Warum die Facebook-Aktie wie die Muppets ein Welthit wird

Facebook ist Nummer 1 unter den sozialen Netzwerken und wird auf absehbare Zeit die Nummer 1 bleiben. Der Grund ist einfach: Facebook ist kein einfaches soziales Netz, sondern eine Plattform, auf der man nahezu beliebige weitere Dienste aufbauen kann. Darin unterscheidet sich Facebook klar von allen Vorgängern, die inzwischen wie StudiVZ oder MySpace in der Bedeutungslosigkeit versunken sind. Aufgrund der Erweiterbarkeit des sozialen Netzes durch Anwendungen - als bekannteste seien die Spiele von Zynga und das Musikstreaming von Spotify genannt - sehe ich auf Jahre keinen Konkurrenten, der die Vormachtstellung von Facebook angreifen könnte; Facebook hat nicht nur die Nutzer, sondern auch die Apps. Facebook wird daher in den entwickelten Regionen weiterhin solide wachsen, in Asien und den anderen Emerging Markets sogar rasant. Rechnen wir hier einfach mal mit 30% Nutzerwachstum pro Jahr.

Zugegeben: Die Bewertung von Facebook ist hoch. Beim erwarteten Börsenwert von etwa 100 Milliarden Dollar ergeben sich bei einem Gewinn der letzten 12 Monaten von etwa 1 Milliarden ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 100. Das ist sehr hoch, selbst für einen Wachstumswert. Google kam 2004 allerdings ebenfalls mit einem KGV von über 100 an die Börse und wurde trotzdem eine Erfolgsgeschichte. Selbst ein Platzhirsch wie Amazon kommt aktuell auf ein KGV, das dreistellig ist.

Ein Problem, das vielerorts gesehen wird, ist der schwache Umsatz Facebooks im ersten Quartal 2012. Je Nutzer konnte nur ein Umsatz in Höhe von 1,17$ eingefahren werden. Das war ein Minus  von 17 Cent gegenüber dem Vorquartal, allerdings ist das Vorquartal wegen des Weihnachtsgeschäfts saisonal für alle werbefinanzierten Angebote das mit Abstand stärkste des Jahres. Im fairen Vergleich mit dem Vorjahresquartal wuchs der Umsatz je Nutzer mit plus 9 Cent sehr wohl.

Dieses Wachstum ist allerdings zu gering, um den angestrebten Börsenwert zu rechtfertigen. Facebook muss aus dem laufenden Geschäftsbetrieb mehr Umsatz generieren. In den vergangenen 12 Monaten wurden 4,34$ Erlöse je Nutzer eingefahren. Die Spanne ist aber enorm: In Nordamerika waren es 9,51$, Europa waren es 4,86$, in Asien hingegen nur 1,79$. Hauptgrund dafür: Der Anzeigenverkauf ist in den USA am weitesten ausgebaut, die anderen Märkte hinken hinterher. Im Laufe der Zeit wird aber zumindest Europa ähnliche Niveaus erreichen wie die USA und auch Asien hat Steigerungspotenzial.

Außerdem wächst der Internet-Werbemarkt als Ganzes weiterhin. Der Anteil der Werbeausgaben, der in Internetwerbung investiert wird, ist in den USA traditionell am höchsten. Aber selbst in den USA ist der Anteil der Internetwerbung am gesamten Werbeaufkommen noch nicht so hoch wie der Anteil der Zeit, die die Nutzer im Medium Internet verbringen. Mittelfristig aber entwickeln sich diese beiden Faktoren parallel. Mit der Verbreitung des Radios wuchsen die Werbeeinnahmen der Radiosender, mit jedem zusätzlichen Fernseher stieg der Anteil der TV-Werbung am gesamten Werbekuchen. Das wird sich beim Internet wiederholen und es steckt noch gewaltiges Potenzial in dieser Erlösquelle. Selbst in weit entwickelten Märkten wie den USA sehen Analysten eine weitere Verdopplung der Internetwerbeausgaben zwischen 2011 und 2014 (2), in weniger entwickelten Märkten wird das Wachstum noch wesentlich stärker ausfallen. Das Maximum bei den Werbeeinnahmen hat Facebook weder in den USA, noch in Europa oder gar Asien erreicht.

