Zwei Grafiken für die "Griechenland raus aus dem Euro"-Fraktion.

Also genauer gesagt für die, die immer sagen: Raus, denn das ist besser für beide Seiten. Griechenland ist danach wieder wettbewerbsfähig und alles ist gut.

<Update>
In der linken Grafik ist das BIP eingezeichnet (100% ist das Niveau vor der Krise), in der rechten die Inflation. Die blaue Kurve ist die Prognose der Analysten der Citi, wenn Griechenland aus der Eurozone austritt (oder fliegt), die rote Kurve, wenn Griechenland in der Eurozone bleibt.
</Update>

Ich sage dagegen: So einfach ist das nicht und zwar aus mehreren Gründen:

  1. In Griechenland wird die Inflation durch die Decke gehen (siehe rechte Grafik, Citi Prognose) und nach den Reallohneinbußen von 20 bis 25%, die die Griechen bisher aushalten mussten, noch weitere deutliche Reallohneinbußen folgen. Ich habe diese bisher grob auf 25% taxiert, die Citi sieht aber direkt zwei Jahre mit etwa 20% Inflation, was dann zusammengenommen noch deutlich mehr ergeben würde.
  2. Der Euro hatte auch Vorteile. Es gibt durchaus Wirtschaftsbereiche, die von der Euro-Mitgliedschaft profitieren. Beim Tourismus wird es nicht so wahnsinnig wichtig sein, bei Logistik (Hafen) vielleicht schon eher. Will sagen: Es gibt durchaus Investitionen in Griechenland, die explizit wegen der Mitgliedschaft in der Eurozone gemacht wurden.
  3. Ein Grexit (Greece Exit) beendet die Phase der Unsicherheit nicht sofort. Niemand kennt die Entwicklung der Währung, niemand kann die politische Entwicklung einschätzen. Wenn H.W. Sinn sagt, dass nach der Einführung der Drachme ihr Geld direkt wieder zurückholen und zu investieren beginnen, ist das ausgemachter Unfug! Die Weichwährungsländer wollten immer in den (harten) Euro, weil sie unter Kapitalflucht gelitten haben.
  4. Daran anknüpfend: Die Weichwährungsländer mussten gegen die Kapitalflucht mit hohen Zinsen ankämpfen. Hohe Zinsen sind aber schlecht für der Rentabilität von Investitionen.
    Die beiden letzten Punkte zusammen lassen mich schon an der Intelligenz der Grexit-Befürworter zweifeln. Man kann doch nicht in anderthalb Jahrzehnten komplett vergessen haben, warum die Weichwährungsländer ursprünglich in den Euro wollten ...
  5. Griechenland hat nach der Wiedereinführung einer Drachme (die IMHO um 50% oder so abwerten dürfte) und dem erwarteten Wachstumseinbruch eine Verschuldung in Prozent des BIPs, die durchaus auf 300% oder mehr steigen könnte. Das ist VÖLLIG unmöglich zu händeln.
    Griechenland wird daher noch mal umschulden müssen und dieser Schuldenschnitt wird massiv ausfallen (80% oder mehr). Die Gläubiger werden also sowieso auf ihr Geld verzichten müssen. Was haben wir (als Gläubiger) durch einen Euro-Rauswurf dann gewonnen?  
  6. Die Ansteckungsgefahr ist immens. Wenn die "Märkte"Portugal und Irland nicht mehr in der Eurozone sehen, werden diese als Nächstes ausscheiden (müssen). Das gleiche könnte auch mit Spanien und Italien drohen. Woher nehmen die Grexit-Befürworter die Gewissheit, dass Griechenland das Ende der Austritte ist und nicht der Anfang?

Und ich habe oben bestimmt noch nicht alle - aus wirtschaftlicher Sicht - relevanten Punkte genannt. Und die politischen Folgen sollte man auch nicht übersehen ...

(via FT Alphaville » From Citi, another Grexit scenario)

Update (13:56):

Die Originalstudie von der Citi:

Citi: Global Economic Outlook and Strategy - May 2012

via @FTD_Wunder.

Update 2 (17:02):

Habe vor der Grafik noch eine kurze Erklärung eingeschoben, die ich im ersten Aufguss vergessen hatte.

Update 3 (30.05.12):

Die National Bank of Greece hat ebenfalls versucht, das Euro-Exit Szenario zu simulieren. Sie kommt generell auf ähnliche Werte wie die Citi.

Die Drachme würde um 65% abwerten. Das Pro-Kopf-BIP würde um 50% sinken.  Griechenland fiele damit hinter Polen und Lettland zurück. Die Staatsverschuldung könnte auf 373% des BIPs explodieren. Die Inflation sieht die NBG bei 32%.

