Griechenland? Schon wieder wettbewerbsfähig?

Ob man das so optimistisch sehen kann wie der griechische Ökonom Yannis Katsoulacos lass ich mal offen, aber dass die Wettbewerbsfähigkeit in Griechenland deutlich besser ist als es allgemein gesehen wird, sehe ich auch so.

Athener Ökonom: Wettbewerbsproblem weitgehend gelöst « DiePresse.com

Dass das in Griechenland noch nicht besser sichtbar ist, liegt an zwei Faktoren:

a) Zeit

Wer erwartet, dass Griechenland ohne Währungsabwertung das erreichen kann, was die südostasiatischen Staaten in der Asienkrise geschafft haben, irrt sich. Zumindest was den Ablauf angeht. Die Währungsabwertung und die dadurch eintretende Inflation reduzierte dort die (Real)Löhne auf einen Schlag massiv. Dieser Prozess dauerte in Griechenland aber zwei, drei Jahre. Nach diesem Schlag kam in Südostasien die Aufholphase, die in Griechenland jetzt auch beginnen könnte. Allerdings verhindert das die herrschende

b) Unsicherheit

Alle in Griechenland (und im Ausland) sind total verunsichert. Niemand investiert (weder Inländer noch Ausländer), alle sparen und bringen - noch schlimmer - ihr Geld ins Ausland. Griechenland trocknet so komplett aus. Ohne das Vertrauen in die griechischen Banken, das griechische Volk und vor allem auch die Sicherheit, dass Griechenland in der Eurozone bleibt, wird niemand dort auch nur einen Cent für Immobilien, Fabriken, etc. in die Hand nehmen.

Inzwischen glaube ich, dass die Verunsicherung so tief sitzt, dass nur ein richtig großes Zeichen von außen helfen kann. Man nennt es oft Marschallplan, aber irgendwas in diese Richtung muss es werden. Dabei muss es wohl auch nicht vorrangig um viel Geld gehen, sondern vielmehr um konkrete Hilfe für die Verwaltung, etc.

Das schlimmste, was wir machen können: Angst um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu bekommen (und uns bei den Löhnen (wieder mal) zurückzuhalten) ...

Konkurrenzfähige Euro-Krisenstaaten: Deutsche Industrie büßt massiv an Wettbewerbsfähigkeit ein | FTD.de

Der Artikel ist aber nur in der Überschrift schief, innen drin beschreibt er sehr gut, dass man die Annäherung in der Wettbewerbsfähigkeit nicht als Verlust für die deutsche Seite, sondern als Gewinn für die Krisenländer in Südeuropa ansehen muss. Die Südländer korrigieren gerade die Fehlentwicklungen aus dem letzten Jahrzehnt. Das ist nicht leicht, das ist noch lange nicht zu Ende. Aber es ist durchaus machbar, wenn wir diesen Prozess begleiten und unterstützen. Nach "Fordern" muss jetzt "Fördern" kommen.

Ansonsten bin ich dann mal weg. Für mich heißt es wandern statt sitzen. In meinem Zweitblog wird es in meinem Urlaub ein paar vorbereitete Beiträge geben (überwiegend Lesehinweise und vermischtes, was zu lange liegen blieb). Bisher reichts für eine Woche, vielleicht schaffe ich heute Abend noch ein paar weitere Nummern. Gehabt Euch wohl. Holladiehöh!

Kommentare :

  1. Wettbewerbsfähigkeit schön und gut - aber was soll denn in Griechenland wettbewerbsfähig werden? Die Olivenbauern?
    Asien hatte auch Ende der 90er eine Industriekultur, als die Krise losging. Die profitierte von geringeren Lohnstückkosten.
    Schon einer der Chaebols in Südkorea hatte damals vermutlich mehr industrielle Kapazität als ganz Griechenland vor der Krise.