Auch im Branchenvergleich mit Google zeigt sich, wie wenig Geld Facebook bisher aus seinen Nutzern macht: Google erzielt pro Nutzer mehr als fünfmal so hohe Anzeigenerlöse. (3) Das kann man als Schwäche werten, auf der anderen Seite zeigt sich das Potenzial, das Facebook noch offen steht. Eigentlich weiss Facebook über seine Nutzer mehr als Google und kann damit - zumindest in der Theorie - auch bessere, sprich zielgerichtetere Werbung anzeigen.

Eine Schwäche, die viele Analysten bei Facebook sehen, ist die mobile Nutzung. Diese wird zunehmend wichtiger, führt aber bisher nur zu geringen Werbeeinnahmen. Facebook selbst weist auf diese Schwachstelle in den Unterlagen zum Börsengang hin. Eine wirkliche Lösung hat hier noch niemand, selbst bei Google werden die Einnahmen aus mobiler Werbung auf den Google-eigenen Android-Telefonen auf nur 10 Dollar pro Nutzer pro Jahr geschätzt.

Man sollte sich aber hüten, Facebook nur auf Basis der aktuellen Geschäftsbereiche zu beurteilen. Facebook hat schon heute die komplette Basis für ein Online-Ökosystem gebaut. Es gibt nicht nur das soziale Netz als Fundament, es gibt auch Anwendungen (im Moment vor allem Spiele) und eine Bezahlmöglichkeit. Aus dem Bezahlsystem Facebook Credits stammen bereits heute 20% der Gewinne. Facebook wird dieses Bezahlsystem in Zukunft für weitere Einsatzzwecke öffnen. Warum soll man darüber nicht auch Content wie Musik, Filme oder auch Zeitungen kaufen können? Man stelle sich nur mal vor, Facebook kann sich hier ein Stück des Kuchens abschneiden, von dem Apple und Amazon bis dato nahezu alleine naschen.

Der Hebel, der in all diesen Überlegungen steckt, ist hoch. Eine Verdopplung der Nutzeranzahl bis Ende 2014 (30% pro Jahr) ist realistisch. Bei den Einnahmen pro Nutzer kann man die Wachstumsrate mit 40% noch leicht höher ansetzen. 10 Dollar Einnahmen pro Nutzer sind eine konservative Schätzung, Google liegt schließlich bei 24 Dollar. Beide Wachstumsraten zusammengenommen würden sich die Gesamteinnahmen von Facebook bis Ende 2014 grob verfünffachen, das KGV wäre von 100 auf 20 geschrumpft. Und das wäre für einen unangefochtenen Marktführer wahrlich nicht zu viel, Google liegt heute in einer ähnlichen Größenordnung.

Sicher, Facebook ist teuer. Die Facebook-Aktie wird wegen der bereits sehr hohen Bewertung wohl keine schnelle Kursvervielfachung auf's Parkett legen. Aber ein Kurseinbruch wie bei Groupon (Halbierung innerhalb eines halben Jahres) befürchte ich auch nicht. Viele Skeptiker scheinen das Potenzial von Facebook - genau wie vor 8 Jahren beim Börsengang von Google - klar zu unterschätzen. Genauso wie das iPhone nicht verstanden wurde. Oder das iPad als großes iPhone, ergo langweilig, abgekanzelt wurde. Die wirklich großen Erfolgsgeschichten sieht fast niemand, gerade die Wachstumchancen von Plattformen und Ökosystemen werden allgemein unterschätzt.

Visionen sind zwar verpönt, ich wage am Ende trotzdem noch zwei. Die Generation Facebook wickelt einen Großteil ihrer Kommunikation via Facebook ab. Die natürliche Ergänzung dazu wäre die Hardware, das Smartphone. Schließlich dient dieses zur Kommunikation und zum Spielen, genau wie Facebook. Mit einem Facebook-Handy könnte Facebook Google und Apple frontal angreifen.

Ein anderer Markt, den Facebook erobern könnte, ist die Suche, Googles Kerngeschäft. Den interessanten Content kennt Facebook über die Like- und Share-Knöpfe, die man auf quasi allen Webseiten findet, besser als jeder andere auf der Welt. Ähnliches ist für Musik und Filme und beliebige andere Produkte denkbar. Mit diesen Informationen gewappnet könnte Facebook eine Suchmaschine bauen, die wesentlich relevantere Ergebnisse anzeigt als Google es bisher vermag.

