Goldnachfrage sinkt. Notenbanken und Europäer kaufen aber mehr.

Die Gesamtnachfrage im zweiten Quartal 2012 lag bei 990 Tonnen Gold. Im Vorjahr ware es noch 1.066 Tonnen.

Den größten Einbruch gab es in Indien, wo nur noch 181 Tonnen gekauft wurden, über 38% weniger als im Vorjahresquartal. Das World Gold Council führt das auf ungünstige Wechselkurse zurück (im Vorjahr günstig für Gold, dieses Jahr ungünstig).

Auch in China ging die Nachfrage zurück. Der Bedarf zu Investmentzwecken sank genau wie die Nachfrage nach Gold für Schmuck (insgesamt 7% Minus).

Gewachsen ist die Nachfrage in Europa. 77 Tonnen Gold (+15%) zu Investmentzwecken wurden in Europa gekauft. Übrigens in echt Gold (Barren/Münzen), nicht in Papier wie ETFs. Das dürfte natürlich auf die Verunsicherung durch die Eurokrise zurückgehen.

Weiter fortgesetzt und verstärkt hat sich der Trend, dass die Notenbanken auf der Käuferseite beim Gold stehen. Jahrzehntelang kam aus Goldminen und Recycling weniger Gold als nachgefragt wurde. Gedeckt wurde diese Lücke aus den Verkäufen der (westlichen) Notenbanken, die (zum Teil) immer noch auf großen Goldbeständen sitzen.
Die westlichen Notenbanken haben diese Verkäufe aber deutlich reduziert, wichtiger noch: Die Notenbanken in der aufstrebenden Länder haben ihre Nachfrage massiv erhöht. War dieser Trend zuerst in China und Indien zu beobachten, stoßen jetzt Russland (und die halbe Ex-UDSSR) und die Philippinen in diesen Käuferkreis vor.

Zusammen kauften die Notenbanken 158 Millionen Tonnen Gold,

140%(!)

mehr als im Vorjahresquartal. Signifikante Verkäufe gab es bei den (westlichen) Notenbanken nicht. Damit steht der Sektor Notenbank inzwischen für 16% der globalen Goldnachfrage.

Schon ein ziemlicher Turnaround in nur drei Jahren, 2008 waren die Notenbanken netto noch auf der Verkäuferseite ...

16 Aug, 2012, Gold’s performance reflects continued challenging economic climate > Media > World Gold Council

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Update (21:19):

Huch, es waren natürlich keine 158 Millionen Tonnen Gold, sondern 158 Tonnen Gold. 100 Millionen Tonnen Gold gibt es überhaupt nicht auf diesem Planeten ... Danke an Detlef für den Hinweis.

Update 2 (22:24):

Die FTD sieht die gleiche Nachrichte ganz anders aus ...

Edelmetall: Gold liegt wie Blei in den Regalen | FTD.de

Kommentare :

  1. hmm wahrscheinlich bin ich nicht im bilde aber das heißt nun was genau? ist das gut oder schlecht oder einfach nur gut zu wissen?

    (die ökonomen scheinen, im allgemeinen, wieder etwas in den alten trott zu verfallen beschreibungen der aktuellen situation als prognose zu verkaufen - dass es auch besser geht sieht man ja sonst hier im blog)

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    1. Das heisst nix. Du musst dir keine Sorgen machen und kannst dich in die Sonne legen ;-)

      Ernsthaft: Es zeigt schön, dass der Trend zurück ins altmodische Gold noch nicht zu Ende ist und die Länder, die gerade reicher werden, nichts besseres zu tun haben, als die Reserven aufzubauen, die hier im Westen einige am liebsten schnell abbauen würden.

      Die SPD fällt ja jedes Jahr auf's Neue ein, dass man ja mal den "Goldschatz" der Bundesbank verkloppen könnte ...

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    2. na das ist doch mal ne aussage mit der man arbeiten kann! (oder es lieber sein lässt bei dem wetter...)

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  2. "Zusammen kauften die Notenbanken 158 Millionen Tonnen Gold,..."

    Sind 158 Millionen Tonnen nicht ein bischen viel? 158 Tonnen klingen plausibler?

    Detlef

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    1. Yepp. Fehler. Danke für den Hinweis. Ist korrigiert.

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