    Selbst wenn es Investoren gäbe, würden die doch nicht nur auf die Kosten achten. Sondern z.B. auch auf potentielle Abnehmer, Zulieferer und qualifizierte, erfahrene Mitarbeiter, effiziente staatliche Strukturen. All das wird man in Griechenland nicht finden.

    Gestern las ich in Wikipedia Daten zum Wasserverbrauch - die sagen doch schon alles.
    Deutschland: 72% Industrie, 14% Landwirtschaft, 14% Haushalte
    Griechenland: 4% Industrie, 80% Landwirtschaft, 16% Haushalte

    Ich sehe jedenfalls keinen Investitionsboom, ganz gleich, wie wettbewerbsfähig die Löhne da werden.

    IW Köln nennt für 2010 für die USA eine um 18% höhere Produktivität als in Deutschland bei um 10% niedrigeren Arbeitskosten.
    Griechenland 43% Produktivität und 37% der deutschen Kosten. Die waren also schon damals attraktiver Investitionsstandort, ginge es nur um die Kosten.
    Ungarn, 25% der Produktivität bei nur 16% der Kosten.

    Ginge es also rein nach Produkvitität und Kosten, müssten Deutschland entindustrialisiert und Griechenland, Ungarn und die USA Produktionsparadiese mit Vollbeschäftigung sein. Sind sie aber nicht - weil die Kosten nur eine stark überbewertete Komponente sind.

    http://www.iwkoeln.de/de/presse/veranstaltungen/beitrag/66331

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    1. Industriestandorte siedeln sich sicher nicht über Nacht an. Nur wenn die Produktivität und Lohnniveau so stark auseinanderklaffen wie in Griechenland vor 5 Jahren, kommt natürlich niemand nach Griechenland.

      Oder anders gesagt: Vor 5 Jahren hättest du selbst mit Subventionen keine Firma nach Griechenland gelockt, heute schon eher.

      (Der Exportsektor im Sinne von "Geldbeschaffung" ist für Griechenland übrigens der Tourismus. Auch hier schlägt ein niedrigeres Lohnniveau durch. Voraussetzung sind natürlich niedrigere Preise (diese sind aber möglich) und ein sicheres Land, in dem Touristen nicht zusammengeschlagen werden, und die Flugzeuge auch fliegen ...)

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    2. Die "Lohnkosten senken" während die Griechen im Euro bleiben, also alle Lebenshaltungskosten auf gleich hohem Maß bleiben, ist nichts weiter als das gesamte Volk in Schuldknechtschaft zu nehmen. Dies kann funktionieren und entbehrt auch nicht wirtschaftlicher Logik der Gewinnmaximierung von Eliten (Investoren).

      Eine Lohnsenkung über Austritt hat für die Bevölkerung den starken Vorteil, das alle internen Konsumgüter (Mieten, lokale Lebensmittel, lokale Dienstleistungen, Steuern) mit sinken - bei der jetzigen Methode wird einfach nur die Bevölkerung komplett in eine mildere Form der Sklaverei versetzt (nur noch Ausgaben für Nahrung, Kleidung und Unterkunft möglich, für den Rest reicht das Geld nicht).

      Wirtschaftlichen Aufschwung erreicht man so auch nicht - wer will denn in so einem Land eine Zweitstelle gründen, da dort nichts gekauft wird? Aber man kann das Land noch weiter ausquetschen. 200 Mrd. haben die griechischen Eliten schon in die Schweiz befördert, da geht noch mehr.

      Und Exporteure gehen eher nach Bulgarien. Dies ist auch EU, hat Monatslöhne von 160 Euros im Arbeiterbereich - und ist trotzdem in einer Dauerkrise.

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  2. Griechenland hat keine industrielle Basis wie Deutschland, auf der sich aufbauen ließe. Der einseitige Fokus auf Kosten, den die Troika aktuell legt, macht es doch unmöglich Griechenland ernsthaft wettbewerbsfähig zu machen. Zu denken, in Griechenland würde in 2-3 Jahren ein Investitionsansturm ausbrechen und alle Probleme lösen, weil die Kosten noch weiter gesenkt wurden, dürfte sich als Wunschtraum herausstellen...