Wer glaubt, dass Facebook es schafft, weiterhin neue Nutzer zu gewinnen und einen Teil der Erlöslücke zu Google zu schließen, kann die Aktie kaufen. Wer jedoch an die erfolgreiche Umsetzung einer der Visionen glaubt (Bezahlsystem, Smartphone, Suchmaschine, ...) muss die Aktie geradezu kaufen.

Es würde mich nicht wundern, wenn Facebook schon am Ende des ersten Tages einen großen Anteil der positiven Aussichten einpreisen würde und über 40 Dollar notiert. Mein Tipp für das Crowdguessing daher 40,01. Ihr könnt selber mitmachen, gebt einfach euren Tipp auf Twitter ab und denkt an der Hashtag #facebookguess. Wer am besten liegt, bekommt vom Organisator Handelsblatt auch einen Preis: Ein paar Adiletten, nee nicht von Zuckerberg persönlich getragen ;-) (Die genauen Regeln)

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P.S. Dieser Beitrag ist für die "Optimisten"-Seite für die Crowdguessing-Aktion im Handelsblatt entstanden. Die andere Seite war nach meinem alten Artikel (Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Warum Facebook auch schnell 200 Milliarden Dollar wert sein kann; die darin angebotene Wette mit einem Börsenwert von mehr als 50 Mrd. hätte ich ja mal sowas von dick gewonnen) verschlossen .... Die andere Seite gibt's bei Dirk Elsner im Blicklog: Facebook-Aktie ist für Muppets: Finger weg ( #facebookguess 38,50 US$)

Ich halte die oben beschriebenen Entwicklungen von Facebook für realistisch. Das gilt sowohl für die angenommene deutliche Steigerung der Nutzerzahlen, wie auch für eine kräftige Steigerung der Einnahmen pro Nutzer. Allerdings hätte ich bei einem Börsenwert von 35 Milliarden Dollar die Aktie blind und mit Hebel gekauft, bei 50 Mrd. immer noch gekauft, aber bei 100 Mrd. ist die Luft dünn. Denn wenn Facebook ein oder zwei Quartale die Wachstumsraten nicht erreichen sollte, wird der Kurs einknicken. Und das womöglich kräftig. Sollte Facebook aber die Monetarisierung und eine der möglichen Visionen erfolgreich umsetzen können, kann Facebook auch schnell 50 oder 100 Milliarden mehr wert sein.

Zum Schluss noch ein paar andere Stimmen:

Die FAZ zeigt sich skeptisch, aber nicht pessimistisch:

Der Börsengang: Das Rätsel Facebook - Der Facebook-Börsengang - FAZ

Eine sehr ausführliche Analyse im WSJ:

Was ist Facebook wirklich wert? - Wallstreetjournal.de

Eigentlich mehr ein Portrait von Zuckerberg als eine Firmenbewertung, aber vielleicht deshalb zum Abschluss lesenswert:

28. Geburtstag des Facebook-Gründers: Wird Mark Zuckerbergs Vision zum Alptraum der Anleger? - Management - Unternehmen - Handelsblatt

Abwägend, aber eigentlich nach den Artikeln von Dirk, mir, der FAZ oder dem WSJ nicht mehr sonderlich viel Neues drin ...

Zwischen Skepsis und Hype - Countdown für den Börsengang von Facebook | Wirtschaft und Gesellschaft | Deutschlandfunk

Mir zu pessimistisch:

Die Facebook-Blase | Wirtschaftsphilosoph

Die Süddeutsche in ihrem Digitalblog zu den Problemen von Facebook, mit der mobilen Nutzung auf dem Smartphone Geld zu verdienen:

Probleme bei mobiler Werbung - Facebooks strategische Lücke - Digital - sueddeutsche.de

Update (16.05.12):

Die WiWo mit einer sehr ausführlichen Analyse zu Facebook, die 7 Gründe GEGEN (Mglw Modetrend, Bewertung astronomisch, Gewinnwachstum sinkt, Potenzial maßgeschneiderter Werbung unklar, Allianz mit Microsoft u.U. nutzlos, und ne Menge blabla) und nur einen für den Kauf der Facebook-Aktie findet (welcher das ist, ist mir allerdings etwas unklar ...):

Börsengang: Sieben Gründe, Facebook nicht zu kaufen - Börse - Finanzen - Wirtschaftswoche

Interessant in Hinblick auf die bessere Monetarisierung diese (für Facebook-Optimisten ernüchternde) Nachricht, dass General Motors angeblich keine Facebook-Werbung mehr kaufen will. Diese hätte keine bzw. zu wenig Wirkung gezeigt.

