Griechenland Haushaltsdefizit 2011: -9,1%/BIP

Die Zahl, die eigentlich schon eine Woche alt ist, würde ich gerne bringen, weil ich die griechische Haushaltsentwicklung hier a) die ganze Zeit begleitet habe, b) die Zahl jetzt endgültig zu sein scheint und c) ich die Zahl nicht verstehe ...

Denn zwischenzeitlich sah es ja viel schlechter aus; das Haushaltsminus von Januar bis Oktober 2011 lag schon bei -10,6% des BIPs. Nun wurde es ein Minus von

9,1%.

(Zur Erinnerung: Nach dem Plan am Anfang der Krise sollte das Defizit 2011 bereits auf etwa 5% geschrumpft sein).

Die griechische Regierung sieht das Staatsdefizit 2011 sogar nur bei minus 8,8%, nochmal 0,3 Prozentpunkte niedriger als die Statistikbehörde (siehe hierzu: ekathimerini.com | Disagreement over 2011 deficit)

2010 lag das Haushaltsdefizit noch bei bei -10,3% (es sollten am Anfang der Sparprogramme -7,8% werden). 2009 lag der Peak (bzw. das Tal) bei -15,8% des BIPs.

Für dieses Jahr wurde ursprünglich mal mit einem Minus von -5,4% geplant, aber daraus wurden auch - am Tag nach der Freigabe des Hilfspakets - plötzlich 6,7% (siehe Dass die ganze Haushaltsplanung für Griechenland ... - egghat's not so micro blog). Mal schauen, wo das endet ...

Aber zur eigentlich interessanten Frage: Woher kommt die überraschende Verbesserung der 2011er Zahlen? 

Wieso meldete die griechische Regierung nach 10 Monaten bereits ein Defizit von mehr als 10% (siehe Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Griechenland Haushaltsdefizit 2011: -10,6% (Planung -9,0%))? Am Ende des Jahres waren es (aus den laufenden Zahlen) sogar über 12% des BIPs (siehe minfin.gr: STATE BUDGET EXECUTION 2011 Bulletin 12 (PDF)). Jetzt sind es auf einmal aber "nur" noch 9,1%?

Das muss durch irgendwelche einmaligen Zahlungen erfolgt sein. Aber welche?
  • Transferzahlungen der EU? 
  • Irgendwelche Zahlungen im Zusammenhang mit dem Rettungspaket? 
  • Vielleicht doch einmalige Steuerzahlungen innerhalb Griechenlands? 
  • Privatisierungserlöse? (Wüsste nichts davon)
  • Kam aus den "Schattenhaushalten" z.B. im Gesundheitssystem ein überraschender Geldfluss (Portugal hat in die Rentenkassen gegriffen ...)?
Oder ist es eine "Optimierung" der Statistik ähnlich wie man es in Irland gemacht hat? Auf der grünen Insel wollten die Statistiker auf einmal bestimmte Zahlungen an die kritischen Banken nicht mehr zum Staatsdefizit rechnen. Im Fall Irland gibt Irland 9,8% Haushaltsdefizit an, die europäischen Statistiker bei der Eurostat akzeptierten die Rechnung aber nicht und geben 13,1% an. (Irland hübscht sein Defizit massiv auf | Telepolis)

Hat irgendjemand eine Idee, wie Griechenland am Ende des Jahres des eigentliche Defizit von etwa 12% des BIPs auf etwa 9% drücken konnte? Ich habe jetzt eine Woche lang gesucht und nichts gefunden. Daher gebe ich die Frage mal weiter ... (Ihr habt ja alle Brückentag und Zeit, ihr Glücklichen ...)

Greek 2011 deficit at 9.1 pct of GDP | Reuters

Kommentare :

  1. Die Abweichungen zwischen Forecast und Endergebnis kommen nicht nur in Griechenland, sondern z.B. auch in Deutschland, am meisten von der Einnahmenseite her. Es liegt hiermit der Verdacht nahe, dass Reinhard Selten Recht hat: Griechenland hat keineswegs einen verschwenderischen Staat, sondern ein Problem mit der "Steuervermeidung". Es besteht also Hoffnung: Griechenland hat mehr Steuern eingenommen als erwartet, und das im Umfeld einer schrumpfenden Wirtschaft, was ja nur heißen kann, dass der obere Bereich der Einkommens- und Vermögenspyramide inzwischen doch etwas konsequenter angefasst wird.

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  2. An die positive Erklrung würde ich ja gerne glauben. Aber wenn die Regierung die Staatseinnahmen und Ausgaben monatlich meldet und sich daraus schon 12% Minus ergeben, sind die Steuereinnahmen doch eigentlich schon vollständig erfasst.

    Ich tippe also eher auf eine andere Einnahmequelle, EU-Transferzahlungen würden mir einfallen. Logisch ist das aber irgendwie auch nicht, denn die kommen ja auch nicht plötzlich am Ende des Jahres ... Aber wer weiss, wie das was verbucht wird (werden muss?)

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