optimierten Arbeitslosenquote darstellt, zeigt das auch gut: Sie blieb am Januar stabil bei 58,5% und liegt minimal über dem Vorjahreswert von 58,4%. Die Beschäftigung wächst zwar, aber gerade einmal so schnell wie die Bevölkerung. Der letzte Satz könnte auch gut als Zusammenfassung des gesamten Berichts dienen."

    Ich habe den negativen Trend bei den NILFs erwähnt (er kam auch in jedem meiner Berichte zu dem Thema). Ich habe die stagnierende Erwerbstätigenquote erwähnt, die schön zeigt, dass bei weitem nicht alles im Lot ist.

    ABER: Wir haben jetzt etwa drei Jahre, in denen die Quote sanken. Wir hatten drei Jahre, in den die Bevölkerung schneller gewachsen ist als die Beschäftigten. Jetzt ist das aber endlich wieder im Lot. Zwischenzeitlich gab es das auch schonmal monatlich, aber das wurde von den Korrekturen kurze Zeit spät wieder "gefressen". Jetzt hatten wir die große Korrektur und der Trend hält trotzdem zum ersten Mal. Das ist doch mal was!

    Keine Nachricht zum Jubeln, aber zumindest eine durchaus beruhigende ...

    (Um die Tendenz bei den Querschuessen zu sehen: Wenn die bereinigte Zahl nicht schlecht genug ist, wird die nicht bereinigte genommen. Sowas ist aber einfach unsauber, mitten im Winter kann man nicht mit nichtsaisonbereinigten Zahlen arbeiten ...)

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  3. Vielleicht hätte ich auch nur

    " Die Beschäftigung wächst zwar, aber gerade einmal so schnell wie die Bevölkerung."

    schreiben soll.

    Finde im übrigen nicht, dass sich das wirklich (zu) positiv anhört ...

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  4. Im Dezember / Januar überhaupt ernsthafte +/- Zahlen zu berechnen ist schwer möglich - in einem Monat werden über 2 Millionen Hilfskräfte eingestellt, danach je nach Verlauf der Umtausch- und Gutscheinsaison gefeuert. Die saisonale Korrektur macht dann irgendwelche Zahlen daraus,bei über 2 Millionen Schwankung ernsthaft von 200.000 geschaffenen / verlorenen Stellen zu sprechen ist schlicht unseriös. Die Lage richtig beurteilen kann man da eher wieder ab Ende Februar.

    Kritisch sehe ich das hier, von Zerohedge ausgegraben:

    http://www.zerohedge.com/news/quality-assessment-us-jobs-reveals-ugliest-picture-yet

    Die Gesamt-Lohnsumme ist gesunken - und das vor der Inflationsberechnung. Das hat keine Aussage über die Anzahl der Arbeitsplätze (die wird in der Analyse auch nicht angezweifelt), wohl aber über die Qualität.

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  5. @Till:

    Hmmm, interessant. Vor allem, weil die offiziellen Zahlen dafür keine gute Erklärung liefern. Es könnten Vollzeitstellen durch Teilzeitstellen ersetz worden sein (geben die offiziellen Zahlen abe rnicht her). Es könnte der Stundenlohn gesunken sein (auch wenn der sich nicht toll entwickelt, zumindest fällt er nicht).

    Hmmm hmmm.

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