Heute gab's die Urteile im SdK/Petrohunter/Nascacell Verfahren

Und zwar die gegen die zwei Hauptangeklagten ...

Das waren einmal Markus Straub von der SdK (das ist ja eigentlich jemand, der die Klage erheben sollte): Er bekam wegen Marktmanipulation in 2(!) Fällen 2 Jahre und drei Monate Knast (das heisst NICHT auf Bewährung) und 36.000 Euro Geldstrafe. Außerdem wurden die erzielte Gewinne kassiert.

Der zweite Angeklagte war der ehemalige Sprecher des SdK, hatte aber auch eine Investmentfirma namens TBF Capital und gab einen Börsenbrief heraus. Im Gegensatz zu früheren Berichten nennt heute kein Artikel mehr seinen Namen, also lasse ich das auch ...

Er bekam drei Jahre Haft ohne Bewährung, 27.000 Euro Strafe und die erzielten Gewinne wurden kassiert. Wegen Kursmanipulation in 47 (!) Fällen.

Jetzt könnte man sagen: Gut, endlich mal Strafen von einer Länge, die nicht mehr auf Bewährung gehen. Das ist sicherlich richtig, allerdings sind die beiden auch gleich wieder freigelassen worden, weil sie so lange in U-Haft gesessen haben (was aber auch OK ist).

Was mir am Urteil aber gar nicht gefällt:
  • Der Vorwurf des Insidertradings wurde komplett fallengelassen. Das senkt das Strafmaß. 
  • Auch dass der eine Angeklagte in nur 2 Fälle, der andere jedoch in 47 Fälle verwickelt sein soll, klingt unglaubwürdig. 
  • Und die Angeklagten, die sich beim Prozessauftakt noch als komplett unschuldig bezeichnet haben, bekamen nun wegen ihrer Geständnisse und ihrer Einsicht (?!?!) ein niedrigeres Strafmaß.
  • Außerdem wurde beim Urteil gegen Stefan F. (siehe SdK/Petrohunter/Nascacell: 2 Geständnisse, 1 Urteil - egghat's not so micro blog) wurde der Mann ohne Namen, der heute drei Jahre bekam, noch als Haupttäter bezeichnet und Stefan F. als kleines Licht. Das kleine Licht bekam 2 Jahre, der Haupttäter drei ( übrigens wegen Insidertradings in 44 Fällen; so viel zur Plausibilität der 2 Fälle).
Nun ja ...

Neue Gefängnisstrafe: Ex-Aktionärsschützer wegen Marktmanipulation verurteilt | FTD.de

Und weil ich es nicht wiederfinden kann, trage ich das Urteil für den anderen ehemaligen SdK Sprecher Christoph Öfele noch nach. Dieser bekam im Januar 2 Jahre auf Bewährung wegen Insidertradings in 92(!) Fällen und 9.000 Euro Strafe (und Abgabe der Gewinne). (siehe Insiderhandel: Bewährungsstrafe für Ex-SDK-Sprecher - Capital)

Und weil ich es ebenfalls nicht in einem meiner Blogs wiederfinden kann: Es gab bereits im Dezember ein Urteil gegen einen ehemaligen Geschäftsführer des Analysehauses Performaxx. Und zwar 18 Monate auf Bewährung und 5.000 Euro Geldstrafe, weil diese Studien im Wissen entstanden sind, dass der Auftraggeber sie nur besondern optimistisch braucht, weil er möglichst schnell möglichst viele Aktien zu möglichst hohen Kursen verkaufen will. Wer das ist, kann ich aber nicht sagen. Der einzige Name, der mir "verdächtig" vorkommt, passt nicht zu der Beschreibung "ehemaliger" Geschäftsführer, denn der wäre das laut Website von Performaxx immer noch. Er kann es also nicht sein.

