USA: Arbeitslosenquote 04/12: 8,1% (-0,1 Vm, -0,9 Vj)

Schon wieder ein Arbeitsmarktbericht, bei dem die Überschrift (die Arbeitslosenquote) am Ende (fast) die einzige positive Nachricht war. Schon die zweite wichtige Zahl aus dem Bericht - die Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze - war wie im Vormonat eine dicke Enttäuschung.

Zu den offiziellen Zahlen für den April 2012:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: -173.000 auf 12,500 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: -169.000 auf 141,865 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 8,1% (-0,1 zum Vormonat, -0,9 unter dem Vorjahresmonat).

Dass sowohl die Zahl der Arbeitenden als auch die Zahl der Arbeitslosen sinkt, ist seltsam ... Denn die USA sind ein Land, in dem die Bevölkerung wächst. Und die regelmäßigen Leser ahnen bestimmt schon, woran das liegt: an den NILFs. Von diesen Personen, die nicht mehr dem Arbeitsmarkt angehören ("not in labor force"), gab es im April plötzlich geradezu unfassbare 522.000 mehr. In einem Monat, in dem die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter um 180.000 zugenommen hat, nahm die Anzahl der Personen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, angeblich um 342.000 ab. Wer glaubt wird selig ...

Das gleiche Bild zeichnet auch die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung), die immer ein guter Crosscheck zur politisch optimierten Arbeitslosenquote darstellt. Sie sank im April auf 58,4% (-0,1) und liegt nun wieder genau auf dem Vorjahreswert.
Obwohl die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahresmonat von 9,0 auf 8,1% zurückgegangen ist, hat sich die Anzahl der Arbeitenden auf die Bevölkerung gerechnet nicht geändert. Damit muss ich die positive Einordnung der Wintermonate ("die Erholung des Arbeitsmarkts ist nun endlich schneller als das Wachstum der Bevölkerung") langsam widerrufen. Denn das ist nun schon der zweite Monat, der diese Entwicklung aufzeigt (deshalb kann ich so große Teile des Vormonats-Texts übernehmen wie noch nie zuvor. Der April ist wirklich fast wie der März, nur noch etwas schlimmer ...).

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im April der enttäuschende Teil.

Anzahl der Jobs: +115.000 gegenüber dem Vormonat auf 132,989 Millionen. Dem Plus von 130.000 neuen Jobs im privaten Sektor steht ein Verlust von 15.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.

Die Korrekturen der Vormonate waren diesmal leicht positiv: Der Februar wurde bei der zweiten Korrektur um 19.000 auf 259.000 (1. Schätzung war +227.000) nach oben korrigiert, der März um 34.000 auf 154.000 nach oben.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche blieb konstant bei 34,5 Stunden, im Vergleich zum Vorjahresmonat beträgt das Plus 0,1 Stunden. Die Zahl der Überstunden stieg gegenüber dem Vormonat um 0,1 Stunden auf 3,4 Stunden, oder 0,2 Stunden gegenüber dem April 2011. Kein Grund zum Jubeln, aber immerhin leicht positive Zahlen.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6. Diese unterstützt die Interpretation, dass man den April trotz der gesunkenen Arbeitslosenquote doch eher unter Stagnation abheften muss. Die Verbesserung des Vormonat setzte sich nicht fort; die Quote blieb stabil bei 14,5%. Allerdings: Das ist weiterhin deutlich besser als im Vorjahr (15,9%).

Zusammenfassend: Ein eher verwirrender, überwiegend enttäuschender Arbeitsmarktbericht. Die Arbeitslosenquote sank zwar, aber das ging fast ausschließlich auf die Umbuchung in die NILF-Schublade zurück. Der Anstieg der Arbeitsplätze (+115.000) blieb im April - zum zweiten Mal in diesem Jahr - deutlich hinter dem Zuwachs der Bevölkerung (+180.000) zurück. Damit droht dem US-Arbeitsmarkt ein Rückfall in die Phase, in der er zwar irgendwie okay ist, aber keinesfalls so stark ist, dass er das US-Wachstum trägt.
Auf der positiven Seite sind die Korrekturen der beiden Vormonate (zusammen 53.000) zu nennen, die die scheinbar große Lücke zwischen den Erwartungen (etwa 170.000 bis 180.000 neue Jobs) und der tatsächlichen Zahl (+115.000) doch kräftig schrumpfen lässt. (Die Ewig-Schwarzseher werden natürlich den US-Arbeitsmarkt jetzt natürlich gleich wieder in die tiefste Depression schreiben, aber so schlecht ist es dann auch. Aber eine positivere Interpretation als "Stagnation" kann auch ein Optimist nicht aus dem Aprilbericht ziehen ...)

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – April 2012

Kommentare :

  1. Man kann interpretieren was man will. Tatsache ist, dass einem als Reisender in den USA die hohe Anzahl von "hiring now"- Schildern auffaellt. In manchen Bereich bekommt man auch gesagt, dass es schwer ist qualifizierte Bewerber zu bekommen. Das mag nicht ueberall in den USA gleich sein. Die Lage ist aber nicht so schlecht, wie es manchmal scheint

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  2. Naja, also gut ist was anderes und das nur einige Monate vor der Wahl. Oo

    Aber mal was anderes btw, wann gibts denn die Auswertung des BuLi-Tippspiels? Mir ist neulich eingefallen, dass ich als einzige auf den richtigen Meister gesetzt hatte :D Bei Revanchewünschen würde ich auch bei einer EMKaderplanungswette teilnehmen *gg*

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  3. Hallo Ulrich, interessante Gedankengänge zur US-Arbeitslosenquote … by the way, herzlichen Glückwunsch zum Erhalt des comdirect finanzblog awards auf der re:publica 2012

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