Rückzug von GM: Facebook verliert großen Werbekunden | FTD.de

Update 2 (13:19):

Noch eine kleine lustige Geschichte am Rande:

Wie man 199,8 Millionen Dollar verpasst ... - egghat's not so micro blog

Update 3 (13:52):

Gerade übrigens noch einen positiven Artikel zu Facebook in der FAZ gefunden:

Facebooks Gewinn sinkt - die Aktie ist trotzdem interessant - Aktien - FAZ

Update 4 (13:59):

Und wer immer noch nicht genug zu lesen hat (zumindest in Teilen des Landes ist ja morgen ein Feiertag):

Social Media: Das Problem mit dem Facebook-Modell - Netzökonomie-Blog - FOCUS Online - Nachrichten

Update 5 (15:17):

Facebook hat die Anzahl der Aktien erhöht, die beim Börsengang verkauft werden sollen. Statt 337 sollen jetzt 421 Millionen Aktien verkauft werden. Inklusive der Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) könnte der Gesamterlös für Facebook und die Altaktionäre am oberen Ende der (zwischenzeitlich auf 34 bis 38$ erhöhten) Spanne gut 18 Milliarden Dollar betragen.
Für meinen #Facebookguess heißt das natürlich, dass das höhere Angebot die Wahrscheinlichkeit auf einen kräftigen Kursanstieg verringert. Ich bleibe trotzdem mal stur bei 40,01$, immerhin hat Facebook die Bookbuildingspanne schon deutlich in Richtung meiner Schätzung geschoben.

Börsenerlös: Facebook könnte 16 Milliarden Dollar einsammeln - Aktien - Finanzen - Handelsblatt

Update 6 (16:52):

Lang und Schwarz hat schon die ersten sechs Optionsscheine auf Facebook rausgegeben. Und - jetzt haltet euch fest - die werden mit einen indikativen Kurs von

55,30$

gehandelt. Das wäre ein Plus von fast 45% gegenüber dem oberen Ende der Bookbuildingspanne.

Krass! Damit wäre Facebook auch auf einen Schlag fast so viel wert wie Google!

Update 7 (17.05.12):

Der Guardian hat eine schöne Info-Grafik bzw. Info-Animation zu Facebook gemacht:




Die Comdirect preist Facebook vorbörslich mit 54-59 Euro(!), das wären 68,50 bis 75 Dollar.

Passend zur Euphorie noch drei positive Artikel, vor allem im zweiten sind ein paar interessante Ideen. Denn jeder der glaubt, Facebook zu shorten wäre antizyklisch, irrt. Denn Konsens scheint mir eher zu sein, dass jetzt ein Haufen Idioten die Aktien kaufen, dann der Einbruch kommt und man dann immer noch zulangen könnte. Nur: Wenn das alle erwarten, geht das meistens nicht auf.

Pro Facebook-Aktie: 10 Gründe dafür, dass der Börsengang ein Erfolg wird - Aktien - FOCUS Online - Nachrichten

Mir gefällt auch der Gedanke, dass man nicht Zynga (quasi ein Geschäft in einem Einkaufszentrum) kaufen solle, sondern das Einkaufszentrum selber, ergo Facebook.

Psst! What if Facebook Is Actually Cheap?

Und Thomas Knüwer weist zurecht darauf hin, dass bei den bisherigen Internet-IPOs durchaus Einbrüche festzustellen sind. Wer nicht liefert, sprich die hohen Erwartungen enttäuscht wie Groupon, wird auch bestraft. Eine Blase gibt es erst, wenn auch der allerletzte Schrott an die Börse gehen kann und weiter steigt. Da sind wir noch lange nicht angekommen.

Der Facebook-Börsengang ist der Gegenbeweis für eine Dotcom-Blase

Und ein letzter Punkt, den mir auf Twitter @wth_1000 gezwitschert hat: Das Social Network für Schlipsträger LinkedIn kam zu 45$ an die Börse und hat seinen Emissionspreis nie wieder gesehen. Der erste Kurs lag über 80, der tiefste bei etwa 60, der aktuelle bei etwa 120 Dollar. Das KGV ist laut Nasdaq.com bei über 500.

