8 Gigawatt neue Solaranlagen 2012?

... trotz der Kürzung am Jahresanfang und der geplanten Anfang April (muss noch durch den Bundesrat und der muckt schon wieder auf)?

Eigentlich sollte die Vergütung sogar schon zum 9.3. runter, um einen Schlussspurt vor der Senkung zu verhindern. Die Einspeisevergütung sinkt - wann auch immer - schlagartig auf maximal 19,5 Cent (vorher 24,43 Cent/KWh für kleine Dachanlagen bis 10 KW). Große Dachanlagen bekommen 16,5 Cent/KWh (vorher 21,98), Freiflächenanlagen 13,50 statt 18,33 Cent/KWh. Das ist immerhin eine Senkung um 20 bis fast 30%. Ab Mai sollen die Preisen dann fix um 0,15 Cent je KWh pro Monat weitersinken, also 1,8 Cent/KWh pro Jahr. (weitere Details: Erneuerbare-Energien-Gesetz: Solarförderung wird gekappt - Energiepolitik - FAZ)

Daher glaube ich nicht an ein erneutes Rekordjahr. Nach den etwa 7,5 Gigawatt 2011, einem Jahr in dem kontinuierlich deutlich zu hoch gefördert wurde, sinkt nach meiner Einschätzung spätestens mit der Senkung im April die Rendite im größten Teil Deutschlands klar unter 5%. Gerade bei den Anlagen, die nicht bei Privatleuten auf den Dächern landen, wird die Pflicht 10% des Stroms selber zu verbrauchen bzw. zu verkaufen, den Durchschnittspreis für den produzierten Strom noch weiter senken. (Bin übrigens gespannt, wie der Stromverkauf abgewickelt wird und wie die Preise dafür aussehen ... Das sieht schon im Vorfeld nach völlig intransparenten und gekungelten Märkten aus ...)

Daher glaube ich nicht an 8 Gigawatt, die Schätzung scheint mir deutlich zu hoch zu sein. Auf der anderen Seite hat Wacker Chemie schon im letzten Herbst Selbstkosten 15 Cent/KWh für Dachanlagen errechnet, diese dürften trotz aller Kürzungen und Einschränkungen weiterhin profitabel/rentabel sein. Aber das ist halt nur ein Teil des Marktes.

Eine Prognose für 2012 ist natürlich verdammt schwierig, weil niemand den Preisverfall kennt. Ich rechne mit einem deutlichen Einbruch nach der Kürzung im April. In den Südländern wurden die Programme gekürzt (teilweise auf Null), in China ebenfalls. Die Nachfrage sinkt also rund um den Globus.
Es sei denn, der Nachfrageeinbruch wird so stark, dass die Preise gleich mitcrashen. Und dann kann sich das Ganze viel schneller wieder rechnen als man sich das heute vorstellen kann. Wer weiss, vielleicht sinken die Preise bereits bis zum Herbst nochmal um 20 oder 30% und dann wird es mit Sicherheit den nächsten Boom geben.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Preise für Fotovoltaik stärker fallen würden als man schätzte und sich Kürzungen, die dramatisch sein sollten, am Ende ziemlich verpufften und die Nachfrage nur für wenige Wochen sank.

Es geht halt kein Weg daran vorbei, die Förderung dauernd zu überprüfen. Dauernd die Kosten und die Leistung zu erheben und fortlaufend anzupassen (siehe VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN). Die sprunghaften Anpassungen machten keinen Sinn, sie führen immer zu sinnlosen Nachfragebooms und -einbrüchen und verschlechterten die Planbarkeit, sowohl auf Hersteller- wie auf Verbraucherseite.

Jetzt ersetzt man die jährlichen bzw. halbjährlichen Sprünge durch monatliche Senkungen (eine Verbesserung!), macht diese aber im Gegensatz zum letzten Modell nicht variabel. Erst ab 2014 kann wieder zusätzlich (bei zu hoher Installationsmenge im Vorjahr) gekürzt werden, das aber natürlich wieder sprunghaft (wobei die Sprünge wegen der fixen monatlichen Senkung wohl geringer ausfallen werden).

Mir ist schleierhaft, wieso nach 12 Jahren EEG immer noch so dämlich Politik gemacht wird ... Wie schwierig ist es denn, einfach zu messen und zu erfassen und dann permanent zu senken?

Generell erschließt sich mir nicht, wieso die Regierung ab 2014 die Menge zusätzlich installierter Fläche so deutlich begrenzen will (2,5 bis 3,5 GW pro Jahr). Die Vergütungen sinken doch, die kleinsten Anlagen sind dann bei 16 Cent je KWh angekommen, mit den großen Anlagen zusammen sind dann bereits Durchschnittskosten von 13 oder 14 Cent für Fotovoltaikstrom erreicht. Und auf dem Niveau, das nach meiner Interpretation immer das Ziel des ganzen Projekts EEG sein sollte, kürzt man die Menge der zusätzlich installierten Leistung? Da komm ich nicht mit ...

