USA: Arbeitslosenquote 05/12: 8,2% (+0,1 Vm, -0,8 Vj)

Hmmm, ein Arbeitsmarktbericht, der im ersten Teil ein genaues Spiegelbild des Vormonats ist. Überwiegend aber eine klare Enttäuschung.

Zu den offiziellen Zahlen für den Mai 2012:

Household Data, per Umfrage erhoben:

Anzahl der Arbeitslosen: +220.000 auf 12,720 Millionen.
Anzahl der Arbeitenden: +422.000 auf 142,287 Millionen

---> Arbeitslosenquote: 8,2% (+0,1 zum Vormonat, -0,8 unter dem Vorjahresmonat).

Dass sowohl die Zahl der Arbeitenden als auch die Zahl der Arbeitslosen steigt (im Vormonat stand hier sinkt), ist seltsam ... Aber die regelmäßigen Leser ahnen bestimmt schon, woran das liegt: an den NILFs. Von diesen Personen, die nicht mehr dem Arbeitsmarkt angehören ("not in labor force"), gab es im Mai plötzlich 461.000 weniger, nachdem es im April noch unfassbarere 522.000 mehr gab. Solch extreme Schwankungen lassen einen natürlich schon an der Aussagekraft der Statistik zweifeln ...

Ein guter Check ist daher immer die Erwerbstätigenquote (Anzahl Arbeitskräfte auf die Gesamtbevölkerung). Diese stieg im April auf 58,6% (+0,2) und liegt damit 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.
Obwohl die Arbeitslosenquote gegenüber dem Vorjahresmonat von 9,0 auf 8,2% kräftig zurückgegangen ist, hat sich der Anteil der Arbeitenden an der Bevölkerung nur wenig verbessert. Aber immerhin gibt es ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr, die ganz vorsichtige Verbesserung der Wintermonate setzt sich also doch fort.

Establishment Data:

Die Daten aus der Establishment Data, die als genauer gelten, sind im Mai der enttäuschende Teil.

Anzahl der Jobs: +69.000 gegenüber dem Vormonat auf 133,009 Millionen. Dem Plus von 82.000 neuen Jobs im privaten Sektor steht ein Verlust von 15.000 Jobs im öffentlichen Sektor gegenüber.

Die Korrekturen der Vormonate waren schwach: Der März wurde um 11.000 auf 143.000 nach unten korrigiert (im Vormonat +34.000), der April um 38.000 nach unten auf nur noch +77.000. Insgesamt sind durch die Korrekturen noch einmal 49.000 Jobs verloren gegangen.

Die Anzahl der gearbeiteten Stunden pro Woche sank im Vergleich zum Vormonat leicht um 0,1 auf 34,5 Stunden, im Vergleich zum Vorjahresmonat änderte sich der Wert nicht. Die Zahl der Überstunden sank gegenüber dem Vormonat um 0,1 Stunden auf 3,2 Stunden, gegenüber dem Vorjahr bleibt aber noch ein Plus von 0,1 Stunde. Das deckt die Interpretation eines schwachen Monats für den US-Arbeitsmarkt.

Ein weiterer Punkt, an dem man die Gesamtverfassung des US-Arbeitsmarkts ablesen kann, ist die am breitesten ausgelegte Arbeitslosenquote U-6 (darin stecken z.B. auch alle, die zwar einen Teilzeitjob haben, aber eigentlich Vollzeit arbeiten wollen, etc). Diese unterstützt die Interpretation, dass der Mai schwach war. Die Verbesserung des Vormonat setzte sich nicht fort; die Quote stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 14,8%. Allerdings: Das ist weiterhin deutlich besser als im Vorjahr (15,8%).

Zusammenfassend: Ein schwacher Bericht vom US-Arbeitsmarkt. Die massiven Änderungen bei den NILFs (sowohl im April wie im Mai) macht den ersten Teil der Statistik (Household Survey) extrem schwierig zu interpretieren. Die Arbeitslosenquote (+0,1) und die Erwerbstätigenquote (+0,2) zeigen schon in die entgegengesetzte Richtung. Mit der Erwerbstätigenquote ist auch schon die einzige positive Zahl des Berichts genannt.

Die Zahl der neuen Arbeitsplätze blieb mit 69.000 extrem kräftig unter den Erwartungen, die bei ungefähr 150.000 lagen. Wenn man die Abwärtskorrekturen der zwei Vormonate berücksichtigt, blieben von den 69.000 sogar nur 20.000 übrig.

Nach dem dritten schwachen Monat im Folge kann man dem US-Arbeitsmarkt keine positive Note mehr ausstellen. Er ist zwar noch okay (siehe Erwerbstätigenquote), aber vom Arbeitsmarkt getragen wird das US-Wachstum (nicht) mehr. In Schulnoten vielleicht ein Ausreichend. Sollte der Juni ähnlich schwach werden, droht aber noch eine Stufe weniger, sprich der Arbeitsmarkt könnte wieder zur Belastung der US-Konjunktur werden.

BLS.GOV: THE EMPLOYMENT SITUATION – Mai 2012

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