Update 8 (17:24):

Mittelwert für den #Facebookguess: 51,86$

Rekord-Börsengang: Experten rechnen mit kräftigen Aufschlägen - Aktien - Finanzen - Handelsblatt

Update 9 (20:08):

Facebook wurde heute in den USA auf 15 Milliarden Dollar Schadensersatz verklagt. Der Vorwurf: Facebook habe Nutzer im Internet "verfolgt" und deren Internetnutzung protokolliert, auch nachdem sich die Nutzer bei Facebook ausgeloggt haben.

Facebook Suit Over Subscriber Tracking Seeks $15 Billion - Bloomberg


Update 10 (21.05.11):

Im europäischen Handel ist Facebook unter den Emissionspreis gefallen. Die 5%, die das Handelsblatt nennt, sind aber irreführend. Das Minus errechnet sich gegenüber dem Schlusskurs in Europa, nicht gegenüber dem Schlusskurs aus den USA. Das Minus war - nach meinen Berechnungen, nur minimal.

Börsengang: Facebook-Aktien zeitweise unter Ausgabepreis - Aktien - Finanzen - Handelsblatt

Update 11 (13:12):

Warum man die Facebook Werbung nicht zu schnell als wirkungslos abstempeln sollte, nur weil General Motors keine Werbung mehr auf Facebook macht:

Studie zur Facebook-Werbung: Trau, schau, wem? | etailment

General Motors macht übrigens auch keine Werbung während des Super Bowls. Ich werde gleich mal hingehen und den Tod des Mediums Fernsehen und des werbefinanzierten Sports prophezeihen ;-)

Update 13 (22:24):

In den USA lag der Schlusskurs von Facebook 34,03$, ein Tagesminus von 11%. Das Tagestief lag bei 33 Dollar und damit sogar noch einen ganzen Dollar niedriger.

Da war die Erhöhung der Aktienanzahl doch etwas arg kräftig. Und die erhöhte Spanne natürlich auch, auch wenn der Schlusskurs heute wieder ganz knapp innerhalb der Bookbuildingspanne liegt.

Update 14 (22.05.12, 12:56):

Jetzt schreiben die ganzen Journalisten mit viel Häme den Börsengang runter. Klar, die Emissionsbanken haben den Preisrahmen (und vor allem das Volumen) überzogen. Aber deswegen ist nicht die Firma Facebook Schrott.

Kommentar: Warum der Börsengang von Facebook kein Fiasko ist - Der Facebook-Börsengang - FAZ

Update 15 (23.05.12):

Hmm, eine interessante Erklärung für den vermurksten Börsengang, der im Übrigen ein ziemlich schlechtes Licht auf die Emissionsbanken und die Wall Street  im Allgemeinen werfen würde.

Die Emissionsbanken sollen kurz vor dem Börsengang (während der Roadshow, bei der die Aktie angepriesen wurde) ihre eigenen Gewinnschätzungen reduziert haben. Das soll übrigens auf Informationen von Facebook Managern zurückgehen. Diese Senkung haben sie - weder die Banken noch Facebook - aber (natürlich) niemand anderen mitgeteilt.

OK, "niemand" ist natürlich unwahr. Die Wall Street wäre nicht die Wall Street, wenn es nicht doch ausgewählte Investoren gegeben hätte, denen die Information zugeflüstert wurde. Nur Otto-Normal-Anleger hat davon nichts mitbekommen. Das führt laut Business Insider dazu, dass die institutionellen Anbieter (ergo die großen, die im Besitz der Information waren) im Schnitt 32 Dollar für die Facebook Aktie geboten haben, die privaten (die nicht im Besitz der Information waren) im Schnitt 40$. Emissionspreis war dann bekanntermaßen 38 Dollar.

Das ist natürlich ziemlich unfair und wenn man es streng sieht, wohl auch ein Verstoß gegen die Informationspflichten, die eine AG hat. Allerdings ist etwas unklar, inwiefern die normalen Regeln schon vor dem IPO greifen. Denn die Gewinnschätzungen der Emissionsbanken beim Börsengang werden nicht veröffentlicht. Ich bin nicht sicher, aber den Emissionsbanken ist es glaube ich sogar verboten, diese zu veröffentlichen, weil (logischerweise) ein Interessenskonflikt besteht (Gewinn einfach hoch schätzen --> mehr Börsenwert --> mehr Erlöse für Bank und AG).