Neuer Ausbaurekord erwartet: Solarbranche wächst trotz Subventionskürzung weiter - Wirtschaft - FAZ

Update (17:51):

Die Stellungnahme des DIW passt jetzt nur nicht 100%ig zum Thema, aber liegt schon länger in meiner Queue und bevor ich die (wie so vieles) gar nicht verlinke, packe ich die mal hierher:

DIW Berlin: Stellungnahme zur geplanten Änderung der Förderung von Solarstrom

Warum wird schon wieder die Anpassung geändert? Warum so stark? Warum so schnell? Wo bleibt die Planungssicherheit? Wer hat die 0,15 Cent pro Monat ausgewürfelt? Wie sollen die langfristigen Ziele für die Solarenergie erreicht werden, wenn so dramatisch zusammengestrichen wird? 

Kommentare :

  1. Ich verstehe das auch nicht. Die einzige plausible Erklärung ist, dass dies von der Solarindustrie so gelobbyt wurde.

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  2. "Und auf dem Niveau, das nach meiner Interpretation immer das Ziel des ganzen Projekts EEG sein sollte, kürzt man die Menge der zusätzlich installierten Leistung? Da komm ich nicht mit ..."

    Ist doch ganz logisch. Das Ziel der Regierung ist die Gewinne der G4 halbwegs zu stabilisieren.
    Der Großmann hat sich doch auf der Hauptversammlung (???) beschwert, dass die PV die lukrative Mittagsspitze abflacht bzw eliminiert.

    Nachdem man nicht öffentlich sagen, will dass man die PV deckelt oder abschafft macht man den schleichenden Weg mit einem kontinuierlich sinkenden Korridor.
    Nach diesen Senkungen und den prozentual zunehmenden Kürzungen (lineare Abnahme, keine exponentielle Abnahme) wird ohnehin kaum noch zugebaut werden.

    Alle PV-Modul-Unternehmen machen hunderte Millionen Euro Verlust. Woher sollen diese extrem schnellen Preissenkungen herkommen.
    Gerade auch in Zukunft. Die werden erstmal 1-3 Jahre brauchen um bei stabilen Preisen wieder profitabel zu werden

    (13,5 - 1,8 = 11,7) / 13,5 = - 13%
    (11,7 - 1,8 = 9,9) / 11,7 = - 15%
    ( 9,9 - 1,8 = 8,1) / 9,9 = - 18%

    Immer stärkere sinkende Preise sind wohl alleine physikalische Unmöglichkeit.

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    1. "Alle PV Unternehmen schreiben Verluste" stimmt nicht. Die chinesischen Firmen sind weiterhin profitabel.

      Was die langfristige Abschätzung angeht, hast du recht: die Preise müssen immer schneller fallen. Das geht nicht. Wichtig ist dabei zu bedenken, dass wir vielleicht noch für die Zellen einen solchen Preisverfall sehen. Aber bei den anderen Kosten, allen voran den Installationskosten, kann es einen solche Entwicklung nicht geben. Das wird im besten Fall stabil bleiben, tendenziell aber mit steigenden Löhnen auch weiter steigen.

      Allerdings muss man auf der anderen Seite auch sehen, dass der selbstverbrauchte Strom immer lohnender wird. Wer ein Drittel des Stroms selber verbraucht, spart bei jeder Kilowattstunde bei angenommenen 15 Cent Kosten inzwischen etwa 9 Cent je Stunde. Das sind auf die anderen zwei Drittel umgerechnet 4,5 Cent je KWh. Die Gesamtbilanz ist also neutral, selbst wenn die Förderung für die Einspeisung um 4,5 Cent gesenkt wird. Das ist der Effekt, der ab der Schwelle "Netzparität" auftritt und oft vergessen wird. Vielleicht sollte ich dazu nochmal was schreiben, das ist eigentlich ganz spannend.

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  3. "nur 100%" erinnert an die New Economy Bubble... ;-)

    p.s.: "fickbi" als Nichtrobotbeweis ist echt witzig

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  4. Du findest auch immer den Fehler. Manchmal schreibe ich ne ganze Woche nichts, nur damit du eine faire Chance hast ;-)

    Mal schauen, was ich dann morgen schreibe ..

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  5. Der Staat geht, die Bundesbank kommt: http://t.co/C0PrPtev , wenn auch nur bei energetischen Modernisierungen

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