Schuldenkrise: Griechische Bank rechnet Bürgern Folgen des Euro-Austritts vor | FTD.de

Quelle der Studie: NBG, leider nur auf griechisch.

Kommentare :

  1. Griechenland wird niemals seine Schulden wieder zurückzahlen können, selbst 20% sind da schon sehr optimistisch. Eine Umschuldung ist da eh unumgänglich. Auch nach Einführung einer eigenen Währung braucht Griechenland Unterstützung für Medikamente, Lebensmittel, Ölimporte etc.

    Im Augenblick wird aber das meiste Hilfsgeld (im Jahr 2011 insgesamt etwa 50 Mrd Euro) für die Gläubiger und für die Finanzierung des Kapitalexports (target2) ausgegeben. Nicht gerade die richtige Zielgruppe, denn damit begünstigt man vornehmlich die Reichen.

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    1. Die Importe sind ein guter Punkt. Obwohl sich die griechische Wirtschaft (von außen verordnet) kaputt spart, hat sich die Handelsbilanz in Prozent des BIPs 2011 kaum verbessert? Woran liegt's? Am steigenden Ölpreis.

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  2. Dümmliche Polemik. Das ist alles. Ein Grexit ist nicht zu vermeiden.

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  3. Ach je.

    Lieber egghat, gib den Griechen doch endlich nur wieder die Verantwortung zurück. Das ist das Beste was ihnen passieren kann.

    Sonst haben wir doch nur die EZB Diktatur. Und ja, schrecklich wird es - so oder so.

    Gruß

    ADF

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    1. Nein, das will ich nicht. Weil es den Griechen nicht hilft (stärkerer Wirtschaftseinbruch + mehr Inflation = noch mehr Armut). Und dem Rest Europas auch nicht, weil Portugal und Irland, aber wahrscheinlich auch Spanien und Italien nicht in der Eurozone zu halten sind.

      Und: Ist eine Diktatur der EZB schlimmer als die Diktatur der Bundesbank?

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    2. Eine Diktatur ist immer schlimm. Ich finde man verkürzt Europa zu sehr auf das ökonomische. Und die verhinderte Volksabstimmung in Griechenland zeigt ja auch schon den Stellenwert der Demokratie...

      Was ich schade finde ist, daß viele Griechen, Spanier etc. die Schuld immer nur in Deutschland sehen. Dass bei ihnen was schiefgelaufen sein könnte. Ja vielleicht, "aber die Deutschen haben doch am meisten profitiert..." - deswegen sollen sie gefälligst zahlen.

      Ich rede aus Erfahrung.

      Nee, das nimmt kein gutes Ende mehr. Die Geduld "der Deutschen" wird dann enden wenn die ersten _großen_ Einsparungen gemacht werden müssen.

      Hat aber zugegebenermassen nichts mehr mit dem Artikel zu tun.

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  4. Das Hauptproblem ist doch in Griechenland, das die oberen 10.000 keinerlei Beitrag zum Staat leisten, nur das ganze Geld abziehen und keine Steuern zahlen. Anschließend wird es im Ausland sicher geparkt.

    Griechenland kann sich im Euro noch so sehr totsparen - das hilft gar nichts, bevor nicht ein paar fette Krähen gerupft werden.

    In der Verfassung soll stehen das Reder keine Steuern zahlen müssen ... die Oberschicht hat alle Politiker gekauft.

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  5. Für die Sparer wird der Ausstieg ein Albtraum. Es sei denn, sie hätten Ihre Euros schon nach draußen geschafft und/oder in etwas gesteckt dessen Preis in Fiat-Neudrachme durch die Decke geht.

    Der Ausstieg wird aber auch bedeuten, die Griechen sind den Aktionen Ihre "Geldpolitiker" völlig ausgeliefert.

    Bei der Neu-Drachme rechne ich bei der ersten Kursfestellung mit einem Verlust gegenüber dem Euro von 25 %. Im Endeffekt dürften wir aber einen "Verlust" von 60 - 75% haben.

    Irgendwo habe ich auch noch gelesen sollten die Griechen aussteigen bräuchten Sie noch mal 260 Mrd. Was einen ziemlich erstaunlichen Gesamtkostenblock ergibt. Es war vor der Krise von einer offiziellen Schuld von etwas über 300 Mrd die "Rede". Wenn dies "think-tank" Zahlen nur annähernd stimmen sollten, redeten wir aber für einen Aufwand in Höhe von 700 Mrd. Warum sollte ich glauben in Spanien oder Portugal sei es "besser".

    Nein hier stimmt etwas fundamental nicht. Und ein Umstieg auf eine Fiat-Neudrachme wird dieses fundamentalre Problem nicht lösen. Sondern es wird Griechenland völlig "plätten".

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