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    1. Griechenland hat Tourismus. Das ist eine Branche, in der Preis-Leistung genau so zählt wie in der Industrie auch. Ich würde das nicht unterbewerten, das sind locker 15 bis 20% des BIPs.

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  3. Wieso sollte man auch Vertrauen in eine griechische Staatsanleihe haben? Bzw. in Banken und Firmen aus einem Land, wo der Staat schon ausgefallen ist. Gemäß ISDA hat Griechenland einen Default hingelegt. Im Cash-Markt wurde da etwas an der Definition herumgewurschtelt (Freierwilliger Umtausch), aber selbst das würde im Corporate Bond/Loan Markt als Distressed Exchange gewertet und somit einen D-Rating darstellen. Am Ende des Tages war es ein Default => d.h. es haben Investoren viel viel Geld verloren.

    Die CDS Auktion hat außerdem 21.5% erzielt. So ein Sch..ß-Ergebnis schaffen auch Unsecured Debt von Pleitefirmen während der Finanzkrise 2008 bis 2010 geschafft.

    http://creditfixings.com/CreditEventAuctions/results.jsp?ticker=GREECE

    Wenn man abseits regulatorischer Virtualitäten ein echtes Risikomanagement macht (was insgeheim die meisten machen), dann würde man ein LGD von ca. 60% für aktuelle Griechenanleihen annehmen (und nicht diese virtuellen 100% Recovery bei 0% Default im regulatischen Umfeld). Solange die Griechen keine eigene Währung haben, werden die Regierung noch sehr lange Zeit mit sehr hohen Zinsforderungen konfrontiert sein (Mit eigener Währung würden Verlustrisiken halt im Wechselkursrisiko für Investoren liegen und nicht im Kreditrisiko)

    Ich denke, dass die Griechen nun den Weg des Sparens eingeschlagen haben und dabie bleiben sollten. Griechenland wird die nächsten Jahre keine Kredite von nicht-staatlichen Investoren erhalten (zu den berühmt berüchtigten "akzeptablen Zinsen"). Daher sollten sie erstmal zeigen, dass auf Plus-Minus-0 mit ihrem Haushalt kommen, weil die Differenz davon die anderen Euro-Staaten eben bezahlen. Der Trick beim Sparen ist, dass der ganze Schmutz unten im Wassereimer zu Tage kommt (d.h. es gibt Verlierer, die aber auch der Mitgrund der Misere sind...Das ist für Betroffende immer hart...).

    Die Griechen haben den einmalige Chance genügend Argumente zu haben, um sinnlose Verwaltungsapparate zu schließen und Verwaltungseinheiten zu zentralisieren (wo halt auch viele Konsumenten arbeitslos werden). Sowas macht man nur wenn man kein Geld hat (z.B. das hochverschuldete Bremen hat mittlerweile nur 1 Bürgeramt. Vergleichbar große Städte in D haben ca. 5 Bürgerämter, ganz schweigen von tausenden Dorfämter mit zu viel zu niedrig ausgelasteten Personal...)
    Was wichtig ist, ist zu prüfen wofür die Griechen Ausgaben machen. Wenn der Druck nicht hoch genug ist, dann werden griechische Politiker eher ihren Bürokratien aufgebläht lassen und Investitionsausgaben drosseln. Hier kann die EU den Griechen halt eine besonderen Deal anbieten, z.B. XY% des Haushalts müssen Investitionsausgaben sein, und wenn der Staatshaushalt schrumpft, dann bezahlt die EU den Gap aus den Fördertöpfen.
    Ebenso kann die EU helfen bspw. Rechnungen für IT-Beratung und Organisationsberatung zu übernehmen im Zusammenhang mit der Reorganisation der griechischen Verwaltungsapparate (Zentralisieren und komplett elektronisch machen, z.B. Online ein Visum bestellen). Hierbei sollten die Griechen erstmal beraten werden, welche Verwaltungsvorgänge sie komplett löschen können, weil sie Humbug sind. Wenn die Griechen am Ende mit dem Finger auf die Deutschen zeigen und sich beschweren wie ineffizient, dann werden sie auch ganz sicher wieder Kredite "zu akzeptablen Zinsen" bekommen.