Wer übrigens mal sehen will, wie so eine Auftragsstudie aussieht: Mindestens ein gibt es noch immer online ... performaxx Research: Nascacell Technologies AG - Spekulativ kaufen. Diese Studie war auch die Basis einer Aktienempfehlung in Focus Money, einer Zeitschrift, die kein gutes Bild in diesem Skandal abgeben hat und ohne weitere Prüfung die Empfehlungen eines freien Journalisten abgedruckt hat. Der übrigens noch nicht angeklagt wurde. Aber bei den Strafmaßen, die in Deutschland verhängt werden, muss der sich wahrscheinlich nur einmal selber ohrfeigen, 5 Minuten in die Ecke stellen und schämen und ist dann raus aus der Verantwortung (weil er ja jetzt vernünftig geworden ist). Der Analyst, der die Nascacell Studie unterschrieben hat, arbeitet übrigens auch noch in der Branche. Den Namen sollte man sich als Anleger merken und das Urteil nur mit einer gehörigen Portion Skepsis aufnehmen ...


Übrigens: Bei allem Gemecker über die Urteile und die scheinbare "Hauptsache schnell ein Urteil"-Einstellung des Gerichts: Der Staatsanwalt bohrt weiter und hat erst vor Kurzem die Ermittlungen nochmals deutlich ausgeweitet. Da könnte also durchaus noch mehr kommen. Vor allem die Auswüchse in Richtung Medien/Presse könnten sich als noch gravierender herausstellen als nur ein vereinzelter freier Mitarbeiter bei Focus Money ...

Update (22.3.12):

Laut Spiegel wurde im Verfahren gegen Straub der komplette Fall Nascacell wegen "nachrangiger Bedeutung" rausgestrichen. Krass!

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,822498,00.html

Die WiWo hat noch ein paar andere Details, die ich gerne nachtragen würde.

a) Straub ist nach Angaben seiner Verteidigerin komplett raus. 2/3 der Strafe gelten als abgesessen, der Rest läuft auf Bewährung.
b) Der andere (die WiWo nennt den Namen ausnahmsweise) ist nicht raus. Erstens ist er nach 18 Monaten U-Haft noch nicht bei 2/3 angelangt. Es könnte also sein, dass er nochmal zurück ins Gefängnis muss. Außerdem drohen aus den ausgeweiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch weitere Vorwürfe, auch wenn der Verteidiger diese nicht für substanziell hält.

SdK-Affäre: Die Urteile helfen Anlegern wenig - Geldanlage - Finanzen - Wirtschaftswoche

Kommentare :

  1. Da lehnst Du Dich aber weit aus dem Fenster.
    1. Wenn jemand fast 2 Jahre (unschuldig) im Knast sitzt, geht er natürlich auch mal einen Kompromiss ein, Hauptsache er kommt raus. Man ist in der Situation durchaus erpressbar.
    2. Kann die Staatsanwaltschaft Vorwürfe nicht beweisen, muss man davon ausgehen, dass der Angeklagte unschuldig ist. Muss die Staatsanwaltschaft sich an die eigene Nase fassen und sich fragen lassen, ob die Razzien überhaupt gerechtfertigt waren.
    Ich nenne das Steuergeldverschwendung.
    3. Nicht jeder der Angeklagten muss an jeder Kursmanipulation beteiligt gewesen sein. Eine Straftat kann man auch alleine begehen... so viel zur Plausibilität der 2 Fälle

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  2. Punkt 1 ist valide. Aber: Die anderen saßen auch nicht im Knast und sind alle verurteilt worden. Und nicht vergessen: Auch ein Richter ist immer unter Druck und froh, wenn er einen Fall schnell abschließen kann. Anders gesagt: Er hätte auch noch drei Monate mehr Zeit in den Fall stecken können und dann vielleicht drei oder sechs Monate mehr "rausgeholt". Nur wäre der Straub dann wohl auch direkt wieder freigelassen worden, weil er so lange in U-Haft saß und man bei guter Führung auch schnell rauskommt.
    Punkt 2: Angesichts der Vielzahl von Verurteilten muss man schon ziemlich abgeschmackt sein, um die Ermittlungen für Steuerverschwendung zu halten. Nicht zuletzt hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen deutlich ausgeweitet. Die sind nun mal gar nicht der Meinung, dass man zu viel ermittelt hat, sondern zu wenig. Eher wie der Stich ins Wespennest.
    Punkt 3: Naja, natürlich kann es sein, dass Straub nur in zwei Fällen beteiligt war. Ich halte es aber für unwahrscheinlich. Der Name fiel von Anfang an ... Aber nun ja, mag sein.

    Generell: Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter. Da wird noch mehr kommen. Der Sumpf ist tief ...

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