USA: Arbeitslosenquote 03/12: 8,2% (-0,1 Vm, -0,7 Vj)

Das war - zum ersten Mal seit ein paar Monaten - ein Arbeitsmarktbericht aus den USA, bei dem die Überschrift am Ende die einzige positive Nachricht war. Schon die zweite wichtige Zahl aus dem Bericht - die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze - war eine dicke Enttäuschung.

Zu den offiziellen Zahlen für den März 2012:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -133.000 auf 12,673 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: -31.000 auf 142,034 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 8,2% (-0,1 zum Vormonat, -0,7 unter dem Vorjahresmonat).

Dass sowohl die Zahl der Arbeitenden als auch die Zahl der Arbeitslosen sinkt, ist schon relativ seltsam ... Und die regelmäßigen Leser ahnen bestimmt schon, woran das liegt: an den NILFs. Von diesen Personen, die nicht mehr dem Arbeitsmarkt angehören ("not in labor force"), gibt es im März auf einmal 333.000 mehr.

Das zeigt auch die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung), die für mich immer ein guter Crosscheck zur politisch optimierten Arbeitslosenquote darstellt. Sie sank im März auf 58,5% (-0,1) und liegt nun wieder genau auf dem Vorjahreswert.
Obwohl die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahresmonat von 8,9 auf 8,2% zurückgegangen ist, hat sich die Anzahl der Arbeitenden auf die Bevölkerung gerechnet nicht geändert. Damit muss ich die positive Einordnung des Vormonats ("die Erholung des Arbeitsmarkts ist nun endlich schneller als das Wachstum der Bevölkerung") wieder teilweise widerrufen. Aber warten wir mal ab, ein Monat reicht da nicht aus ...

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im März der enttäuschende Teil.

Anzahl der Jobs: +120.000 gegenüber dem Vormonat auf 132,821 Millionen. Dem Plus von 121.000 neuen Jobs im privaten Sektor steht ein Verlust von 1.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.

Die Korrekturen der Vormonate waren diesmal relativ neutral: Der Januar wurde um 9.000 auf 275.000 nach unten korrigiert, der Februar um 13.000 auf 240.000 nach oben.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche sank im Vergleich zum Februar um 0,1 auf 34,5 Stunden, im Vergleich zum Vorjahresmonat beträgt das Plus 0,2 Stunden. Die Zahl der Überstunden blieb ebenfalls stabil bei 3,4 Stunden, 0,1 Stunden über dem März 2011. Der Rückgang der Arbeitsstunden deckt die eher schwache Tendenz des März-Berichts.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6. Diese deckt aber die These, dass der März-Bericht doch eher positiv war. Um 0,4 Prozentpunkte ging es auf 14,5% nach unten. Das ist weiterhin deutlich besser als im Vorjahr (15,7%).

Zusammenfassend: Ein eher verwirrender, überwiegend enttäuschender Arbeitsmarktbericht. Die Arbeitslosenquote(n) sanken zwar, aber das ging vor allem auf die Umbuchung in die NILF-Schublade zurück. Der Anstieg der Arbeitsplätze blieb im März - zum ersten Mal in diesem Jahr - deutlich hinter dem Zuwachs der Bevölkerung zurück. Damit droht dem US-Arbeitsmarkt ein Rückfall in die Phase, in der er zwar irgendwie OK ist, aber nicht so stark ist, dass er das US-Wachstum trägt.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – March 2012

Kommentare :

  1. Vielen Dank für den Bericht.

    Ein Denkansatz zum Recherchieren:
    Die USA hatten einen extrem warmen Winter. Nun haben die Saisonkorrekturen für Januar und Februar mehrere Millionen! Arbeitsplätze hinzugerechnet, da sind die 200.000 geschaffenen leicht ein statistischer Effekt. Insbesonders wenn z.B. Baustellen nicht schließen müssen, weil es statt Schnee Plusgrade gibt, die Leute einkaufen gehen können + nicht eingeschneit sind etc...

    Die Korrekturen sind statistischer Schnitt, bei besonders kalten oder warmen Wintern verzerren sie halt das Bild - der Sommer (wo dann die Korrekturzahl negativ ist) wird dann zeigen, was wirklich war.

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  2. The US and China are the main hopes of the global economy right now. If they go down we are all screwed. Its terribly depressing.

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