Lohnt sich eigentlich demonstrieren?

"Lohnen" dabei im Sinne von "bewirkt es was", nicht in monetärer Hinsicht.

Spannend, dass das Thema jetzt mal von Ökonomen untersucht wurde. Als Beispiel wurde die erzkonservative Tea-Party-Bewegung in den USA gewählt. In Städten, in denen die Tea-Party große Demonstrationen zusammentrommeln konnte, ließ sich nachher auch eine Beeinflussung des Wahlergebnisses in Richtung "konservativ" feststellen.

Damit wäre schonmal festgestellt, dass Massendemonstrationen durchaus einen Einfluss haben. Der Mensch ist halt ein soziales Wesen und jede Gemeinschaft zieht weitere Menschen mit. Jeder Erfolg einer Partei bei einer Wahl (aus Sicht der Wähler, nicht der Politiker!) führt nach der Wahl zu einem Anstieg dieser Partei in den Prognosen. Die SPD hat in der Sonntagsfrage gerade 3 Prozentpunkte zugelegt, nachdem die NRW Wahl gewonnen wurde.

Spannend an der Untersuchung ist vor allem, dass es eine Reihe von Demonstrationen gab, die untersucht werden konnten. Es gab ausreichend Städte mit ähnlichen Wahlergebnissen (vor den Demonstrationen), in denen sich die Beteiligung an den Demonstrationen aber deutlich unterschied. Damit hat man konservative und weniger konservative Städte und welche mit hoher und niedriger Demonstrationsbeteiligung. Sprich man hat alle 4 möglichen Kombinationen ausreichend häufig im Datensatz. Damit kann man dann schön die gängigen statistischen Verfahren anwerfen.

Der Grund für die unterschiedliche Beteiligung ist übrigens ziemlich trivial: Das Wetter. Sonne bedeutet hohe Beteiligung, Regen niedrige.

Wenn das die Politiker mitbekommen ... Dann liegt die Ausrede nach der nächsten verlorenen Wahl schon parat: Was können wir dafür, dass bei unserer Wahlparty schlechtes, bei der des Gegners hingegen gutes Wetter war ...

Einfluss von Demonstrationen: Erfolgreiche Straßenpolitik - Ökonomie - Politik - Handelsblatt

P.S. Eigentlich ein Artikel,  der von Olaf Storbeck hätte kommen können. Dann hätte auch das Setzen des Links auf die Originalstudie am Ende des Artikels geklappt ;-) (Wenn den jemand hat, ergänze ich den gerne)

Update (15.06.12):

Besser spät als nie ... Gerade in der Spam-Queue einen Kommentar gefunden (anonyme Kommentare haben es immer schwer, durch den Spamfilter zu kommen), der auf die Originalstudie verweist:

Andreas Madestam, Daniel Shoag, Stan Veuger, David Yanagizawa-Drott: DO POLITICAL PROTESTS MATTER? EVIDENCE FROM THE TEA PARTY MOVEMENT

Kommentare :

  1. Viele Störche leben auf dem Land, daher gibt es auf dem Land mehr Geburten.

    Vorsicht: Vielleicht demonstrieren einfach mehr Konservative dort, wo es auch Konservative gibt? Soll heißen: Anzahl der Konservativen --> Anzahl Demonstrationen / Anzahl der Con-Votes. Nicht Anzahl der Demos -> Anzahl der Votes

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    1. "Es gab ausreichend Städte mit ähnlichen Wahlergebnissen (vor den Demonstrationen), in denen sich die Beteiligung an den Demonstrationen aber deutlich unterschied. Damit hat man konservative und weniger konservative Städte und welche mit hoher und niedriger Demonstrationsbeteiligung. "

      Durch die Normalisierung mit dem Wahlergebnis vor den Demonstrationen sollte ein solcher Äpfel mit Birnen Vergleich ausgeschlossen sein. Man kennt ja die Äpfel und die Birnen und kann sich getrennt betrachten.

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  2. Der gute heißt nicht Veuge, sondern Veuger weshalb der Artikel auch nur schwer zu finden ist...

    http://www.hks.harvard.edu/fs/dyanagi/Research/TeaParty_Protests.pdf

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    1. Danke. habe ich ergänzt. Kommentar hing leider im Spamfilter ...

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