Noch pikanter wird die Senkung der Gewinnprognose, wenn man bedenkt, dass während der Bookbuildingphase sowohl der Preis als auch das Volumen der Aktien deutlich erhöht wurde.

Da dachte man am Wochenende noch, der Skandal am Facebook Börsengang wäre ein einfaches Überreizen des Potenzials gewesen, weil Facebook und/oder die Emissionsbanken zu gierig gewesen seien. Oder die Unfähigkeit der NASDAQ, die Orders geregelt abzuwickeln. Aber dieser ziemlich offensichtliche Beschiss toppt das alles noch. Und das beim größten Börsengang (wenn man die Marktkapitalisierung heranzieht) aller Zeiten.

EXCLUSIVE: Here's The Inside Story Of What Happened On The Facebook IPO - Business Insider

Update 16 (12:35):

Das WSJ Deutschland weist darauf hin, dass natürlich nicht nur die Bank, sondern auch das Unternehmen an den entsprechenden Entscheidungen beteiligt ist.

Wie aus dem Facebook-Börsengang ein Debakel wurde - Wallstreetjournal.de

Update 17 (24.05.12):

Das ist doch mal ein Artikel für Facebook Pessimisten. Warum Facebook scheitern und gleich das ganze anzeigenfinanzierte Web mit sich reissen wird. Halte ich zwar für Quatsch, aber es sei trotzdem empfohlen. Die These hinter der Prognose: Das Überangebot an Werbeflächen wird die Preise für Werbe immer näher an die Nullmarke treiben. Und damit wird sich niemand mehr über Werbung finanzieren können ...

The Facebook Fallacy - Technology Review

Update 18 (01.06.12):

Oh da hätte der Chef von Morgan Stanley vielleicht mal besser die Klappe gehalten ...

Nachdem Morgan Stanley vorgeworfen wurde, die internen gesenkten Gewinnschätzungen an Großanleger weitergegeben zu haben, die Kleinanleger jedoch im Unklaren gelassen zu haben (siehe Update 15), ruft der Chef von Morgan Stanley den Facebook-Aktionären zur Krönung noch ein kräftiges "Selbst Schuld, ihr seid aber auch blöd" hinterher ... Oder wie Dirk Elsner sagen würde: Muppets!

Pannen-Börsengang: Morgan-Stanley-Chef düpiert Facebook-Käufer | FTD.de

Kommentare :

  1. Ich habe die Vermutung, dass die Facebook-Blase gar nicht mehr platzen kann. Das würden die Investoren gar nicht zulassen.
    In diesem Spiel wird es - ebenso wie bei Google - keine Verlierer geben.
    Einzig dass die Nutzerzahl vielleicht nicht mehr so rasant steigen wird. Ist ja schon "jeder" dabei, da geht's nur mehr um den Nachwuchs.

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  2. Das ist eine ganz große Schweinerei, und ich drücke mich selten so aus. Dass die Privatanleger nicht informiert wurden beruht auf einer Regel, die man überdenken sollte. Das ist bemerkenswert und sagt einiges über die Verhältnisse an der Wall Street aus, jedoch klammere ich es mal aus. Aber dann noch Volumen und Preisspanne hochzusetzen und mit 38 Dollar einen Ausgabekurs aufzurufen, den man wahrscheinlich selbst bei besserer Ausstattung nicht länger als zwei, drei Tage hätte halten können, ist bemerkenswert dreist (zumal, wenn die Stüztung über die vielzitierten Greenshoe-Leerverkäufe stattgefunden hat).

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    1. Das schlimmste daran ist, dass wahrscheinlich keiner so beweisen kann, dass es vor Gericht verwertbar ist. Und selbst dann nicht klar ist, ob das zu einer Strafe führen würde. Und selbst wenn es zu einer Strafe führen sollte, wird die wahrscheinlich so gering, dass das die Beteiligten beim nächsten Mal nicht stoppen wird.

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    2. Vielleicht wäre der Ansatz "totale Transparenz" doch besser. Alle Gebote von allen öffentlich sichtbar. Dann wüsste der Privatanleger zwar nicht, warum der andere nur 32$ bietet, aber er wüsste wenigsten *dass* die Profis im Schnitt nur 32 bieten ...

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