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    1. >Der Trick beim Sparen ist, dass der ganze Schmutz unten im Wassereimer zu
      > Tage kommt (d.h. es gibt Verlierer, die aber auch der Mitgrund der Misere >sind...Das ist für Betroffende immer hart...).

      Der Schmutz sind die normalen Leute, die die Lohnsenkungen und Steuererhöhngen voll abbekommen. Kleine Beamte werden auch noch gefeuert, manche Ineffizienzen vielleicht beseitigt.
      Um in dem Jargon zu bleiben, sind die Fettaugen die Reeder, die per Verfassung Steuerfreiheit haben und die ganzen anderen Millionäre und hohen Beamten. Da Fettaugen bekanntlich immer oben schwimmen, werden sie nix für die ganze Sparerrei bezahlen müssen (ist auch nicht von der Troika gefordert hier mal aufzuräumen), sondern nur der "Schmutz".

      Wenn ich eine Gesellschaftsschicht, die an die 50% aller Einnahmen hat nicht besteuere (da sie den Staat bestochen und total durchdrungen hat, sowie die obersten Beamten stellt), brauch ich mich um desaströse Finanzen nicht zu wundern... Die lassen den Staat notfalls auch pleite gehen bevor sie ihre Macht verlieren - das Geld ist eh zum größten Teil im Ausland.

      Hier ein Artikel, wie Griechenland ausgeplündert wurde und wird:
      http://www.sopos.org/aufsaetze/4f13fa2825588/1.phtml
      Allein die Steuerausfälle werden auf 10-30Mrd im Jahr geschätzt!

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    2. Die Frage, *WO* gespart wird, wird leider viel zu selten gestellt. Es gibt IMHO nämlich eine Menge Bereiche, wo man sinnvoll sparen kann. Klar, auch das senkt die Binnennachfrage. Irgendjemand hat danach weniger Geld als vorher. ABER welche Alternative gibt es dazu? Den ganzen Rest der Bevölkerung den überflüssigen Verwaltungsapparat über höhere Steuern bezahlen zu lassen?

      Apropos Steuern: Auch hier wird nie unterschieden, wenn von Sparprogramm gesprochen wird: Wird wirklich gespart oder werden Einnahmen (ergo Steuern) erhöht? Das ist nämlich was anderes und hat auch andere volkswirtschaftliche Auswirkungen. Sparen ist für die Haushaltskonsolidierung spürbar effektiver als Steuererhöhungen. Aber da unterscheidet auch niemand.

      Generell gibt es in Griechenland (neben den Bonzen, die ihr Geld unversteuert aus dem Land schleppen) durchaus eine Menge Leute, die unverschämtes Geld verdienen. Ich meine im Vergleich zu normalen Angestellten in der freien Wirtschaft. Das sind insbesondere die Angestellten beim Staat und Tochterunternehmen (Bahn, ...). Dort wird effektiv (pro Stunde Arbeit also inkl. Arbeitszeit, Urlaub, Sonderzahlungen, Altersvorsorge) teilweise das Doppelte gezahlt, was in der freien Wirtschaft gezahlt wird. Eigentlich sollten die 3/4 der Bevölkerung, die nicht so privilegiert sind, mit Kürzungen in dem "anderen" Bereich völlig einverstanden sein. Das Problem aber: In fast jeder Familie ist jemand Teil des privilegierten Viertels. Und damit finden sich halt auch viele, die aus Solidarität gegen die Einschnitte sind. Nicht so einfach, das auseinanderzufruckeln ...

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