Banküberfall ist auch keine Lösung

Rein ökonomisch betrachtet. Zumindest wenn es rein um's Geld geht ..

Also tun wir mal so, als wären Bankräuber vom seltenen Menschenschlag homo oeconomicus. Machen Banküberfälle dann Sinn oder nicht?

Es zeigt sich, dass die Bankräuberei kein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell ist. Untersucht wurden Banküberfälle in Großbritannien. Der durchschnittliche Lohn eines Banküberfalls lag bei gut

20.330,50 £.

Und das bei einem ziemlich hohem Risiko, gar nicht zu bekommen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Totalflop liegt immerhin bei einem Drittel. Dass es allerdings durchaus Chancen gibt, sieht man an der Standardabweichung von etwa 50.000£. Es kann also unter Umständen deutlich mehr bei einen Bankraub herumkommen ... Aber eben oft auch nichts ... (in den USA gibt es übrigens nicht einmal 5.000$ pro Bankraub).

Dummerweise verteilt sich das Einkommen noch auf durchschnittlich 1,6 Bankräuber und senkt das pro-Kopf-Einkommen nochmal deutlich.

Wenn man den Durchschnitt nimmt, reicht das Einkommen für einen halbwegs akzeptablen Lebensstil nur etwa sechs Monate. Man muss also zweimal im Jahr eine Bank überfallen.

Und da kommt der richtig kritische Teil. Denn es werden etwa 20% der Banküberfälle aufgeklärt und die Täter festgenommen. Statistisch ist man bei zwei Banküberfällen pro Jahr also nach etwa zwei Jahren zum ersten Mal im Knast. Und da Banküberfälle bewaffnete Raubüberfälle sind, sind die Strafen durchaus heftig. Dann schließt sich an eine Zeit mit durchschnittlichem Einkommen eine  ähnliche lange Zeit ganz ohne Einkommen an. In Großbritannien ist es sogar etwas mehr: Die durchschnittliche Strafe liegt bei knapp drei Jahren.

Das ist übrigens auch der Weg, über den Ökonomen die Sinnlosigkeit von Banküberfällen nachweisen: Der Schaden durch den dreijährigen Verdienstausfall während des Gefängnisaufenthalts ist höher als das Einkommen in der "Arbeitszeit" ...

Die Untersuchung der drei Ökonomen war übrigens keine kirre Schnapsidee, die am Abend im Pub entstanden ist, sondern es gab einen hochseriösen Hintergrund. Der Auftraggeber waren nämlich die Banken, die herausfinden wollten, welche Maßnahmen am besten gegen Banküberfälle helfen. Die Entfernung der Bankfiliale von der nächsten Polizeistation ist interessanterweise Wurscht (außer die Bankfiliale befindet sich quasi in der Polizeistation ;-) ), per Druckluft hochfahrbare Trennwände hingegen bringen es. Generell hat sich die relative Sinnlosigkeit von Banküberfällen aber auch in der Zielgruppe ("unterdurchschnittliches Einkommen und Intelligenz") rumgesprochen und die Zahl der Banküberfälle geht seit Jahren kontinuierlich zurück.

Barry Reilly, Neil Rickman and Robert Witt - Robbing banks - Crime does pay – but not very much

gefunden über Economists demonstrate exactly why bank robbery is a bad idea | Ars Technica

Obligatorisches Brecht-Zitat zum Schluss:

Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank.

Also lieber eine Bank gründen als eine überfallen. Und Geheimtrick dabei: Möglichst schnell "Too big to fail" werden. Dann geht das Risiko gegen Null ...

Kommentare :

  1. Passend dazu: http://www.youtube.com/watch?v=j45IEQJCE4o

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  2. Das bestätigt nur wieder Berthold Brecht, der recht zeitig erkannt hat: "Nur Dilettanten überfallen eine Bank, richtige Ganoven gründen eine."

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  3. Hier ein paar Korrekturen und Kontext zur Studie:
    http://wissen.dradio.de/grossbritannien-bankueberfaelle-lohnen-sich-nicht.33.de.html?dram:article_id=208940

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